Von einem Alptraum

Es soll, wird erzählt, von einem Nebentisch in einer Aida gehört worden sein, wie ein schon an Jahren beleibter Mann, dem dabei ständig seine Nase rinnt, er seinen Rotz immerzu hochziehen muß, da seine Taschentücher aufgebraucht, von seinem Alp, von dem er seit Jahren Nacht für Nacht heimgesucht ist, laut, deutlich und verzweifelt erzählt, daß er löscht und löscht und löscht, löscht, löscht, kaum aber hat er einen antisemitischen Kommentar gelöscht, ist schon der nächste antisemitische Kommentar hingeschrieben, dabei ist sein Monitor immerzu kein Monitor, sondern eine ihn immerzu sirenenlaut auslachende Fratze, und seine Löschungen stürzen in den tiefen Fratzenschlund, aus dem, als gäbe es keine Zeit, sofort wieder neue antisemitische Kommentare raketenschnell hinaufgeschossen und ausgespien sind, mitten in sein Gesicht, gewandelt in Rotz, der ihm immerzu – währenddessen immerzu der Zustimmungschor in Armeenstärke ihm immerzu höhnisch zuruft, die Männer und Frauen des Chors in nicht endenden Kolonnen aus seinen Augen und seinen Ohren marschieren und dabei immerzu wiederholend in sein kommentarverschmiertes Gesicht brüllen, was ist schon ein Kommentar, den du löschen kannst, gegen das Heer der Zustimmenden, das es nicht zu schreiben braucht, ist doch alles unlöschbar geschrieben in den Köpfen der Zustimmungsheeren, gib es auf, gib es auf – in seinen eigenen Mund, über sein Kinn, in seinen Ausschnitt und weiter in seine Hose, und diese Rotznässe läßt ihn seit Jahren Nacht für Nacht Stunden vor dem gestellten Wecker aufwachen, und dann immer sofort ins Büro eilen, um zu kontrollieren, ob alle diese fürchterlichen Ismen bedienenden Kommentare gelöscht sind, keine weiteren wieder hinzugekommen sind.

So muß es, diese Schlußfolgerung wird nun gerne an die Erzählung von diesem Alptraum angehängt, den Verantwortlichen der gesinnungsgemäß zensurierten Website der identitären Regierungspartei in Österreich gehen.

Kaum haben sie einen antisemitischen Kommentar gelöscht, wie diesen, von dem erst vor kurzem berichtet wurde, steht schon der nächste ausgeschrieben da, von dem ebenfalls kurz danach berichtet wurde. Auch dieser ist nicht mehr abrufbar.

Sie bemühen sich reichlich. Einmal mit dem Deaktivieren. Dann mit dem Löschen. Aber …

Und dann gleich wieder ein Kommentar, dem zugestimmt wird, von den vielen, die ebenso denken, aber zu bequem sind, es selbst zu schreiben, es recht fein finden, bloß mit einem Klick dem zustimmen zu können, dankbar dafür, daß andere ihnen die Mühe des Schreibens abnehmen, das sie selbst schrieben, wären sie nicht dermaßen bequem:

„Es sind die orthodoxen Talmud-Juden, die über ihre schiere Finanz-und Medienmacht die halbe Welt beherrschen.“

FPÖ - Juden.png

Was müssen das nur für „Rotzbuben“, um einen Mann aus dem Umfeld der schwarzen Regierungspartnerin der identitären Partei zu zitieren, sein, die es den Verantwortlichen dieser Website es so recht schwer machen, sie mit Löschen ständig beschäftigen, während sie doch nur von Männern des Kalibers „Staatsmann“ berichten möchten …

Und dann beziehen sich diese „Rotzbuben“ auch noch und immer wieder in ihren Kommentaren auf andere „Rotzbuben“, zu denen sie gleich und so recht bequem in ihren Kommentaren verlinken, die doch so mit den Männern der Regierungspartei in Österreich gar …

Und was die „Rotzbuben“ alles über „Talmud-Juden“ wissen, die über „ihre schiere Finanz- und Medienmacht die halbe Welt beherrschen“, zu denen für sie auch ein österreichischer Schriftsteller zu zählen scheint, wurde er doch erst vor kurzem in einem Kommentar besonders erwähnt und aufgedeckt, daß er „talmudtreu“ …

Aber das ging den Verantwortlichen dieser Website doch zu weit. Nach Tagen, die sie wohl dafür nutzen, um herauszufinden, ob er denn „talmudtreu“ oder gar über „schiere Finanz- und Medienmacht“ verfüge, löschten sie diesen Kommentar. Denn. Nichts ist ihnen unerträglicher, als etwas ohne ihre Daten zu veröffentlichen.

Wie gut, daß sie keine, kurz zusammengefaßt, „Rotzbuben“ sind, sondern alles Männer mit der Anlage zum „Staatsmann“ …

Ob Christian Konrad mit „Rotzbuben“ auch die Frauen dieser Gesinnungsgemeinschaft gemeint hat, wird nicht gewußt, wahrscheinlich nicht, ist er doch ein Kavalier der alten Schule, der Frauen nicht als „Rotzbuben“ bezeichnen würde, und das wäre auch verfehlt, sind die Gesinnungsfrauen ebenfalls Frauen mit der Anlage …

Unzensuriert - Biersauer Urwald.png

Diese recht patriotischen Frauen und Männer sind nicht zu beneiden, wie sie von „Rotzbuben“ mit deren antisemitischen Kommentaren auf Trab gehalten werden, daß ihnen gar keine Zeit mehr bleibt, um auch um die Kommentare sich noch zu kümmern, die nicht zitabel sind.

Im Grunde ist nichts von diesen „Rotzbuben“ zitabel, aber dennoch muß festgehalten werden, allein schon für das nächste Gedenkjahr, auch wenn es noch weit hin ist, möglicherweise in 69 Jahren …

tiroler patriot

 

3 Gedanken zu „Von einem Alptraum

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