He.-Chr. Strache: Die Strache war eine große Dichterin, die den Bürger vorführte

Das hat He.-Chr. Strache nicht gechräht. Sondern ein schlampig ausgesprochenes „Belakowitsch“: wäre eine große Dichterin gewesen, die … Es ging dabei um die Berge-Dome-Hämmer der Paula Preradović – wieder einmal um die Frage der Töchter, die er, Strache, beim Absingen nicht in den Mund nehmen will, sondern nur die Söhne …

Es wäre tatsächlich ein billiger Witz, den Versprecher von He.-Chr. Strache, also statt Preradović ein anderen Namen zu sagen, überhaupt zu erwähnen, das Verwechseln der zwei Namen je anzuführen, wenn dieser Versprecher oder diese Verwechslung im Eifer eines Sommergespräches nicht eine tiefe Wahrheit offenbarte. Er machte seine Pg. Belakowitsch zu einer „großen Dichterin“, und das ist sie tatsächlich, wie im Grunde alle seine Pgs., die mit ihm im österreichischen Parlament sitzen, große Dichter sind, aber nicht im literarischen Sinn, sondern große Dichterinnen im Sinne der äußerst freien Verwendung, Auslegung und Eigenherstellung von Fakten, Daten und Wirklichkeiten. Von daher hätte er, Strache, auf die betreffende Frage von Hans Bürger auch antworten können, Strache sei eine große Dichterin, die …

Und mit Hans Bürger ist der eigentliche Grund erreicht, weshalb überhaupt dieses Sommergespräch, das erst heute (mit einem Tag Verspätung also) angesehen wurde, zu erwähnen ist.

Es war enttäuschend. Hans Bürger war enttäuschend.

Denn.

Hans Bürger setzt die unheilvolle Tradition fort, freiheitlichem Gechrähe nichts entgegensetzen zu können. Das begann bereits mit Jörg Haider und geht nun unheilvoller denn je weiter mit Chr. Strache. Die Medienmenschen haben seit Jörg Haider nichts gelernt, und besonders nichts gelernt haben die Journalisten und Journalistinnen des österreichischen Rundfunks. Und tragen damit nicht unwesentlich dazu bei, daß viele, viel zu viele Wählerinnen und Wähler nach wie vor die identitäre Gemein-Schaft als ein wählbare einstufen.

Warum?

Entweder sind sie, die Medienmenschen, stets derart unvorbereitet, daß sie nicht in der Lage sind, mit Fakten und Daten sattelfest freiheitlichen Behauptungen entgegentreten zu können, oder sie sind von ihren Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen dazu angehalten, freiheitliche Spitzenfunktionäre und Spitzenmandatarinnen nicht in letzter Konsequenz öffentlich ob ihrer Falschaussagen und Behauptungen und Unterstellungen, die bar jedweder Richtigkeit sind, bloßzustellen, daß ihre Aussagen einer tatsächlichen Überprüfung nicht standhalten.

Es geht nicht darum, das muß hier klargestellt werden, freiheitliche Mandatare und Mandatarinnen bloßzustellen, eine derartige Forderung wird hier in keiner Weise erhoben. Aber gerade die Angestellten des ORF haben die Verpflichtung ihrem Publikum gegenüber, für die Zuseherinnen und Zuseher genau nachzufragen, die Aussagen auf Haltbarkeit zu prüfen. Denn sonst bleibt stets beim Publikum der Eindruck über, das beispielsweise von He.-Chr. Strache Behauptete sei wahr, weil sonst hätte – im konkreten Beispiel – Hans Bürger nachgewiesen, es sei nicht wahr …

Um es anschaulicher zu machen. Ein Beispiel aus diesem Sommergespräch vom 17. August 2015. Hans Bürger spielt He.-Chr. Strache einen Ausschnitt aus einer Rede vor, die er vor etlichen Jahren hielt, in der er, Strache, Militärflugzeuge für Abschiebungen forderte, in denen dann die Menschen, die abgeschoben werden, „schreien und sich anurinieren“ … Diese Forderung wiederholte in diesem Jahr die Pg. von Strache im österreichischen Parlament nahezu wortident. Und dieses Gechrähe konnte im gestrigen Sommergespräch Strache noch einmal wiederholen, etwas gelassener, aber inhaltlich unverändert. Nun könnte gemeint werden, Hans Bürger war dafür sehr gut vorbereitet. Die betreffenden Ausschnitte von der Strache-Straßenrede und von der Belakowitsch-Parlamentsrede wurden herausgesucht und vorgespielt. Hans Bürger fiel sogar die nahezu idente Rede auf. Aber im Sommergespräch brachte es Strache doch freundlicher und lächelnd wieder vor, inhaltlich unverändert. Vielleicht hat das Hans Bürger schon befriedigt, dessen größte Sorge anscheinend dabei ist, ob so etwas nicht anders formuliert werden könnte, also netter oder lieblicher. Und doch. Bei soviel Vorbereitung ist es doch verwunderlich, daß Hans Bürger beispielsweise nicht selbst vorlegte, wie oft es denn tatsächlich je dazu kam, daß Menschen bei ihren Abschiebungen in Flugzeugen „schrien“, „sich anurinierten“, und deshalb Abschiebungen gestoppt werden mußten. Ist es doch verwunderlich, daß Hans Bürger den zurzeitigen freiheitlichen Obmann nicht dazu drängte, gesichert zu beweisen, wie oft das in den letzten neun Jahren denn tatsächlich geschehen ist.

Vor neun Jahren chrähte Strache das über das „Anunirieren“ – ein einflußreicher Dichter, der in Belakowitsch eine epigonenhafte Dichterin im Parlament zur Seite hat, der aber auch selbst kein originärer Dichter ist, sondern ein Epigone von Jörg Haider, einem ebenso einflußreichen Dichter, einem Epigonen von …

Hans Bürger Strache Sommergespräch 2015 FPÖFür Zuseherinnen und Zuseher hat ein Gespräch keinen Informationswert, wenn der Interviewer oder die Interviewerin nicht die Aufgabe wahrnimmt, die entscheidenden Fragen zu stellen, vor allem die Aussagen auf Haltbarkeit zu prüfen, die das Publikum nicht stellen kann, das Publikum nicht gleich prüfen kann. Derartige Gespräche, wie beispielsweise dieses gestrige Sommergespräch, können aus dem Programm genommen werden. Das wäre kein Verlust. Zukünftig könnten Sommergespräche in der gestrigen Qualität ohne Moderator, ohne Interviewerin auskommen. Und beispielsweise ein He.-Chr. Strache könnte selbst einfach eine Stunde lang sich mit sich selbst unterhalten. Das wäre ein Gewinn. Die Kosten für diese Sendung fielen geringer aus, da kein Honorar für den Moderator … Und der wesentliche Gewinn. Das Publikum wüßte sofort, es muß alles sich selbst Gesagte in einer Sommerselbstdarstellungsstunde beispielsweise eines zurzeitigen freiheitlichen Obmannes selbst auf Wahrheitsgehalt überprüfen. Das bleibt aber dem Publikum trotz Hans Bürger auch diesmal nicht erspart, selbst zu prüfen, was von dem, was Strache gestrig chrähte, tatsächlich stimmt …

NS Und dann gibt es auch noch die nicht unwesentlichen Fragen, die einem Hans Bürger auch nicht einfallen wollen (oder dürfen?), trotz Kenntnis davon, wie etwa die nach der Haltung von He.-Chr. Strache zum Faschismus, dessen „Wiederbeleben“ in der von seinem Pg. Wendelin Mölzer geführten „ZZ“ unverhohlen … Etwas über die „Versuchung durch den Nationalsozialismus des nationalen Lagers“ wäre auch nicht uninteressant gewesen, hierzu von He.-Chr. Strache etwas zu hören; der Aufwand für die Recherche wäre für die Angestellten des ORF dazu nicht groß gewesen. Gewußt wird es, aber es scheint nicht mehr opportun zu sein, das breit zu bringen …