Was vom Eurovision Song Contest mit bärtigem Mann im ausgeschnittenen Frauenkleid bleibt – Eine Nächtigungszahlenchimäre

Heute wurde berichtet – in der Hauptnachrichtensendung des österreichischen Rundfunks, der Eurovision Song Contest habe der Stadt Wien im Mai einen Nächtigungsrekord gebracht, wobei besonders betont wurde, es konnte der Rückgang bei Nächtigungen von Touristen und Touristinnen aus Rußland mehr als wettgemacht werden …

Derart preisen Budenbesitzer und deren Ausruferinnen seit jeher ihre Schau an.

Aber wie sieht es tatsächlich aus?

Schaustellung Eurovision Song Contest und Conchita WurstEin Plus von 2,4% im Mai 2015 gegenüber Mai 2014. Im Mai 2014 gab es, ohne den Liedlwettbewerb, ein Plus von 2,8% gegenüber dem Vergleichsmonat 2013, und, wie in der Collage gelesen werden kann, schon 2014 konnte das „Russen-Tief“ ganz ohne Liedlwettbewerb wettgemacht werden, sogar besser wettgemacht werden als mit dem Liedlwettbewerb in diesem Jahr. Und mit Liedlwettbewerb konnte der Rekord von 2013 nicht einmal annähernd erreicht werden: im Mai 2013 gab es gegenüber Mai 2012 ein Plus von 10,4 Prozent. Eine Zahl noch: im Jahr mit dem Liedlwettbewerb gab es von Jänner bis Mai ein Plus von 4,2%, im Jahr davor ohne Liedlwettbewerb gab es von Jänner bis Mai ein Plus von 5,5% gegenüber den Vergleichsmonaten 2013.

Die Nächtigungszahlen steigen seit … und in all den Jahren ganz ohne Liedlwettbewerb und …

Wer in eine Schau geht, ist bereit der Illusion zu erliegen, und was sind Nachrichten? Nachrichten sind auch nur eine Schau (und nicht nur die vom österreichischen Rundfunk), der aber zu erliegen nicht …

Aber weil Nachrichten nicht als Schaustellung angekündigt sind, war es doch notwendig, darauf hinzuweisen … es reichte vielleicht schon, um gleich zu wissen, daß einer Schau beigewohnt wird, wenn in Hinkunft die Nachrichtensprecher und Nachrichtensprecherinnen so bunt und clownesk angezogen wären, wie eben Ausrufer und Ausruferinnen von Schaubuden es sind …

Und bei der Gelegenheit kann auch noch die Frage, die gar so beliebte Frage, was denn von irgendwas bleiben wird, beantwortet werden, also in diesem Fall von Conchita Wurst und von dem Liedlwettbewerb der Fernsehanstalten. Für diese Antwort können ein paar Zeilen aus der Kreutzersonate von Leo N. Tolstoi abgeschrieben werden, die er irgendwann zwischen 1887 und 1889 für seinen Roman schrieb:

„Ich besuchte einst in Paris alle Schaustellungen und geriet dabei auch in eine Bude, wo eine bärtige Frau und ein Seehund gezeigt wurden. Es stellte sich heraus, daß die Frau mit Bart nichts anderes war als ein Mann in einem ausgeschnittenen Frauenkleid, und der Seehund ein Hund, der in das Fell eines Seetieres gehüllt worden war und in einem Wasserbehälter schwamm. All das war recht wenig interessant. Als ich aber wegging, begleitete mich der Budenbesitzer höflich hinaus, und wandte sich, indem er auf mich hinwies, am Ausgang mit den Worten an das Publikum: ‚Meine Herrschaften, fragen Sie diesen Herrn, ob es sich lohnt. Immer heran immer heran, meine Herrschaften, einen Franc die Person.‘ Mir war es – ich weiß nicht warum – peinlich zu sagen, daß es sich nicht verlohne, und damit hatte ja auch der Budenbesitzer gerechnet.“

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