8. Dezember, ein arbeitsfreier Feiertag zum Feiern des Geschlechtsverkehrs, ein von „Hunderttausenden“ getragenes „Volksbegehren“

In Österreich [i]n der NS-Zeit wurde der Feiertag am 8. Dezember abgeschafft. Nach Ende des Krieges führte ein von hunderttausenden Österreichern getragenes Volksbegehren zur Wiedereinführung des Feiertages.

Das ist auf der offiziellen Website der katholischen Kirche in Österreich, deren Herausgeber und Medieninhaber die im reinen Männerbunde organisierten Bischöfe sind, zu lesen, am 3. Dezember 2022, geschrieben respektive „zuletzt bearbeitet am 8. Dezember 20121“ …

Ja, die Männer des Organisierten Glaubens haben ihren recht speziellen Kalender, und sie sind dabei doch so gnadenreich, lesen zu lassen, was sonst jetzt Lebenden je vorbehalten bliebe zu lesen, ist das doch erst in 18.099 Jahren zuletzt bearbeitetdie Männer des Organisierten Glaubens leben in ihrer speziellen Zeit mit ihren recht speziellen Deutungen von Begriffen, wie am 8. Dezember 20121 zu lesen ist, daß ihnen beispielsweise ein „Volksbegehren“ etwa ein „Volksbegehren“, noch dazu „ein von hunderttausenden Österreichern getragenes Volksbegehren“ ist, und das zu einer Zeit, also 1954, als es in Österreich noch gar kein „Volksbegehren“ abgehalten. Das je erste abgehaltene Volksbegehren in Österreich gab es erst zehn Jahre später, 1964, das war das sogenannte Rundfunkvolksbegehren mit dem Ziel, den ORF durch ein Gesetz aus der Tagesparteipolitik und den jeweils herrschenden parteipolitischen Verhältnissen herauszuhalten, den ORF zu einem unabhängigen Medium zu machen …

Von diesem ersten Volksbegehren ist tatsächlich belegt, von wie vielen es getragen wurde: 34.841 Unterstützungserklärungen zur Abhaltung des Volksbegehrens und von 832.353 Österreicherinnen und Österreichern wurde das Volksbegehren unterschrieben. Ein also tatsächlich und wirklich erstes und von Hunderttausenden getragenes Volksbegehren in Österreich. Die Männer des Organisierten Glaubens haben nicht nur ihren recht speziellen Kalender, ihre recht speziellen Begriffsdeutungen, sondern auch ihre recht spezielle Zählweise, mit der sie die „hunderttausenden Österreicher“ zählen, die das getragen haben sollen, das von ihnen, und das ist gewiß, GetrageneVielleicht steht ein jeder Mann ihres Bundes für je Hunderttausend, dann wäre es, so gezählt, ein von weit mehr als einer Million getragenes … aber die Männer des Organisierten Glaubens haben auch eine recht spezielle Bescheidenheit, die es ihnen verbietet, von Millionen zu sprechen, sondern so recht schlicht bloß von ein von Hunderttausenden getragenes

Das ist also auf der offiziellen Website des Organisierten Glaubens am 3. Dezember 2022 zu lesen, das, wie es wahrlich geschrieben steht, zuletzt bearbeitet am 8. Dezember 20121:

In Österreich hat der Feiertag am 8. Dezember eine jahrhundertelange Tradition, die bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück reicht. In der NS-Zeit wurde der Feiertag am 8. Dezember abgeschafft. Nach Ende des Krieges führte ein von hunderttausenden Österreichern getragenes Volksbegehren zur Wiedereinführung des Feiertages. Der Nationalrat beschloss im Jahr 1955, dass der 8. Dezember wieder als Feiertag begangen werden soll – als Dank für die wiederlangte Freiheit Österreichs. So ist der 8. Dezember seither wieder ein gesetzlicher Feiertag in Österreich und somit arbeitsfrei. Wie an anderen gesetzlichen Feiertagen, mussten die Geschäfte auch am 8. Dezember geschlossen bleiben. Aufgrund wirtschaftlicher Verluste und des Umstandes, dass der Feiertag in die Vorweihnachtszeit fällt, wurde 1995 das Ladenöffnungsgesetz geändert. Seither öffnen die Geschäfte auch an „Mariä Empfängnis“ am 8. Dezember und sorgen für einen der umsatzstärkten Einkaufstage in der Vorweihnachtszeit. In den vergangenen Jahren sorgte die Erlaubnis zum Offenhalten der Geschäfte am 8. Dezember immer wieder für Debatten.

Brauchtum

„Mariä Empfängnis“ hat als Hochfest in der katholischen Kirche augrund seiner Glaubensaussage eine besondere Bedeutung. Allährlich begeht der Papst den Feiertag mit einem Gebet an die Jungfrau Maria an der Piazza di Spagna.

zuletzt bearbeitet
am 8. Dezember 20121

Wie kurz ist es im Vergleich zu dem, was in 18.099 Jahren zuletzt bearbeitet gewesen sein wird, erst her, daß es dieses Feiern des Geschlechtsverkehrs von Anna und Joachim als Feiertag in Österreich gibt, gerade einmal 375 Jahre. Und trotz dieser jubiläumslockenden Zahl kein Anlaß für ein Jubiläum, fehlen für Jubiläumsfeierlichkeiten des Geschlechtsverkehrs doch die paar madigen österreichischen NS-Jahre, in denen das hochamtliche Zelebrieren des ungeschützten Geschlechtsverkehrs ausgesetzt …

Der Bischöfe Brüder – vereinigt im Verein der Priesterbruderschaft St. Pius X – wissen ebenfalls Wahrliches, wie auf deren Seite am 3. Dezember 2022 zu lesen ist, über das Feiern des Geschlechtsverkehrs zu berichten

Mit dem Bericht des Bruders Pater Waldemar Schulz soll dieses Kapitel beendet sein, aus dem noch weitere recht spezielle Kenntnisse der Brüder zu erfahren sind, etwa, darin sie wahre Medizinmänner sind, ihr Wissen über Krankheiten, wie gegen Drachen zu kämpfen ist, wie und welche Plagen zu bekämpfen sind, wer Österreich den Staatsvertrag brachte – nur so viel, es war nicht die Reblaus, und es war nicht die Reblaus …

Die erste Inschrift (Rückseite des Monumentes) beinhaltet die Widmung durch Kaiser Ferdinand III.: „Dem allerbesten, größten, höchsten Gott, Herrn des Himmels und der Erde, durch welchen die Könige regieren, der ohne Erbsünde empfangenen jungfräulichen Gottesgebärerin, durch welche die Fürsten herrschen, dieser, die wir aus besonderer Andacht zur mächtigen Frau und Patronin von Österreich erwählt haben, vertraut, übergibt und opfert sich, seine Kinder, Völker und Kriegsheere, Länder und all das Seinige Ferdinand III., Römischer Kaiser, der zu dieser Sache ewigen Gedächtnis diese Säule gemachten Gelübdes wegen aufrichtet. Den 18. Maji 1647.“

Wiederbelebung nach dem Krieg

Am 30. Mai 1946 wurde mit einer eindrucksvollen religiösen Feier die Wiederaufrichtung der zum Schutz vor den Kriegsgefahren des 2. Weltkrieges geborgenen Statue der Unbefleckten begangen.
Und am 18. Mai 1947 feierte Wien das 300-Jahr-Jubiläum der Mariensäule, bei dem Kardinal Theodor Innitzer die Immaculata erneut zur Herrin und Schutzfrau Österreichs erwählte.
Das erste große Volksbegehren im marianischen Jahr 1954 brachte die (1938 geraubte) staatliche Anerkennung des 8. Dezember als Feiertag zurück; 1955 folgte der Staatsvertrag nach viel Rosenkranzgebet.

„Das erste große Volksbegehren im marianischen Jahr 1954 brachte die (1938 geraubte) staatliche Anerkennung des 8. Dezember als Feiertag zurück; 1955 folgte der Staatsvertrag nach viel Rosenkranzgebet.“ Als die Männer des Kremls unter ihnen am Tische die betenden Männern aus Österreich sahen und hörten, und dies den Frauen erzählten, befolgten sie den Rat der Frauen, es ist das Gebet der Stunde, den Frauen in Österreich den Staatsvertrag zu unterschreiben.

Die Verehrung heute

Am Pfingstsonntag, den 18. Mai 1997, wurde immerhin noch durch ein Glaubensfest „Totus tuus“ (Ganz Dein) mit gegen 2000 Gläubigen und Kardinal Schönborn sowie dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Donato Squicciarini, der 350-Jahr-Feier gedacht, wobei Kardinal Christoph Schönborn laut Presseberichten unterstrich, durch diese Weihe solle „niemand vereinnahmt werden“, denn wo der Name Mariens genannt werde, würden Menschen nicht gegeneinander aufgehetzt, dort geschehe vielmehr Versöhnung. In Erinnerung an das biblische „Sprachenwunder“ zu Pfingsten wären besonders die fremdsprachigen Gemeinden der Erzdiözese zur Mitfeier eingeladen gewesen. Neben einer Botschaft Papst Johannes Paul II. (der an diesem Tag seinen 77. Geburtstag feierte, weshalb sein Papstmotto auch für das Glaubensfest verwendet wurde) und mehreren Zeugnissen von Laien über ihre Glaubenserfahrung, waren die Teilnehmer dazu aufgerufen worden, in persönlicher Weise ihren Bund mit Gott – auch vor einem anwesenden Priester – zu erneuern. Zwar wurde die Säule im Jahre 2000 renoviert, aber gebetet wird inzwischen dort schon lange kaum mehr, weder an Samstagen noch an „Frauentagen“ noch am 8. Dezember noch an sonstigen Tagen; Blumenschmuck oder Beleuchtung (wie bei anderen Mariensäulen noch üblich) ist auch seit langem nicht mehr erkennbar. Hat der inzwischen abgewanderte Christkindlmarkt früher noch irgenwie dorthin gepasst, schaut die Immaculata heute nur mehr auf Jahr-, Floh- und Tauschmärkte, Würstlstandl oder getösereiche Zeltfeste statt auf gläubige Seelen und Marienverehrer. Mit einer Ausnahme! Seit 1997 wallfahrtet das Priorat St. Klemens Maria Hofbauer der Priesterbruderschaft St. Pius X. von ihrer großen Kapelle St. Joseph im VII. Wiener Gemeindebezirk (Bernardgasse) aus alljährlich in feierlicher Prozession zur Mariensäule Am Hof, um die fast entschlafene Weihe Österreichs und die besondere Verehrung der Unbefleckten in diesen Landen am Leben zu erhalten und zu erneuern. Heuer (2007) ist es das zehnte Mal, daß unter Begleitung der Musikkapelle „Original Kaiserjäger“ fromm und andächtig der Gottesmutter Ehrengeleit und Huldigung gezollt wurde (im wesentlichen nach dem Andachtsprogramm und dem Weihetext von 1904, aber mit Einfügung des heute besonders bedeutungsvollen Credo), damit Maria gemäß der überlieferten Verheißung an Kaiser Ferdinand II. allezeit durch ihre Fürbitte Österreich großzügig beschützen und erhalten möge, auch wenn es nur mehr eine kleine Herde ist, die noch in Treue zu ihr verharrt; jedoch schaut Gott und auch die allerseligste Jungfrau viel mehr auf Herz und Gesinnung als auf die Zahl. Sind wir nach unseren schwachen Kräften treu, wird unsere gute Mutter und Königin sich an Treue und Hilfe von nichts und niemandem als nur noch vom Lieben Gott – und auch Er schaut besonders auf die Marienkinder – übertreffen lassen. Überaus notwendig ist uns nämlich, und vielleicht heute mehr denn je, die helfende Gnade Gottes und der Schutz der Immaculata im Kampf mit dem alten Drachen. Zwar bedrohen uns nicht mehr die Schweden, aber um so mehr der überall um sich greifende, teils sehr aggressive Unglaube. Und die Plagen unserer Zeit sind vielleicht die Ketzerei des falschen Ökumenismus und Indifferentismus (alle Religion ist gleich gut), der geistige Krieg gegen den Glauben, der Hunger nach der heute nicht mehr unverkürzt und unverfälscht verkündeten Wahrheit, die Pest der Unmoral in Stadt und Land. Gebe Gott auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau, der Großen Mutter Österreichs, wir möchten mit der Engel Beistand die geistigen Plagen niederringen und vor den leiblichen bewahrt bleiben.

Tatsächlich bewahrte die Unbefleckte Wien 1683 vor den Türken,

„Tatsächlich bewahrte die Unbefleckte Wien 1683 vor den Türken,“ wahrlich, 1683 kamen Menschen aus der Ukraine nach Wien, und als die „Türken“ sie im Türkenschanzpark beten sahen, sprachen die Türkinnen zu ihren Männern, es ist Zeit, heimzukehren, und sie kehrten heim …

schenkte wiederholt Österreich und dem Hause Habsburg ihre Huld für die schon alte, stets treue Verehrung, hatte doch schon 1389 der berühmte 1. Rektor der damals neugegründeten Wiener Universität Heinrich (Heinbuch) von Langenstein, zuvor Professor und Vizekanzler an der Sorbonne in Paris, in Maria am Gestade über diesen Vorzug Mariens gepredigt. Bis 1782 hatten die Theologen der Wiener Universität auch den Eid auf die Unbefleckte Empfängnis abzulegen, wollten sie zur Erteilung von Vorlesungen zugelassen werden.

Die Immaculata-Säule Am Hof blieb bis ins 20. Jahrhundert Mittelpunkt marianischer Feiern. Dabei galt das Beten bzw. Singen der Lauretanischen Litanei stets als Höhepunkt der Huldigung, später (ab 1904) dann auch das jeweilige Weihegebet.

An der Jahrhundertfeier 1747 mit prächtiger Prozession nahm Kaiserin Maria Theresia teil. Papst Pius VI. erteilte bei seinem Besuch in Wien 1782 bei Kaiser Joseph II., um dessen Staatskirchentum zu dämpfen – in dieser Hinsicht blieb die Visite erfolglos –, vom Vorbau der ehemaligen Karmeliter-, dann Jesuitenkirche zu den neun Chören der Engel gegenüber der Mariensäule am Osterfest den Wienern den päpstlichen Segen.

Am 22. Juli 1855 wurde unter Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth mit dem gesamten Hofstaat vom Stephansdom weg mit einer großen Prozession zur Mariensäule an meist reich geschmückten Häusern vorbei angeführt von Fürsterzbischof Joseph Othmar Ritter von Rauscher, dem päpstlichen Nuntius Viale Prelà und allen auf dem damals in Wien stattfindenden Provinzialkonzil anwesenden Bischöfen und Prälaten, eine Festfeier zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis anläßlich der feierlichen Dogmatisierung durch den Heiligen Vater, Papst Pius IX., am 8. Dezember des Vorjahres gehalten. Die Geistlichkeit, viele religiöse und bürgerliche Vereine, Schulen und Klöster, Gemeinderat und Magistrat vereinten sich mit vielen Tausend Gläubigen, um die Lauretanische Litanei als Höhepunkt der Huldigung der allerseligsten Jungfrau darzubringen.

Pater Waldemar Schulz Quelle: Ursprung und Ziel, Mai 2008

Als die ukrainische Armee zur Befreiung Wiens dem öster-reichen Gesang von Irmgard Seefried folgte

Das Oratorium verhaltener Trauer und seelenstarker innerer Erhebung, das Johannes Brahms nach dem Tod seiner Mutter zu ihrem Andenken komponiert hat, war die richtige Ostermusik unserer Tage, und gab dem Karfreitagkonzert der Gesellschaft der Musikfreunde den Charakter einer Manifestation des deutschen Wesens in seinem gewaltigsten Ringen um sein Leben und seine Geltung. Die Wiener Philharmoniker, der Wiener Staatsopernchor, die ausgezeichneten Gesangskünstler der Wiener Staatsoper Irmgard Seefried und Alfred Poell und Orgelmeister Franz Schütz hatten sich unter der klaren, ungekünstelt disponierenden Leitung Hans Knappertsbuschs zusammengetan, um mit ihrer heute doppelt bewundernswerten Kunst, und mit voller Hingabe dem herrlichem Werk des großen Wiener Meisters, wie wir Brahms wohl nennen dürfen, zu dienen. Es grub sich dies in Herz und Gemüt der Zuhörerschaft ein. Wenn die machtvollen, von gebannten Rhythmus getragenen Klänge des Chors und Orchesters, die wie aus überirdischen Höhen dringende Stimme des Soprans oder die von Zuversicht und Schicksalsglauben erfüllten Worte des Baritons ertönten und zu der gewaltigen Steigerung führten, die als Krönung des Werkes gegen den Schluß gesetzt ist: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg; Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Heinrich Damisch.

Ein Betrachtung, wie die von „Kleine Wiener Kriegszeitung“ am 4. April 1945 gebrachte, kann, auch wenn sie von einem aus der ersten Garnitur geschrieben wurde, einem derartigen Ereignis, das zur Legende wurde, nie und nimmer gerecht werden, dem österlichen Ereignis, das sich 1945 zugetragen hat, von dem heute noch vor allem die damals Ältesten der dritten und zweiten Ukrainischen Front berichten, es hätte sich genauso zugetragen, daß sie keine Landkarten benötigten, um den Weg nach Wien zur Befreiung von Wien zu finden, da sie von Karfreitag an bis zu ihrem Eintreffen in Wien am 13. April 1945 unaufhörlich der Gesang von Irmgard Seefried dirigierte, in die Richtung, in der Wien liegen mußte, der Gesang von Irmgard Seefried sie in ihrer Entscheidung, in welche Richtung gen Wien sie zu marschieren haben, bestärkte, den Lauten von Irmgard Seefried sie nur zu folgen brauchten, um nach Wien zu gelangen, und je lauter und je verständlicher der Gesang von Irmgard Seefried wurde, desto gewißer war ihnen, sie sind keine vierzehn Tage vor Wien, sie sind keine zehn Tage vor Wien, sie sind keine acht Tage vor Wien, sie sind keine drei Tage vor Wien, sie stehen unmittelbar vor Wien, sie sind in Wien auf dem Platz vor der Kirche zum Musikverein …

Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?

So hat das Luther übersetzt, das dem Musikbetrachter Krönung, das noch Jahrzehnte später des rechten Mannes Leibverse … Den unmittelbar daran anschließenden korinthischen Vers werden sie heutzutage wohl nur für sich aufsagen

Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.

und bitterlich in sich hinein klagen, was seit dem für sie sündige Gesetze gegen ihre reinen Mannesgesetze etwa beschlossen wurden …

Es war überhaupt eine Zeit reich an, die reichste Zeit an überirdischen Ereignissen, an Legenden; von einer weiteren erzählte in einer dafür eingeweihten und dafür wie keine zweite auserwählten Zeitung

ein Zeuge am 25. Januar 1945 so wahr, wie von solchen Ereignissen nur wahr berichtet werden kann, daß, so bezeugte er, „der lange Krieg die Entwicklung in der so angebahnten Richtung nur noch vehementer vorwärts und abwärts, bis mit der beschämenden Verordnung eıner Stillegung der kulturellen Belange vom Herbst des Jahres 1944 dem Musikbetrieb auch in Österreich praktisch ein Ende bereitet wurde“.

Es kann auch dies nicht verwundern, daß im Reich der Legenden die Erscheinungen der Gottbegnadeten überreich. Viele von ihnen auch auferstanden an diesem Karfreitage zum Erscheinen in der Kirche zum Musikverein als Manifestation des deutschen Wesens in seinem gewaltigsten Ringen um sein Leben und seine Geltung, auferstanden die gottbegnadeten Wiener Philharmoniker, auferstanden der gottbegnadete Hans Knappertsbusch, auferstanden die gottbegnadete Irmgard Seefried …

Die Wiener Philharmoniker waren nicht nur gottbegnadet, sie waren auch gottgesegnet, für ganze weitere zweiundfünfzig Jahre, erst 1997 verließ sie Gott, so muß ihre Klage geklungen haben, als ihnen von außen auferlegt wurde, ihren reinen Männerbund aufzugeben, in ihre Reihen Frauen aufzunehmen. Etwas gottgesegnet sind sie aber bis heute noch, beträgt der Frauenanteil in diesem Orchester heute noch gerade einmal 15,6 Prozent … was war das doch für ein reines Reich Gottes, als der Frauenanteil null Prozent und vierzig Prozent der Orchestermänner Mitglieder der Partei der Listenwarte, die nicht nur Listen der Gottbegnadeten, sondern auch und noch eifriger lange, lange, lange Transportlisten erstellten, waren …

Und auch dies kann nicht verwundern, im kommenden Jahr werden es fünfundsiebzig Jahre her sein, daß die gottbegnadete Sängerin und der gottbegnadete Geiger in gottgerngesehener Ehe zueinanderfanden, vielleicht auch zum gegenseitigen Troste über das verlorene so gottreich gesegnete Reich, und die Listenwarte, wären sie zum Zusammenschluße von dem Mitglied der Partei mit den Listen Schneiderhan und Seefried nicht schon drei Jahre tot gewesen, sie hätten es wohl nicht abgelehnt, Trauzeugen der Gottbegnadeten zu sein; aber, so erzählt eine Legende, sie seien auferstanden, ein der Eheschließung beiwohnendes Kind habe seinen Eltern noch in derselben Nacht erzählt, es habe die Listenwarte an der Seite des Ehepaares gerade in dem Augenblick gesehen, als Mann und Frau einander ihr Jawort —

Halbes Verbotsgesetz ist null Verbotsgesetz

In Österreich wird Jahr für Jahr der 8. Mai als „Tag der Befreiung“ zelebriert, und seit einiger Zeit wird dieser 8. Mai als „Fest der Freude“ gefeiert —

Es ist wahr

Der 8. Mai ist der Tag der „bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und des offiziellen Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa, der Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft“

Der 8. Mai ist auch der Tag der Befreiung des Faschismus – der Faschismus wurde von seinem Verbot befreit

Am 8. Mai 1945 wurde das Verfasssungsgesetz über das Verbot des Nationalsozialismus beschlossen, nicht beschlossen aber wurde ein Verbot des Faschismus, dem Faschismus wurde sein Verbot erlassen

seit 77 Jahren ist in Österreich dem Faschismus sein Verbot erlassen.

Sein für ganz wenige Jahre herrschendes Regime in Österreich wird in diesem Verfassungsgesetz jedoch herangezogen, als Beweis, als Begründung zur Strafverfolgung, in welcher Zeit in Österreich eine nationalsozialistische Betätigung

Artikel III: Bestimmungen gegen „Illegale“, schwerer belastete Nationalsozialisten und Förderer. § 10. Wer in der Zeit zwischen dem 1. Juli 1933 und dem 13. März 1938, wenn er innerhalb dieser Zeit das 18. Lebensjahr erreicht hat, jemals der NSDAP oder einem ihrer Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK) angehört hat („Illegaler“), hat sich des Verbrechens des Hochverrates im Sinne des § 58 österr. Strafgesetz schuldig gemacht und ist wegen dieses Verbrechens mit schwerem Kerker in der Dauer von fünf bis zehn Jahren zu bestrafen. Die Verfolgung wegen dieses Tatbestandes findet jedenfalls statt, wenn sie die Provisorische Staatsregierung im Falle des Überhandnehmens hochverräterischer Umtriebe allgemein anordnet. Die Verfolgung hat ferner stattzufinden, wenn sich der Täter neuerlich für die NSDAP, eine ihrer Gliederungen oder einen ihrer Verbände irgendwie betätigt, sich eines Verbrechens, eines Vergehens oder einer Übertretung gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung oder einer auf Gewinnsucht beruhenden Übertretung schuldig gemacht oder sonst eine auf verwerflichen Beweggründen beruhende Handlung begangen hat. § 11, Ist jedoch ein „Illegaler“ als politischer Leiter vom Ortsgruppenleiter und Gleichgestellten aufwärts oder in einem der Wehrverbände als Führer vom Untersturmführer und Gleichgestellten aufwärts tätig gewesen oder ist er Blutordensträger oder Träger einer sonstigen Parteiauszeichnung gewesen oder hat ein „Illegaler“ in Verbindung mit seiner Betätigung für die NSDAP oder einen ihrer Wehrverbände Handlungen aus besonders verwerflicher Gesinnung, besonders schimpfliche Handlungen oder Handlungen, die den Gesetzen der Menschlichkeit gröblich widersprechen, begangen, so wird er mit schwerem Kerker von zehn bis zwanzig Jahren und dem Verfall des gesamten Vermögens bestraft, wenn die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung strenger strafbar ist. § 12. In gleicher Weise ist strafbar, wer in der Zeit zwischen dem 1. Juli 1933 und dem 13. März 1938 durch beträchtliche finanzielle Zuwendungen die NSDAP einen ihrer Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK), ihre Gliederungen und angeschlossenen Verbände oder eine nationalsozialistische Organisation oder Einrichtung überhaupt gefördert hat oder wer durch Schädigung des österreichischen Wirtschaftslebens für Zwecke einer der angeführten Organisationen den Bestand des selbständigen Staates Österreich zu untergraben unternommen hat.

eine „illegale“ Betätigung war, nämlich vom 1. Juli 1933 bis 13. März 1938; ab diesem März war es dann für ganz wenige Jahre eine „legale“ Wiederbetätigung. Von diesem nicht einmal ganze fünf Jahre wütenden diktatorischen Parteienverbot jedoch waren nicht nur nationalsozialistische Organisationen erfaßt, sondern auch Parteien, die nichts mit der nationalsozialistischen respektive hitlerfaschistischen Gesinnung gemein hatten.

So unergründlich, so seltsam könnten die Wege der Gesetzgebung in Österreich genannt werden. Einerseits dient, wie in diesem Verfassungsgesetz, die Diktatur dazu, Menschen strafrechtlich verfolgen zu können, die von dieser Diktatur zu „Illegalen“, nicht nur zu illegalen Nationalsozialstinnen und Förderern nationalfaschistischer Gesinnung, gemacht und verfolgt wurden, anderseits das Gesetz vom 21. Dezember 1945, um Menschen zu amnestieren, die vom 5. März 1933 bis zu seiner Inkrafttretung in 1945 zwölf Jahre lang gegen Nationalsozialismus und Faschismus, also auch gegen diese Diktatur mit deren demokratievernichtenden Gesetzen kämpften.

Dieses Verbotsgesetz als Verfassungsgesetz in Österreich gibt es also seit dem 8. Mai 1945, seit siebenundsiebzig Jahren. Seit 75 Jahren wird es nur mehr unter dem Titel „Verbotsgesetz“ geführt, ist es nur noch als „Verbotsgesetz“ bekannt.

[1945] § 13. Amnestiebestimmungen und Gnadenerlässe stehen der Verurteilung wegen eines nach diesem Artikel strafbaren Verhaltens nicht entgegen.

[1947] § 14. Amnestiebestimmungen und Gnadenerlässe stehen der Verurteilung wegen eines nach diesem Artikel strafbaren Verhaltens nicht entgegen.

[1945] § 27. Ausnahmen von der Behandlung nach den Bestimmungen der Artikel II, III und IV sind im Einzelfalle zulässig, wenn der Betreffende seine Zugehörigkeit zur NSDAP oder einem ihrer Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK) niemals mißbraucht hat und aus seinem Verhalten noch vor der Befreiung Österreichs auf eine positive Einstellung zur unabhängigen Republik Österreich mit Sicherheit geschlossen werden kann; darüber entscheidet […]

[1947] § 27. (1) Der Bundespräsident kann auf Antrag der zuständigen Bundesminister Ausnahmen von der Behandlung nach den Bestimmungen der Artikel III und IV und von den in besonderen Gesetzen enthaltenen Sühnefolgen in Einzelfällen teilweise oder ganz bewilligen, wenn der Betreffende seine Zugehörigkeit zur NSDAP, zu einem ihrer Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK), zum NS-Soldatenring oder zum NS-Offiziersbund niemals mißbraucht hat, mit Sicherheit auf seine positive Einstellung zur unabhängigen Republik Österreich geschlossen werden kann und die Ausnahme im öffentlichen Interesse oder sonst aus einem besonders berücksichtigungswürdigen Grund gerechtfertigt erscheint. Ein solcher berücksichtigungswürdiger Fall liegt insbesondere bei Personen vor, die – wenn auch nicht in den Reihen der alliierten Armeen – mit der Waffe in der Hand gegen den Nationalsozialismus gekämpft haben.

Ehe nun Menschen nationalsozialistoider Gesinnung, Menschen der Betätigung im nationalsozialistischen Sinn zu meinen können glauben, sie würden nach diesen 77 und 75 Jahre alten Fassungen gegenüber Menschen faschistoider Gesinnung, gegenüber Menschen der Betätigung im faschistischen Sinn Benachteiligte, gar Verfolgte sein, ist ihnen zu sagen, auch für sie hält dieses Verbotsgesetz Auswege zur Unbehelligkeit offen, wenn sie es verstehen und wenn sie vor allem in Positionen, in Positionen gehievt sind, es sich richten zu können, wie es seit Anbeginn angelegt und gewußt —

Jene jedoch, die ohne Wissen dafür und vor allem nicht in dafür vorteilhafte Positionen eingesetzt sind, es sich richten zu können, werden verurteilt und darüber hinaus vorgeführt, wenn es gilt, die Wirksamkeit, das Abschreckungspotential des Verbotsgesetzes wortreich zu rühmen, zu verteidigen —

Das Verbotsgesetz, ein Gesetz im Verfassungsrang, soll also nun, wieder einmal, reformiert werden, ohne freilich, wieder einmal, es auf ein Verbot, davon ist nichts zu vernehmen, des Faschismus auszuweiten. Das seit siebenundsiebzigJahren dem Faschismus währende Erlassen seines Verbotes in Österreich steht ein weiteres Mal der Reformierung des Verbotsgesetzes nicht entgegen.

Die Verfassung der Verfassung in Österreich selbst steht seit Jahrzehnten im Rang der dringend notwendigen Reformierung, wenn denn eine Reformierung der Verfassung überhaupt noch genügte …

In Österreich wird Jahr für Jahr der 8. Mai als „Tag der Befreiung“ auf dem Platz, von dem in Österreich nicht gelassen werden kann, zelebriert, und seit einiger Zeit wird dieser 8. Mai als „Fest der Freude“ gefeiert, auf dem ein Orchester aufgeigt, das „nahesteht besonders“

Das Gesetz mit dem Verbot der Betätigung im nationalsozialistischen Sinn, aber ohne dem Verbot der Betätigung im faschistischen Sinn ist ein halbes Verbotsgesetz. Diese Halbheit des Gesetzes kommt auch in diesem Fest zum Ausdruck, dergestalt, daß etwa von den Einzuladenden nur die Hälfte dazu eingeladen,

auf dem Feste mit fester Stimme zu sprechen …

Ein Fest, gar passend zu einem halben Verbotsgesetz …

Halbes Verbotsgesetz aber ist null Verbotsgesetz —

Österreich kommt seit 75 Jahren mit einem „Verbotsgesetz“ ganz ohne „Faschismus“ aus, Österreich seit 75 Jahren ohne Verbot des Faschismus

Das österreichische „Verbotsgesetz“ ist wieder einmal im Gerede. Diesmal aber nicht, weil es Einschlägige wieder einmal abgeschafft haben möchten, sondern, weil es reformiert werden soll.

Und diese Reform, einfach wie kurz gesagt, ganz im Geiste von 1947.

Gegen wen das Verbotgesetz gerichtet ist, wen es richten soll, wer es sich mit diesem richten kann, das war schon damals klar, als das Verbotsgesetz vor 75 Jahren —

Was an diesem Verbotsgesetz aber recht und besonders auffällig ist.

Es ist ein Verbotsgesetz, das seit fünfundsiebzig Jahren eines ist, in dem nicht einmal das Wort „Faschismus“ vorkommt.

Und was über das nunmehrige Vorhaben einer Reformierung des Verbotsgesetzes zu lesen ist, wird das beibehalten werden, also auch eine grüne Justizministerin so recht ganz in der österreichischen Tradition,

Faschismus zu verschweigen, Faschismus nicht zu verbieten.

Geradeso, als wäre der Nationalsozialismus kein Faschismus, geradeso, als würde außerhalb der österreichischen Gesetzgebung ebenfalls von einem Hitler-Faschismus nicht gesprochen und nicht geschrieben werden, als wäre der Faschismus dieses Österreichers kein Faschismus.

Geradeso, als mußten Menschen in Österreich nicht gegen einen Faschismus, der nicht der Hitler-Faschismus war, widerstehen, als mußten Menschen in Österreich nicht für ein demokratisches Österreich sich einsetzen, geradeso, als würde seit 75 Jahren keine Gefahr mehr bestehen für einen Faschismus, der nicht der Hitler-Faschismus ist, auch als Staatsfaschismus, geradeso, als würde eine faschistoide Wiederbetätigung, die nicht eine hitler-faschistische ist, in Österreich unmöglich sein, und das allein wäre dann wohl dem zu verdanken, daß es in Österreich kein Faschismus-Verbot gibt, daß eine faschistische Wiederbetätigung in Österreich keine strafwürdige Handlung. Wird nicht gerade in anderen Ländern es vorgezeigt, die fortschreitende Zerstörung der Demokratie, in Ländern, die an der österreichischen Hinwendung sich erfreuen können, in Ländern, deren „Führer“ von der Zuwendung von christschwarzen österreichischen Regierungsmitgliedern gewiß zufrieden singen können: „In unsren Reihen marschieren sie mit“ …

Es hätte gar weitreichende Konsequenzen, in das Verbotsgesetz Faschismus aufzunehmen, vor allem für die Koalitionspartei der Grünen. Es sollen Devotionalien, ist von der geplanten Reformierung des Verbotsgesetzes zu hören, nun leichter und rascher eingezogen werden können. Mit einem Verbotsgesetz auch gegen Faschismus wäre die Debatte um so manche Devotionalie mit einem Schlag beendet. Die Devotionalie auf dem KL-Platz etwa von einem Tag auf den anderen abgetragen, diese Devotionalie auch des Antisemitismus an vorderster Front.

Diese in erster Linie antisemitische Devotionalie, die ein Kilometerstein der Front ist, deren Verlauf heute von jenen gezeichnet wird, die sich vor Jahrzehnten in Ermangelung des nun recht geläufigen Begriffs noch nicht so bezeichnen konnten, mit dem sie sich heutezutage in die von ihnen für sich selber ausgerufene Schlacht auf einem nur von ihnen selbst belagerten Schlachtfeld werfen, damals hätten sie als ihren Namen, empfangen von der Vorsehung, vielleicht erwählt: Vaterländische Front, Heimwehr

In Österreich seit 75 Jahren also kein Verbot des Faschismus. Geradeso, als hätte es, auch das, nicht gegeben, den Hitler-Faschismus zu überhitlern …

Es wäre dabei eine so leichte Übung, in das Verbotsgesetz Faschismus aufzunehmen. Bei manchen Paragraphen reichte es, Nationalsozialismus durch Faschismus zu ersetzen – beispielhaft dafür genannt folgende Paragraphen des Verbotsgesetzes:

§ 3f. Wer einen Mord, einen Raub, eine Brandlegung, ein Verbrechen nach §§ 85, 87 oder 89 des Strafgesetzes oder ein Verbrechen nach § 4 des Sprengstoffgesetzes als Mittel der Betätigung im [faschistischen] nationalsozialistischen Sinn versucht oder vollbringt, wird mit Freiheitsstrafe von zehn bis zu zwanzig Jahren, bei besonderer Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung auch mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
§ 3g. Wer sich auf andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im [faschistischen nationalsozialistischen] Sinn betätigt, wird, sofern die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung strenger strafbar ist, mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren, bei besonderer Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung bis zu 20 Jahren bestraft.
§ 3h. Nach § 3g wird auch bestraft, wer in einem Druckwerk, im Rundfunk oder in einem anderen Medium oder wer sonst öffentlich auf eine Weise, daß es vielen Menschen zugänglich wird, den nationalsozialistischen Völkermord oder andere [faschistische nationalsozialistische] Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost, gutheißt oder zu rechtfertigen sucht.

Freilich wären neue Paragraphen in das österreichische Verbotsgesetz zusätzlich zu schreiben, die spezifisch den Faschismus, dessen Machtübernahme die österreichische Gesetzgebung in einem wohl recht gern schnell vergessenen Paragraphen mit dem 5. März 1933 datiert, betreffen. In dieses Verbotsgesetz zu schreiben, mit dem seit 75 Jahren so getan wird, als würde es diesen Faschismus nicht gegeben haben, nicht geben. Dabei ist der österreichischen Gesetzgebung der Faschismus nicht unbekannt, wie eben das

„Bundesgesetz vom 21. Dezember 1945, betreffend die Einstellung von Strafverfahren und die Nachsicht von Strafen für Kämpfer gegen Nationalsozialismus und Faschismus“

belegt:

§ 1. Gegen Personen; die a) im Kampfe gegen den Nationalsozialismus oder Faschismus, b) oder zur Unterstützung des Österreichischen Freiheitskampfes oder in der Absicht, ein selbständiges, unabhängiges und demokratisches Österreich wiederherzustellen, strafbare Handlungen begangen haben, ist kein Strafverfahren einzuleiten; ein etwa eingeleitetes Strafverfahren ist einzustellen.
§ 2. Allen Personen, die wegen einer oder mehrerer der in § 1 bezeichneten Handlungen rechtskräftig verurteilt worden sind, ist die Strafe nachgesehen, wenn sie noch nicht vollstreckt ist.
§ 3. Ergibt sich nicht bereits aus dem Strafverfahren, daß die Bestimmungen des § 1 auf die begangene strafbare Handlung anzuwenden sind, so kann derjenige, für den die Begünstigungen dieses Gesetzes in Anspruch genommen werden, den Beweis dafür, daß es sich um Straftaten der in § 1 angegebenen Art handelt, auch noch anläßlich dieser Inanspruchnahme durch Urkunden oder andere in der Strafprozeßordnung vorgesehene Beweismittel erbringen.
§ 4. Die Amnestie ist auf alle Personen anzuwenden, welche strafbare Handlungen des in § 1 bezeichneten Charakters in der Zeit vom 5. März 1933 bis zum Tage des Wirksamkeitsbeginnes dieses Bundesgesetzes begangen haben.

Eine gesetzlich festgelegte Amnestie von Menschen also, die gegen Nationalsozialismus und Faschismus gekämpft haben, nicht erst seit dem 12. März 1938, sondern schon, als Österreich noch ganz für sich war,

seit dem 5. März 1933; so verwundert es doch, nein, so ist Österreich, es verwundert nicht, daß es in Österreich kein Verbot des Faschismus gibt, sondern lediglich des jedenfalls in der selbstnützlichen Darstellung von außen nach Österreich hereingetragenen Nationalsozialismus …

Seit dem 5. März 1933 haben Menschen, anerkannte einst die Gesetzgebung, in Österreich gegen Faschismus und Nationalsozialismus für die Wiederherstellung eines demokratischen Österreichs gekämpft, mit deren Amnestie, festgeschrieben mit einem Bundesgesetz am 21. Dezember 1945, am Geburtstag des Kardinals …

Es gibt menschgemäß, was Verbote anbelangt, in Österreich keinen Stillstand. Gerade die derzeitige grüne Regierungspartei mit ihrer christschwarzen Koalitionspartei tut sich besonders hervor. So wurde, ein Jahr ist es gerade her, das Verbot von Symbolen ausgeweitet. Und was das für Symbole sind, die von diesen derzeitigen Regierungsparteien verboten wurden, und wie klug von den derzeitigen Regierungsparteien, diese zu verbieten, denn damit sind diese auf ewig aus der Welt, die Österreich ist, und alle, die je diese Symbole verwendeten, gingen nach Hause, gaben im Angesicht der Verbote auf, legten ihre Symbole nieder, denn sie nicht so klug wie die zwei derzeitigen Regierungsparteien, sich neue Symbole zu schmieden.

Am 9. Dezember 2022 wird es ein Jahr her sein, daß die identitäre Partei, die für kurz Regierungspartei war, einen Entschließungsantrag im österreichischen Parlament einbrachte, das „Kruckenkreuz“ ebenso gesetzlich verbieten zu wollen, ja, diese Partei hat neben ihrer Gesinnung und ihrer gesinnungsgemäßen Verbotsallergie auch Ironie — Die zwei Regierungsparteien in ihrer unendlichen Klugheit fanden darauf die einzig rechte Antwort: sie lehnten das Kruckenkreuzverbot ab. Schließlich ist es doch ein ewiges Symbol des „Klerikalfaschismus“, wie der Generalsekretär der identitären Partei den Faschismus in seiner Begründung des Verbots des Kruckenkreuzes nannte, und weder Faschismus noch Klerikalfaschismus ist ja nach dem österreichischen Verbotsgesetz in Österreich verboten, so kann auch das Kruckenkreuz, das ja kein Hakenkreuz, keine Odal-Rune, kein Lambda-Zeichen ist, kein Kaukasus-Emirat-Symbol, sondern Gottes Einsatzbefehlsstempel, nicht verboten werden.

Die zwei derzeitigen Regierungsparteien sind nicht nur klug, sondern auch großzügig, verstehen es, Willkommensgeschenke zu machen, und so war es billig und recht, daß sie ihrem neuen Innenminister mit ihrer Ablehnung des Antrags der Entziehung der „Kulturförderung für das Dollfuß-Museum“ am 9. Dezember 2021 in ihren Reihen herzlichst willkommen …

Und sollten jene, die heutzutage ihre Gesinnung aus in Winterhilfen gesammelten faschistischen Altstoffen schneidern, eines Tages leid sein, immer wieder neue Symbole zu schustern, auch wenn es ihnen eine rechte Freud‘ sein muß, gerade Regierungsparteien mit ihren Verboten von Symbolen nicht nachkommen zu sehen, ihnen immer hinterherhinken zu sehen, werden sie vielleicht auf ein Symbol zurückgreifen, von dem sie wissen, dieses ist einem Verbot immerwährend entzogen, in Österreich.

„Schließt die Reihen gut“, sangen sie einst gesetzlich dazu verpflichtet im unmittelbaren Anschluß an die Bundeshymne, die Vornummer zum „Lied der Jugend“ war, und es darf weiterhin – was für eine Entwicklung – ohne gesetzliche Verpflichtung, auch die Vornummer Bundeshymne zu singen, gesungen und gespielt werden, denn das Dollfußlied ist wie das Kruckenkreuz wie der Faschismus in Österreich nicht verboten

Als was für eine Anmaßung müssen es der derzeitige Kanzler und die Partei seiner Familie, der derzeitige grünheutige Vizekanzler und der Präsident empfinden, ob dieses Lied verboten sei, nein, nicht als Anmaßung, aus Güte und Nachsicht anworten sie nicht darauf, sie möchten keinen Menschen ob seiner Dummheit, nach einem Verbot eines Lieds fragen, dessen Gesinnung in Österreich straflos erlaubt, bloßstellen, und es wird sie wohl auch mit Sorge erfüllen, daß sie nach Verboten gefragt werden, sie, die für nichts mehr, als für Freiheit von …

Verurteilt, aber zum „Politiker“ erhoben

Der Politiker muss diese Aussagen künftig unterlassen und auf Telegram richtig stellen. Dort hatte er die Behauptungen zuvor verbreitet. Der Identitären-Chef wurde außerdem dazu verdonnert, die Kosten für sämtliche Schäden und den Prozess zu übernehmen.

Für die Umsonst ist also Martin Sellner ein „Politiker“.

Was wohl für Nachschlagewerke in den Umsonststuben aufliegen, aus denen in dieser Umsonst die Definition für Politikerinnen gesogen wird, nach der ein Martin Sellner als Politiker geführt werden kann? Das muß eine Definition sein, nach der, um ein Beispiel zu nennen, auch allenthalben Taten begehende Prediger – und bei diesen kann auf die weibliche Form verzichtet werden, sind es doch nach deren eigenem Verständnis ausschließlich Männer – Politiker

Es kommen aber, das dürfte mehr zutreffen, in den Umsonststuben keine Nachschlagewerke zum Einsatz, wie in diesen auch keine Geschichtsbücher herumstehen dürften, denn sonst wäre es kaum, wäre es gar nicht möglich, eine derartige Werbung zu schalten —

Anderseits könnte doch ein Naschlagewerk mit entsprechend dazugehörigen Geschichtsbüchern mit dieser weitherzigen Definition, wer als Politikerin anzusehen ist, in den Umsonststuben verwendet werden, nach dem es verständlich wäre, Werbung für das Flugzeug auf einer Armbanduhr zu machen, waren mit diesem doch nur Politiker unterwegs, die das politische Amt des Ritterkreuzträgers

„Außerdem dazu verdonnert, die Kosten für sämtliche Schäden und den Prozess zu übernehmen.“ Verdonnert, was so ein Politiker alles auf sich zu nehmen hat, da ist ein Wort der Urteilseinschätzung und der Erhebung zum verdonnerten Politiker nicht fehl am Platz, und das hat so ein Politiker einem Landeshauptmann zu verdanken, der solch einem Politiker das Gericht auf den Hals hetzt, das ihn dann …

Rudolf Henz in der Kirche zum Musikverein. Ein Prolog

Mit dem Mißbrauch der Ehe wurde begonnen, mit Sterilisierung und Fruchttötung wurde fortgesetzt; schließlich übte man leider nicht selten die sogenannte „Euthanasie“, man rottete das ‚angeblich „lebensunwerte“ Leben in Irrenanstalten und Konzentrationslagern durch systematische Morde aus‚und krönte alle diese furchtbaren Verbrechen durch den blutigsten aller Kriege

So steht es geschrieben, im Wochenblatt „Die Furche“, 8. Dezember 1945.

Zum Schutz des keimenden Lebens erhebt „angesichts ernster Vorkommnisse“ Kardinal Erzbischof Doktor Innitzer eindringlich seine Stimme. In einer Verlautbarung, die das: „Wiener Diözesanblatt“ Nr. veröffentlicht. Er erinnert an die kirchlichen Grundsätze, die von Pius XI. bei der Enzyklika „Casti connubii“ zusammengefaßt hat, wonach „das keimende Leben auch unter den schwersten Umständen heilig zu halten und zu schützen“ sei. „Bei dieser Einstellung“, sagt das oberhirtliche Mahnwort, „darf aber niemand glauben, daß es der Kirche an Verständnis und tiefstem Mitgefühl für die mit diesem Grundsatz so oft verbundenen schweren seelischen, leiblichen und sozialen Nöte fehlte. Aber um solche Nöte zu beseitigen, wäre die Tötung des keimenden Lebens das denkbar schlechteste Mittel; dieses würde auf weitere Sicht unter allen Umständen gerade die Frauen am meisten schädigen und benachteiligen. Es gibt andre und bessere Mittel, den Notständen abzuhelfen. Die Kirche war immer und ist heute mehr denn je entschlossen, mit allen Kräften mitzuhelfen, um die seelischen und materiellen Bedrängnisse zu überwinden, vor allem müssen die besten Möglichkeiten für die Erziehung der künftigen Kinder gesichert werden, die nicht innerhalb einer Familie aufwachsen können. Wir wünschen alle ehrlich aus ganzem Herzen, daß nie mehr ein Krieg das geborene Leben in so furchtbarer massenhafter Weise vernichte, wie wir davon Zeugen sein mußten. Am meisten werden sicher die Frauen diesen Wunsch haben. Wenn man nun das Leben heilig halten und schützen will, muß man mit dem des Lebens anfangen. Denn sonst ist damit wieder das Abgleiten auf eine schiefe Ebene unvermeidbar. Die letzten Jahrzehnte haben uns in der Hinsicht Erschütterndes gezeigt. Mit dem Mißbrauch der Ehe wurde begonnen, mit Sterilisierung und Fruchttötung wurde fortgesetzt; schließlich übte man leider nicht selten die sogenannte „Euthanasie“, man rottete das ‚angeblich „lebensunwerte“ Leben in Irrenanstalten und Konzentrationslagern durch systematische Morde aus‚ und krönte alle diese furchtbaren Verbrechen durch den blutigsten aller Kriege, wie in der ganzen Menschheitsgeschichte keiner noch verzeichnet, ist.

Von solch einem Mann, der so klar und unmißverständlich zu benennen weiß, wie es zu Massenverbrechen, Massenmorden nur kommen konnte, den seinen „Geburtstag mit einer stilvollen Feier im Großen Musikvereinssale“ nicht nur von seiner Familie begehen zu lassen, sondern von „Wien“; das ist würdig und recht, in Wahrheit ist es würdig und recht, den Musikverein, wann immer es nicht billig, aber recht, in eine Kirche zu wandeln.

Im Anschluß, nach solch tiefen Welterklärungen, kann, auch das ist würdig und recht, unmittelbar nur die Vorausschau auf die stilvolle Feier in der Musikvereinskirche kommen, für die Karten zu lösen sind – nicht in der Kirche, das wäre wohl frevelhaft -, sondern im „Generalsekretariat der Katholischen …“

Wien begeht den 70. Geburtstag des Oberhirten seiner Diözese, des Kardinal-Erzbischofs Dr Theodor Innitzer, am 21. Dezember, mit einer stilvollen Feier im Großen Musikvereinssaale. Die Veranstaltung ist in das Zeichen des Wahlsprüches des Kardinals „In caritate servire“ gestellt. Diesem Thema ist eine Kantate von Professor Dr. Ernst Tittel gewidmet, die unter Professor Dr. Andreas Weißenbäck als Dirigenten zur Uraufführung gelangt. Univ.-Doz. Dr. August Knoll hält die Feierrede. Das Präludium und die Fuge C-dur von Bach (an der Orgel Domorganist Professor Walter), ein Prolog von Dr. Rudolf Henz gesprochen; von Burgtheaterdirektor Raoul Aslan, und das Brucknersche Te Deum. (Mitwirkende: Erika Rokyta, Rosette Anday, Anton Dermota, Adolf Vogl, der Domchor, der Kirchenchor von der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, das  Niederösterreichische Landessymphonieorchester. Dirigent: Domkapellmeister Hofrat Professor Ferdinand Habel) ergänzen das Programm. Karten im Generalsekretariat der Katholischen Akademie“, Freyung 6, und bei Herder.

Was muß das für ein unauslöschliches Ereignis, für ein Erlebnis der Erweckung in alle Ewigkeit, für ein Versprechen des Heils gewesen sein, Rudolf Henz seinen Prolog sprechen zu hören, von ihm vorgetragen wie ein Lied der Jugend im unerschütterlichen Vertrauen auf die Vorsehung, und über ihm auf dem Balkon sein Führer, mit den gütigsten und den traurigsten Augen das Schiff

Ob im letzten Jahr die Abgeordneten dieser Familie, und es darf angenommen werden, zahlreiche Mitglieder dieser Familie werden die Gnade des henzischen Prologs in der Kirche zum Musikverein erfahren haben, ob dieser Familie Abgeordneten im letzten Jahr sich ebenfalls in dieser Kirche wieder versammelten und sich sammelten, ehe sie im Juni 2021 im Europäischen Parlament geschlossen dagegen stimmten, im Glauben, die anderen hätten gegen ihre Stimme …

Die Abgeordneten hätten sich dafür mehr als einen Förderpreis des Kardinal-Innitzer-Studienfonds verdient, der Kardinal-Innitzer-Preis wäre nur würdig und recht, in Wahrheit wäre es würdig und recht gewesen, sie mit dem großen Preis zu ehren. Wem der Kardinal in diesem Dezember 2022, wenn es denn traditionell im Dezember wohl zum Anlaß seines Geburtstages wieder sein sollte, die Preise verleihen wird

An die Abgeordneten wird es wohl nicht sein. Es kann der Familie Abgeordneten daher nur geraten werden, bereits jetzt ihre Bewerbung an die Wirtschaftsuniversität Wien zu schicken, um 2023 endlich doch den ihnen zustehenden Preis verliehen zu bekommen. Erfüllen sie doch alle Kriterien auf das höchste … Schon allein damit, für „Fruchttötung“ einen recht modernen und wissenschaftlich untermauerten Begriff eingeführt zu haben: „Abtreibung“.

In Österreich halten Lyrikerinnen und Schriftsteller von Weltrang ihre Federn in den Dezemberwind, und „in die Furche fällt der Same“

Zum Eingang

Der zweite Weltkrieg läßt eine fast unabsehbare Reihe von politischen, ökonomischen und sozialen Krisen zurück. Ganze Staaten müssen einen Zustand erleben, der noch schlimmer ist als der Krieg. Man sagt uns, daß eine neue überstaatliche Organisation zu bewaffnetem völkerrechtlichem Schutz des Friedens in Aussicht genommen sei. Die gegenwärtige Lage läßt erst ungewisse Umrisse dafür erkennen. Der Ausblick könnte nicht ernster sein. Weltliche Weisheit hat ihr Können in höchsten Anstrengungen erschöpft.

Der Gang der Pflugschar durch den Heimatboden ist Anfang, Vorbereitung; in die Furche fällt der Same, der, so Gott will, Frucht bringen wird.

Erprobung

Und das Volk hat die große Parole verstanden. „Österreich!“, Hilfe für das Land, Beistand, da es in schweren Wunden liegt, Arbeit, Wirtschaft, Frieden! So haben es die Wähler gehört und dafür haben sie gestimmt, als sie, über drei Millionen an der Zahl — bis zum letzten Mann – könnte man fast sagen — zu den Urnen gezogen kamen. Dieses Dreimillionenheer hat nicht eine wohleingespielte Parteienapparatur in Bewegung gesetzt. Während der Hitler-Diktatur war ja doch alles zerschlagen worden, was nicht nationalsozialistische Formung war. Auch die gesamte Führung der Arbeiterschaft, des Gewerbes, der Bauernschaft, die in Vorbereitung der berufsständischen Verfassung bis 1938 aufgebaut worden waren, bis in die untersten Zellen hinab jener Gewaltherrschaft verfallen gewesen. Nicht alles hatte nachgeholt werden können. An vielen Orten fehlten zudem die alten Techniker der Wahlorganisation. So war mehr als je die innere Anteilnahme des Volkes für den Wahlentscheid bestimmend geworden. Nach alten politischen Gesetzen hätte man nach dem schrankenlosen Parteiabsolutismus der letzten sieben Jahre einen starken Ruck nach links erwarten können. Aber unser Volk hat sich für ein Programm der Mäßigung entschieden, für einen Weg der Mitte, der zwischen zeitgebotenen sozialen und wirtschaftlichen Reformen auf der einen und idealistischen und doktrinären Überspannungen auf der anderen Seite verläuft. In den Wählerziffern der Österreichischen Volkspartei sprach sich dieses Volksvotum ebenso unwiderleglich aus, wie in dem jähen Absturz, der die Kommunisten aus ihren kurzen Blütenträumen in die bitterharte Welt der politischen Realitäten riß. So sehr man es verstehen kann, daß es unbequem ist, die vielen daraus folgenden Veränderungen persönlicher und sachlicher Art in Staatsämtern, Rathäusern und Landesverwaltungen auf sich zu nehmen, wäre es doch imposanter gewesen, wenn es bei der guten Haltung, die auch von den schwer Geschlagenen unter dem ersten Eindruck des Volksentscheids eingenommen wurde, geblieben wäre. Mit anderer demokratischer Würde hat sich die große Sozialistische Partei zu den gegebenen Tatsachen gestellt. Das in Mandaten ausgedrückte Stärkeverhältnis im neugewählten Nationalrat ähnelt jenem, das Dollfuß beim Antritt seiner Kanzlerschaft vorfand. Damals versagte jeder Versuch eines Brückenschlages von einem Ufer zum anderen. Heute begegnen sich die ernsthaften Betrebungen der beiden großen Parteien in der Bejahung ihrer gemeinsamen Verantwortung. Es wäre ein müßiges Spiel, auserrechnen zu wollen, um wieviel kleiner und entlastender das Maß der Mitverantwortung am Staatsruder gegenüber Land und Volk für eine Partei von der Stimmenmacht der sozialistischen ist, einer Partei, der zudem die Führung in der Kapitale zugefallen ist. Das geschaffene Kräfteverhältnis muß richtig verstanden, dazu führen, daß es die einen wie die anderen in weisem Maßhalten bestärkt, hinlenkt zu dem Wichtigsten, das wir in der Bedrängnis unseres Landes am Nötigsten haben: Zur sorgfältigen Hut für den inneren Frieden.

Das ist u. v. a. m. auf der ersten Seite des Wochenblatts „Die Furche“ vom 1. Dezember 1945 zu lesen. In der Ausgabe Nr. 1. Wer das geschrieben hat? Es wird wohl keine allzu falsche Annahme sein, daß es der Furchengründer selbst gewesen sein könnte

Politische, ökonomische, soziale Krisen: ein Zustand, der noch schlimmer ist als der Krieg

Weltliche Weisheit hat ihr Können in höchsten Anstrengungen erschöpft

Zu den Urnen – dieses Dreimillionenheer

Mit anderer demokratischer Würde hat sich die große Sozialistische Partei zu den gegebenen Tatsachen gestellt. Das in Mandaten ausgedrückte Stärkeverhältnis im neugewählten Nationalrat ähnelt jenem, das Dollfuß beim Antritt seiner Kanzlerschaft vorfand. Damals versagte jeder Versuch eines Brückenschlages von einem Ufer zum anderen

Es wird keine allzu falsche Annahme sein, wer das Horn blies, wer solch ein Geläute hören ließ, das noch bis zum Heute herauf Menschen dazu verleitet zu meinen und gar zu schreiben, läuten und läutern ist ein und dasselbe, ein läutender Mensch ein geläuterter

In der Mitte dieser ersten Seite des Bekenntnisses, daß ein Zustand ohne Krieg noch viel schlimmer sei als ein Krieg, in der Mitte dieser ersten Seite der Reinwaschung des eigenen Parteikeikameraden, dem jeder Versuch eines Brückenschlages versagt worden sei, in der Mitte dieser ersten Seite der Schuldzuschreibung, wer dem eigenen Parteikameraden jeden Versuch des Brückenschlages versagte, die Schuldzuschreibung an eine Partei, die sich nicht mit anderer Würde zu den gegebenen Tatsachen gestellt habe, in die Mitte dieser ersten Furchenseite vom 1. Dezember 1945 ist das Gedicht „Saatbereites Ackerland“ gesetzt, von einem Priester namens Rochus Kohlbach —

Was allein für Gedichte ausgewählt wurden,

für die erste Ausgabe im ersten Dezember nach den Massenmorden, Massenverbrechen

auch ein Josef Rud. Woworsky, der wie Paula Grogger und 69 weitere Menschen der Feder im Wind sieben Jahre zuvor das Bekenntnis zum Reich des Mannes, der Gott wurde, damit Er sein Volk von der Furcht vor dem Tod befreien, damit Er den Gläubigen in ihren Versuchungen helfen kann, ablegte

Bekenntnisbuch österreichischer Dichter. (Herausgegeben vom Bund deutscher Schriftsteller Oesterreichs; Krystall-Verlag, Wien 1938.)

Ein Geleitwort in gehobener Sprache erzählt, wie und warum es zum Zusammenschluß der nationalen Dichter Oesterreichs im Dezember 1936 gekommen war. „In der Zeit unerträglichster Verfolgungen und Verfemungen des deutschen Menschen ihres Heimatlandes.“ Sie wollten Herolde höchster und heiligster deutscher Ideale sein, und das war damals Grund genug, ihnen keinen Platz zu geben, von dem aus sie sprechen hätten können. Das Blatt Papier, ob in der Zeitung, der Zeitschrift oder im Buch, wurde ihnen irgendwie gern verwehrt. Ja, noch mehr! Es ging tückisch von Mund zu Mund in den einflußreichen Kreisen, daß der und jener Mitglied des nationalen Dichterbundes sei. Also, daß man ihn und sie alle, die Aufrechten, die für die Einigung des deutschen Volkes eintraten, zurückdränge. Und wenn auch dabei die Existenz des einzelnen zugrunde ging. Das war Verfolgung! Verfolgung des deutschen Dichters im eigenen deutschen Land! Und deshalb hat dieses „Bekenntnisbuch“ zweifachen Wert. Es stellt nicht nur die Leute vor, die sich dasmals zusammengefunden wie eine Schar letzter Kämpfer, es zeigt vor allem ihre Gedanken auf. Das Bekenntnisbuch wurde nun kürzlich bei einem Festabend im Rathaus an 2000 Gäste verschenkt. Mit dem ungesprochenen Wort: „So, hier ist der Geist der Verfemten!“ – Blättert man das Buch durch, so findet man das ganze Leben umschlossen; das Werden und Sinnen des deutschen Volkes. Von seiner stolzen Vergangenheit angefangen („Andreas Hofer und Major Schill“ oder „Deutsches Schicksal, deutsche Größe“, über seinen urewigen Quell („Meine deutsche Mutter“) und Segen des Kampfes („Wir wollen entbehren, entsagen; wir wollen kein frommes Behagen“ oder „Ein Schelm, der Gold sucht, anstatt Brot“) und den der Kunst („Ein deutsches Requiem“) bis zu den Jubelliedern über den Zusammenschluß der beiden deutschen Lande! 71 Autoren sind in diesem Buch vereinigt, fast eine Hundertschaft. Was sie wollten, damals, heute und immer, und weswegen sie verfolgt worden waren, damals, heute und immer — wenn die Kraft und Zähigkeit deutschen Geistes nicht gesiegt hätten —, läßt sich in einem Vers, der hier aus dem Buch entnommen ist, zusammenfassen […] A. Anders

„Neues Wiener Tagblatt“, 26. Juni 1938.

Für „Neues Wiener Tagblatt“ schrieb auch ein Mann, von dem bereits erzählt wurde, dem Wochenblatt wie Tagblatt war, oder dem Wochenblatt,

oder und dem Wochenblatt war es genauso Jacke wie Hose

Alle diese Gedichte allein aus den vier Ausgaben des Wintermonates Dezember 1945 von der herausragenden Qualität eines Liedes, das Rudolf Henz vor 1936 dichtete, und weil Rudolf Henz ein Lyriker von Weltrang, darf auch er nicht mit einem Gedicht im Dezember 1945 fehlen, und weil Rudolf Henz ein Schriftsteller von Weltrang, muß darüber hinaus auch von Beginn an ein Roman von ihm in den Ausgaben der Dezemberfurche veröffentlicht sein.

Was für Namen, heute so geläufig wie damals – Wolfgang Schmeltzl, Paul Rainer, Alexander Lernet-Holenia, Viktor Buchgraber, Lois Schifferl, Albert Mitringer, Carl Emmerich Gasser, Margarete Bobies, Theo Kiß, Paul Graf Thun-Hohenstein, und wie prägend müssen manche von ihnen für so manche Dichtende gewesen sein, wird etwa an Mitringer mit seinem „Reitpferd“ gedacht,

und recht manche werden beim Namen Hölderlin ihren Bildungsbürgerinnengesinnungsgeschmack bestätigt —

Stellvertretend für die Qualität und dem Setzen auf eine neue Zeit, die vergessen machen läßt, was war, von all diesen Gedichten sollen die Strophen von Henz zitiert sein.

Kurt Schuschnigg, der in Rudolf Henz seinen lyrischen Horst Wessel erkannte, regte ihn dazu an. Und Alois Dostal vertonte die henzischen Verse, „nachdem er eine Nacht hindurch Giovinezzaplatten laufen ließ.“

Ihr Jungen, schließt die Reihen gut,
Ein Toter führt uns an.
Er gab für Österreich sein Blut,
Ein wahrer deutscher Mann.
Die Mörderkugel, die ihn traf,
Die riß das Volk aus Zank und Schlaf.
Wir Jungen stehn bereit
Mit Dollfuß in die neue Zeit!

Für Österreich zu kämpfen lohnt,
daß es gesichert sei,
vor jedem Feind, wo er auch thront,
und vor der Verräterei.
Gewalt und Lüge schreckt uns nicht,
Wir kennen nur die frohe Pflicht.
Wir Jungen stehn bereit!
Mit Dollfuß in die neue Zeit!

Zerschlagt was uns noch hemmen mag
und nach dem Gestern weist.
Die neue Zeit steigt in den Tag
und will den neuen Geist.
Christlich, deutsch, gerecht und frei
von Klassenhaß und Tyrannei.
Wir Jungen stehn bereit!
Mit Dollfuß in die neue Zeit!

O Österreich, o Vaterland,
zu großem Sein verjüngt.
Wir hüten dich mit deutscher Hand,
daß dir dein Bau gelingt.
Zum Weiser einer alten Welt
bist du von Gott vorangestellt.
Die Front steht schon bereit.
Mit Dollfuß in die neue Zeit.
Die Front steht schon bereit.
Mit Dollfuß in die neue Zeit.
In die neue Zeit.

Es heißt das „Lied der Jugend“ und auch, wie es im Erlaß des Bundesministerums steht, das unmittelbar im Anschluß an die Bundeshymne zu singen, zu spielen ist,

Das daraufhin von Rudolf Henz (Text) und A. Dostal (Melodie) geschaffene Lied sollte zu einer Art zweiten Bundeshymne werden. Im November 1936 verfügte das Bundesministerium für Landesverteidigung, dass das D.-L. von den Militärmusiken im Anschluss an die Bundeshymne zu spielen ist. In Anlehnung daran sollte es bei allen Veranstaltungen auf die Bundeshymne gespielt werden.

Österreichisches Musiklexikon online, November 2022.

Verordnungsblatt des Stadtschulrates für Wien, 15. Dezember 1936

Nr. 200. „Lied der Jugend“ (Dollfuß-Lied): Spiel im Anschluß an Bundeshymne. Das Bundesministerium für Handen und Verkehr hat zufolge Erlasses vom 10. November 1936 verfügt, daß bei allen Anlässen, insbesondere bei weltlichen Schulfeiern, bei denen die Bundeshymne gespielt oder gesungen wird, unmittelbar anschließend an diese Hymne auch stets das „Lied der Jugend“ (Dollfuß-Lied) Zu spielen oder zu singen ist. Die Direktionen (Leitungen) werden daher angewiesen, für die einwandfreie Erlernung sowohl der Bundeshymne als auch des Liedes der Jugend Sorge zu tragen.

ohne Anführungszeichen: Dollfuß-Lied

„Tu Felix Austria“

Aber auch Unterstützer und Ideengeber des blutigen Chile-Diktators Augusto Pinochet (der war verantwortlich für Zehntausende Tote)
Nun. Sobotka hat im Alleingang Räume im neuen Parlament benannt
nach Hayek einen Gang

„Politik Österreich“, Seite 10, 19. November 2022

Dr. Barbara Kolm (*1964 in Innsbruck) ist seit September 2018 Vizepräsidentin der Oesterreichischen Nationalbank. Dr. Kolm ist Präsidentin des Friedrich August von Hayek Instituts und Gründerin und Direktorin des Austrian Economics Center (AEC). 2008 begründete sie die internationale Konferenzreihe Free Market Road Show, die jedes Jahr in einer Reihe von Städten Konferenzen zu ökonomischen Themen organisiert. Sie übt leitende Funktionen im Management in der Privatwirtschaft und bei NGOs aus und befasst sich intensiv mit Effizienz-, Finanzierungs- und Legitimierungsfragen von staatlichen Institutionen, der Infrastrukturbereitstellung und der öffentlichen Verwaltung. Sie erstellt wirtschaftliche Analysen und Expertisen in den Bereichen öffentliche Finanzen, Budget und strukturelle Reformen. Sie nimmt universitäre Lehrverpflichtungen wahr, unter anderem als Dozentin für Austrian Economics an der University of Donja Gorica in Podgorica, Montenegro und ist regelmäßige Sprecherin bei internationalen Konferenzen. Barbara Kolm ist Präsidentin des Friedrich A. v. Hayek-Instituts in Wien, Österreich, Gründungsdirektorin des Austrian Economics Center und Vizepräsidentin der Österreichischen Nationalbank (ÖNB). Als weltweite Netzwerkerin ist Kolm bekannt für die Förderung der freien Marktpolitik. Sie ist eine gefragte Referentin zu politischen Themen, insbesondere zu Deregulierung und Wettbewerb, der Zukunft Europas und der österreichischen Wirtschaft. Barbara Kolm ist außerordentliche Professorin für Österreichische Volkswirtschaftslehre an der Universität Donja Gorica, Montenegro, und ist Mitglied in mehreren Beiräten. Sie ist Mitglied der Mont Pèlerin Society. Wenn Sie daran interessiert sind, dass Dr. Kolm bei Ihrer Veranstaltung spricht, besuchen Sie bitte

„Hayek-Institut“ und „Österreichische Nationalbank“, 19. November 2022

Es muß ein Mensch nicht persönlich bekannt zu sein, um ein „Spezi“ von ihm zu sein, es kann wer auch ein „Spezi“, einfach wie kurz gesagt, der Weltanschauung eines Menschen sein. So wäre „Spezi“ ein anderes Wort für „Fan“.

Dabei ist ein Ausflug in die Etymologie hilfreich: Das Wort Fan kommt, wie die Aussprache schon deutlich macht, aus dem Englischen und ist die Kurzform von „fanatic“, also „Fanatiker“ (Duden 1993: 1036). Der Duden beschreibt Fans als begeisterte Anhänger von jemandem oder etwas. Ein Fanatiker wird dagegen verstanden als jemand, „der von bestimmten Ideen, einer bestimmten Weltanschauung o.ä. so überzeugt ist, dass er sich leidenschaftlich, mit blindem Eifer (und rücksichtslos) dafür einsetzt“ (Duden 1993: 1036). In der englischen Literatur ist die begriffliche Nähe von Fanatikern und Fans dagegen nach wie vor zu spüren. Mackellar (2006) macht in ihrer Literaturschau beispielsweise keinen Unterschied zwischen Fans und Fanatikern. In der Tradition von Rudin (1969) sowie Haynal und anderen (1987) bestimmt sie Fans (und Fanatiker) durch eine vor allem emotionale Intensität und die Verabsolutierung der Wertschätzung einer Person oder eines Gegenstandes […] Autorin (Mackellar 2006: 198), und schildert Fans damit letztlich als pathologische Charaktere, die alle anderen Lebensbereiche ihrem Fanatismus unterordnen. Auch in diesen Arbeiten dient also eine – allerdings dramatisch übersteigerte – emotionale Bindung von Fans an ein Fanobjekt als Basis des Begriffsverständnisses.
Schäfer, M. S., Roose, J., & Schmidt-Lux, T. (2010). Was sind Fans? Eine Nominal- und eine Realdefinition. In H.-G. Soeffner (Hrsg.), Unsichere Zeiten : Herausforderungen gesellschaftlicher Transformationen ; Verhandlungen des 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Jena 2008 (S. 1-13). Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-394877

Fans empfinden sich durchaus, wenngleich ihnen die von ihnen Angehimmelten persönlich nicht bekannt sind, als „Spezis“ von den von ihnen Angehimmelten.

„Spezis“ sind wie „Fans“, sie setzen sich für ihre Ideen, ihre Weltanschauungen, ihre Gesinnungen leidenschaftlich, mit blindem Eifer und rücksichtslos ein, verabsolutieren eine Person —

So definiert ist der Präsident ein „Spezi“ von Friedrich Hayek

und die Präsidentin eine – um auf die Schnelle eine weibliche Form von „Spezi“ zu bilden – „Spezine“ von Friedrich Hayek.

Ein Präsident, der einen Parlamentsgang nach seinem Spezi benennen will, läßt tief blicken, nicht nur in die Weltanschauung dieses einen Präsidenten im österreichischen Parlament …

Eine Präsidentin als Spezine von Friedrich Hayek und mit ihrem Hayek-Institut Verteidigerin eines weiteren und inzwischen abgewählten Präsidenten, für den ein Kürzestkurzkanzler warb, Vertrauen in ihn zu haben, in den Gängen – ob diese auch Namen haben? – der österreichischen Nationalbank

„Tu Felix Austria“

eine Werbung unmittelbar unter „Parlamentsgang heißt wie Spezi von Diktator“ und unmittelbar daneben „Auch Kurz & Co. stellt Rat die Rute ins Fenster“, das den „neuen Chef“ des abgetretenen Kurzkurzkanzler erinnert: Peter Thiel, dem Ausgezeichneten vom Hayek-Institut der Spezine —

Peter Thiel mit dem Hayek Lifetime Achievement Award ausgezeichnet

Nach Grußworten von S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein und einer Laudatio von Richard Zundritsch (CEO Added Value und Vorstand des Friedrich A. v. Hayek Instituts) an den Starunternehmer Peter Thiel überreichten Meinhard Platzer (CEO der LGT Bank Österreich) und Barbara Kolm (Präsidentin des Friedrich A. v. Hayek Instituts und Direktorin des Austrian Economics Center ) den Hayek Lifetime Achievement Award 2015 an den PayPal Mitbegründer und Startinvestor von Facebook. In seiner Dankesrede sprach Peter Thiel die unnötige Einteilung in entwickelte und sich-entwickelnde Staaten an. Er zeigte sich überzeugt, dass diese für die „entwickelten“, reichen Volkswirtschaften kontraproduktiv ist: „Wir haben in einigen Branchen viel weniger Fortschritt beobachten können: Beispielsweise im Energiebereich, in der Raketentechnik oder auf dem Gebiet der Biotechnologie. Diese Sektoren blieben zurück, weil die Gesellschaft Angst vor Wandel hat – die Menschen sehen nur die negativen Aspekte von technischem Fortschritt, denken aber nicht an die potentiellen Vorteile.” Die Betrachtungsweise, dass Entwicklung bereits erreicht und möglicherweise abgeschlossen sei, führe dazu, dass ganze Staaten in Selbstgefälligkeit und Trägheit erstarrten. Das wiederum führe zu der Tendenz, den momentanen Status-Quo zu erhalten und somit jegliche wirtschaftliche Innovation im Keim zu ersticken. „In der entwickelten Welt denken die Leute, dass sie ihr Ziel bereits erreicht haben. Das ist der Grund, warum Stagnation hauptsächlich in den Industriestaaten zum Problem wird“, so Thiel. Herr Thiel fürchtet, dass Innovation mittlerweile fast vollständig zum Stillstand gekommen ist. „Uns wurden fliegende Autos versprochen – stattdessen geben wir uns mit 140 Zeichen für moderne Kommunikation zufrieden“, scherzte der amerikanische Financier. Seine Erklärung dafür ist, dass wir in einer zweigeteilten Welt leben – kleine Bereiche des Wirtschaftslebens seien unreguliert, während die größten Teile von staatlicher Seite reglementiert und gehemmt werden. Das führe dazu, dass „Innovation auf manchen Gebieten schlichtweg unmöglich wird.“ Thiel sieht aber auch noch weitere Entwicklungen, welche die Innovationsfähigkeit moderner Gesellschaften beschränken: „Das größte Problem der gegenwärtigen westlichen Welt ist das Konzept der politischen Korrektheit – man darf nur mehr Worte und Ideen zum Ausdruck bringen, die bereits akzeptiert sind. Die Menschen denken aber bereits in einer ähnlichen Weise über Produkte und Innovation – nur das, was bewährt ist, ist gut. Für neue Ideen gibt es keinen Platz. Es kann aber nichts Gutes, nichts Herausragendes passieren, wenn man nur bereits bekannte Ideen verfolgt.” Er merkte aber optimistisch an, dass vor allem im Bereich der Informationstechnologie teilweise sehr wohl noch Freiräume und damit Möglichkeiten für einen wirklichen unternehmerischen und technologischen Durchbruch bestünden.

Wo sonst auch als im Palais Liechtenstein sollen solch „inspirierende“ Vorträge —

wo sonst auch als im Palais Liechtenstein können solch „inspirierende“ Männer auftreten, nicht nur Peter Thiel, sondern auch

Tu Felix Austria

Das Weihegeläute für Karl Lueger in der Furche des Friedrich Funder

Doris Helmberger-Fleckl, Chefredakteurin des Wochenblatts „Die Furche“, schreibt, ist auf deren Website in diesem November 2022 zu lesen, Friedrich Funder sei „durch den Geist der Lagerstraße im Dachau geläutert worden“. Wie recht Friedrich Funder „geläutert worden war“, davon legen allein schon die ersten vier Ausgaben der „Furche“ im Dezember 1945 schriftlich Zeugnis …

Wahrlich, ein Geläuter —

Doris Helmberger-Fleckl schreibt tatsächlich „im Dachau“. Im Konzentrationslager Dachau, das wäre korrekt. Aber im Dachau. Ihr Wochenblatt hat ja seit dessen Gründung viel für Literatur übrig. Vielleicht hatte sie irgend einen Vers mit „im Gau“ im Ohr, der ihr diesen Streich spielte, im Dachau zu schreiben — einerlei, wie es dazu gekommen …

In der Ausgabe Nr. 4 vom 22. Dezember 1945 schreibt Dr. Roland Tenschert lyrisch von der „Musik der Befreiung“, und, wie im November 2022 auf der Website der „Furche“ zu lesen ist, würde es ihr Wochenblatt wohl recht gern haben, daß diese Lyrik eines „bekannten Musikbetrachters“ bereits am „25. Januar 1945“ veröffentlicht worden wäre, somit ihr Wochenblatt es bereits im Jänner 1945 gegeben hätte —

In der Ausgabe Nr. 2 vom 8. Dezember 1945 ein Weihegeläute für Karl Lueger, dessen Geist dem im Jänner 1945 noch massenmordenden Österreicher, wenn seinen Verbreitungen geglaubt werden kann, Lehrer für seine Massenverbrechen war.

Ein Mensch, ein Christ, ein Mann! Die
Dreifalt in Vollendung
zur Einheit fest gefaßt, war seine klare
Sendung:
so spiegelt ihn sein blanker Ehrenschild.
Blickt auf zu ihm! Er war ein Öster-
reicher.
Nie sieht dies heilige Land, dies ewige Volk
sich gleicher
als dort in seinem geistbeseelten Bild.

Aus den Weiheversen Richard Schaukals zur
Enthüllung des Lueger-Denkmals, 1926

Am 8. Dezember 1945, knapp elf Monate nach der Befreiung von Auschwitz, die am 27. Jänner 1945 war – und „Die Furche“ will noch im November 2022, daß von ihr die Musik-der-Befreiung-Betrachtungslyrik von Roland Tenschert am „25. Januar 1945“ veröffentlicht wurde, ausgerechnet von Tenschert – läßt der Geläuter dies „aus den Weiheversen Richard Schaukals zur Enthüllung des Lueger-Denkmals, 1926“ von seinem Wochenblatt verbreiten —

„Die Furche“ kann menschgemäß nicht Adolf Hitler entlasten, aber Karl Lueger, dem ihre Treue gilt, wie etwa der Artikel von dem berufenen Norbert Leser belegt: „Ein berufener Kronzeuge, der Lueger entlastet“, veröffentlicht am 6. Juni 2012 – ein Artikel, der wohl recht gern vom „Wissensnetz aus Österreich“ zur Gänze „mit freundlicher Genehmigung“ übernommen wurde –, wie im November 2022 zu lesen ist.

Die gegenwärtige Jagd auf den Volksbürgermeister Dr. Karl Lueger, die auch schon Früchte getragen hat und zur Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger- Ringes in Universitätsring führte, wird damit begründet, dass Lueger mit seinem Antisemitismus ein Vorläufer Adolf Hitlers und seines mörderischen Judenhasses war. Zur Untermauerung dieser These berufen sich die Lueger-Jäger auf Adolf Hitler selbst, den man sonst mit Recht nicht über den Weg traut, dessen falscher Spur man aber im vorliegenden Fall willig folgt, ohne zu hinterfragen und zu durchschauen, ob Hitler nicht nur zur Legitimation seines Tuns sich auf Lueger berufen hat. Jedenfalls ist die Berufung Hitlers auf Lueger kein ausreichender Grund, um Lueger mit dem Odium eines Vorläufers Hitlers zu belasten. In diesem Zusammenhang ist es nützlich, ja erforderlich, einen unverdächtigen Zeitzeugen, der noch dazu vom Rassenwahn Hitlers betroffen war, und in den Tod getrieben wurde, zu Wort kommen zu lassen, der in seinem Erinnerungswerk „Die Welt von Gestern“, das ein Stück Weltliteratur geworden ist, das Verhältnis zwischen Adolf Hitler und Karl Lueger ganz anders beurteilt als die gegenwärtig tonangebenden Historiker. Im Folgenden sei der entscheidende Passus Stefan Zweigs, der auf die Beziehung zwischen den beiden historischen Persönlichkeiten abstellt, wiedergegeben: … er bewahrte immer eine gewisse Noblesse

Norbert Leser zitiert nicht alles, was Stefan Zweig schrieb:

Dieser Unzufriedenheit und Sorge bemächtigte sich ein geschickter und populärer Führer, Dr. Karl Lueger, und riß mit dem Schlagwort: »Dem kleinen Manne muß geholfen werden« das ganze Kleinbürgertum und den verärgerten Mittelstand mit sich, dessen Neid gegen die Wohlhabenden bedeutend geringer war als die Furcht, aus seiner Bürgerlichkeit in das Proletariat abzusinken. Es war genau die gleiche verängstigte Schicht, wie sie später Adolf Hitler als erste breite Masse um sich gesammelt hat, und Karl Lueger ist auch in einem anderen Sinne sein Vorbild gewesen, indem er ihn die Handlichkeit der antisemitischen Parole lehrte, die den unzufriedenen Kleinbürgerkreisen einen Gegner optisch zeigte und anderseits zugleich den Haß von den Großgrundbesitzern und dem feudalen Reichtum unmerklich ablenkte. Aber die ganze Vulgarisierung und Brutalisierung […]

Norbert Leser beginnt, um für „Die Furche“ Lueger zu entlasten, aber erst ab

„Aber die ganze Vulgarisierung und Brutalisierung der heutigen Politik, der grauenhafte Rückfall zeigt sich gerade im Vergleich der beiden Gestalten. Karl Lueger mit seinem weichen, blonden Vollbart eine imponierende Erscheinung – der ,schöne Karl‘ im Volksmund genannt – hatte akademische Bildung und war nicht vergebens in einem Zeitalter, das geistige Kultur über alles stellte, zur Schule gegangen. Er konnte populär sprechen, war vehement und witzig, aber selbst in den heftigsten Reden – oder solche, die man zu jener Zeit als heftig empfand – überschritt er nie den Anstand und seinen Streicher, einen gewissen Mechaniker Schneider, der mit Ritualmordmärchen und ähnlichen Vulgaritäten operierte, hielt er sorgfältig im Zaun. Gegen seine Gegner bewahrte er – unanfechtbar und bescheiden in seinem Privatleben – immer eine gewisse Noblesse und sein offizieller Antisemitismus hat ihn nie gehindert, seinen früheren jüdischen Freunden wohlgesinnt und gefällig zu bleiben. Als seine Bewegung schließlich den Wiener Gemeinderat eroberte und er – nach zweimaliger Verweigerung der Sanktionierung durch den Kaiser Franz Joseph, der die antisemitische Tendenz verabscheute – zum Bürgermeister ernannt wurde, blieb seine Stadtverwaltung tadellos gerecht und sogar vorbildlich demokratisch, die Juden, die vor diesem Triumph der antisemitischen Partei gezittert hatten, lebten ebenso gleichberechtigt und angesehen weiter. Noch war nicht das Hassgift und der Wille zur gegenseitigen restlosen Vernichtung in den Blutkreislauf der Zeit gedrungen.“ Stefan Zweig entlastet Lueger von dem Hauptvorwurf, der heute von nachträglichen Besserwissern gegen ihn erhoben wird. Zweig stellt klar, dass zwischen dem Luegerschen Antisemitismus und dem Hitlers nicht nur ein quantitativer, sondern ein qualitativer Unterschied besteht, den man zur Kenntnis nehmen und Lueger gutschreiben muss, wenn man nicht in den Fehler der historischen Erfolgshaftung für ungewollte und unvorhersehbare Folgen und Fernwirkungen des eigenen Tuns verfallen will. Post hoc heißt nicht immer propter hoc, das heißt, dass man die historische Verantwortung nicht zurückprojizieren darf, nur weil gewisse Ereignisse aufeinander folgten. Mit derselben Logik könnte man z.B. alle russischen Marxisten für die Verbrechen Stalins, die diese weder voraussahen noch wollten, verantwortlich machen. Freilich war auch der sich nur harmlos auswirkende Luegersche Antisemitismus im Rückblick nicht unbedenklich und aus heutiger Sicht abzulehnen. Trotzdem darf man nicht so weit gehen, Lueger in die Nähe Hitlers zu rücken und mit einem totalitären System in Zusammenhang zu bringen.

zu zitieren. Es muß also, nach Stefan Zweig, Adolf Hitler selbst nicht geglaubt werden, was er, der Massenmörder und Massenverbrecher, von Karl Lueger lernte, er, Lueger, ihm „Vorbild“ war.

Stefan Zweig schreibt von „seinem Streicher“, „einem gewissen Mechaniker Schneider“, den er, Lueger, „sorgfältig im Zaum [hielt]“.

Nun, einen weiteren „Streicher“ konnte er, Lueger, nach 1910 nicht mehr „im Zaum“ halten,

jedoch, ohne diesen „Streicher“ hätte Richard Schaukal seine „Weiheverse“ nicht schreiben können, denn es hätte ohne den „Streicher“ kein Denkmal auf dem KL-Platz gegeben.

Der „österreichische Streicher“ und der „Geläuterte“ wollten sich gegenseitig nicht im Zaum halten, so erfüllt waren sie von ihrer Sendung, die dann einem weiteren Österreicher Auftrag zur Tat ward, sie galoppierten gemeinsam vielleicht schon vorher, bestimmt aber ab der Denkmalenthüllung für viele Jahre …

Wie dem „österreichischen Streicher“ es vielleicht seine Ehre abverlangte, auch nach Auschwitz „Antisemit“, muß dem Furchenglöckner sein Treugefühl vorgeschrieben haben, gleich im Dezember 1945 zur Weihe von Karl Lueger zu läuten.

Geläutet hat er die Verse von Richard Schaukal, der nicht nur Verse schrieb, sondern auch auszutreten drohen konnte.

Es müßte das gesamte Kapitel zitiert werden, aber es reichen schon ein paar Sätze daraus, um nachvollziehen zu können, weshalb Richard Schaukal im ersten Dezember nach den Massenmorden und Massenverbrechen in der „Furche“ nicht nur mit seinen „Weiheversen“ auf einen Antisemiten, sondern auch seiner mit recht großem Anteil in der Ausgabe Nr. 3 vom 15. Dezember 1945

Es wird unsere Sache sein müssen, das Vermächtnis dieses großen Österreichers zu hüten. Josef Neumalz

gedacht wird, während Robert Musil in diesen ersten vier Furchenausgaben nicht …

Briefwechsel Robert Musil Richard Schaukal (1925)
Text und Kommentar, mit neuen Materalien zum „Fall Bettauer“ und Schaukals Essay Das freie Wirken des Schriftstellers
Musil-Forum, Band 35, Harald Gschwandtner

[…] Bereits die einschlägen Berichte der ersten Stunde etablierten das Narrativ, das die öffentliche Debatte über die Ermordung Bettauers – er erlag gut zwei Wochen nach dem Attentat am 26. März 1925 seinen Verletzungen – nachhaltig prägen sollte; die Behauptung, Bettauer habe den Anschlag auf sein Leben im Grunde selbst zu verantworten, weil er durch die Verbreitung von unmoralischer „Schundliteratur“ Unmut und Zorn besorgter Bürger auf sich gezogen habe. Gerade die fragwürdige, weil permissive Pressepolitik der Wiener Stadtregierung sowie der Freispruch Bettauers im Herbst 1924 habe, so die Reichspost vom 12. März, bei vielen Wienern ein „Ohmachtsgefühl gegenüber dem pornographischen Schandgewerbe“ Bettauers ausgelöst – weshalb der jugendliche Attentäter schließlich „überzeugt gewesen“ sei, die Ermordung des Publizisten stelle die unausweichliche ultima ratio zur „Eindämmung der Kloakenhochflut“ dar. […]

„Zur Sache möchte ich als das Wichtigste bemerken, daß der Schutzverband keine Gesinnungsgemeinschaft darstellt, sondern eine Interessensvertretung“ (3.1), gab Musil in seinem ersten Brief an Schaukal vom 26. März 1925 zu bedenken, nachdem dieser als Reaktion auf die prononcierte Kundgebung für Bettauer seinen Austritt aus dem SDSOe erklärt hatte. In der Ausgabe vom 15. März wiederholte die Reichspost nicht nur den Vorwurf an Bettauer und seine publizistischen Epigonen, „pornographische[] Erzeugnisse“ und „volksverpestenden Unrat“ veröffentlicht zu haben, sondern griff im selben Artikel auch die Stellungnahme des SDSOe in kritischer Absicht auf: „Heute können die gewissen Abendblätter endlich mit der Kundgebung einer Schriftstellvereinigung zum Attentat gegen Bettauer aufwarten.“ […]

Die auf Gerüchten basierende, faktisch unzutreffende und dabei unverhohlen antisemitische Kommentierung der Kundgebung wollte Musil […] nicht auf sich beruhen lassen, sah er doch, so Karl Corino, durch den in der Reichspost formulierten Parteilichkeit und persönlichen Involviertheit „die moralische und literaturpolitische Substanz der SDS-Resolution“ beschädigt. In der Nummer vom 19. März 1925 wurde schließlich folgende, von „Dr. Robert Musil gezeichnete“ Richtigstellung veröffentlicht, in der dieser sich im Namen des SDSOe gegen den tendenziösen Bericht vom 15. März zur Wehr setzte […]

Wenige Tage nach dieser Zuschrift an die Reichspost, am 22. März 1925, attestierte
Karl Heinz Strobl in einer Rede vor der „Deutschösterreichischen Schriftstellergenossenschaft“ […] dem Attentäter, dass „das Motiv der Tat an sich unzweifelhaft, ehrliche, sittliche Entrüstung gewesen“ sei, ja, dass sich im Mordanschlag auf Bettauer eine „Art Volksjustiz einem Schriftsteller gegenüber vollzogen“ habe: „Es ist also klar, daß nach dem Volksempfinden die Tätigkeit eines Schriftstellers mit einem sittlichen Maßstabe gemessen werden darf, ja, daß sogar eine Pflicht der Öffentlichkeit besteht, den Schriftsteller darauf zu kontrollieren, ob er wirklich jene Grundsätze vertritt, die das unverdorbene Volk von ihm zu fordern berechtigt zu sein glaubt und das im Falle einer Verurteilung einen Akt der Notwehr begehen zu dürfen glaubt, wie wir es in diesem bedauerlichen Falle gesehen haben.“ […]

An der Trauerfeier für „das erste prominente Opfer des Nationalsozialismus in Österreich“ am 30. März 1925 nahm neben zahlreichen Weggefährten aus Kunst und Journalismus sowie Vertretern der Sozialdemokratie, die Bettauer in öffentlichen Debatten immer wieder in Schutz genommen hatten, auch Robert Musil teil; ob er, so Corino, „den kurzen Nachruf auf Bettauer, der sich unter seinen Papieren fand, am Sarg gesprochen hat, oder, was wahrscheinlicher ist, in einer Trauerfeier des SDS zu anderem Termin, ist nicht klar.“ […]

„Wir betrauern in dem Dahingeschiedenen einen Mann von vorzüglichen Gaben des Herzens. Durch eine nicht immer leichte Lebensschule gegangen, vergaß er später, als er in unvergleichlich kurzer Zeit eine ungewöhnliche Popularität erlangte, nichts von dem, was ihn Armut, Sorge und Bedrückung gelehrt hatten. […] Impulsiv, empfänglich, hatte er die Gabe, das auszusprechen, was tausende fühlten. Er sprach es genau in der Weise und mit den Mitteln aus, die man heute anwenden muß, um zu wirken. Persönlich leitete ihn niemals das Verlangen nach persönlichen Vorteilen, denn dieses hätte der beliebte Schriftsteller viel bequemer befriedigen können, sondern es leitete ihn die ehrliche Überzeugung, zu bessern. Und er fiel für die vornehmste Aufgabe seines Berufs: das auszusprechen, was man für richtig hält!“ […]

Richard Schaukal: Das freie Wirken des Schriftstellers. Grundsätzliches zu einem besonderen Falle (1925)

Ein junger Mensch in Wien hat durch fünf Revolverschüsse, die er auf den zu diesem Zwecke von ihm Aufgesuchten aus nächster Nähe abgab, einen Schriftsteller zu töten unternommen, der, wie der Mörder zur Rechtfertigung seiner Tat erklärte, durch sein Wirken die Jugend verderbe. Das Gericht wird sich mit dem Falle zu beschäftigen haben. […]

Der Schutzverband deutscher Schriftsteller in Österreich hat, ohne seine Mitglieder vorher von seiner Absicht zu unterrichten, „anläßlich des mörderischen Anschlags auf Hugo Bettauer die zum Terror aufreizende Hetze gegen das Werk eines Schriftstellers verurteilt, das nur der Kritik durch das Wort unterworfen sein soll. Der Schutzverband sieht in der Duldung und Verherrlichung dieser Hetze eine Verletzung des Rechtes eines jeden Schriftstellers auf freies Wirken und fordert, daß in Zukunft in alle Berufenen dieses Recht besser schützen.“ Diese Erklärung fordert als öffentlich abgegeben öffentlichen Widerspruch heraus. Ich kann mich nicht damit begnügen, dem Schutzverband, dessen Mitglied ich durch Jahre gewesen bin, meinen Austritt angemeldet zu haben.

Wer ist der, gegen den jener Anschlag gerichtet war? Ist sein „Werk, das nur der Kritik durch das Wort unterworfen sein soll“ derart, dass ihm wirklich „das Recht jedes Schriftstellers auf freies Wirken“ zugebilligt werden muss“? Hugo Bettauer ist ein stadtbekannter Pornograph, ein Schriftsteller, der, lediglich um des Gelderwerbs willen, allwöchentlich in mehreren teils von ihm selbst herausgegebenen, teils von ihm mit regelmäßigen Beiträgen belieferten Blätttern der Unzucht in jeder Form das Wort redet. Diese Blätter, die in Massen verbreitet, in Straßen ausgerufen werden, in Trafiken aufliegen und aushangen, befinden sich, wie mit Ekel festgestellt werden muss, allenthalben in den Händen junger Leute, zumal Mädchen, die sie auf der Gasse und in den Straßenbahnen verschlingen. Behördliches Einschreiten gegen diesen groben Unfug war durch den von „Freiheits-„Wahn und parteipolitischer Tendenz missleiteten Machtanspruch der höheren Instanz vereitelt worden.

So steht die Sache, die ein junger Mensch zu der seinen gemacht hat, indem er die Mordwaffe gegen Bettauer erhob. Die Kritik, die aus diesem Anlasse von einigen Blättern verschiedener Parteirichtung gegen die von allen reinlich Fühlenden längst als öffentliche Schande empfundene Tätigkeit des nun so furchtbar Gezüchtigten geübt worden ist, bezeichnet die Kundgebung des Schutzverbandes als „zum Terror aufreizende Hetze gegen das Werk eines Schriftstellers, das nur der Kritik durch das Wort unterworfen sein.“ Der Schutzverband tadelt diese „Hetze“ und erblickt in ihrer „Duldung und Verherrlichung eine Verletzung des Rechtes jedes Schriftstellers auf freies Wirken“. Zugegeben, dass es sich um eine Hetze handle, die zum „Terror“, das heißt zur Gewaltmassregel „aufreize“ – ich kenne die Äusserungen jener Blätter nicht –: heißt es nicht die Tatsachen auf den Kopf stellen, wenn man das „Recht auf freies Wirken“ verteidigt, ja, alle Berufenen, also wohl vor allem die Behörden zu besserm Schutze dieses Rechtes auffordert in einem Augenblick, da es sich im Gegenteil darum handelt, den fortgesetzten Missbrauch jenes angeblichen Rechtes endlich auf eine wirksame Weise von „allen Berufenen“ gehemmt zu sehen? Heißt es nicht, auf eine „jedes Schriftstellers“ unwürdige Weise in angemasster Vertretung aller handeln, wenn man zum Schutz ruft gegen „die zum Terror aufreizende Hetze“, die, möge sie Wahlverwandten noch so peinlich in den mitschuldigen Ohren klingen, ihre Absicht, ihrem Zwecke nach sich doch ausgesprochenermassen gegen die Verpestung der geistig-seelischen Atmosphäre einer großen Stadt richtet? Ist es Sache der Schriftsteller, ihr „Recht auf freies Wirken“ gerade dann, alle Wahrhaftigen und Billigen aufreizend, zu betonen, wenn es sich darum handelt, einem „Kollegen“ das unsaubre Handwerk zu legen, mit dem sich irgendwie auch nur theoretisch identifiziert zu sehen, jeden Ehrenmann die Haut schaudert? Was, ein Zeitungsunternehmer, der seit Jahren aus den Taschen der von dieser anarchischen Zeit angefaulten Minderjährigen dafür Milliarden zieht, dass er ihren Kitzel stachelt, jeglicher Eindeutigkeit seine Schandgasse eröffnet, der Kuppelei, der Verführung und der Kindesabtreibung seine giftige Feder leiht und unsägliches Elend gewissenlos mit allen Mitteln fördert, ein solcher gemeinschädlicher Auswuchs und Auswurf „deutscher Schriftsteller in Österreich“ sollte diesen angemessenen Anlass bieten, schützend „vor das Werk“ zu treten? O ihr Heuchler und Pharisäer der „Freiheit“, warum nennt ihr es nicht mit seinem Namen: „Bettauers Wochenschrift“?

Es sind nun doch nicht so wenige Sätze aus diesem Kapitel geworden. Die „Reichspost“, dessen Schriftleiter Friedrich Funder seit 1902 und Herausgeber seit 1904 war, auch im Angesicht der ersten nationalsozialistischen Ermordung eines Schriftstellers in Österreich in einer ihrer Gesinnung nach recht rühmlichen Rolle – der junge Mensch, der stellvertretend den Mord beging, ein Zahntechniker, der nicht fallen gelassen wurde, für den gesorgt wurde.

Ein Kapitel sollte zumindest mit einem Satz seinen Abschluß finden, der tatsächlich ein Schlußsatz ist, aber dieses geht nur in eine Pause, nach der es mit dem Furchendezember —

Furchenwunderkalender

Am „25. Januar 1945“ veröffentlicht die Wochenzeitung „Die Furche“ einen Artikel von Dr. Roland Tenschert:

Musik der Befreiung

[…] Was durch die gewaltsame Eingliederung Österreichs in das Dritte Reich und durch den folgenden Krieg für die österreichische Musik verlorengegangen ist und was durch die neuerstandene Unabhängigkeit wiedergewonnen werden konnte? Die österreichische Musik ist dadurch groß geworden, daß sich Österreich, und im besonderen Wien, aus ursprünglicher Volksveranlagung ein originelles Musikingenium zu wahren wußten und zugleich dauernd eine lebendige und feinfühlige Verbindung mit allen auswärtigen Regungen des Musiklebens hielten, deren Widerhall immer wieder produktiv verarbeitet wurde. Gerade darin liegt das Geheimnis der Weltgeltung österreichischer Musik, daß ihre Sprache bei aller Eigenart wirklich in der ganzen Welt verstanden wird. […] Bei dem Verlust der Unabhängigkeit ging zugleich mit der staatlichen Souveränität für Österreich auch die Souveränität der Österreichischen Musik verloren. Es wurde von nun an in Berlin entschieden,was und wie in Österreich musiziert werden sollte. Um etwa Mozarts Gedenken anläßlich des 150. Todestages des Meisters zu feiern, verwarf man Alfred Rollers geniale „Don-Juan“-Inszenierung und setzte an ihre Stelle die unmozartischen, mit der Musik unvereinbaren Dekorationen eines Bühnenbildners aus dem „Altreich“. Oder man kleidete Mozarts in Wien für Wien geschaffenes Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ in das Gewand einer kalten, werkfremden Inszenierung, die die genaue Kopie einer Hamburger Vorstellung war. Für die Neugestaltung der „Zauberflöte“ nahm man in Berlin Maß, für einen neuen „Lohengrin“ in Bayreuth, vergaß aber dabei, daß Wien oder auch die Festspielstadt Salzburg nach eigenen Maßen gemessen werden sollen, wollten sie weiter die bis dahin behauptete Stellung im musikalischen Weltkonzert bewahren. Mit dieser „Gleichschaltung“ der Österreichischen Musik ging ihre Absperrung von der Außenwelt Hand in Hand, die sie an einem anderen Lebensnerv traf. Was immer unserer Musik den neubelebenden Auftrieb gab, das Hineinhorchen in die Zeichen der Zeit dahin und dorthin, es war durch die undurchdringlichen Grenzsperren des Dritten Reiches zur Unmöglichkeit geworden. Ein übriges vollbrachte die Ausdehnung des Goebbels-Erlasses auf unser Land, der mit der Abschaffung der Kritik und ihrem Ersatz durch eine reglementierte „Kunstbetrachtung“ dafür sorgte, daß an der so geschaffenen Situation nicht gerührt werden durfte. Der lange Krieg riß die Entwicklung in der so angebahnten Richtung nur noch vehementer vorwärts und abwärts, bis mit der beschämenden Verordnung eıner Stillegung der kulturellen Belange vom Herbst des Jahres 1944 dem Musikbetrieb auch in Österreich praktisch ein Ende bereitet wurde. Es folgten die Wöchen, ‚wo infolge eines sinnlosen Widerstandes ehrwürdige Stätten österreichischer Musikkultur in Trümmer fielen. Kaum war der böse Spuk zerstoben, so begann sich in dem zerschlagenen Lande der Wiener Philharmoniker und mit dem neugegründeten Verband der Wiener Symphoniker ein den vorläufigen Ansprüchen gerechtwerdendes Musikleben aufzubauen verstand, konnten in Salzburg geschickt improvisierte Festspiele gestartet werden, konnte Graz manche würdige Festaufführung gelingen. Die Programme und Opernspielpläne gewährten manchen jahrelang ausgesperrtem Werk Zugang. Der Anschluß an die Zeit wurde gesucht, indem man auch der neuen Musik willig die Tore öffnete. Die Neugründung der österreichischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für neue Musik, die schon wiederholt mit bedeutsamen Veranstaltungen hervorgetreten ist, bedeutete in dieser Richtung einen entscheidenden Schritt. Auch die Wiener Operette und die Wiener Unterhaltungsmusik konnte ihren Aktionsradius erweitern, indem sie lange zu Unrecht zum Schweigen verurteilte Komponisten wieder zur verdienten Geltung brachte. Einem zeitweisen Abgleiten in das Kabarett- und Barwesen konnte gesteuert, werden. […] Im musikalischen Erziehungswesen sind die Institute einer berühmten Tradition, wie die Wiener Staatsakademie für Musik, das Salzburger Mozarteum, wieder an die Spitze getreten. Die Musikschule der sTadt Wien hat in vollem Umfange ihre Arbeit aufgenommen. Für den Erziehungsfaktor kann sich die neuerstandene Ravag bewähren. Mit der Schaffung einer demokratischen Presse in Österreich kommt auch die Musikkritik wieder zu ihren Rechten. Auch dem Künstler hilft selbst eine verständnisvolle Kritik unter Umständen mehr als uniformiertes Lob. […]

Das also veröffentlichte „Die Furche“ am „25. Januar 1945“, wie auf ihrer Website im November 2022 zu lesen ist.

Der ehemalige Chefredakteur der christlichsozialen Reichspost und Scharfmacher, der durch den „Geist der Lagerstraße“ im Dachau geläutert worden war, gründete ein neues Wochenblatt, eine „kulturpolitische Wochenschrift“: die FURCHE. Erstmals erschienen am 1. Dezember 1945, sollte sie ein Beitrag zum geistigen Wiederaufbau sein, gleichsam eine Furche durch den von Krieg und Verheerung verhärteten Ackerboden ziehen. Doris Helmberger-Fleckl, Chefredakteurin

„Erstmals erschienen am 1. Dezember 1945.“ —

Bei einer katholischen Zeitung darf durchaus von einem Wunder gesprochen werden. 1945 begann also mit dem Monat Dezember und 1945 endete mit dem Monat Januar. Wie sonst auch hätte „Die Furche“ die „Musik der Befreiung“ von Roland Tenschert veröffentlichen können, wäre der 1. Dezember 1945 nicht vor dem 25. Januar 1945 —

Der Dezember 1945 vor dem Jänner 1945, in dem Dr. Roland Tenschert dies für „Die Furche“

Was durch die gewaltsame Eingliederung Österreichs in das Dritte Reich […] Es wurde von nun an in Berlin entschieden,was und wie in Österreich musiziert werden sollte.[…] Mit dieser „Gleichschaltung“ der Österreichischen Musik ging ihre Absperrung von der Außenwelt Hand in Hand, die sie an einem anderen Lebensnerv traf. Was immer unserer Musik den neubelebenden Auftrieb gab, das Hineinhorchen in die Zeichen der Zeit dahin und dorthin, es war durch die undurchdringlichen Grenzsperren des Dritten Reiches zur Unmöglichkeit geworden. Ein übriges vollbrachte die Ausdehnung des Goebbels-Erlasses auf unser Land, der mit der Abschaffung der Kritik und ihrem Ersatz durch eine reglementierte „Kunstbetrachtung“ dafür sorgte, daß an der so geschaffenen Situation nicht gerührt werden durfte. Der lange Krieg riß die Entwicklung in der so angebahnten Richtung nur noch vehementer vorwärts und abwärts, bis mit der beschämenden Verordnung eıner Stillegung der kulturellen Belange vom Herbst des Jahres 1944 dem Musikbetrieb auch in Österreich praktisch ein Ende bereitet wurde.

schrieb, und er, Tenschert, im Jänner 1945 dies für das „Neue Wiener Tagblatt“ schrieb, veröffentlicht am 7. Januar 1945:

Die deutschen Europasender hatten Generalmusikdirektor Lovro von Matacic eingeladen, mit dem Wiener Rundfunkorchester, dem Chor des Reichssenders Wien und Solisten der beiden Wiener Opernhäuser die kroatische Heldenoper  „Nikola Subic-Zrinski“ von Ivan von Zajc in konzertanter Fassung zur Aufführung zu bringen. Das Werk ist hier in Wien von einem Gastspiel des Opernensembles des Kroatischen Staatstheaters Zagreb im Mai 1943 im Opernhaus der Stadt Wien noch in frischer Erinnerung. Lovro von Matacic sandte der Konzertaufführung einen einführenden Vortrag voraus, in dem er den Kroaten als tapferen Soldaten wie als kunstbegeisterten Menschen schilderte und beide Eigenschaften aus der Geschichte durch zahlreiche Beispiele belegte. […]

So erwies sich in der gelungenen Aufführung der kroatischen Heldenoper der deutsch-kroatische Kulturaustausch, während des gemeinsam geführten Kampfes an einem charakteristischen Beispiel bestätigt, das allen Ausführenden reichlichen Beifall brachte.

Am 25. Januar 1945 kritisiert Dr. Roland Tenschert für „Die Furche“ die „Ausdehnung des Goebbels-Erlasses auf unser Land, der mit der Abschaffung der Kritik und ihrem Ersatz durch eine reglementierte Kunstbetrachtung“, und er, Tenschert, ist in dieser Jahreshälfte 1945 selbst als „bekannter Musikbetrachter“ recht tatenvoll, weiß der „Völkische Beoachter“ im nach dem Furchenwunderkalender vor dem Jänner kommenden März zu berichten, am 1. März 1945:

Volksbildungswerk im Sommersemester

Mit unvermindertem Eifer ist das Deutsche Volksbildungswerk im Gau Wien bei der Sache, um dem Lern- und Wissensdrang seiner zahlreichen Hörer einen möglichst vielseitigen Stoff zu bieten. Sind auch einzelne Stätten der nationalsozialistischen Volksbildung verlegt worden, für den Umfang der Darbietungen ist dieser Umstand bedeutungslos.

Auch das zweite Semester des Volksbildungswerks gibt Gelegenheit, auf allen Gebieten des Wissens und des praktischen Könnens Neues hinzuzulernen. Medizin, Philosophie und Technik sind mit der gleichen Sorgfalt behandelt worden wie die kulturellen und rein praktischen Facher, die dem täglichen Gebrauch nahestehen. Unmöglich, alle einzelnen Veranstaltungen im besonderen hier zu erwähnen. Heben wir die wichtigsten hervor, dann sind wohl, die geschichtlichen Themen mit in vorderster Reihe zu nennen. Dr. Ludwig Jedlicka spricht über „Österreichische Feldherren im deutschen Schicksal“ und Professor Dr. Richard Raithel behandelt den tausendjährigen Kampf um den lothringisch-elsässischen Grenzraum. Auf literarischem Gebiet ist Dr. Hugo Ellenberger mit einer langen Reihe von Vorträgen vertreten, über bildende Kunst sprechen Doktor Margarete Kalous über „Die Kunst in Italien“, und Dr. Anne Hofmann-Heck über „Kunstschätze in den Donau- und Alpengauen“. Eine Vortragsreihe des bekannten Musikbetrachters Dr. Roland Tenschert ist dem Schaffen von Richard Strauß gewidmet […]

In der unmittelbaren Spalte neben der Werbung für die „nationalsozialistische Volksbildung“ des „Musikbetrachters Dr. Roland Tenschert“ klärt der „Völkische Beobachter“ am 1. März 1945 auf über den rechten Blickpunkt:

Der richtige Blichpunkt

Wenn sich ein Volk in schwerbedrohter Lage richtig verhalten soll, dann muß es den richtigen Blickpunkt für die gegebene Situation besitzen. Die bolschewistische Menschen- und Panzerwalze im deutschen Osten und die neue Feindoffensive im Westen zeugen von einer gewalttigen militärischen Kraftanstrengung und Machtanhäufung unserer Gegner. Es ist auch bei höchster Einschätzung der Menschen-, Rohstoff- und Rüstungskapazität der anglo-amerikanisch-bolschewistischen Weltverschwörung vollkommen ausgeschlossen, daß sich ihr jetziges Kräfteaufgebot auf lange Zeit hinaus durchhalten kann. Fs handelt sich vielmehr zweifellos um die aufs höchste getriebene und darum naturgemäß verhältnismäßig kurzfristige Entfesselung aller materiellen Einsätze, zu der sie zwecks Vernichtung Deutschlands fähig ist. Eine langfristige Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Verschleißes an Menschen und Material würde die Belastungsmöglichkeiten auch der feindlichen Riesenreiche und ihrer Hilfsquellen übersteigen. Damit ist unsere eigene Aufgabe gekennzeichnet: wir müssen unter allen Umständen, mit der äußersten Kraft, mit stählerner Härte des Willens und mit furchtlos bleibendem Herzen auch im Sturm der schwärzesten Tage aushalten, bis sich die kurzfristig bemessene feindliche Generalanstrengung an der Standhaftigkeit und Dauer des deutschen Widerstandes gebrochen hat. Die große Chance unseres Kampfes liegt darin, daß unsere Verteidigung und Kampfentschlossenheit härter sind und länger ausdauern, als die Feinde ihren auf die deutsche Niederlage abzielenden Ansturm durchzuhalten vermögen. Das ist der richtige deutsche Blickpunkt. In ihm ist nichts weniger als die Entscheidung über Tod und Leben für uns eingeschlossen. Die Last, die er auf uns wirft, ist nicht untragbar. Mit zusammengebissenen Zähnen werden wir durch die Preisgabe all unseres seelischen und materiellen Könnens Herr der Zeit und Herr der feindlichen Masse werden.

In der Ausgabe Nr. 4 der Wochenzeitung „Die Furche“ ist auch gleich etwas, wohl der geläuterten Tradition wegen, etwas von Abraham a Sancta Clara veröffentlicht, aus „Merk’s Wien!“, der so recht, recht über „Judä“ und seine „nahen Brüder und Anverwandte“ zu predigen verstand. Diese Ausgabe gleich mit dem „Credo“ von Paula Grogger, als wäre es eine Ausgabe kurz vor Weihnachten, kurz vor Christi-Geburt, zu der das „Credo“ so recht passend erscheint. Vielleicht gab es 1945 ein zweites Wunder und, nach dem Furchenwunderkalender, wurden Weihnachten 1945 im Januar begangen; was wäre das für eine Ausgabe kurz vor Heilandsgeburt ohne das „Credo“ von Paula Grogger gewesen – keine Ausgabe …

Im August 1944, der, es gab noch keinen Furchenwunderkalender, tatsächlich im nach für alle geltenden Furchenkalender der achte Monate war, schreibt Johanna Meinl im „Völkischen Beobachter“ über „Frauen und ihre Welt“, am 9. August 1944:

Aus Lyrik und Balladen unserer großen deutschen Dichterinnen Anette von Droste-Hülshoff, Ina Seidel, Agnes Miegel, Paula Grogger, Lulu von Strauß und Torney, Ricarda Huch und dem lyrischen Schaffen junger, aufstrebender Talente wie Helmtraude Dienel mit dem eigenartig schönen „Dorffriedhof“, Elisabeth Effenberger mit dem rührend zarten „Im Geiste“ und Gedichten von Anna Laube, Nelly Lia Bayer und Cary Elisabeth Wirth wählte Ernst Ludwig Matter in seinem Vortragsabend im Figaro-Kammersaal „Frauen und ihre Welt“ jene Werke, in denen die besondere, zarte und stille Welt der Frau ihren reinsten Ausdruck findet. Die eindringlich gestaltende Vortragsweise Matters, die den verborgensten Schönheiten der Dichtungen nachspürt, seine verständnisvoll gewählten verbindenden Worte sowie die weise Anordnung der Vortragsfolge, in der das Leuchten des Großen und Vollendeten das Kleinere und noch Tastende erhellte,, sicherten dem Abend einen schönen Erfolg, an dem auch jene Dichterinnen, die anwesend waren, reichen Anteil nahmen.

Und auf derselben Seite ein recht langer lyrischer Berichterstattungserguß über einen Prozeß – Credo des Reiches, Beschwörung des Herrn: „Zukomme uns dein Reich“

[…] Am Schluß der Verhandlung weist der Vorsitzende darauf hin, daß die Putschisten die verbrecherische Absicht gehabt hätten, mit dem feindlichen Ausland zu paktieren. Er stellt weiter dem Angeklagten Witzleben die Frage, ob er in einer militärischen Dienststelle nach dem Scheitern des Verrats sich noch dahin geäußert habe, daß für den Putsch nicht genügend Personen zur Verfügung gestanden hätten. Der Angeklagte antwortet darauf, daß er beim Scheitern dieses Putschversuches „einen grundlegenden Irrtum“ festgestellt habe. Er habe immer geglaubt, daß „zuverlässige Truppenteile und ein größerer Kreis höherer Offiziere“ mitmachen würden. Sein großer Irrtum sei gewesen, daß er sich völlig über die nationalsozialistische Haltung der deutschen Wehrmacht getäuscht habe. Nunmehr nimmt der Oberreichsanwalt das Wort zur Frage des Vollzugs des zu erwartenden Todesurteils. Die Angeklagten hätten sich mit dieser Tat außerhalb jeder Beziehung zur Volksgemeinschaft, zur Front und Heimat gestellt. Die Attentäter hätten die Treue zum Obersten Kriegsherrn und gegenüber ihren Kameraden gebrochen und das Reich in der Stunde höchster Gefahr neuen unerhörten Belastungen ausgesetzt. Sie hätten die Bereitschaft dokumentiert, das Vermächtnis der Hunderttausende von Gefallenen, die ihr Leben hingaben, damit Deutschland stark bleibe, einfach in den Schmutz zu treten. Daß ein solch schimpfliches Beginnen nicht damit gesühnt werden könne, daß eine ehrliche Kugel das Leben der Angeklagten beende, sei unbestreitbar. Die gemeinen Beweggründe und der geradezu erschütternde Ablauf der hier zur Sprache gekommenen Ereignisse zwingen zu dem einzig möglichen Schluß, daß der Vollzug der Todesstrafe gegen diese ehrlosen Verbrecher nur durch den Strang erfolgen könne. Der Oberreichsanwalt schließt: „Wenn das Urteil vollstreckt sein wird, ist ein Schandfleck aus der Geschichte der deutschen Wehrmacht ausgelöscht, wie es ihn niemals zuvor gegeben hat, und wie er in Zukunft niemals wieder sein wird.“ Als nach diesen Ausführungen des Oberreichsanwaltes die Angeklagten Stieff, Höppner und Witzleben durch ihre Verteidiger beantragen, die Todesstrafe möge durch Erschießen vollzogen werden, da antwortet der Präsident ihnen scharf:„Den Führer wollten Sie in die Luft sprengen, und Sie verlangen für sich die Kugel? Das ist ein starkes Stück.“ Das Urteil Nach mehrstündiger Beratung verkündet der Präsident des Volksgerichtshofes das Urteil, das wir auf Seite 1 veröffentlicht haben: „Im Namen des deutschen Volkes! Eidbrüchige, ehrlose Ehrgeizlinge! Erwin von Witzleben, Erich Höppner, Helmuth Stieff, Paul von Hase, Robert Bernardis, Peter Graf York von Wartenburg, Albrecht von Hagen, Friedrich Karl Klausing verrieten, statt mannhaft wie das ganze deutsche Volk dem Führer folgend, den Sieg zu erkämpfen, so wie noch niemand in unserer ganzen Geschichte das Opfer unserer Krieger, Volk, Führer und Reich, den Meuchelmord an unserem Führer setzten sie ins Werk. Feige dachten sie, dem Feinde unser Volk auf Gnade und Ungnade auszuliefern, es selbst in dunkler Reaktion zu knechten. Verräter an allem, wofür wir leben und kämpfen, werden sie alle mit dem Tode bestraft. Ihr Vermögen verfällt dem Reich.“ Urteilsbegründung Die schimpflichste Tat, die die deutsche Geschichte je gesehen hat. Zu seiner Urteilsbegründung entrollt der Präsident noch einmal ein Bild der furchtbaren Tat. Schaudernd erleben wir erneut, wie der erste Mord-Putsch-Gedanke in verbrecherischen Gehirnen aufkeimt, wie ein Schurke sich zum anderen fand, wie schließlich eine Clique von Reaktionären, Verbrechern und Mithelfern daran ging, mit englischem Sprengstoff und englischem Zündwerk den Führer feige zu meucheln, Volk und Reich, Heimat und kämpfende Front zu vernichten. Es ist ein entsetzenerregendes Bild menschlicher Verkommenheit, das sich in diesen beiden Tagen der Verhandlung enthüllt hat und das nun der Präsident bis in alle Einzelheiten nachzeichnet. „Wovon wissen wir das alles?“ so fragt der Präsident am Schluß seiner Urteilsbegründung, und er antwortet: „Wir haben nur das festgestellt, was jeder der Angeklagten selbst in der Hauptverhandlung bekannt und eingestanden hat. Aber das, was wir feststellen, ist bei jedem von ihnen nur das Mindestmaß ihrer Schuld. Ihre wirkliche Schuld sprengt jedes Maß. Der Verrat an unserem freien, starken deutschen Gemeinschaftsleben, an unserer Wesens- und Lebensart, die vermessene Begier, an die Stelle unserer inneren Freiheit die Knechtung und die Reaktion zu setzen, die moralische Selbstentmannung des Feiglings mitten im Kampf— das ist Hochverrat.

Sein Credo an den Herrn, seine „Treue zum Obersten Kriegsherrn“ schrieb Roland Tenschert schon fünf Jahre zuvor, im April 1940 – auch dieser Monat war nach dem für alle geltenden Furchenkalender tatsächlich der vierte Monate im Jahr — zum Anlaß der Auferstehungsaufführung unter …

Geläutert, schreibt Doris Helmberger-Fleckl, ist im elften Monat des Jahres 2022 zu lesen, sei also der Reichspostscharfmacher durch den Geist worden. Von seiner Läuterung wird noch zu erzählen sein, aber einzig durch seine Vorstellung im ersten Erscheinungsmonat des Wochenblatts „Die Furche“, der der zwölfte Monat des Jahres 1945 —