The Brown Book

hofer-tierfanger

Es gibt Minuten, in denen für Sekunden gedacht wird, was wäre es für ein Roman geworden, mit einem anderen Titel. Aber es wurde nun einmal der Titel

Stets bäuchlings, geschrieben in Österreich

gewählt. Ein Titel, der bewirkt, daß nicht endlich davon geschrieben werden kann, der Roman ist abgeschlossen.

Es gibt dann schnelle Ablenkungen, um diese Sekunden nicht auszudehnen. Nicht immer ist die Ablenkung ein Glück. Wie jetzt, mit der leeren Schachtel Germanin – Bayer 205 in der Hand, gefunden beim Ausräumen des Altersheimzimmers der Urgroßmutter, abgelenkt durch die Frage, was hat Urgroßmutter nur dazu bewogen, die leere Germaninmedikamentenschachtel jahrzehntelang aufzubewahren, diese sogar in das Altersheim mitzunehmen. Urgroßmutter hätte, wenn ihr das möglich gewesen wäre, die leere und abgegriffene Germaninschachtel wohl noch in den Sarg mitgenommen …nun liegt sie ohne die Bayer 205 Germanin im Grab, vielleicht erleichtert, endlich von ihr befreit zu sein …

austria-the-brown-bookWas wird aus diesem Roman noch werden?

Es ist bisher schon kein spannender Roman. Kein kluger Roman. Menschgemäß darf ein Roman nicht klüger als sein Personal sein. Das erfüllt der Roman. Das erfüllt er … ohne deshalb ein guter Roman zu sein. Wie auch? Mit diesem Personal. Es ist ein schlechter Roman, auch ein Roman der Schlechtigkeit – eben wegen seines Personals.

Wie wird dieser Roman mit seiner Typisierung Trilogie der Schmutzromane mit Epilogen und Appendix weitergehen? Nicht spannend, nicht klug, nicht gut, das ist gewiß. Aber grauenvoll, noch grauenvoller als alle Kapitel bisher, wie aus allen bisherigen Kapiteln zu vermuten ist, schlimmer, es nur noch grauenvoller werden kann. Bis aus dem Grauenvollen das Grauen … das Grauen kommt erst.

Es ist kein Roman der Fiktion mit Wirklichkeiteinsprengseln.

Es ist ein Wirklichkeitsroman.

Die Wirklichkeit beschreibt sich in diesem Roman selbst, zieht ihr grauenvollsten Kleid an, und sie wird es im Fortgang des Romans wieder ausziehen, bis sie gänzlich entblößt in ihrem ganzen Grauen …

Aber was für ein Titel hätte statt Prono ever, written in Austria genommen werden können?

So wird das Leben? Vom Leben, wie es wird, weiß die Wirklichkeit in Österreich nichts.

So war das Leben? Vom Leben, wie es war, weiß die Wirklichkeit in Österreich nichts.

So ist das Leben?

Es wäre dann kein Wirklichkeitsroman, würde in diesem, der in Österreich geschrieben wird, vom Leben geschrieben werden. Das wäre bloße, aber erhabene Fiktion. Bei diesem Romanpersonal. Schöngeschriebene, verschönte Wirklichkeit. Und der noch eine Fiktion hinzufügen, das … es gibt bereits ein Zuviel an Fiktion. Bis zu Ununterscheidbarkeit. Fiktion ist Wirklichkeit und Wirklichkeit ist, nein, nicht Fiktion, schlimmer, Wirklichkeit, wie das Beispiel vom Hofer, der eine ein Tierfänger, der andere ein deutscher Politiker

Es soll nicht verschwiegen werden, es wurde gehofft, es diesmal zu schaffen, die hochtrabenden Wörter einzufangen, für diesen Wirklichkeitsroman, wenigstens einen Wortfeiertag erleben zu dürfen. So bleibt all das Glänzende für und bei den anderen. Sie allein können weiter und weiter schreiben das Lichtwort Leben … während auf diesen Seiten nur, um ein Wort aus diesem Romanwortkorb der Armut herauszugreifen, Namen als Wörter bleiben: Von Hofer zu Hofer zu Hofer zu Hofer …

Es könnte durcheinandergekommen werden, wären da nicht die Vornamen, die helfen, die Hofers auseinanderzuhalten, die Hofers aus der Geschichte, den Hofer aus dem Film, den Hofer aus der identitären Parlamentspartei …

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Ein Gedanke zu „The Brown Book

  1. Pingback: Doron Rabinovici gebührt Dank für das Schließen eines Kapitels | Prono ever

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