Das Denkmal vor dem Haus von Robert Musil in der Rasumfoskygasse, in dem er von 1921 bis 1938 wohnte, bis zu seinem gezwungenen Verlassen von Wien und Österreich, ist kein Denkmal für Robert Musil, es ist die Halbfigur als Denkmal für Vuk Stefanović Karadžić.
An Robert Musil aber wird in der Rasumofskygasse doch erinnert, mit einer am Haus angebrachten Tafel. Ebenso wird an Wilhelmina Karadžić-Vukomanović mit einer am Haus angebrachten Tafel in der Rasumfoskygasse erinnert. Für Vater und Tochter also in der Rasumofksygasse zwei Male, eine Tafel für die Tochter und eine Büste für den Vater …
Entsprechend sammelte er seine Serbischen Volkslieder auch bei den Kroaten und Bosniaken. Serbische Nationalisten berufen sich auch auf Karadžićs Thesen, um ihre großserbischen Ziele zu rechtfertigen. Zuletzt im Kroatien- und Bosnienkrieg, allen voran Radovan Karadžić, der sich fälschlich zu einem Nachfahren Vuk Karadžićs erklärte und sich vor dessen Bild filmen ließ. Diese Behauptungen sind jedoch nicht nachweisbar.[5]
Wikipedia. Gelesen am 4. Mai 2026.
Wer ein Denkmal und nicht nur eine Tafel von Robert Musil sehen möchte, muß nach Genf in der Schweiz fahren …
„Denkmale“ von Robert Musil beginnt folgendermaßen:
Denkmale haben außer der Eigenschaft, daß man nicht weiß, ob man Denkmale oder Denkmäler sagen soll, noch allerhand Eigenheiten. Die wichtigste davon ist ein wenig widerspruchsvoll; das Auffallendste an Denkmälern ist nämlich, daß man sie nicht bemerkt. Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler. Sie werden doch zweifellos aufgestellt, um gesehen zu werden, ja geradezu, um die Aufmerksamkeit zu erregen; aber gleichzeitig sind sie durch irgend etwas gegen Aufmerksamkeit imprägniert, und diese rinnt Wassertropfen-auf-Ölbezug-artig an ihnen ab, ohne auch nur einen Augenblick stehenzubleiben.
Das trifft zweifellos auf die Halbfigur Karadžić zu. Und es wird noch mehr auf jene auf dem KL zutreffen, besonders jetzt nach ihrer um teures Geld künstlerisch gestalteten Veränderung, die doch angegangen wurde, um „Aufmerksamkeit zu erregen“.
Es geht vielen Menschen selbst mit überlebensgroßen Standbildern so. Man muß ihnen täglich ausweichen oder kann ihren Sockel als Schutzinsel benutzen, man bedient sich ihrer als Kompaß oder Distanzmesser, wenn man ihrem wohlbekannten Platz zustrebt, man empfindet sie gleich einem Baum als Teil der Straßenkulisse und würde augenblicklich verwirrt stehen bleiben, wenn sie eines Morgens fehlen sollten: aber man sieht sie nie an und besitzt gewöhnlich nicht die leiseste Ahnung davon, wen sie darstellen, außer daß man vielleicht weiß, ob es ein Mann oder eine Frau ist.
Wenn man es gut mit Monumenten meint, muß man daraus unerbittlich den Schluß ziehen, daß sie einen wider unsere Natur gerichteten Anspruch an uns stellen und zu seiner Erfüllung ganz besonderer Anstalten bedürfen. Wollte man die Warnungstafel für Kraftwagen so unauffällig einfarbig ausgestalten wie Denkmale, so wäre das ein Verbrechen. Auch die Lokomotiven pfeifen doch schrille und keine versonnenen Klänge, und selbst den Briefkasten gibt man eine anlockende Farbe. Mit einem Wort, auch Denkmäler sollten sich heute, wie wir es alle tun müssen, etwas mehr anstrengen! Ruhig am Wege stehn und sich Blicke schenken lassen, könnte jeder; wir dürfen heute von einem Monument mehr verlangen. Wenn man erst diesen Gedanken erfaßt hat – der sich dank gewisser Strömungen des Geistes langsam durchzusetzen beginnt – erkennt man, wie rückständig unsere Denkmalskunst ist, verglichen mit der zeitgenössischen Entwicklung des Anzeigenwesens. Warum greift der in Erz gegossene Held nicht wenigstens zu dem anderwärts längst überholten Mittel, mit dem Finger an eine Glasscheibe zu klopfen? Weshalb drehen sich die Figuren einer Marmorgruppe nicht umeinander, wie es bessere Figuren in den Geschäftsauslagen tun, oder klappen wenigstens die Augen auf und zu? Das mindeste, was man verlangen müßte, um die Aufmerksamkeit zu erregen, wären bewährte Aufschriften wie »Goethes Faust ist der beste!« oder »Die dramatischen Ideen des bekannten Dichters X. sind die billigsten!« Leider wollen das die Bildhauer nicht. Sie verstehen, wie es scheint, nicht unser Zeitalter des Lärms und der Bewegung. Wenn sie einen Herrn in Zivil darstellen, so sitzt er reglos auf einem Stuhl oder steht da, die Hand zwischen dem zweiten und dritten Knopf seines Rockes, auch hält er zuweilen eine Rolle in der Hand, und es zuckt keine Miene in seinem Gesicht. Er sieht gewöhnlich aus wie die schweren Melancholiker in den Nervenheilanstalten. Wenn die Menschen nicht für Denkmale seelenblind wären und bemerken könnten, was oben vorgeht, so müßten sie, wenn sie vorbeikommen, das Gruseln haben wie an den Mauern eines Irrenhauses. Noch gruseliger ist es, wenn die Bildhauer einen General oder einen Prinzen darstellen. Die Fahne flattert in der Hand, und es geht kein Wind. Das Schwert ist gezückt,
und niemand fürchtet sich davor. Der Arm weist gebieterisch vorwärts, aber kein Mensch denkt daran, ihm zu folgen. Selbst das Pferd, das sich mit sprühenden Nüstern zum Sprung erhoben hat, bleibt auf den Hinterhufen stehen, starr vor Staunen darüber, daß die Menschen unten, statt zur Seite zu treten, ruhig ein Wurstbrot in den Mund stecken oder eine Zeitung kaufen. Bei Gott, Denkmalsfiguren machen keinen Schritt und machen doch immerwährend einen Faux pas.
Die Frage, ob „Denkmale“ oder „Denkmäler“ gesagt werden soll, ließe sich einfach lösen, wenn ein Denkmal einfach wie kurz als das bezeichnet wird, was ein Denkmal ist: ein Brandmal, ein Wundmal, mit einem Wort: ein Stigma — Stigma eines Landes, Stigma einer Stadt, Stigma einer Gemeinde, Stigma eines s Dorfes. Denn von Stigma ist Stigmata die einzige Mehrzahl.



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