„Die Musik ist das Wichtigste!“

Menschen, die einen Roman lesen, fragen oft schon beim ersten Auftreten einer Figur, was wird wohl aus dieser werden.

Sie lesen im Roman weiter, oft nur, um zu erfahren, wie es mit dieser einen sie interessierenden Figur in der Geschichte weitergeht.

Aber mit manchen Figuren geht es, einfach wie kurz gesagt, nicht weiter.

Sie treten in einem einzigen Kapitel auf, und dann, nie wieder.

So sollen die Menschen, die wegen dieser einen einzigen sie interessierenden Figur zur weiteren Lektüre des Romans sich verleiten haben lassen und nun seit Hunderten von Kapiteln auf das neuerliche Auftreten ihrer sie einzig interessierenden Figur mit diesem Kapitel eine Entschädigung erhalten.

Diese sie einzig interessierende Figur tritt zwar in diesem Kapitel nicht mit Neuem auf.

Denn es gibt von ihr nichts mehr zu erzählen, außer, daß sie gestorben ist.

Sie ist tot, das ist, einfach wie kurz gesagt, aus ihr geworden.

Die Todesmeldung ist die Entschädigung für die Lesenden, die so lange darauf warteten, geduldig oder nicht, wieder etwas von ihrer sie einzig interessierenden Figur zu lesen.

Die Todesmeldung hätte, vielleicht, in einen schöneren Satz gebracht werden können. Es gibt Beispiele aus Romanen, die für diese genommen hätten werden können, die zu dieser Figur passend hergerichtet hätten werden können:

Die Zeitungen meldeten noch am Abend Ludwigs Tod, der eine Weltnachricht geworden war, die aber niemand erschütterte.

Oder diesen Beispielsatz, der in Österreich wohl zum Sieger gekürt werden würde:

Und noch desselben Tages empfing eine respektvoll erschütterte Welt die Nachricht von ihrem Tode.

Dabei muß eingestanden werden, nicht zu wissen, ob die Medien noch am selben Abend ihren Tod meldeten, ob die Nachricht von ihrem Tode also noch desselben Tages verbreitet wurde.

Der Tod eines Menschen ist stets eine letzte Gelegenheit, etwas nachzuholen, das verabsäumt wurde, das also zu erzählen, was noch nicht erzählt wurde, das Kapitel

Christa Ludwig spielt beim AC Richard Wagner auf der Position Kicherin

endlich zu vervollständigen, in dem diese Figur das erste Mal auftrat.

Der Tod eines Menschen ist auch die Stunde, in der über ihn nichts Schlechtes mehr gesagt werden soll, die Stunde, in der zu ihm nichts Gutes mehr gesagt werden kann. Er allein soll das Wort noch haben, und mit ihm jene, mit denen er sprach, um zu verstehen, weniger wie er war, mehr wie die Menschen sind in dem Land, in dem er lebte – in seinem Fall in Österreich …

Es war einmal, es war nicht einmal irgendwann, sondern es war, so genau kann es datiert werden, am 14. Mai 2013, als Heinz Sichrovsky sofort im Anschluß seiner Sendungseinleitung sein eigenes Buch „Mozart. Mowgli. Sherlock Holmes: Die Königliche Kunst in Musik und Dichtung der Freimaurer“ empfehlen ließ, und er sich zu diesem in seiner Sendung selbst interviewen ließ.

Karl Löbl sagt, dies sei die interessanteste Diskussion in dieser Sendung seit Jahren. Es geht in dieser darum, ob der Mensch vom seinem Werk getrennt werden könne.

Christa Ludwig ist für die Trennung von Mensch und Werk. Weil für sie sei die „Musik das Wichtigste“, die Musik von Richard Wagner, die so „schön“ sei. Sie, Ludwig, sagt auch, es seien „alle in der Partei“ gewesen, sie seien aber „nicht alle Nazis“ gewesen. Gottfried Wagner weist auf die wagnerische Gesinnung in seinem Werk hin, wie er seine Gesinnung in seiner Musik verankerte. Und Karl Löbl fragt, ob er, Wagner, das „wissentlich“ getan habe, ob er, Wagner, dies mit dem „Kopf oder mit dem Bauch“ … Heinz Sichrovsky fragt, wo denn das Problem sei, wenn einer als schirch, bucklig und geldgierig von Wagner dargestellt werde, und er, Sichrovsky, sei gerne in der Wagner-Welt

Christa Ludwig, für die nicht alle, die in der Partei waren, Nazis waren, sagt, die herrliche Musik, die herrliche Musik also von Wagner, so wunderbar, da könne „man doch einmal den Menschen wegschmeißen“ …

Dabei ist die zentrale Frage in dieser Diskussion, die Karl Löbl als die interessanteste in dieser Sendung seit Jahren findet, ob der Mensch von seinem Werk getrennt werden könne, ob Richard Wagner seine Gesinnung in sein Werk einarbeitete, bereits beantwortet, ehe die Diskussion darüber begann, durch Heinz Sichrovsky in derselben Sendung, in der er sich im unmittelbar davor gebrachten Beitrag zu seinem Buch interviewen läßt, wenn er sagt:

Rudyard Kipling hat in seinem gesamten Werken ununterbrochen freimaurerische Subtexte verborgen … Das Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius, eines der schönsten Gedichte deutscher Sprache, später mit „Abendlied“ betitelt, ist der Anhang an einen freimaurerischen Text des Bruders Matthias Claudius in seinen sämtlichen Werken und man kann sehr genau eine Art freimaurerisches Leben rekonstruieren.

Es erzählt aber wieder einmal auch einiges über dieses von dieser Runde exemplarisch repräsentiertem Land, in dem es ganz ohne Diskussion klar ist, daß ein Mensch, der ein „Freimaurer“ ist, nicht von seinem Werk zu trennen ist, daß ein Mensch, der ein „Freimaurer“ ist, selbstverständlich in sein Werk ununterbrochen freimaurerische – also seine Gesinnung in sein Werk einbringt, während bei einem Richard Wagner, wie von dieser Heinz Sichrovsky bedienten Runde, schon zu fragen ist, ob er in sein Werk überhaupt seine Gesinnung, ob sein Werk nicht nur Musik ist, nichts als herrliche, wunderbare, schöne Musik frei von jedweder Gesinnung, jedweder Weltanschauung, sozusagen reine Musik, die Adolf Hitler etwa bis in sein Geschlecht hinein

Seinen „Kulturauftrag“ serviert Heinz Sichrovsky gleich zu Beginn der Sendung, „den ich mir selbst schon im zarten Stehplatzalter erteilt habe, verantwortlich dafür war Richard Wagner, der mich mit bis heute ungemilderten Folgen hypnotisch überwältigt hat“, sehen auch Mannen und Frauen der identitären Parlamentspartei, die für kurz auch Regierungspartei wieder einmal war, für sich als Pflicht an, der ihnen ebenfalls ein Wagnerauftrag ist, so wie dieser für Christa Ludwig ein Auftrag ist, Wagner von seinem Werk zu trennen, ist dieser jenen von der identitären Parlamentspartei der Auftrag, zu verkünden, Wagners Zeilen seien antisemitismusfrei

Vor acht Jahren, es war ebenfalls im Mai, darf von Christa Ludwig erfahren werden, was ihr Houston Stewart Chamberlain beibrachte, vor 108 Jahren strich ein Schriftsteller eine Figur aus seinem Roman, „weil ich sie für eine gehässige Karikatur ohne künstlerischen Wert halte, die ihre Entstehung dem theoretischen Antisemitismus eines jungen Menschen verdankt, der noch keinen Juden persönlich kannte. (Die Figur entstand in dem politisch bewegten Jahre 1897 nach der Lektüre des großen Werkes von Chamberlain.)“

Das hinderte diesen Schriftsteller aber nicht, später sich der Gesinnungsgemeinschaft von Hitler, dem die Musik Wagners alles war, anzuschließen, das ihm auch persönliche Vorteile brachte, ihn beispielsweise davor bewahrte, dafür verurteilt zu werden, einen Hausmeister erschossen zu haben … Ihm auch über Jahrzehnte nach dem Untergang des deutschen reiches einen Nachruhm sichert, zumindest beim Sprecher des österreichischen Landesverteidigungsministeriums …

Chamberlain böte sich an, davon zu erzählen, wie damals alle miteinander bekannt waren, lange vor den madigen zwölf Jahren des deuschen reiches, im Austausch miteinander standen, eben auch Chamberlain beispielsweise mit Karl Kraus, der ihn sogar für seine „Fackel“ als Schreiber gewinnen wollte, wie die einen die anderen aber nicht davon abhalten konnten, sich der hitlerischen Gesinnung anzuschließen, wie die anderen von den einen aber nicht dazu gebracht werden konnten, sich der hitlerischen Gesinnung anzuschließen. Es sind große Namen darunter. Auch wenn es heutzutage keine großen Namen mehr sind, eines ist geblieben, sie sind alle einander bekannt, stehen im Austausch miteinander, in Österreich, so klein dieses Land ist, so klein sind auch die Namen; als Beispiele böten sich jene an, die an der fellnerischen Theke etwa …

„Hinterher“, sagt Christa Ludwig, „ja da ist gut reden, hinterher“ … Was wohl Friedelind Wagner ihr, Ludwig, geantwortet hätte, die nicht hinterher ja gut reden wollte, sondern …

Es wird nicht gewußt, welcher Spruch auf dem Grabstein von Karl Löbl steht. Wie passend es doch wäre, stünde auf seinem Grabstein: „Etwas ganz Aktuelles.“

Das sagt Karl Löbl in dieser Sendung mit dem moderierenden Kellner. Und dann erzählt er, Löbl, etwas ganz Aktuelles, von Leonard Bernstein und Helmut Wobisch, also daß Wobisch für Bernstein sein „Lieblings-Nazi“ gewesen sei.

Das löblische Aktuelle muß also zum Zeitpunkt der Sendungsausstrahlung, 14. Mai 2013, an die fünfzig Jahre her …

Was vor einem halben Jahrhundert aktuell war, ist für Karl Löbl ein halbes Jahrhundert später ganz aktuell … Zugleich spricht er, Löbl, in dieser Sendung davon, es sei das „große Versäumnis“ gewesen, die „erste, zweite Generation“ verdiene es, „ins Klare gesetzt zu werden“, „hätte man darüber diskutieren sollen“ … Und er selbst? Nun, so wie er es erzählt, wollte auch er kein Diskutant, sondern nur ein Geheimniskrämer sein …

Es gab einen Vorstand der Wiener Philharmoniker namens Helmut Wobisch, der war SS-Mann, war trotzdem Vorstand der Philharmoniker. Über den hat Lenny Bernstein gesagt, wie ich ihn gefragt habe, wissen sie das: „Das ist in dem Orchester mein Lieblings-Nazi.“ … Ist das ein Satz, den sie verstehen und tolerieren oder eher verurteilen?

… und ein halbes Jahrhundert später noch stolz darauf, mit Leonard Bernstein ganz allein ein Geheimnis im Zusammenhang mit dem lange gewesenen Orchestergeschäftsführer zu teilen, das aber wohl ganz Wien mit Wobisch und Bernstein geteilt hat, nach weiteren Berichten über diese Aussage von Bernstein, getätigt vor einem halben Jahrhundert.

Menschen, die sterben, kommen in ein Grab mit einem Grabstein, oder in eine Gruft mit einer Platte oder in eine Urne, die dann hinter einer Tafel … Nicht selten kommt zum Namen, zum Geburtsdatum und zum Sterbedatum darunter ein Spruch noch hinzu. Was könnte, stürbe Österreich, und bekäme Österreich einen Grabstein oder eine Gruftplatte oder eine Urnentafel, für ein Spruch auf seine Tafel oder auf seinen Stein oder auf seine Platte … es gäbe keinen besseren als diesen von Karl Löbl, mit dem er etwas Aktuelles vor einem halben Jahrhundert zum ganz Aktuellen ein halbes Jahrhundert …

Österreich

Etwas ganz Aktuelles

Und stürbe Österreich, wäre eine für ihn passende Grabstätte wohl in der Gruft von Karl Lueger in der Karl-Borromäus-Kirche … noch passender wohl irgendwo draußen vor der „Lueger-Kirche“ auf dem Zentralfriedhof an der unmittelbaren Grabesseite von Leopold Kunschak mit dem gleichen Grabstein, der einst schon für Kunschak produziert …

Österreich Live: Sex-und-Grapsch-Fernsehen

Heute, am 29. April 2021:

„Alles, was da an Me-Too-Märchen folgt, ist frei erfunden“, bestreitet Fellner die Vorwürfe … Auch habe er sie nie „Nutte“ genannt. Das widerlegt ein Audio-Mitschnitt, den Scharfs Anwalt Michael Rami als Transkript überraschend vorlegte. „Mit dem Wort ‚Nutte‘ habe ich mich nur über ihre Kleider geäußert“, entgegnete Fellner dann doch. Und, sich keines Unrechts bewusst: „Warum soll das eine sexuelle Belästigung sein, wenn ich über die Kleider rede? Da ist keine einzige sexistische Aussage, die sich auf die Figur bezieht.“ Wegen des Tonband-Beweises erklärte Fellner auch, was er gemeint habe, als er Scharf sagte, ihre Vorwürfe gegen ihn seien „lebensgefährlich“. „Ich habe rufschädigend gemeint und es aufs Berufliche bezogen.“

Es ist doch bloßes Berufliches. Bei ihm. So macht er, Wolfgang Fellner, Fernsehen. Für Österreich. Es muß ihm das jetzt wohl recht unverständlich vorkommen, für sein Berufliches vor Gericht …

Beispielhaft Wolfgang Fellner in der Ausübung seines Berufes am 23. Jänner 2019, ein Transkript, alles beruflich:

Wolfgang Fellner Je später der Abend, desto schöner die Gäste. Willkommen … willkommen … jedem Österreicher bekannt als Tierchen von … Aber wenn ich schon ein sexy Betthupferl für Sie heute aufbieten darf, dann ist … eines der besten, daß man in Österreich zu bieten hat …

Ein pikantes Geheimnis hat. Denn die … ist schwanger. Und zwar, was man ihr nicht ansehen würde, mit dem dritten Kind bereits …

Und plötzlich schlägt der Storch ein. Und jetzt fragt man sich, wer ist der Storch. Denn das Interessante ist ja, daß die … sozusagen das Lieblingstierchen oder die Lieblingsbegleitung des … ist, mit ihm gerade auch sehr intim auf den Mal. war … Ist der … mit seinen was weiß ich wie viel Jahren wirklich der Vater von diesem …baby …

Ist er nicht? Hat es einen Vaterschaftstest gegeben? Von nix kommt nix.

Sondern, der Vater ist wer?

Das ist der Serienproduzent, der bereits die Tochter produziert, den Sohn und jetzt ein drittes Baby … Bevorzugter Samenspender …

Ja, klar … Es gibt Mütter: drei Kinder drei Väter, drei Kinder zwei Väter, manche auch drei Kinder vier Väter, soll es alles geben, bei dir wäre eigentlich das naheliegende Modell: drei Kinder vier Väter, weil noch der … dazukommt. Und ich mein, wenn ich dein Mann wär, ich hätte dich längst hinausgehaut. Weil welcher Mann, welcher Samenspender, welcher Produktionsmeister dieser Qualität wie dein … läßt sich das gefallen, daß du permanent mit dem … beieinander bist …

Du bist in der … angestellt. Was machst du dort, außer daß du eine wunderschöne Erscheinung bist … Also für dich würden schon viele in die … gehen, für diesen Anblick. Aber was ist dein Job?

Hey, das ist aber geil, das heißt, wenn man in die … reingeht, begegnet man als erstes der … Von wie viel bis wie viel Uhr?

Und dann gibt es Tage, dann bist du mit … auf Urlaub? Das gehört zum Job dazu oder ist privat? Das ist im Gehalt nicht inbegriffen? Es hätte ja sein können, daß man sagt, zu deinem Job gehört dazu, daß du mit … auch auf Urlaub fährst. Der Job ist, du sitzt im Infopoint in der … Teilweise aber nicht, weil du bevorzugt mit … auf Urlaub fährst. Der … muß ja mörderisch verknallt in dich sein, der nimmt dich ja überall hin mit.

Das würde mich eh interessieren, euer Verhältnis. Weil ein normaler Österreicher kann sich das ja nicht ganz vorstellen. Seit was weiß ich wie viele Jahren … Wir nähern uns dem 10-Jahres-Jubiläum … Zehn Jahre … liebt … oder … liebt eher …, würde ich sagen, wie es sich darstellt.

Zehn Jahre kennt ihr euch jetzt. Und jetzt ist natürlich die Frage … jeder Zuschauer würde sagen, der ist deppert, wenn ich die Frage nicht stelle. In all den zehn Jahren kein einziges Mal Sex?

In zehn Jahren kein einziges Mal Sex. Das heißt, ihr schläft zwar im selben Bett, weil auf den Mal. gibt es ja nur ein Bett, wie wir wissen, in diesen … Hotels, aber kein Sex, oder schläft ihr nicht im selben Bett und muß er am Fußboden schlafen?

Und dann wart ihr im selben Bett, unter derselben Decke? Aber keusch. Von nix kommt nix. Auf den Mal. wart ihr jetzt auch eine Woche lang im selben Bett oder hat er am Strand geschlafen?

Seit zehn Jahren … was ist das eigentlich, ein Lebensmensch, ein Verehrer oder ein Verrückter, der auf dich geil ist?

Er führt Schmäh oder er erklärt dir intelligente Dinge, erklärt dir die Politik, oder erklärt dir den Sex, was tut er denn eigentlich die ganze Zeit?

Ich weiß nicht, ob sofort jede Mutter mit zwei Kindern mit dem … auf die Mal. fliegen würde.

Und was sagt der … dazu, der ist ja der Vater von den zwei Kindern? Ist der eigentlich die große Liebe oder nur der Samenspender? Was ist der eigentlich in dem ganzen Spiel, in dieser Dreiecksgeschichte?

Lebt ihr zusammen, der … und du?

Gelegentlich kommt der … vorbei, für die Bedürfnisse, die du mit dem … nicht stillen kannst. Schon offenbar, weil von nix kommt nix. Ihr habt wahrscheinlich auch Sex miteinander offenbar, weil ohne Sex wurde noch kein Baby gezeugt, zumindest in Österreich noch nicht. Also der … kommt vorbei, wenn du Sex willst?

Also eine richtige Beziehung, ja, was ein Österreicher oder auch ich unter einer richtigen Beziehung verstehe, da bin ich vielleicht ein bisserl neben den Gleisen aus deiner Warte gesehen, aber wenn ich eine richtige Beziehung mit dir hätte, würde ich dir nie erlauben, mit dem … auf die Mal. zu fahren, da würde ich sagen, liebe …, tschau mit au.

Jetzt warts ihr aber eine ganze Woche in den Mal. Zwei Wochen sogar, um Gottes Willen bitte, da weiß ich gar nicht, ob ich das mit einer wirklichen Beziehungsfrau aushalten würde … Ist ja auch der … zu bewundern, nicht nur du. Jetzt wart ihr zwei Wochen auf den Mal.

Trotzdem ist in den zwei Wochen nichts passiert? Das kann ich mir nicht vorstellen. Also ich kenne den … und weiß, er eine gewisse Affinität für Frauen hat, der hat nie versucht, mit dir Sex zu haben, das gibt es ja gar nicht, wenn ich dich so anschau, das ist ja unmöglich. Kompliment auf jeden Fall. Das kann ich mir gar nicht vorstellen, daß der zwei Wochen es neben dir aushält, ohne sich Sex mit dir zu wünschen. Also der hat definitiv nicht versucht, mit dir Sex zu haben?

Von Wolfgang Fellner ausgefragte Frau: Ich glaube, er war ja sogar einmal da, nach dem Interview. Habts ihr ihn nicht gefragt?

Wolfgang Fellner: Aber du mußt es ja wissen, ob Sex … Und er hats nie versucht? Er hat dich nie begrapscht oder sonstwas, nix? Echt wahr? Ist dir überhaupt schon einmal ein Mann passiert, der keinen Sex mit dir haben wollte? Das ist ja schwer vorstellbar.

Bist du eigentlich gern in der Zeitung? Taugt dir das, wenn du sie aufschlagst und dich siehst? Ist das etwas, was dir was gibt?

Jetzt hast du einen Mann, der ist sozusagen deine körperliche Liebe, richtige Liebe oder nur körperliche Liebe?

In der Umgebung von … bist du nicht wohlgelitten, bei der … muß man nur … sagen, dann verdreht es ihr die Augen, dann den Magen und dann sagt sie, sie hat den Namen noch nie gehört …

Sowohl die Tochter als die Ex-Frau von … lieben dich nicht wie der …

Vielleicht mit gewissen Figurelementen, die du hast, schwer zurechtkommt, oder? Könnte ich mir vorstellen, wenn man da so rüber schaut bei dir, die Fernsehzuschauer, könnte ich mir vorstellen, daß die Fernsehzuschauer erahnen, warum die … mit dir ein Problem hat. Es könnte der Ausschnitt sein zum Beispiel, der Busen.

Und der … liebt dich?

Hat er dir das schon einmal gezeigt, daß er dich liebt?

Du, und das bleibt jetzt so? Ein Baby und zwei Väter praktisch? Der … und der … und du dazwischen.

Meine Damen und Herren, das war, glaube ich, wirklich lustig. Danke … Ich mag diese Interviews mit dir wirklich gern, weil sie sexy sind, weil sie lustig sind, weil sie eigentlich zeigen, daß die … schon ein sehr symphatischer Mensch ist und auch sonst noch andere Qualitäten hat, wie Sie sich ja überzeugen können, in diesem Sinn wünsche ich Ihnen jetzt eine gute Nacht mit der … als Betthupferl.

Alles dies aus einer einzigen, gerade einmal knapp zweiundzwanzig Minuten dauernden Sendung, aufgenommen genau auf dem Platz, wo sonst Woche für Woche Männer hocken, manche zu Stammgästen an der fellnerischen Theke zu …

Die fellnerische Anstalt nennt sich „oe24“. Es wurde stets gerätselt, wofür die Zahl „24“ steht; vielleicht ist die Zahl „24“ das, was für andere Männer ihr pferdeherdenstarker Sportwagen mit schier langgezogenem …

Opportunitätskosten des Opportunismus

Wegen der steigenden Armut sei hier Missbrauch moralisch verwerflich und unsolidarisch, erklärte Nehammer, und: Der Staat sei „kein Selbstbedienungsladen, und Sozialbetrug ist kein Kavaliersdelikt“.

Jährlich entgehen den EU-Staaten laut EU-Kommission 130 Milliarden Euro an Steuereinnahmen durch Steuerflucht, Steuerhinterziehung und Steueroptimierung. Allein für Österreich beläuft sich der Entgang auf 9 bis 13 Prozent der Körperschaftssteuer; gut eine Milliarde Euro.

Allein also der jährliche Entgang durch Steuerflucht, Steuerhinterziehung und Steueroptimierung bei der Körperschaftssteuer von einer Milliarde Euro …

Eine Prozentrechenaufgabe für Karl Nehammer: Wieviel Prozent sind 20,1 Millionen Euro von 1 Milliarde Euro?

Es braucht mehr Wirtschaftsbildung, insbesondere zum Prinzip der Opportunitätskosten. Wenn ich mein Erspartes zu 2% Zinsen anlege, während ich bei selbem Risiko woanders bis zu 5% kriegen könnte, mache ich nicht 2% Gewinn, sondern 3% Verlust. Analoges gilt halt auch für Firmen.

Diese Rechnung stellt Ulrich Berger auf der Plattform des Unternehmens Twitter an. Am 17. April 2021. Ein Wirtschaftswissenschaftler aus Steyr.

Nach dieser Rechnung von dem „Wirtschaftsforscher“ aus Steyr, die Armin Thurnher eine „Milchbubenrechnung“ nennt,

Weil in der Pandemie immer mehr Menschen in Not geraten, gelte es bei Missbrauch nun noch genauer hinzusehen. Die Erfahrung zeige: Je mehr kontrolliert werde, desto mehr Anzeigen hagle es auch, deswegen will der Innenminister nun etwa auch auf Bezirksebene und in Zusammenarbeit mit den Pensionsversicherungen die Kontrollen intensivieren.

darf analog gerechnet werden: Wenn ich, also Karl Nehammer, die Kontrollen intensiviere, und dabei rund 20 Millionen heraushole, während ich bei selber Klientel allein eine gute Milliarde Körperschaftssteuer liegenlasse, von einer Milliarde also nur zwei Prozent herausbekomme, beschere ich, Karl Nehammer, dem Staat Österreich einen Verlust von 98 Prozent.

Wie recht doch der Wirtschaftsforscher aus Steyr hat, es braucht mehr Wirtschaftsbildung. Und weniger von dieser „Moral“, von der Karl Nehammer recht ergriffen ist, und noch weniger von dieser „unsolidarischen“ Haltung, die Karl Nehammer … Wie recht doch Karl Nehammer hat, seine Klientel zu ermahnen, daß der Staat „kein Selbstbedienungsladen“ ist, Delikte von Kavalieren keine „Kavaliersdelikte“ sind … …

Eine Nebengeschichte soll nicht verschwiegen werden. Zu passend erscheint diese zu den „Opportunitätskosten“, von denen Ulrich Berger schreibt.

Im Zusammenhang mit der „Milchbubenrechnung“ von dem Mann aus Steyr berichtet Armin Thurnher, wie in der Ausgabe der Wochenzeitung „Falter“ vom 21. April 2021 zu lesen ist:

Arbeitsminister Martin Kocher, ein zertifizierter Ökonom, stimmte per Like zu.

Martin Kocher stimmte also Ulrich Berger zu. Inzwischen hat Martin Kocher sein „Gefällt“ zurückgenommen. Jedenfalls ist sein „Gefällt“ in der Liste nicht mehr angeführt. Hingegen hat beispielsweise Susanne Leiter, Pressesprecherin von Beate Meinl-Reisinger, Neos-Vorsitzende und Klubobfrau, ihr „Gefällt“ nicht zurückgezogen, wie der „Gefällt“-Liste am 23. April 2021 zu entnehmen ist; in ihrer Weltanschauungsrechnung werden keine opportunistischen Kosten zum Abzug gebracht …

Wie recht doch Ulrich Berger hat, um noch einmal auf die Wichtigkeit der Bildung zu sprechen zu kommen, denn es kann nicht oft genug davon gesprochen werden, wie viel an Bildung noch gebraucht wird, nicht allein an „Wirtschaftsbildung“, sondern generell, um es einfach wie kurz zu sagen, an sogenannter, um ein heutzutage gar beliebtes Eigenschaftswort zu verwenden, ganzheitlicher Bildung.

Der Mann aus Steyr macht in seiner „Milchbubenrechnung“ auch diesen beliebten Rechtschreibfehler, also zwischen der Zahl und dem Prozentzeichen keinen Leerraum zu setzen, in einem Text überhaupt das Prozentzeichen zu verwenden, während es doch angebracht ist, in einem Fließtext es auszuschreiben, also zwei Prozent, fünf Prozent, achtundneunzig Prozent …

Rechtschreibfehler sind auch ein Merkmal für fehlende ganzheitliche

Allerletzt noch dies:

Die vom Mann aus Steyr angesprochenen „Opportunitätskosten“ laden zu einem Kalauer ein, zwingen regelrecht zu einem einfachen wie kurzen:

Es ist die Opportunität des Opportunismus, die dem Staat die ihn ruinierenden Kosten bescheren.

Restitution

Nationalsozialistisch belastet sei so manches Wort, daher hinaus mit diesem Schuft aus der deutschen Sprache, nationalsozialistisch belastet sei so mancher Begriff, daher hinaus mit diesem Schuft aus der deutschen Sprache, aus der deutschen Sprache, die dennoch nicht zur Gänze aufgegeben werden will, auch von jenen, die schreien: Hinaus mit dem Schuft!

Schuftig sind diese Wörter nicht, niederträchtig, gemein, ehrlos sind diese Begriffe nicht. Sie sind Opfer nationalsozialistischer Plünderungen, gestohlen von Nationalsozialisten, geraubt von Nationalsozialistinnen, genauso wie von ihnen Kunst geraubt wurde. Deshalb kann es auch im Fall des nationalsozialistischen Sprachverbrechens nur eine Konsequenz geben: die Restitution.

Es werde wohl gesagt werden wollen, zwischen sogenannten „ns-belasteten“ Wörtern, zwischen sogenannten „ns-belasteten“ Begriffen und Kunstwerken bestehe ein enormer Unterschied. Die nationalsozialistisch geraubten Kunstwerke seien nicht „ns-belastet“, die nationalsozialistisch geraubten Kunstwerke seien, wie es gerne gesagt wird, über jeden Verdacht erhaben

Aber stellen Sie sich vor, es hätte sich die Meinung durchgesetzt, die Kunstwerke, die von Nationalsozialstinnen geraubt wurden, müssen für die Nationalsozialisten doch einen rechten Wert gehabt haben, sonst hätten sie diese nicht gestohlen, und daher können diese Kunstwerke fortan für keinen Menschen mehr einen Wert haben. Wie viele Kunstwerke wären dann der Zerstörung anheimgegeben worden, ebenso zur Auslöschung verurteilt worden, die für sogenannte „ns-belastete“ Wörter und Begriffe gefordert wird. Eine massenhafte Zerstörung wäre die Folge gewesen. Oder, wenn nicht zerstört, so doch beispielsweise übermalt, in dem Sinne, wie gefordert wird, nationalsozialistisch doch nur geraubte Wörter und Begriffe umzudeuten, und erst, wenn eine Umdeutung nicht zu gelingen scheint, diese aus der Sprache zu eliminieren. Wie würde sich nach einer Umdeutung etwa „Damenbildnis mit goldenem Hintergrund“ heute präsentieren? Vielleicht so? Ein Versuch.

Der Zerstörung, der Auslöschung wäre, um ein gerade in Österreich gar angebetetes Kunstwerk als konkretes Beispiel zu nennen, auch die „Goldene Adele“ zum Opfer gefallen. „Goldene Adele“, die zuerst geraubt wurde, und dann von der „Österreichischen Galerie Belvedere“ unter dem NSDAP-Mitglied Bruno Grimschitz angekauft wurde, wie den „Neuerwerbungen der Österreichischen Galerie – 1941“ zu entnehmen ist, erschienen vor achtzig Jahren. „Goldene Adele“ aber wurde nicht zerstört, dieses Bild von Gustav Klimt wurde nicht ausgelöscht, sondern hochgeschrieben zur „Ikone österreichischer Identität“ …

Aber die „Goldene Adele“ wurde im Jahr 2006 restituiert.

Gustav Klimt und seine Werke waren dem Nationalsozialismus teuer und wert, so wertvoll, daß ihn 1943 das nationalsozialistische Wien mit einer Retrospektive feierte, auf Betreiben von Baldur von Schirach, der im Nürnberger Prozeß einer der angeklagten Hauptkriegsverbrecher war und zu zwanzig Jahren Haft verurteilt wurde.

The last true retrospective of Gustav Klimt’s art was held in Vienna, in 1943, at the instigation of Baldur von Schirach, the city’s Nazi ruler and former head of the Hitler Youth. This article examines the political motivations of the exhibit – virtually ignored in the Klimt literature – and explores how Klimt’s art was displayed and interpreted to accord with Nazi aesthetics and von Schirach’s aim to elevate the cultural cache of Vienna, despite Adolf Hitler’s hatred for the city. It proposes the exhibition as an attempt to erase the collective memory of fin-de-sie’cle Vienna. © The Author 2016. Published by Oxford University Press; all rights reserved.

So könnte gesagt werden, Gustav Klimt und seine Kunstwerke seien „ns-belastet“, seine Werke sind ebenso zu zerstören, auszulöschen wie „ns-belasteten“ Wörter und Begriffe. Gustav Klimt selber aber starb bereits 1918. Er schuf seine Werke lange vor dem Nationalsozialismus, genauso wie Wörter und Begriffe lange vor dem Nationalsozialismus geschaffen wurden.

Etwas aber wurde ausgelöscht, von einer Sache will im Zusammenhang mit Gustav Klimt und seinen Werken, obgleich es über ihn eine umfangreiche Literatur gibt, nicht gerne gesprochen, geschrieben werden, besonders in Österreich, daß er auch für die Nationalsozialisten ebenso bedeutend war, sonst hätten Nationalsozialistinnen ihm wohl nicht noch 1943, inmitten dieses grausamen Krieges, inmitten der grausamsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, eine Retrospektive …

Restitution

Es gibt wieder einmal eine Debatte um einen Begriff. Nun in Österreich. Es ist sogar ein Wettbewerb ausgelobt, um für „Kulturschaffende“ einen anderen Begriff zu finden. Um nicht mehr „Kulturschaffende“ zu verwenden, weil „Kulturschaffende“ auch von Nationalsozialisten verwendet wurde.

1 Die Argumentation, ein Wort nicht mehr zu verwenden, weil es auch von Nationalsozialistinnen verwendet wurde, müßte in letzter Konsequenz dazu führen, die gesamte deutsche Sprache nicht mehr zu sprechen.

1.2 Diese letzte Konsequenz wird aber nicht gezogen.

1.3 So wird bloß in der Sprache herumgepickt. Wörter und Bergriffe aufgepickt. Als wären diese von einer Bäuerin ausgestreute Körner. Und manche werden halt herausgepickt. Wie eben auch aktuell wieder einmal „Kulturschaffende“.

1.4 Das rechnen sich Wörterpickerin je hoch an, Wörter des Nationalsozialismus auszuscheiden.

1.5 Wörterpicker verstehen sich dabei auch als Wörterwächter.

1.6. Begriffswärterinnen überwachen. Sie patroullieren. Sie gehen die Textblöcke ab. Sie drehen ihre täglichen Runden in den Absätzen. Sie haben ihre Ohren sperrangelweit offen. Damit ihnen ja nichts entgeht. Und wenn ein von ihnen herausgepicktes und von ihnen ausgeschiedenes Wort irgendwo entdeckt, irgendwann gehört wird, dann erfüllen sie willkürlich ihre Pflicht, es zur Anzeige zu bringen.

1.7 Sie picken aber bei weitem nicht jedes Wort zum Ausscheiden auf. Oh, wie viele Wörter gäbe es, die nicht mehr verwendet werden dürften, weil diese vom Nationalsozialismus verwendet wurden.

Es sind gar zu viele.

So exemplarisch nur ein, zwei oder drei Wörter …

„Frei“ ist etwa so ein Begriff. „Arbeit“ ist etwa so ein Wort.

1.8 Besonders ein Wort wird nicht aufgepickt, besonders ein Begriff wird nicht ausgeschieden: „Nationalsozialismus“. Obgleich „belastet“. Dafür von dieser Gesinnung sogar zwei Wörter geraubt wurden. „National“ wird dennoch unbeanstandet weiter verwendet. „Sozialismus“ wird dennoch unbeanstandet weiter verwendet.

2 Was ihnen aber vor lauter Aufpicken und vor lauter Ausscheiden entgeht, ist, daß sie dem Nationalsozialismus weiter Macht und Besitz bestätigen. Sie anerkennen, nationalsozialistische Eigentumsrechte an Wörtern, nationalsozialistische Eigentumsrechte an Begriffen. Denn. Wenn ihre aufgepickten und ihre ausgeschiedenen Wörter und Begriffe niemand sonst, so ihr Welthofanspruch, mehr verwenden darf, heißt das, es bleibt das Eigentum der Nationalsozialisten. Sie sind die Hüterinnen des Eigentums der Nationalsozialistinnen. Sie sind die Wahrer nationalsozialistische Eigentumsrechte.

2.1 Aber auch im Fall der Sprache hat der Nationalsozialismus nicht durch eigene Arbeit, hat der Nationalsozialismus nicht durch eigene Leistung (noch so ein Beispielbegriff, der nicht aufgepickt und nicht ausgeschieden) Eigentum geschaffen.

2.2 Auch im Fall der Wörter und Begriffe war es bloßer nationalsozialistischer Raub.

2.3 So wie Nationalsozialisten Kunstwerke raubten, raubten Nationalsozialistinnen Wörter, Begriffe. Wofür auch „Kulturschaffende“ beispielhaft genannt werden kann. Wie lange davor gab es bereits diesen Begriff, ehe dieser auch Verwendung fand in diesen madigen zwölf Jahren der nationalsozialistischen Totalmassenmorddiktatur. Wie lange davor, wie sehr lange davor wurde bereits vom Menschen als von einem „kulturschaffenden Wesen“ etwa gedacht, gesprochen und geschrieben.

3 Was kann es also für eine Konsequenz dann tatsächlich noch geben? Wenn selbst die Wörterwarte nicht auf die deutsche Sprache in ihrer Gesamtheit, das die einzige tatsächliche letzte Konsequenz nach deren eigener Argumentation wäre, zu verzichten bereit sind, wenn selbst die Begriffspickerinnen gegen ihre eigene Argumentation weiter die deutsche Sprache sprechen und sprechen wollen, keine Bereitschaft zeigen, die gesamte deutsche Sprache durch eine andere Sprache gänzlich zu ersetzen.

3.1 Eine Konsequenz: Damit endlich aufzuhören, vor dem Nationalsozialismus derart auf dem Bauch zu liegen, als wäre dieser seit 1933 immer noch an der Macht, als dauerte seine Diktatur seit 88 Jahren ununterbrochen an, während es doch nur madige zwölf Jahre waren, und in Österreich waren es noch madigere sieben Jahre.

Was aber, gerade in Österreich, seit 76 Jahren anhält, ist ein Umgang mit dieser Vergangenheit der madigen zwölf Jahre und der noch madigeren sieben Jahre, der …

3.2 Eine weitere Konsequenz: Den nationalsozialistischen Sprachraub genauso so zu behandeln wie den nationalsozialistischen Kunstraub.

3.3 Das heißt, den nationalsozialistischen Raub nicht nachträglich noch als nationalsozialistischen Besitz zu bestätigen, nicht weiter nationalsozialistisches Raubgut als nationalsozialistisches Eigentum zu legitimieren.

3.4 Mit einem Wort, auch im Fall der Sprache: Restitution.

3.5 Die Rückgabe der Wörter und Begriffe ist die einzige Konsequenz, die aus dem nationalsozialistischen Sprachraub noch gezogen werden kann. Das nationalsozialistische Raubgut an Wörtern und Begriffen ist einfach an die Sprache zurückzugeben.

3.6 Es müssen für diktatorisch gestohlene Wörter keine alternativen Wörter erfunden werden. Es müssen gleich welcher Gesinnung diktatorisch gestohlene Begriffe nicht umgedeutet werden.

3.7 Es muß also auch das von einem Bauer ausgestreute „Kulturschaffende“ einfach der Sprache zurückgegeben werden. Ob es sich in der Sprache behaupten wird können, ob es sich in der Sprache als Wort, als Begriff halten wird können, hängt nicht davon ab, daß „Kulturschaffende“ kurz geraubt war für eine Diktatur, es ist die Entwicklung der Sprache, die darüber entscheidet, ob ein Wort, ob ein Begriff sprachlich fortbesteht oder nicht.

Keine Zeit verbirgt ihre Wahrheit.

Jetzt im zweiten Coronafrühling paßt es zur Jahreszeit mit den sogenannten traditionellen Firmungen, den Konfirmationen, an einen Spruch zu erinnern, der in der Vergangenheit auch auf Glückwunschkarten als Gratulation zur Konfirmation stand, und heute noch prangt dieser Spruch auf einer Mauer in Wien

Die hier gezeigte Glückwunschkarte hat es so nicht gegeben, sie ist aus zwei Karten zusammengesetzt, aus einer Schmuckkarte mit dem Spruch „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ aus dem deutschen reich von 1933 bis 1945, und aus einer zweiten Karte mit dem Kreuz zum Andenken.

Der Spruch war auch nicht mit dem Namen „A. G. Krupphitler“ unterzeichnet, sondern nur mit dem Namen des einen Mannes, der irgendwann nach dem Mai 1945 von der Mauer gekratzt wurde. Das Kreuz von der einen Glückwunschkarte zur Konfirmation aus dem Jahr 1943 sieht aus wie ein Grabkreuz, nicht so schmucklos wie die Kreuze auf den Friedhöfen der Soldateska, und doch ein Grabkreuz. Wie könnte es auch anders aussehen, in einer Zeit des massenhaften Sterbens, des massenhaften Mordens – keine Zeit kann je die Wahrheit über sich verbergen.

Der Mann, dessen Name von der Mauer gekratzt wurde, sprach davon, es werde „künftig nur noch einen Adel geben – Adel der Arbeit“ … Den Adel des Mordens, das war sein gesinnungsgemäßes Verständnis von Arbeit, das er nie verbarg. Dieses harte Gesicht, das Sluyterman zu diesem Spruch zeichnete, war bereits das Gesicht des Wehrmachtssoldaten, dem Sluyterman ein paar Jahre später wieder, dann aber mit einem Zitat von Friedrich Schiller bildungsbürgerlich …

Warum zum Adel-der-Arbeit-Spruch von A. G. Krupphitler Robert Misik und Andreas Mölzer an der fellnerischen Theke einfallen.

Kurz ist es her, daß Anna Goldenberg schrieb, das „Hitler-Zitat“ sei 76 Jahre nicht aufgefallen. Es ist so nicht aufgefallen, wie es in diesem Land nicht mehr auffallen will, mit wem – es ist nicht die einzige Zusammenspannung an der fellnerischen Theke – beispielsweise Robert Misik an der fellnerischen Theke diskutiert, und das nicht einmal, sondern …

Beim Anblick von Andreas Mölzer, Robert Misik ihm gegenüber, in der Mitte Wolfgang Fellner, muß an das Relief mit dem Arbeitsadelspruch in der Faulmann gedacht werden, und Andreas Mölzer erscheint wie ein Relief, ein bewegtes Relief, aus dem zwar nicht sein Name entfernt ist, aber seine Vergangenheit, soweit diese seine Vergangenheit ihm selbst je vergangen ist …

Andreas Mölzer, ein sich selbst bewegendes Relief, das wie das Mauerrelief auch für seine Sprüche bekannt ist

Sie werden fragen, was aber hat Andreas Mölzer mit dem Arbeitsadelspruch zu tun.

Nun, in Österreich, wo die Vergangenheit Gegenwart ist, aber so getan wird, als wäre diese vergangene Vergangenheit, an die nicht zu erinnern ist, die nicht aufzufallen hat, ist es unweigerlich, beispielsweise von der Faulmanngasse loszugehen, das nicht überraschen kann, und nur vor auch Andreas Mölzer zu stehen zu kommen.

Es gab einen Künstler. Georg Sluyterman von Langeweyde. Er war Maler, Grafiker, Liedermacher. Und auch das war ihm eine Ehre und wohl Pflicht, den Adelsarbeitsspruch künstlerisch zu gestalten.

Seine Lieder – dies aber nur nebenher – wird berichtet, im Stil von Hermann Löns, von einem Dichter, dem das Magazin der Mölzer die Treue … Sluyterman von Langeweyde bekam von dem „rechtsextremen Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“ seinen „Goldenen Ehrenring“. Das war 1970.

Nicht nur Sluyterman fand bei Friedrich Schiller so manchen Spruch zur Behübschung seiner Gesichter, das für ihn ein Gesicht war, das Gesicht des Arbeiters und das Gesicht des Soldaten; Schiller ist auch für Spätgeborene eine Größe zu feiern in der Hofburg zu Wien …

Und daß Sluyterman für die Gallera d’arte Thule ein auszustellender Künstler ist, mag nicht wirklich überraschen, ist es für diese doch gesinnungsgemäß eine Pflicht, die Kunst der Vergangenheit zu ehren, deren Nachgeborenen eine Hegerin zu sein, so hängt gesinnungsgemäß in ihren Räumen Sluyterman und beispielsweise der Nachgeborene aus dem Oberösterreichischen ganz selbstverständlich Seite an Seite …

Das Kulturwerk, 1950 gegründet, um ehemalige Rechthochrangige der NS-Diktatur zu fördern. Es verstand sich als Gegenpol zur „Gruppe 47“. Um den NS-Reichsfachschaftsleiter für Lyrik, Herbert Böhme, scharten sich NS-Belastete, wie Blunck, Grimm, Kolbenheyer und weitere, viele weitere. Allein diese drei als Beispielgeber hier Genannten sind Schriftsteller, die dem Magazin der Mölzer recht teuer …

Hans Grimm – das nur so nebenher – war auch recht bekannt für seine Sprüche, einer seiner Sprüche führte einen Oberösterreicher, dem er, Grimm, ein Liebling war, weit in den Osten, denn er fühlte seinen Spruch tiefwahr, ein ganzes Volk, als das er sich empfand, ohne Raum zu sein …

Und dies ebenfalls nur nebenher. Ein Mitglied dieses Kulturwerks war auch Rolf Kosiek. Das Magazin der Mölzer sieht es schon auch als ihre volksbildnerische Aufgabe an, Festschriften zu empfehlen, als „Fundgrube für jeden Lehrer, jeden Publizisten, jeden Historiker und natürlich auch jeden Politiker“, die Festschrift für Rolf Kosiek, der es wohl auch zu einem Liebling des Oberösterreichers bringen hätte können, aber er war erst als elf Jahre, als der Oberösterreicher sich aus der Verantwortung stahl, damit die einzig gute Tat, die ein solch Gesinnter wie er vollbringen kann, nämlich Selbstmord zu begehen, in seinem Leben zuwege brachte …

Gesinnungsgemäß kommt es in solchen nach dieser Gesinnung zugerichteten Organisationen zu Brüchen, zu Verwerfungen. Aus der „Deutschen Kulturgemeinschaft Österreich“, die eine Abspaltung des „Deutschen Kulturwerks Europäischen Geistes“, ging hervor das „Deutsche Kulturwerk Österreich“, dessen Vorsitzender Otto Scrinzi war. In Sirnitz veranstaltete das „Deutsche Kulturwerk Österreich“ „Kärntner Kulturtage“, eine Veranstaltung, auf der auch ein Andreas Mölzer Referate hielt – auch dort …

Von der Faulmanngasse ist es, wie Sie sehen, also auch nicht weit zu Mölzer, aber nicht nur zu Mölzer. Kosiek war es wohl auch eine Treue zur Ehre, in Sirnitz zu referieren, ebenso Rosenkranz, sie erinnern sich, einst eine Kandidatin für das sogenannte höchste Amt im Staat

Wenn vom „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“ gesprochen wird, ist es unvermeidlich, auch den Namen Herbert Schweiger zu nennen, einer der Mannen und Frauen, die beispielsweise Gerd Honsik in seinen Stand rief, um Zeugnis zu legen, für seine Holocaust-Leugnung. Und ebenfalls nicht zu vermeiden ist die Nennung der Huttenbriefefrau Lisbeth Grilitsch. So unermüdlich, heißt es im Nachruf auf sie, wie sie arbeitete für … so wie so vom nordischen Leistungsmenschen sprach, diese Frau mit der recht allerliebsten Großmutterstrahlung, darf vermutet werden, daß der Arbeitsadelspruch auch ihr ein Leibspruch …

Das „Deutsche Kulturwerk Europäischen Geistes“ verstand sich, wie bereits oben erwähnt, als „Gegenpol zur Gruppe 47“. Und bei Nennung der Gruppe 47 darf Heinrich Böll nicht unerwähnt bleiben. Mit dem die Heinrich-Böll-Stiftung zu nennen ist, und ein weiteres Mal Andreas Mölzer, als gäbe es kein Entrinnen von ihm. Nur. In Deutschland kommt er anders vor als in Österreich, in Deutschland kann er sich nicht gemütlich beispielsweise zur fellnerischen Theke hocken.

Es ist kurz her, daß er mit seinem Magazin in einem Artikel der Heinrich-Böll-Stiftung erwähnt wurde, im Zusammenhang mit der AfD und Orbán, der „nicht nach der Pfeife des in Brüssel bestens vernetzten US-Spekulanten Soros tanzt“ … wofür der Name Soros in diesen Gesinnungswerken steht, muß nicht noch einmal ausgeführt werden.

Der für kurz gewesene Vizekanzler in Österreich hätte gerne in Österreich, wie seit kurzem aus weiteren veröffentlichten Passagen aus dem Ibiza-Video zu erfahren ist, eine Medienlandschaft nach seinem Idol Orbán furchen wollen, und sein Oligarchinbeschaffer schwärmte dabei, Orbán rocke Ungarn

Österreich, das Land der Schwärmerinnen und Verteidiger. Einer der Verteidigerinnen auch der für kurz gewesene Bundeskanzler und wieder für kurz …

Der Artikel auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung ist nicht, wie es gerne formuliert wird, aus grauer Vorzeit, sondern vom 11. November 2020, in dem Andreas Mölzer mit seinem Magazin vorkommt, und auch Lisbeth Grilitsch …

Beim Anblick vom an der fellnerischen Theke hockenden Andreas Mölzer fällt zu viel ein, so viel auf, daß die Kapitelüberschrift, eigentlich geändert werden müßte, denn es ist zu viel der Ehre, allein ihn in der Überschrift zu nennen, wenn in ihr zu nennen doch so viele weitere …

Und auf den Straßen laßt die Winde los

Wie beneidenswert der Mensch doch ist, der den Furz unter seiner Kontrolle hat, und nicht, wie üblich, der Furz den Menschen unter seiner totalen Kontrolle hat, er also furzen kann, wann immer und wo immer er will, und nicht dann gefurzt werden muß, wenn der Furz furzen will.

Jedenfalls stellt es sich so dar, in den Berichten über den Mann, der von der österreichischen Polizei zu einer Geldstrafe von fünfhundert Euro verdonnert wurde, wegen eines Furzes, vor ihnen. Die Polizisten, vielleicht waren auch Polizistinnen dabei, unterstellten ihm, mit Absicht gefurzt zu haben, aber erst nachträglich unterstellten sie es ihm, wie es den Berichten ebenfalls zu entnehmen ist.

Bei dem Mann, der zu einer Strafe von 500 Euro verdonnert wurde, hat es wohl keinen Sinn, das bewußte, das absichtliche Furzen lernen zu wollen, sagt er doch, er habe nicht absichtlich gefurzt. Er also nur ein Mensch ist, der, wie üblich, vom Furz zum Furzen mißbraucht wird, wann immer und wo immer der Furz gerade furzen will.

Um das bewußte Furzen zu lernen, gibt es nur eine Möglichkeit, sich an die Polizistinnen, vielleicht waren auch Polizisten dabei, zu halten, die bei dieser Amtshandlung anwesend waren, denn diese wissen offensichtlich zu genau, daß ein absichtliches Furzen möglich ist, es wohl nur geübt werden muß, sie dürften es selbst beherrschen, also furzen zu können, wann immer und wo immer sie gerade furzen wollen, sie den Furz beherrschen, und nicht der Furz sie total beherrscht.

Und warum sollte das absichtliche, das bewußte Furzen in einem Seminar gelernt werden?

Es ist wohl an der Zeit, für eine neue Demonstrationskultur. Das Schreien von „Widerstand!“ hat sich doch längst überholt. Besonders jetzt, da es schon alle schreien.

Es ist aber eine sehr alte Aufforderung, die Winde loszulassen, nachgerade eine weltliterarische Aufforderung, die Winde loszulassen, einst nur an das höchste Wesen ergangen, auf den Fluren die Winde loszulassen, und jetzt, da es kaum noch Fluren gibt, es auch nicht mehr auf das eine windelassende Wesen ankommt, sondern auf alle in allen Straßen, ist der Vers zu erneuern:

Und auf den Straßen laßt die Winde los

Was für eine passende Handlungsform für künftige Demonstrationen.

Was einst für ein Wesen als Aufforderung recht und billig war, Winde loszulassen, kann heute für alle nur recht und billig sein, Winde loszulassen, und dabei doch zu wissen, für die Winde sich ebenso wenig schämen zu müssen, wie das Wesen von einst, das – jedenfalls für jene, die die Botschaft von seinem Ableben noch nicht erreichte – bis heute seine Winde losläßt, freilich ohne je zu wissen, wofür, wogegen …

Wie sehr nahe müssen die Polizisten, vielleicht waren auch Polizistinnen dabei, zu dem Mann gestanden haben, bei dieser Amtshandlung im Juni 2020, als lange schon ein behördlicher Abstand zwischen Personen eingehalten werden mußte, um den Furz überhaupt zu hören? Wenn sie doch von „Lärmerregung“ …

Was muß das für ein Furz gewesen sein, sollten sie den verordneten Abstand eingehalten haben, ein Furz wie ein Donner … Oder doch nur ein Furz so üblich leise, aber sie so nah, so abstandslos wie …

Das fanden die Beamten nicht sonderlich lustig und belangten den Wiener wegen „Anstandsverletzung und Lärmerregung“ und einer Strafe in der Höhe von 500 Euro. Der Mann bestritt die Absicht – das ließ die Polizei aber nicht gelten: „Natürlich wird niemand angezeigt, wenn einmal versehentlich ‚einer auskommt‘. Der Angezeigte verhielt sich jedoch während der gesamten vorangegangenen Amtshandlung bereits provokant und unkooperativ“, hieß es.

Der Wiener legte Beschwerde ein, der Fall wanderte zum Verwaltungsgericht: Das stellte sich auf die Seite der Polizei. Ein Furz habe keinen „kommunikativen Inhalt“ und sei deshalb keine Meinungsäußerung und dementsprechend nicht vom Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt, bestätigte das Gericht einen dementsprechenden Bericht mehrerer Medien gegenüber dem ORF.

Wiener will vor Verfassungsgerichts ziehen

Selbst wenn es sich um eine Form der Kommunikation handelte, überschreite ein Furz die Grenzen des Erlaubten, „da diese Handlungsform geeignet erscheint, jedwede staatliche Ordnung völlig zu untergraben und der Lächerlichkeit preiszugeben“, wie es in der Entscheidung heißt. Allerdings milderte das Gericht den Strafrahmen – der Wiener muss jetzt nur noch 100 Euro zahlen.

Für das Verwaltungsgericht habe also „ein Furz keinen ‚kommunikativen Inhalt‘ und sei deshalb keine Meinungsäußerung und dementsprechend nicht vom Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt, und, „selbst wenn es sich um eine Form der Kommunikation handelte, überschreite ein Furz die Grenzen des Erlaubten, ‚da diese Handlungsform geeignet erscheint, jedwede staatliche Ordnung völlig zu untergraben und der Lächerlichkeit preiszugeben‘, wie es in der Entscheidung heißt.“

Wie sehr hierbei dem Verwaltungsgericht eine Kommunikationsexpertise fehlte, bei seinen Ausführungen zum Furz, kann insbesondere seit dem ersten Coronafrühling durchgängig bis zum zweiten Coronafrühling allein dadurch ermessen werden, daß die Kommunikation in dieser Zeit von sogenannten Spitzen des Staates „windigen Inhalts“, der zwar gedeckt vom Recht der freien Meinungsäußerung, aber die Grenzen des Erlaubten zum völligen Untergraben jedweder staatlicher Ordnung der Lächerlichkeit …

Schwarzes im roten Wien

Kürzlich schrieb Anna Goldenberg im Falter, das „Hitler-Zitat“ sei 76 lange Jahre nicht aufgefallen

Es will gar nicht gewußt werden, wie oft das von Anna Goldenberg so leichthin Adolf Hitler zugeschriebene Zitat in diesen 76 Jahren aufgefallen ist, daß es ein, auch ein „Hitler-Zitat“ ist.

Vor vier Jahren beispielsweise hätte der Falter selbst darauf aufmerksam machen können. Wurde doch von Erich Klein im Falter sogar ein Buch empfohlen, in dem darüber geschrieben wird, daß das Mauerzitat in der in die Operngasse mündenden Faulmanngasse namenlos gemacht wurde, also „Adolf Hitler“ entfernt wurde.

Ein paar Jahre zuvor schrieb Rudolf Taschner in der „Presse“ über dieses Mauerzitat, daß es von Adolf Hitler ist, der es als Erbe von Alfred Krupp übernahm, es für sich gesinnungsgemäß zu eigen machte. Sie kennen Rudolf Taschner. Er sitzt für die türkis getupfte christschwarze Partei im Parlament.

Der Stadt Wien selbst hätte es auffallen müssen. Die Stadt Wien hätte darüber, wenn sie über Geschichte schreiben läßt, zumindest informieren lassen können, daß das Mauerzitat von diesen beiden Männern ist, läßt sie doch genau auf das Buch von Andreas Suttner beziehen, läßt sie „Das schwarze Wien“ dafür als Quelle anführen, läßt sie sogar das „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ zitieren, aber ebenfalls namenlos gemacht.

Und bis jetzt noch gar nicht von den Massen, denen es hätte auffallen müssen, gesprochen, die seinerzeit auf der Wieden, in Wien lebten, vor und nach dem Untergang des nationalsozialistischen Massenmordstaates, das Relief mit diesem Spruch mit Nennung Hitlers und ohne Nennung Adolf Hitlers kannten. Es ist ihnen wohl aufgefallen, bis herauf in die Gegenwart ist es immer wieder aufgefallen. Aber wer wollte das je wissen, bei dem hohen Gut, das die Arbeit den Menschen in diesem Staat ist. Ein solcher Spruch – eine Volksweise – darf nicht ausgelöscht werden. So eine Volksweise muß nur von dem gereinigt sein, das sie offen beschmutzt. Und das wurde mit dem Auslöschen des Namens Adolf Hitler auch gemacht, wurde die Volksweise gereinigt, gerettet für den Erhalt, der Adel der Arbeit fleckenlos gemacht, dem die Menschen alles zu verdanken haben, Güter, wie Waschmaschinen, Autos und so weiter und so fort, sich zu erarbeiten, von Unternehmen, denen von Zwang zu Arbeit ihr Hochadel …

Und wer vermag jene zu zählen, denen dieser Spruch bis herauf in die Gegenwart auffiel, dabei zufrieden und selig darüber, daß nicht alles von ihrem idealisierten Idol ausgelöscht, im roten Wien, ihr Idealismus weithin sichtbar …

Relief in der in die Operngasse mündenden Faulmanngasse

Die Operngasse in Wien hätte wohl so etwas wie ein „austrofaschistischer Boulevard“ werden sollen, wenn der Ständestaat nicht so kurz …

Es fiele in der Gegenwart wohl keinem Menschen ein, die Operngasse einen Boulevard zu nennen. Auch in der Vergangenheit werden jene, die dieses Wiener Grätzel ständestaatlich begannen nach ihrer Gesinnung zu verändern, nicht daran gedacht haben, die Operngasse einen Boulevard zu nennen. Paßt doch Boulevard so gar nicht zum Ständestaat mit Tracht und seiner darunter getragenen Niedertracht …

„Boulevard“ können die Operngasse nur jene von außerhalb Wiens nennen, wie Philipp Eichhof in Gdańsk, Polen …

Er schreibt über dieses Grätzel mit verlängerter Operngasse u.a. von „kapitalistischer Stadterneuerung“, von der „normalen kapitalistischen Architektur des Austrofaschismus“ … Das scheint passender als „austrofaschistischer Boulevard“, passender zu dieser Gasse, vor allem auch weil es besser paßt zu dem dort fett aufgemalten Spruch „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ (Kruhi 176).

Es soll jetzt, wie berichtet wird, dieser Spruch kontextualisiert, also mit einer Erklärung versehen werden, daß es ein Spruch von Adolf Hitler … Wie weit wohl die Erläuterung gehen wird? Auch geschrieben werden wird, daß es doch kein Spruch von Adolf Hitler ist, sondern von einem K…

In einer bildnärrischen Zeit ist es vielleicht angebrachter, nicht durch einen langen Text auf einer Tafel zu erklären, von wem dieser Spruch, sondern einfach wie kurz durch ein Relief.