Hinterhofstaatlerin

Konziliant gab sich Abgeordneter Rudolf Taschner (ÖVP) in Richtung SPÖ, deren Gedanken er nachvollziehen könne. Taschner verwies auf „laizistische Staaten wie Frankreich“, lobte aber die Vorzüge des österreichischen Modells. Diese lägen darin, dass „Religionsunterricht in der Schule und nicht außerhalb“ stattfinde. Das wolle man „bei bestimmten Religionen nicht haben“. Außerdem sei jeder Mensch „irgendwie gläubig“, referierte Taschner. So habe Giordano Bruno an die Natur, Lenin an die Geschichte und ein Vorgänger des Bürgermeisters Ludwig an Bacchus geglaubt. Taschner bekräftigte, dass der Glaube selbst privat sei, die Religionsgemeinschaften aber in der Öffentlichkeit stünden und daher eine Beziehung zum Staat hergestellt werden müsse. Religions- und Ethikunterricht müssten den Idealen der Aufklärung verpflichtet sein, ohne missionarisch zu sein oder nur ein zeitgeistkonformes Verhalten zu predigen. Abgeordnete Gertraud Salzmann (ÖVP) verwies auf ihre langjährigen Erfahrungen mit dem Schulversuch zum Ethikunterricht in ihrem Heimatbundesland Salzburg. Obwohl seit 2011 „die Fakten auf dem Tisch“ lägen, sei bis jetzt nichts geschehen. Gemeinsam mit den Grünen setze man nun den Ethikunterricht ab Herbst 2020/21 um. Salzmann schloss eine spätere Erfassung der Sekundarstufe 1 nicht aus, es gebe bisher aber nur Erfahrungen mit der Oberstufe. Schon jetzt gebe es im Schulversuch viele gemeinsame Projekte zwischen Ethik- und Religionsunterricht. Da auch im konfessionellen Religionsunterricht viel an Menschen- und Persönlichkeitsbildung gemacht werde, sei Ethik für alle bereits vorhanden, argumentierte Salzmann. Der Religionsunterricht dürfe nicht an den Rand gedrängt werden, nur so werde der „Einfluss von Hinterhofpredigern“ zu verhindern.

Das sind Aussagen aus dem Jahr 2021. Schriftlich festgehalten auf der Website des österreichischen Parlaments …

Wie weit in Österreich es schon einmal war mit einer gegenwartsgemäßen Schule, muß nicht groß ausgeführt werden. Es reicht einen Namen stellvertretend zu nennen: Otto Glöckel. Es reicht, weil es um Religion geht, ein dazu passendes Beispiel herauszugreifen, den sogenannten Religionserlaß von Otto Glöckel aus 1919. So weit war es in Österreich einmal, vor einhundertundzwei Jahren …

Dieser Erlaß wurde von dem damals noch untürkisen Unterrichtsminister zurückgenommen. Das war 1933, in der beginnenden Herrnzeit von Dollfuß und der dann noch länger dauernden Herrnzeit von Schuschnigg. Die ihnen Nachkommenden, nun türkis getupft, entscheiden Sie es bitte selbst, sind zurückgefallen weit vor das Jahr 1919 oder beginnen mit 1933 oder haben sich seit damals nicht bewegt. Und es haben sich nur die Zeiger auf ihren Uhren bewegt, die wohl auch seit damals stillstehen würden, hätten sie einen Einfluß auf die Zeit.

Rudolf Taschner, dieses bildungsbürgerliche role model, stellt mit dieser seiner oben zitierten Aussage ein weiteres Mal seine ganze Intellektualität kräftigst unter Beweis, wenn es sagt, „Religions- und Ethikunterricht müssten den Idealen der Aufklärung verpflichtet sein, ohne missionarisch zu sein oder nur ein zeitgeistkonformes Verhalten zu predigen.“ Es könnte zu dieser Aussage viel geschrieben werden. Aber es reicht, anzumerken, es ist das Ende jedweder Religion, wenn sie nicht mehr missionarisch ist, es ist ohne Missionierung besonders das Ende der Buchreligionen, die es wohl vor allem meint, da es eine recht hervorhebt.

Das role model des Bildungsbürgerinlichen mit der Liebe zum Lateinischen sagt, es „sei jeder Mensch ‚irgendwie gläubig‘, referierte Taschner. So habe Giordano Bruno an die Natur, Lenin an die Geschichte und ein Vorgänger des Bürgermeisters Ludwig an Bacchus geglaubt.“ Auch dazu könnte einiges geschrieben, zum „Glauben“ an Natur, Geschichte … Es genügt aber vollauf festzuhalten, dem „Vorgänger des Bürgermeisters Ludwig“ vorzuhalten, er habe an „Bacchus geglaubt“, das ist ein Chat ohne Smartphone. Das role model – Thomas Schmid für Lateinerinnen. Noch einfacher kurz gesagt: Taschner: Schmid für Lateiner.

In welcher Zeit in dieser nun türkis getupften Partei gedacht wird, zeigt auch die oben zitierte Gertraud Salzmann, ebenfalls eine Abgeordnete, eindrucksvoll auf. Wenn sie sagt: „Der Religionsunterricht dürfe nicht an den Rand gedrängt werden, nur so werde der ‚Einfluss von Hinterhofpredigern‘ zu verhindern.“ Das ist schulreformatorisch wahrlich tief hineingedacht …

Wer aber lateinisch spricht, spricht auch philosophisch, auf dem höchsten Niveau, das in Österreich zu erklimmen ist …

Und ganzheitlich, wie es heutzutage modern gesagt wird, noch dazu. Die gleich dafür angelegte Karte wird nun, darf angenommen werden, im Religionsunterricht, im Ethikunterricht wohl auch zum Einsatz …

Es gab eine Zeit, das ist noch nicht so lange her, als die Partei der „Grünen“ dafür war, den Religionsunterricht als Pflichtunterricht abzuschaffen, den Religionsunterricht als Freifach anzubieten, einen verpflichtenden Ethikunterricht einzuführen. Nun liest die Partei der „Grünen“ das Datum vom türkisen Kalender ab, um zu wissen, in welchem Jahr sie zu sein hat.

Es ist nicht so, daß bei den Nachkommenden in dieser nun türkis getupften Partei nicht gewußt wird, wie weit es in Österreich schon einmal gewesen ist. Der Kabinettschef des zurzeitigen Unterrichtsministers etwa hat sich in seiner Dissertation auch zu Otto Glöckel geäußert. Im Zusammenhang mit dem Erlaß zur Religion ist folgende Passage zu lesen:

Besonders intensiv wurde auf die Aufhebung des sog. „19er“ Erlasses des Unterrichtsministeriums aus dem Jahr 1919 verwiesen. Glöckel, der damals Unterstaatssekretär für Bildung gewesen war, hatte in diesem Erlass den Zwang zur Ausübung religiöser Übungen aufgehoben und die Pflicht zur Befragung von Schülern hinsichtlich der individuellen Ausübung der religiösen Pflichten aufgeweicht. Genau daran stieß sich Rummelhardt. „Und nun gehört es ja zu den höchsten Aufgaben des Priesters und des weltlichen Erziehers, darüber zu wachen, dass von den Kindern die Pflichten erfüllt werden, die Pflichten gegen Gott und die Pflichten gegen die Menschen. Der 19er Erlass des Unterstaatssekretärs Glöckel hat aber von einem Zwang zu den religiösen Übungen gesprochen, er hat den Zwang aufgehoben, er hat die Ausübung dieses Zwangs verboten und hat damit eine Situation geschaffen, die jede sittlich religiöse Erziehung ausgeschlossen hätte, die sittlich religiöse Erziehung unmöglich macht und die tatsächlich zu dem traurigen Ergebnis führen müsste, dass unsere Schule wirklich entchristlicht wird“530, kritisierte der Wiener CSP-Stadtrat und erntete dafür von den Zuhörern Zustimmung. Die von Glöckel angestrebten Reformen im Unterrichts- und Bildungswesen wurden auch scharf kritisiert. Antisemitismus wurde dabei auch „eingesetzt“. „…da hat er sich in Wien eine Stelle ausgesucht, von der er mit eiserner Hand seine Reformen, seine von jüdischen Freimaurern diktierten Reformen durchführt. Sein Bestreben ist geleitet vom Hass gegen alles, was Kirche heisst …“531, meinte er dazu. Rummelhardt kritisierte auch, dass aktuelle Erlässe des Unterrichtsministeriums, in denen festgelegt worden war, wie die Befragung von Schülern hinsichtlich der individuellen Ausübung der religiösen Pflichten ausgeführt werden solle, vom Wiener Stadtschulrat und Glöckel durch eigene Erlässe angeblich konterkariert worden waren. Und er kündigte in diesem Zusammenhang, an den Verfassungsgerichtshof mit dieser Angelegenheit zu befassen. „Nun hat das Ministerium darauf zwar sehr vorsichtig geantwortet, das Befragen sei kein Zwang, es müsse alles vermieden werden, dass es nicht den Charakter eines Zwanges annehme. Damit hätte sich doch Glöckel bescheiden können, … Aber Glöckel war das viel zu wenig; …er hat einen eigenen Erlass herausgegeben. … Der Erlass der Wiener Schulbehörde geht noch weiter, es ist darin ausdrücklich festgelegt, dass das Kind, wenn es nicht will, die Frage des Lehrers nicht zu beantworten braucht.“532Rummelhardt sprach in diesem Zusammenhang auch der katholischen Lehrerschaft ihren Dank aus. „Wir müssen“, meinte der CSP-Stadtrat, „auf dem Wiener Parteitage den christlichen Lehrern und Lehrerinnen besten Dank für ihr Durchhalten aussprechen. Es muss jeder christliche Vater und jede christliche Mutter diese Männer und Frauen bewundern, die sich nicht scheuen ihre Pflicht zu erfüllen, trotzdem sie wegen dieser Pflicht von der sozialdemokratischen Schulbehörde gemaßregelt werden.“533 Und er appellierte an christlichsoziale Elternräte, den bestehenden Landeselternverband nicht zu verlassen. Ein Rückzug aus diesem formal überparteilichen Gremium, das in Wirklichkeit von den Sozialdemokraten dominiert sei würde die Partei den letzten Einfluss auf die Geschicke in den Wiener Schulen kosten. Er kritisierte aber auch die Bestrebung des Stadtschulratspräsidenten konfessionslose Personen als Schuldirektoren zu bestellen. „Ich frage Sie: Kann denn ein konfessionsloser Schulleiter die Schüler … sittlich religiös erziehen? Das ist ganz unmöglich“534

In einem anderen, gerade für das christlich-konservative Lager wesentlichen Bereich fand ebenfalls eine merkliche Zurückdrängung statt. Diese betraf den Religionsunterricht in den Schulen. Dem sozialdemokratischen Prinzip folgend, dass Religion Privatsache sei und nichts in den öffentlichen Schulen zu suchen hatte wurde von der Wiener Stadtregierung alles daran gesetzt, Religion und alle ihre Ausprägungen – vom Religionsunterricht über das Schulgebet bis hin zu religiösen Liedern – aus der Schule zu drängen. Genau damit aber trafen sie aber die Christlichsozialen, ihre Wähler und Sympathisanten ins Mark, denn diese Maßnahmen behinderten nach Ansicht der CSP die Weitergabe dieser christlich-katholischen Kultur. Aus Sicht des bürgerlich-konservativen Lagers erreichte die Sozialdemokratie in Wien einen geradezu sektenähnlichen Status, der dem Bürgertum und der Christlichsozialen Partei doch Respekt und vielleicht sogar Angst einflösste. Heinrich Mataja schrieb darüber in unversöhnlicher Art und Weise im April 1927 in der Reichpost: „Wir haben es heute mit keiner Partei im landläufigen Sinn mehr zu tun sondern mit einer eigenen Welt, mit einem Staat im Staate. In den Verhältnissen, die wir kennen (Anm. der Christlichsozialen Partei), spielt die Organisation eine gewisse Rolle. Sie ist ein Instrument, ein Mittel zum Zweck, bald mehr, bald minder wichtig. Das Ziel der sozialdemokratischen Organisation dagegen ist, das Individuum in allen seinen Lebensäußerungen zu erfassen, um es ganz zu beherrschen, und um es von jeder anderen Berührung fernzuhalten. … So hat sich die Partei eine hasserfüllte Garde herangezogen, die vom Bürgertum das Schlechteste annimmt […]

„Wir haben es heute mit keiner Partei im landläufigen Sinn mehr zu tun sondern mit einer eigenen Welt, mit einem Staat im Staate. In den Verhältnissen, die wir kennen. (Anm. der Christlichsozialen Partei) […]“ Das ist eine Analyse, die dazu verführt, taschnerisch zu glauben, der türkise Kalender zeigt auch das Datum, das allen anderen Menschen im Land ihre Kalender für den heutigen Tag …

Es bietet sich bei diesem Zitat an, es drängt sich nahezu auf, das salzmannsche Wort „Hinterhofprediger“ aufzunehmen, und es ein wenig verändert dieser ihrer Partei zu widmen: „Hinterhofstaatlerin“ …

Nur nebenher, also kurz: Wer den Erlaß von Otto Glöckel zurückgenommen hat, ist aus dieser Arbeit des Kabinettschefs nicht zu erfahren, den Namen dieses Unterrichtsministers erwähnt er in diesem Zusammenhang nicht, dessen schwarze Geschichte erzählt er nicht …

Um zu einem Ende dieses Kapitels zu kommen, dies noch.

Es ist, generell dazu gesagt, ein Humbug. Gesinnungsgemäßes ist aber immer ein Humbug. Einen Gegenstand, also Religion, von dem Schüler sich abmelden können, durch einen verpflichtend zu besuchenden Unterricht, also Ethik, zu ersetzen, die Schülerinnen also in ihrer freien Wahl äußerst zu beschränken, sie für ihre Selbstbestimmung zu bestrafen, ihnen enge Grenzen ihrer Freiheit vorzuführen, sie in den Ethikkarzer zu sperren.

Es wähnen sich gar viele Mensch sehr modern, die dafür sind, den Religionsunterricht durch einen Ethikunterricht zu ersetzen. Auch hierzu könnte vieles geschrieben werden. Aber es reicht zu sagen. Zum einen. Es ist ein Fehlschluß, daß es einen Ersatz geben muß für einen aufzulassenden Gegenstand. Ethik als eigenes Schulfach aber ist nutzlos. Ethik ist, um einen heutzutage beliebten Begriff zu verwenden, eine Querschnittsmaterie, das heißt:

Ethik hat in allen Lehrplänen der einzelnen Unterrichtsgegenstände verpflichtend enthalten zu sein.

Damnatio memoriae – Der Strick, das Richtschwert, die Kugel

Das sind die wahren Motive der Linkslinken, der Roten wie der Grünen : Chaos erzeugen, die damnatio memoriae auf die Spitze treiben, die Leute vernadern, beschuldigen , verächtlich machen – sich selber aber bereichern bis zum Anschlag !! Ich bleibe dabei : liebe FPÖ ,bitte meidet jeden Kontakt mit diesen Unmenschen , sei es durch Koalition, projektbezogene Zusammenarbeit oder gar persönliche Begegnungen !! Vermeidet das tunlichst ! Die einzigen Werte, die diese Figuren verstehen, sind der Strick, das Richtschwert und die Kugel !! Ich habe fertig….  

Die gesinnungsgemäß zensurierte Website hat vor einiger Zeit beschlossen, Kommentare zu ihren Kommentaren wieder zuzulassen, ihre Staffeln wieder laufen zu lassen. Das ist die Website der Gesinnungsgemeinschaft, deren Partei im österreichischen Parlament sitzt und in der österreichischen Regierung für kurz …

Diese Wiederzulassung scheint der Einsicht geschuldet zu sein, nicht ohne diese Kommentare auskommen zu können, die ihre Bildungsbürgerlichkeit stets beweisen, wie dieser oben zitierte Kommentar vom 9. Juni ’21 wieder einmal exemplarisch. „Damnatio memoriae“ – es ist leicht vorstellbar, wie der bildungsbürgerinliche Schreiber, vielleicht eine bildungsbürgerliche Kommentatorin, an diesem Sonnentag nach Hause schlendert, um diesen Kommentar zu schreiben, nachdem er oder sie auf dem Judenplatz die lateinische Inschrift las, erfreut darüber, daß auf den Straßen Wiens noch gar so viel Bildungsbürgerliches …

Solche bildungsbürgerliche Kommentare sind stets Antworten, Ergänzungen zu den Kommentaren der Website. Es findet auf dieser Website ein Dialog der Kommentatoren statt, die von Manchem in diesem Staat eingeforderte Gesprächsbereitschaft findet also auf dieser Website zwischen den Kommentarorinnen statt.

Worum geht es in dem Kommentar der Website, auf den die Lateinerin antwortet, der Lateiner seine Bereitschaft zum Einsatz von „Strick“, „Richtschwert“, „Kugel“ im Dialog bekundet … Es geht um Straßennamen —

Um die Benennung von Straßen nach „Verdammten“, deren „Andenken“ sie oder er vor der „Verfluchung“ gerettet wissen will. Es ist dabei auch Größe im Spiel, wenn im Kommentar der Website für Karl Lueger Partei ergriffen wird, vielleicht auch in Erinnerung an die gute alte Zeit der gemeinsamen Regierung für kurz …

Es geht in diesem Kommentar der Website auch um die Verteidigung der Straße für Herbert von Karajan, zu dem sofort Christa Ludwig einfällt:

Schon als Kind saß sie Herbert von Karajan auf dem Schoß, der am von ihrem Vater geleiteten Theater in Aachen als jüngster Generalmusikdirektor wirkte, bis die Nazis „das Wunder Karajan“ nach Berlin beförderten. 1945, mit 17 Jahren, hatte Christa Ludwig ihren ersten öffentlichen Auftritt in Gießen.

Was ein Mensch als Kind, heißt es, hörte, spricht er als alter Mensch. Vom gelockten zuhörenden Kind zur sprechenden alten Frau, eine Lebensbilanz, mit der Christa Ludwig selbst wohl recht zufrieden gewesen sein wird …

Es geht in diesem Kommentar der Website auch um Ferdinand Porsche:

Zum anderen übernahm Porsche nicht die menschenverachtende Ideologie der Nazis, die in seiner Firma eingesetzten Zwangsarbeiter wurden nicht so schlecht behandelt wie anderswo. Als „politischer Konjunkturritter“ suchte Porsche die Nähe zum Regime, weil er dadurch Rückenwind für seine Geschäfte bekam.

Der Volkswagen-Porsche … Das ist so eine Sache mit den Konzernen und den Regimes, zuerst sind die Geschäfte und dann die Regimes.

Auch in dieser Zeit, um die es bei diesen Straßennamen geht, hatten die Geschäfte auf ihrer Tagesordnung die Wahl des zu ihnen passenden und für sie erfolgsversprechenden Regimes …

„Zwangsarbeiter wurde nicht so schlecht behandelt wie anderswo.“ Wo das „Anderswo“ war? Vielleicht kann ein malender Bruder einmal doch etwas darüber erzählen, wie „Zwangsarbeiter“ anderswo …

Es geht in diesem Kommentar der Website auch um Karl Heinrich Waggerl, der ihr ein „begnadeter Volksdichter“ … Lange nach dem Tod von dem „begnadeten Volksdichter“ erzählte der Maler Erwin Exner noch rührselig Gutes von Karl Heinrich Waggerl jungen Menschen im Rahmen von Schulskikursen in Wagrain … Und wer kann die Anzahl der Jahre angeben, in denen jährlich vor Weinachten die waggerlschen Adventgeschichten in der „Kronenzeitung“ und auch anderswo …

Ein Mann, der sich „Donaufischer“ nennt – es kann aber auch eine Frau sein, es kommt nicht selten vor, daß Frauen etwa bei ihrer Berufsnennung die männliche Form angeben -, macht Vorschläge, welche Namen als Ersatz …

Durch welche erlauchten Namen wollen denn unsere Denkmalstürmer die Salzburger Straßennamen ersetzen? Ich hätte da einige Vorschläge: Wie wär´s mit Mao-Boulevard oder Pol-Pot-Platz? Vielleicht George-Soros-Allee oder Hermann-Nitsch-Platz ? Der linken Phantasie sind bei 66 Straßennahmen keine Grenzen gesetzt.

Mao-Boulevard oder Pol-Pot-Platz“ sind keine Vorschläge, die in Erwägung gezogen werden können. Aber „George-Soros-Allee“ wäre doch, gerade in Österreich, nicht zur Verherrlichung des Namensträgers, sondern allein durch den Namen, der selbst zum Zeichen, zum Code gemacht wurde, ein starkes Zeichen gegen …

Die nach solchen Menschen benannten Straßen, Gassen, Plätze sind kein Anstoß. Der Tod in Salzburg etwa reist nicht seit Jahren durch die Lande und rezitiert Straßennamen. Der mittlerweile in Rente gegangene Tod in Salzburg reist nicht weitere Jahre durch die Lande und rezitiert Gassennamen und Plätzenamen, sondern er trägt Gedichte vor von …

Die Straßen, die Gassen, die Plätze sind also kein Anstoß, die Benennungen der Straßen, Gassen, Plätze nach ihnen könnten durchaus nach ihnen benannt bleiben, denn es wären nackte Namen, ohne Bedeutung, irgendwelche Namen nur, mit denen Menschen nichts anderes als die Geographie in Verbindung brächten, ihnen zur Unterstützung, um zu wissen, woher sie kommen, wo sie sich befinden, wohin sie müssen. Es wären namenlose Namen. Oder. Es wären einfach mit Zahlen zu vergleichenden Namen. Aber Straßen, Gassen, Plätze nur mit Zahlen zu bezeichnen, ist doch eintönig, 123. Straße, Gasse 957, Platz 95, Weg 301 …

Anstößig aber sind die beschönigenden, die verharmlosenden Andenken und die gesinnungsgemäße Pflege auf mannigfache Weise bis in die Gegenwart herauf, von so vielen, um noch ein Beispiel zu nennen, etwa von einem Sprecher des Landesverteidigungsministeriums in Österreich …

es

Nicht mehr lange, Regierungschef Netanjahu

Benjamin stemmt sich derzeit mit allen Kräften gegen den drohenden Amtsverlust.

Nicht mehr lange Regierungschef?

Vor dieser Überschrift berichtet die Tageszeitung „Die Presse“ über das verbale Aufziehen der Bibi-Flagge

Und unter dieser Überschrift

Nicht mehr lange Regierungschef?

berichtet „Die Presse“ darüber, wie es in diesem Staat jetzt zugeht, über den Ablauf, dessen Schluß sein soll, daß der gerade noch Regierungschef nicht mehr Regierungschef sein wird.

Und am Ende, „Die Presse“:

In einer früheren Version dieses Artikels stand im Titel: „Kurz stärkt Netanjahu vor drohendem Amtsverlust den Rücken“. Nach der Klarstellung des Bundeskanzleramts haben wir die Überschrift konkretisiert.

Wie wohltuend das zu lesen, Wörter des Vertrauens in einer gar vertrauenslosen Zeit noch lesen zu dürfen. Vertrauen zu haben, auch Vertrauen in die Klarstellungen des Bundeskanzleramtes, Wörter, die zum Vorbilde gereichen, für alle, doch einander zu vertrauen, wieder Vertrauen zu haben, auch zum Bundeskanzleramt mit seinem ungeschminkten Dach, das keine Einmischung kennt, nur Dankbarkeit zur rechten Zeit

Diese Dankbarkeit zur rechten Zeit wird einst der dann ehemalige Regierungschef in rührseliger Erinnerung auch seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen wollen, durch sein verbales Aufziehen der Basti-Fahne unter dem Dach, unter dem er dann leben wird, und der auf solche Weise Zurückbedankte könnte dann diesen Dank als einen zur unrechten Zeit vorgebrachten beurteilen, von diesem gar peinlich im ungünstigsten Moment erwischt werden, könnte es doch ein aufgenommener Dank unter dem Dach einer Strafvollzugsanstalt …

Auf dem Weg zur späten zweiten Karriere – Theoretiker der Staatsverweigerung?

„Diese Chats in allen Fällen sind grauslich. Dass sie veröffentlicht werden dürfen, auch was den persönlichen Bereich anlangt, ist ebenso grauslich. Das gibt es nirgends, auch in Deutschland nicht.“

Hermann Schützenhofer, Landeshauptmann in der Steiermark, am Sonntag, 6. Juni ’21. In der „Pressestunde“. Im österreichischen Rundfunk.

Das würde es nirgends geben. Sagt ein österreichischer Landeshauptmann. Das gibt es, sogar in Österreich. Zum Beispiel Chats von Männern und Frauen, die Verschwörungen anhängen. Chats, die auch den persönlichen Bereich anlangen, in geschlossenen Gruppen, also nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die ebenfalls zu Hausdurchsuchungen beispielsweise führen.

Nach der Sicht dieses Landeshauptmannes müßte es wohl ebenso grauslich sein, die Chats der Männer und Frauen der Verschwörungen zu veröffentlichen. Für die Veröffentlichung dieser Chats aber würden dem Landeshauptmann mit Bestimmtheit Argumente einfallen, warum das Veröffentlichen dieser Chats nicht grauslich

Was aber macht den Unterschied zwischen den Chats aus, deren Veröffentlichung grauslich und deren Veröffentlichung nicht grauslich?

Die einen Chats, deren Veröffentlichung grauslich, sind die Chats von Ehrenbaren in höchsten Staatspositionen, die anderen Chats, deren Veröffentlichung nicht grauslich, von sehr weitschichtig Verwandten, die zur Familie zählen zu müssen, als das Schmerzhafteste, würden Ehrbare danach gefragt werden, in ihrem Leben benennen würden.

Der Landeshauptmann sagt, das Veröffentlichen der Chats ist grauslich, auch was den persönlichen Bereich anlangt. Nun, bei Chats gehört es offensichtlich dazu, auch den persönlichen Bereich einzubringen, das Persönliche beizumengen. Auch bei den Chats, deren Veröffentlichen nicht grauslich, ist es nicht anders, wenn etwa eine Frau berichtet, sie wäre bei verschiedenen Einheiten des Bundesheeres gewesen, etwa ein Mann berichtet, er wäre Oberleutnant der Reserve, etwa ein Mann berichtet, er hätte gedient und wäre freiwillig im Kosovo gewesen, in den Chats also Persönliches, Biographisches nicht verschwiegen wird, zwischen den Chats, in denen es beispielsweise um Verschwörungen

Ebenso ist es auch bei den Chats, deren Veröffentlichen grauslich, wenn etwa der eine Ehrbare in höchster Staatsposition schreibt:

Wie sagte SK kürzlich? Im BKA gibt es Beamte, die sich ihrer Partei mehr verpflichtet fühlen als dem Staat. Nicht nur dort …“

Wo sonst werden beispielsweise Verschwörungen effektiv mit der größten Aussicht, als wahr gelesen zu werden, als im persönlichen Bereich verbreitet? Und dieser Ehrbare in höchster Staatsposition hat allein mit diesem zitierten Beispiel die Verschwörung eines Ehrbaren an der zurzeitigen Staatsspitze weiterverbreitet, der auch ohne Chats aber bei größter Gefahr, da nicht an freundschaftlich verbundene Menschen gerichtet, widerlegt zu werden, noch andere …

Und wenn der zweite Ehrbare in höchster Staatsposition über den ehemaligen amerikanischen Präsidenten schreibt:

„Uns fehlt Trump.“

Dann mag das seine persönliche Meinung sein, auch, die zu veröffentlichen nicht grauslich, denn es ist eine, die zugleich sein Umfeld grauslich spiegelt, wenn allein an einen zweiten Mann an der zurzeitigen Staatsspitze gedacht, dem er, Trump, ein Partner sei, in den er als „wir Vertrauen“ …

Dieser Ehrbare in höchster Staatsposition, dessen erste Karriere nun wohl zu Ende geht, hat aber durchaus das Zeug dazu, eine späte zweite zu machen, als erster Theoretiker der Staatsverweigerer, wenn er von ihnen, sogar ungefragt, nicht ohnehin schon zu ihrem Theoretiker erhoben wurde. Sein Chat

„Nein, einen vom VfGH fehlgeleiteten Rechtsstaat kann man nicht mehr dienen …“

hat die Qualität zum ersten Paragraphen eines Manifests der Staatsverweigerinnen, die doch stets auf der Pirsch nach plausibel klingenden, theoretisch fundiert scheinenden, aus der Wirklichkeit scheinbar geholten Erklärungen am besten von vorgeblich seriös zu nennenden Ehrbaren für ihre Staatsverweigerung sind. Kann es für ein Manifest der Staatsverweigerung einen besseren ersten Paragraphen geben, als diese Chatexpertise eines Juristen in höchster Staatsposition?

Der eine Ehrbare, der nun mit diesem Monat nicht mehr in einer höchsten Staatsposition sein wird, der auch für kurz Vizekanzler war, an das ist zum Schluß doch zu erinnern, hat einst als Justizminister durchgreifen wollen, gegen digitale Inhalte, die stets in einer seltsamen Mischung aus Persönlichem und Öffentlichem, und war dabei doch recht milde, wenn die Plattform eine aus Österreich, so milde wie bei einem Freund, dem ehrbaren Staatsphilosophen …

Eine Geranie

Auf der Prozession für den Fronleichnam auf der Landstraße.

Sie hält vor der Pietà Familie an.

Alle knien nacheinander nieder.

Alle beten dem Priester unter dem Himmel nach.

Kniender Herr in Lederhose (flüsternd): Haben Sie ihn gesehen? — (Laut:) Den Polizisten!

Kniender Mann in voller Wichs (flüsternd): Ärgerlich ist das wirklich. Seit einer Ewigkeit und drei Tag‘ mit laufendem Motor —

Kniender Herr in Lederhose (laut): Ohne Motor!

Kniende Ministranten schauen ihn streng an.

Kniender Herr in Lederhose (wieder flüsternd und dabei auf seinem Smartphone ein Foto herzeigend): Ohne — —

Kniender Mann in voller Wichs: Nicht mit laufendem Motor?

Herr in Lederhose: Nein.

Kniender Mann in voller Wichs: Ist ihm jetzt halt schon warm genug.

Herr in Lederhose: Er ist ohne Wagen dort.

Kniender Mann in voller Wichs: Wo sitzt er dann?

Herr in Lederhose: Er steht.

Kniender Mann in voller Wichs: Wowie?

Herr in Lederhose: Direkt vor der Haustür steht er.

Kniender Mann in voller Wichs: Ist ihm jetzt halt warm genug.

Herr in Lederhose: Wird schon so sein.

Ein kniender Mann im Trachtenjanker: Aber wenn es nur ein wenig kälter wieder wird, dann sitzt er wieder im Wagen. (Laut:) Mitmit laufendem Motor wieder am Stand!

Kniende Dame im Dirndl schaut ihn streng an.

Ein Mann im Trachtenanzug (flüsternd): Ist ja wirklich eine Frechheit, eine Rücksichtslosigkeit sondergleichen.

Kniender Mann in voller Wichs: Wem sagen Sie das. (Laut:) Dieser Gestank!
Noch ein kniender Herr in Lederhose (laut): Unsereiner brennt wie ein Luster, wenn du nur eine Minute bei laufendem Motor —
Kniender Mann in voller Wichs (weiter laut): Eine Luftverpestung sondergleichen!

Kniende Ministranten, kniende Dame im Dirndl schauen die Lautgewordenen streng an.

Ein weiterer kniender Mann in voller Wichs (flüsternd): Seit einer Ewigkeit und drei Tag‘ meid‘ ich die Marschgasse — —

Kniende Ministrantin (flüsternd): Polizeiliche Klimaleugnung ist das.

Kniender Herr in Lederhose (wieder flüsternd): Wir ja auch, meine Schwester und ich.

Kniende Dame im Dirndl: Meine Kinder können auch nicht mehr durch die Marschgasse zur Schule. Dabei wäre die Marschgasse für sie der kürzeste Weg nach Hause, aber sie können nicht mehr durch die Marschgasse. Kaum gehen sie beim angelassenen Polizeiwagen vorbei, bekommen sie schon keine Luft mehr, keine Luft und verpestet augenblicklich verpestet ihre Kleider. Seit einer Ewigkeit müssen meine Kinder die Marschgasse weitläufig — (Laut:) Und das nur wegen dem Stinker da!

Kniender Pfarrer und kniende Schwester des knienden Herrn in Lederhose sehen sie streng an.

Kniende Dame im Dirndl (wieder flüsternd): Verzeih’n Sie meine unchristlichen Worte. Aber das ist doch wahr!

Junger Mann in voller Wichs (laut): Wen bewachen die denn da überhaupt?

Kniende Ministranten, kniender Pfarrer, kniende Schwester des Herrn in Lederhose und kniende Dame im Dirndl schauen ihn streng an.

Junger Mann in voller Wichs (flüsternd): Wen bewachen die denn?

Kniender Herr in Lederhose zuckt mit den Schultern.

Kniender Mann im Trachtenanzug: Muss ein ganz Wichtiger sein.

Kniender Herr in Cordhose und Lodenüberzieher: Na ja.

Noch eine kniende Dame im Dirndl: Doch, das muß ein ganz Hoher sein.

Junger Mann in einer Krachledernen: Oder eine ganz Wichtige.

Kniender Mann in voller Wichs: So ein Hoher kann das nicht sein, wenn er immer daheim ist.

Ein älterer Herr im Lodenmantel: Muß aber eine Höchstwichtige sein, sind ja oft nicht nur ein Polizist (zeigt ein Foto auf seinem Smartphone her) — —

Junger Mann in voller Wichs: Immer daham?

Kniender Herr in Lederhose: Muß er wohl, die Polizei steht ja immer vorm Haus, und das seit — (laut:) Tag und Nacht!

Kniender Pfarrer und kniender junger Mann in voller Wichs schauen ihn streng an.

Kniende Dame im Dirndl: Nicht mal am Sonntag mehr kann ich wegen dem mit den Kindern durch die Marschgasse zur Kirch‘ — —

Eine sehr alte Dame mit Kopftuch: Werk- wie feiertags steht er auf der Marschgoss’n. Ich laß‘ mir ja nur noch alles in die Wohnung liefern. Ich wohn‘ auf der Marschgoss’n und kann nicht mehr auf die Marschgoss’n.

Kniender Pfarrer (laut): Deswegen nicht mehr in die Kirche zu —

Alle schauen den Pfarrer streng an.

Noch ein junger Mann in voller Wichs: Die Polizei tät ja sonst nicht immer vor seiner Tür steh’n, wenn er nicht ständig z’aus —

Eine kniende junge Frau: Ich will nicht mehr auf der Marschgassen sein. Meine Geranie am Fenster hab‘ ich jedenfalls wegschmeissen müssen, so gestunken hat sie.

Die Gebete sind zu Ende. Alle erheben sich nacheinander. Die Demonstration setzt sich in Bewegung.

Austria’s blacklist

Nachdem die erste erstellte Landkarte ein derart durchschlagender Erfolg war, auf den die von der türkis getupften christschwarzen Partei angeführten österreichischen Bundesregierung mit Recht stolz sein kann, ihr wahrhaft zur Ehre gereicht, sind, so wird bereits gemunkelt, weitere Landkarten von dieser Art geplant.

Die nächste Landkarte soll, so wird bereits gemunkelt, das jüdische Leben in Österreich abbilden, das Service aber soll noch mehr ausgebaut werden, nicht nur die Adressen von den Einrichtungen und nicht nur die Privatadressen von einigen wenigen Ausgewählten sollen in die Landkarte aufgenommen werden, sondern diesmal auch alle Wohnadressen von allen, deren Identifizierung ein wie immer geartetes Naheverhältnis etwa durch eigene Mitgliedschaft oder auch durch Mitgliedschaft von Angehörigen erbringt, um so noch eindrucksvoller die Vielfalt

Wenn diese zweite Landkarte, so wird bereits gemunkelt, ebenso einschlägt wie die erste, sollen weitere Herstellungen von Landkarten nicht ausgeschlossen sein, die Überlegungen hierzu sollen, so wird bereits gemunkelt, schon recht im Gange sein, welche Gruppierungen noch auf Landkarten mit allen notwendigen Daten für differenzierte Diskusssionen dargestellt werden können, die einer besonderen Sicherheitsbehandlung zu unterwerfen sind.

Schatten über Österreich

Ich bedaure sehr, dass es in den letzten Tagen vermehrt zu politischer Instrumentalisierung gekommen ist und dass mittlerweile auch verschiedenste Rechtsextremisten den Zweck dieses Projektes völlig konterkarieren. Die soeben bekannt gewordenen Warnschilder an verschiedenen Orten Wiens sind erschütternd und verstörend und ich verurteile derartige Aktionen auf das Schärfste. Die Islamlandkarte wollte eine differenzierte Diskussion über das islamische Leben in Österreich ermöglichen und einen positiven Beitrag leisten. Es sollte die Vielfalt des islamischen Lebens in Österreich aufgezeigt werden – in all seinen Schattierungen. Dennoch möchte ich festhalten, dass zweifellos dringende Notwendigkeit an einer sachlichen Debatte über den Islam in Österreich besteht. Die Islamlandkarte kann dazu einen sinnvollen Beitrag leisten. Nicht zuletzt tat sie das bereits seit ihrer ersten Veröffentlichung 2012. Dass die Erweiterung dieses Projektes derartige Diskussionen hervorruft, bedaure ich sehr. Ich fordere alle Seiten zur Rückkehr zu einer sachlichen, wissenschaftlich fundierten Diskussion auf.

Dies ist nun, datiert mit 1. Juni ’21, auf der Islam-Landkarte Österreichs zu lesen, geschrieben von Univ.-Prof. Dr. Ednan Aslan, dem ein weiteres Mal das Opfer einer Vereinnahmung

Zu was sonst soll ein parteipolitisches Instrument führen, als zu einer Instrumentalisierung der Politik?

Mit einer Landkarte eine differenzierte Diskussion zu führen, führt zur nächsten Frage. Seit wann werden Diskussionen mit einer Landkarte in der Hand geführt? Was würden das für Fernsehsendungsdiskusssionen beispielsweise werden, alle eine eigene Landkarte vor sich ausgebreitet, mit auf den Landkarten kreuz und quer herumfahrenden Fingern, die diskutieren …

„In all seinen Schattierungen die Vielfalt über das islamische Leben in Österreich aufgezeigt werden“, schreibt Ednan Aslan.

Schatten über Österreich, die Botschaft einer solchen Landkarte.

Die durch Steuergeld finanzierte Landkarte: Service“ der von der türkis getupften christschwarzen Partei angeführten österreichischen Bundesregierung zum bequemen Planen der Einsätze von „Rechtsextremen“; diese brauchen ab sofort nicht mehr selbst mühsam Adressen herauszusuchen, mühsam Wegbeschreibungen zusammenzustellen, um zu ihren Einsätzen auszurücken.

Für Marschbefehle sind Landkarten unerläßlich.

„Dass der legitime Kampf gegen den Politischen Islam von extremistischen Gruppierungen missbraucht wird, ist völlig inakzeptabel und klar zu verurteilen“, sagte Raab.

Die Landkarte, parteipolitisches Instrument der von der türkis getupften christschwarzen Partei angeführten österreichischen Bundesregierung zur Instrumentalisierung von „Rechtsextremen“ für ihren „Kampf“, der von der „Integrationsministerin“ angeführt wird, die es scheut, „extremistische Gruppierungen“ als „rechtsextremistische“ zu benennen, sie scheut es – like the babtismal font water

Die Dokumentationsstelle Politischer Islam äußerte sich am Mittwochnachmittag zu der Angelegenheit: Man distanziere sich „dezidiert von der Vereinnahmung der Inhalte der Islamlandkarte der Universität Wien bzw. ihrer eigenen Publikationen durch rechtsextreme Aktivisten und Akteure“, heißt es in einem Statement. „Das Anbringen von feindseligen Schildern und Botschaften vor Glaubenseinrichtungen ist aus Sicht der Dokumentationsstelle Politischer Islam nicht tragbar und steht in direktem Widerspruch zu Pluralität, Religionsfreiheit und Demokratiebewusstsein, denen sich die Stelle verschrieben hat.“

Man fordere die „umgehende Entfernung dieser Schilder und Botschaften“ und „verbitte“ sich, mit rechtsradikalem und extremistischem Aktivismus in irgendeine Verbindung gebracht zu werden. Die Sicherheitsbehörden seien in Kenntnis gesetzt worden.

Was ist eine solche Landkarte anderes als die staatliche Vereinahmung von „Rechtsextremen“ für den türkis integrativen „Kampf“? Was kann mehr „in direktem Widerspruch zu Pluralität, Religionsfreiheit und Demokratiebewusstsein“ stehen, als eine solche Landkarte? Wie kann es verbeten werden, „in irgendeine Verbindung mit rechtsradikalem und extremistischen Aktivismus gebracht zu werden“, wenn die „Verbindung“ zu solchem selbst hergestellt wird? Wie kann „die umgehende Entfernung dieser Schilder und Botschaften“ gefordert werden, wenn diese Landkarte als das gelesen wird, was sie ist, eine Einsatzlandkarte zum Aufstellen solcher Botschaftsschilder?

Eine solche Landkarte ist nichts anderes als eine staatliche „schwarze Liste“, wie sie gerade auch in Österreich zur Genüge aus der Vergangenheit gekannt wird, auch aus anderen Ländern gekannt wird, und nicht nur aus der Vergangenheit.

Was an dieser österreichischen staatlichen schwarzen Liste das Besondere ist, ist die Aufforderung zur Mitarbeit an dieser Landkarte,

Sollten Sie Mitglied in einem der beschriebenen Vereine sein, in einem Verein arbeiten oder dem Vereinsvorstand angehören und auf unserer Seite Fehler entdecken, möchten wir Sie ebenfalls bitten, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

also daran mitzuarbeiten, den „Rechtsextremen“ ihre Einsätze zu erleichtern, aber auch österreichische Behörden der Terrorsicherheit werden mit Freuden diese Landkarte aus der Schublade holen, wenn sie wieder auf innenministerlichen Geheiß zu einem Einsatze

Diese schwarze Liste der von der türkis getupften christschwarzen Partei angeführten österreichischen Bundesregierung hat die Qualität zum Vorbild für all jene, die bisher nur die Adressen von den von ihnen zu Bekämpfenden veröffentlichten, nun werden sie, staatlich angeregt und motiviert durch den Erfolg dieser Landkarte, zu den Adressen mit veröffentlichen auch gleich die entsprechenden Landkartenausschnitte, die exakten Wegbeschreibungen zu den …

Kurz von der Brotrestesuppe

Der „österreichische Streicher“ aus der christlichsozialen Partei „riet den Arbeitern, sie sollten sich stattdessen an Kraut und Kartoffeln gütlich tun, wenn das Geld für Fleisch nicht reiche“ …

Der „österreichische Streicher“ aus der christlichsozialen Partei, der auch für viele Jahre Nationalratspräsident war, erscheint im Angesicht der türkis getupften christschwarzen Partei zumindest gegen die eigenen Leut‘ ein nahezu sozial eingestellter Mensch noch gewesen zu sein. Immerhin gestand er den Menschen noch „Kraut und Kartoffeln“ zu, nicht Krautreste und nicht Kartoffelreste, nicht Kartoffeln allein, nicht Kraut allein, sondern frische Kartoffeln und frisches Kraut …

Das köstingerische besetzte Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus hingegen nur noch „Brotreste“, nicht einmal mehr frisches Brot, sondern Brotreste, „altbackenes Brot“, und preist dieses an als „köstliches ‚Arme-Leute-Essen‘, geht einfach und ist super“ …

Es fehlte dazu nur noch die Getränkeempfehlung, köstlich zur Brotrestesuppe schmecke bloßes Wasser, das nicht nur, wie gar oft fälschlich angenommen, hervorragend mundet zu Fleischgerichten …

Mit den „Brotresten“ als „Arme-Leute-Essen“ hat es noch eine recht besondere Bewandtnis, eine, die an Opportunität respektive Opportunismus erinnert, von der kürzlich zu erzählen war.

Das Ministerium wies die Suppe allerdings als „köstliches Arme-Leute-Essen“ aus, zumindest bis Montag. Da änderte sich die Beschreibung des Posts plötzlich. Aus dem „Arme-Leute-Essen“ wurde plötzlich eine “einfache Mahlzeit”. Das zeigt der Bearbeitungsverlauf des Posts. Besonders interessant dazu ist der zeitliche Zusammenhang, dass ZackZack nur wenige Stunden zuvor Chats des ÖBAG-Chefs Thomas Schmid veröffentlichte, der sich über den „Pöbel“ ausließ.

So also wurde aus dem „Arme-Leute-Essen“ eine „einfache Mahlzeit“, wenn der Wiedergabe dieses „Bearbeitungsverlaufs des Posts“ durch „FPÖ Fails“ und „Zack Zack“ Korrektheit der Wiedergabe attestiert werden darf.

Von Thomas Schmid gibt es also weitere, einfach wie kurz gesagt, Beweise seiner Intellektualität …

Mit dem Dienstpass für Regierungsangehörige gibt er sich nicht zufrieden, er will seinen geschätzten Diplomatenpass vom BMF behalten. Doch es nützt nichts: „Wenn ich weiterhin Diplomatenpass haben will müssen wir das Gesetz ändern.“ Schmid gibt auf: „Da werden wir passen müssen. Das ist einfach vorbei.“ Als Schmid realisiert, dass er wie andere Menschen reisen wird müssen, ist er verzweifelt: „Oh Gott, reisen wie der Pöbel.“  Laure hat aber noch eine Idee: ÖVP-Großspender Schütz „hat auch einen roten Pass. Müssen mal fragen, wie der sich seinen Pass organisiert hat.“ Laure und Schmid vermuten, dass Schütz Honorarkonsul ist. Dessen Frau Eva soll deshalb konsultiert werden: „Das wäre ja ein Skandal. Der schon und ich nicht“, so Schmid, der nicht glauben kann, warum er leer ausgehen sollte.

Thomas Schmid hatte in seiner Zeit als Kabinettsmitarbeiter von ÖVP-Außenminister Michael Spindelegger die Aufnahmeprüfung für den diplomatischen Dienst, das sogenannte Préalable abgelegt, war jedoch nie im diplomatischen Dienst tätig. In Diplomatenkreisen heißt es, Schmids Fremdsprachenkenntnisse seien so schlecht, dass er die Prüfung eigentlich nicht hätte bestehen dürfen – außer durch Schiebung. Wie weit entfernt Schmid von den Menschen, die seine Partei wählen sollen, zu sein scheint, zeigt sich auch in einem weiteren Gespräch nur zwei Tage später. Am 14. März 2019 muss Schmid einen lästigen Behördengang erledigen: er braucht für seine Bestellung zum Alleinvorstand der Beteiligungen der Republik in Höhe von rund 26 Milliarden Euro einen sauberen Strafregisterauszug. Den muss er freilich selbst holen. Als er sich mit Laure wegen Terminen koordiniert, lässt er sich über die anderen Wartenden aus: „Ich hasse euch dass ich da herkommen muss zu diesen Tieren für Strafregister.“  Laure erklärt ihrem Chef, dass der Auszug nicht ewig gelte und Schmid womöglich irgendwann wieder selbst zur Behörde müsse: „Der gilt nur 6 Monate.“ Schmid: „Ich weiß eh. Ich hasse das hier.“

Der Kanzler, den er, Schmid, als seinen Mann liebt, besuchte zu Weihnachten ’17 den „Suppenbus“ der Caritas. Diese Nachrichten, die sich der Kanzler bei seinem Besuch des Suppenbusses nur sich selbst in seinem Kopf möglicherweise schrieb, beim Anblick der Menschen, die auf eine Suppe warten, werden nie zu erfahren sein, und es ist äußerst fraglich, ob je irgendwer diese auch noch erfahren würde wollen, es nicht ohnehin schon mehr als genug ist, viele bereits sagen, mit dem Kanzler sagen, sich auf den Kanzler berufen: „Genug ist genug!“

Die von Thomas Schmid so eindrucksvoll zur Schau gestellte Intellektualität in jedweder Hinsicht ragt wahrlich heraus, prädistiniert ihn zum unbestrittenen Anführer eines jedweden Fußballfanklubs, sein Fußballfanklubvizeanführer könnte ebenso unbestritten Andreas Hanger, der Abgeordnete, sein, der Mann also, der in den letzten Wochen, einfach wie kurz gesagt, mit kraftvollen Auftritten ebenso seine Intellektualität, sein Wissen um erbrachte Leistungen etwa eines Thomas Schmid, seine fundierte psychiatrischen Ausbildung eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Es würde nicht verwundern, erhielte Andreas Hanger von Fußballfanklubs, die oft abgekürzt einfach Hooligans genannt werden, massenweise Ersuchen, ihr Anführer zu werden, allein schon seine Frisur mag ihnen genug an Qualifikation …

Was aus der Geschichte gelernt wurde – Raffinesse

Es ist die Vorstellung nicht von der Hand zu weisen, daß nationalsozialistische Gesinnungsgänger der Literatur in Gedichtsammlungen ihren Unterschlupf bis heute finden. In denen nationalsozialistische Gesinnungsgängerinnen der Literatur bis heute wohlbehütet sind, in denen sie als nichts anderes erscheinen, als ach, gar zarte Menschen des lyrischen Worts, gänzlich ohne Biographie.

Besonders in Anthologien, die bereits in ihren Titeln von Jahrhunderten sprechen, wie „Zeit und Ewigkeit – Tausend Jahre österreichische Lyrik“ etwa, oder eben auch „Der ewige Brunnen – Ein Hausbuch deutscher Dichtung – Gesammelt und herausgegeben von Ludwig Reiners“ mit der Klappentextankündigung, „in den Gedichten spiegeln sich die Lebenserfahrungen aus acht Jahrhunderten“ …

In beiden Gedichtsammlungen, um diese zwei nur als Bespiele heranzuziehen, sind dieselben zu finden – Weinheber, Ginzkey, Mell

Durch die Jahrzehnte, freilich raffinierter geworden. Von „Zeit und Ewigkeit“ aus dem Claassen-Verlag, in der „2. völlig neu bearbeiteten und erweiterteren Auflage 1980“, zum „Hausbuch Der ewige Brunnen“ aus dem Verlag C. H. Beck, „4. Auflage der Jubiläumsausgabe, 2015, gesammelt und herausgegeben von Ludwig Reiners, aktualisiert und erweitert von Albert von Schirnding“.

Durch die Jahrzehnte raffinierter geworden? Nein. Und Ja. Dies endgültig zu beantworten, vielleicht nicht möglich.

Albert von Schirnding schreibt in seinem Vorwort, „Ludwig Reiners hat seine bewunderswerte und überaus erfolgreiche Sammlung deutsche Gedichte 1955 …“ und „ein ‚Hausbuch‘ gehört (beinahe wie die Bibel) zum täglichen Dasein, ist möglichst immer griffbereit,“ und so weiter und so fort.

Ludwig Reiners, ein NSDAP-Mitglied mit vornehm vorgebrachten Antisemitismus, das ist von ihm, Schirnding, und vom Verlag, Beck, in diesem Buch nicht zu erfahren. Raffiniert? Vielleicht.

Raffiniert hingegen die schirndingsche Feststellung im Vorwort:

Der Bearbeiter sah sich der grundsätzliche Frage konfrontiert, ob es sich bei einer so umfangreichen lyrischen Sammlung eher um ein Nachschlagewerk oder eine Anthologie handelt. Wohl um beides; wo aber Konflikte bei den leitenden Auswahlkriterien auftraten, fiel die Entscheidung zugunsten der Qualität und einer gewissen Überzeitlichkeit. So wird man die „Wacht am Rhein“ in der Neuausgabe nicht mehr finden und hoffentlich auch nicht vermissen. Inzwischen ist man auch gegen manche Autoren, die trotz der ihnen im Dritten Reich zuteil gewordenen Förderung in den fünfziger Jahren noch immer angesehen waren, kritischer eingestellt. Begabungen wie Agnes Miegel oder Börries von Münchhausen sollen nicht ganz fehlen, sie waren aber meines Erachtens bei Reiners überrepräsentiert. Selbstverständlich haben Gedichte von Karl Bröger, Heinrich Lersch oder gar Edwin Erich Dwinger in einem Hausbuch deutscher Dichtung nichts mehr zu suchen.

Ach, die armen, armen Autorinnen, gegen ihren Willen, ach, die armen, so armen Autoren, wehrlos gegen die ihnen im Dritten Reich zuteil gewordene Förderung

Oh, wie „kritischer eingestellt“ hingegen etwa ein Medium der FPÖ in Österreich, die Jan Böhmermann vor Kurzem, um den Menschen in Deutschland konkret veranschaulichen zu können, mit welcher Partei in Deutschland die FPÖ zu vergleichen ist, die FPÖ mit der NPD verglich, wie kritischer hingegen also diese österreichische Gesinnungsgemeinschaft, wenn sie von „Verwicklungen mit dem NS-Regime“ schreibt …

Aber auch Ina Seidel, die er in seinem Vorwort nicht erwähnt, darf in solch einer Bibel nicht fehlen, so wie für ihn Agnes Miegel nicht fehlen darf …

Es würde das Kapitel über diese Hausbibel zu lang werden, würden alle erwähnt und angesprochen werden, die in dieser Sammlung …

Unerwähnt soll dennoch nicht ganz das eine oder andere noch bleiben.

Franz Karl Hatschi-Nazi Ginzkey mit seinem Lobgedicht auf Abraham a Sancta Clara, der selbst auch in dieser Hausbibel vorkommt: „Ein Mann, der mehr uns gab als nahm (wie schwer ist solcher Kunst Bestand), das war Herr Pater Abraham, auch Bruder Fabelhans genannt …“ Und was „Fabelhans“ gab, auch dem Nationalsozialismus, davon wurde in einem Kapitel bereits erzählt: „Zigeuner seynd des Judä Iscarioths nahe Brüder und Anverwandte – Dergleichen Lumpen-Gesind auch die Zigeuner seynd …“

Daß mit beiden Büchern der Zuneigung gefrönt wird, Gedichte auch von Unbekannten zu bringen, etwa dieses über Prinz Eugen, in der einen Bibel unter „Aus der Geschichte“, in der anderen Bibel unter „Soldatenlied“ …

„Wikipedia“ erzählt ebenfalls nichts im Beitrag über den „ewigen Brunnen“, daß Ludwig Reiners ein NSDAP-Mitglied war. Immerhin aber ist aus diesem Beitrag über den „ewigen Brunnen“ zu erfahren, daß vom Herausgeber neu aufgenommen wurde: Georg Britting — —

Georg Britting, ach …

Zu Ludwig Reiners gibt es einen eigenen Beitrag in der Enzyklopädie „Wikipedia“: „Während des Dritten Reiches war Reiners Mitglied der NSDAP, was auch seiner beruflichen Stellung geschuldet war.“

Oh, was einer beruflichen Stellung alles geschuldet ist …

Die Herausgeber von „Zeit noch Ewigkeit“ und auch von „Der ewige Brunnen“ fühlten wohl, eine Hausbibel ohne die „Todesfuge“ von Paul Celan wäre unvollständig. Aber so raffiniert war Ludwig Reiners noch nicht, die „Todesfuge“ in sein „Volksbuch deutscher Dichtung“ aufzunehmen, obgleich er es hätte kennen müssen. 1948 erstmals in „Der Sand aus den Urnen“ veröffentlicht, die „Todesfuge“, ein zweites Mal 1952 in „Mohn und Gedächtnis“, zweimal veröffentlicht also, bevor es zur ersten Veröffentlichung des Volksbuchs deutscher Dichtung

Ja, „Der ewige Brunnen“ wurde einst auch als „Volksbuch deutscher Dichtung“ betitelt, ehe es zum „Hausbuch“ wurde, das beinahe wie die Bibel

Im „Volksbuch deutscher Dichtung“ darf „Lili Marleen“ von Hans Leip – auch einer, der sich der Förderung im Dritten Reich nicht erwehren konnte – nicht fehlen, in der Rubrik „Aus der Geschichte“, auf Seite 533, auf Seite 535 dann die „Todesfuge“ unter „Aus der Geschichte“, auf Seite 543 als Abschluss von „Aus der Geschichte“ dann „An die Völker der Erde 1945“, dies wohl gedacht als Moral der Geschichte, was aus der Geschichte gelernt werden nur kann: Raffinesse …

Denn eine dermaßen raffinierte Einreihung des Nationalsozialismus zu den üblichen Verbrechen der Völker, eine derart raffinierte Schuldverteilung auf „alle Völker der Erde“ wurde noch nicht gelesen, eine derart raffinierte Eigenerhebung zum Opfer, eine derart raffinierte Verkleinerung der eigenen Taten zu den üblichen Taten der Völker wurde noch nicht gelesen, und noch einmal raffinierter auch dadurch, daß es ein Gedicht von Werner Bergengruen …

Völker der Erde, Ihr haltet Euer Gericht
Völker der Erde, vergeßt dieses Eine nicht:
Immer am lautesten hat sich der Unversuchte entrüstet,
immer der Ungestoßne gerühmt, daß er niemals gefallen.
Völker der Welt, der Ruf des Gerichts gilt uns Allen.
Alle verklagt das gemeinsam Verratne, gemeinsam Entweihte.
Völker, vernehmt mit uns Allen das göttliche: Metanoeite!

Alle sollen Buße tun. Wie muß dies einem NSDAP-Mitglied aus dem Herzen gesprochen haben, wie müssen Ludwig Reiners das 1955, als sein „Volksbuch“ zum ersten Mal erschien, und mit ihm so viele in Deutschland die Tränen wie aus Kübeln geflossen sein, beim Lesen dieses Gedichts in Erinnerung an ihre zwölf Jahre der Versuchung, an ihre zwölf Jahre des Gestoßenseins, an ihre zwölf Jahre der Folterung und des Leidens, Tränen eimerweise weiter fließen, beim heutigen Lesen dieses Gedichts, sie sich dabei an die Geschichten ihrer Großeltern, Eltern erinnern, an deren zwölfjährige Folterung, zwölfjähriges Leiden, zwölfjähriges Gestoßenseins, Versuchung …

Völker, Ihr zählt, was an Frevel in diesem Jahreszwölft geschehen.
Was gelitten wurde, hat keiner von Euch gesehen,
keiner die Taufe, darin wir getauft, die Buße, zu der wir erwählt,
und der Engel allein hat Striemen und Tränen gezählt.
Er nur vernahm durch Fanfarengeschmetter, Festrufe und Glockendröhnen
der Gefolterten Schreien, Angstseufzer und Todesstöhnen,
er nur den flatternden Herzschlag aus nächtlichen Höllenstunden,
er nur das Wimmen der Frau’n, denen die Männer verschwunden,
er nur den lauernden Schleichschritt um Fenster und Pforten,
er nur das Haßgelächter der Richter und Häftlingseskorten —
Völker der Welt, die der Ordnung des Schöpfers entglitt,
Völker, wir litten für Euch und für Verschuldungen mit.
Litten, behaust auf Europas uralter Schicksalsbühne,
litten stellvertretend für Alle ein Leiden der Sühne.
Völker der Welt, der Abfall war allen gemein:

PS „Alte Traditionen“ leben wieder auf, „im Stile Tschechows“, wie aus einer Programmankündigung für den 29. Jänner 2022 zu lesen ist, Ben Becker werde aus dem „Volksbuch Der Ewige Brunnen“ deutsche Verse sprechen, menschgemäß um einige durch ihn, Becker, als passend empfundene Gedichte erweitert, vielleicht um jene, die Albert von Schirnding nicht mehr … zu befreien, oh ehrenhaftes Ansinnen, von Verstaubtheit, die nur angeblich wie die Zeit nun so reif, aus Staub neues Leben zu erwecken

Dem Gedächinlsse Dr. Karl Luesers.

Karl Lueger war nicht nur für den Diktator Adolf Hitler ein Mann von recht besonderer Gesinnung, sondern auch für den Dollfuß-Nachfolger als Diktator, der gesinnungsgemäß bei der ganztägigen Feier zum 25. Todestag des Karl Lueger mit dabei war, mit Bekränzung des Karl-Lueger-Denkmals auf dem KL-Platz in Wien, Österreich, am 10. März 1935.

Karl Lueger, Bürgermeister der Diktaturen.

„Reichspost“ ließ es sich nicht nehmen, wieder nicht nehmen, darüber ausführlich zu berichten …

Das war gestern ein Tag der Weihe, gewidmet dem Andenken des großen Bürgermeisters. Er begann mit feierlichem Auftakt in der Votikvkirche und schloß mit einer überaus eindrucksvollen Huldigung und einem Treugelöbnis der akademischen Jugend für das geistige Vermächtnis Dr. Karl Luegers.

… und dies nicht nur deshalb, weil ihr Chefredakteur wieder mit von der Partie war, natürlich auch Leopold Kunschakeine Feier ohne antisemitsche Ausfälle, jedenfalls nach dem Bericht der „Reichspost“. Das macht diese Kundgebung nahezu zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung der Kundgebungen.

Es war also am 10. März 1935 die „Weihe zum Andenken eines großen Bürgermeisters“. Wie groß kann ein Bürgermeister denn gewesen sein, der in seiner Ausübung des Amtes krankheitsbedingt rund ein Drittel seiner Amtszeit beeinträchtigt war, als Bürgermeister fast völlig erblindet starb?

Das „geistige Vermächtnis Dr. Karl Luegers“ nahm der eine Diktator mit, nach Deutschland, aber nicht nur das von dem von der Erblindung Befallenen, sondern auch das von dem Alldeutschen, der sich schon „Führer“ nennen, mit „Heil“ grüßen ließ, dem bereits die Kornblume eine der Vorsehung war. So hatte dieser Diktator bereits alles in seinem in Österreich vollgestopften Geistesranzen, als er Österreich Richtung Deutschland verließ. Und der andere, ewig im Schatten von Dollfuß, wenngleich er viel länger herrschte, bekränzt am 10. März 1935 das Parteimal – ein doch denkwürdiger Tag, so ohne antisemitische Ausfälle, jedenfalls nach dem Bericht der „Reichspost“ …

Es könnte auch dieser Bericht der „Reichspost“ zur Gänze ausgebessert zitiert werden, aber so denkwürdig ist dieser Tag dennoch nicht. Aber wiedergegeben soll der Bericht der „Reichspost“ dennoch genau werden, als ausgespuckter Scan des Originals …

Dem Gedächinlsse Dr. Karl Luesers.

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S03U lommt  noth bie gülle ber Säten, bie fein feböpfertfeber ®eift.  fein fester SBtEe geschaffen baBen unb bie fortbauern in  unseren Sagen unb fortbauern toerben in oHe gufunft.’  Suegera @eift fcbtoeBt una boran, bie toir in’ber Bcrtoaltung  ber groben Stabt SBien tätig au fein unb bie Berouttoortung  au tragen baBen. SIu8 ihm strömt bie Siebe au SBien unb  Cefterreicb in unsere $eraen. ©ein ®eift schaut beute getotf;  born Fimmel herunter auf una unb ist boH greube. bog er  fein BMen toiebererfeunt, ba8 ebrifttibe, ba8 freie SBien im  briftlicben unb freien Oesterreich! (©türm. BetfaE.)  Sttttl ber fBunbcsrcüfcrntu».  91fit stürmischen Hochrufen begrüßt, füradb i8imb‘>§=  lansler Sr. ©ebufrönt0fl: Sem großen, unöergeBIicben   SBoIESmann, bem glübenben Deftcrreidbcr, bem treuen  Sßiener wibmet bie töunbeäregierung in Santbarfelt unb  unauglöfröliröer Serebrung einen §mmorteHenfcan 3 , ber  augleirö ein SefenntniS aller Oefterreiröer fein soll 3 u  biefer berrliröen ©tobt, ber bie Siebe unb Slibeit Snegers  gewibmet War. Ser SunbeSfansIer frötofe mit erhobenen  ©röwurfingern unb bem ©rufe: „23i en, O e ft e r r e iröl“  (©türmifröer appIauS.)  Unter ben Klängen ber 23unbe§bhwne, bie bon ber  Kabelte ber ©aSWerfe gefbielt würbe unb bon ben 2ln*  Wefenben entbtöfeten $aubte§ mitgesungen Würbe, legte  oI§ erster ber 23unbeSfanaler ben Krona ber SSunbeä»  regierung, fobann ber ^Bürgermeister ben Krnna ber ©tobt  2Bien om Senfmal nieber. ^fenen folgten ©taatljefretör  3 e h n e r mit bem Krans be§ 23unbe§heere§, SanbeS»  faröleiter S e f cb f a mit bem Krona ber Sienftfteüen«  Organisation 2Bien, bie SBehrberhönbe unb biete anbete.  Ser feierliche 2tft Würbe mit bem Suegermarfrö, gefbielt  bon ber Kabelte ber ©trafeenbohner, abgeschlossen.  Die Seiet Her ditiftiiciien ^tHettet unH  ^nselteUten.  Um 8 Ufer früh fröon Wor ©taatSrat K u n f rö u f in  SScgleitung ber SSorftanb§mitg[ieber unb ber Seatrfsteitimg  be§ 2 iunbe§ dbröftliröer Strbeiter unb ätngeftetiter bor bem  Suegcrbenfmol erfrötenen unb hotte nach einer fursen 2 ln»  fbraröe, in ber er Sueger ot§ ben grofeen Ssrbeiterfrcunb  Würbigte, ouf bie ©tufen be§ Senfmalä einen möcht’gen  Sorbeerfroit 3 mit einer ©röleife in ben garben 2ßieit§  unb ber 9tuffrörift; „Sn unau§löfrölidbcr SanEborDeit ber  S3unb röriftliröer 2Irbeiter unb Stngefteüter“ niebecgelegt.  2lorömittag§ fanb im Seutfefeen aSoIfSiheoter eine  gestborfteltung be§ 2?oIf§stüde§ „Sueger“ fiott, 2?or 29e-  ginn feierte ©tootSrot K u n f rö 0 f Sr. Sueger ot§ onf>  ri-rötigen unb treuen greunb ber 2 trbeiterfröoft.  f et @eH^!Htiii9t0tni{tet0.  Ser abenb§ im grofeen KonaerthouSfaale bon bet  K2ß8. „2b 0 r i c a“ gemeinsam mit ber KOe©93.  „9b u b 0 I f i n tt“ unb ber KS©23. „20b a r c o»S a n u b t a“  beranftaltete ©ebörötniSfommerS gestaltete firö au einer  mächtigen Kunbgebnng ber fatholifdhen 2IEabemiferfröaft.  Ser grosse KonaerthauSfaal bot ein überaus feftliröe§  SBilb. Sie ©alerien aeiglen bie garben Oesterreichs ünb  ber ©tobt 2Bien, auf ber 23übne ftonb, bon iBoImen um=  ranft, bie 93iifte beS grossen ^Bürgermeisters, barüber baS  28abben 28ien§. Sie SPbustffobelle be§ gnfanterieregimentS  2br. 4 unter Seitung KobenmeifterS fBouSbertlS unb  ber ©öngetbunb „S r e i 3 e h n 1 1 n b e n“ unter Leitung  bon .ßofrat ißrof. ® 0 b e I gaben bem Kommers buref)  ihre ouSgeaeiröneten Sarbietungen eine feterliröe Um*  rahmung.  Sie langen Sifröreihen Waren bon ben ©tubenten  unb ber 2 tItherrenfchoft in garben befefet, bie ©alerien  gefüllt bon ben Samen unb ben übrtgrö ©ästen, unter  benen mein aahlreiröe engere greunbe unb ÜOtitarbeiter  Sr. SuegerS sah- ‚  2 tarö bem ©tnaug ber ©horgierten begrüfetc ber  ©enior ber „2torica“ KlemenS Sänger bie geftgöfte,  tnSbefonbere 23unbeSfanaIer Sr. @ rö u f rö n i g g, ©toatS*  fefretör Sr. 25erntet, ^Bürgermeister ©römife, bie  früheren SunbeSfonaler Sr. © n b e r unb 25 a u g 0 i n,  bie früheren 20tinifter Sr. ©aermaf, ^einl, Softor  2? a u e r, Sr. ^ e f rö unb gürft @ rö ö n b u r g*  .S 0 r t e n ft e t n, bie ©taatSröte Sr. g u n b e r, Softor  © la t f e*.§ 0 r ft enciu unb KunfröoE, 25iaebürger*  meifter Sr. K r e f f d, SttagiftratSbireftor Sr. t e fe*  maitSeber, 9tegierungSbireftor Sr. ©rölüffel*  berget, 25räfibent 2Srof. Krasser, 25rina grana  Jtofef bon unb au S i e rö t e n ft c t n, ©tabtfommanbant  ©eneralmofor ^ a f e I m a h r, 9teftor ber Sechnif  Sr. Kann, bie UniberfitätSbrofefforen Sr. 21 m f rö I e r,  Sr. 9t r 3 1, Sr. $ 0 11 n ft e i n e r, Sr. u n g, Softor  Kahr unb Sr. Krebs, Sombrebiger ©ngelhorbt,  aahlreiröe 25ertreter ber hohen Beamtenschaft unb ber  aStener Bürgerfröoft u. b. n.  Ser eigentliche geftaft Würbe eingeleitet mit bem  23. Bfolsu bon ©chubert. Worauf Bürgermeister ©römife  bte geftrebe hielt, in ber es ausführte:   „SBarum Besinnt ftefe bte fatbolifcbc alabeinifröe Sußenb  bon beute eines ©terBetageä? SBobl beabalb, roeti bie Seit  Starl Suegerä Slebnlicbteiten auftoeift mit unserer ©egentoart.  §eute toie bamaia steht bte tatbolifcbe  Sifabemiterfebaft in ben borberflen 2teiben  bea ctampfca für Beltgion unb Baterlanb.  SBie fpEte bie fgtbolifcbe atabemifebe Sugenb ber neunatger  Sabre nicht bem Btanne aufliegen, ber ber SBiebergeBurt beS  (briftlicban DeiterretebS madjtiger Berlünber roor. ©aben sie  boE) Balb, bafe Beiba bemfelBen giel auftreBten. Sueger tömpftc  für baa Stecht beä christlichen BoIfeS, baa Dtecbt, am großen  herrlichen Boterlanb mitBauen 30 bürfen, feinea (SeifteS §aucE)  in ben ©inrübtungen bea ©taatea sich spiegeln au fel;etu Unb  bie fatbolifcben Sltabemifer jener geit tömpften für ba§  primitiöfte Stecht in bem so gepriesenen Steebtaftaat: um bas  ber ©leichberechtigung. Sange sprach otan eS ilincn in  ber Ebsorifi 3U, oBer lange brauchte e§, Bia e§ sich auch in ber  Brajia 3ä0ernbcn ©chrittea burchfefetc, §eute noch ist biefer  Äampf nicht auagetömpft, in bem bie fatbolifcbe ©tubenten*  febaft mübfom borbrang, getragen bureb ihre ©eftnuuag, burd)  ben bobett ©ebtoung ihre Sbeaie unb unterftäfet bon SWönnern  bea öffentlichen SeBena, bon benen sich seiner in solchem tPtoßc  um bie ©nttoictlung ber Intboiifcljen Stubentenfebaft Berbienftc  ertoorBen bot tote Sr. Sueger, ber Bürgermeister ber ©tcibt  SBien.  Sueger mit feiner jungen oufftreBenben cbriftlicbeh BoHa»  Bewegung einerfeita unb bie tatboIijcBe «luDcntenfchaft anber*  feita ftonben einem bamala üBermüchügen geinb in hartem  Stingen gegenüber, ^ein SBunber, baß bie Beiben sich 3u finben  teußten, baß Sueger warmen §er3ena für ben Stampf ber @e*  finnungabertoanbten eintrat. 1899 stimmte er 3U, ©bcbnmitglieb  ber „Storka“ 3U toerben unb Balb aud) bet beiben anbereu  BerBinbungen.  Smmer toieber riet er ben BerBinbungen: „3Kan muß tu  Oesterreich österreichisch benfen unb banbeln.  Sie schönste beutfehe Sugenb ist bteSErcue.  SBabren ©ie bte Sireue bem österreichischen  Baterlanb unb bem christlichen BoIf!“  Sueger, ber BaWiot, »m ein guter deutscher unb gerabe  beabalB Ocftcrrcicfier burch unb burch. Sueger, ber ©brist, toar  ein solcher im Sßriöat* wie im öffentlichen SeBen. ©r ist uns  baa BorBilb, für unsere sbeaie, unsere religiöse UeBergeugung  unb unser öfterreichifchea Baterlanb eiu3utteten mit aEer ft.afi.  SKöge ea in aEe SBelt binauafchaEen: Sr. Starl Sueger, wir  Bletßen beinen gbealen treu, geeint für ©lauBe, greibeit unb  Oesterreich!  2Bübreitb ber lefeten ©äfee beS 23ürgermeifter§ er ­  strahlte bie iBüfte Sr. SuegerS im heüen Siefet ber ©cfeetri*  Werfer, unb SBeethobenS „Sie ^immel rühmen . . „, bon  ber ©ängerfchar 25rof. ^ahel§ meisterhaft gesungen, brauste  burrö ben ©oal. Sonn ergriff SunbcSfanaler Soitor  © rö u f rö u i g g boS 2Bort.  @a ist nidit solange her, führte ber Slanaler aua, baß man  nicht Wagte, einen BücfBlid in bie jüngste Bergangenbeit gu tun.  Slfan batte baa ©efübl, baß eä unöereinbar wäre mit betn  SBitten unserer neuen geit. ®aa toar ein gebier. Slnbere  toieberum, berBittcrt, mübe, baBen im Bitcfblies aEein sich er ­  schöpft unb bergeffen, .baß ea eine SlufgaBe beä SeBena ist, bfe  geit, auä ber man gewachsen ist, 3U meistern. Sluch baa toar  schlecht §eute ist eä una aber toobl aEen £Iar, beiß Wir einc^  schwere ©egenwart meistern unb una eine gufunft ergwingen  tooEen. Sa8 gebt aber nur bann, wenn toir erfennen, baß tote  an ber Bergangenbeit nicht borbeifeben sönnen. Sl u § ber  BerBtnbung ber alten unb ber neuen geti  toächft baa neue Oesterreich.  Sueger War ein Slämpfer unb baS SSagntS ist ihm ge*  lungen. $cute Betounbern toir feine Energie, feinen SJJut unb  feinen ©eist SBer nichta Wagt, gewinnt nichts! ®aS  müssen toir auch im neuen Oesterreich Wissen.  Unsere 5|äroBIeme Waren auch 3U Suegera geiten altueE ge»  toefc»n: ber Stampf um baa Bclenntnia gu Oesterreich, um bte  ©teEung ber österreichischen §auptftabt, um bie ©eüung  biefea igtüciea geistiger Stuliur in Europa.  Segen toir una mit ©tolg unb greube barüBer (Rechenschaft  ab, baß ber ©taube bercr, bie für Oesterreich baa Belenntnia  ablegten, burch ben SlBIauf ber geit nicht gutiefjt erschüttert  toerben sonnte. 28ir aEe baBen ein SBort gegeben. SBxr aEe  bertreten bie Slnficht baß ein gegeBenea SSort unter aEen Um»  stäuben gehalten toerben muß. SBir BaBen ea gegeben für  ©lauBe, Bol! unb Baterlanb. Unb im Slngeftcht ber Büste  Sr. Suegera foEcn toir una gum Borfafe nehmen: toir tooEcn  unser SBort nicht Brechen, nicht Buben toerben gleich, to 0 11 c n  prebigen unb sprechen bon unserm Oester»  r e t dj.“  Sofen&er SSeifall folgte ber 9lebe bcS KanglerS unb  mit 23egeifterung Würbe baS Sieb „2Benn alle untreu  Werben“ gesungen. Ser 2 Iu§ 3 ug ber ©feargierten befrötofe  bie imposante ©ebenffeier.  ❖  Ser Kommers, ber bon ber ,,95abag“ auf ©röoH«  felatten aufgenommen Würbe, Wirb heute rötrefe ben  2Biener 9tunbfunf berbreitet Werben.