Ausschluß von NR Susanne Winter aus der FPÖ wieder ein der FPÖ bereiteter Erfolg

Susanne Winter und der Mut des Armin WolfErstens: Es darf angenommen werden, es war niemand aus den Reihen der FPÖ, der oder die das antisemitische  Posting, das nun zum Ausschluß von Susanne Winter aus der FPÖ führte, öffentlich machte. Wie viele aus der FPÖ hatten dieses Posting bereits gelesen, ohne zu befinden, da muß scharf reagiert werden? Wie viele aus der FPÖ hatten dieses Posting bereits gelesen, und für sich zustimmend genickt und gedacht, das ist „unsere NR, recht fein, sie als Abgeordnete im Parlament zu haben“?

Zweitens: Auf ihrer Seite der Plattform des Unternehmens Facebook schreibt Susanne Winter zu ihrer Verteidigung, ihr sei antisemitisches Gedankengut immer völlig zuwider gewesen, und weiter schreibt sie:

„Mit meinem Posting wollte ich einzig und allein die Stellungnahme von Orban zur Debatte bringen.“

Tatsächlich schrieb Susanne Winter am 30. Oktober 2015:

„Gratulation an Viktor Orban!

Endlich mal ein europäischer Politiker, der das Kind beim Namen nennt…..Orban hat meine volle Unterstützung!!! Weiter so!!!

http://www.spiegel.de/…/fluechtlingskrise-viktor-orban-mach…

Was nannte Herr Orbán „beim Namen“?

„Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat den US-Milliardär und Philanthropen George Soros für die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen in Europa mit verantwortlich gemacht. ‚Diese Invasion (von Migranten) wird einerseits vom Schlepper-Business gelenkt, andererseits von jenen (Menschenrechts-)Aktivisten, die alles unterstützen, was die Nationalstaaten schwächt‘, sagte der rechtskonservative Politiker im staatlichen Rundfunk.“

Das allein hätte zu keinen Forderungen geführt, Susanne Winter müsse zurücktreten, das hätte zu keinem Parteiausschluß geführt, es eine „Invasion“ zu nennen und „Menschenrechtsaktivisten“ dafür verantwortlich zu machen, daß Menschen fliehen müssen, auch nach Europa; das reicht in Österreich nicht mehr für Rücktrittsaufforderungen, nicht mehr für Nichtwählbarkeit einer solchen Partei, das wird hingenommen – schon so etwas geworden wie state of the country

Dieses winterische Posting haben viele mit „Gefällt mir“ markiert, u.a. ein Bernd Brandner, freiheitlicher Kammerrat aus Steinfeld, Kärnten … Auch wenn diese Zuweisungen nicht geschrieben werden wollen, aber zur Verdeutlichung muß es mit Widerwillen geschrieben werden: George Soros ist Jude, und er gilt gerade in Ungarn für Antisemiten als Inbegriff für alles, was Antisemitinnen Juden nur verschwörungstechnisch vorwerfen können. Beinahe könnte gesagt werden, Herr Orbán ist ein kluger Mann, jedenfalls klüger als Susanne Winter will es scheinen, denn er weiß, es genügt, „Soros“ zu sagen, um das zu meinen, was dann im Posting stand, das in Österreich zur Empörung wurde, wie die Tageszeitung „Die Presse“ etwa schrieb:

Dieses Posting Winters wurde von einem User folgendermaßen kommentiert: „Die Zionistischen Geld – Juden Weltweit sind das Problem. Europa und Deutschland im speziellen bekommt nun von den Zionistischen Juden und speziell von den Reichen Zionistischen Juden in den USA die Quittung für Jahrhundertelange Judenverfolgung in Europa. Europa und im Besonderen Deutschland sollen nach dem Willen der zionistischen Juden als wirtschaftliche Konkurrenz gegenüber den USA ein für alle mal ausgeschaltet werden.“ Daraufhin antwortete Winter: „…..schön, dass Sie mir die Worte aus dem Mund nehmen ;-). Vieles darf ich nicht schreiben, daher freue ich mich um so mehr über mutige, unabhängige Menschen!“

Diese zwei Postings wurden inzwischen gelöscht. Weiterhin zu lesen aber ist auf der Seite von Susanne Winter ihre Gratulation für Herrn Orbán, das „Gefällt mir“ von Bernd Brandner …

Herr Orbán ist ein kluger Mann, jedenfalls klüger als die Empörten in Österreich will es scheinen, die zum Erkennen von Antisemitismus recht deutliche Formulierungen …

Drittens: Hätte es also Susanne Winter dabei belassen, bloß Herrn Orbán für das klare „Soros“-Wort zu gratulieren, es wäre kein Parteiausschluß erfolgt, es hätte keine Empörung in Österreich gegeben. Wäre sie bloß bei der gesinnungsgemäßen Linie geblieben, das „Volk“ zum Aufstehen, zum Revoltieren anzustacheln, Österreich als ein Land „im Krieg“ zu sehen, das Lob wäre ihr weiterhin gewiß gewesen, die Empörung erspart geblieben …

Viertens: Was hat diese Empörung über Holzhammerpostings, die in Österreich tatsächlich schon Holzhammerpostings sein müssen, um es zur Empörung zu bringen, tatsächlich gebracht? Zum einen einmal einen Erfolg für die FPÖ. Sie kann sich damit als eine Partei darstellen, die sich von Antisemitismus abgrenzt, dafür aber weiter ungehindert und stimmenbelohnt gegen Menschen … Das muß nicht noch einmal gelistet werden, das kann beispielweise nachgelesen werden:

Antisemitismus hat in Österreich keinen Platz – Eine Entwicklung zum Guten?

Ach, da ist ja auch etwas Antisemitisches wieder dabei …

Zum anderen hat sich für Susanne Winter nichts geändert. Sie als NR ist weiter im österreichischen Parlament als Abgeordnete, umworben von Parteien, namentlich von der NPÖ …

PS Aber es gab in diesem Fall auch ein erfreuliches Erlebnis: es durfte der ungeheure Mut von Armin Wolf bewundert werden, wie er die nun von FPÖ ausgeschlossene und also unbeschützte Susanne Winter fragte:

„Was haben Sie im österreichischen Parlament verloren?“

Darauf darf Armin Wolf tatsächlich stolz sein, derart stolz, daß er die Transkription dieses seines mutigen Interviews auf der Plattform des Unternehmens Twitter mit Recht verbreitet. Ach, was für mutige Fragen dürfen von Armin Wolf noch erwartet werden, an nicht ausgeschlossene und nicht den Schutz der FPÖ Verlorene, etwa an NR Wendelin Mölzer oder NR He.-Chr. Strache oder Manfred Haimbuchner oder NR Barbara Rosenkranz oder … oder … oder …