Wehrpflichtige Jugend, im Haus der Industrie

Für das militärische Morden und Ermordet-Werden ist ein Stimmrecht, eine Gleichberechtigung das Hinderlichte, das gedacht werden kann. Ein Stimmrecht, eine Gleichberechtigung ist soher in allem zu unterbinden, und das schon dann, wenn es nur um die Frage geht, ob der Wehrdienst verlängert werden soll oder nicht. Und wenn Stimmrecht und Gleichberechtigung der Jugend unterbunden, kostet eine Geste der Großzügkeit bloß einen Apfel und Ei, auch der Jugend zu erlauben, etwas zu sagen, in einer Kommission, deren Vorsitz ein in wenigen Monaten siebzig Jahre alter Mann der Wirtschaft und Industrie …

Mag. Dr. Walter Feichtinger, ein ebenfalls in diesem Jahr 70 Jahre werdender Mann, sprach in „Klartext“ am 21. Jänner 2026 im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs nicht stolz von einer Geste der Großzügigkeit, aber vom „Ansinnen im Kommissionsvorsitz“, „daß man alle Stimmen hört, auch die Jugend ganz besonders hört“ — was für ein Ansinnen, ein solches kann ein jeder Mensch für sich nur als hehres Ansinnen empfinden.

In dieser Sendung auf „Österreich 1“ wurde er vorgestellt als „Militärexperte und Mitglied der Wehrdienstkommission“ —

Walter Feichtinger, „Brigadier i. R.“, also ein nicht mehr aktiver Militär, ein Pensionist, sagte in dieser Sendung:

Ich glaube, ich kann dazu etwas sagen, und zwar, die Kommission hat sich zusammengesetzt aus 23 Mitgliedern, zehn davon stimmberechtigt, dreizehn beratende Funktion. Und es war ein großes Ansinnen von Anfang an, im Kommissionsvorsitz, daß man alle Stimmen hört, auch die Jugend ganz besonders hört, und Sie haben sich auch sehr stark zu Wort gemeldet. Und wir haben das als sehr positiv empfunden, damit wir wirklich alles hören, was auf den Tisch kommt. Es ist nur so, am Ende des Tages kann man zwar viele Stellungnahmen einholen, aber es muß ja in der Sache etwas weitergehen, d. h., es ist Substanz aufzubauen. Und wenn Sie sagen, das war zu erwarten, kann ich auch sagen, ja, das war vermutlich zu erwarten, weil der bisherige Status einfach unbefriedigend ist. Aber es war sehr wertvoll, Sie dabei zu haben, genauso wie Vertreter der Wirtschaft und vom Zivildienst und allen möglichen Stellen, damit man hier ein breites Spektrum hat. Und ich hatte den Eindruck, nach einer gewissen Zeit, daß hier wirklich eine gewisse Aufbruchstimmung herrscht, ein Geist der Veränderung. Nicht von ungefähr hat es am Ende dann einen großen Konsens gegeben, bei der Verabschiedung. Zur politischen Debatte vielleicht nur der Hinweis. Es gab gestern abend den 13. Tag der Wehrpflicht. Der ist eingeführt worden, damals, als es diese Volksbefragung gegeben hat, und aus diesem Anlaß ist der etabliert worden. Und gestern war dort nicht nur der Herr Hameseder, der die Ergebnisse der Kommission vorgestellt hat, sondern es waren die Wehrsprecher der im Parlament vertreteten Parteiein eingeladen und waren am Podium. Da war schon sehr interessant zu hören, daß unisono eigentlich einerseits das Ergebnis oder die seriöse Arbeit begrüßt wurde, und andererseits hier, zumindest unter diesen, ein Konsens geherrscht hat, daß man in die Sache hineingeht, in eine rasche Debatte hineingeht. Natürlich in den Parteizentralen wird es ein bißchen anders ausschauen.

Das war die unmittelbare Antwort von einem pensionierten Militär, von einem mit Wehrdienst und Wehrpflicht in Ruhe gelassenen Mann, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Wehrdienstkommission, in der Sendung auf das von Anna Schwabegger von der Bundesjugendvertretung Gesagte:

Moderator: Ich möchte noch einmal auf diese Kommission zu sprechen kommen, Frau Schwabegger, Sie als Vertreterin der Bundesjugendvertretung waren dort und sind dort auch am Tisch gesessen, allerdings ohne Stimmrecht. Ist da aus Ihrer Sicht, nach Ihrem Gefühl, über Ihren Kopf, über die Jugend hinweg entschieden worden?

Anna Schwabegger: Also wenn man sich die Zusammensetzung der Kommission und speziell der stimmberechtigten Mitglieder anschaut, war von Anfang klar, daß eine Verlängerung empfohlen wird, von diesen stimmberechtigten Mitgliedern. Und das sehen wir natürlich sehr kritisch, weil wir grundsätzlich nicht gleichberechtigt am Tisch waren und nicht gleichberechtigt in die Diskussion einbezogen waren und die Stimmergebnisse nicht beeinflußen konnten.

Moderator: Herr Feichtinger, können Sie dazu etwas sagen, können Sie dazu etwas entgegnen?

Menschgemäß ist das eine „seriöse Arbeit“: „auch die Jugend ganz besonders hört“, ist doch die Jugend ganz besonders, mehr, ausschließlich davon betroffen, ist nur die Jugend zu treffen, „und wir haben das als sehr positiv empfunden“, das macht schließlich eine „seriöse Arbeit“ aus, zeichnet eine „seriöse Arbeit“ erst als „seriöse Arbeit“ aus, daß diese hervorbringt, „was zu erwarten [war]“. Seriöser kann keine Arbeit als wertvoll empfunden sein, so sehr positiv kann eine Arbeit sein, die Jugend ganz besonders zu hören, und dann die Arbeit zum erwarteten Ergebnis führen …

Die Verteidigungsministerin Klaudia Tanner von der ÖVP hat sich erstaunlich offen schon festgelegt, die verpflichtenden Milizübungen sollen zu mindest kommen, was eine Verlängerung des Wehrdienstes bedeuten würde [Moderator].

Der von der Verteidigungsministerin im Juni 2025 eingesetzte Wehrdienstkommission zur Aufnahme ihrer seriösen Arbeit ging bereits die seriöse Arbeit der Verteidigungsministerin voraus, denn bereits im März 2025 kam Klaudia Tanner in ihrer seriösen Arbeit zur Erkenntnis:

Jedenfalls notwendig ist, dass mehr ­geübt wird.

Für das militärische Morden und Ermordet-Werden ist die Wehrpflicht, wie es seit so vielen Kriegen gewußt wird, aus so vielen Kriegen bekannt ist, das Üben die unumgänglichste Voraussetzung, die gedacht werden kann — die Übung macht die wehrpflichtige Meisterin, und was für wehrpflichtige Meister macht erst eine verlängerte Übung

Der mit Übungen in Ruhe gelassene Rentier verwies in dieser Sendung auf den „XIII. Tag der Wehrpflicht“, den Ort, an dem am 20. Jänner 2026 der 13. Tag abgehalten wurde, erwähnt Walter Feichtinger nicht.

Es war im „Haus der Industrie“.

Kann es je einen geeigneteren und ausgezeichneteren Ort für die Präsentation der Ergebnisse der seriösen Arbeit durch einen bald siebzigjährigen Mann der Wirtschaft und Industrie geben als das Haus der Industrie?

Vom Haus der Industrie auf dem Schwarzenbergplatz kann, wozu es nicht einmal notwendig ist, aus einem Fenster sich zu lehnen, um zu sehen, direkt auf ein Denkmal geblickt werden, das ein Mal der Wehrpflicht …