„Wird die Aufklärung im Westen erneut scheitern? [U]ns auch die Aufklärung nicht weitergebracht hat.“

Am 4. Oktober 2025 fragt Hanoch Ben-Yami in der Tageszeitung des österreichischen Medienstandards: „Wird die Aufklärung im Westen erneut scheitern?“ Und desselben Tages, 4. Oktober 2025, stellt Gerhard Zeilinger in der Tageszeitung des österreichischen Medienstandards fest: „[U]ns auch die Aufkärung nicht weitergebracht hat.“

An diesem Samstag wird das feinste „Album“ aufgeschlagen, es wäre auch unter ihrem Niveau, in Alben nostalgisch zu blättern, in denen Geringeres als die Aufklärung klebte, beim Anblick der nun verblaßten Bilder der Aufklärung sentimental zu klagen, ach, die Aufklärung habe „uns“ nicht weitergebracht und sorgenvoll zu fragen, werde die Aufklärung erneut scheitern. Keine Zeit im Jahr ist dafür geeigneter, das Höchste, die Aufklärung, anzurufen, als der Herbst, wenn die Blätter treiben.

Aufklärend beginnt Hanoch Ben-Yami, Philosophieprofessor an der CEU in Wien, aber ohne Bilder aus seinem Album:

Am Portal des Freiburger Münsters befinden sich zwei Statuen: Ecclesia und Synagoga. Ecclesia ist eine stolze, gekrönte Dame, die in ihrer rechten Hand einen Kreuzstab als Zeichen ihrer Herrschaft hält, und in ihrer linken einen Kelch, der die wahre Religion symbolisiert. Synagoga hingegen sind die Augen verbunden, sie ist also blind, unfähig, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Der Fahnenstab in ihrer rechten Hand ist zerbrochen, und in ihrer linken Hand hält sie die Gebotstafeln nach unten gerichtet, da sie sie nicht lesen kann. Dieses Paar ist seit Jahrhunderten ein häufiges Motiv in der christlichen Kunst. Es repräsentiert die traditionelle christliche Einordnung jüdischer Gemeinschaften: Sie dürfen existieren, aber nicht gedeihen, um die Überlegenheit des blühenden Christentums zu demonstrieren. Christen sollten immer deutlich machen, dass Juden unter ihnen stehen. Leben sollen sie in Ghettos, wirtschaftlicher Erfolg wurde beschränkt — notfalls mit Gewalt.

Dieser Antisemitismus ist nicht rassistisch. Juden können konvertieren und sich so vor einem minderwertigen Dasein retten. Tatsächlich gab es solche Übertritte, manchmal aus Überzeugung, aber vor allem, wenn aufgrund von Verfolgungen. Doch die Konvertierten stießen oft auf Argwohn. Der Nationalsozialismus schloss an den christlichen Antisemitismus an, ließ aber die religiösen Motive fallen, und ersetzte sie durch pseudowissenschaftliche: Die Juden seien eine minderwertige Rasse. Damit war die Möglichkeit einer Konversion ausgeschlossen. Die logische Schlussfolgerung war die Ausrottung der verderbten und zersetzenden jüdischen Rasse.

„Dieses Paar ist seit Jahrhunderten ein häufiges Motiv in der christlichen Kunst“, auch ein von Thomas von Villach gewähltes Motiv, christgemäß keine Propganda, christgemäß kein Aufruf zur Ausrottung, bloß eine christgemäße Einladung zur Konversion, mit der Fürbitte, sich vor der Konversion selbst mit einem Schwert Kopf und Brust zu durchstoßen und, um Kopf und Brust mit dem Schwert nicht zu verfehlen, erst danach die Augen zu verbinden. So

war es wohl auch nicht als Ausrottung gedacht, sondern eine forcierte Konversionseinladung, als 1421 in Wien jüdische Menschen verbrannt wurden, jüdische Menschen den Freitod wählten, um einer „Zwangstaufe“ zu entgehen, woran heute noch

ein Relief auf dem Judenplatz christgemäß erinnert, weiter wohl als christgemäße Einladung zur Konversion zu verstehen, für die es nach dem weltlichen Leben auch im ewigen Leben in christlichem Großmut noch Gelegenheit gegeben wird.

Und wie es um die Konversion aus christlicher Sicht wahrlich bestellt ist, dies hat nicht nur ein Augustiner für die Seinen gewußt, aber auch dieser, der es in seiner Bibel „Von den Juden und ihren Lügen“ psalmierte:

Darauff gebe ich euch und jm diese antwort. Es ist mein furhaben nicht / das ich wolle
mit den Jueden zancken oder von jnen lernen / wie sie die Schrifft deuten oder verstehen / Jch
weis das alles vorhin wol. Viel weniger gehe ich damit umb / das ich die Jueden bekeren
wolle / Denn das ist ummueglich /

Ja, wie wollen wir thun / wenn wir gleich den Jueden jre Synagoga verbrennen /

Das man jre Synagoga mit feur verbrenne / Und werffe hie zu, wer da kan / schwefel und
pech, Wer auch hellisch feur kuendte zu werffen, were auch gut. Auff das Gott unsern ernst / und alle Welt solch Exempel sehen moechte, das wir solch haus (darin die Jueden Gott, unsern lieben Schepffer und Vater / mit seinem Son / so schendlich gelestert hetten) bis her
unwissend geduldet, Nu mehr jm sein lohn geben hetten.

Zum andern / das man auch jre Heuser des gleichen zebreche und zerstoere / Denn sie
treiben eben dasselbige drinnen / das sie in jren Schuelen treiben. Dafur mag man sie etwa
unter ein Dach oder Stal thun / wie die Zigeuner / auff das sie wissen/sie seien nicht Herrn in
unserm Lande / wie sie rhuemen, Sondern im Elend
und gefangen / wie sie on unterlas fur
Gott uber uns zeter schreien und klagen.

An dieser Stelle, bei seinem Erwähnen der „Zigeuner“, sind die vor Jahrhunderten geschriebenen Psalme des Augustiners zu unterbrechen, ein Zitat von Hanoch Ben-Yami einzufügen:

Aber ab Mitte der 1930er-Jahre, mit der Propaganda von Amin Al-Husseini, der Muslimbruderschaft und der direkten Nazi-Propaganda, übernahm der muslimische Antisemitismus Verschwörungstheorien und das Ziel der Ausrottung der Juden. Dieser islamisch-nazistische Antisemitismus beinhaltet die Leugnung (Abbas, Khamenei) oder Verherrlichung des Holocaust.

„Wie die Zigeuner“ sind sie dem Augustiner — ein paar Psalme noch vom Augustiner, um zu veranschaulichen, wie mit ihnen zu „thun“ …

Zum dritten / das man jnen neme alle jre Betbuechlin und Thalmudisten / darin solche Abgoetterey / luegen, fluch und lesterung / geleret wird.

Zum vierden / das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete / hinfurt zu leren, Denn solch Ampt haben sie mit allem recht verloren /

Wollen aber die Herrn sie nicht zwingen / noch solch jrem teuflischen mutwillen
steuren / Das man sie zum Lande austreibe / wie gesagt / Und lassen jnen sagen / das sie
hinziehen in jre Land und gueter / gen Jerusalem, Und daselbs liegen /

Mag darob, was ihr Herold über Ecclesia und Synagoga zu künden weiß, seine Versammlung schon in Staunen versetzt haben, so wird an diesem Samstag, 4. Oktober 2025, seine Versammlung ob des Wissens ihres Herolds, mit dem er nicht geizt, aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen sein:

Massen werden niemals von Mitgefühl bewegt, sondern nur von Angst oder Hass.

Das zeigt sich auch daran, dass die Aktivisten es vermeiden, sich mit den Gräueltaten auseinanderzusetzen, die von den Bewohnern des Gazastreifens am 7. Oktober oder später begangen wurden, oder dasss sie diese leugnen[.]

In den 1930er-Jahren musste Hitler Gesetze erlassen, die Juden die Teilnahme an nichtjüdischen Veranstaltungen untersagten. Heutzutage sind keine Gesetze mehr nötig. Die terrorisierenden Aktivisten und eine desorientierte Linke schaffen dies freiwillig.

Ob Hanoch Ben-Yami und Gerhard Zeilinger an einem Tisch gesessen sind, vielleicht in einem traditionell wienerischen Kaffeehaus, als sie ihre Artikel für das „Album“ schrieben und vereinbarten, wer „desorientierte Linke“, wer „mit ihm ein Teil der in die Jahre gekommenen Linke“, wer „die Antisemiten der degenerierten Linken“?

Ein Herold, heißt es, ist ein Bote, der ausruft, was ihm aufgetragen. Natürlich ist Hanoch Ben-Yami kein Bote, sondern einer, der sein Wissen seiner Versammlung lehrt, der ebenso viel weiß oder viel mehr noch weiß als beispielsweise Oskar Deutsch, Ariel Muzicant

und sollte an diesem 4. Oktober 2025 Ehud Olmert, der einmal israelischer Premier war, seinen Artikel gelesen haben, so wird Ehud Olmert nun auch endlich wissen, was er zu wissen braucht.

Seine Versammlung wird am 4. Oktober 2025 mit Bewunderung für das Wissen von Hanoch Ben-Yami immer wieder von seinem Artikel aufgeblickt haben, wohl auch in Dankbarkeit für die seine Erkenntnisse, an denen er sie an diesem Samstag teilhaben läßt:

Die Anhänger des Nationalsozialismus waren nicht weniger intelligent oder kritisch als die der aktuellen Anti-Israel-Bewegung, und viele von ihnen waren ansonsten ganz normale Menschen. Und die heutigen Aktivisten, die ihr Wissen aus den sozialen Medien beziehenj, sind nicht besser informiert als diejenigen in den 1930er-Jahren. Viele schlossen sich der Bewegung voller moralischer Inbrunst an, wurden in die Irre geführt und hatten nur geringfügige Kenntnisse über die Situation: Unwissenheit erzeugt Fanatismus, und Fanatismus bewahrt Unwissenheit. Und es erfordert Charakterstärke, mit verschränkten Armen dazustehen, wenn alle um einen herum den Hitergruß machen. Die aktuelle Anti-Israel-Bewegung hilft zu verstehen, wie ansonsten normative, rationale Menschen in ihrer Masse den Antisemitismus der Nazis unterstützen konnten.

Kann man etwas gegen diese antisemitische Bewegung unternehmen? Sie ist immer noch eine Minderheit, wenn auch eine lautstarke, energische und aggressive. Ihre Aktivisten terrorisieren diejenigen, die sich weigern, sich gegen Israel zu wenden, eine Taktik, die in der Vergangenheit von Nazi- und Islamo-Nazi-Antisemiten angewendet wurde. Diese Aggression sollte nicht toleriert werden, und es sollten strenge Maßnahmen dagegen ergriffen werden. Ebenso sollten diejenigen, die Isarelis boykottieren, keine staatliche, kommunale oder sonstige Unterstützung mehr erhalten. Die Tatsache, dass die Antisemiten der degenerierten Linken Verbündete der muslimischen Antisemiten sind, könnte ebenfalls ihren Einfluss einschränken. Angesichts der Zunahme muslimischer Kriminalität und Terrorismus in Europa nimmt die Toleranz gegenüber aggressiven muslimischen Bewegungen quer durchs politische Spektrum ab.

Und die Aufklärung seiner Versammlung beendet Hanoch Ben-Yami mit der Frage:

Wird die Aufklärung im Westen erneut scheitern?

Gerhard Zeilinger, um keine Antwort je verlegen, weiß die Antwort, sie werde nicht erneut scheitern, wie auch, etwas, mit dem es bisher kein Weiterbringen gegeben habe, kann doch nicht scheitern und schon gar nicht erneut scheitern — einfach wie kurz von Gerhard Zeilinger in sein Album geschrieben:

[U]ns auch die Aufklärung nicht weitergebracht hat.