Schwarzes Wien im roten Wien

Kürzlich schrieb Anna Goldenberg im Falter, das „Hitler-Zitat“ sei 76 lange Jahre nicht aufgefallen

Es will gar nicht gewußt werden, wie oft das von Anna Goldenberg so leichthin Adolf Hitler zugeschriebene Zitat in diesen 76 Jahren aufgefallen ist, daß es ein, auch ein „Hitler-Zitat“ ist.

Vor vier Jahren beispielsweise hätte der Falter selbst darauf aufmerksam machen können. Wurde doch von Erich Klein im Falter sogar ein Buch empfohlen, in dem darüber geschrieben wird, daß das Mauerzitat in der in die Operngasse mündenden Faulmanngasse namenlos gemacht wurde, also „Adolf Hitler“ entfernt wurde.

Ein paar Jahre zuvor schrieb Rudolf Taschner in der „Presse“ über dieses Mauerzitat, daß es von Adolf Hitler ist, der es als Erbe von Alfred Krupp übernahm, es für sich gesinnungsgemäß zu eigen machte. Sie kennen Rudolf Taschner. Er sitzt für die türkis getupfte christschwarze Partei im Parlament.

Der Stadt Wien selbst hätte es auffallen müssen. Die Stadt Wien hätte darüber, wenn sie über Geschichte schreiben läßt, zumindest informieren lassen können, daß das Mauerzitat von diesen beiden Männern ist, läßt sie doch genau auf das Buch von Andreas Suttner beziehen, läßt sie „Das schwarze Wien“ dafür als Quelle anführen, läßt sie sogar das „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ zitieren, aber ebenfalls namenlos gemacht.

Und bis jetzt noch gar nicht von den Massen, denen es hätte auffallen müssen, gesprochen, die seinerzeit auf der Wieden, in Wien lebten, vor und nach dem Untergang des nationalsozialistischen Massenmordstaates, das Relief mit diesem Spruch mit Nennung Hitlers und ohne Nennung Adolf Hitlers kannten. Es ist ihnen wohl aufgefallen, bis herauf in die Gegenwart ist es immer wieder aufgefallen. Aber wer wollte das je wissen, bei dem hohen Gut, das die Arbeit den Menschen in diesem Staat ist. Ein solcher Spruch – eine Volksweise – darf nicht ausgelöscht werden. So eine Volksweise muß nur von dem gereinigt sein, das sie offen beschmutzt. Und das wurde mit dem Auslöschen des Namens Adolf Hitler auch gemacht, wurde die Volksweise gereinigt, gerettet für den Erhalt, der Adel der Arbeit fleckenlos gemacht, dem die Menschen alles zu verdanken haben, Güter, wie Waschmaschinen, Autos und so weiter und so fort, sich zu erarbeiten, von Unternehmen, denen von Zwang zu Arbeit ihr Hochadel …

Und wer vermag jene zu zählen, denen dieser Spruch bis herauf in die Gegenwart auffiel, dabei zufrieden und selig darüber, daß nicht alles von ihrem idealisierten Idol ausgelöscht, im roten Wien, ihr Idealismus weithin sichtbar …

Relief in der in die Operngasse mündenden Faulmanngasse

Die Operngasse in Wien hätte wohl so etwas wie ein „austrofaschistischer Boulevard“ werden sollen, wenn der Ständestaat nicht so kurz …

Es fiele in der Gegenwart wohl keinem Menschen ein, die Operngasse einen Boulevard zu nennen. Auch in der Vergangenheit werden jene, die dieses Wiener Grätzel ständestaatlich begannen nach ihrer Gesinnung zu verändern, nicht daran gedacht haben, die Operngasse einen Boulevard zu nennen. Paßt doch Boulevard so gar nicht zum Ständestaat mit Tracht und seiner darunter getragenen Niedertracht …

„Boulevard“ können die Operngasse nur jene von außerhalb Wiens nennen, wie Philipp Eichhof in Gdańsk, Polen …

Er schreibt über dieses Grätzel mit verlängerter Operngasse u.a. von „kapitalistischer Stadterneuerung“, von der „normalen kapitalistischen Architektur des Austrofaschismus“ … Das scheint passender als „austrofaschistischer Boulevard“, passender zu dieser Gasse, vor allem auch weil es besser paßt zu dem dort fett aufgemalten Spruch „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ (Kruhi 176).

Es soll jetzt, wie berichtet wird, dieser Spruch kontextualisiert, also mit einer Erklärung versehen werden, daß es ein Spruch von Adolf Hitler … Wie weit wohl die Erläuterung gehen wird? Auch geschrieben werden wird, daß es doch kein Spruch von Adolf Hitler ist, sondern von einem K…

In einer bildnärrischen Zeit ist es vielleicht angebrachter, nicht durch die langen Text auf einer Tafel zu erklären, von wem dieser Spruch, sondern einfach wie kurz durch ein Relief.

Kruhi 176: „Es gibt nur einen Adel: den der Arbeit.“

Honorarprofessor Dr. Ewald Judt, der Disziplin Wirtschaftswissenschaft zugetan, wohl einer der Fleißigsten im Wissenshaus Österreich, betitelt seine Aufnahme von dem Spruch „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ mit „Adel der Arbeit“.

Es scheint ihm nicht notwendig zu sein, hinzufügen, wer diesen Spruch einst gebar.

Zu sehr scheint dieser Spruch ihm Allgemeingut zu sein, besonders in Österreich, erhoben zu einer Volksweise

Notwendig aber scheint ihm anzugeben, an welchem Ort dieser Spruch, dieser Psalm aus der Wirtschaftsbibel, in Riesenlettern zur Anbetung … den Menschen den Weg zu weisen, wohin sie zu pilgern … Ganz der Rätselhaftigkeit, die einer jedweden Bibel Natur ist, ergeben, gibt Dr. Ewald Judt den Menschen ein Rätsel mit auf ihre Wallfahrt, das sie zu lösen haben, um sich würdig zu erweisen, das heilige Wort ihres Schöpfers, der es einst in Eisen schlug, zu schauen.

Aus der „Faulmanngasse“ macht er die „Faulhabergasse“.

So werden wohl nicht wenige umkehren, es aufgeben, in die Faulhaber zu gelangen, sie werden in der Faulmanngasse stehen, sich sagen, sie sind in der Faulmanngasse, sie suchen die Faulhabergasse, und sie finden die Faulhabergasse nicht.

Wer dennoch vor den Psalm gelangt, ist seiner wahrlich würdig. Ein Rätsel wohl auch, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

NS Ein jedweder Psalm besitzt Zuschreibung und Nummerierung, so soll auch dieser Spruch Nummerierung und Zuschreibung bekommen, damit stets gewußt wird, von wem dieser stammt, in welcher Bibel dieser zu finden: Kruhi 176 …

Wissenshaus Österreich

Kurz ist es her, daß die derzeitige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, auf das „Kaufhaus Österreich“ angesprochen, antwortete, „sie habe auch nie gesagt, dass es eine Amazon-Kopie sei. Sie werde sich auch nicht entschuldigen, eben weil es kein Fiasko gewesen sei.“

„Austria-Forum, das Wissensnetz aus Österreich sieht sich“, nach eigenem ungefragten Bekunden, „nicht als Konkurrent zur Wikipedia: es archiviert sogar die Beiträge der deutschsprachigen Wikipedia mit Österreich-Bezug.“

Was Austria-Forum, das Wissenshaus aus Österreich, kopiert und welches Österreich dieses Kaufhaus des Wissens verkauft, durfte erst kürzlich wieder einmal beim Schlendern durch seine Regale und beim Öffnen seiner Budelschubladen bewundernd bestaunt werden.

Bei dem engagierten Personal wäre außer Bewunderung alles mehr als erstaunlich. Die Anforderung, in dem Wissenshaus Österreich tätig sein zu dürfen, ist die höchste, die Voraussetzung für eine Anstellung, für eine Mitarbeit ist zumindest ein akademischer Abschluß. Wenn das Kaufhaus Österreich dieses Personal gehabt hätte … Aber der Wirtschaftsministerin ist es hoch anzurechnen, daß sie sich vor ihr Personal stellt, es verteidigt, sagt, ihr Personal hätte kein Fiasko …

Vielleicht braucht das Kaufhaus Österreich bloß personelle Unterstützung durch das Wissenshaus Österreich. Vorstandsmitglied Dr. Hermann Maurer ist ja mit dem wissensressortzuständigen Minister Heinz Faßmann in Kontakt, Vorstandsmitglied Dr. Peter Diem bemüht sich um Gespräche mit Maria Großbauer. Beide werden wohl Margarete Schramböck, zumal sie alle aus derselben Partei sind, ein Ersuchen um Amtshilfe nicht abschlagen, Kontakte zwischen dem Personal der beiden Häuser Österreich herzustellen, um auch das Kaufhaus Österreich zum gleichen Erfolg … Sie, Schramböck, könnte sich bei einem Ersuchen um Hilfe auf die Generalverammlung des Wissenshaus Österreich beziehen, sollte sie gefragt werden, woher sie um die Kontakte wisse.

Übrigens. In dieser Generalversammlung wurden einige „Fleißige“ namentlich genannt. Einer leider nicht. Ein sehr „Fleißiger“. Honorarprofessor Dr. Ewald Judt wird noch in einem eigenen Kapitel zu würdigen sein. Das ist nur angemessen. Er ist einer der fleißigsten Bildlaufhänger im Wissenshaus Österreich, auch das Foto der Gedenktafel Franz von Bayros ist von ihm, mit dem wieder einmal bewundernd bestaunt werden durfte, was für eine hervorragende Arbeit das Wissenshaus für …

Nicht nur Soldateska

Bundesheerbauer, wie sich Michael Bauer, Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums selbst nennt, informiert am 1. Februar 2021, daß Johann Gaiswinkler von seiner Verteidigungsministerin suspendiert wurde. Aus der von dem Bundesheerbauer verlinkten Pressemitteilung ist der Grund zu erfahren:

Verteidigungsministerin Tanner: „Ich bin schockiert über die Äußerungen des Brigadekommandanten Gaiswinkler. Seine private Meinung sei ihm unbenommen und steht ihm auch zu. Ein Anstreifen mit nationalsozialistischem Gedankengut werde ich jedoch keinesfalls dulden. Ich habe daher unverzüglich nach Befassung der diesbezüglich relevanten Stellen, die vorläufige Dienstenthebung von seiner Tätigkeit als Brigadekommandant angeordnet.“

Wie streifte der Brigadekommandant am nationalsozialistischen Gedankengut an? Er trug ein Shirt mit einem Gedicht.

Er, Gaiswinkler, folgt damit bloß der Tradition des österreichischen Bundesheeres in seiner Liebe zu Blumen und zur Literatur, von der auch der Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums, der Bundesheerbauer, erfüllt ist, wie er etwa durch seine „Serie #nichtnursoldat“ zum Ausdruck bringt.

Die Serie #nichtnursoldat ist nun zu Ende. Ich habe versucht, in 96 Porträts eine breite Palette von Malern, Komponisten, Wissenschaftern, Schriftstellern, Forschern und Musiker vorzustellen. Alle von ihnen waren auch Soldaten. #Bundesheer

„96 Porträts“, was für eine „breite Palette“: darauf recht viel Habsburg, recht viel Marschmusik, Operette, Rotlicht-Milieu und eben Literatur …

Bundesheerbauer porträtiert sie so, als wären sie die Ehrenwertesten, die es verdienen, ihrer zu treu zu erinnern, Menschen wohl auch dazu zu motivieren, sie wieder zu lesen, dabei vielleicht eine Operette von Lehár zu hören …

Franz Lehár ist einer von den 96.

Unvergessen will dem Bundesheerbauer auch Rudolf Hans Bartsch sein. Unvergessen zu machen, ist eine recht fordernde Aufgabe, ist doch zuerst alles vergessen zu machen, das diesem ehrenreichen Unvergessen zuwidersteht.

B. erschoss seinen des Nachts randalierenden Hausmeister und wurde in Untersuchungshaft genommen. Franz Karl Ginzkey bat Max Stebich, nun Geschäftsführer der RSK Wien, um Hilfe. Stebich kontaktierte Hanns Johst, der wiederum beim Gericht in Wels intervenierte. Ende Juli 1939 wurde B. freigelassen; hier bricht der Vorgang ab. Nach Kriegsende stand der 1915 veröffentlichte Roman Der Flieger auf einer Verbotsliste. Gemeinsam mit Max →Mell erhielt B. 1951 den erstmals vergebenen Peter-Rosegger-Preis des Landes Steiermark.

Auch Franz Karl Ginzkey ist einer der bundesheerbauerischen 96. Von gleicher Gesinnung wie Bartsch …

Ginzkey, Bartsch, als wäre der Herr Bundesheerbauer ein Redakteur der „Zur Zeit“ … Das kommt augenblicklich in den Sinn, nicht nur wegen Ginzkey und Bartsch.

Auch seine Erinnerung an einen Revolutionär, Messenhauser, von 1848, auf das Jahr die identitäre Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei wie keine andere Partei in Österreich sich exklusiv beruft

Es ist vielleicht auch bundesheerbauerischer Ausdruck der Sehnsucht nach Dichtern der Bekenntnisse, wie es noch der von ihm porträtierte Robert Michel einer war, auch Egon Caesar Conte Corti, ebenfalls einer der 96 … Ach, was war das für eine große Zeit der Literatur, als Männer und Frauen der Feder sich nicht scheuten, Bekenntnis abzulegen …

Alois Podhajsky, Leiter der spanischen Hofreitschule von 1939 bis 1964, auch einer der 96, Bundesheerbauer schmückt sein Porträt mit einem Bild, das auch Podhajsky für sein Buch „Ein Leben für die Lipizzaner“ verwendete. Siegfried Stoitzner malte das Porträt von Alois Podhajsky hoch zu Roß … wer hätte ihn treffender malen können, als einer, mit dem die Zeit geteilt wurde, mit dem rechten Gespür, das eben ein Mitglied der NSDAP …

Der Sprecher des österreichischen Verteidungsministeriums ist auch ein Mann, der der Wissenschaft zugetan, das bringt er mit seinen 96 Porträts ebenfalls zum Ausdruck, wenn er etwa Franz Abdon Ulinski vorstellt: Pionier der Raketentechnik und Weltraumfahrt. Mehr muß nicht gewußt werden, scheint Bundesheerbauer zu meinen, beispielsweise das zu wissen, befleckte wohl auch nur das gute Erinnern, daß Ulinski u.a. als Konstruktionsingenieur in den Siebel-Flugzeugwerken in Halle/Saale, Deutschland …

Es wird dem Bundesheerbauer auch nicht vorgehalten werden können, er blende diese Zeit aus, schreibt er nicht klar und deutlich davon, daß einer von seinen 96 Porträtierten 1938 emigrierte, nämlich Hugo von Bouvard …

Seine 96 Porträts scheinen Michael Bauer doch recht gelungen zu sein, darf angenommen werden, bringt er doch das eine oder andere auch lange nach Beendigung dieser seiner Serie „Nichtnursoldat“ allenthalben zur Wiederverbreitung.

Für sein eigenes Porträt auf der Plattform des Unternehmens Twitter, mit dem er sich als derzeitiger Sprecher des von Klaudia Tanner geführten Verteidigungsministeriums vorstellt, reicht ihm ein Zitat von Johann Wolfgang Goethe:

Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat.

Goethe, auch ein Dichter, von dem die identitäre Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei recht gern Gebrauch …

Es heißt, Menschen sind stets auf der Suche nach einem krönenden Abschluß einer Aufgabe. 96 Porträts. Klingt das nicht nach Unvollständigkeit? Nach einer nicht ganz nach einer erfüllten Aufgabe? Ob Michael Bauer ab und an Zweifel kommen, für einen wahren krönenden Abschluß seiner Aufgabe, die er sich mit dieser Serie selbst stellte, fehlten in Wahrheit doch vier Porträts, nur vier Porträts auf einhundert Porträts, um ausrufen zu können: Es ist vollbracht. Aber welche vier Soldaten noch? Dafür kann ein Rat gegeben werden: Schlag nach bei Shakespeare, Andreu

Eine recht besondere Herausforderung stellte wohl das einhundertste Porträt dar, für das ein Mann, um zu noch einem infrage Kommenden zu raten, der in zwei Kriegen Soldat, aber nicht nur Soldat war, sondern Schriftsteller, Maler … Das wäre wohl die absolute Krönung einer solchen Serie der 100, diesen Mann zu porträtieren, ohne davon zu schreiben, daß er …

Er mußte, ist zu hoffen, nicht ohne Abendmal ins Grab

Franz von Bayros starb am 2. April, der im zweiten Coronafrühling ein Karfreitag ist, vor 97 Jahren. Zu welcher Stunde er verstarb, das wird nicht gewußt, aber, so ist zu hoffen, er mußte nicht ohne Abendmahl ins Grab.

Am 2. April 2021, an diesem Karfreitag, vor allem und einzig an diesen Verstorbenen zu erinnern, ist nicht ein Gebot, sondern eine Freude, eine Freude, weil es für ihn in der Tongasse in Wien eine Gedenktafel gibt, in einer sonst beherrschten Gegend von Skulpturen von Müllner, Frass, Hanusch, in einem sonst vom Gedenken an Lueger, Weinheber beherrschten Grätzel, in dem im ersten Coronafrühling, ein Mann auferstand, um seine biblischen Drohungen gegen Menschen zu verkünden, wofür er, der Auferstandene, im zweiten Coronafrühling sich von der Glaubenskongregation als gesegnet

Es könnte aber auch eine Frau sein, um ihre Strafe weiter gegen Menschen zu verkünden, wofür sie, die Auferstandene, im zweiten Coroanfrühling von der Glaubenskongregation gesegnet …

Jedoch, die Gegenwart ist hart und unerbittlich, sie läßt es nicht zu, sich lange an den Verstorbenen gut erinnern zu dürfen.

Verbürgt ist z. B. ein Zusammentreffen des zehnjährigen Franz’ mit einer Gruppe von Zigeunerinnen […] Ein Beispiel für diese Periode sind seine Illustrationen zu Hans Ludwig Roseggers „Von Königen und Jakobinern“. […] Zwar fand er einen neuen Kreis guter und interessanter Freunde, darunter Rudolf Hans Bartsch, Anton Wildgans und Hugo Markus Ganz […]

Die Gegenwart, deren Wissen „Wikipedia“ repräsentiert wie wohl keine zweite Enzyklopädie weltweit, und deren Wissen verbreitet wird auch durch das „Austria-Forum – das Wissensnetz aus Österreich“, oh dieses erhaltenswerte Wissen, daß es „Zigeunerinnen“, daß Rudolf Hans Bartsch unter den „guten und interessanten Freunden“

Rudolf Hans Bartsch, der gute

„Zigeunerinnen“ …

Zu Hugo Markus Ganz gibt es keinen Eintrag, genauer, zu ihm gibt es in der deutschsprachigen Version von „Wikipedia“ keinen Eintrag, aus der englischsprachigen Ausgabe von „Wikipedia“ ist u.a. zu erfahren:

Dr. Hugo Markus Ganz (April 24, 1862 – January 2, 1922) was a GermanJewish political and literary writer and journalist for the German newspaper Frankfurter Zeitung and Swiss newspaper Neue Zürcher Zeitung.

Das erhaltenswerte Wissen von Austria-Forum über Hugo Markus Ganz ist nur das Wissen der deutschsprachigen Version von „Wikipedia“, wie es für beide erhaltenswert ist, nur zu wissen, wie gut und interessant Rudolf Hans Bartsch …

Über den Sohn von Peter Rosegger, der auch ein Schriftsteller war, ist das erhaltenswerte Wissen von „Wikipedia“ deutlich:

Hans Ludwig Roseggers eigenes literarisches Werk bestand vorwiegend aus Romanen und Erzählungen, in denen er extrem deutschnationale, antidemokratische und teilweise rassistische Positionen einnahm.

So deutlich will aber „Austria-Forum“ das Wissen über ihn nicht verbreitet wissen:

Sohn von Peter Rosegger. Strebte ursprünglich eine akademische Karriere als Staatsrechtler an, übernahm im Oktober 1910 von seinem Vater die Redaktion der Zeitschrift „Heimgarten“ (bis 1923), die unter seiner Leitung zusehends eine radikale deutschnationale Linie einschlug. Als Romanautor und Novellist konnte er nur bescheidenen Erfolg erringen.

Aber zurück zum Verstorbenen, dessen Todestag in diesem Jahr auf einen Karfreitag fällt, um mit ihm noch einmal zu versuchen, der Gegenwart zu entfliehen. Franz von Bayros war für eine kurze Zeit verheiratet mit der Stieftochter von Johann Strauß, dem unsterblichen Schöpfer des Zigeunerbarons – der Gegenwart zu entfliehen, was für ein heilloses Unterfangen …

Burger, Goldenberg, Hitler, Krupp, Taschner

Eine Überschrift für ein Kapitel zu finden, ist nicht immer leicht. Es geht in diesem Kapitel um einen Spruch auf einer Hausmauer in Wien. In riesengroßen Buchstaben. Ein Spruch, wie ein Befehl. Der die Menschen von oben herab herrisch anschreit: „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ … ein Spruch aus der Tiefe der Vergangenheit.

Und so ist diesmal eine Überschrift einfach mit den Namen der Menschen, die mit diesem Spruch etwas zu tun haben, die sich mit diesem Spruch beschäftigt haben, leicht zu finden, kann mit ihnen doch Gegenwart und Vergangenheit verbunden werden.

Anna Goldenberg, am 31. März 2021:

Ganz leicht zu erkennen sind sie nicht, die drei auf dem Relief auf dem Haus Ecke Operngasse und Faulmanngasse. „Es gibt nur einen Adel / den Adel der Arbeit“, prangt darunter. Fertiggestellt 1939, das Zitat dazu stammt von Adolf Hitler. Der Verweis auf Hitler wurde in den Nachkriegsjahren entfernt, der Rest gelassen. Einmal mehr zeigt sich, wie sichtbar und unsichtbar zugleich die Spuren von Nationalsozialismus und Austrofaschismus in Wien noch sind. Den Bau des Hauses trieb nämlich der Assanierungsfonds voran, eine Einrichtung des ständestaatlichen Wien, die ab 1934 privaten Wohnbau förderte und die Gemeindebautätigkeit des Roten Wien ersetzen sollte. Wie viele TU-Studenten und Naschmarkt-Besucher das Relief wohl für eine harmlose Arbeitsermunterung hielten?

Sie wählt für ihren Artikel die Überschrift: „Ein Hitler-Zitat, das 76 Jahre nicht auffiel“. Das klingt zwar reißerisch, aber es entspricht der Wahrheit und nicht der historischen Wahrheit. Es fiel auf. Und zu meinen, der Spruch wäre von Hitler – der Spruch ist nicht von Adolf Hitler. Auch bei diesem Spruch läßt es sich wieder einmal feststellen, wie äußerst wenig er und seine Gesinnungsmordgemeinschaft Eigenständiges hervorbrachten, bis auf Auschwitz, sonst aber zusammengetragen, was zum Zusammentragen nur war, von überall gestohlen, wo nur gestohlen werden konnte.

Sie fragt, ob dieser Spruch wohl für eine harmlose Arbeitsermunterung – „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ ist nie eine harmlose Arbeitsermunterung gewesen, nicht deshalb, weil es Adolf Hitler sagte, wie Anna Goldenberg in ihrer Fixierung auf die Vergangenheit, die auch für sie beim Nationalsozialismus endet, oberflächlich meint, sondern es so etwas wie die schriftliche Flagge Österreichs ist. Seit 76 Jahren hat in Österreich nichts einen höheren Stellenwert als die Arbeit. Und wer nicht unter dieser Fahne marschiert, ist …

Rudolf Taschner, am 2. Juli 2014

„Es gibt nur einen Adel: den Adel der Arbeit“, prangt in stämmiger Fraktur gesetzt unter einem im Stil des sozialistischen Realismus entworfenen Flachrelief an einem Wiener Haus in der Operngasse, das wohl knapp nach dem Weltkrieg errichtet wurde. Was meinten die Verkünder dieser Parole unter dem „Adel der Arbeit“? Es war das Wort Adel, an dem sie sich orientierten.

Der für die türkis getupfte christschwarze Partei im Parlament Sitzende meint, das Haus wäre knapp nach dem Weltkrieg errichtet worden. Er kann mit diesem Weltkrieg nur den von 1939 bis 1945 meinen. Denn knapp nach dem Weltkrieg von 1914 bis 1918 wurde das Haus nicht errichtet, sondern zwischen 1937 und 1939, seine Fertigstellung also 21 Jahre nach dem Krieg von 1914 bis 1918. Das heißt, Taschner meint, das Haus sei unter einer sozialdemokratischen Stadtregierung errichtet worden. Und als kunstsinniger Für-Kurz-Abgeordneter, der im Parlament mit lateinischen Sprüchen wie ein Pedell mit seinen Wurstsemmeln aufwartet, erkennt er sofort den Stil: „sozialistischer Realismus“. Was für ein anderer Stil käme für Relief und Spruch auch in Frage in einer Stadt mit einer sozialistischen Regierung als ein sozialistischer Realismus?

Rudolf Burger, 13. August 2014

Rudolf Burger meldete sich nicht selbst zu Wort. Er machte Rudolf Taschner aufmerksam, der im letzten Teil seiner sechsteiligen Serie „und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen“ …

Es gibt nur einen Adel: den der Arbeit“, war das Wort, mit dem diese Artikelserie begann. Ich wusste es nicht, aber Rudolf Burger hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Wort von einem schwülstig verkündet wurde, der selbst arbeitsscheu wie kaum ein anderer war: Adolf Hitler. In Wahrheit hat Hitler dieses Wort gestohlen: von Alfred Krupp. Wenn das Wort bedeuten soll, man möge in der Arbeit – für Hitler: an der „Volksgemeinschaft“ – aufgehen, wäre dies eine Apotheose der Arbeit, eine Vernichtung der Individualität, eine Abkehr von der Aufklärung.

Anna Goldenberg wird Rudolf Burger, darf angenommen werden, nicht kennen. Denn. Als er „wohl bedeutendster Philosoph Österreichs“ war, wie ihn der bedeutendste Journalist Österreichs einst bezeichnete, war sie eine Jugendliche, also zu der Zeit, in der Wolfgang Schüssel Bundeskanzler war, so wie in der Zeit, als Sebastian Kurz Bundeskanzler war, um von seiner Bedeutung eine Vorstellung zu vermitteln, Konrad Paul Liessmann der …

Mit reichlich Verspätung nimmt sich die Politik der Sache an. Mitte März einigten sich im Wiedner Bezirksparlament SPÖ, Grüne und Links auf einen Antrag an die Kulturstadträtin. Sie solle ein Projekt zur Kontextualisierung initiieren. Der Hauseigentümer, die Hallmann Holding, ist gesprächsbereit.

„Mit reichlich Verspätung nimmt sich die Politik der Sache an.“ Schreibt Anna Goldenberg. Es ist aufgefallen, das mit dem Spruch. Und lang, sehr lang ist das her. Die Politik? Parteien auf Bezirksebene nehmen sich nun der Sache an …

Rudolf Taschner sitzt seit dem Jahr 2017 im österreichischen Parlament … Das, was ihm Burger flüsterte, schrieb er in einer Tageszeitung, die gelesen wird von der sogenannten Staatsspitze bis hinunter zu den wohl bedeutendsten …

„Der Hauseigentümer“, schreibt Anna Goldenberg, „ist gesprächsbereit“. Ob die Mieter dieses Hauses in der Operngasse 24 auch gefragt müssen werden? Eine Mieterin oder Eigentümerin von Firmenräumlichkeiten in diesem Haus ist die ÖBB Rail Equipment GmbH & Co KG, der könnte es vielleicht doch ein wenig unangenehm sein, plötzlich unter einem Dach mit einem kontextualisierten Spruch …

Krupp

Der Spruch ist von Alfred Krupp, nur ungenau zitiert von Adolf Hitler.

Und das, ist zu erwarten, wird in die „Kontextualisierung“ nicht aufgenommen werden. Dabei ist dies das Wesentliche, aus welcher Ecke dieser Spruch tatsächlich stammt, die von der tiefsten Vergangenheit, als Adolf Hitler noch gar nicht geboren war, bis herauf in die Gegenwart die Tagesordnung bestimmt, die Agenda schreibt …

Und wenn diese Ecke gefragt werden würde, ob sie dieses Projekt der Kontextualisierung finanziell unterstützen würden, ach, gerne würde diese Ecke das machen, finden sie es doch auch furchtbar schrecklich, was da geschah, mit Hitler, das muß zu dem „sozialistischen Relief“ unbedingt hinzugeschrieben werden, sein Name als Spruchtäter ganz groß, und darunter oder noch besser darüber mit größtem Dank die Namen der aus der Ecke, die durch ihre so großzügigen Zuwendungen die Realisierung der Kontextualisierung ganz in ihrem Sinne …

Zwei Buben im Gras

Es habe, wird nun berichtet, keine weiteren Termine gegeben. So ist es nicht unwahrscheinlich, daß sie doch wer noch aufklärte, in dieser Hinsicht aufklärte, es im Angesichte des Gottespaktes nicht so leicht ist, der Kirche Steuerprivilegien zu streichen, Förderungen zu kürzen, wesentliche Beiträge zu deckeln, sie also aufgeklärt wurden, daß dies wohl nur möglich ist, wenn der Kirche der Gottespakt gekündigt …

Die zwei Buben saßen nicht im Grünen, während dieser ihrer Unterhaltung. Modern wie sie sind, unterhielten sie sich über ihre Handys. Nun wurde ihre Unterhaltung bekannt und so veröffentlicht, wie diese im folgenden zitiert wird.

– Heute ist die Kirche bei uns Schipka kommt um 16.00 Wir werden Ihnen ordentliches Package mitgeben Im Rahmen eines steuerprivilegien Checks aller Gruppen in der Republik wird für das BMF auch die Kirche massiv hinterfragt Alles sind gleich Dann gehen wir unsere Liste durch. LG Thomas

– Ja super. Bitte Vollgas geben.

– Yea! Das taugt mir voll. Also Schipka war fertig! Steuerprivilegien müssen gestrichen werden Förderungen gekürzt Und bei Kultus und Denkmalpflege wesentliche Beiträge Heimopfergesetz werden wir deckeln Er war zunächst rot und dann blass dann zittrig Er bot mir Schnaps an den ich in der Fastenzeit ablehnte weil Fastenzeit Waren aber freundlich und sachlich

– Super danke vielmals!!!! Du Aufsichtsratssammler

– Das ist dort mein Hauptberuf – bitte mach mich nicht zu einem Vorstand ohne Mandate Das wäre ja wie Wiener Stadtrat ohne Portfolio

– kriegst eh alles was du willst

– Ich liebe meinen Kanzler Ich muss übrigens Didi gerade aufpäppeln weil ihm Schipka so leid getan hat

Die Orthographie ist genauso wiedergegeben, wie die zwei Buben ihre Unterhaltung schrieben, wie Buben eben schreiben, in einem Alter, in dem alles wichtiger ist als Grammatik, Rechtschreibung … Weggelassen lediglich ihre Emojis, also ihre dazu gemalten Gesichtchen … nicht zuletzt deshalb, weil gerade die bei gewissen Aussagen dazu gemalten Gesichtchen etwas Anstößiges ausdrücken könnten, da, das muß eingestanden werden, die Bedeutung dieser Gesichtchen nicht gekannt wird.

Es ist also März. Wieder einmal Frühlingserwachen. Buben werden hinausgeschickt, zum Spielen auf die Wiese. Sie tollen umher, irgendwann, wohl auch ein wenig müde geworden, die Phase des forcierten Wachstums ist die anstrengendste Lebenszeit für Menschen, ganz besonders für Buben, lassen sie sich im Gras nieder, und sie erzählen einander abenteuerliche Geschichten, der eine geht ganz in seiner Geschichte auf, der andere hört fasziniert zu, und er befeuert ihn, er möchte einfach noch mehr hören von der Komödie seines phantasiemutigen Kerls …

Es muß bei der oben zitierten Unterhaltung einfach vergessen werden, daß diese mittels Telefon geführt wurde, vergessen werden, daß der eine das und der andere dies ist, ihr Alter bloß über ihren Bubenstatus hinwegtäuscht. Es muß diese Unterhaltung in den richtigen Rahmen gestellt werden, um sich vorstellen zu können, um was für eine Unterhaltung es sich dabei tatsächlich handelt. Es sind Träumereien von Buben, die sich schon groß und stark wähnen, hinausgeschickt zum Spielen, nebeneinander im Gras …

Frühlingserwachen. Es muß aber um die Buben nicht gebangt werden, eine Kindertragödie, wie, um eine Zahl zu nennen, vor 115 Jahren werden sie nicht erleiden müssen, zumindest die zwei Buben …

Jedoch, so heißt es, die Tragödie, von der die einen verschont bleiben, trifft die anderen mit voller Wucht als Tragödie, auch dann, wenn es eine Komödie …

Edelweißpflicht

Es ist kein Jubiläum, das besonders zu begehen ist.

Vor 35 Jahren wurde Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt. Das Datum seiner Angelobung am 8. Juli 1986 wird in den Geschichtsbüchern von seiner Amstszeit bleiben, und auch noch das Datum seines Amtsausscheidung. Denn das ist die Pflicht der Geschichtsbücher, die Daten anzugeben.

Die Veröffentlichung des Buches „Blutiges Edelweiß“ hat er, Waldheim, nicht mehr erlebt.

Was er wohl, wenn er die Veröffentlichung in 2008 noch erlebt hätte, dazu gesagt hätte, wenn er danach gefragt worden wäre, sofern es überhaupt noch wen interessiert hätte, ihn irgend etwas zu fragen, was hätte er geantwortet, wenn er geantwortet hätte? Besonders zur Passage, in der er, Waldheim, selbst vorkommt:

Oberleutnant Kurt Waldheim, der spätere Präsident Österreichs und Generalsekretär der UNO, der das Kriegstagebuch des deutschen Generalstabes bei der italienischen 11. Armee führte, vermerkte darin am 17. August: „Im Bereich der 1. Geb.Div. Ort Komeno […] gegen heftigen Feindwiderstand genommen. Hierbei Feindverluste.“ Im Laufe eines Tages wurde also der ohnehin unwahre deutsche Bericht über das Morden in Kommeno dahingehend weiter manipuliert, daß die ursprünglich im Regimentsbericht angeführten „150 toten Zivilisten“ im Divisionshauptquartier schließlich als „Feindtote“ bezeichnet werden. Daraus macht die Ic-Dienststelle dann „150 tote Banditen“, und Waldheim spricht im Kriegstagebuch des Generalstabes nur ganz unbestimmt von „Feindverlusten“. So verwandelte sich ein Kriegsverbrechen in einen konventionellen Akt der Verteidigung.

Es muß zugegeben werden, ohne das Edelweiß gäbe es nicht die Erinnerung daran, daß es einmal einen Bundespräsidenten in Östereich mit dem Namen Kurt Waldheim gab. Kurz ist es her, daß das Edelweiß wieder breite Aufmerksamkeit erfuhr, nicht im Zusammenhang mit einem Krieg, aber mit einer Seuche.

Der Oberbefehlshaber des österreichischen Bundesheeres ist der Bundespräsident, der auch in diesem zweiten Coronafrühling ein Mann ist, deshalb kann keine Oberbefehlshaberin, keine Bundespräsidentin hinzugeschrieben werden; es wäre bloße Wirklichkeitsleugnung.

Der derzeitige Bundespräsident heißt nicht Kurt Waldheim, und es ist nicht abzusehen, wann je eine Frau in Österreich Bundespräsidentin …

Was aber auf der Website des Bundesheeres, dessen Oberbefehlshaber er ist, zum Edelweiß zu lesen ist, würde eher in der Zeit vor 35 Jahren verortet werden, als der Oberbefehlshaber Kurt Waldheim hieß …

Aber das kam erst viel später hinzu. So geschrieben. Zu einer Zeit, in der bereits gedacht werden hätte können, mit dem Geschehen um Kurt Waldheim hat es sich für immer erledigt, so zu schreiben. Zu gut gedacht. Von Österreich. Schlecht gesagt. In Österreich, weiter mit dem schlecht Gesagten. In Österreich wird weitergemacht, als hätte es nie …

Es wird in Österreich gut gesehen, was schlecht gesagt werden kann, es wird in Österreich gut gesehen, was schlecht gesagt werden muß …

Die kurze Notiz des ehemaligen Oberbefehlhabers des österreichischen Bundesheeres über „Feindtote“ in Kommeno ist … Er setzte pflichtgemäß den Ermordeten die Maske des Feindes auf. In „Blutiges Edelweiß“ von Hermann Frank Meyer kann gelesen werden, was auch in Kommeno verbrochen wurde, wer die Menschen ohne waldheimische Masken waren, die ermordet wurden.

Was der Oberbefehlshaber des österreichischen Bundesheeres auch nicht mehr erlebte, im beginnenden zweiten Coronafrühling, daß die Pflicht auch anders verstanden werden kann. Kurz ist es her, daß sogar einer aus der eigenen Familie, vollkommen seinen Werten verpflichtet, sich gänzlich anders entschied, als der Rest seiner …

Gottespakt

Es wirft kein schmeichelhaftes Licht auf die Staaten Deutschland und Österreich, die Diktaturenkirchenverträge nicht sofort mit dem Ende des Massenmordens für null und nichtig erklärt zu haben, nicht sofort 1945 mit dem seit zwölf Jahren überfälligen Untergang des nationalsozialistischen deutschen reiches die Diktaturenkirchenverträge für null und nichtig erklärt zu haben. Noch weniger schmeichelhaft ist es dadurch, es bis heute nicht getan zu haben.

Noch weniger schmeichelhaft ist es für die römisch-katholische Kirche, weil sie zum einem nicht von diesen Diktaturenkirchenverträgen lassen kann, zum anderen aber vor allem deshalb, weil sie 1933, also vor 88 Jahren, es nicht eilig genug haben konnte, mit den Diktaturen Kirchenverträge abzuschließen.

Ganz und gar nicht schmeichelhaft für die römisch-katholische Kirche ist der Vertragsabschluß vor 88 Jahren am 20. Juli mit dem Diktator aus dem Oberösterreichischen, mit dem sie dem Diktator aus dem Oberösterreichischen zu seinem ersten großen außenpolitischen Erfolg verhalf, für seine Reputation außerhalb des deutschen reiches sorgte. Vor 88 Jahren hatte es der oberösterreichische Diktator, der gerade einmal sein erstes halbes Jahr als Diktator hinter sich hatte, ebenfalls sehr eilig, diesen Gottespakt zu schließen.

Ebenso wenig schmeichelhaft ist für die römisch-katholische Kirche der Vertragsabschluss vor 88 Jahren am 5. Juni mit dem Diktator aus dem Niederösterreichischen. Auch hier konnte es der römisch-katholischen Kirchen nicht schnell genug gehen, mit dem Diktator aus dem Niederösterreichischen einen Gottespakt zu schließen. Auch der niederösterreichische Diktator hatte es eilig, noch eiliger als der oberösterreichische, denn sein Staatsstreich, seine Ausschaltung der Demokratie lagen gerade einmal drei Monate zurück, seine Diktatur war, einfach wie kurz gesagt, drei Monate jung, als er den Gottespakt schloß. Mit dabei war auch bereits sein mit 35 Jahren doch recht junger Führernachfolger.

Jetzt sich damit zu befassen, werden Sie vielleicht sagen, was vor 88 Jahren war, ist der ungünstigste Zeitpunkt, im Angesicht der Pandemie.

Aber das Konkordat, dieser Gottespakt, ist wohl mit verantwortlich, daß Kirchen heute noch sich Freiheiten nehmen und Frechheiten herausnehmen, ihnen Freiheiten, ohne mit der Wimper zu zucken, gewährt werden, die allen anderen, ohne mit der Wimper zu zucken, genommen werden, wie jetzt in dieser Pandemie.

Der Gottespakt mit dem Diktator aus dem Oberösterreichischen, der Gottespakt mit dem Diktator aus dem Niederösterreichischen kommen auch deshalb gerade jetzt in den Sinn wegen der von der Glaubenskongregation erst kürzlich verkündeten Verweigerung der Segnung … Die Diktaturenkirchenverträge wurden vor 88 Jahren im „Saal der Kongregationen im Vatikan“ besiegelt. Und zu den Kongregationen gehört auch die Glaubenskongregation, im Saal auch der Glaubenskongregation also wurden die Gottespakte …

Der Saal der Kongregationen im Vatikan ist der einzige Raum auf dieser Welt ohne Zeit, oder, der Saal der Kongregationen ist der einzige Raum und der einzigen Zeit auf dieser Welt, angezeigt von einer Uhr mit einer einzigen Zahl — deren kleiner Zeiger unbewegbar auf 19 und dessen Schatten auf 33 …