Bad Taliban, Bezirk Islamchristfeld – Kunst muß artig sein

Es wird berichtet, die Skulptur „Gaia“ von Emmerich Weissenberger habe seit einem Jahr für Unmut gesorgt, es sei von „entarteter Kunst“ gesprochen worden, die Bevölkerung habe die Statue abgelehnt, weil diese an Penis und Vagina erinnere, es sei dafür gewesen, die Skulptur dem Verfall preiszugeben … Es wurde dem, wie es scheint, zuerst mit einer Zerstörungstat versucht vorzugreifen, eher die Skulptur auf Vorschlag von Emmerich Weissenberger gesprengt wurde, um die Situation, wird er von der Presse zitiert, zu entspannen …

Um die Situation zu entspannen -, in Afghanistan mußten die Talibans noch selbst Statuen sprengen, die ihnen nicht paßten …

Die Kosten für die filmische Dokumentation der Sprengung tragen, ist zu lesen: Rogner-Bad, Kur-Kommission und Tourismusverband … Wofür wird dieser Film genützt werden? Für die Tourismuswerbung, mit welchen Slogans? Urlaub in Bad Blumau, wo Kunst noch artig istUrlaub in Bad Blumau, wo das Volk noch die Kunst bestimmtBad Blumau – Sieg des Volkes gegen die unartige Kunst

Tradition der Entspannung auf dem Lande.

Von entarteter Kunst sei gesprochen worden -, der Entwerfer des Rogner-Bades wäre wohl sehr stolz auf die Bevölkerung von Bad Blumau gewesen, er, Friedensreich Hundertwasser, hätte es sich wohl selbst hoch angerechnet, daß sein Manifest gegen entartete Kunst, vor Jahrzehnten in einer Fernsehsendung von ihm von einer Schriftrolle gelesen, auf derart f(r)u(r)chtbaren Boden (entscheiden Sie bitte selbst, wohin mit dem „r“) …

Ebenso stolz wie das offizielle Österreich 1980 auf Friedensreich Hundertwasser war, als es ihm den großen österreichischen Staatspreis für bildende Kunst verlieh -, und er, Friedensreich Hundertwasser, dem offiziellen Österreich nicht nur mit seinem Wettern gegen entartete Kunst dankte, sondern diese in seiner Kunstpreisverleihungsrede auch kriminalisierte, denn nach Friedensreich Hundertwasser werde die entartete Kunst von einer Mafia ….

Die Skulptur erinnerte an Penis und Vagina -, seltsam, oder gar schizophren, daß eine künstlerische Darstellung von Penis und Vagina nach wie vor derartig heftige Reaktionen bis hin zu Zerstörungsakten hervorrufen kann, während das kommerzielle Geschäft mit gänzlich auf Geschlechtsteile reduzierten und beschränkten Produkten Umsätze in Milliardenhöhe pro Jahr … Wie viele in Bad Blumau, die sich gegen diese Skulptur erregten, werden Konsumenten und Konsumentinnen der Pornoindustrie sein, ihre Schlafzimmer vollgefüllt haben mit überdimensionierten Kunstumschnallschwänzen und mannschluckenden Kunstmösen, in die Papis heim zu ihre Mamis kriechen, während sie dabei selbst mit Kunstumschnallschwänzen sodomiert werden, und in der Küche die Großmutter den Kindern Psalmen aus dem Bibran vorliest, der Entblößte vom Kreuz sich nicht entschieden kann, auf wen er mehr starren sollen, auf die Nackte der Tageshauspostille oder auf die neben ihm hängenden reschen Buben des Jungbauernkalenders …

Robert Rogner, Leiter der an dem Kunstprojekt beteiligten „Bad Blumauer Werkstätten“, sieht den Diskussionsprozess rund um „Gaia“ positiv: „Es ist eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst vor dem Hintergrund ländlicher Tradition. Durch die Sprengung wurde die entstandene Spannung zwischen Tradition und Moderne aufgelöst. Sie entlud sich in gewisser Weise.“ (Quelle: Website ORF, Steiermark)

War das der Auftakt zur Rückkehr zu einer positiven Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst, Spannungen durch Sprengungen aufzulösen? Was werden die nächsten Sprengungen sein? Möglicherweise wird das Abdullah-Zentrum in Wien, wenn Islam und Christentum einander noch besser verstehen, was eines der erklärten Ziele ist, mit eine Liste sprengbarer Kunstwerke einen Beitrag der …