Auschwitz en los tiempos del teléfone inteligente

Ausschwitz in Zeiten des Smartphones

Das Gestottere, das Gestammel, das Radebrechen an diesem späten Nachmittag des 18er Jahres im österreichischen Parlament ging noch lange weiter und als die Abschweifung zu den Überlegungen von Kollegen und Kameraden keine Ablenkung mehr brachte, das erfolgreiche Weghören nicht mehr gelang, war zu entscheiden, entweder den Apparat auszuschalten oder zu einer weiteren Abschweifung zu flüchten.

Als es in den Reden um Schaulustige ging, um ein zu beschließendes Gesetz zur Vermeidung von Behinderungen der Einsatzkräfte etwa bei Unfällen auf den Straßen durch Menschen, die die Verletzten und die Toten ungehindert und von den dafür besten Positionen aus fotographieren und filmen wollen, aggressiv und rabiat werden, wenn sie bei ihren Versuchen, die besten Fotographier- und Filmpositionen zu erstürmen, um beste Fotos und Filme von den Trümmern, von den Wracks, von den Verletzten und Toten, von den Blutlachen und den verzweifelten Rettungs- und Bergungsversuchen herzustellen, war längst schon die Flucht in eine weitere Abschweifung erfolgreich gelungen, funktionierte das Weghören längst schon wieder einwandfrei.

Mit welchem Eifer wird, so setzen die Überlegungen bei der Flucht in die nächste Abschweifung ein, gerade in diesem 18er Jahr von Lagern für Menschen gesprochen, es werden mannigfache Bezeichnungen bemüht, Anlandelager, Anhaltelager, Zentren zum Konzentrieren von Menschen und noch etliche mehr Bezeichnungen werden bemüht, um Lager schmackhaft zu machen, alle an Lager als selbstverständliche oder menschgemäße oder menschgerechte, als naturgegebene oder als gottgegebene Orte der Haltung von Menschen zu gewöhnen, und menschgemäß sollen diese Lager „außerhalb von Europa“ sein, denn innerhalb Europas soll das Selfie von dem durch und durch humanen Kontinent, von dieser Trutzburg zur Verteidigung des Menschlichen keine Flecken bekommen, rein und schön soll das Selfie sein und ewiglich bleiben, so unschuldig rein, daß in der Beichte je keine Sünden zu bekennen sind, sondern dem lieben bei Gott angestellten Manne das Gute nur mehr gebeichtet werden kann, ihm zum Beweise die Selfies durch die holzvergitterte Durchreiche geschoben werden können.

Und allmählich gewöhnen sich alle an die Vorstellung, Lager zum Halten von Menschen einzurichten, wissen alle davon. Noch wird dagegen gesprochen, aber es wird schwächer und schwächer, es werden immer weniger und weniger Menschen, die dagegen sprechen, und jene, die nicht aufhören werden wollen, zu widersprechen, es werden schließlich so wenige sein, daß auch diese leicht noch unterzubringen …

Was tun diese Menschen, von denen gewollt wird, daß sie in Lagern gehalten werden? Sie sollen in Lagern gehalten werden, nicht weil sie beispielsweise einer bestimmten Ethnie zugeordnet werden, nur deshalb also, weil sie einer Ethnie zugeordnet werden, das allein als Verbrechen bestimmt ist, einer bestimmten Ethnie zugerechnet zu sein, pauschal und absolut damit identifiziert zu in Lagern zu haltenden und schließlich zu vernichtenden, sie sollen in Lagern gehalten werden, weil sie sich gegen die Natur oder gegen Gott versündigen, sündig werden durch ihr widernatürliches oder widergöttliches Begehren, sich in der Welt frei bewegen zu wollen; was für eine Niedertracht, was für eine Perversion, dieser ungezügelte Trieb, den zu kontrollieren sie nicht imstande sind, den Lebensort selbst wählen zu wollen, und was für eine Anmaßung von ihnen zu meinen, Gott oder Europa zu sein, denn es steht geschrieben, nur Europa oder Gott sind Pflicht und Recht gegeben, zu wandeln auf der Erde, überall auf der Erde, wo es Gott oder Europa zu wandeln gelüstet, nach seinem Sinne.

Wie weit es Europa gebracht hat, muß nun im absoluten Weghören der Parlamentsdebatte, als wäre der Apparat längst schon ausgeschaltet, so gut ist die Flucht davor gelungen, gedacht werden, wie gut alles in Europa geworden ist, und recht besonders in Österreich, wie weit es Österreich gebracht hat, wie das Rechtgute sich in Österreich nun Tag für Tag mehr durchsetzt, in der Beichte nur mehr das Rechtgute einzubekennen ist, da nun alles, was es einst an Schlechtem und Sündigem gab, überwunden ist, das es einst gab und nun nur noch als Bezeichnungen in alten Wörterbüchern, die ab und an noch in Antiquariaten zu finden sind, wie Rassismus, Antiziganismus, Antisemitismus, wie das überwunden ist, Menschen auszugrenzen, Menschen nur wegen ihrer Herkunft in Lagern zu halten und nicht, weil sie etwas täten, das …

Wie alles in Europa und recht besonders in Österreich 18 überwunden ist, das in zwei Wörtern kurz ergreifend schlicht zusammengefaßt werden kann, weil diese zwei Wörter das alles abdecken, was es einst an Schlechtem gab: Faschismus, Nationalsozialismus. Mit welcher Freude und ohne Sorge können nun die Angestellten Gottes in die Beichtstühle eilen, weil sie wissen, wem immer sie die Beichte abzunehmen haben, eines werden sie von den Beichtenden nicht hören, sie seien in Sünde, weil sie Faschistinnen, weil sie Nationalsozialisten … nur das Rechtgute noch in der Beichte und zu dessen Belohnung singen den Menschen nach deren Beichte die guten Gottesmänner zehnmal das Ave Maria und beten ihnen fünfmal den Rosenkranz. Und ist das gebeichtete Rechtgute von solch einem noch nie gehörten Ausmaß, darf der beichtende Mensch sich auf ein ihm sechsmal vorgetragenes Vaterunser als zusätzliche Belohnung …

Für einen Augenblick ist die Parlamentsdebatte doch wieder gegenwärtig, es drängeln Unfälle, Fotographieren, Handy, Videos und Smartphones, Schaulustige und Blaulichtorganisation in die Überlegungen zum Abschweifen … wie wären damals, wenn es bereits Smartphones gegeben hätte, die Lager gestaltet worden, die Lager des deutschen reiches, beispielsweise Auschwitz … Auschwitz hat freilich mit den Lagern nichts gemein, die nun, Jahrzehnte später, allen schmackhaft zu machen versucht wird, vor allem durch den entscheidend wesentlichsten Unterschied, und das ist der Endzweck.

Der Endzweck von Auschwitz war die Massenvernichtung von Menschen. Der Endzweck von den nun propagandierten Lagern zum Halten von Menschen ist die Fernhaltung von Menschen. Diese Unterscheidung der Endzwecke muß so eindrücklich betont werden, weil diese nicht jedem Menschen so klar ist, nicht einmal jenen Menschen, von denen gemeint werden könnte, das müßte ihnen aufgrund ihrer Bildung und ihrer Position vollkommen klar sein …

Damals gab es noch keine Smartphones. Also ist die Überlegung überflüssig, wie wären die Konzentrationslager und Vernichtungslager damals anders gebaut worden, hätte es bereits die Epoche der Smartphones gegeben.

Nun gibt es die Smartphones, aber keine Faschisten und keine Nationalsozialistinnen mehr. Um in der Abschweifung zu bleiben, kann dennoch auch darüber räsoniert werden. Angenommen, es gäbe, beispielsweise in dem Österreich von 18, Nationalsozialistinnen, es gäbe eine von Nationalsozialisten besetzte Regierung, welche Architekturpläne würden diesmal für Auschwitz erstellt werden, für ein Auschwitz in den Zeiten des Smartphones.

Voranzustellen ist. Im damaligen, in diesem madige zwölf Jahre währenden deutschen reich der Massenmorde und Massenverbrechen in den Vernichtungslagern und Konzentrationslagern geschah nichts im Geheimen. Es konnte auch nicht im Geheimen geschehen, wird allein das benötigte Personal etwa, wie im damals volkstümlich bis heute Ostmark genannten Österreich konkret gedacht, für Mauthausen mit seinen rund vierzig Nebenlagern auf dem Gebiet der Donau- und Alpenreichsgaue. Mauthausen und die vierzig Nebenlager waren kein erst nach mehrstündigem Fußmarsch erreichbares und vor der Welt verstecktes Schloß Silling im Schwarzwald, sondern inmitten der Wohnstätten … Und die Nationalsozialisten verschwiegen sich ganz und gar nicht, die Nationalsozialistinnen warben für ihre Lager, für ihren Endzweck. Darin, sind die Endzwecke auch verschieden, ist kein Unterschied, auch in der Gegenwart geschieht nichts im Geheimen, ist alles öffentlich, wird geworben, besprochen, verbreitet …

Die Nationalsozialisten des Vernichtungslagers Auschwitz waren modern in technischer Hinsicht, die gesamte technische Moderne wurde von den Nationalsozialistinnen gierig aufgesogen und für ihren Endzweck auf jedwede Art und Weise eingesetzt, sei es in der Propaganda, sei es beim Errichten ihrer Konzentrationslager und Vernichtungslager, sei es und so weiter und schrecklich fort. Nicht anders würden, gäbe es in der Gegenwart Nationalsozialistinnen, Nationalsozialisten ein weiteres Mal verfahren, die gesamte technische Moderne für ihren Endzweck als Mittel einsetzen.

Wie würden sie also heute ihr Schloß Silling inmitten der Wohnstätten errichten, wie ihr Auschwitz heute allen schmackhaft machen, welche Garantien müßten sie heute umfassend abgeben, um auf des Volkes Akzeptanz zählen zu können, des Volkes mehrheitliche Zustimmung zu bekommen, ja, mehr noch, bis sie schließlich verkünden würden können, sie erfüllen bloß des Volkes Forderung nach einem Auschwitz?

Zum Andenken an die Arena des Volkes

Sie müßten wohl nur schlicht und ergreifend gewährleisten, daß ein jeder Mensch, der von seinem Smartphone ausgeführt wird, die beste Position für das Fotographieren und das Videotieren einnehmen kann, freie und ungehinderte Sicht auf Auschwitz hat. Architektonisch würden sie wohl zur Lösung gelangen, Auschwitz müsse inmitten eines Panoptikums errichtet werden. Den Begriff Panoptikum aber würden sie wohl nicht verwenden; dieser könnte dem Menschen die Augen öffnen, daß er selbst ebenfalls … vielleicht würden sie es Arena des Volkes nennen, die im Stil von Fußballstadien …

Parallelzug - Arena des Volkes

Schon die Anreise zur Arena des Volkes müßte nicht nur eine luxuriös bequeme, sondern vor allem der Garantie des freien und ungehinderten Fotographierens und Videotierens unterworfen sein. Dafür eignet sich der Individualverkehr nicht. Hervorragend dafür die kollektive Anreise in Zügen. Es würden je zwei Züge in gleicher Geschwindigkeit parallel zueinander geführt werden, in dem einen Zug der Container mit transparenten Wänden die Menschen, die in das Lager im Stadion deportiert werden, im anderen Zug mit Waggons der edelsten Ausstattung die Schaulustigen mit Smartphonebestpositionsgarantie zu ihren Rängen mit dem schönsten und vor allem uneingeschränkten Panorama auf …

Auschwitz in Zeiten des Smartphones - Mit dem Zug zur Arena des Volkes.png

 

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