Passagen in einem Roman

Es gibt Passagen in einem Roman, vor allem in solch einem Roman wie diesem, die und der nicht gelesen oder überlesen werden, die vergessen sind, sogar von jenem Menschen, der diese Chronik der Wirklichkeit schreibt.

Aber dann kann das Unwahrscheinliche geschehen.

Bis dann, eines Tages, im November 2019 werden es zwei Jahre her sein, daß dieses Kapitel geschrieben wurde, oder Hunderte von Seiten später, von einer Person, die darin vorkommt, daran erinnert wird, daß es dieses Kapitel in dieser Chronik gibt. Diese Passage also doch wenigstens ein Mensch gelesen hat, nämlich die Person, die selbst darin vorkommt.

Während sich also in Österreich seit dem 17. Mai 2019 alles um ein, kurz gesagt, Video dreht, schickt sie am 21. Mai 2019 eine E-Mail, mit dem Anliegen, dieses Kapitel zu löschen.

Sie setzt eine Frist. Wenn das Kapitel, das von ihr „Eintrag“ und „Artikel“ genannt wird, nicht gelöscht werden würde, sie sich „genötigt sieht, weitere gerichtliche Maßnahmen einzuleiten.“

Es ist ihr dafür zu danken, an dieses Kapitel erinnert zu haben.

Denn sie gibt damit Gelegenheit, einmal darauf eingehen zu können, auf das schon lange einmal eingegangen werden wollte. Wie muß ein Kapitel geschrieben werden, wie ist ein Roman zu schreiben, damit dieser von Lesenden so verstanden wird, wie es die Intention ist, daß dieser von Lesenden zu verstehen ist.

Dieses Kapitel hat die Intention verfehlt, wenn sogar die Person, die darin vorkommt, es anders gelesen hat, als es die Intention war.

Um ein stetes Beispiel vor Augen zu haben, beim Schreiben eines Kapitels noch mehr darauf zu achten, sich noch mehr zu bemühen, es so zu verfassen, daß es von den Lesenden so gelesen wird, wie es gemeint ist, vor allem von Lesenden, die selbst in einem Kapitel vorkommen, wird dieses Kapitel nicht aus dem Roman herausgerissen. Aber das gesamte Kapitel wird durchgestrichen. Das gesamte Kapitel ist nun durchgestrichen, als deutliches Zeichen dafür, daß das Kapitel schlecht geschrieben wurde.

Das ist menschgemäß zu wenig, das Kapitel nur durchzustreichen. Es muß, um es zukünftig vermeiden zu können, auf den Grund gegangen werden, wie konnte es geschehen, daß die Person selbst, die in diesem Kapitel vorkommt, es derart anders las, als es inhaltlich geschrieben ist.

In Ihrer E-Mail vom 21. Mai 2019, mit der sie zum Ausdruck bringt, es würden „Vermutungen und Behauptungen“ aufgestellt werden, schreibt sie:

„Ich bin und war zu keiner Zeit Mitglied in der FPÖ und lehnte sowohl Politik als auch Führung dieser Partei in den vergangenen Jahren mehrmals entschieden und öffentlich ab, was Ihnen offenbar entgangen sein dürfte. Nicht nur Linke finden widerlich, was dort passiert.“

Das wurde auch nicht behauptet, nicht einmal vermutet. Wie in diesem Kapitel gelesen werden kann, falls sich je noch wer die Mühe machen wollte, ein schlecht geschriebenes und durchgestrichenes Kapitel zu lesen. Es wird zwar von einer Frau und ihrem „Parteikameraden“ geschrieben, aber damit ist ganz und gar nicht sie gemeint. Auch wenn das inhaltlich deutlich hervorgeht, ist es, muß jetzt nach Erhalt ihrer E-Mail gesagt werden, schlecht geschrieben.

Weiter schreibt sie in ihrer E-Mail vom 21. Mai 2019:

„Als Journalistin habe ich stets unter meinem Klarnamen agiert und stehe vollinhaltlich zu den von mir verfassten Artikeln, welche auch im Internet jederzeit abrufbar sind. Zu keinem Zeitpunkt habe ich unter dem Decknamen ‚Jana Jung‘ etwas verfasst und war auch niemals für das von Ihnen angesprochene Medium ‚unzensuriert‘ tätig.“

Von ihren „verfassten Artikeln“ ist in dem Kapitel keine Rede. Und doch muß es bei ihr so angekommen sein, als wäre von ihren „verfassten Artikeln“ … ja, schlecht geschrieben.

Ganz schlecht geschrieben wurde, sie würde als „Jana Jung“ Kommentare … das hätte anders formuliert werden müssen, etwa so: Jana Jung unterzeichnet ihr Posting auf FPÖ unzensuriert mit:

„Beste Grüße, VR“.

Jana Jung gibt damit selbst einen starken Hinweis darauf, daß es ein Pseudonym ist von …

„Allein die von Ihnen kolportierte Behauptung, ich würde für besagtes Medium tätig sein, erfüllt die oben genannten Tatbestände, erschwerend natürlich die Vermutung, dort unter einem Deckmantel zu agieren, ohne dass dies der Fall wäre oder Beweise hierfür ausreichend vorliegen, was die journalistische Sorgfalt jedoch gebieten würde.“

Es wurde in diesem Kapitel nicht einmal geschrieben, sie würde für „unzensuriert.at tätig“ sein. Wenn sie mit „tätig“ meint, niemals bei Unzensuriert angestellt gewesen zu sein, ist dem nicht zu widersprochen, kann und will dem auch nicht widersprochen werden.

Genauso wird aber sie nicht widersprechen können, für Unzensuriert unter ihrem „Klarnamen“ Kommentare verfaßt zu haben, der letzte bekannte „Gastkommentar“ ist vom 31. August 2018 über „Die Musikbranche im politischen Mistkübel“. Eine „Kritik“ von ihr veröffentlicht am 28. August 2018 — na, daß da niemand komme und Unzensuriert auffordere, ihre „Kritik“ zu löschen …

In einem weiteren Posting vom 17. November 2017 führt „Jana Jung“ aus, die ihr Posting (auf unzensuriert „Kommentare“ genannt) mit „VR“ in ihrer Grußformel, wie oben geschrieben, am 17. November 2017 schließt:

„Da ich es selber geschrieben habe, weiß ich ganz was es war. Einmal in der Jungen Freiheit, im Eckart oder bei bmw nachfragen […]“

Es ging in diesem Kapitel, um es zusammenzufassen, also nur um die „Buchvorstellung“ durch Unzensuriert. Von dieser „Buchvorstellung“ und von den „Kommentaren“ dazu wurde erzählt, schlecht erzählt, muß jetzt gesagt werden. Die Verfasserin dieses Buches steht nicht im Mittelpunkt. Es wird in diesem Kapitel auch darauf hingewiesen, was alles „nicht wesentlich ist“. Wesentlich ist nicht das Buch, wesentlich ist nicht, wessen Pseudonym „Jana Jung“ ist, wesentlich sind … aber seit dem 17. Mai 2019 ist auch das nicht mehr wesentlich, welche Verbindungen es gibt, wie in diesem Kapitel angesprochen, zwischen dem für kurze, sehr kurze Zeit gewesenen Vizekanzler in Österreich und …

Dieses Kapitel hätte auch ohne diese E-Mail vom 21. Mai 2019 durchgestrichen werden können, bereits am 17. Mai 2019. Weil es unwesentlich geworden ist, unwichtig geworden ist, Heinz-Christian Strache wieder das ist, was er immer war, nämlich Heinz-Christian Strache, und weiter nichts. Aber in einer Chronik der Wirklichkeit hat es weiterhin seinen berechtigten Platz, auch dieses Kapitel, wenn einmal gefragt werden sollte, wie war das …

Einen bemerkenswerten Satz schreibt sie noch in ihrer E-Mail vom 21. Mai 2019:

„Ich freue mich immer über mediale Verbreitung meines Buches oder Menschen, die sich für mich in die Presche werfen. In diesem Fall habe ich allerdings auch das Medium „unzensuriert.at“ zur Löschung des Beitrages aufgefordert, welche dieser auch sogleich nachkam.“

Auch das ist unwesentlich, erfahren zu wollen, wann sie Unzensuriert dazu aufgefordert habe. Die „Buchvorstellung“ vom 17. November 2017 wurde tatsächlich von Unzensuriert gelöscht. Wann Unzensuriert dazu aufgefordert wurde, wann Unzensuriert dieser Aufforderung zur Löschung nachkam, wird nicht gewußt, denn darüber gibt es in ihrer E-Mail vom 21. Mai 2019 keine Auskunft.

Wesentlich daran aber ist. Wer ein Buch veröffentlicht, hat sich freiwillig in die Öffentlichkeit begeben, will selbst und freiwillig das öffentliche Interesse auf sich ziehen, ist zum öffentlichen Interesse geworden, und kann soher nicht mehr bestimmen, wer darüber schreiben darf, wer darüber nicht schreiben darf, wer etwas veröffentlicht lassen darf, wer etwas nicht veröffentlicht lassen darf. Von daher ist es mehr als unverständlich, daß Unzensuriert die „Buchvorstellung“ gelöscht hat. Darüber hinaus. Was müßte selbst Unzensuriert noch alles löschen, damit keine Verbindung mehr zwischen der Verfasserin, die das, wie es scheint, plötzlich nicht mehr will, und Unzensuriert hergestellt werden kann?

PS Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit, das aufzuklären, weshalb Jana Jung mit „VR“ unterzeichnet, wenn sie einander in der Fuhrmanngasse zufällig begegnen. Schließlich schrieben beide schon – Jung und Rosenkranz – für den Eckart.

Womit nicht gesagt wird, sie sind für den Eckart „tätig“ im Sinne von einem Dienstverhältnis.

PPS Bei der Adresse Fuhrmanngasse 18 fällt unweigerlich der Verein „Friedenswerk“ ein, dessen Obfrau die Schreiberin der E-Mail vom 21. Mai 2019 ist. Wird berücksichtigt, was sie über diese Partei schreibt: öffentlich, wie sie vermerkt:

„[…] FPÖ und lehnte sowohl Politik als auch Führung dieser Partei in den vergangenen Jahren mehrmals entschieden und öffentlich ab, was Ihnen offenbar entgangen sein dürfte. Nicht nur Linke finden widerlich, was dort passiert.“

dann kann vor der zurzeitigen dritten Nationalratspräsidentin aus dieser Partei nur der Hut gezogen werden, wie edelmütig muß sie doch sein, trotzdem im Vorstand eines Vereins zu sein, dessen Obfrau derart …

Ibizabank

Es stehen die Aussichten schlecht, daß die Österreichische Nationalbank fortan gleich unter diesem Namen den Menschen einfallen wird, weil der Name „Ibizabank“ dermaßen sich verfestigt haben wird, in die Umgangssprache aufgenommen wurde, daß ein jeder Mensch sofort wissen wird, welche Bank gemeint ist, wenn von der Ibizabank gesprochen wird, nämlich die Österreichische Nationalbank —

Das Gedankengut, das der gewesene Vizekanzler in diesem Video frank und frei von sich gibt, ist ebenso frank und frei bereits in seiner SMS vom November 18, in der es konkret um die Nationalbank …

Nun wird mit der Suche begonnen, ob etwas von dem, was der gewesene Vizekanzler in dem Ibizavideo von sich gibt, konkretisiert …

Hingegen muß bei der Ibiza-SMS mit keiner Suche begonnen werden. Die Umsetzung liegt offen zutage. Verantwortlich dafür, kurz zusammengefaßt, der Mann, der jetzt durch Ibiza-Ibiza zum zurzeitigen Vizekanzler aufgestiegen ist.

In dem Ibiza-Video spricht der gewesene Vizekanzler auch frei von der Leber weg über Spenden. In der Ibizabank sitzt nun eine Frau, die erst vor kurzem wegen Spenden ins Gerede …

Und wenn von Gedankengut gesprochen wird, ist auch das die Partei des gewesenen Vizekanzlers seit Jahrzehnten prägende Gedankengut ebenfalls auf dem Weg in die Ibizabank, durch ihren Gouverneur, weithin sichtbar, falls sich dieser dazu entschließt, seine Odin-Wiesinger-Medaille als stolze Zierde auf seinem Ibizabankschreibtisch zu platzieren …

Kurz gesagt, das Ibiza-Video in seiner Essenz schon als SMS im November 18

Es gab eine Aufregung, doch ja, aber kurz nur. So ist es in Österreich.

Um den Versender zum Verschicken dieser SMS zu bewegen, mußte nichts getan werden. Es mußte keine Frau engagiert werden, es mußte keine Villa angemietet werden, es brauchte keinen Übersetzer, und schon gar nicht mußte das trachtenschöne Land verlassen werden. Kurz: „Fallen“ mußten nicht gestellt werden. Denn. Der Mann verschickte die SMS ganz alleine, nichts lenkte ihn ab, nichts und niemand mußte ihn dazu bewegen, die Essenz des Ibiza-Videos in eine SMS …

Dennoch enthält allein diese SMS bereits die Essenz des gesamten Ibiza-Videos, das nun zum Ende der schwarzidentitären Regierung führte.

Aber es gibt keine Konsequenzen. Im November 18. Nichts passiert. Kurz: Stillstand. Keine Forderungen nach Ablösung. Keine Entlassung. So ist es in Österreich. Die Menschen freuen sich, fühlen sich sicher, wenn es nur eine Regierung gibt, egal was diese tut, wenn sie nur nicht streitet wie eine österreichische Familie. Alles stabil ist. Der Macht Stabilität, das ist das höchste Gut in Österreich. Die Proporzmacht. Um die ist zu feilen. Sonst gibt es in Österreich nichts zu tun. Alles funktioniert. Auch ohne Regierung. Was soll da eine Regierung tun? Etwas muß die Regierung aber tun, sonst bekommt sie eine Krise. Was für ein Glück, Posten sind zu verteilen. Sie hat doch etwas zu tun. So ist es in Österreich. Ohne Regierung fühlten sich die Menschen ausgesetzt, führungslos, verlassen, für eine Führung ist kein Preis zu hoch. So ist es in Österreich. Eine Führung zu haben, dafür ist alles in Kauf zu nehmen, alles zu schlucken, das sind die höchsten Werte in Österreich: Schlucken, Schlucken, Schlucken …

Und es wäre auch nach dem 17. Mai 19 nichts geschehen, wenn die identitäre Partei sich verhalten hätte, wie die schwarze Partei ihr vorschrieb, sich verhalten zu müssen. Die schwarze Partei mit ihrem Sebastian Kurz hätte mit dieser identitären Partei weitergemacht, wäre der eine Minister, der der schwarzen Partei plötzlich als Minister untragbar sein wollte, aus der Regierung, nein, nicht aus der Regierung ausgeschieden, wäre dieser Minister bloß von einem Ministerstuhl, für den er für Sebastian Kurz nicht mehr akzeptabel, auf einen anderen Ministerstuhl, für den er dann für Sebastian Kurz doch akzeptabel wieder ist, gewechselt. So ist Kurz. Und so ist es in Österreich, das wäre wieder hingenommen worden. Eine weitere Aufregung nur, zum Platzenlassen wie einen Luftballon. Wie von der SMS bekannt, um nur diese beispielhaft zu nennen, die bereits das gesamte Ibiza-Video …

Sie fragen sich jetzt vielleicht, was stand in diesem Video als SMS …

„Unsere Macht zuerst“ – Schäden und Schulden allen sofort

Darum ging es. Kurz zusammengefaßt: „Unsere Macht“.

Damit das nicht vergessen wird, gerade im Hinblick auf die vielen kommenden Wahlen, ist es keine unerfüllbare, weil technisch leicht umzusetzende Idee, diese SMS „Unsere Macht“ beim Ansehen von Auftritten der schwarzen Partei mit ihrem Sebastian Kurz immer als Video einzublenden …

Die ewig identitäre Polka der Getreuen. Versuch eines Kapitels

Wir sind nicht Kurz

„Ich verstehe einfach nicht, was da alles jetzt abläuft“, das sage ich mir jetzt viele Male am Tag. Genau aus diesem Grund frage direkt. Seit wir diesen Film sehen, passiert sehr viel. Es gibt – diktiert mir die Entlassung. Daraufhin. Habe ich den Auftrag bekommen. Was nicht passiert ist, warum diese verstörenden Bilder nicht ebenso verstören. Wir alle sehen ein Sittenbild, das Grenzen zutiefst verletzt. Ein Bild der Respektlosigkeit, des Vertrauensbruchs, der politischen Verwahrlosung. Der Schaden, den diese Bilder anrichten, ist noch nicht abzuschätzen. Besonders, weil viele jetzt „Die sind doch eh alle Kurz!“ sagen. Ich verstehe, dass man so reagiert. Aber ich bitte Sie, genau hinzusehen. Gewählt, um es gut zu machen. Um das gut zu machen, muss sie genau unterscheiden können, was anständig und was unanständig ist, was korrupt und was korrekt ist, was sich gehört und was eben nicht. Anstand nicht nur, wenn gerade Kameras in der Villa an, handelt ständig so aus einer inneren Überzeugung heraus. Wir alle sollten in diesem Sinne danach streben, nicht Kurz zu sein. Politikerinnen tun das auch. Ich bin überzeugt davon, niemand geht in die Politik, um die eben genannten Grenzen zu verletzen. Politikerinnen wollen das Leben in einer Gesellschaft verbessern und ordnen diesem Ziel für gewöhnlich viel unter. Und kommen von ihrem Weg ab. Überschreiten Grenzen, verletzen Menschen, zerstören Vertrauen. Und in diesem Sinne entschuldige ich mich für das Bild, das Kurz bei uns gerade hinterläßt. Wir sind nicht Kurz! So ist Kurz einfach! Das müssen wir nun alle gemeinsam beweisen. Politikerinnen wird dabei eine ganz besondere Rolle zukommen. Wie wir gesehen werden, ist nicht nur wichtig, wenn wir unterwegs sind. Sondern vor allem auch und nicht nur für kurz, sondern auf lange wichtig für unsere Exportwirtschaft, Unternehmen sich ansiedeln. Touristinnen gerne kommen. Das ist eine triviale Frage, die sich Kurz nicht stellt. Hier geht es um unsere wirtschaftliche Zukunft, um Arbeitsplätze. Mit dieser Verantwortung spielt man nicht. Das Bild wiederherzustellen. Vertrauen aufzubauen – das alles wird nur gemeinsam gehen. Kurz möchte ich deutlich sagen: Jetzt ist nicht die Zeit der Reden. Ich appelliere an alle Verantwortungsträgerinnen, die politische Verantwortung handelnd zu tragen. Denken Sie jetzt nicht einmal für kurz daran, was Sie für kurz herausschlagen können, sondern denken Sie daran, was Sie tun können. Fragen Sie nicht kurz: Hilft es bei der Wahl? Fragen Sie: Hilft es für lange? Hilft es im Inneren, stärkt es die Glaubwürdigkeit? Ich bitte Sie. Wenden Sie sich nicht von der Politik ab. Denken Sie nach, und vor allem: beteiligen Sie sich. Gehen Sie auch wählen! Mit Kurz – das kriegen wir schon hin, mit etwas Mut und Zuversicht.

Da es vom seienden Tag, wie dieser sich besonders im Mai 19 zeigt, nur Abwendung geben kann, kann denn nur in die Zukunft vorgetaucht werden. Wie würde Éric Vuillard in einigen Jahren, vielleicht in fünf oder zehn Jahren ein Kapitel schreiben über diese Tage in Österreich im Mai 19? Wenn er sich je noch einmal entschließen würde, Österreich in einem Buch vorkommen zu lassen, wie in seinen Büchern „Die Tagesordnung“ oder „Ballade vom Abendland“. Um der Gegenwart entgehen zu können, muß das angenommen werden. Er schreibt also ein Buch, in dem auch Österreich vorkommt, in fünf oder zehn Jahren. Er nennt es: „Die ewig identitäre Polka der Getreuen“. Das Buch handelt von dem „Bündnis der Rechten“ in Europa, dem mannigfach zum Aufstieg verholfen wird. Das Kapitel mit Österreich könnte so geschrieben sein, wie oben es versucht.

Und der vom Verlag in „Die ewig identitäre Polka der Getreuen“ gedruckte Klappentext? Dieser könnte knapp und bündig ausfallen, etwa so:

Wir kennen alle Details. Den Beginn. Den Verlauf. Das Ende. Doch die Wahrheit über diese fundamentale Erschütterung kennen wir nicht. Vuillard führt uns diese Unkenntnis mit seiner Geschichtsrhapsodie vor Augen. Er vermischt die sonst säuberlich getrennten Perspektiven und fügt sie zu einem neuen Ganzen zusammen. In seinen Szenen verbindet er die gemeinsamen Tänze der Mächtigen mit dem von ihnen hinterlassenen Elend.

Österreich im Mai 19: Zeugung einer Diktatur

„Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) verteidigte seine Entscheidung für den Montag als Termin der Sondersitzung in einem kurzen Pressestatement – ohne Fragemöglichkeit. Das Thema wäre nicht Europa, sondern die innenpolitische Situation gewesen. Und ‚es gebietet der Respekt vor den wahlwerbenden Parteien‘, ihnen in der Woche vor der EU-Wahl nicht ’noch weiteren Raum zu nehmen‘ in der Öffentlichkeit.“

Wäre die Verteidigung der Verhinderung einer Sitzung im Parlament von Wolfgang Sobotka ein literarischer Text, würde dieser eingereiht werden in die Gattung „Dada“; milde belächelt, weil ein Jahrhundert zu spät, also vollständig überholt, strenger geurteilt: nur noch „Gaga“ … aber wer weiß, vielleicht wird einst darüber anders geurteilt: „Gaga“ als wichtigster österreichischer Beitrag zum 21. Jahrhundert …

Aber es ist kein literarischer Text. Es ist die Aussage des zurzeitigen Nationalratspräsidenten in Österreich. Wo sonst als im Parlament sollte das, was seit dem 17. Mai 19 in Österreich vor sich geht, raschest behandelt werden?

Sobotka, Kurzens Bote, der die Presse als Botin mißbraucht. Auch bei ihm waren keine Fragen zugelassen, das Oberkommando verkündet, diktiert, nehmet die Hostie aus meinem Munde und gehet hin zu verkünden meines Herrn …

Seit dem 18. Mai 19 erleben die Menschen in Österreich, kurz gesagt: die Gesichter der Diktatur, die Fratzen heruntergerissen.

Vielleicht hätte Kurzens Bote den Parteien am morgigen Mittwoch im Parlament eine Sondersitzung erlaubt, hätten sie ihm nur versprochen, Stocker in das Parlament einzuladen, Dworak sprechen zu lassen, der von Europa so viel versteht, wie eben Identitäre von Europa verstehen wollen, dann hätte Kurzens Bote vielleicht sogar zusagen können, es werde sein Diktierer selbst kommen, da dieser sich doch immer freue, über Europa mit sich auszutauschen, und mit ihm Gleichwertigen, und wer ist ihm gleichwertiger als …

Aber die Parteien, die eine Sondersitzung für den morgigen Mittwoch wollen, ist eine Sitzung im österreichischen Parlament über das, was eben in Österreich geschieht, wichtiger, als schwarzparteiliche Manöver. Ohne Taktik, ohne Strategie verlangen sie ehrlich vorgebracht, worüber sie in der „Öffentlichkeit“ sprechen wollen, also im Parlament, das für Kurzens Boten kein „Raum“ der Öffentlichkeit ist, eine Sondersitzung.

Hätten die Parteien schwarzparteiliche Taktik, schwarzparteiliche Strategie angewandt, dann hätten sie für den morgigen Mittwoch eine Sondersitzung zum Thema „Europa“ verlangt. Wie die Antwort des Kurzens Boten ausgefallen wäre? Nun, die kennen Sie. „Gaga“ ist keine Kunst, die hohe Anforderungen an die Interpretation stellt.

Kurzens Bote hätte eine von „wahlwerbenden Parteien“ geforderte Sondersitzung zum Thema „Europa“ am morgigen Mittwoch wohl folgendermaßen abgelehnt:

„Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) verteidigte seine Entscheidung [, keine Sondersitzung zum Thema Europa zuzulassen,] ohne Fragemöglichkeit. Das Thema wäre nicht Europa, sondern die innenpolitische Situation gewesen.“

Um zu einem Ende zu kommen, in diesem unerfreulichen Kapitel. Was zu einer Zeugung einer Diktatur immer dazu gehört, sind die an entscheidenden Stellen in einem Staat Sitzenden, die sich verführen lassen …

Aber es ist erst das Rammeln, das zur Zeugung einer Diktatur führen soll. Aber gezeugt wird nichts werden. Da kann noch so bis Sonntag gerammelt werden. Denn es kommt nicht auf die Rammler an, nicht auf deren Boten, auch nicht auf die Verführten an entscheidenden Stellen, sondern allein auf die Menschen, die wählen, bereits am kommenden Sonntag und in jeder danach kommenden Wahl können die Menschen durch ihre Stimmabgabe diese aufklären, der schwarze Samen befruchtet nichts, die paar schwarzen Spritzer gehen in das reißfeste Kondom der Marke Demokratie und vielleicht noch ein oder zwei schwarze Spritzer in die türkise Hose …

Noch sitzt ihr da oben: Kurz zu einem Gedicht, das sich erfüllt, in Österreich, von Tag zu Tag im Mai 19.

Das Gedicht, das auch von dem nunmehrigen „einfachen Mitglied“ der nunmehr gewesenen Regierungspartei recht geliebt wird, hat sich für seine Partei bereits erfüllt.

Aber es hat sich das Gedicht noch nicht ganz erfüllt.

Ehe diese Woche zu Ende ist, wird sich das Gedicht ganz erfüllt haben.

Und ebenfalls nicht mehr oben sitzen wird jener, am Ende der Woche, der für kurze Zeit in Österreich für Veränderung eintrat, alles eintrat, was er für sich nur einzutreten sah, aber nur für eine Veränderung, so wird es in Erinnerung bleiben, für die Veränderung des Namens für das „einfache Mitglied“. Das „einfache Mitglied“ nun, im Mai 19, heißt nicht Jörg Haider, sondern …

Das ist die kurze Zusammenfassung, die bereits und zum Glück nach gerade einmal siebzehn Monaten gemacht werden kann: die gesamte versprochene Veränderung ist nur ein Name für ein weiteres „einfaches Mitglied“ – Schall und Rauch, wie es so treffend heißt in bezug auf Namen.

Mehr an Veränderung ist mit einer identitären Partei nicht zu haben, mehr Veränderung ist von einer Partei, die mit einer solchen regieren will, nicht zu haben, als der Austausch von Namen …

Das Gedicht aber wird sich ganz erfüllt haben, wenn die Wählerinnen und Wähler schon beginnend mit der Wahl am kommenden Sonntag und weiter in jedweder kommenden Wahl deutlich dafür stimmen, für das ein Gedicht erst geschrieben werden muß.

Jetzt sitzt ihr da oben …

So kann das neue Gedicht beginnen, das dann davon erzählt, wer und vor allem was deutlich gewählt wurde. Kurz ein paar Stichworte hierfür, Begriffe, die jenen, die bis zur Ende dieser Woche noch oben sitzen, Fremdwörter sind: Ehrlichkeit, Verantwortungsbewußtsein … Oh, es könnten noch viele Begriffe angeführt werden, die aus dem Regierungswörterbuch in den letzten siebzehn Monaten gegen die Menschen gestrichen wurden.

Aber die Wähler und Wählerinnen wissen diese ohnehin alle, und, das Gedicht muß gar geschrieben werden, es muß nur nach diesem Gedicht gewählt werden, und die Ergebnisse jedweder kommenden Wahl werden dieses Gedicht „Jetzt sitzt ihr für uns da oben“ sein.

Das Oberkommando der Verbindungsoffiziere gibt bekannt …

In Österreich, seit dem 17. Mai 19:

Niemand tritt vor die Presse. Die Frage der Zulassung von Fragen stellt sich nicht.

Einstweilen wird es Mittag. Samstag.

Strache tritt vor die Presse. Ein Rücktritt. Aber Fragen sind nicht zugelassen.

Kurz tritt vor die Presse. Noch kein Rücktritt. Aber Fragen sind ebenfalls nicht zugelassen.

Der Bundespräsident tritt vor die Presse. Bei ihm stellt sich die Frage des Rücktritts selbstverständlich in keiner Weise. Aber Fragen sind weiter …

Der Bundespräsident tritt mit Sebastian Kurz vor die Presse. Noch kein Rücktritt von Kurz. Aber Fragen sind weiter …

„An dieser Stelle möchte ich auch auf die wesentliche Rolle hinweisen, die unabhängiger Journalismus in einer funktionierenden liberalen Demokratie spielt.“

Sagt der Bundespräsident in seiner Erklärung am 18. Mai 19, wie fein, daß er die Presse lobt, nur befragen soll sie auch ihn nicht. Von den anderen ist nichts anderes zu erwarten, für sie sind Journalisten und Journalistinnen ihre Boten, Meldegängerinnen, die verbreiten sollen, was sie ihnen auftragen …

Von dem derzeitigen Bundespräsidenten jedoch hätten wohl viele einen anderen Stil erwartet, besonders aufgrund seiner beruflichen Laufbahn, wie er sich gab, als er noch nicht Bundespräsident war. So muß es wohl, um eine längst vergangene Zeit als Beispiel herzunehmen, in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in Österreich gewesen sein. Vielleicht können Menschen, die das noch erlebten, einmal erzählen. Wie das war. Als die Herrschenden vor die Presse traten und verkündeten und verkündeten, was sie hinter verschlossenen Türen, das die Journalisten mitzustenographieren hatten, ohne Fragen zu stellen, oder es gab Fragen, ein Bundeskanzler, ein Bundespräsident, die nachfragten, ob eh alles ordentlich aufgeschrieben worden sei. Mit der väterlich gütigen Ermahnung, alles so brav zu drucken. Und dann verschwanden sie wieder hinter den gepolsterten Türen, um …

Sebastian Kurz tritt vor die Presse. Noch kein Rücktritt. Mittlerweile ist es Montag geworden. Aber Fragen sind weiter …

Es wäre also angebrachter, da sie, obgleich gewählt, auch dazu, Rede und Antwort zu stehen, ohnehin keine Fragen beantworten wollen, daß sie gar nicht selber mehr vor die Presse treten, sondern einfach diese Verkündigungen den Verbindungsoffizieren der Ministerien, des Präsidentschaftskanzlei, des Bundeskanzleramtes überließen. Wozu diese auch gar nicht persönlich vor der Presse erscheinen müßten, es könnte einfach durch Funk und Fernsehen übertragen werden, zu Beginn mit einer gewichtigen Musik als Signal, nun komme etwas Wichtiges, und dann:

Das Oberkommando der Verbindungsoffiziere gibt bekannt …

Wenn Sebastian Kurz, um einen Tag noch in dieser Woche zu nehmen, am Donnerstag vor die Presse tritt. Wer wird dann noch …