Von der Gegenwart aus, im Rückblick, gewinnt die Überzeugung, es war eine Komödie geplant. Eine Komödie, für die aber keine Geschichte erfunden wurde. Auch keine Handlung. All das interessierte nicht. Eine Handlung wurde, eine Geschichte wurde nicht einmal ansatzweise entworfen. Die Sprache war es, die interessierte, die Sprache der Ungleichheit. Ihre Herrschaft zu brechen, das Regime des Verschweigens abzusetzen, der Sprache eine Verfassung zu schreiben, die garantiert, daß Frau und Mann in ihr ein gleichberechtigtes Leben führen können, die Teilung der Wirklichkeit in zwei Wirklichkeiten aufzuheben …
Irgendwann wurden die Notizen entsorgt – zu großes Wort. Bei einem Wohnungswechsel wurde einfach vergessen, diese ebenfalls mitzunehmen. Oder die Notizen wurden beim Ausmalen einer Wohnung zum Abdecken des Bodens verwendet. Und dann, vollgespritzt mit Farbe, weggeworfen, wie eben Abdeckplanen nach getaner Malarbeit … Notizen ist dafür nicht das passende Wort. Es war ein vollständig ausgearbeitetes Regelwerk. Auch auf große Plakate übertragen, vollständig ausgezeichnet, gleich einem Plan für eine Stadt, die in ihrer Gesamtheit umzubauen ist …
Es kann auch so gewesen sein, daß diese großen Plakate mit dem Regelwerk in einer der Wohnungen als Tapeten Verwendung fanden, und diese dann, unansehnlich geworden, vergilbt auch durch Zigarrenrauch, eine Entscheidung verlangten, neu zu tapezieren, oder – die Wohnung wurde gewechselt, und die Nachmieterin riß, darf angenommen werden, verständlicherweise das Regelwerk von den Wänden, um die Wohnung menschgemäß nach ihrem Geschmack …
