Wiener Linien, Polizei und der WKR-Ball 2011

Wer gestern, am 28. Jänner 2011, um 18.00 Uhr der U-Bahn am Schottentor entstieg,lief in eine großangelegte Fahrscheinkontrolle, die just zu dem Zeitpunkt begann. Die Wiener Linien witterten wohl ein Geschäft, gerade am Schottentor und gerade zu dieser Zeit zu kontrollieren. Denn für die Wiener Linien, die vermutet haben werden, daß Demonstranten und Demonstrantinnen mit der U 2 zum Votikpark unterwegs sein könnten, haben mit Sicherheit keinen Fahrschein.

Aber der von ihnen auch kontrollierte Demonstrant hat sogar eine Jahresnetzkarte.

Der von den Wiener Linien kontrolliete Demonstrant mußte bald nach dem Verlassen der U-Bahnstation Schottentor feststellen, daß er kein Demonstrant ist, weil es keine Demonstration gab, in die er sich einreihen konnte. Was er aber sah, war eine Demonstration der Polizei, eine Demonstration der Polizei, die Angst machen kann, aber auch zum Lachen reizte.

Es war lachhaft zu sehen, daß vor der Votivkirche ein Polizist eine Kreuzung hysterisch regelte unter Zuhilfenahme einer Lampe, obwohl diese Kreuzung zugleich ohhnehin durch die Ampel automatisch geregelt wurde. Weit und breit keine Demonstration. Nicht einmal eine Demonstrantin, ein Demonstrant. Dafür zusätzlich das Polizeiauto mit eingeschaltetem Blaulicht verwegen quergestellt, als ob ein Actionfilm gedreht werden würde.

Dann weiter Richtung Alser Straße, keine Demonstration, aber Absperrungen durch die Polizei. Weiter hinein in die Alser Straße, keine Demonstration, aber weitere Absperrungen durch die Polizei. Vielleicht weiß die Polizei nicht, wo die Hofburg ist. Beim Gang durch den Uni-Campus kann nur festgestellt werden, Ruhe und Polizei, aber keine Demonstration. Vorbei beim Narrentum, dahinter wieder auf die Straße, wieder Absperrungen durch die Polizei, aber keine Demonstration. Vielleicht sollte der Polizei ein Stadtplan geschenkt werden, auf dem dick und fett angestrichen ist, daß die Hofburg im ersten Bezirk, nicht im neunten Bezirk ist.

Möglicherweise wurde die Polizei falsch informiert. Vielleicht hat Maria Fekter der Polizei gesagt, wir sind in Kairo. Das würde nicht überraschen, daß Maria Fekter auch in der Geographie ebenso danebengreift, wie sie es bei ihrem historischen Vergleich eben erst tat.

Gegen 20.00 Uhr dann Spaziergang Richtung Hofburg. Keine Demonstration, dafür wieder Polizei, Polizei und abermals Polizei. Vor dem Volkstheater, auf dem Ring, die Tore der Hofburg geschlossen, hinter dem Zaun ab und an ein bis zwei Polizisten verschanzt, auf den Ring starrend. Bei der Staatsoper drei Polizisten in einem Auto mit laufendem Motor, wohl um sich aufzuwärmen, davor eine Polizistin auf dem Fußgängerweg gelangweilt rauchend, beim Window Shopping.

Am Michaelerplatz keine Demonstration, keine Demonstranten und keine Demonstrantinnen. Absperrung der Polizei, aber nur drei oder vier Polizisten. Direkt vor der Hofburg also keine Hundertschaft. Alles ruhig, um 20.30 Uhr etwa. Drei oder vier Passanten, denen erklärt wird, sie müssen Umwege in Kauf nehmen, Platzverbot wegen der Burschenschafter.

Weiter Richtung Stephansplatz. Ruhe. Keine Demonstrantinnen, Demonstranten. Um 20.45 Uhr wird der erste Bezirk mit der U 3 wieder verlassen.

Auch „Unzensuriert“, die Website der politischen Informationen des III. Präsidenten NR, Dr. Martin Graf, ist es diesmal nicht möglich, von großen Krawallen zu berichten.

Was nun wirklich zu klären ist, wer bezahlt diesen absolut überzogenen Polizeieinsatz. Propaganda muß schließlich immer bezahlt werden. Und dieser Polizeieinsatz war nichts anderes als eine Propaganda gegen demokratisch verbriefte Rechte. Wer hat die Wiener Linien dazu gebracht, bei dieser Propaganda mitzutun? Denn die großangelegte Fahrscheinkkontrolle genau zu diesem Zeitpunkt am Schottentor, also am Areal der geplanten und dann ebenfalls verbotenen Standkundgebung, läßt nur den Schluß zu: Demonstranten und Demonstrantinnen sollen als Schwarzfahrer und Schwarzfahrerinnen verunglimpft werden.

Und es war eine Propaganda für die Burschen- und Landsmannschaften, daß diese ja ehrenwerte Bürgerinnen und Bürger seien, die beschützt werden müssen. Und was für eine ehrenwerte Gesellschaft gestern in der Hofburg tanzte, kann auch an den Wünschen abgelesen werden, die auf „Alpen-Donau-Info“ zu lesen sind: die Treiber und Treiberinnen dieser Website wünschen ihren „Kameraden“ einen schönen Ball.

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