Besprechungen mit Tagesordnung und anschließend an die Kasse

„Armin Wolf: Ich begrüße Philip Hochmair jetzt im Wiener Burgtheater. Guten Abend. Herr Hochmair, der Reinhard Heydrich, der Chefplaner des Holocaust, den Sie im Film zeigen, ist kein polterndes Nazimonster, sondern ein höflicher, kultiviert auftretender ruhiger Mann. Wie sehr ist das der reale Heydrich?“

Das fragt am 24. Jänner 2022 Armin Wolf in der Nachrichtensendung des österreichischen Rundfunks —

Am 21. Jänner 2022 spielt der kultivierte Radiosender dieser öffentlichen-rechtlichen Anstalt in Österreich „Tomorrow belongs to me“, am Morgen nach der Nacht des Tages 20. Jänner, an dem die „Wannseekonferenz“ stattfand, ist für den kultivierten österreichischen Radiosender the anthem „ein kleiner musikalischer Gustohappen“, der für die „polternde[n] Nazimonster“, wie Armin Wolf sich diese vorstellt und, dabei einem kultivierten Weltbild des Guten verpflichtet, sie so sehr weiter so dargestellt zu sehen sich wünscht, vor achtzig Jahren noch kein Festgesang war, weil es diesen Choral vor achtzig Jahren noch nicht gab, aber der „kleine musikalische Gustohappen“ ist den Wiedergängerinnen der „Nazimonster“, der „kleine musikalische Gustohappen“ ist den das Erbe der „Nazimonster“ Angetretenen ein Lobgesang, eine Hymne.

„Philip Hochmair: Es war unser Versuch, einen heutigen Zugang zu diesem finsteren Thema zu schaffen und einen Kontakt zu heute herzustellen. Wir haben den 80. Jahrestag der Wannseekonferenz am 20. Januar dieses Jahres gehabt. Und dieser Film soll einen Impuls geben über diesen Event, diesen schrecklichen Event nachzudenken. Wir haben versucht, einen heutigen Ton zu finden, also wir haben so sehr den sogenannten Nazisprech im Ohr, die polternden, lauten Nazis, aber vielleicht ist diese Konferenz auch so abgelaufen, daß die Leute auch wirklich ganz ruhig diese Abläufe auch so besprochen haben.
[…]
Es geht wirklich um diese Konferenz, die Kräfte, die da gewirkt haben, und es ist vielleicht wirklich mit einer heutigen Vorstandssitzung, einem großen Konzern vergleichbar.“

Wie anders hätte diese Konferenz auch ablaufen sollen? Sie traten nicht in einer Turnhalle auf, etwa in Ried, ihr Auftrag war nicht, polternd durch die Gassen zu marschieren

Ihr Auftrag war, eine Tagesordnung abzuarbeiten. Im Auftrag von Herman Göring, einem kultivierten Kunsteinsammler. Auch nicht so kultivierte und gebildete Menschen machen sich die Kultur von Besprechungen zu eigen, benehmen sich kultiviert, höflich, ruhig. Das Maß für solche Konferenzen waren wohl auch damals schon die Besprechungen mit Tagesordnung der Herren – und waren es nur Herren – der Konzerne, wie jene Besprechung mit Tagesordnung auch an einem 20., am 20. Februar 1933, an der Hermann Göring und sein österreichischer Führer — wie gelesen werden kann in „Die Tagesordnung“ …

„Unterwürfig öffnete man ihnen den Wagenschlag, sie schälten sich aus ihren dicken schwarzen Limousinen und passierten nacheinander die schweren Sandsteinsäulen. Sie waren vierundzwanzig bei den toten Bäumen am Ufer, vierundzwanzig schwarze, braune oder cognacfarbene Übderzieher, vierundzwanzig mit Wolle gepolsterte Schulterpaare, vierundzwanzig Dreiteiler, und die gleiche Anzahl breitgesäumter Bundfaltenhosen. Die Schatten stießen in das große Vestibül des Reichstagspräsidentenpalais vor; doch bald sollte es keine Reichstagsversammlung mehr geben, keinen Präsidenten, und in ein paar Jahren sogar keinen Reichstag mehr, nur noch einen Haufen schwelender Trümmer. Einstweilen werden vierundzwanzig Filzhüte vom Kopf gezogen und vierundzwanzig kahle Schädel oder weiße Haarkränze entblößt. Würdevoll reicht man einander die Hand, bevor man auf die Bühne steigt. Die ehrwürdigen Patrizier stehen dort im großen Vestibül; sie wechseln ein paar scherzhafte, respektable Worte; man könnte meinen, dem etwas steifen Vorgeplänkel einer Gartenparty beizuwohnen.
[…]
Um den Tisch versammelt sind außer ihm [Wilhlem von Opel] Gustav Krupp, Albert Vögler, Günther Quandt, Friedrich Flick, Ernst Tengelmann, Fritz Springorum, August Rosterg, Ernst Brandi, Karl Büren, Günther Heubel, Georg von Schnitzler, Hugo Stinnes Jr. Eduard Schulte, Ludwig von Winterfeld, Wolf-Dietrich von Witzleben, Wolfgang Reuter, August Diehn, Erich Fickler, Hans von Lowenstein zu Loewenstein, Ludweig Grauert, Kurt Schmitt, August von Finck und Doktor Stein. Wir sind im Nirwana der Industrie und Finanz. Bisher sind alle still und manierlich […] Mit solchen Treffen kennt man sich aus, alle sitzen in Verwaltungs- oder Aufsichtsräten, alle gehören irgendeinem Arbeitgeberverband an. Ganz zu schweigen von den trostlosen Familientreffen dieses knochentrockenen, öden Patriacharts.
[…]
Endlich betritt der Reichstagspräsident den Raum: Hermann Göring. Und das – es überrascht nicht im Geringsten – ist im Grunde ein ganz banales Ereignis, Routine. Im Geschäftsleben sind Partisanenkämpfe nicht der Rede wert. Politiker und Industrielle sind gewohnt, miteinander umzugehen. Göring macht seine Hausherrenrunde, hat für jeden ein persönliches Wort und schüttelt wohlmeinend sämtliche Hände.
[…]
Diejenigen, die ihm noch noch nie begegnet sind, harren neugierig auf seinen Anblick. Hitler lächelt, wirkt entspannt, überhaupt nicht wie man es sich vorstellt, leutselig, ja geradezu liebenswürdig, sehr viel liebenswürdiger als gedacht. er hat für jeden ein Wort des Dankes […] Sie hören zu. Die wesentliche Aussage lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es gelte, mit einem schwachen Regime Schluss zu machen, die kommunistische Bedrohung abzuwehren, die Gewerkschaften abzuschaffen und jedem Chef zu erlauben, in seinem Unternehmen ein Führer zu sein. Die Rede dauert eine halbe Stunde. Als Hitler fertig ist, steht Gustav auf, tritt einen Schritt vor und dankt ihm im Namen aller anwesenden Gäste, endlich die politische Situation geklärt zu haben. Der Kanzler dreht noch eine kurze Runde und bricht wieder auf. Man beglückwünscht ihn, zeigt sich zuvorkommend. Die alten Industriellen wirken erleichtert. Sobald er gegangen ist, ergreift Göring das Wort, wiederholt nachdrücklich ein paar Ideen und kommt erneut auf die Wahlen vom 5. März zu sprechen. Es sei eine einmalige Gelegenheit, der bisherigen Sackgasse zu entkommen. Doch um einem Wahlkampf zu führen, brauche man Geld; und der Wahlkampf rücke näher. In diesem Augenblick erhebt sich Hjalmar Schacht, lächelt in die Versammlung und ruft: „Und nun, meine Herren, an die Kasse!“

Seine zugegebenermaßen etwas zackige Aufforderung ist für diese Männer nichts sonderlich Neues; sie sind mit Bestechungs- und Schmiergeldern bestens vertraut. Im Budget großer Unternehmen ist die Korruption ein unumgänglicher Posten mit unterschiedlichen Namen: Lobbying, Gratifikation, Parteienfinanzierung. Die Mehrheit der Gäste zahlt umgehend etliche hunderttausend Reichsmark. Gustav Krupp spendet eine Million, Georg von Schnitzler vierhunderttausend, und so kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Dieses Treffen vom 20. Februar 1933, in dem man einen einmaligen Moment der Arbeitgebergeschichte sehen könnte, ein unerhörtes Zugeständnis an die Nazis, ist für die Krupps, die Opels und die Siemens nicht mehr als eine alltägliche Episode des Geschäftslebens, ein banales Fundraising.“

So höflich, so kultiviert, so ruhig laufen Besprechungen mit Tagesordnung eben ab, ob in 1933, ob in 1942, ob … eine alltägliche und banale Episode im Leben von Menschen, die an Konferenzen mit Tagesordnung Abschaffung der Demokratie oder Fundraising oder Endlösung oder … teilnehmen.

„Armin Wolf: Wie sehr haben sie sich mit der realen Figur Heydrich beschäftigt? Philip Hochmair: Sehr, sehr viel, aber […]“

Reinhard Heydrich, vom Österreicher gepriesener „Blutzeuge“, kultivierter Violinist und Träger von Spitznamen: „Henker“ und „Ziege“, dem Philip Hochmair eine allzu männliche Stimme leiht, die so gar nicht zu „Ziege“ passen will, auf die Heydrich wegen seiner Fistelstimme getauft oder wegen der er gehänselt wurde …

Von Reinhard Heydrich gibt es das – nicht in dieser Besprechung mit Tagesordnung gesagte – Bekenntnis: „Als Nationalsozialist bin ich Zionist.“ Wie gut, daß Österreich ein Land ist, in dem sich auch die Bundesregierung, in dem die Regierung an der Spitze gegen den Zionismus

Reinhard Heydrich besaß auf Fehmarn ein Sommerhaus. Zum Richtfest zur Sonnwendfeier kam 1935 auch Heinrich Himmler … Oberhalb der Eingangstür des Sommerhauses von der Familie Heydrich eine Rune, die auch Jahrzehnte später noch einen rechten Reiz vor allem auf die Mannen ausübt, zu Taten auch auf Inseln …

Nicht einmal fünf Monate nach dieser Konferenz mit Tagesordnung war Reinhard Heydrich tot. Und was zu sagen ist, hat Thomas Mann in einer Radioansprache gesagt, nicht als Nachruf auf Heydrich, sondern gegen den Totenkult, den die Nazissen mit Himmler an der Spitze mit dem Heydrich im Sarg

„Seit dem gewaltsamen Tode des Heydrich, dem natürlichsten Tode also, den ein Bluthund wie er sterben kann, wütet überall der Terror krankhaft-hemmungsloser als je. Es ist absurd und lässt wieder einmal den Ekel hochsteigen vor der Mischung aus Brutalität und kreischender Wehleidigkeit, die von jeher für das Nazitum kennzeichnend war […] Wohin dieser Mordknecht kam, floss das Blut in Strömen. Überall, auch in Deutschland, hieß er recht und schlecht ‚der Henker’ […] Nun also, er ist ermordet worden. Und wie nehmen die Nazis das auf? Sie stellen sich an, als sei die unfasslichste Missetat geschehen, der Menschheit Höchstes angetastet, die Krone, das Palladium entwendet […] Zu Hause wird ihm ein pomphaftes Staatsbegräbnis verordnet, und ein anderer Metzgermeister sagt ihm am Grabe nach, er sei eine reine Seele und ein Mensch von hohem Humanitätsgefühl gewesen.“

Dann übernahm die Funktionen von Heydrich ein Mann aus Ried, Österreich

„Armin Wolf: Das waren überhaupt relativ junge Männer, es waren viele Akademiker, es waren Bürokraten aus Ministerien. Heute erscheint uns unbegreiflich, daß man so, wie man es im Film sieht, über den geplanten Massenmord an elf Millionen Menschen sprechen kann, und keiner sagt in diesen neunzig Minuten auch nur einmal: seid ihr denn alle verrückt geworden.“

Unbegreiflich daran, es heute noch unbegreiflich finden zu können. Nahezu rührend, wie Armin Wolf dies unbegreiflich finden kann, daß keiner widerspricht, keiner sagt, seid ihr denn alle verrückt … Wie hätte das auch passieren können, wer hätte es denn wagen können, in dieser Konferenz sich von einer Sekunde auf die andere vom nationalsozialistischen Paulus zum Saulus zu wandeln? Es waren Männer der gleichen Gesinnung. Wer von diesen Männern hätte das tun sollen? Wilhelm Stuckart? Sein Rassegesetzverfassungskamerad Globke nahm an dieser Konferenz nicht teil. Und mit dem Rassegesinnungskameraden von Stuckart stellt sich tatsächlich die Frage nach der Unbegreiflichkeit. Wie kann Globke nach der Shoah eine der höchsten österreichischen Auszeichnungen bekommen, wie kann erst in 2018, dann wieder 2020 und dann wieder 2021 die Forderung nach einer Aberkennung …

Sind denn alle in Österreich nach 1945 verrückt geworden? Nein. Sie sind gemäß ihrer weltanschaulichen Orientierung normal geblieben, wie die Männer dieser Konferenz gemäß ihrer Gesinnung ihre Normalität lebten.

Darüber hinaus kamen diese Männer zusammen, um eine Tagesordnung abzuarbeiten, die ihnen nur eines vermittelte, sich einer Aufgabe zu stellen, die gemäß ihrer Gesinnung für sie eine vollkommen normale Aufgabe war, wie sie Herman Göring ihnen formulierte: ihm „in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage“ vorzulegen. Und es hätte alles anders kommen können, das deutsche reich hätte schon viel früher zusammenbrechen können, dann wäre dieser „Gesamtentwurf“ der Konferenz nichts gewesen, nur vergilbtes und vergessenes Papier einer vergessenen Konferenz, die dann belanglos, bedeutungslos, verschwendete neunzig Minuten für einen Entwurf, der nicht Tat wurde. Diese Konferenz aber bekam Bedeutung, weil der „Gesamtentwurf“ tatsächlich Tat wurde …

Umso unbegreiflicher, daß nach diesem „Gesamtentwurf“ geschehene industrielle Massenmord 1956 Globke das „Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich …

Neunzig Minuten dauerte diese Konferenz am Wannsee, die erst nach 1945 zu einer Konferenz geadelt wurde – Konferenz: uneingestandene, unbewußte Bewunderung für eine Zusammenkunft von Männern, die sich, so war die Einladung formuliert, einfach trafen zu einer

„Besprechung mit anschließendem Frühstück
zum 20. Januar 1942 um 12.00 Uhr
Berlin, Am Großen Wannsee 56-58″.

Besprechungen mit Tagesordnung laufen nicht nur so höflich, so kultiviert, so ruhig ab, sie ähneln einander auch in ihrer Dauer. Neunzig Minuten soll aber Hitler in der Besprechung am 20. Februar allein für seine Ausführungen in Anspruch genommen haben. Dann ging es bald zur „Kasse“. Schacht hatte es wohl vergessen, in die Einladung zu schreiben, deshalb mußte er es sagen, die Einladung hätte sonst wohl gelautet:

Besprechung mit anschließender Kasse
zum 20. Februar 1933 …

Irgendwann in diesem Interview kann es nicht ausbleiben, daß Armin Wolf … „Hannah Arendt hat über Adolf Eichmann, der ja eine zentrale Figur bei dieser Konferenz war, die berühmte Formulierung von der Banalität des Bösen geprägt. Gilt das auch für Heydrich, für die anderen? Philip Hochmair: Würde ich schon sagen, also Heydrich war kein Genie […]“

Bildungsfolkore. Es fielen viele Varianten zu dieser Formulierung ein, wenn das „Böse“ für das Menschgemäße würde verwendet werden wollen, und es wären alles Paraphrasen, deren Zentrum Kultiviertheit

Manchen fiele dazu wohl sofort ein, so eine Formulierung wie: Das kultivierte Böse. Anderen vielleicht: Das Böse der Kultiviertheit. Es kann kein Mensch daran gehindert werden, sich an solchen Formulierungen zu versuchen, eine Zustimmung können sie nicht erwarten.

Zur Kultiviertheit fällt sofort das Burgtheater ein, nicht weil Philip Hochmair im Burgtheater das Interview gibt, sondern weil es u. v. a. m. ein Ort kultivierter Schauspielerinnen …

Auch die Staatsoper, ein Palais der Kultiviertheit, wie die Volksoper … die Säle der Bälle … Der Film „Besprechung mit anschließender Kasse“, nein, der Film „Besprechung mit anschließendem Frühstück“, nein, der Film „Wannseekonferenz“ wurde vor dieser Nachrichtensendung am 24. Jänner 2022 gezeigt, und in dieser Besprechung wird auch über RigaRiga, so weit von Österreich, und doch so nah zur Gegenwart

Der morgige Tag ist ein Tag nach dem 26. Jänner, der wieder so ein Tag der Tage in Österreich, die Sondertage des Erinnerns …

NS Wird in Österreich der Wannsee einmal ein Thema, dann aus gesinnungsgemäßer Sorge um den Wannsee, genauer, um das Strandbad am Wannsee. Gesinnungsgemäße in Österreich es als ihre Pflicht empfinden, auch in der Ferne ein „Kultur-Problem“ zu ersehen. Die Antwort aus Berlin wird sie gesinnungsgemäß nicht beruhigt haben.

„Und hier ein kleiner musikalischer Gustohappen“

an diesem Freitag, 21. Jänner 2022. So lieblich, so freundlich, so appetitlich wird um 7.47 Uhr das nachkommende Lied angekündigt …

„Und hier ein kleiner musikalischer Gustohappen.“

Dann wird in der Radiosendung „Guten Morgen Österreich“ das Lied gespielt:

„Tomorrow belongs to me“.

Gesendet vom ORF, Radio Ö1, in Österreich, am 21. Jänner 2022.

Und wer dieses Lied schon einmal gehört hat, wird am Frühstückstisch sitzen, wie der alte Mann am Tisch saß, als er sich das von einem strammstehenden deutschen Jüngelchen in deutscher Sprache gesungene Lied anhören und ansehen muß, wie immer mehr junge und immer mehr alte Menschen, Männer und Frauen, in das Lied einstimmen, das Lied im Chor singen, aufstehen zum ergriffenen Strammstehen.

Nach dem Ende des Lieds ist von der Sprecherin noch zu erfahren:

Tomorrow belongs to me: Das war der Original-Broadway cast von Cabaret, Leitung Harold Hastings, aufgenommen 1966 in den CBS 30th Street Studios, New York. 7.49 Uhr […]“

Mehr wird zu diesem Lied in der Sendung „Guten Morgen Österreich“ nicht gesagt.

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich mit seinem Bildungsauftrag, für Österreich 1, ist ein Nazi-Lied ein „kleiner musikalischer Gustohappen“.

„Kleiner musikalischer Gustohappen“ ist also für das öffentlich-rechtliche Radio in Österreich das Nazi-Lied. Das Nazissenlied ist für Österreich 1 mit seinem von der Bildungsschicht für die Bildungsschicht gemachten Radioprogramm in diesem Land ein „kleiner musikalischer Gustohappen“.

Es ist nicht nur deshalb ein Nazissen-Lied, weil es in „Cabaret“ von einem Hitlerjungen gesungen wird, es von Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen in Uniform und in ziviler Kleidung gesungen wird.

Das reichte im Grunde bereits, um „Der morgige Tag ist mein“ nicht zu senden, sich für ein anderes Lied von den vielen Liedern in „Cabaret“ zu entscheiden. Oder zumindest, nicht zu verschweigen, daß es ein Nazi-Lied ist.

Es ist nicht von ungefähr, daß dieses Nazissen-Lied einen Eintrag auf „Metapedia“ hat. Eben deshalb, weil es ein Nazi-Lied ist.

Es ist gesinnungsgemäß recht schlüssig, daß Metapedia gleich dazu einlädt, „Morgen die ganze Welt“ aufzurufen, sich auch dieses Lied von Hans Baumann …

Es ist auch ein Nazissen-Lied, weil — es reicht mehr als aus, hierzu Wikipedia noch zu zitieren:

„Tomorrow Belongs to Me“ is a song from the 1966 Broadway musical Cabaret, and the 1972 film of the same name. It is not a historically authentic song, but instead was written and composed by two Jewish musicians – John Kander and Fred Ebb – as part of an avowedly anti-fascist work; the nationalist character of the song serves as a warning to the musical’s characters of the rise of Nazism. Nonetheless, „Tomorrow Belongs to Me“ has at times been adopted by right-wing, neo-Nazi, and alt-right groups as an anthem.
The music of the song bears a passing similarity to a 19th-century German song named „Lorelei“, with music by Friedrich Silcher to a poem by Heinrich Heine.[a] The pastoral tone of the lyrics is also somewhat similar; however, the content of the lyrics is entirely different. There is also an authentic Nazi song „Es Zittern die Morschen Knochen“ („The Frail Bones Tremble“), which, while unmistakably different to listen to, contains the lyrics „For today Germany belongs to us/and tomorrow the whole world“. The extent to which either of these songs was an influence on Kander and Ebb is not known.[2] Almost immediately after the first stage performances of Cabaret, it became clear that „Tomorrow Belongs to Me“ could widely be misunderstood. There were complaints from people who were insistent that they had heard the song in use as a genuine Nazi anthem. Others seemed to embrace its lyrics at face value, without political context; a Jewish youth group requested permission to use it in their summer camp show.[3] In 1973, concerned parents at a largely Jewish school in New York State raised a petition against the song being included in a school performance; school administrators determined that it would go ahead as planned.[2] Subsequent adoption The National Socialist League, an American neo-Nazi organization for gay men, used the slogan „Tomorrow Belongs to You!“ in 1974 recruiting advertisements, referencing the popular musical.[4] By the late 1970s, „Tomorrow Belongs to Me“ had become an unofficial anthem of the Federation of Conservative Students, a student wing of the British Conservative Party.[5] Alan Clark, a Conservative politician who flirted with the idea of joining the far-right National Front, recalls in his diaries watching the „uplifting“ song in a TV airing of the film.[6] When the satirical comedy show Spitting Image looked for a fascist-themed song to satirize the Conservative Party victory in the 1987 United Kingdom general election, they used „Tomorrow Belongs to Me“.[7] The song has also been covered by white supremacist bands. The first such cover was in 1979 by Skrewdriver, a British band whose performances have been described as being like Nazi rallies. Skrewdriver’s lead singer Ian Stuart Donaldson also covered it with his other bands The Klansmen and Ian Stuart and Stigger. Stuart was well-known to the German neo-Nazi scene and it is likely he introduced the song to a German neo-Nazi audience. After Stuart’s death, German Rechtsrock bands including Endstufe, Radikahl and Wolfsrudel have recorded versions, Endstufe’s being dedicated to Stuart.[2] So have the American neo-Nazis Prussian Blue and the Swedish Saga. Saga’s version was cited by Anders Behring Breivik as being among the musical inspirations for his terrorist attacks.[8] „Tomorrow Belongs to Me“ could also be frequently heard at rallies for Jörg Haider, the Austrian right-wing nationalist politician.[9] The U.S. alt-right activist Richard B. Spencer appeared to embrace the song as a neo-Nazi anthem: Kander’s nephew responded by noting the song was written by a Jew in a same-sex marriage.[10]

Mit diesem Zitat ist nun mehr als alles gesagt, was zu diesem Nazilied, das für den österreichischen Rundfunk ein „musikalischer Gustohappen“ ist, zu schreiben ist.

Dieses Lied kann, wenn es außerhalb dieser Gesinnungsschaften denn gesendet sein soll, nicht gespielt werden, ohne den Hinweis, daß es in „Cabaret“ das Nazi-Lied, daß es in der Realität Hymne von Rechtsextremen, Neo-Nazissen …

Und unter ihnen: Jörg Haider.

Wie anders als in der Welt wird Jörg Haider in Österreich nun …

Noch ein Name darunter, der in Österreich nicht unbekannt ist – in gesinnungsgemäßen Kreisen: Richard B. Spencer …

Und ebenfalls zu lesen unter ihnen der Name Breivik, Verteidigungsgesang für ihn auch in Österreich

Beim Lesen des Namens „Lorelei“ ist am Tag auch an Österreich zu denken,, wo die Lorelei ein Nostalgieschiff in seinem Bundesland der Nostalgie

In der deutschsprachigen Wikipedia-Ausgabe gibt es nicht den Artikel „Tomorrow belongs to me“, der davon berichtet, von wem dieses Lied als Hymne angenommen wurde; das ist auch ohne Übersetzung zu verstehen.

Und dann, 8.20 Uhr an diesem Freitag, 21. Jänner 2022, die Ö1-Sendung „Hard Times – Pasticcio“. Das „Quartett für Streicher in a-moll DV 804 op. 29“ von Franz Schubert wird lyrisch angekündigt:

„[…] Und wo wir schon in Griechenland sind, rufen wir Hölderlin zu Hilfe. Patmos. Nah ist und schwer zu fassen der Gott/Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch […]“

Ja, wahrlich eine Gesinnungshilfe.

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Einem Mann aber in Griechenland wird das ein schöner Tag gewesen sein. Er wird über so viel Schöngehörtes so früh am Tag schon vom Küchentisch mit vollrechter Freude aufgesprungen sein und zum Denkmal mit dem Rettungsvers gelaufen sein, zu dem er es ja nicht weit hat, um seinem Vorbild von solch einem heimatlichen Radioprogramm …

Heilt Jesus

Herbert Achternbusch ist gestorben. Im zweiten Coronawinter.

Das wäre wohl etwas für ihn, Achternbusch, zum heiteren Kommentieren, wie nun von allen über ihn zu seinem Tod geschrieben wird, von den Medien des sogenannten Schunds bis hin zur Presse des sogenannten Qualitätsjournalismus:

Herbert Achternbusch kam als unehelicher Sohn einer Sportlehrerin und eines Zahntechnikers in München zur Welt und wuchs im Bayerischen Wald auf.

„Unehelicher Sohn“ — Es fehlt der Witz, es fehlt der Humor des Herbert Achternbusch, um eine solche, auch noch im Jahr 2022 verwendete Formulierung „unehelicher Sohn“ …

Was für unterschiedliche Bildungswege doch begangen werden können, der Sohn eines Zahntechnikers fand den Weg aus dem Wald heraus, ein Zahntechniker findet nur den Weg in den Wald tief hinein, findet im tiefen Wald nicht den den Sohn aus dem Wald herausführenden Weg, er vergeht sich trotz der vielen von ihm geschossenen Farbmarkierungen, die ihn nur tiefer noch in den Wald hineinführen, im Wald, er verfängt sich im Gestrüpp und kommt nicht mehr …

Ob der Sohn eines Zahntechnikers sudetendeutscher Herkunft einst den Witz und den Humor eines Herbert Achternbusch als Sohn eines Zahntechnikers haben wird, nun, vielleicht, aber doch eher nicht, wenn vor allem bedacht wird, was aus Kindern gerade in Österreich wird, die Väter haben, wie die mölzerischen, die gudenussen

Er wird wohl eher das tun, was Kinder vor allem in Österreich tun, den Vaterle verklären, und vielleicht auch gehen in die … Und wenn, dann wohl auch unfreiwillig für Witz und Humor sorgen, wie sein Vaterle, der beim Beruf „Zahntechniker“ sofort einfällt, gerade noch und nur in Österreich noch einfällt, ein Zahntechniker, der nicht darauf warten wollte, bis sein Sohn ein Schriftsteller wird, sondern der selbst schon auch schreiben will, und damit, wie stets, auch damit unfreiwillig für das Aberwitzigste gut ist.

Nicht nur diese Ambition läßt beim Zahntechniker an den Zahntechniker sudetendeutscher Herkunft denken, sondern auch sein Einstehen für die Freiheit der Kunst, wie er diese im Burgtheater, auch im Burgtheater etwa vertrat.

Und mit der Freiheit der Kunst beim Wesentlichen endlich angelangt. In diesem Jahr ’22 die vierzigste Wiederkehr, in diesem Jahr ’22 die Feier 40 Jahre Freiheit der Kunst in Österreich. Vor vierzig Jahren, im Jahr ’82, wurde in das österreichische Staatsgrundgesetz, das zentraler Bestandteil des österreichischen Verfassungsrechts, dem Schönheit und Eleganz beschieden wird, ist, geschrieben, am 12. Mai ’82 in das österreichische Staatsgrundgesetz geschrieben:

Das künstlerische Schaffen, die Vermittlung von Kunst sowie deren Lehre sind frei.

Nicht nur der Zahntechniker und seine Parteikameraderie halten sich an das österreichische Staatsgrundgesetz, nicht nur diesen ist die österreichische Verfaßtheit gesinnungsgemäße erste und einzige Richtschnur, sondern auch österreichischen Gerichten, die bereits nach etwa einem Jahr der staatsgrundgesetzlichen Festschreibung der Freiheit der Kunst den Film „Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch die Freiheit zuerkannte, die ein solches Werk für sie in Österreich je nur haben kann – Einziehungsverfahren des Landesgerichtes für Strafsachen Graz zum AZ 3 b E Vr 4.128/83eine Freiheit, die am 19. Dezember ’85 der österreichische Oberste Gerichtshof eindrücklich bestätigt …

Tonfilm ‚Das Gespenst‘ von Herbert A*** hat durch die Darstellung des vom Kreuz herabgestiegenen Christus, der im Bett der Oberin eines Klosters gefunden wird, dadurch, daß er sich betrunken und torkelnd, rülpsend in der Klosterschenke bewegt, für Polizisten durch München geht und um Scheiße bettelt, Angst hat, seine Glaubwürdigkeit zu verlieren und dann wieder ans Kreuz muß, diese Schmerzen aber nicht tragen will, sich nicht an die von ihm eingesetzte Eucharistie erinnern kann und will und sich darüber auch abschätzig äußert und die Oberin sexuelle Beziehungen zu ihm preisgibt und (durch) weitere herabwürdigende Äußerungen über Christus Gegenstände der Verehrung der im Inland bestehenden christlichen Kirchen und deren Glaubenslehre herabgewürdigt und verspottet, wobei das Medienwerk geeignet war, berechtigtes Ärgernis zu erregen.

Daraus folgt, daß die Beschwerde den punktuell bekämpften, aber nicht isoliert deut- und auslegbaren Begründungspassagen einen den übrigen Urteilstext vernachlässigenden Sinn beilegt, der den Entscheidungsgründen, insgesamt gesehen, nicht gerecht wird. Die Beschwerdeführerin geht also nicht vom richtig verstandenen Inhalt der Urteilsgründe aus, die – ihren Einlassungen zuwider – unmißverständlich darauf hinauslaufen, es sei nicht bloß § 188 StGB besonders krass verletzt, sodern auch gegen andere Grundrechte verstoßen worden. Auf dem Boden dieser Rechtsauffassung der beiden Gerichte argumentiert nach dem schon einleitend Gesagten aber auch die Generalprokuratur, deren Meinung sich in der Beschwerdeschrift – zusammengefaßt – folgendermaßen ausgedrückt findet:

„Die Strafbestimmungen zur Sicherung des religiösen Friedens (§ 188 f StGB) dienen der Erfüllung einer mittelbaren staatlichen Verpflichtung, die Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art 14 StGG) gegebenenfalls auch mit Mitteln des Strafrechts zu schützen (Dokumentation, 184 f), und entsprechen einem im Freiheitsbegriff inkludierten Mißbrauchsverbot bei der Grundrechtswahrnehmung (Ermacora, Handbuch der Grundfreiheiten und Menschenrechte, 366). Wenn mit der Verbreitung eines als Kunstwerk angesehenen Films in mehrfacher und nachhaltiger Weise das Tatbild einer Herabwürdigung religiöser Lehren nach § 188 StGB verwirklicht wird, liegt eine Überschreitung jener Grenze der Kunstfreiheit vor, die sich aus dem im Grundrechtskatalog geschützten Wertsystem (s hiezu Neisser …) ergibt: Der für die Kunst geschaffene Freiheitsraum soll nämlich keineswegs den für die Ausübung des Grundrechtes der Glaubens- und Gewissensfreiheit durch andere vorgegebenen Bereich verkürzen. Eine solche Auswirkung wäre aber nach den (Urteils‑)Feststellungen über den Inhalt des Films ‚Das Gespenst‘ mit dessen Veröffentlichung verbunden, welche keinen zulässigen Gebrauch der Kunstfreiheit mehr, sondern als Verstoß gegen das auch diesem Freiheitsrecht innewohnende Mißbrauchsverbot einen jenseits seiner Schranken liegenden rechtswidrigen Exzeß darstellen würde. Aus diesen Erwägungen kann für die Verbreitung des in Rede stehenden Werkes nicht das Recht der Freiheit der Kunst in Anspruch genommen werden.“

„Herbert A***“, als wäre es von – nein, …

Allenthalben wird jetzt in der Berichterstattung über den Tod von Herbert Achternbusch auch erwähnt, daß sein Film „Das Gespenst“ nach wie vor – es wird das Jahr 2022 geschrieben – in Österreich veboten sei. Was für ein passendes Geschenk zum 40. Geburtstag der Freiheit der Kunst in Österreich.

Einen unrunden Geburtstag feiert in diesem Jahr ’22 der in der Entscheidung des Obersten Gerichtshof in Österreich mehrmals genannte Paragraph 188, nämlich seinen 47. Geburtstag, um genau zu sein, am 1. Jänner ’75 wurde dieser Paragraph in die österreichische Welt geworfen, als Wunschkind österreichischer Moderne.

Es wird nicht verwundern, daß dieser Paragraph nun in seinem 48. Lebensjahr bereits in mehreren Kapiteln auftrat, den Lesenden eine zur Übergenüge schon bekannte Figur ist … Hätte Herbert Achternbusch die österreichische Figur 188 für den Titel seines Films „Heilt Hitler“ herangezogen, dann hätte er seinen Film gemäß der Ziffernfolge vielleicht betitelt: „Adolf Hitler, heilt“

Wie vor bald vierzig Jahren christliche Massen gegen „Das Gespenst“ auf die Straße gingen, gehen heute christliche Massen auf die Straße mit „Jesus Blut heilt“ … Es ist unendlich schade, daß es keinen neuen Film von Herbert Achternbusch mehr geben wird. Vielleicht hätte er im Angesicht dieser Demonstrationen sich zu einem neuen Film entschlossen, mit dem Titel: Heilt Jesus

Vielleicht hätte er im Angesicht dieser Demonstrationen seinen nächsten Film einfach wie kurz Herbert genannt. Herbert, nicht weil es sein Vorname ist, sondern Herbert wie der Heldenplatzwiederredner, der unfreiwillig die Hauptfigur des Witzes gibt und doch nur eine Figur unter den Figuren des Aberwitzes ist, unter den Herberts, die „bis zum letzten Atemzug“ unfreiwillig komisch sind, unter den Herberten, die die Reden der Herberte mit einem Dreifaltigkeit unser einbeten …

Seit vierzig Jahren soll in Österreich das Gespenst der Freiheit der Kunst geistern, wie allenthalben mehr oder weniger glaubhaft berichtet wird, ohne aber einen letztgültigen Beweis seiner Existenz bis heute. Hingegen ist bewiesen die Existenz des Dreifaltigkeitsspukgespensts in Österreich: es spuckt und spuckt und spuckt und … einen seiner Schlatze taufte das Dreifaltigkeitsspukgespenst voller Stolz auf den Namen 188, diesen weißbräunlichen Lungentaler bekam auch Herbert A*** mitten in sein Gesicht gespuckt.

Und seit bald vier Jahrzehnten verklebt dieser Schleim die Augen der Menschen völlig, so daß ihnen unmöglich gemacht, „Das Gespenst“ sich anzusehen; „Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch nämlich, das ein Beweis dafür wäre, daß das Gespenst der Freiheit der Kunst, sogar in Österreich, kein Gespenst …

Es ist eines der Mysterien der Glauben, mehr, es ist das Marienwunder in Österreich, mit schlatzblinden Augen doch sehen zu können: die gekreuzten Holzbretter.

Aber wehe, wenn es gewagt wird, die zwei Bretter von der Wand gar nehmen zu wollen, die Bretter gar nicht an die Wand nageln zu wollen, da beginnt augenblicklich das Dreifaltigkeitsspukgespenst ganz real zu wüten, zornwirklich durch die Münder seiner Ministrantinnen, Monstranzenträgerinnen, Altardiener zu spucken:

Die Bretter müssen bleiben. Schlagt die Bretter an die Wand …

Das Dreifaltigkeitsspukgespenst ist, genau besehen, eines mit vier Köpfen und eine ganze Familie für sich, eine Vierfaltigkeitsspukgespenstfamilie: Vater, Sohn, Mutter, Vogel innig einander zugetan zum gegenseitigen Erkennen auf mannigfache Art – eine Spukgespenstfamilie, deren Verwicklungen im Körperlichen jene einer ebenso christlichen Familie in Österreich bei weitem übertreffen

Herbert Kickl in Deutschland

Der Herbert Kickl in Deutschland war nicht für kurz Innenminister.

Der Herbert Kickl in Deutschland war für einen Mann im hohen Rentenalter keine und schon gar nicht eine große Belastung.

Kein Mann im höchsten Rentenalter mußte dem Herbert Kickl in Deutschland je danken.

Der Herbert Kickl in Deutschland sieht auch nicht wie Herbert Kickl in Österreich aus, er zeigt in Deutschland ein recht viel jüngeres Gesicht, als in Österreich, vielleicht deshalb, weil er in Deutschland nicht staatsmännisch auftreten muß. Was aber den Herbert Kickl in Deutschland, den Unbekannten von der Straße, als Herbert Kickl in Österreich identifiziert, ist das, was Herbert Kickl in Deutschland mit jungem Gesicht und Herbert Kickl in Österreich mit altem Gesicht sagt.

Ich sage Euch, wenn die KZs stehen, wo Ungeimpfte dann ihre Zangsimpfung bekommen, und ich komme da hin und sage, das ist ja ein KZ hier. Nein, das ist ja, das ist ja Verharmlosung, Holocaust-Verharmlosung, was Sie hier sagen. So wird das sein. So hat es angefangen. Genauso hat es angefangen. Sie spielen das gerade runter. Das hat nicht mit Konzentrationslagern angefangen. Es hat genauso begonnen. Ja, und wer sagt denn, daß wir nicht auch bald millionenfach ermordet werden. Och. Es ist ja grad voll im Gange.

Herbert Kickl in Deutschland, Punkt 12, 14. Jänner 2022 und Herbert Kickl in Österreich, ZIB 2, 28. Dezember 2021. Zwei Gesichter des einen und selben Geists …

Daß dieses totalitäre Regime, daß der Nationalsozialismus ja nicht mit einem Weltkrieg begonnen hat und nicht mit irgendwelchen Vernichtungslagern. Sondern er hat damit begonnen, daß man Menschen systematisch ausgegrenzt hat. Er hat damit begonnen, daß man z. B. Kinder, weil sie jüdischer Abstammung gewesen sind, nicht in die Schule gelassen hat.

Herbert Kickl ist für diesen Samstag, 15. Jänner 2022, als Redner angesagt, es heißt, auf dem Heldenplatz soll er sich wieder als Redner betätigen … ein authentischer oder der identitäre Ort für seine Wieder-Reden wäre wohl mehr vor dem Denkmal seiner Gesinnungskameraderie

Spannend belanglos an diesem Samstag, 15. Jänner 2022, wird das eine sein, mit welchem Gesicht Herbert Kickl hintreten wird, vor das Mikrophon, mit dem jungen oder mit dem alten Gesicht. Ob mit jungem oder mit altem Gesicht, der Geist wird ein und derselbe alte sein, in Österreich wie in Deutschland auch, mit einem Unterschied nur … in Deutschland ist der alte Geist auf der Straße, in Österreich ist der alte Geist im Parlament mit dem für kurz gewesenen Innenminister und den Seinigen, in Deutschland bleibt der alte Geist ohne Dank, in Österreich dankt dem alten Geist der Mann unter den Männern und Frauen im höchsten Rentenalter …

Österreich, Opferreich

Wenn wer eine Reise tut, dann kann was erzählt werden, und erst recht, wenn Alexander Schallenberg eine Reise tut, dann gibt es was zu erzählen.

Diesmal was von seiner Reise in den Libanon.

Schallenberg zollte dem Mittelmeerland Anerkennung für die Aufnahme von mehr als einer Million syrischer Flüchtlinge. Österreich helfe hier mit humanitärer Hilfe, der Frage nach einer Aufnahme von Flüchtlingen nach Österreich erteilte er aber erneut eine Absage. “Langfristiges Ziel ist es, dass die Menschen in ihre Heimat zurückkehren, das ist auch das, was sie wollen.” Er spreche als Vertreter eines Landes, dass im Jahr 2015 “sehr stark Opfer der sogenannten Flüchtlingskrise war”. Zwar seien die Zahlen nicht vergleichbar, aber Österreich habe mehr als 120.000 Menschen aufnehmen müssen und wolle diese integrieren, was Jahre dauern werde.

Oh, Schallenberg, oh Österreich, immer Opfer, ewiges Opferreich …

Opferreich habe mehr als einhundertzwanzigtausend Menschen, so Schallenberg, aufnehmen müssen. Er reist nicht nur in Staaten, sondern auch in das Zahlenland, und wie die gemachten Eindrücke in bereisten Ländern in der Erinnerung durcheinanderkommen können, sich vermischen können, verwechselt werden können, falsch zugeordnet werden können, so können auch die vielen, vielen bestaunten Zahlen … das auch nicht verwundert, Einheimische des Zahlenlands sind die aus seiner Partei, wie spätestens seit dem Mann reichlich bekannt ist, der es nun noch einmal versuchen will, im Zahlenland heimisch zu werden, ohnehin nicht.

Von welcher Zahl spricht Alexander Schallenberg, wenn er die Zahl 120.000 nennt? Meint er die Zahl 120.000, die im September 2015 vom EU-Parlament als Quote beschlossen wurde?

Die EU-Abgeordneten billigten den Gesetzesvorschlag der EU-Kommission ohne weitere Änderungen. Das heißt, dass die EU-Parlamentarier auf einem verbindlichen Verteilungsschlüssel beharrten, während unter den EU-Staaten zahlreiche Osteuropäer allenfalls freiwillige Zusagen akzeptieren wollen. Die legislative Entschließung wurde mit einer breiten Mehrheit von 372 Ja-Stimmen gegenüber 124 Nein-Stimmen und 54 Enthaltungen angenommen.

Österreich soll zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen

Den größten Anteil übernimmt Deutschland laut dem vom EU-Parlament gebilligten Plan mit 31.443 Flüchtlingen. Österreich soll zusätzlich 3.640 Flüchtlinge aufnehmen. Von insgesamt 120.000 Asylbewerbern kommen 54.000 aus Ungarn, 50.400 aus Griechenland und 15.600 aus Italien.

Oder. Meint er mit der Zahl 120.000 allein das Jahr 2015, in dem Opferreich …? 2015 gab es 85.798 Asyl-Erstanträge, also weit weniger als die von ihm genannte Zahl von 120.000 …

Von dem Wollen der Integration kann bei Anträgen bei weitem nicht gesprochen werden, es sind bloß Anträge, die einer Entscheidung harren, ob die Menschen im Opferreich aufgenommen werden oder nicht, ob ihre Anträge je für sie positiv entschieden werden. Vielleicht wird das Alexander Schallenberg noch eines Tages aufklären, welche Zahl ihm tatsächlich in den Schopf kam, als er die Zahl 120.000 nannte, ob ihm die Erinnerung einen Streich spielte, einen gefälligen Streich, mit dem die Fortschreibung der Opfergeschichte Österreichs um einiges leichter von der Hand …

Wer aber auf diesen Tag der Aufklärung nicht warten will, bereits ahnt, daß dieser Tag der Aufklärung niemals kommen wird, kann die entsprechenden Statistiken aufrufen, um sich selbst über die schallenbergsche Zahl aufzuklären …

Und noch was kann von seiner Reise erzählt werden:

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) hat bei einem Treffen mit seinem libanesischen Amtskollegen Abdullah Bou Habib am Mittwoch in Beirut Libanons Regierung eindringlich zu Reformen aufgefordert. Er bewundere das libanesische Volk für seine Resilienz in der tiefen Krise, “die Elite muss nun beweisen, dass sie dieses Volk verdient”. “Es schmerzt zu sehen, in welcher politischen, sozialen und wirtschaftlichen Abwärtsspirale sich dieses Land befindet. Es schmerzt, dass viele Personen offensichtlich das Vertrauen in die Institutionen verloren haben und die Koffer packen und das Land verlassen”, sagte Schallenberg bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Österreich stehe an der Seite des Libanons, die Verantwortung liege aber bei der politischen und wirtschaftlichen Elite des Landes. “Nur sie hat es in der Hand, sich am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen und das Klientel-Denken zu beenden”, so der Außenminister.

Oh, Schallenberg, auch wenn es Antonio Guterres nachgesprochen ist, ist es kein kluger Gedanke …

I urge the Lebanese leaders to deserve their people and I urge the international community to correspond to the generosity of the Lebanese people.

… denn auch das Nachsprechen ist ein Akt des Denkens, der dem Nachsprechen vorausgeht, jenen zumindest, die des … Es ist kein kluger, es ist gar kein Gedanke, aber ein demokratiepolitischer Offenbarungseid; auch das verwundert nicht, bei seiner Partei, deren Geist in einer Keusche

Für 2022 aber schon sind Wahlen geplant. Dann wird in diesem Land nach bester demokratischer Art entschieden werden, bei wem tatsächlich die Verantwortung liegt, wer es tatsächlich in der Hand hat, den Schopf nicht aus dem Sumpf zu ziehen, sondern den Schöpfen des Sumpfs ihre Sümpfe trockenzulegen, die Klientelpolitik zu beenden …

„Halbafrikaner“: Rasse-Erkenntnisse

Stammrechtssatz Benachteiligungen des Asylwerbers in seinem Heimatland auf Grund seiner Rasse (hier: Halbafrikaner, Staatsangehöriger der früheren SFRJ) können nur dann als gegen ihn gerichtete Verfolgungshandlungen gewertet werden, wenn sie seine Lebensgrundlage massiv bedrohen oder sonst aus objektiver Sicht betrachtet einen weiteren Verbleib in seinem Heimatland unerträglich erscheinen lassen. Die Beeinträchtigungen sind im Asylantrag bzw in der Berufung näher darzulegen. European Case Law Identifier (ECLI) ECLI:AT:VWGH:1994:1994190161.X01 Im RIS seit 20.11.2000 Dokumentnummer JWR_1994190161_19940310X01 41/02 Passrecht Fremdenrecht 49/01 Flüchtlinge Norm AsylG 1991 §1; AsylG 1991 §3; FlKonv Art1 AbschnA Z2;

Wie die Bundesverfassung in Österreich Rasse besitzt, die – ihr von einem Mann attestiert, durch ihre „Schönheit und Eleganz“ sich zeigt, so zeugt auch ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs in Österreich von Rasse …

„Halbafrikaner“, „Staatsangehöriger der früheren SFRJ“. Mit dieser Abkürzung werden wohl manche nichts mehr anzufangen wissen, vor allem die Nachgeborenen. Diese stand bis vor dreißig Jahren für „Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien“, deren „Staatsangehöriger“ ein „Halbafrikaner“, so nach einem Erkenntnis, das Rasse hat, des österreichischen Verwaltungsgerichtshofes.

Dies ist zwar eine Weile her, daß der Verwaltungsgerichtshof in Österreich zu einem solchen Rasse-Erkenntnis kam, aber in einem Land mit dieser Geschichte von seinen männlichen Österreichern kann dies nur Unbehagen auslösen, in diesem Staat, der nach dieser Geschichte einen Mann mit einer höchsten Staatsauszeichnung ehrte, der mit seinen Kommentaren, die ihm wohl tiefe Erkenntnisse waren und für ihn wohl auch Rasse hatten, Grundlage für die Selektion von Menschen in halb-, viertel- und gar achtel…

Erst im vorletzten Jahr, im ersten Corona-Jahr, sprachen sich einige dafür aus, einem solchen Mann die Auszeichnung endlich abzuerkennen, Jahrzehnte später, Jahrzehnte zu spät, und würde es zu einer Aberkennung kommen, wäre diese für nicht wenige in diesem Land eine viel zu frühe, eine um Jahrzehnte, um ein Jahrtausend zu frühe Aberkennung.

Ohne „Rasse“ aber kommen die Erkenntnisse, die Beschlüsse des Verwaltungsgerichtshofs, des Verfassungsgerichtshofs in Österreich weiter nicht aus, und das ist keine ganze Weile her, sondern gerade einmal drei Monate, wie gelesen werden kann – Oktober 2021. Sie wären wohl, würden sie gefragt werden, nicht für die Aberkennung einer der höchsten Staatsauszeichnungen Österreichs, die dem oben erwähnten Mann nach Auschwitz vom österreichischen Staat verliehen wurde. Denn. Von dieser seiner und nicht nur von seiner Gesinnung zehren sie bis zur Gegenwart herauf, reichern an ihre Begründungen, ihre Rechtssätze, ihre Stammrechtssätze …

Neunzigtausendeinhundertundachtundneunzig Mal der Begriff „Rasse“ im österreichischen Recht, in der Rechtssprechung Österreichs. Abertausende Male „Rasse“ allein in Verbindung mit dem Asylgesetz, mit dem Fremdenrecht

Kann es, bei diesem angetretenen Erbe Österreichs, je noch verwundern, wie es um dem Umgang mit Menschen bestellt ist, die nach Österreich kommen, denen das Kommen nach Österreich verweigert, die aus Österreich verfrachtet nach

Lachhaftes auf einem Haus in St. Lorenzen im Lesachtal: „In diesem Haus schiss Kaiser Franz Joseph nie – Ehre Freiheit Vaterland“

Auf einer Seitenaußenmauer eines Hauses in Sankt Lorenzen im Lesachtal ist zu lesen: „In diesem Haus schiss Kaiser Franz Joseph nie“. Und auf der Frontaußenmauer desselben Hauses in St. Lorenzen im Lesachtal ist zu lesen: „Ehre Freiheit Vaterland“.

Der Spruch über den in diesem Haus nie scheißenden und also nie einen Dreckhaufen in diesem Haus hinterlassenden Habsburg ist wohl als heiterer Spruch zu lesen. So richtig zum Lachen darf dann wohl auch der Spruch „Ehre Freiheit Vateland“ verstanden werden.

Direkt unter „Ehre Freiheit Vaterland“ hängt eine altvatrische Küchenuhr; besser kann der Spruch „Ehre Freiheit Vaterland“ nicht kenntlicht gemacht werden, als das, was dieser Spruch ist: Lachhaft.

Lachhaft ist der Spruch von „Ehre Freiheit Vaterland“; es ist aber kein Spruch zur Erheiterung …

„Ehre Freiheit Vaterland“ ist bloß ein Spruch zum Auslachen.

Es gibt menschgemäß in Österreich noch weiter nicht wenige, für die der Spruch „Ehre Freiheit Vaterland“ heilig ist, den sie mit gläubigem Ernst deklamieren, und es gibt in Österreich weiter nicht wenige, die Menschen dieses Gesinnungsauslachspruchs „Ehre Freiheit Vaterland“ in die Regierungen holten und in diesem wiederholungsreichen Österreich weiter holen werden.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß in den Nächten im Dezember und im Jänner des zweiten Corona-Winters, als die Serien liefen, auch in diesem Haus in Sankt Lorenzen im Lesachtal mit den Lachsprüchen die eine oder andere oder alle Folgen angesehen wurden …

So also hat „Kaiser Franz Joseph“ doch auch noch in diesem Haus geschissen, 105 Jahre nach seinem Tod seinen Dreckhaufen auch in diesem Haus hinterlassen, nicht er selbst menschgemäß, sein Serienpersonal als treue Untergebene scheidet nun für ihn stellvertretend seine Dreckhaufen aus …

„Das beste Aufklärungsmittel …“

Die Impfung sei die „Hauptwaffe“ gegen das Virus, „hier ist nicht Gewaltfreiheit angesagt“, betonte Generalmajor Rudolf Striedinger, Leiter der GECKO-Kommission, der einmal mehr im Tarnanzug auftrat. Viel martialischer geht es nicht mehr.

Schreibt an diesem 7. Jänner ’21 Doris Vettermann in der Tageszeitung „Neue Kronen Zeitung“, Rudolf Striedinger zitierend.

Hier sei also, so Rudolf Striedinger, nicht Gewaltfreiheit angesagt.

Es ist also, nach Striedinger, Gewalt …

Gewalt, wie?

Wird das Heer unter der Leitung von Striedinger im Geckoanzug, hochgerüstet mit Sturmgewehren, mit Schneeschaufeln, ins Feld ziehen, das Virus unter Sperrfeuer aus dem Land jagen, das Virus hinter die österreichischen Grenzen schaufeln?

Gewalt, gegen?

Karl Nehammer komplettierte gestern bei der Verkündung der neuen Corona-Maßnahmen das kriegerische Bild.

Das entscheidende, weil das zusammenfassende Wort der christschwarzgrünen Verkündigung in diesem Satz von Doris Vettermann: „Gestern“.

Und vorgestern, so gestrig nämlich ist deren Ansage, die sie für angesagt halten, sind sie vielleicht in einer Stube im Niederösterreichischen zusammengehockt, in der sie ihren in dieser Keusche residierenden Geist befragen, dessen Antwort stets auf alles —

PS Ob der dem Kurz- und dem Kurzkurzkanzler Nachfolgende seine Masken nun von der „Schwäbischen Jungfrau“ von Türkis auf Schwarz umfärben lässt oder sich von ihr nun neue und also altschwarze Masken schneidern läßt, darüber nachzudenken, ist so ergiebig, wie die Strategie des Uniformierten im Geckoanzug zur Lösung eines medizinischen Problems, die von ihm vorgestern ausgegeben wurde, Impfen, so der Geckoanzugträger am vorgestrigen Tag, sei die Hauptwaffe, die strategische Waffe gegen das Virus, eine zweite Waffe seien die Medikamente und die Aufklärung sei das Testen …

PPS Das Impfen sei die Waffe, so er am vorgestrigen Tage, nicht der Impfstoff ist also die Waffe, nicht die zur Verabreichung des Impfstoffes benötigte Spritze ist also die Waffe, sondern das Impfen selbst ist die Waffe, das ist wie das Schießen ohne Gewehr und ohne Munition — Luftschießen

Eine nacherzählte Pointe ist keine Pointe, nur die im Original vorgebrachte Pointe garantiert Lacher:

Impfen ist die Hauptwaffe, die strategische Waffe gegen das Virus. Und ich verwende absichtlich die Diktion Waffe, weil hier ist nicht Gewaltfreiheit angesagt. Das Virus fragt uns auch nicht, ob es kommen darf oder nicht. Das ist Gewalt. Gegen unsere Gesundheit. Daher müssen wir. Je besser wir aufgestellt sind, desto besser ist es. Die Impfung als die Hauptwaffe gegen das Virus bezeichnen. Eine zweite Waffe sind die Medikamente. Je treffsicherer wir diese Medikamente verwenden, desto besser schützen wir jene, die einen gefährlicheren Krankheitsverlauf vor sich haben könnten. Deswegen wird es darauf ankommen, wenn wir soviel Medikamente im Land haben, daß das außerhalb der Krankenanstalten verwendet werden kann, daß wir auf hohe Treffsicherheit zusteuern. Nicht einfach jeder, der positiv getestet ist, soll ein Medikament bekommen. Nein. Erst dann, wenn die Symptome kräftig kommen, aber vielleicht noch nicht eine Hospitalisierung notwendig ist. Das ist ein relativ schwieriger Prozeß, und da werden auch die Logistikexperten des Militärs entsprechend mitwirken, daß wir hier die richtige Entscheidung treffen.

Das beste Aufklärungsmittel, das wir haben, ist das Testen.

[…]

Abschließend möchte ich mit einer Fragestellung, Schrägstrich einem Appell enden. […] Die Hauptwaffe dagegen ist die Impfung. Und zwar so, wie es Katharina Raich gesagt hat, egal in welchem Zustand, je besser, desto besser. Eine zweite Waffe ist das Aufklärungsmittel des Testens. Jawohl!

[…]

Und wenn es dann darum geht, daß ab der nächsten Woche verschärfte Kontrollen stattfinden sollen. Ob auch die Eintrittsregeln in Gastronomie, im Handel entsprechend überprüft werden. So ersuche ich Sie, einen Beitrag dazuzuleisten, und zwar in der Form, daß Sie die Überprüfung erwarten. Gehen Sie in ein Geschäft und zeigen Sie von sich aus ihren grünen Paß beispielsweise her. Tun Sie das! Erwarten Sie von dem, wo sie hingehen, daß Sie überprüft werden. Es hat ja keinen Sinn zu sagen, okay, ich bin eh sicher. Nein. Wir wollen tatsächlich auch diejenigen, die hier zur Überprüfung herangehalten werden, dazu motivieren, das auch tatsächlich zu tun. Damit möchte ich meine Ausführungen beschließen.

Dankeschön.

„Sissi“ – Diese Sendung ist nicht geeignet. Das Video ist im Sinne des Historienschutzes deshalb nicht verfügbar.

Es wird seit Tagen kolportiert, diese Verserierung – von einer Verfilmung zu schreiben, wäre eine Verfehlung – bemühe sich um eine „zeitgemäßere“, um eine „historisch unterfüttertere“ … was?

Vielleicht ist diese Ausstrahlung die „Ungemütlichkeit“, von der der Kurzkurzkanzler sprach, als er meinte, Weihnachten 2021 werde für ungeimpfte Menschen ungemütlich werden … Ungemütliche Fernsehabende, wie milde der Kurzkurzkanzler gegen ungeimpfte Menschen vorgehen wollte, muß nun gedacht werden, nach der Ausstrahlung der ersten drei Folgen. Denn. Tatsächlich sind es Bestrafungstage auf der Fernsehstreckbank. Es fällt hierzu auch der Kurzkanzler ein, der eine Sisi lobte, freilich nicht die aus der Serie, aber das Milieu ist das gleiche Milieu, nämlich das des Herrschens …

Wenn diese Serie „gemäßer“ und „unterfütterter“ ist, dann ist diese eine marischkagemäßere und eine marischkaisch unterfüttertere … was in dieser Serie an Geschichte enthalten ist, kann mit einem Wort gesagt werden: Nichts. Es wird von der Darstellerin der Marischka-Sisi kolportiert, sie hätte viel Recherche betrieben. Es fragt sich nur, wo wurde recherchiert, welche Quellen wurden … gerade jetzt, im zweiten Coronawinter, kann festgestellt werden, ist der Rechercheeifer so weit verbreitet wie noch nie … Es sind keine Verschwörungen, denen die Marischkasisimachenden erliegen.

Sie frönen nur der Demenz, die in Österreich keine Krankheit ist, sondern österreichische Gesundheit schlechthin: der Geschichtsdemenz. Morbus Alzheimer hieße in Österreich, wäre eine österreichische Ärztin Namensgeberin gewesen, wohl Sanitas von Alzheim.

Was an dieser Serie aufmerkenswert ist, ist der Versuch der politischen Korrektheit, freilich ein sehr eigenwilliger. Die Marischkasisimachenden leiden bei diesem an einer Schizopolitkorrektheit.

Opening dieser Serie ist, in Bayern masturbiert Elisabeth Amalie Eugenie von Wittelsbach – verschämter dargestellt als in einer Franz-Antel-Sexklamotte. Wohl deshalb, weil es doch eine Minderjährige ist, die onaniert.

Eine Minderjährige zeigen die Marischkasisimachenden beim Wichsen, die Darstellerin der wichsenden Minderjährigen, das ist politisch korrekt, ist volljährig, weit älter als zwanzig Jahre. Politisch korrekt verhält sich in der Hochzeitsnacht Franz Josef Habsburg. Er verzichtet auf den Hochzeitsnachtfick, weil, so spricht er in der dritten Folge, sie, die Minderjährige, doch zu jung sei, um von ihm, so politisch korrekt ist er, für die ihn Machenden, um von ihm gefickt zu werden. Ein katholisch junger Mann begeht nach gültiger Verehelichung in der Hochzeitsnacht also die Sünde, seinen ehelichen Pflichten nicht nachzukommen, weil sie eine Minderjährige zwar reif genug für das Wichsen, aber zu jung, um ihre eheliche Pflicht …

Als ob sich je wer aus der Familie Inzucht je darum geschert hätte, was korrekt und was nicht korrekt, es wurden Kinder verheiratet, es wurde gefickt, was das Reich hält, mit Vorliebe untereinander, miteinander, je familiärer, desto …

Über 20 Generationen hinweg analysierten die Wissenschaftler den Stammbaum. Der durchschnittliche Inzuchtgrad der Habsburger liegt bei .093. Das bedeutet: Neun Prozent der mütterlichen und väterlichen Gene stimmen überein, weil die Eltern gleiche Vorfahren hatten. Zum Vergleich: Bei der Ehe zweier Cousins liegt der Wert bei .0625. Dann ließen sie Mund- und Kieferchirurgen die erhaltenen Porträts analysieren und auf die degenerativen Merkmale untersuchen. Je stärker das Habsburgergesicht – hervortretender Unterkiefer und eingesunkenes Mittelgesicht – ausgeprägt waren, umso höher war auch der Inzuchtwert. Er besaß einen Inzuchtwert von .25 – das entspricht den Kindern von Brüdern und Schwestern. Die Habsburger selbst taten nichts, um dem Verfall ihrer Blutlinie zu stoppen. Das ist erstaunlich. Denn auch ohne Kenntnis der modernen Genetik war der Zusammenhang von Inzucht und Erbkrankheiten bekannt. Die Habsburger wählten jedoch stets Macht vor Gesundheit. Ihr beherrschender Einfluss über Europa basierte darauf, dass die Zweige der Familie, die die verschiedenen Gebiete beherrschten, durch Ehen immer wieder miteinander verknüpft wurden. Hätte man diese Praxis unterlassen und andere geheiratet, hätten die Fremdehen den Zusammenhalt der Familie geschwächt. Vor allem sollte verhindert werden, dass die Heirat von Frauen, Herrschaftsgebiete über die Erbfolge in die Hand anderer Familien gebracht hätte.

Es ist nicht nur marischkagemäß, es ist nicht nur marischkaisch unterfütterterer Kitsch, es ist auch eine Verklärung in Fortsetzungen, eine serielle Verharmlosung einer Familie, die …

Der Hinweis des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders in Österreich ist daher berechtigt: „Diese Sendung ist für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Das Video ist im Sinne des Jugendschutzes deshalb nur von 20.00 bis 6.00 Uhr verfügbar.“

Nur, der ORF-Hinweis ist nicht weit genug gefaßt, der ORF-Hinweis ist nicht genau genug formuliert. Der Hinweis müßte daher genaugenommen lauten:

Diese Sendung ist nicht geeignet. Das Video ist im Sinne des Historienschutzes deshalb nicht verfügbar.

Chäta türkis

Die „Ära Sebastian Kurz“, von Barbara Coudenhove-Kalergi so genannt, war, wenn diese Zeit überhaupt irgendwie benannt werden kann, eine Chäta türkis

In der Chäta türkis. wurde recht viel, vor allem von ihm selbst, davon gesprochen, Österreich wieder an die Spitze führen zu wollen.

Dazu hat, einfach wie kurz gesagt, es hinten und vorne nicht gereicht.

Es hat nicht einmal dazu gereicht, daß er, Sebastian Kurz, sich selbst auf den ersten Platz hieven konnte, es reichte für ihn gerade einmal, unter die fünf zu kommen, gleich auf mit Ghani, Erdoğan, Al-Assad. Es gewann Lukashenko, die Spitze, von der er, Sebastian Kurz, stets träumte, errang Alexsandr Lukashenko. Er wird nun vielleicht damit hadern, daß nicht bereits alles im „Ibiza-Ausschuss“ … er wird möglicherweise, da er die Spitze, den ersten Platz verfehlte, gegenüber Karoline Edtstadler eine andere Sicht der „Dinge“ als sie …

Der Ibiza-Ausschuss habe gezeigt, „das Dinge, die in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätten, an diese gespielt wurden“.

Wäre nur alles rechtzeitig vor dem Finale … es hätte sogar Österreich für die Spitze wahrscheinlich mehr als gereicht, wäre das auch schon öffentlich gewesen:

[…] Hure der Reichen […]

Damit hätte er Lukashenko ausgebremst, ihn überholt, sich an die Spitze gesetzt, uneinholbar … Nein. Das hätte nicht dazu gereicht, daß er persönlich sich an die Spitze katapultieren hätte noch können. Er war nicht der Empfänger, als „Hure der Reichen“ wurde er nicht bestimmt.

Jedoch, Österreich als Land hätte damit 2021 die Korruptionsweltspitze einnehmen können, und er, Sebastian Kurz, hätte in jedem Bewerbungsgespräch stolz darauf verweisen können, in diesem Team gewesen zu sein, das Österreich endlich an eine Spitze …