Vom Parlament, vom Rathaus nur eine Armlänge zur Stöhr

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Was würde eine Buchhandlung über die Menschen, die sie aufsuchen, erzählen können? Was erzählte Stöhr über ihre Käufer und Käuferinnen?

Es wird gewußt, was die Unzensuriert über Stöhr schreibt: Lob und Empfehlung. Und vor allem, bei ihr die Bücher zu kaufen, die Unzensuriert ans Herz legt, zum Beispiel: Alain de Benoist, „Kulturrevolution von Rechts“. Ein Buch als Mittel, also als Medikament gegen die Krankheit, unter der gerade Leserinnen und Leser der Unzensuriert bevorzugt zu leiden scheinen, Österreich, gerade Österreich sei schwer, unheilbar erkrankt am linken Hegemonialsyndrom.

Vielleicht erzählte Stöhr von einem solchen Tag, an dem vorwiegend Männer auf ihrem abendlichen Nachhauseweg vom Rathaus und vom Parlament bei ihr noch hineinschauen, um die Bücher zu erwerben, von denen sie tagsüber im Parlamentsbüro oder während einer Gemeinderatssitzung in der Unzensuriert gelesen hätten, um sich gegen das linke Hegemonialsyndrom zu immunisieren, aber auch, wenn sie noch Fakten und Daten benötigen könnten etwa für eine bevorstehende Reise zu einem Kongreß, zu dem sie als Referenten, seltener als Referentinnen eingeladen …

Manch ein Mann braucht vielleicht nur neuen Stoff für die lange Bahnfahrt nach Hause, ins Oberösterreichische

Manch ein alter Mann kommt vielleicht nur vorbei, um beim Anblick der Waffen in den Büchern und Magazinen zu träumen, wie aus seiner Wohnung eine Kaserne wird, um alle Waffen unterzubringen, die er in der Wirklichkeit nicht haben darf, und davon, wie er das Gesetz verhaftet, weil es ihm Böses antut.

Denn, sagte die Stöhr. Es ist nicht weit vom Rathaus, vom Parlament zur ihr

Vielleicht erzählte Stöhr auch von ihrem Traum, der sich eines baldigen Tages ihr erfüllen möge, darum bete sie ihre Rosenkränze fünf- bis achtmal am Tage, wenn nicht nur vom Rathaus, nicht nur vom Parlament, sondern auch vom Bundeskanzleramt vorwiegend Männer auf ihrem abendlichen Nachhauseweg bei ihr noch hereinschneien …

Denn, sagte die Stöhr. Auch vom Bundeskanzleramt ist es gar nicht weit zu ihr. Eine durchgestreckte Armlänge, mehr nicht, wie Stöhr kurze Distanzen dabei recht anschaulich beschriebe.

Habe Sie noch weitere Träume, für die sie bete, könnte die Stöhr gefragt werden. Und sie erzählte dann vielleicht von ihrem Traum, eines baldigen Tages zu einer Lesung zu ihr einladen zu können, von einer jetzt schon hochgestellten Person, die dann noch höhergestellt …

Was könnte die Stöhr noch gefragt werden? Vielleicht. Ob sie nicht Befürchtungen habe, eines Tages könnten andere Herren bei ihr vorbeischauen und ihre Bücher und Magazine genauer unter die Lupe … Nein, das müßte die Stöhr nicht gefragt werden. Die Bücher und die Magazine der Stöhr sind ja schon die Antwort darauf, und vielleicht finge dann ein Roman über die Stöhr so an, der im von der Unzensuriert recht empfohlenen Jungbrunnenverlag erscheinen könnte, geschrieben von einem Manne mit einem recht ausgewählten Pseudonym, zum Beispiel kurz, aber doch prägnant: Dietrich …

Und ein Dietrich entlehnte oder – wie es der Lieblingsbeschäftigung in diesen Kreisen angemessen wäre – kopierte einen Anfangssatz von einem Roman, dessen Titel er aber gesinnungsgemäß nicht kopieren könnte, sondern umzuschreiben hätte auf Das Tribunal:

Jemand musste S. verleumdet haben, denn ohne dass sie etwas Böses getan hätte, wurde sie eines Morgens verhaftet.

Zur Stöhr ists nicht weit für recht belesene Herren

 

Wie Jedermann es schafft, das dem Magistrat lange nicht gelingt, Karl Kraus endlich aus der Kirche zu vertreiben.

Es muß doch einmal, weil es gar zu köstlich ist, erzählt werden, wie es dazu kam, daß Karl Kraus wieder aus der römisch-katholischen Kirche austrat. Der gefundene Anlaß dafür ist weniger köstlich. Aber, wie es so schön heißt, der eine ist so gut wie der andere schlecht. Die Copysite der identitären Parlamentspartei lobt an diesem Sonntag im Juli 2017 die Salzburger Sommerfestspiele. Und wenn an so einiges gedacht wird, darf vermutet werden, um vor allem wieder und ein weiteres Mal ihren Dichter mit dem „ausgeprägten Patriotismus“ unterzubringen.

An diesen „ausgeprägten Patriotismus“ sollen die Wählerinnen und Wähler vor allem am 15. Oktober 2017 denken, wenn sie zur Wahl gehen. Das hier aber nur nebenher. Denn es geht ja um das Köstliche von Karl Kraus. Wie der Magistrat es schafft, ihn länger in der Kirche zu halten, als er, Kraus in diesem Organisierten Glauben eigentlich bleiben wollte.

Wie dem immer sei, ich wurde Katholik und ich blieb es wunderbarer Weise noch während des Weltkriegs, was sich aber der erklärenden Vernunft aus der einfachen Tatsache erschließt, daß man hierzulande, um eine Angelegenheit der Weltanschauung in Ordnung zu bringen, zum Magistrat gehen muß und ich, der bis in den Morgen zu arbeiten pflegt, die Amtsstunden verschlafe. Nun aber habe ich nicht nur erfahren, daß die Menschheit durch die von der katholischen Kirche gesegneten Waffen zugrundegegangen ist und dieser nichts übrig blieb, als für das Ergebnis die Muttergottes mit der Tapferkeitsmedaille auszuzeichnen, sondern ich weiß auch, daß der überlebende Teil der Menschheit vor dem Verrecken bewahrt werden könnte, wenn die Muttergottes sich entschließen wollte, ihre Schmeichler zur Auslieferung der Gold- und Silbervorräte, zu nichts nütze als gehabt und vor den Augen des Hungers ausgestellt zu werden, zu überreden. Aber nicht genug an dem: die katholische Kirche, die nicht einmal zu einem kostenlosen Bannstrahl gegen die Dynasten zu haben war, welche den Völkern das Ultimatum der Pest und der Syphilis überbracht haben, die größte Hiobspost seit Erschaffung der Welt, doch die einzige, die zugleich die Entschädigung bot, ein Uriasbrief ihrer Verfasser zu sein — die katholische Kirche, die nicht fluchen, nur segnen konnte, hat zum Schaden den Spott gefügt, indem sie sich herbeiließ, das große Welttheater der zum Himmel stinkenden Kontraste, wo die Komödianten nicht spielen können und von den Pfarrern gelehrt werden müssen, in eigene Regie zu übernehmen und jenen Hofmannsthal aufs Repertoire zu setzen, der sich auf das Leid der Kreatur einen gottgefälligen Vers machen kann und dessen Schwager, ein Pater namens Benvenuto Schlesinger, im Vatikan ein- und ausgeht. Angesichts aller dieser Umstände und weil ein Salzburger Hotelgeschäft wie der Wiener Literatur zugutekommt und weil es der Fürsterzbischof gewollt hat, daß Ehre sei Gott in der Höhe der Preise, sehe ich mich genötigt, aus der katholischen Kirche auszutreten, nicht nur aus Gründen einer Menschlichkeit, die bei den Hirten in so schlechter Obhut ist …

So also hielt der Magistrat Karl Kraus länger in der Kirche, als er in der Kirche sein wollte. Aber Jedermann vor der Pforte schaffte es schließlich, Kraus aus dem Bett und aus der Kirche zu vertreiben.

Das Urteil von sogenannten zeitgenössischen Menschen ist nicht selten falsch, nicht selten ungerecht, nicht selten erkennen sie den Wert eines Werkes nicht und erst spätere Generationen … im Falle von dem Jedermann hat sich Karl Kraus in keiner Weise geirrt. Jedermann wird immer noch gespielt, er ist aufgestiegen zum österreichischen Heiligen, und wer ihn spielen darf, ist nicht nur mit höchster österreichischer Ehre geweiht, er darf sich fortan als auserwählt fühlen, der alles spielen kann, selbst Gott, freilich seine österreichische Ausgabe, aber Österreich ist Österreich die Welt …

Und soher kann generell gesagt werden: Was aber gestiftet, in Österreich bleibet davon stets das Schlechteste.

Übrigens, den recht geliebten Dichter mit dem „ausgeprägten Patriotismus“ der identitären Parlamentspartei erwähnt Karl Kraus in „Vom großen Welttheaterschwindel“ nicht. Weshalb sollte auch ein Karl Kraus sich mit einem abgeben, der damals und vor allem heute ohne jedwedes Bleibendes ist, außer gesinnungsgemäß für die identitäre Parlamentspartei mit ihrem rechten Hang zum Wiederbeleben eines „ausgeprägten Patriotismus“.

Als Jedermann Karl Kraus aus der Kirche vertrieb - Salzburger Festspiele.jpg

 

documenta neunzehnfünf

Nach einem im Keller verbrachten unruhigen Tag eingeschlafen. Sogleich stellt sich ein Traum ein, aber ein mit Bildern geizender Traum. Nur ein einziges unbewegtes Bild

Documenta - Kasseltraum

zu Johann Messe, der aus seinem Kasselroman liest, aber nur eine einzige Stelle, immerzu nur diese eine einzige Stelle, als wäre diese eine einzige Stelle der gesamte Roman, und da der Traum nur dieses eine einzige Bild bereit ist herzugeben, erstaunt es nicht, beunruhigt es nicht, es muß damit abgefunden werden, daß auch der Roman nur diese eine einzige Stelle schon der gesamte Roman ist, und der Traum muß es sich gefallen lassen, Geizhals gescholten zu werden.

am ende ist das alles was bleibt dachte ich der blick zurück auf nichts vielleicht wollte ich deshalb plötzlich verzweifelt nach vorne schauen doch was ich dort sah war genau das wovor ich floh die bedrückende wirkung die eva brauns parfümflakon auf mich hatte und natürlich die unwiederbringliche vergangenheit die ich glaubte überwunden zu haben einschließlich meines rundgangs durch das im fridericianum ausgestellte gehirn ich befand mich in deutschland und fragte mich andauernd ob ich wirklich dort war auf der königsstraße dem hessenland zu und andauernd welche verbindung es wohl zwischen avantgardekunst und dem handtuch geben mochte das Adolf hitler gehört hatte kurz gesagt es tat mir in der seele weh zu sehen dass kriegsverbrecher und gegenwartskunst sich verbanden und sei es nur in der kunst

Und dazu ständig noch, aber nur der Refrain

ich möchte lieber nicht

ist zu hören, geträllert von Johann Messe, der, wird ebenfalls zugleich oder zeitgleich von einer dritten Johann-Messe-Stimme nerventötend gewispert, zu dem der Traum, wie ihm zum Beweis, gieriger und geiziger als Grandet, mehr noch, gar der Vater des Geizes zu sein, kein einziges weiteres Bild herzeigen will, nur dieses eine einzige Bild mit dem ordentlich gefalteten oder hingelegten Handtuch … Johann Messe sitzt dabei stramm in einer Badewanne in der Küche einer Villa und ihm trägt Johann Messe, der Johann Messe immerzu bloß mit diesen vier Wörtern mehr sprechend als singend dazu die Begleitmusik macht, immerzu diese eine einzige Passage …

ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich

Die Einordnung von Jonathan Meese in die Alltagskunstgeschichte

Einordnung von Jonathan Meese in die Alltagskunstgeschichte

Im Keller sitzend, zwischen den Bananenschachteln, in denen die aussortierten Bücher ordentlich verstaut sind, will doch nicht gleich die Suche nach einer Erklärung abgebrochen werden, weshalb zur eigenen Überraschung die Schriften zur Diktatur der Kunst bereits aus der Bibliothek in der hellen Wohnung auf der einundzwanzigsten Etage genommen und hinunter in den Keller zu den aussortierten und in Bananenschachteln ordentlich verstauten Büchern gefahren wurden, wird nicht weiter in den Schriften zur Diktatur der Kunst, in denen ein Artikel überraschend gefunden wurde, wie im vorherigen Kapitel

Die Vertreibung von Bazon Brock ins Paradies

… geblättert, die, eine plötzliche Eingebung, zur Klärung nichts beitragen werden können, sondern das Smartphone aus der Tasche gezogen, um fünf Filmchen anzusehen, mit Jonathan Meese:

Intervention, Kunsthistorisches Museum Wien, 12. Mai 2017

Jonathan Meese über Luther und die Avantgarde

Jonathan Meese in Wittenberg in der Zelle der Diktatur der Kunst

Jonathan Meese, Propagandarede, Akademie der Bildenden Künste, Wien

Jonathan Meese, Bundesverfassungsgericht, Karlsruhe, 2.12.2015

Alltagsgeschichte - In der Akademie mit Jonathan Meese und HitlergrußWährend des Abspielens der Filmchen kommt die Idee, sich Notizen zu machen, um etwas darüber zu schreiben, darauf einzugehen, was Johann Messe … in Wien wird es geliebt, von sogenannten freudschen Versprechern zu reden, muß gedacht werden, als zur eigenen Überraschung gelesen werden muß, Johann Messe statt Jonathan Meese …aber das ist kein freudscher Verschreiber, sondern der Name, den Jonathan Meese selbst hervorruft, wenn ihm zugehört wird – Johann Messe, das Hänschen, das mit seiner Mami zur Messe geht, obgleich es keine Religionen mag, alle Religionen abschaffen möchte, zu seinem Heile der Diktatur der Kunst, das Hänschen, das mit seiner Mutti zur Messe geht, und weil es zu seinem Heile in Deutschland und in Österreich so demokratisch zugeht, darf das Hänschen in der Messe selbst predigen, die Diktatur der Kunst herbeireden, anrufen, beschwören, ausrufen, die Weltdiktatur der Demokratie anklagen, und was aus seinem Munde rinnt, ist der Bierhansl, und das Abgestandene schäumt vor seinem Munde, als wäre Hänschen selbst ein frisch angezapftes Bierfäßchen, und das Hänschen freut sich, daß es so schön schäumen kann, auch das Muttchen freut sich mächtig stolz, daß ihr Hänschen so weiß schäumt …

Ja, da kann Mutti tatsächlich mächtig stolz auf ihr Hänschen blicken … Ach, was Hänschen doch von der Zukunft und gegen die Vergangenheit schäumen kann, und ist selbst bloße Nostalgie

Es werden keine Notizen gebraucht. Denn. Welche Notizen sollen allein zu diesen fünf Filmchen gemacht werden. Notizen werden gemacht, um auf etwas eingehen zu können. Aber auf Inhaltslosigkeit kann nicht eingegangen werden. Und eine plötzliche Eingebung ist die Rettung, mit der der Keller und das Hänschen mit seinem Spuckeschaum nun doch rasch wieder verlassen werden kann, ohne je wieder darüber nachdenken zu müssen, ohne je wieder sich daran erinnern zu müssen, genauso wie es immer gemacht wurde, wenn eine Folge von „Alltagsgeschichte“ angesehen wurde … Alltagsgeschichten, in denen zuhauf diese armen Gemeindebauseelen in ihren Jogginganzügen an ihren Bierhanslgläsern zuzelnd … Nur auf Festen, wenn es droht, daß der Gesprächsstoff ausgeht, erinnern sich Menschen stets dankbar an die Alltagsgeschichten von Elisabeth T. Spira, die immer garantieren, daß Gespräche wieder in Gang kommen, es lustig wird, es etwas zum Lachen gibt, und es ist stets auch wohliger Schauer dabei, und Verwunderung, auch Hochachtung für Elisabeth T. Spira, wie sie es immer wieder schaffte, in welche Souterrainbeisln sie immer wieder steigen mußte, um solche Typen vor die Kamera zu kriegen, die sich vor sich und vor keinem Menschen je genieren, das Abwegigste zum Gaudium …

Alltagsgeschichte ohne Spira - Jonathan Meese

Wie gut, wird beim Verlassen des Lifts auf der einundzwanzigsten Etage plötzlich gedacht, daß Hitler heutzutage Künstler sein kann, aber auch, wie gut, daß Mao heutzutage Lyriker sein kann. Das mag jetzt hoffnungsvoll und zuversichtlich klingen, als hätte es in der Welt seit damals tatsächlich eine positive Entwicklung gegeben, aber ist bloße Beruhigung, ein paar weniger, die sich ein anderes Betätigungsfeld suchen müßten, ein Feld, auf dem sie tatsächlich Schreckliches anrichten könnten, ein Schlachtfeld hinterlassen könnten.

Wieder in der hellen Wohnung auf der einundzwanzigsten Etage, zwar ohne Notizen, kann ein Gedanke dennoch nicht unausgesprochen bleiben, muß doch – wer ohne Inkonsequenz ist, werfe den ersten Stein – auf eines eingegangen werden. In der Wittenbergzelle fordert Johann Messe auf, „kein Mitläufer“ zu sein. Wie seltsam, diese Aufforderung, diese Forderung, „kein Mitläufer“ zu sein. Irgendwer ruft dazu auf – das hat mit Jonathan Meese schon fast nichts mehr zu tun, denn gegen das Mitläufertum sind heutzutage viele, ganz besonders jene aus dem sogenanten Kunstmilieu -, bei einer Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ mitzumachen, und schon laufen viele hin, um mitzumachen, Luther ihre Referenz zu erweisen, mitzulaufen für Luther, gerade für Luther …

Alltagsgeschichte - Jonathan Meese.jpg

Die Vertreibung von Bazon Brock ins Paradies

Bazon Brock und seine paradiesische Geistesfreiheit

Ohne in den Parsifal gegangen zu sein, vielleicht auch deshalb, um die anstrengende Reise zum Mond nicht auf sich nehmen zu müssen, wollte dennoch, vielleicht um das Gewissen zu beruhigen, wieder einmal in den Schriften zur Diktatur der Kunst geblättert werden, das sich aber als anstrengender herausstellte, als es die Straßenbahnfahrt zum Mond gewesen wäre, denn es mußte hinuntergestiegen werden, in den Keller, zu den aussortierten und ordentlich in Bananenschachteln verstauten Büchern, zur eigenen Überraschung, wie in solchen Momenten es gerne gesagt wird, überrascht also darüber, daß die Schriften von Meese bereits bei den aussortierten und verstauten Büchern zu finden sein müssen.

Auf diese Überraschung folgte eine zweite, eine noch größere Überraschung, als die Schriften zur Diktatur der Kunst im Keller gefunden wurden und sofort, kaum angeblättert, ein Artikel aus dem Buch herausfiel, der nicht in das Werk gehört, sondern wie alle zum Aufbewahren ausgeschnittenen eigentlich in das Zeitungsarchiv.

Weshalb der Artikel über die Antrittsvorlesung von Bazon Brock in Vaduz, in der, wie berichtet wurde, er davon sprach, die Regierungen in Deutschland seit 1998 wären mit dem, was sie angerichtet hätten, „schlimmer als Leninismus, Stalinismus und Hitlerismus zusammen“, „Joschka Fischer einer der größten Verbrecher der deutschen Geschichte“ … „unter Goebbels hätte an den Universitäten im Vergleich zu heute“, spricht Bazon Brock im Januar 2009, wie berichtet wird, „eine geradezu paradiesische Freiheit“ geherrscht, denn keine einzige Hochschule sei liquidiert worden … weshalb also dieser Artikel über die brockschen Auslassungen in den Schriften zur Diktatur der Kunst gelandet ist und nicht im Zeitungsarchiv, kann nicht mehr rekonstruiert werden.

Vielleicht sei, das wäre, wollte nach einer gesucht werden, eine Erklärung, dieser Artikel über die bazonschen Auslassungen gar nicht zum Archivieren vorgesehen gewesen. Die berichteten Auslassungen eines Schwätzers, wie er nach seinem sich selbst gegebenen Vornamen genannt werden darf, ohne damit eine Beleidigung zu begehen, sondern als tiefe Verbeugung vor seiner Selbsterkenntnis.

Es wird sich nicht mehr klären lassen, weshalb Meese bereits aus der Bibliothek aussortiert wurde, weshalb der Artikel doch aufbewahrt wurde, zwar nicht zum raschen Finden im Zeitungsarchiv, aber es macht doch verständlicher, weshalb Bazon Brock die Anzüge von Schachtschneider und Ley aufbügelt, damit diese sauber und adrett sich der Öffentlichkeit und von der Öffentlichkeit sauber und adrett … Es ist eine recht hohe Dienstleistung, die Bazon Brock für sie damit erbringt.

Zum Dank wäre es nur billig und recht, wechselten sie ihre von ihren Ahnen ihnen gegebenen Vornamen Karl-Albrecht und Michael gegen Bazon …

Die Vertreibung von Bazon Brock ins Paradies

Alle Religionen sind Kunst

Jesus Christus Mischwesen

Es ist doch erheiternd zu lesen, daß die identitäre Parlamentsparteiwegen eines Kunstprojektmischwesens an Kardinal Christoph Schönborn sich schriftlich wendet, an den Vertreter einer Organisation also, somit ausgerechnet an den höchsten Vertreter einer Kunstorganisation in diesem kleinen Land, das stets Staunen hervorruft, wie in einem derart kleinen Land all das Kunstzeug der schönbornschen Organisation Platz finden kann, Werner Neubauer mit einem offenen Brief einen Kunstfabrikangestellten um Meinung anfleht, deren erste Anbetungsmarke ja ein Mischwesen ist.

Und was ist Jesus Christus anderes als ein Mischwesen: ein Teil Mensch, ein Teil Gott. Es ist eine Mischkulanz, die nur nach einer Nacht der größten Ausschweifung unter Verteilung ganzer Jahresdrogenernten gebraut werden konnte, die zu inszenieren etwa ein Hermann Nitsch mit seinem Puppenschloßorgienmysterientheater nicht einmal träumen kann. Denn. Mischwesen Jesus Christus ist zusätzlich auch noch ein Teil von Gott, der oder die oder das oder geschlechtslos ein Mischwesen aus dem Mischwesen Jesus Christus und einer Taube, die auf den Namen „Heiliger Geist“ hören soll, wobei äußerst fraglich ist, ob sie, die Taube, auf ihren Namen auch wirklich hört.

Und Jesus Christus ist nicht anders gezeugt worden, als es nun Maja Smrekar mit ihrem Mischwesen aus Hund und Mensch versucht. Mit einem Unterschied freilich, als das Mischwesen Jesus Christus gezeugt wurde, war es eine bloße schriftliche Zeugung. Denn. Damals gab es noch nicht die technischen Möglichkeiten einer unbefleckten Empfängnis, die heute Maja Smrekar zur Verfügung stehen, um eine unbefleckte Empfängnis wirklich wahrwerden zu lassen.

Es ist vielleicht nicht von ungefähr, daß es gerade eine Frau ist, die wieder ein Mischwesen gebären will, mit dem Vornamen Maja: die „Hehre“, die „Höhere“. Wird nicht so ihre Kollegin Maria angebetet, vor der zu viele Ehrfurcht haben, und sie, Maria, deshalb nicht beim Kosenamen Maja angekniet wird.

Ja, das Kunstprojekt von Maja Smrekar erinnert wieder einmal daran:

Alle Religionen sind Kunst.

Alle Religionen sind bloße Kunst. Denn. Es ist in jedweder Religion alles vorhanden, was Kunst definiert, Kunst ausmacht, kurz und schlecht gesagt, nur für die Kunstrichtung Religionen aufgezählt: es ist Phantasie dabei, es ist Märchen dabei, es ist der Luxus, der für das nackte Leben nicht gebraucht wird, dabei, es ist Ausschweifung dabei, es sind Halluzinationen dabei, es ist Wirklichkeitsfremdes dabei, es ist Wahn dabei, es ist Begierde dabei, es ist Lust dabei, es ist Krankhaftes dabei, es sind Versteigungen dabei, es sind Irrtümer dabei,  es sind psychische Mängel dabei, und so weiter und so fort.

Alle Religionen sind Kunst, wobei die Kunstsparte Religionen wohl die schwärzeste, die negativste Kunstsparte ist, aber auch die je erfolgreichste Kunstrichtung, die je einflußreichste und damit die je schrecklichste, die je tödlichste Kunst ist, die je alles vernichtende Kunst ist, die der Mensch je ersann und ausübte.

Und als Einschub, weil einer aus der FPÖ und bezeichnenderweise jener mit dem Namen Rosenkranz klagte:

„Wenn es um Mohammed und den Islam geht, trauen sich die Künstler eh nicht mehr“,

kann besonders ihm gesagt, Mohammed war ein schwacher, armer und phantasieloser Künstler, bei dem es nicht einmal dazu reichte, eine solche Mischkulanz an Mischwesen zu ersinnen, dabei hätte er nur die mit Rosenkränzen in den Händen angebetete Mischkulanz abkupfern müssen, aber die Einfalt seines Herzens, das ihm Kunstgeist war, verwehrte ihm den Aufstieg zum großen Künstler …

Und was der Kunstsparte Religionen grundsätzlich ist und diese unverwechselbar macht, ist die Heilserwartung. Maja Smrekar ist eine Vertreterin der Kunstrichtung Religionen. Denn. Auch sie erwartet sich von ihrem Mischwesen im Grunde das, was besonders das Mischwesen ihrer Kollegin seit zweitausend Jahren nicht und nicht erfüllt und auch je nicht mehr erfüllen wird, in bezug auf die Heilserwartung an ein Mischwesen hat das Mischwesen Jesus Christus nicht einmal das zusammengebracht und wird es auch nicht mehr zusammenbringen, was ein Mensch in einer halben Minute unter dem Nagel seines kleinsten Fingers an Schmutz sammeln kann.

Und das wird Maria Smrekar nicht unbekannt sein, die Heilserwartungsenttäuschung des Mischwesensprototyps. Und dennoch ist sie voller Zuversicht, ausgerechnet ihr Mischwesen werde … betet mit ihrer Kunst den Rosenkranz der Heilserfüllung:

„ARTE_mis ist das vierte Projekt der Reihe, bei dem eine Eizelle der Künstlerin eine somatische Zelle ihres Hundes in sich aufgenommen hat. Ergebnis ist eine hybride Zelle, der ein dystopisches Szenario innewohnt, die gleichzeitig aber eine neue Species schaffen könnte, deren Überlebenschancen auf dem Planeten Erde besser sind als unsere – nicht zuletzt deswegen, weil dieses Mischwesen seine Umwelt humaner behandeln würde als wir das tun.“

Alle Religionen sind Kunst. Und was bei einer Aufzählung gerade zur Kunstrichtung Religionen nicht fehlen darf, ist die Fälschung. Über die hat erst vor kurzem Kunstkritiker Schönborn geschrieben, als er eine fromme Rezension des Grabtuches von dem Mischwesen …

Doron Rabinovici gebührt Dank für das Schließen eines Kapitels

Wer sonst als ein Schriftsteller wie Doron Rabinovici wird das besser verstehen können, manchem Kapitel eines Romans fehlt etwas zum runden Abschluß.

Auch wenn die Kapitel eines Schmutzromanes, und es handelt sich hier schließlich um einen Schmutzroman, wie erinnert werden darf, nicht auf runde Abschlüsse hin ausgelegt sind, ausgelegt sein wollen, kommt ab und an der Zweifel, ob nicht doch manchmal wenigstens ein runder Abschluß … etwa bei dem Kapitel

Hofschreibe für M. T. Habsburg, Mutterregentin des Antiziganismus,

aber Doron Rabinovici hat mit seiner Reaktion, und dafür gebührt ihm der größte Dank, diesem Kapitel einen runden Abschluß …

Mit seiner Reaktion des raschen Löschens des Kapiteleintrages auf seiner Seite des Unternehmens Facebook rundet er das Bild endgültig ab, wie es nicht unbedingt mit diesem Kapitel erzeugt werden wollte … Und diese Leistung erbrachte er, Rabinovici, prompt. Es mußte nicht Tage oder gar Wochen gewartet werden, noch desselben Tages lieferte er seinen Beitrag, um das Kapitel schließen zu können. Freilich, der Zweifel wird sich wieder einstellen, irgendwann, bei irgend einem weiteren Kapitel, unerwartet wie stets …

Wer sonst als ein Schriftsteller wie Doron Rabinovici wird das besser verstehen können, die Freude nämlich darüber, wenn Figuren sich einbringen, sich einmengen, dabei oft auch auf eine Art reagieren, wie sie nicht erwartet wurde. Das ist, muß eingestanden werden, nicht ganz aufrichtig. Denn. Wäre diese Reaktion nicht berechenbar gewesen, es wäre niemals ein Abbild vom Kapiteleintrag, wie es in der Collage zu sehen ist, angefertigt worden.

Doron Rabinovici - Facebook - Eine Reaktion