Österreich: Ein toter Pudel bekommt mehr Platz als 16.000 Kinder, die täglich sterben

Die Umsonst berichtet am 10. September 2015:

„UNO: 16.000 Kinder sterben täglich
New York Laut einem schockierenden Bericht des UN-Kinderhilfswerks UNICEF sterben pro Jahr 5,9 Millionen Kinder – elf pro Minute oder 16.000 pro Tag. Die häufigste Todesursache ist Lungenentzündung. 45 Prozent der Todesfälle ereignen sich im ersten Lebensmonat. Doch immerhin: Seit 1990 konnte die Kindersterblichkeit halbiert werden.“

„Lungenentzündung“ – ach, die armen Kinder. Bei einer „Lungenentzündung“, da kann nichts gemacht werden, eine „Lungenentzündung ist einfach Schicksal, und Schicksal ist ohne Ursache …

Österreich - Ein toter Pudel bekommt mehr Platz als sechszehntausend Kinder die täglich sterbenImmerhin aber hat die Umsonst bei dieser Meldung nicht noch mehr gespart – großzügig hat sie den Bericht einen „schockierenden“ genannt. Wenn Kinder sterben, ist in diesem Land der Musikantenstadlseligkeit doch jeder Mensch geschockt, sogar die Macher und Macherinnen der Umsonst. Schockierend allerdings sind tatsächlich die Ursachen der hohen Kindersterblichkeit. Schockierend ist tatsächlich auch, in welchen Teilen der Welt die Kindersterblichkeit hoch ist. Das alles kann in dem UNICEF-Bericht nachgelesen werden. Von der Unterernährung, die in nahezu der Hälfte der Todesfälle eine Rolle spielt. Und so weiter und so fort. Und wer noch mehr über die gemachten Ursachen wissen will, wird beispielsweise bei Jean Ziegler fündig werden, und dann schockiert sein, wie die Umsonst dafür gerade einmal fünfzig Worte … Fünfzig Worte der Verharmlosung und Schönfärberei.

Möglicherweise wäre es für die Umsonst von den Werbeeinahmen her geschäftsschädigend, darüber genauer und ausführlicher zu berichten. Eine Werbekundin könnte es sich beim nächsten Mal überlegen, ob sie je noch in der Umsonst inseriert, wenn diese große und genaue Berichte brächte über die Ursachen auch der Kindersterblichkeit. Ein solch ausführlicher Bericht hätte in der heutigen Ausgabe der Umsonst auch nicht zu den zwei Inseraten (eines davon  sogar ganzseitig) der FPÖ gepaßt, die auch nichts von Ursachen wissen will, sondern bloß ganz faktenfrei und datenfrei chräht, ganz Afrika will nach Europa, nach Österreich ….

Zu den Inseraten der FPÖ passt doch viel besser ein ausführlicher Bericht über „ein Bild, das zu Tränen rührt“ … Haben doch alle ein großes Herz für … Und es ist auch um vieles einfacher, die Ursache kann schlicht genannt werden, ein „Taxler“ war es, es kann auch sofort so einfach gehandelt werden: zu bitten, es auf „Facebook“ zu teilen … Es kann nicht nur gehandelt werden, sondern auch gleich alarmiert werden, schlicht nämlich der „Chef des Taxlers“ …

Und es passt doch auch viel besser mit Garantie auf weitere Aufträge zu den Inseraten der FPÖ der Bericht über die „Flucht seit Monaten von dem Känguru Pauli“ – aber „jetzt wurde das Tier wieder gesichtet“ …

Und es passt doch auch viel besser zu den Inseraten der FPÖ der ausführliche Bericht über das „zugewanderte Tier“: „Wolf richtete Blutbad an“. „Sie haben sehr gelitten, wir mussten die verletzten Schafe töten. Sie lagen mir am Herzen, es tat sehr weh!“ „Der Wolf genießt bei uns Artenschutz. Denn mit Ende August ist nämlich die Abschussbewilligung für das Tier ausgelaufen.“

Es will gar nicht gezählt werden, wie viele Wörter die Umsonst heute allein für die drei Tierberichte …

PS Die Umsonst wird zwar kostenlos verteilt, aber gratis ist sie nicht. Sie kostet das Steuergeld der Menschen in diesem Land, das für Inserate von öffentlichen Stellen und von Parteien ausgegeben werden.