Dadbook eines Granddads

Finnegan und ich wurden von einem Fremdenführer und Herrn Mannheimer durch die Lager geführt. Denselben Weg war ich 30 Jahre zuvor auch mit Finnegans Vater Hunter gegangen, aber irgendwie war es diesmal anders. Es schien, als hätte man umgeräumt, um es für die Besucher weniger bedrückend zu machen. Die grausamen Einzelheiten waren über die Jahre abgemildert worden, und eigentlich hätte ich das nach einem Satz aus der Dachau-Besucherinformation schon erwarten müssen. „Da in Deutschland jede Jahreszeit ihren eigenen Reiz hat“, stand da, „können Sie ihren Besuch im Lager gemäß Ihren eigenen Vorlieben planen.“

Die Stockbetten in den Baracken waren immer noch da, und man konnte sehen, wie die Nazis Zehntausende ins Lager gepackt hatten. Bei früheren Besuchen hatte ich noch in die hölzernen Bettgestelle eingeritzte Namen gesehen; jetzt kamen mir die Betten sauber und frisch lackiert vor.

Zunächst wollte der Angestellte Finnegan und mich nicht in die berüchtigte Gaskammer des Lagers führen, aber ich ließ nicht locker. Ich musste an meinen ersten Besuch denken, mit Beau, als wir in das Gebäude kamen und man uns erklärte, dass die Gefängniswärter ihren Opfer erzählten, sie würden in die Duschen gehen und sie sollten Schuhe, Kleider und falsche Zähne ablegen. Die Fremdenführer brachten uns dann in die eigentliche Kammer und schlugen mit einem furchterregenden Dröhnen die Tür hinter uns zu. Heute heißt es, in Dachau seien nie Häftlinge vergast worden, oder man hätte die Gaskammer nur wenige Male benutzt. Trotzdem wollte ich, dass Finnegans das alles sah, und ich wollte, dass sie auch die Öfen sah, wo die Wärter die Leichen der Erschossenen, Gehängten, Verhungerten oder bei medizinischen Experimenten Getöteten verbrannten. Max Mannheimer war Zeitzeuge. Ihn hatte man gezwungen, die Leichen derjenigen in Wagen zu laden, die in nahen Arbeitslagern umgekommen waren, und sie dann zu den Öfen von Dachau zu bringen.

Finnegan sah und hörte sich alles an. Dann gingen wir wieder nach draußen und blickten durch den Zaun auf nicht allzu weit entfernten Reihen zielgedeckter Häuser einer bürgerlichen Mittelschicht. Ich wollte, dass sie begriff, dass die Menschen, die in den 1930er und 1940er Jahren hier gewohnt hatten, gewusst haben mussten, was sich in diesem Lager abspielte. Sie wohnten so nah, dass sie das verbrannte Menschenfleisch buchstäblich gerochen haben mussten. Wie konnten sie nichts gewusst haben?

Ich wollte, dass Finnegan denselben instinktiven Schock verspürte, der mich in den langen Jahren meiner Karriere im öffentlichen Leben immer wieder angetrieben hatte. „Siehst du, Kleines“, meinte ich zu Finnegan, während wir durchs Tor hinausgingen und wieder in unsere eigene Zeit zurückkehrten. „Das kann wieder passieren. Und in anderen Teilen der Welt passiert es gerade jetzt. Deshalb muss man es laut aussprechen. Man darf nicht schweigen. Wer schweigt, macht sich zum Mittäter.“

Das schreibt Joe Biden in seinem Buch „Versprich es mir – Über Hoffnung am Rande des Abgrunds“. Joe Biden, der seine Antrittsrede am 20. Jänner 2021 enden ließ mit: Möge Gott Amerika segnen und möge Gott beschützen unsere Truppen

May God bless America and may God protect our troops.

Joe Biden war acht Jahre lange Vizepräsident, und Gott beschützte auch in dieser Zeit nicht die, die des Schutzes bedürfen, auch in dieser Zeit beschützte Gott ohne Anflehung durch Joe Biden our troops.

Joe Biden war kein Mittäter, er lief nur mit an der Seite seines Präsidenten. Er schwieg nicht, er sprach den Namen des Ortes aus, wo jene hingehören, die ebenfalls Segen und Schutz von ihrem Gott

Joe Biden, der Vater, der seinem Sohn den Vornamen gibt: Jäger … Wie selbstverständlich schließt sich fünf Jahrzehnte zu diesem Vornamen das letzte Wort seiner ersten Rede an: Truppen.

Joe Biden, der Großvater, wird seiner Enkelin den Vornamen Finnegan nicht gegeben haben. Eine schöne Vorstellung, sie hätte ihren Vornamen nach dem Werk Finnegans Wake von James Joyce von ihren Eltern erhalten, eine beklemmende, sie hätte diesen Vornamen nach seiner ursprünglichen Bedeutung erhalten, der und die Weiße

Aber um das alles geht es nicht.

Es geht nur um seine Beschreibung seiner Dachau-Besuche in seinem Buch „Promise, me Dad – A Year of Hope, Hardship, and Purpose“ …

Mit welcher Dankbarkeit diese Beschreibung wohl jene aufnehmen werden, die den Holocaust leugnen? Es darf nicht vergessen werden, welche zentrale Bedeutung gerade in der Holocaustleugnung die Gaskammer von Dachau einnimmt, um die Massenmorde zu leugnen. Wie sie das in ihre Leugnungen einbauen werden, und sich dabei geschickt die Aussagen des jetzigen amerikanischen Präsidenten bedienen werden. Vor allem diese Passage mit „Heute heißt es …“ wird es ihnen antun … In Deutschland wurde ein „Volkslehrer“ verurteilt, um ein aktuelles Beispiel anzuführen, der eben genau und bewußt in Dachau den Holocaust leugnete, und es ist von den Leugnenden gesinnungsgemäß nur folgerichtig, nun auch auf den Demos zur Corona-Leugnung

Was aber hat zu bekümmern, das Menschen leugnen, was sie alles in ihren mit Kornblume und Enzian verzierten Lügenstrauß stecken, mag jetzt auch das von Joe Biden noch hineingeflochten werden, es ist ohne Belang, möge ihr Lügenstrauß in ihren Küchen mit Hergottswinkel blühen, draußen vor ihren Höfen ist ihr Strauß nichts, nicht einmal Unkraut, das gejätet werden muß.

Zu bekümmern aber hat diese Betroffenheitsfolkore, der auch Joe Biden erlegen ist. Wie er das in seinem Dadbook als Granddad beschreibt, zu was Max Mannheimer gezwungen wurde. Die Leichen in den Wagen zu laden und zu den Öfen von Dachau zu bringen. Das Allgemeine ändert nichts, das Allgemeine verhindert nichts. Das Konkrete hingegen … Wozu auch ein Max Mannheimer gezwungen war, Zwangsarbeiter BMW, in den Arbeitslagern von Dachau … Die Betroffenheitsfolkore des Großvaters hat für die Enkelin keinen Nutzen, gibt ihr nichts in die Hand, um ihren Teil beizutragen, daß das nicht wieder passieren kann.

Mit der Enkelin beispielsweise die „Tagesordnung“ zu lesen, statt sie im fernen Deutschland schocken, sie auf Instinkte reduzieren zu wollen, brächte ihr den handlungsfördernden Einblick, wie es funktionierte, daß das im deutschen reich passieren konnte, aber auch, wie es weiter und weiter funktioniert, was in der Welt jetzt passiert. Und dem Großvater selbst passierte es nicht weiter, daß er vor lauter Betroffenheitstränen nicht mehr sieht, was er schreibt. „Das kann wieder passieren. Und in anderen Teilen der Welt passiert es gerade jetzt.“ Mit klaren Augen würde er sich über diesen gewagte Gleichsetzung zwischen dem, was im deutschen reich passierte, und dem, was gerade jetzt in der Welt passiert, in der Sekunde wohl sehr wundern, und diesen Satz sofort löschen. Mit klaren Augen würde er sich der Aufklärung über die Methoden, über die Technik, über das System widmen, die sich seit damals nicht geändert haben, die unabhängig von der jeweiligen Gesinnung weiter und weiter angewandt werden und nach wie vor funktionieren, nicht nur in anderen Teilen, sondern in der gesamten Welt …


Pfeile, blutgetränkt

„Jesus Blut heilt! Nicht die Impfung“

Das war eine Botschaft auf der Demonstration am 16. Jänner ’21 auf der freudlosen Gasse, die die Innenstadt der österreichischen Hauptstadt ringförmig einschließt. Und es wird, darf vorausgesagt werden, wieder eine der Botschaften sein, auf der Demonstration 31. Jänner 2021, gemäß der Ankündigung des spirits of animals

Es ist eine wahre Botschaft, die auch in Zeiten von Corona weiter verbreitet wird, daß das Blut heilt, wenn …

Wenn das Blut der Menschen auf die Schwerter fließt, dann sind die Menschen geheilt, gehen ein in die ewige Gesundheit.

Auch diese Demonstrationen für den Coronaterror tragen nichts zum Lösen des ewigen Rätsels, das der Mensch ist, bei. Das Rätsel, wie es sich auf diesen Demonstrationen stellt, besteht darin, gegen Impfung aufzutreten und zugleich Impfungen zu verabreichen, freudig sich impfen zu lassen, aber nicht mit harmlos kleinen Nadeln, sondern mit den trunkenen Pfeilen Gottes.

In „Israel, blaues Heft“ schreibt Philippe Jaccottet, „dürfen wir auch nicht die Grausamkeit, die Unerbittlichkeit vergessen, die in diesen Welten herrscht; den Gott des Moses, der sagt: ‚Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen‘, diese Geschichte, die am Ende des 19. Kapitels der Richter erzählt wird und die ich vollständig zitieren will:“

„Und siehe, da kam ein alter Mann von seiner Arbeit vom Felde am Abend; der war auch vom Gebirge Ephraim und ein Fremdling in Gibea, aber die Leute des Orts waren Benjaminiter. Und als er seine Augen aufhob, sah er den Wanderer auf dem Platz und sprach zu ihm: Wo willst du hin? Und wo kommst du her? Er aber antwortete ihm: Wir reisen von Bethlehem in Juda weit ins Gebirge Ephraim hinein, wo ich her bin. Ich bin nach Bethlehem in Juda gezogen und kehre jetzt nach Hause zurück, doch niemand will mich beherbergen. Wir haben Stroh und Futter für unsere Esel und Brot und Wein für mich, deinen Knecht, und für deine Magd und den Knecht, der bei mir ist, so daß uns nichts fehlt. Der alte Mann sprach: Friede sei mit dir! Alles, was dir mangelt, findest du bei mir; bleib nur nicht über Nacht auf dem Platze. Und er führte ihn in sein Haus und gab den Eseln Futter, und sie wuschen ihre Füße und aßen und tranken.

Und als ihr Herz nun guter Dinge war, siehe, da kamen die Leute der Stadt, ruchlose Männer, und umstellten das Haus und pochten an die Tür und sprachen zu dem alten Mann, dem Hauswirt: Gib den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist, daß wir uns über ihn hermachen. Aber der Mann, der Hauswirt, ging zu ihnen hinaus und sprach zu ihnen: Nicht, meine Brüder, tut doch nicht solch ein Unrecht! Nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen ist, tut nicht solch eine Schandtat! Siehe, ich habe eine Tochter, noch eine Jungfrau, und dieser hat eine Nebenfrau; die will ich euch herausbringen. Die könnt ihr schänden und mit ihnen tun, was euch gefällt, aber an diesem Mann tut nicht solch eine Schandtat! Aber die Leute wollten nicht auf ihn hören. Da faßte der Mann seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen hinaus. Die machten sich über sie her und trieben ihren Mutwillen mit ihr die ganze Nacht bis an den Morgen. Und als die Morgenröte anbrach, ließen sie sie gehen. Da kam die Frau, als der Morgen anbrach, und fiel hin vor der Tür des Hauses, in dem ihr Herr war, und lag da, bis es licht wurde. Als nun ihr Herr am Morgen aufstand und die Tür des Hauses auftat und herausging, um seines Weges zu ziehen, siehe, da lag seine Nebenfrau vor der Tür des Hauses, die Hände auf der Schwelle. Er sprach zu ihr: Steh auf, laß uns ziehen? Aber sie antwortete nicht. Da legte er sie auf den Esel, machte sich auf und zog an seinen Ort. Als er nun heimkam, nahm er ein Messer, faßte seine Nebenfrau und zerstückelte sie Glied für Glied in zwölf Stücke und sandte sie in das ganze Gebiet Israels …“

Wenn Philippe Jaccottet auch schreibt, „diese Geschichte, die ich vollständig zitieren will“, so zitiert Jaccottet nicht die vollständige Geschichte aus dem „Buch der Richter“, das Teil des Tanachs und somit auch Teil des Alten Testaments ist, das wiederum auch heute noch zur Verfassung der römisch-katholischen Kirche gehört, so zitiert Jaccottet die Geschichte nicht vollständig. Er zitiert nicht den Anfang, er zitiert nicht den Schluß. Er aber allein wird wissen, weshalb er die Geschichte ohne Anfang und ohne Ende zitiert, also unvollständig, und für ihn doch vollständig.

Ein weiteres Rätsel, das die Demonstrationen für den Coronaterror aufgeben, ist das Rätsel des Antisemitismus, der in diesen Reihen der für den Coronaterror Marschierenden maßgeblich ist, wenn bedacht wird, wie doch seit einiger Zeit hervorgehoben wird das jüdisch-christliche Erbe, eine jüdisch-christliche Tradition beschworen wird. Ein Antisemitismus also gegen sich selbst? Ein Eifern gegen die eigene Tradition? Ein Wettern gegen das selbst angetretene Erbe?

Möge aber diese Rätsel lösen, wer kann.

Was hier zitiert werden kann, ist die vollständige Geschichte aus dem Buch der Richter. Zuerst der Anfang, den Jaccottet nicht zitierte:

„Zu der Zeit war kein König in Israel. Und ein Levit wohnte als Fremdling weit hinten im Gebirge Ephraim und hatte sich eine Nebenfrau genommen aus Bethlehem in Juda. Und als sie über ihn erzürnt war, lief sie von ihm fort zu ihres Vaters Hause nach Bethlehem in Juda und war dort vier Monate lang. Da machte sich ihr Mann auf und zog ihr nach, um freundlich mit ihr zu reden und sie zu sich zurückzuholen; und er hatte seinen Knecht und ein Paar Esel bei sich. Und sie führte ihn in ihres Vaters Haus. Als ihn aber der Vater der jungen Frau sah, wurde er froh und ging ihm entgegen. Und sein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau, hielt ihn fest, dass er drei Tage bei ihm blieb. Sie aßen und tranken und blieben dort über Nacht. Am vierten Tag erhoben sie sich früh am Morgen, und er machte sich auf und wollte fortziehen. Da sprach der Vater der jungen Frau zu seinem Schwiegersohn: Labe dich zuvor mit einem Bissen Brot, danach könnt ihr ziehen. Und sie setzten sich und aßen beide miteinander und tranken. Da sprach der Vater der jungen Frau zu dem Mann: Bleib doch über Nacht und lass dein Herz guter Dinge sein. Als aber der Mann aufstand und ziehen wollte, nötigte ihn sein Schwiegervater, dass er noch einmal über Nacht dablieb. Am Morgen des fünften Tages machte er sich früh auf und wollte ziehen. Da sprach der Vater der jungen Frau: Labe dich doch und lass uns warten, bis sich der Tag neigt. Und so aßen die beiden miteinander. Da machte sich der Mann auf und wollte mit seiner Nebenfrau und mit seinem Knecht fortziehen. Aber sein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau, sprach zu ihm: Siehe, der Tag hat sich geneigt und es will Abend werden; bleib über Nacht und lass dein Herz guter Dinge sein. Morgen mögt ihr früh aufstehen und eures Weges ziehen zu deinem Zelt. Aber der Mann wollte nicht mehr über Nacht bleiben, sondern machte sich auf und zog hin und kam bis gegenüber von Jebus – das ist Jerusalem – und hatte ein Paar beladene Esel bei sich und seine Nebenfrau und seinen Knecht. Als sie nun nahe bei Jebus waren, dunkelte es schnell; da sprach der Knecht zu seinem Herrn: Komm doch und lass uns in diese Stadt der Jebusiter einkehren und über Nacht dort bleiben. Aber sein Herr sprach zu ihm: Wir wollen nicht in die Stadt der Fremden einkehren, die nicht von den Israeliten sind, sondern wollen hinüber auf Gibea zu. Und er sprach zu seinem Knecht: Geh weiter, damit wir an einen andern Ort kommen und über Nacht in Gibea oder in Rama bleiben. Und sie zogen weiter ihres Weges und die Sonne ging unter, als sie nahe bei Gibea waren, das in Benjamin liegt. Und sie bogen ab vom Wege, um nach Gibea zu kommen und dort über Nacht zu bleiben. Als er aber hineinkam, blieb er auf dem Platze der Stadt; denn es war niemand, der sie die Nacht im Hause beherbergen wollte. Und siehe, da kam ein alter Mann von seiner Arbeit vom Felde am Abend …“

Das Buch der Richter schildert also eine Zeit ohne König, in der alle das taten, was ihnen als Recht erschien, sie sich als ihr eigenes Recht anmaßten, die Zeit also vor einer Königsherrschaft. Mit dieser Schilderung ist eine Rückkehr in der Gegenwart leicht. Die Gegenwart ist nicht eine Zeit, wenn König ausgetauscht wird durch Rechtsstaatlichkeit, vor der Rechtsstaatlichkeit, aber der Eindruck mehr und mehr entstehen kann, in der Gegenwart auf dem Weg zur Nach-Rechtsstaatlichkeit zu sein, alle das als Recht ansehen, was sie als Recht meinen. Und auch wenn es, den Menschen sei Dank, keine Königin mehr gibt, in Österreich, treten manche auf, als wären sie Königinnen, die jedoch nicht mehr sind wie lokale Fürsten zur Zeit des Gottes des Moses, also, einfach wie kurz gesagt, kleine Richter

Das Ende der Geschichte, das Jaccottet nicht zitiert, soll der Vollständigkeit willen auch zitiert sein:

„… Als er nun heimkam, nahm er ein Messer, fasste seine Nebenfrau und zerstückelte sie Glied für Glied in zwölf Stücke und sandte sie in das ganze Gebiet Israels. Wer das sah, der sprach: Solches ist nicht geschehen noch gesehen, seitdem Israel aus Ägyptenland gezogen ist, bis auf diesen Tag. Nun denkt darüber nach, beratet und sprecht!“

Was die Konsequenz daraus war, aus der Aufforderung, darüber nachzudenken, zu beraten und zu besprechen, muß nicht erzählt werden, da es Jaccottet nicht zitiert, weder vollständig noch unvollständig. Es war ein Massaker. Von dem wird im zwanzigsten Kapitel im Buch der Richter berichtet: Strafgericht am Stamm Benjamin

Es bleibt nicht beim Beschwören des Blutes, das heilt, auf Demonstrationen. Wenn die Männer und Frauen von diesen heimkehren, dann werden die Frauen von ihren Männern der ewigen Gesundheit … die Zeit des Gottes des Moses, diese Geschichte eines Mannes, der eine Frau mit einem Messer zerstückelt, ist in Österreich nicht vorbei, ist österreichische Gegenwart, wenn allein auf die im ersten Monat des Jahres 2021 wieder ermordeten Frauen …

Aus tausend Punkten keine Welt

Die Demonstration für den Coronaterror hat auch offenbart, wie weit die Einengung bereits gediehen ist, wie weit die Begrenzung des Horizonts fortgeschritten ist, wie sehr in dieser Gegenwart die Wahrnehmung der Welt zu einer verkümmerten schon geworden ist, der Tunnenblick auf die Welt zum alles Bestimmenden geworden ist.

Wie alle ihr Sehvermögen freiwillig mehr und mehr hingeben, mit dem Tunnenblick sich begnügen, ihnen der Tunnelblick vollauf genügt, von dem sie meinen, durch diesen die gesamte Welt zu sehen, aber am Ende des Tunnels zeigt sich ihnen nicht die Welt in ihrer Gesamtheit, am Ende des Tunnels ist nicht die Welt, es sind Punkte in einem Ausmalheft, die sie miteinander verbinden und mit denen sie ihre Welt nachzeichnen, von der sie meinen, sie ist die Welt.

Aus tausend Punkten keine Welt …

Das konnte auch auf dieser Demonstration für den Coronaterror beobachtet werden durch das Beobachten eines die Demonstrationen beobachtenden Menschen, der durch seinen Tunnelblick Punkte sah, die er zum Symbol des Identitären nachzeichnete.

Tatsächlich aber war es das Symbol des Friedens.

Selbstverständlich könnte der sich seine Welt nachzeichnende Mensch Argumente anführen, weshalb er das Symbol des Friedens als Symbol des Identitären sah. In diesem Umfeld, in diesem Milieu nicht das Symbol des Friedens, sondern das Symbol des Identitären nur sehen konnte.

Kein Mensch hätte diese Demonstration mit dem Frieden in Verbindung bringen können, bei all diesen Aufrufen, die keine Aufrufe, keine Forderungen nach Frieden sind, bei den involvierten Personen, die nicht mit dem Frieden in Verbindung zu bringen sind, die nicht unter dem Symbol des Friedens, nur unter dem Symbol des Identitären vorstellbar sind.

Konkret wird von den Organisatoren derzeit dazu aufgerufen, Anschläge auf „Polizeiinspektionen vorzunehmen, Beamten Waffen mit Gewalt zu entwenden, Brandstiftungen am Kanzleramt und anderen Regierungsgebäuden vorzunehmen, Regierungsmitglieder oder den Bundespräsidenten zu Hause zu besuchen oder das Eindringen in das Parlament bzw. dieses anzuzünden“, wie das BVT berichtet.

„Rechtsextreme Gruppierungen sind die treibenden Kräfte der Leugner der Corona Pandemie – das ist ein Faktum“, betont der Innenminister.

So sei auch das direkte Umfeld „des bekennenden und mehrfach verurteilten Neonazis Gottfried Küssel bei Kundgebungen in Wien, Niederösterreich und zuletzt mehrfach im Burgenland“ beteiligt. Auch Martin Sellner von der Identitären Bewegung und einer seiner Mitstreiter in Deutschland ziehen laut BVT im Hintergrund die Fäden. Man arbeite daher ab sofort eng mit den deutschen Behörden zusammen.

Ohne Tunnelblick hätte der diese Demonstration beobachtende Mensch aus dem Symbol des Friedens kein Symbol des Identitären sich gezeichnet. Vielleicht hätte er ohne Tunnelblick darüber einfach geschwiegen. Oder er hätte von dem Mißbrauch des Symbols des Friedens geschrieben, von der Täuschung durch das Symbol des Friedens …

Freilich könnte es eingedenk des bevorstehenden Gesetzes zu einer Veränderung, um dem Strafrechtlichen zu entgehen, des Symbols des Identitären kommen, könnte das Symbol des Identitären durchaus in leichter Anpassung das Symbol des Friedens annehmen. Ein Symbol, das die Rekrutierung noch erleichterte. Wer würde sich nicht jenen anschließen wollen, deren Symbol der Frieden ist.

Ohne Tunnelblick wäre dem die Demonstration für den Terror beobachtenden Menschen möglicherweise rasch eingefallen, daß das Symbol des Identitären im Grunde schon ausgedient hat, abgelöst beispielsweise wohl auch durch ein Symbol einer Formation, deren Name mißbräuchlich zum Täuschen angelehnt ist an einstige Widerstandsbewegung.

Am Ende des Tunnels ist kein Licht, am Ende des Tunnels sind nur schwarze Punkte im Weißen, die nachgezogen beispielsweise ein Symbol zum gesetzlichen Verbieten ergeben, dessen Punkte aber auch sogleich wieder zum Nachzeichnen eines nächsten Symbols sich wandeln, das dann wieder

Aus tausend Punkten keine Welt —

Friedhof der Symbole

Auch wenn Medien in Österreich im ersten Coronadezember darüber schon so berichteten, als wäre das Zeichen der „Identitären Bewegung“ bereits verboten …

Es ist noch nicht so weit.

Dennoch hat es etwas von Pikanterie, wenn der Polizei am letzten Samstag von den Demonstrierenden gegen die Regierung unter der blauen Fahne mit dem identitären Zeichen sehr laut für ihr Anwesenheit gedankt wird. Für eine Anwesenheit, die bei nicht wenigen Menschen den Eindruck erweckte, es handle sich um eine polizeiliche Teilnahme an der Demonstration gegen die Regierung in der Dienstzeit.

Mit dem Verbot ist es noch nicht so weit. Das Begutachtungsverfahren für das Ändern des Symbolegesetzes läuft aus mit 29. Jänner ´21. Im Paket der türkis getupften christgrünschwarzen Regierung zur Terrorbekämpfung enthalten, eingebracht von dem für die Polizei verantwortlichen Minister.

Auch das entbehrt nicht der Pikanterie. Während also der für die Polizei verantwortliche Minister ein Gesetz zum Verbot identitärer Symbole einbringt, erweckt die Anwesenheit der Polizei auf der Demonstration für den Coronaterror gegen die Regierung und also auch gegen ihn den Eindruck, in der Dienstzeit an der Demonstration unter dem blauen Transparent mit dem identitären Zeichen teilzunehmen.

Und wenn das gesetzliche Verbot des identitären Zeichens zur Terrorbekämpfung kommen wird, wovon auszugehen ist, bei der Treue der Abgeordneten der Regierungsparteien, stellt sich bereits jetzt die Frage, wird das identitäre Zeichen sich verbieten lassen, wenn es hinkünftig ein wenig verändert hergezeigt wird …

Am letzten Samstag konnte gesehen werden, daß sich die Marschierenden unter der identitären Fahne schon gegen das Verbot gerüstet haben. Schutz in der Farbe einer Parlamentspartei gefunden haben. Ist es denn noch ein Zeichen der Identitärinnen, wenn etwa die Fahne einen blauen Hintergrund haben wird?

Es, das identitäre Symbol, also nicht mehr in den bisher bekannten Farben verbreitet wird? Sondern in der Farbe der identitären Parlamentspartei, die wieder einmal Regierungspartei war, für kurz …

Wie lange wird es dauern, bis irgendwer in einem gesinnungsgemäßen Magazin danach fragen wird, ob so ein Zeichen sich überhaupt verbieten lasse, wie schon einmal wegen eines anderen verbotenen Zeichens gefragt wurde, ob sein Zeigen sich im Alltag überhaupt vermeiden ließe …

Und das Symbol der Identitärinnen, das nun verboten werden soll, ist nicht nur ein Zeichen von den Identitären … womit das Malheur von Verboten beispielhaft ein weiteres Mal generell offensichtlich wird. Zeichen zu verbieten, die unterschiedliche Bedeutungen in unterschiedlichen Situationen haben können, ist eine äußerst heikle, eine äußerst gefährliche Handlung. Zu viele, die verbotene Zeichen in einem ganz anderen Sinn, in einem harmlosen Sinn, in einem völlig berechtigten Sinn verwenden, können zu leicht und zu rasch in existenzbedrohlichen Verruf geraten, strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt sein. Hierzu genügt ein Verweis auf die Yoga-Zeichen, welche Bedrohlichkeiten solche Gesetze bergen.

Aber eines ist das Verbieten von Zeichen – nicht nur aufgrund der mannigfachen Bedeutungen von Zeichen und mannigfachen unterschiedlichen Verwendungen von Zeichen – stets, es ist immer ein Hinterherhinken.

Verbote von Zeichen zu erlassen, von Zeichen gleich welcher Art, ob aufgemalte, ob mit Händen gezeigte, ist nicht nur stets ein Hinterherhinken, sondern sind auch immer nutzlose Fleißaufgaben, diktiert von Aufregungen des Tages, an die es am nächsten Tag schon keine Erinnerung mehr gibt. Denn. So schnell Zeichen auftauchen, so schnell verschwinden diese auch wieder. Wer erinnert sich an die Fingerspiele? Wer spielt heute noch so mit den Fingern? Wer weiß noch, was dieses Fingerspiel für eine kurze Zeit bedeutete? Vergessen, unverwendet heute. Es ist nicht kurz, aber auch nicht so lange her. Ein Mann dieses Fingerspiels ist noch nicht vergessen, genauer, Österreich will diesen Mann des Fingerspiels nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Einfach wie kurz zusammengefaßt: Solche Verbotsgesetze sind Gesetze, die, kaum daß sie beschlossen, auch schon wieder beerdigt sind, in Gesetzesbüchern der Verwesung preisgegeben, kaum wer verirrt sich zu ihren Gräbern …

Ehe noch das Symbol der Identitärinnen verboten sein wird, wurde bereits das nicht einmal in Kraft gesetzte Gesetz kraftlos gemacht, wie es auf der Demonstration für den Coronaterror präsentiert wurde. Wird das Verbot nach diesem erst zu beschließenden Gesetz so noch exekutiert werden können, wenn das Symbol in Hinkunft so aussehen wird, wie es auf der Demonstration für den Coronaterror präsentiert wurde? Ohne Gelb, ohne schwarzen Grund, ohne gelben Kreis. Dafür mit weißem Grund, mit Schwarz, auf blauem Hintergrund. Blau. Mit der Farbe einer Parlamentspartei in Österreich. Gesinnungsgemäß zwar kein Unterschied in der Bedeutung dieses Symbols von außerparlamentarischen Identitären und parlamentarischen Identitärinnen, aber für das Gesetz … Das wieder ein Gesetz sein wird zum sofortigen Verscharren auf dem Friedhof der Symbole.

Es ist nicht das Symbol der Identitärinnen, das auf blauem Hintergrund gezeigt wird, es ist das Friedenssymbol, von dem im nächsten Kapitel erzählt wird. Davon, wie das Symbol des Friedens nicht zu einer Demonstration dieser Gesinnung paßt. Und auch von dem Tunnelblick der Gegenwart, der nur eine Sicht freigibt – auf schwirrende und Schwindel auslösende Punkte in der Wirkung von Drogen zur Förderung des Halluzinierens der Welt.

Urlaub im ersten Coronawinter

Ein Urlaub in einem sogenannten fremden Kulturkreis läßt doch den Menschen auf Reisen stets staunen. Wie anders doch die Kultur in einem besuchten Land zu der im eigenen Land sein kann. Das mußte diesmal beim Aufenthalt in Österreich gedacht werden. Menschgemäß konnte auch in Wien während dieser Pandemie nicht das gemacht werden, was sonst gemacht worden wäre, im Urlaub. möglicherweise auch in Wien. Theaterbesuche, Konzertbesuche, Museumsbesuche, Kaffeehausbesuche.

Es blieb nur eines, Spaziergänge in freudlosen Gassen.

Die Entschädigung war dann doch das Beiwohnen einer Demonstration, das unmittelbare Erleben dieser fremden Kultur der österreichischen Menschen auf der freudlosen Gasse.

Besonderen Eindruck hinterließ das Verhalten der Polizei, die Kultur der Polizei.

Als ein Mensch aus einem geographisch von Österreich weit entfernten Land gab es an diesem Wintersamstag in Wien beim Zuschauen der Demonstration auf der freudlosen Gasse, die die Innenstadt ringförmig umschließt, einen besonderen Einblick in diese für ihn bisher gänzlich unbekannte Kultur. Es war die Polizei, die in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sich rückte. Als eine Ahnung, diese österreichische Kultur von einer Sekunde auf die andere ganz verstehen zu können, wenn das Verhalten der Polizei in diesem bis dahin noch nie besuchten Land verstanden werden kann.

Menschgemäß ist es unzulänglich, dies als fremde Kultur zu bezeichnen. Eine unzureichende Beschreibung. Eine zu allgemeine, eine zu pauschaliernde. Wird es genau bedacht, muß gesagt werden, es ist keine fremde Kultur. Die Kultur des eigenen Landes ist, einfach wie kurz gesagt, auch in der Kultur des erstmals besuchten Landes Österreich zu erkennen.

Nur das Brauchtum der Polizei, wie es sich an diesem Coronawintersamstag auf der freudlosen Gasse zeigte, ist aus dem eigenen Land nicht bekannt. Das Brauchtum, das wie überall auf der Welt sofort an seiner Kleidung zu erkennen ist. Oft sogar nur an einem einzigen bestimmten Kleidungstück. Wie im Fall der Polizei an diesem Samstag. Es muß nicht einmal ein bestimmtes Kleidungsstück sein. Es kann ein Allerweltskleidungsstück sein, eines, das auf der ganzen Welt getragen wird, in diesem Fall von der Polizei überall auf der Welt getragen wird. Es ist der Helm. Die Einzwängung des Kopfes in einen Helm gehört überall auf der Welt zum Brauchtum der Polizei. Das wäre noch nichts Außergewöhnliches. Das rechtfertigte noch nicht, von diesem Samstag auf der freudlosen Gasse zu erzählen.

Was es zum Außergewöhnlichen macht, was es zum Erzählenswerten macht, ist die Handhabung des Helms. Die Verwendung des Polizeihelms als sichtbares Zeichen. Wie es sich an diesem Coronawintersamstag auf der freudlosen Gasse zeigte. Die Zeichen eines Brauchtums, stets Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe in einem Land, das offen zur Schau gestellte Bekenntnis zu einem Milieu. Das konnte an diesem Samstag auf der freudlosen Gasse beobachtet werden. Und gab einen Einblick in das Brauchtum der Polizei in Österreich.

Wenn es darum geht, sich von einer Gruppe abzugrenzen, wird von der Polizei der Helm getragen, und durch entsprechende Handlungen, hervorgerufen durch den aufgesetzten Helm, durch den im Helm eingezwängten Kopf, die deutliche Ablehnung einer Gruppe zum Ausdruck gebracht. Diese Gruppe wird nicht nur abgelehnt, sondern durch das Auftreten ihr gegenüber mit aufgesetztem Helm als eine zu bekämpfende Gegnerin gebrandmarkt, während diese Gruppe an diesem Samstag auf der freudlosen Gasse, einfach wie kurz gesagt, die Gruppe auf der Seite der Regierung war, von der die Polizei ihre Befehle erhält.

Wenn es darum geht, sich zu einem Milieu zu bekennen, wird von der Polizei der Helm, wie an diesem Samstag auf der freudlosen Gasse zu beobachten war, in der Hand getragen, an der Körpermitte festgezurrt, als Bauchvergrößerung vor sich hergetragen, und der nicht aufgesetzte Helm gab den Blick nicht frei auf Köpfe, sondern auf Mützen. Blaue Mützen. Die Demonstierenden der Kohorten gegen die Regierung werden von der Polizei, wie es an diesem Samstag zu beobachten war, nicht eingekesselt, nicht harsch behandelt wie die Gruppe jener Menschen, die in dieser Sache im Grunde aber Positionen der Regierung vertritt, sondern die Polizei marschiert mit den Demonstrierenden gegen die Regierung mit, beinahe könnte gesagt werden, Arm in Arm, mit vom Bauch herabhängendem Helm, mit der über den Kopf gezogenen blauen Mütze als Bekenntnis ihrer Zugehörigkeit zum Milieu der Demonstrierenden gegen die Regierung.

Die blaue Mütze, beim Auftreten gegen die Gruppe, in dieser Sache auch auf der Seite der Regierung stehend, unter dem Helm verborgen, nicht nur als Bekenntis zur Zugehörigkeit zu dem Milieu der Demonstrierenden gegen die Regierung, sondern auch ein Signal an die Demonstrierenden gegen die Regierung, sie, die Demonstrierenden gegen die Regierung, haben von ihr, der Polizei, nichts zu befürchten, sie, die Polizei wenn mit den aufgesetzten blauen Mützen, ist ihnen, den Demonstrierenden gegen die Regierung, friedlich, ja, solidarisch gesinnt, folgen dem von den Demonstrierenden gegen die Regierung immer wieder skandierten Aufruf „Schließt euch an!“

Mehr aber als Worte können dieses Brauchtum der Polizei anhand ihrer Verwendung von Helm über blauer Mütze Bilder verdeutlichen. Bilder, die im Urlaubserinnerungsalbum von Reisen in nie zuvor besuchte Länder vielleicht mit einem bis dahin nicht verwendeten Begriff beschlagwortet eingeklebt werden: Brauchtum der Polizei in der Kategorie Urlaub im ersten Coronawinter — —

Identitäres

Von einem Erkenntnisgewinn kann nicht gesprochen werden. Denn. Nicht erst seit kurzer Zeit wird es gewußt, daß die FPÖ eine identitäre Partei ist, die im Parlament vertreten und sogar für kurz Regierungspartei …

Es hat nur etwas gedauert, daß sich außerparlamentarische Identitäre auch farblich zu ihrer gesinnungsgemäß zugehörigen Partei bekennen, die Identitärinnen auch farblich offen ihrer gesinnungsgemäßen Heimat huldigen.

Am gestrigen Samstag war es aber schließlich soweit, ein farbliches Bekenntnis zur parlamentarischen identitären Partei abzulegen.

Auch der von dem für kurz gewesenen Infrastrukturminister bestellte Generalsekretär der identitären Parlamentspartei war gestern ein Teilnehmer an dieser Heldenplatzstoffimpfung

Für den Generalsekretär war der gestrige Tag wohl auch ein erinnerungsseliges Zusammentreffen mit außerparlamentarischen identitären Kameradinnen, mit Kameraden, die er einst so herzlich in Wiener Neustadt empfangen hatte, auch wenn damals ihre Fahnen noch nicht blau waren …

Auch wenn der für kurz gewesene Infrastrukturminister gestern nicht Teilnehmer war, so war er mit seinem Aufruf „Gegen den Impfzwang“ gegenwärtig, der viel Verbreitung fand, von Menschen, die sich gestern freiwillig mit dem Heldenplatzstoff impfen ließen.

Die Botschaft von dem für kurz gewesenen Infrastrukturminister wurde auch mit ungehörigen Vergleichen weitergetragen, auf Transparenten in hebräischer Schrift, also durch die Gleichsetzung eines von dem für kurz gewesenen Infrastrukturminister befürchteten „Impfzwang“ mit der nationalsozialistischen Totaldiktatur der Massenmorde.

Auch wenn der für kurz gewesene Innenminister gestern nicht anwesend war, so war er doch allgegenwärtig, durch seine bereits knapp zwei Wochen zuvor ausgegebene Parole „Kurz muss weg“. Diese Parole „Kurz muss weg“ wurde gestern unentwegt skandiert, geschrien, auf Transparenten hergezeigt, sein Name oft abgekürzt auf „KRZ“ … Weshalb ein so kurzer Name noch um einen einzigen Buchstaben abgekürzt werden muß, in Großbuchstaben geschrieben, nun, das gehört wohl auch zum ungehörigen Einimpfen von skandalösen Vergleichen.

Und der für kurz den Vizekanzler gebende Nehmer war gestern auch dabei, zur Auffrischungsimpfung, vielleicht auch dafür, um Aufnahme in seine alte Heimat zu bitten, die er gesinnungsmäßig nie verlassen … Oh, wie viele Versuche gibt es, Heimat zu definieren; in diesem Gesinnungsbund ist Heimat das Wort für Pfründe

Jede Österreich-Fahne, die gestern gezeigt wurde, und die Teilnehmer trugen viele Österreich-Fahnen vor sich her, darf aber nicht als Österreich-Fahne gesehen werden, sondern als die Fahne, die die Teilnehmerinnen in Wahrheit vor sich her trugen: das Blau des Identitären. Es war ganz und gar nicht eine Demonstration von Menschen unterschiedlicher Gesinnungen, sondern eine blaue Veranstaltung, dominiert von blauen Aufrufen und Parolen, von der sich Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen anlocken ließen, wenn Sie wollen, zu der sich Menschen verführen ließen, an einer identitären Veranstaltung teilzunehmen, weil sie sich wohl selbst mit dem Illusionsstoff impften, es sei eine nicht parteilich getriebene Veranstaltung.

Impfungen in Zeiten der Corona

Die allseits vor allem medial als „Impfgegner“ Geführten sind keine Impfgegner. Auch die „Impfgegnerinnen“ sind keine Impfgegnerinnen. Das ist die Wahrheit. Denn. Wären sie das, sie würden nicht in Kohorten dem Aufruf zur Massenimpfung am 16. Jänner ´21 folgen.

Sie werden sich massenweise auf dem Platz nahe des Ballhauses heute impfen lassen, mit einem in Österreich entwickelten, mit einem in Österreich seit Jahrzehnten getesteten Stoff, mit einem in Österreich seit Jahrzehnten als unbedenklich eingestuften Stoff, mit einem in Österreich als zuverlässsig ausgezeichneten Stoff, mit einem in Österreich zuhauf zur Verfügung stehenden Stoff, mit einem Stoff, mit dem Österreich vom Ausland unabhängig ist, mit einem Stoff, mit dem Österreich sich also total autark versorgen kann: mit dem Heldenplatzstoff.

Ohne Impfpflicht werden sie sich also in absoluter Pflicht zur Freiwilligkeit und ohne Zwang mit dem Heldenplatzstoff impfen lassen.

Bei dieser Impfung mit dem Heldenplatzstoff heute am Platz nahe des Ballhauses handelt es sich um die sogenannte zweite Impfung, die zur totalen Immunisierung verabreicht werden muß. Die erste Impfung mit dem Postingsstoff wurde ihnen bereits verabreicht.

Für nicht wenige zur freiwilligen Impfung Kommenden wird es lediglich eine Auffrischungsimpfung sein. Darunter durchaus sogenannte Prominente österreichischer Art, die sich zum Impfen angemeldet haben, beispielsweise der für kurz den Vizekanzler gebenden Nehmer. Für ihn wird das wohl eine nostalgische Reise in seine Jugendzeit sein, selige Erinnerung an seine Impfung auf dem Heldenplatz

Impfung mit Postingsstoff

„In Norwegen sterben nach einer Corona-Impfung 23 Pflegeheimbewohner. Die dortige Gesundheitsbehörde will schwerkranke Hochbetagte jetzt nicht mehr impfen. „

Das ist das Posting auf, wie es unverständlicherweise genannt wird, „Social Media“, die Posterin nennt sich „servustv“. Nein. Das ist kein Posting. Sondern: Das ist eine Meldung in den Nachrichten vom 15. Jänner 2021 in den Nachrichten von „Servus TV“. Das ist die wörtliche Wiedergabe der Nachricht in voller Länge. Kurz wie ein Posting.

Und aus dieser Nachricht in der Länge eines Postings wird ein Posting auf der gesinnungsgemäß zensurierten Website der …

„Norwegen verhängt Impfverbot für Pfizer und BoiNTech Impfstoffe, nachdem es 23 Menschen das Leben kostete! Quelle: Servus TV Nachrichten 15.01.2021“

Ja, die gesinnungsgemäß zensurierte Website hat die Kommentarfunktion seit diesem Jahr wieder aktiviert. Die Schreibstaffel kann auf dem Appellplatz, der in dem Fall zutreffender Tastaturplatz zu nennen ist, wieder auf dem Tastenplatz marschieren.

Und wenn die Menschen, denen der Postingsstoff bereits verimpft ist, den Tastaturplatz einmal verlassen, wie zum Beispiel am 16. Jänner ´21, dann werden sie sich durch Tasten, blind und taub wie sie durch diese Impfung geworden sind, fortbewegen müssen. Was für ein Schauspiel wird das am Heldenplatz sein, diese Zusammenkunft der tastenden Ikonen der Corona-Jahre …

Das Posting, gezogen aus der Nachricht in der Länge eines Postings steht unter dem Kommentar der gesinungsgemäß zensurierten Website, mit der der Aufmarsch am Heldenplatz am 16. Jänner ’21 beworben wird, mit Stellungnahmen von dem für kurz gewesenen Innenminister, mit dem Welcome-Generalsekretär aus Wiener Neustadt im Niederösterreichischen, mit dem Volkserzähler aus dem Oberösterreichischen.

Wie eine nicht in der Länge eines Postings gesendete Nachricht aussieht, dafür kann ein Beispiel aus der „Frankfurter Allgemeinen“ herangezogen werden, vom gleichen Tag, also vom 15. Jänner 2021:

Die Impfstoffanbieter Pfizer und Biontech sagten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie seien über die gemeldeten Todesfälle in Kenntnis gesetzt worden und arbeiteten mit der norwegischen Gesundheitsbehörde zusammen. Die Unternehmen wiesen darauf hin, dass in Norwegen derzeit in erster Linie Menschen geimpft würden, die sehr alt und teilweise unheilbar krank seien. Die Gesundheitsbehörde stufe die Zahl der Vorfälle bislang als „nicht alarmierend“ und „im Rahmen der Erwartungen“ ein; es werde geprüft, ob ein Zusammenhang zu den Impfungen bestehe. Die Regierung erwäge derweil, ihre Impfanweisungen anzupassen und dabei den Gesundheitszustand von Patienten stärker zu berücksichtigen.

Und wenn es bei „servustv“ einmal länger als ein Nachrichtenposting wird, um bei diesem Thema rund um Corona als Beispiel zu bleiben, dann hat es, kurz gesagt, auch nur die Qualität eines Postings.

„Zu Küssel fällt mir kurz ein.“

Das ist literaturgemäß eine Anspielung auf den Satz von Karl Kraus – „Zu Hitler fällt mir nichts ein.“ –, mit dem er auf einen eigenen Satz anspielt: „Mir fällt zu jedem Dummkopf etwas ein.“

Für die Anspielung hätte auch der Satz formuliert werden können: „Zu Sellner fällt mir kurz ein.“

Gottfried Küssel und der Empfänger einer Spende von dem Mann mit der Rune auf der Waffe haben wieder eine mediale Bühne – mit Gebenedeites Corona, Amen! werden sie wohl ihre nächtlichen Gebete schließen.

„Zuschauen, wie Neonazis wie Gottfried Küssel oder die rechtsextremen Identitären eine neue Plattform finden, einen Mob hinter sich sammeln und Behörden angesichts deren äußerst beschränkter Handlungsmöglichkeit verhöhnen – und das genüsslich in ihren Medienkanälen breittreten?“

Dieser Satz ist zu lesen in „Kein freies Demo-Geleit für Rechtsradikale“ in der Tageszeitung „Die Presse“ von Christine Imlinger vom 8. Jänner 2021.

Es fällt zu Corona nicht Küssel ein, zu Küssel fällt nicht Demonstration ein, sondern Kurz am Verhandlungstisch zur Bildung der Bundesregierung in Österreich von der türkis getupften christschwarzen Partei und der identitären Parlamentspartei, an dem u.a. auch ein diese Koalition mitverhandelnder Mann der Solidarität mit Küssel und der Attacke gegen das Verbotsgesetz saß.

Was für ein damals – kurz ist es her – allseits in Österreich begrüßtes und gefordertes freies Geleit für …

Wie recht gut seit dem alles geworden ist, der „Mob“ auf der Straße, eine Regierung, der das Recht zumutbar ist, wie der Verfassungsgerichtshof es wohl meint, ein Parlament, das von der Regierung nicht verhöhnt wird, dafür ein Bundeskanzler, der nur „immer fast schon Aggressionen jedesmal“ kriegt …

… der Mob niemals die Macht. Das ist so eine der Theorien über die repräsentative Demokratie, daß diese dafür erfunden worden sei, den Mob von der Macht auf ewig fernzuhalten.

In Österreich findet diese Theorie ihre Bestätigung. Der Mob hat in Österreich keine Macht. Auch wenn dieser meint, diese zu haben, weil sie „unsere Sprache spricht“ …

PS Karl Kraus ist zu „jedem Dummkopf etwas“ eingefallen; einem davon gab er acht Jahre später einen Namen, wie in seiner „Dritten Walpurgnisnacht“ zu lesen ist …

PPS Zu dem Spendenempfänger wäre Karl Kraus weder etwas noch nichts eingefallen, nicht einmal Corona …

PPPS Und ebenso wäre Karl Kraus weder etwas noch nichts zum Schwimmer im Sitzen in den Alpen eingefallen, nicht einmal Corona …

Das Cabinet des J. Weinheber

Im Bezirksmuseum Landstraße im Amtshaus für den 3. Bezirk in Wien wird die Bildhauerin Margarete Hanusch mit einer Ausstellung geehrt, von der nur „das Wissensnetz aus Österreich“ meint, sie habe das Wandrelief „Gänseweide“ geschaffen.

Was das Bezirksmuseum Landstraße mit dem Bezirksmuseum Ottakring gemein hat, ist, auch dieses hat ein Zimmer eingerichtet zu Ehren von Josef Weinheber. Für das Bezirksmuseum Landstraße habe, schreibt es auf seiner Website, die Literatur einen hohen Stellenwert.

Es will damit nicht gesagt sein, daß Josef Weinheber keine Literatur schrieb, aber wenn bedacht wird, wer außer Josef Weinheber auch im dritten Bezirk von Wien lebte, würde nur dann auf Josef Weinheber verfallen, ihm im Bezirksmuseum ein Zimmer einzurichten, wenn sonst kein Mensch mit einem Werk von Bedeutung über Bezirksgrenzen hinaus, mit einem Werk gar von Weltrang im Bezirk je gelebt hätte, das womöglich auf Ottakring zutrifft und es verständlich macht, daß im Bezirksmuseum des 16. Bezirks in Wien ein Kabinett des Josef Weinheber aufgebaut, nachgebaut ist.

Außerhalb von Bezirksgrenzen und auch innerhalb von Bezirksgrenzen hat Josef Weinheber nur noch für wenige Bedeutung, und die, für die er noch wichtig ist, sind Gesinnungsmenschen von rechter Art, und vielleicht ist er nicht einmal ihnen persönlich wichtig, sondern die Zeit, in der auch er groß war.

Es könnte gerade im Bezirksmuseum Landstraße ein anderes Zimmer nachgebaut aufgestellt werden, in der in einem zum Museum passenden Rahmen ein digitale Ausstellung laufen könnte, über die österreichischen Nachbarn, etwa von dem „Nachbar“ in einem Zimmerl in einem Haus des Dritten, das nicht von ihm erbaut.

Unscheinbare, nichtssagende Josef-Weinheber-Kabinette in Bezirksmuseen Ottakring und Landstraße, und auf der Landstraße nun die Ausstellung für Margarete Hanusch, nicht nur im Bezirksmuseum, auf der Landstraße steht ihre „Blubo“-Plastik „Familie“, ein paar Hausnummern davor soll auf der Landstraßer Hauptstraße, jedenfalls nach dem „Austria-Forum“ eine Skulptur von Josef Bock stehen; sicher ist nur, seine Hitler-Büste im Looshaus gibt es nicht mehr, seine Weinheber-Büste im Schillerpark nach wie vor …

Nun, wie mit den Angaben von „das Wissensnetz aus Österreich“ zu verfahren ist, kann im vorherigen Kapitel gelesen werden … Und auch in bezug auf Josef Weinheber zeigt es sich, wie freundlich gefärbt „Austria-Forum“ manche Biographien …

„Heroische Metaphysik und die Opferrolle des Dichters bestimmten unter dem Nationalsozialismus sein künstlerisches Schaffen. Später erneuerte er seine Mitgliedschaft in der NSDAP, was nach zahlreichen Vorbehalten 1944 akzeptiert wurde.“

Daß Josef Weinheber zur gleichen Zeit in die „Gottbegnadetenliste“ des Adolf Hitler aufgenommen wurde, davon weiß „Austria-Forum“ nichts, „das Wissensnetz aus Österreich“ weiß überhaupt nichts von einer „Gottbegnadetenliste“, auf seiner Website läßt sich das Wort nicht finden; das ist nicht ungewöhnlich, schließlich, es ist ein „das Wissensnetz aus Österreich“

Und vor dem Amtshaus für den dritten Bezirk in Wien der K. L. weihende Brunnen, mit dem die Landstraße verlassen werden kann, um in den ersten Bezirk von Wien zu spazieren, auf den K.-L.-Platz, auf den das Denkmal mit allen Namen von allen Menschen hingehört, die keine „Opferrolle“ einnahmen, sondern tatsächliche Opfer waren von jenen, mit denen auch ein Josef Weinheber sitzend marschierte im Füllfederstechschritt …