Alle Religionen sind Kunst

Jesus Christus Mischwesen

Es ist doch erheiternd zu lesen, daß die identitäre Parlamentsparteiwegen eines Kunstprojektmischwesens an Kardinal Christoph Schönborn sich schriftlich wendet, an den Vertreter einer Organisation also, somit ausgerechnet an den höchsten Vertreter einer Kunstorganisation in diesem kleinen Land, das stets Staunen hervorruft, wie in einem derart kleinen Land all das Kunstzeug der schönbornschen Organisation Platz finden kann, Werner Neubauer mit einem offenen Brief einen Kunstfabrikangestellten um Meinung anfleht, deren erste Anbetungsmarke ja ein Mischwesen ist.

Und was ist Jesus Christus anderes als ein Mischwesen: ein Teil Mensch, ein Teil Gott. Es ist eine Mischkulanz, die nur nach einer Nacht der größten Ausschweifung unter Verteilung ganzer Jahresdrogenernten gebraut werden konnte, die zu inszenieren etwa ein Hermann Nitsch mit seinem Puppenschloßorgienmysterientheater nicht einmal träumen kann. Denn. Mischwesen Jesus Christus ist zusätzlich auch noch ein Teil von Gott, der oder die oder das oder geschlechtslos ein Mischwesen aus dem Mischwesen Jesus Christus und einer Taube, die auf den Namen „Heiliger Geist“ hören soll, wobei äußerst fraglich ist, ob sie, die Taube, auf ihren Namen auch wirklich hört.

Und Jesus Christus ist nicht anders gezeugt worden, als es nun Maja Smrekar mit ihrem Mischwesen aus Hund und Mensch versucht. Mit einem Unterschied freilich, als das Mischwesen Jesus Christus gezeugt wurde, war es eine bloße schriftliche Zeugung. Denn. Damals gab es noch nicht die technischen Möglichkeiten einer unbefleckten Empfängnis, die heute Maja Smrekar zur Verfügung stehen, um eine unbefleckte Empfängnis wirklich wahrwerden zu lassen.

Es ist vielleicht nicht von ungefähr, daß es gerade eine Frau ist, die wieder ein Mischwesen gebären will, mit dem Vornamen Maja: die „Hehre“, die „Höhere“. Wird nicht so ihre Kollegin Maria angebetet, vor der zu viele Ehrfurcht haben, und sie, Maria, deshalb nicht beim Kosenamen Maja angekniet wird.

Ja, das Kunstprojekt von Maja Smrekar erinnert wieder einmal daran:

Alle Religionen sind Kunst.

Alle Religionen sind bloße Kunst. Denn. Es ist in jedweder Religion alles vorhanden, was Kunst definiert, Kunst ausmacht, kurz und schlecht gesagt, nur für die Kunstrichtung Religionen aufgezählt: es ist Phantasie dabei, es ist Märchen dabei, es ist der Luxus, der für das nackte Leben nicht gebraucht wird, dabei, es ist Ausschweifung dabei, es sind Halluzinationen dabei, es ist Wirklichkeitsfremdes dabei, es ist Wahn dabei, es ist Begierde dabei, es ist Lust dabei, es ist Krankhaftes dabei, es sind Versteigungen dabei, es sind Irrtümer dabei,  es sind psychische Mängel dabei, und so weiter und so fort.

Alle Religionen sind Kunst, wobei die Kunstsparte Religionen wohl die schwärzeste, die negativste Kunstsparte ist, aber auch die je erfolgreichste Kunstrichtung, die je einflußreichste und damit die je schrecklichste, die je tödlichste Kunst ist, die je alles vernichtende Kunst ist, die der Mensch je ersann und ausübte.

Und als Einschub, weil einer aus der FPÖ und bezeichnenderweise jener mit dem Namen Rosenkranz klagte:

„Wenn es um Mohammed und den Islam geht, trauen sich die Künstler eh nicht mehr“,

kann besonders ihm gesagt, Mohammed war ein schwacher, armer und phantasieloser Künstler, bei dem es nicht einmal dazu reichte, eine solche Mischkulanz an Mischwesen zu ersinnen, dabei hätte er nur die mit Rosenkränzen in den Händen angebetete Mischkulanz abkupfern müssen, aber die Einfalt seines Herzens, das ihm Kunstgeist war, verwehrte ihm den Aufstieg zum großen Künstler …

Und was der Kunstsparte Religionen grundsätzlich ist und diese unverwechselbar macht, ist die Heilserwartung. Maja Smrekar ist eine Vertreterin der Kunstrichtung Religionen. Denn. Auch sie erwartet sich von ihrem Mischwesen im Grunde das, was besonders das Mischwesen ihrer Kollegin seit zweitausend Jahren nicht und nicht erfüllt und auch je nicht mehr erfüllen wird, in bezug auf die Heilserwartung an ein Mischwesen hat das Mischwesen Jesus Christus nicht einmal das zusammengebracht und wird es auch nicht mehr zusammenbringen, was ein Mensch in einer halben Minute unter dem Nagel seines kleinsten Fingers an Schmutz sammeln kann.

Und das wird Maria Smrekar nicht unbekannt sein, die Heilserwartungsenttäuschung des Mischwesensprototyps. Und dennoch ist sie voller Zuversicht, ausgerechnet ihr Mischwesen werde … betet mit ihrer Kunst den Rosenkranz der Heilserfüllung:

„ARTE_mis ist das vierte Projekt der Reihe, bei dem eine Eizelle der Künstlerin eine somatische Zelle ihres Hundes in sich aufgenommen hat. Ergebnis ist eine hybride Zelle, der ein dystopisches Szenario innewohnt, die gleichzeitig aber eine neue Species schaffen könnte, deren Überlebenschancen auf dem Planeten Erde besser sind als unsere – nicht zuletzt deswegen, weil dieses Mischwesen seine Umwelt humaner behandeln würde als wir das tun.“

Alle Religionen sind Kunst. Und was bei einer Aufzählung gerade zur Kunstrichtung Religionen nicht fehlen darf, ist die Fälschung. Über die hat erst vor kurzem Kunstkritiker Schönborn geschrieben, als er eine fromme Rezension des Grabtuches von dem Mischwesen …

Warum Thomas Bernhard in seiner Sterbeminute schon zum Klassiker wurde, Octave Mirbeau aber sofort mit seinem Tod für Jahrzehnte in den Giftschrank kam

Thomas Bernhard - ein österreichischer KlassikerEs soll nicht ungerecht gegen Thomas Bernhard gesprochen werden. Es war immer ein Spaß. Es war immer eine Gaude, eine Hetz. Als er lebte. Seine Interviews im Fernsehen. Wer zählte diese nicht zu den Sternstunden des Fernsehens. Freilich, im Fernsehen …

Seit er, Bernhard, nicht mehr lebt, ist es vorbei mit dem Spaß, ist es vorbei mit der Gaude, mit der Hetz. Freilich, was geblieben gibt, was bleibt, ist die Schimpferei, das recht konservative und alles wie es je war stützende und verteidigende Granteln von seinen Zeitgenossen und Zeitgenossinnen, die heute ins Facebook zur Wirtin Unzensurierta gehen, wenn es sie zu ihrem Stammtisch treibt, sie ihren Harmdrang zum Ausspeien nicht mehr zurückhalten … Was es noch gibt, ist sein Werk, das verblaßt, schal und kenntlich in seinem Konservatismus, in seiner Abschreibe und in seiner Nachschreibe. Es langweilt, ganz ohne Fernsehbegleitung. Nicht alle noch, vor allem für die ehrenwerte Lodentrachtjagdgesellschaft auf dem österreichischen Lande ist sein Werk kurzweilig und seine Wiederholungen so passend zu ihren Leben in ihren Wiederholungen, mit dem sie sich auch ein wenig rebellisch empfinden dürfen, freilich österreichisch rebellisch. Eine Rebellion, die sich darin erschöpft, am Sonntag in der Kirchenbank während der Predigt bemerkbar zu flüstern, und dies schon als Revolte gegen den Herrn Pfarrer …

So wird es verständlich, weshalb Thomas Bernhard, kaum daß er tot war, zum Klassiker wurde, freilich zum österreichischen Klassiker. Zugleich wird verständlich, weshalb Octave Mirbeau, kaum daß er tot war, für Jahrzehnte in den Giftschrank gesperrt wurde.

Im Octave Mirbeau ist der gesamte Thomas Bernhard, aber, wie traurig, wie wenig Octave Mirbeau im gesamten Thomas Bernhard ist.

Octave Mirbeau schaffte es punktgenau, daß sein Todestag genau auf seinen Geburtstag fiel. Thomas Bernhard nicht, er verfehlte diesen um drei Tage. Vielleicht wollte Thomas Bernhard den gleichen Todestag wie sein geliebter und unlesbarer Großvater. Auch das schaffte er nicht, er verfehlte diesen um einen Tag.

Und was alles Octave Mirbeau noch schaffte, lange vor Thomas Bernhard, und was Thomas Bernhard nachschaffte, freilich nur in der konservativsten Weise … die Übertreibung, die Beschimpfungen von Städten und Ländern und so weiter.

Octave Mirbeau, der „rote Millionär“, Thomas Bernhard, der Landwirt aus dem Oberösterreichischen … auch das macht verständlich, weshalb Thomas Bernhard sofort ein Klassiker werden konnte, eben ein österreichischer Landwirteklassiker.

Octave Mirbeau war auch ein äußerst erfolgreicher Bühnenschriftsteller. Und wird an Thomas Bernhard als Bühnenschriftsteller gedacht, befällt doch der Verdacht, es muß an seinen Stücken liegen, daß ein Schauspieler des deutschen reiches diese dermaßen hervorragend zu spielen verstand, sich so außerordentlich wohl fühlte in den bernhardschen Figuren. Es will nicht ungerecht gegen Bernhard Minetti gesprochen werden. Wer amüsierte sich nicht köstlich bei seinen bernhardschen Spielereien. Noch heute wird gerne das eine oder andere Stück mit Minetti hervorgeholt, um ihn sprechen zu hören. Freilich auf die bernhardschen Worte wird dabei nicht mehr gehört.

Octave Mirbeau war ein Autofahrer. Thomas Bernhard war ein Autofahrer. In einem Charron war Mirbeau unterwegs, in einem „tannengrünen Mercedes“ Thomas Bernhard. Das macht auch verständlich, weshalb er, kaum daß er tot war, zum österreichischen Klassiker erhoben wurde. Wer verdiente in diesem konservativen Land mehr, zum Klassiker gemacht zu werden, als einer aus der konservativsten Tiefe des Landes: der Landwirt mit seinem grünen, also mit seinem Trachtenlodenmercedes. Wer das Werk von Octave Mirbeau kennt, wird es verstehen, daß die Entscheidung, wenn je eine notwendig war, längst gefällt wurde: niemals in einen Trachtenlodenmercedes einzusteigen, aber immer in den Charron mit dem Kennzeichen 628-E 8. Dazu fällt ein. Thomas Bernhard sprach davon, er sei ein Geschichtenzertrümmerer. Das paßt zu einem Nebenerwerbslandwirten: das Kleinhäuslerische.

Wie verdreckt für Thomas Bernhard die Toiletten von Wien doch waren, für Octave Mirbeau waren die Toiletten des ganzen und ungleich größeren Landes verdreckt. Bernhard wußte über Wien nichts anderes zu sagen, als Mirbeau über Frankreich sagte. Und das ist ein Verdienst von ihm, Bernhard, auch mit ihm sagen zu können, wie töricht es von Menschen ist, auf nationale Unterschiede zu pochen, stolz darauf zu sein, wie besonders und einzigartig ihre Nationen doch wären, während über ihre Heimaten stets nur dasselbe gesagt werden kann, verdreckte Toiletten in der einen Nation, verdreckte Toiletten in der anderen Nation.

Das Kleinhäuslerische. War Thomas Bernhard gemein zu dem kleinen Tonsetzer aus dem kleinen Maria Saal, so war Octave Mirbeau zum großen Balzac aus dem großen Paris  … Freilich, es kann nicht Bernhard angelastet werden, daß er sein Mütchen gefahrlos an einem sozialistischen Höhensonnenkönig … die Zeit der Monarchien war vorbei, und es ist nicht das Verdienst von Mirbeau, daß er eine mehrjährige Gefängnisstrafe riskierte, weil er über einen Kaiser …

Octave Mirbeau zerstörte groß, also gleich den Roman.

Nur wer in Österreich geboren ist, in Österreich aufgewachsen ist, die Fernsehgaude mit Thomas Bernhard miterlebt hat, wird töricht ausrufen können, beim Lesen des ersten Satzes von „Diese verdammte Hand“: Das ist Bernhard. Nein. Das ist Mirbeau. Nur in Österreich kann zu Mirbeau Bernhard einfallen, den Österreich als Klassiker braucht, um zu bleiben, was es ist, ein Land des Konservatismus bis hin zu noch Schlimmeren. Aber Österreich bräuchte einen Mirbeau. Wenn an die Malerei in Österreich gedacht wird, kommt es zwangsläufig, österreichischen Malerinnen und Malern zu empfehlen, „Diese verdammte Hand“ zu lesen. Es ist keine Empfehlung, daß sie sich ebenfalls die Hand abhacken. Das wäre eine zu große Geste, eine, die den Großen vorbehalten ist, etwa einem Vincent van Gogh, der wohl Modell war für den Maler in diesem Buch, und von dem Mirbeau zwei Bilder kaufte, als … zwei Bilder, die heute zu den teuersten … und dann gibt es von Thomas Bernhard einen Roman mit einem Maler, für den, also den Roman, Modell war … die Landwirte in Österreich werden den bernhardschen Titel wissen … Es ist also keine Empfehlung, die Hand …, aber schlicht und ruhig auf…

Kunst- und Kulturschaffende kämpfen um Heumarkterbe

Selbstverständlich nicht: um das Heumarkterbe. Die Kunst- und Kulturschaffenden haben das Große im Auge. Sie kämpfen um das Weltkulturerbe. Sie fürchten, Wien könnte diesen Status verlieren, wenn am Heumarkt ein Haus 66 m in die Höhe  gebaut wird. Der Südturm der Stephanskirche ist 136,4 m hoch, der nicht einmal fertiggestellte Nordturm 68 m, somit zwei Meter höher als das geplante Haus am Heumarkt.

Darum also bangen die Kunst- und Kulturschaffenden, daß  ein geplantes Haus und, wenn es tatsächlich gebaut wird, ein zur Gänze fertiggestelltes Haus gegen das Weltkulturerbe-Regime verstoßen …

Was für eine Vorstellung von Weltkulturerbe. Was für ein Diktat, daß ein Furunkel nach einem Supergau mit einem Turm von 136,4 m und einem nicht einmal fertiggestellten Turm von 68 m einzig in die Höhe ragen dürfen. In diesem Furunkel, in dem Menschen zu sado-masochistischen Erzählungen zu knien haben … das verleitet zu formulieren, und so müssen halt auch die Häuser in mittelbarer und unmittelbarer Umgebung vor diesem Supergaufurunkel auf Knien …

Das ist nicht Weltkultur. Das ist Heumarkt. Die Spreu das Erbe.

(Wenn gerade Kunstschaffende die Sorge um das Weltkulturerbe antreibt, kann geahnt werden, es hat auch etwas mit der Sorge um die eigene Unsterblichkeit als Künstlerin und als Künstler zu tun – notieren, das irgendwann näher ausführen, vielleicht, nein, genügt: die Unsterblichkeit ist tot.)

Die Kunst- und Kulturschaffenden führen weiter an, es werden am Heumarkt, so die Bezeichnung im Aufruf von Gerhard Ruiss, ein „Luxuswohnturm“ errichtet.

Ja, damit kann mobilisiert werden. Und es kann verstanden werden, gegen einen „Luxuswohnturm“ zu sein.

Im Grunde haben die Kunst- und Kulturschaffenden nur Überschriften, die gefallen könnten, wäre das Inhaltliche dazu nicht so dünn, wie es sonst bloß von einer Partei monopolartig in diesem Land gekannt wird. Und es überrascht nicht, daß genau diese Partei auch recht dagegen ist.

heumarkt-und-heumarkt

Wenn der Aufruf von diesen Kunst- und Kulturschaffenden verglichen wird mit dem Prospekt „Heumarkt Neu“ muß gesagt werden, das Inhaltliche ist nicht nur dünn, sondern schlichtweg falsch. So heißt es im Aufruf etwa:

„Für wen wird hier gebaut? Für die Wienerinnen und Wiener jedenfalls nicht. Und auch nicht für Touristinnen und Touristen. Wien dient nur als Kulisse für Luxuslebensgefühle, die hier ausgelebt werden sollen, der Bau ist ein Angebot für den grenzenlosen Reichtum, der auf der Suche nach Luxuswohnraum durch die Weltinnenstädte zieht. Er greift nicht nur massiv in die unmittelbare Bau- und Platzumgebung der dort bestehenden Objekte und Flächen ein, er verändert auch das Erscheinungsbild der Wiener Innenstadt gravierend.“

Forderungen werden aufgestellt, im Aufruf:

„Der öffentliche Raum und die öffentlichen Einrichtungen am und um das Gelände des Wiener Eislaufvereins müssen frei zugänglich und für die Allgemeinheit nutzbar bleiben.“

Skepsis ist stets angebracht. Projektvorstellungen sind kritisch zu beurteilen. Es soll aber nicht gleich alles als Lüge abgetan werden. Die Verantwortlichen für diese Projektvorstellung am Heumarkt sind in die Pflicht zu nehmen und werden die Konsequenzen zu ziehen haben, sollte es nicht so kommen, wie von ihnen versprochen. Und nach dieser Beschreibung ist diese Forderung mehr als erfüllt, so daß gefragt werden muß, wie kann behauptet werden, es käme nicht den Wienern und Wienerinnen zugute, wie kann gefordert werden, der öffentliche Raum müsse frei zugänglich und für die Allgemeinheit nutzbar bleiben.

Das vorgestellte Nutzungskonzept des öffentliches Raumes – mit konsumfreien Zonen, mit Proberäumen für Kunst-Kultur-Ateliers, Turnsaal für umliegende Schulen und Vereine, ein Lebensraum für alle, Musik, Sport, Entspannung und so weiter und so fort – ist eines, gegen das nicht protestiert werden kann. Es ist auch festgeschrieben als „garantierte Verpflichtungen der Projektentwickler“.

Zu ebener Erde sieht es also sehr gut aus. Anders freilich ist es bestellt ab dem ersten Stock. Das Hotelgebäude und das Wohngebäude sehen zwar gezeichnet nicht unhübsch aus, aber sie lassen bereits erkennen, es werden fade, biedere Blöcke sein, wenn sie tatsächlich gebaut und fertiggestellt sein sollten. Wenigstens wird das eine Gebäude mit 66 m ein fertiggestelltes Gebäude sein, im Gegensatz zu den 68 m des Supergaufurunkels …

Sehr überzeugend sind die Einwände nicht. Überschriften, würdig einer Parteizentrale, aber nicht Kunst- und Kulturschaffenden, zu denen abschließend ein paar allgemeine Anmerkungen …

Es verwundert gar nicht mehr, daß in diesem Land eine Partei mit bloßen und trachtigen Überschriften derart erfolgreich sein kann, wenn verfolgt wird, wie sich in diesem Land auch Kunst- und Kulturschaffende präsentieren, wofür, richtiger, wogegen sie sich einsetzen, als trügen sie auch schon im Geiste die Krachlederne … Und der Heumarkt ist hierfür nur ein Beispiel, ein weiteres für deren seltsamen Gang in die …

„Rettet die Karlskirche“

… stets dabei, ob er im Auto von einem zum anderen Anger … jedenfalls, als Künstler  wahrlich einer der hellsten Köpfe in diesem Land …

Und es gibt ein weiteres Beispiel, das erst vor kurzem bekannt wurde, zugetragen im Literaturbetrieb …

Schreib‘ Deitsch!

Mit Blick auf diese Kunst- und Kulturschaffenden ist es womöglich ein unberechtigter Vorwurf an die derzeitige Regierung, daß für sie Kunst und Kultur kein Thema mehr ist, sie sich damit keine Arbeit mehr antun will, andererseits ist es ein Fehler, von diesen Kunst- und Kulturschaffenden auf alle zu schließen …

„Plan A für Kunst und Kultur, wenn ein nächster Termin dazu ansteht.“

Es muß eingestanden werden, Kulturminister Thomas Drodza beschämt durch konkrete Antworten, die seine Redaktion übermittelte.

Es wurde zu voreilig

Arbeitsprogramm 1718 – Kunst und Kultur machen keine Arbeit. Endlich. 

geschrieben. Denn. Kunst und Kultur werden weiter Arbeit machen.

Es sind so viele Punkte, die dafür sprechen, wie sehr Kunstminister Drodza beschämt, daß von diesen im einzelnen erzählt werden muß.

Eins

Minister Drozda lädt, wie in der Collage gelesen werden kann, alle „Kunst- und Kulturschaffenden“ ein. Wie konnte das bloß passieren, daß diese breitest öffentlich ausgesprochene Einladung nicht wahrgenommen wurde, wie konnte ihr nur „entgangen“  werden? Bloß Toten kann doch diese Einladung entgangen sein.

Zwei

Das Hervorragende an dieser Einladung von Minister Drozda

„Ich möchte daher alle Kunst- und Kulturschaffenden einladen zusammen mit uns dieses Projekt weiterzudenken und einen ‚Plan A‘ für die Kunst und Kultur zu entwickeln.“

ist, es ist zugleich auch die schriftliche Unterlage, nach der gefragt wurde. Gab es je eine Projektbeschreibung, die ausführlicher und ausgefeilter war, für die mehr budgetär vorgesorgt wurde? Wer möchte nach ihrer Lektüre nicht sofort mitarbeiten?

Drei

„Es ist kein parteipolitisches Vorhaben.“ Schreibt die Redaktion TD. Wie wahr. Denn sonst würde es ja Regierungsprogramm heißen und nicht „Plan A“.

Vier

Für dieses Vorhaben wurde ein Meilenstein gesetzt: „Wenn der nächste Termin dazu ansteht.“ Wie lächerlich dagegen muten im Regierungsprogramm vulgo Arbeitsprogramm 1718 die terminisierten Inkraftsetzungen von Gesetzen an, besonders der Gesetze zur Hebung des subjektiven Sicherheitsgefühls.

Fünf

Was das wieder kosten wird. Es muß nicht bange werden. Nach dieser Einladung, die zugleich die Projektbeschreibung ist, wird es nichts kosten. Es sind ja Kunst- und Kulturschaffende dazu eingeladen, und nicht etwa K…, wie bei dem Projekt Nation Brand Austria.

Sechs

Nun erst erschließt sich im vollen Umfange, weshalb in dem vom Parteivorsitzenden Christian Kern vorgestellten „Plan A“

„Mir geht’s darum, daß wir Schluß mit Kafka machen.“

K… wie es in der breitest gestreuten Einladung, die zugleich die Projektbeschreibung ist, heißt, sind ja die Kunst- und Kulturschaffenden eingeladen, „dieses Projekt weiterzudenken und einen ‚Plan A‘ für die Kunst und Kultur zu entwickeln.“

Wie schade, keine Kontaktdaten zu haben, um sie an die Redaktion TD senden zu können, um eingeladen zu werden, zum nächsten Termin, wenn einer ansteht. Wie freudig muß doch einem jeden Kulturschaffenden, einer jeden Kunstschaffenden zumute sein, das kernsche Projekt weiterzudenken, für den Parteivorsitzenden einen „Plan A“ zu seinem „Plan A“, in dem er Kunst und Kultur den denkbar größten Platz einräumt, …

Wie schön, daß Kunst und Kultur weiterhin Arbeit machen werden: den Künstlern, den Künstlerinnen und den Kulturschaffenden.

Plan A für Kunst und Kultur - Wenn es einen Termin gibt.jpg

Kunst und Kultur machen keine Arbeit. Endlich.

Nun liegt das „Arbeitsprogramm 1718“, wie es gemäß des Dateinamens genannt werden darf, der österreichischen Bundesregierung vor.

Es ist von Interesse zu erfahren, was im Arbeitsprogramm 1718 zu Kunst und Kultur steht, welche Vorhaben, welche Maßnahmen die sozialdemokratische und die christschwarze Regierung …

Das kann tatsächlich mit einem Wort zusammengefasst gesagt werden:

Nichts.

Im Arbeitsprogramm 2013 bis 2018 dieser Regierung waren zu Kunst und Kultur viele Vorhaben, viele Maßnahmen angeführt.

Nun, es wird bis zum Arbeitsprogramm 1718 halt alles bestens bereits umgesetzt worden sein, so daß Kunst nicht mehr behandelt zu werden braucht, die Kunst der Regierung keine Arbeit mehr macht.

Was im Bereich Kunst und Kultur aber tatsächlich umgesetzt wurde, verdeutlicht zusammengefaßt eine Prozentzahl:

Vierzehn.

Vierzehn Prozent. Diese Zahl ist, wie in der Collage gelesen werden kann, auf der Website Regierungsmonitor zu finden, auf der nachgelesen werden kann, was diese Regierung bisher von ihrem Arbeitsprogramm 2013 bis 2018 umgesetzt hat.

Nun, im Bereich von Kunst und Kultur sind es vierzehn Prozent. Ein schöner Erfolg. Es ist zu verstehen, daß im Arbeitsprogramm 1718 Kunst und Kultur nicht mehr vorkommen, Kunst und Kultur sind schlicht und einfach ganz und gar erledigt.

Und schließlich, Kunst und Kultur, das kostet nur, nämlich Steuergeld. Sogar dann, wenn

„Marke Österreich“

etwas nicht umgesetzt wird. Die Nichtumsetzung aber war ein großer Erfolg dieser Regierung, denn es wurden für die Vorarbeiten nicht die veranschlagten rund 740 Tausend Euro ausgegeben, sondern bloß 586 Tausend Euro. Und das ist für eine Nichtumsetzung tatsächlich nicht viel, geradezu sparsam, vor allem wenn bedacht wird, daß an den Vorarbeiten zur Nichtumsetzung Österreichs führende Künstler, wie hier gelesen werden kann, beteiligt waren und diese über alle Grenzen hinweggehenden Künstlerinnen haben ein besonderes Handerl fürs Geld, vornehmlich fürs Steuergeld.

Sie haben auch ein besonderes Handerl für

Programm 2008-2018 von ÖVP und SPÖ: Alle benachteiligten Bereiche in einem Kapitel auf zwölf Seiten

Arbeitsprogramme, wie nachvollzogen werden kann: beginnend mit dem Arbeitsprogramm 2008, weitergeführt mit dem Arbeitsprogramm 2013 und vollendet mit dem Arbeitsprogramm 1718 … in bezug auf Kunst und Kultur kann sogar von Zauberhanderln gesprochen werden. Das Publik darf staunen: der schwarze Zylinder ist leer. Nicht einmal ein falscher Hase wird stattdessen mehr …

Mit dem Arbeitsprogramm 1718 hat sich, das muß anerkannt werden, der Bundeskanzler durchgesetzt. Seine elegante Formulierung „Kultur des Scheiterns“ aus seinem „Plan A“

„Mir geht’s darum, daß wir Schluß mit Kafka machen.“

hat Eingang gefunden in das Arbeitsprogramm 1718, wie gelesen werden darf.

Im Arbeitsprogramm 1718 wird aber, das muß gerechterweise angeführt werden, doch ein Bekenntnis zur Kultur-

„Neben den europapolitischen Gestaltungsmöglichkeiten als Vorsitz des Rates wird ihn die Bundesregierung auch dazu nützen, um Österreich als Wirtschaftsstandort und Kulturland entsprechend zu positionieren.“

positionierung … das macht aber keine Arbeit, dazu braucht es keine Vorhaben, keine Maßnahmen, kein Arbeitsprogramm … ist nur einmal „entsprechend zu positionieren“. Und das ist eine einfache Übung, eine angenehme und eine ohne Aufwand, vielleicht einmal ein Ratsvorsitzabendessen in einem Heurigen drauß’n in Hernois: Schnitzi mit Erdapfelvogerlsalod, dazu an recht guaten Zweigelt und die Musi von Mozart …

arbeitsprogramm-1718-osterreichische-bundesregierung-kunst-und-kultur-machen-keine-arbeit-mehr-endlich

„Mir geht’s darum, daß wir Schluß mit Kafka machen.“

Selbstverständlich bezog Christian Kern das auf die Bürokratie. Und er meinte damit den Abbau von Bürokratie. Er brachte Beispiele dafür. In Wels. In seiner bombastisch inszenierten Rede.

Es will ihm nicht vorgeworfen werden, er hätte sich genauer ausdrücken müssen, er hätte beispielsweise sagen können, es gehe ihm darum, mit kafkaesken Zuständen Schluß machen zu wollen.

Er aber sagte wahrlich: „Schluß mit Kafka machen.“ Und nach dem Lesen seines „Plans A“ kann die Befürchtung aufkommen, er meint es tatsächlich so, nicht mit kafkaesken Zuständen Schluß machen zu wollen, sondern tatsächlich mit Kafka Schluß zu machen. Wenn Kafka stellvertretend verstanden wird für Kunst, Literatur, Film, Theater, Malerei, Architektur, Philosophie, Musik.

Es mutet doch eigentümlich an, daß ein Bundeskanzler dieses Landes nicht einen einzigen Satz in seinem „Plan A“, in seinem Zukunftsplan für Österreich zu dem zu schreiben imstande ist, wovon Österreich weltweit zerrt, nämlich von Kunst und Kultur, zwar nicht aus der Gegenwart, sondern aus der weit, sehr weit zurückliegenden Vergangenheit. Vielleicht beruht seine Nichtberücksichtigung auf der Hoffnung, daß die Welt diese Vergangenheit ebenso noch sehr lange nicht überhat, wie das offizielle Österreich sie nicht überhaben will.

Es soll nicht gesagt werden können, das stimme nicht, er habe nichts dazu geschrieben. Einen Begriff von diesen Begriffen – Kunst, Literatur, Film, Theater, Malerei, Architektur, Musik, Philosophie – verwendet Christian Kern, einen doch, einen einzigen: nämlich „Kunst“.

christian-kern-plan-a-kunststoffproduktionsverantwortungskulturlandWie in der Collage gelesen werden kann, kommt bei Christian Kern „Kunst“ sogar dreimal vor: einmal in einer Aufzählung und zweimal im zusammengesetzten Wort „Kunststoffproduktion“. Bei der Aufzählung, bei der es nicht um die Kunst geht, sondern um die Zusammenführung von Studiengruppen „Naturwissenschaft, Medizin, Kunst, Wirtschafts- und Geisteswissenschaft“, geht es ihm um die Entscheidung der öffentlichen Hand, wie viele Studienplätze finanziert werden. Also um Begrenzung, um Einschränkung. In diesem Zusammenhang darf bei ihm also „Kunst“ in einer Aufzählung an dritter Stelle vorkommen.

Das Wort „Kunst“ kommt also vor in dem Zukunftsplan von Christian Kern, aber nicht die Kunst. „Wir Schluß mit Kafka machen.“ Christian Kern hat sich klar und präzise ausgedrückt: Schluß mit …

Einer aber wird beruhigt lachen können. Der „Nikolaus“, ihm ist eine Zukunft in dem von Christian Kern geplanten zukünftigen Österreich gewiß. Er bringt es auf zwei eigene Einträge und ein Bild. Der Nikolaus darf auch mit Gelassenheit in die Zukunft blicken. Auch deswegen: sein Koran wird weiter verteilt werden dürfen. Ein weiterer Koran aber nicht. Dem nikolaus’schen Koran will also Christian Kern wieder eine Monopolverteilungsstellung sichern.

„Sicherheit“ liegt mit Dutzenden von Einträgen im Spitzenfeld der verwendeten Wörter im „Plan A“ von Christian Kern. Und das überrascht nicht. Passt es doch hervorragend in die Zeit von „securitization“ – „Versicherheitlichung“. Bei dem Wort muß nicht Station gemacht werden. Was darüber beispielsweise Zygmunt Bauman geschrieben hat, ist in seinem Essay aus 2016 zu lesen, von dem bereits gesagt wurde, dieser ist in seiner Gesamtheit zu lesen: Cabinet: „Strangers at Our Door“.

Viel ist im „Plan A“ auch von „guter Laune“ zu lesen. Und diese bringt einen weiteren Essay ins Spiel, der ebenfalls in seiner Gesamtheit zu lesen ist, ein Essay von Carlo Strenger, aus dem Jahr 2017: „Abenteuer Freiheit – Ein Wegweiser für unsichere Zeiten“.

Das ist ein Essay, der sich hervorragend eignet als Begleitlektüre zum „Plan A“ von Christian Kern. Es wird auch durch diesen deutlich, wie altbacken der „Plan A“ ist. Christian Kern ist dafür kein Vorwurf zu machen. Er ist neu in einem sehr hohen politischen Amt. Genauer und zutreffender: er ist neu in einem sehr hohen parteipolitischen Amt. Mag auch er selbst neu in einem parteipolitischen Amt sein, die Partei, dessen Obmann er nun seit ein paar Monaten ist, ist keine neue Partei. Und eine Partei, die seit Jahrzehnten maßgeblich in diesem Land wirkt, hat kein Recht, mit einem „Plan A“ in die Öffentlichkeit zu gehen und so zu tun, als wäre sie eben erst gegründet worden. Alles, was in dem „Plan A“ steht, hätte sie längst …  Samuel Beckett schrieb einmal, die Sonne scheine, da sie nicht anders könne, auf nichts Neues … nun, die SPÖ schreibe, da sie nicht anders könne, nichts Neues.

Die SPÖ hätte längst schon beispielsweise mit den kafkaesken Zuständen Schluß machen können. Wie viele der kafkaesken Zustände aber sind erst durch die SPÖ in den letzten siebzig Jahren geschaffen worden?

Und auch das „Schluß machen mit …“ ist im Grunde nichts Neues. Es kommt ohnehin schon lange nichts mehr Neues aus Österreich im Bereich der Kunst, der Literatur, der Musik, der Maler und so weiter und so fort. Ein Beleg dafür ist auch der Essay von Carlo Strenger. Er schreibt u.v.a.m. von der Moderne in der Kunst, und in diesem Zusammenhang auch von Österreich. Aber er muß weit, sehr weit in die Vergangenheit zurückgehen, um etwas aus Österreich über die Moderne anführen zu können. Und wer nicht österreichische Bücher liest, wird selbst die Feststellung gemacht haben, es kommen, wenn sie vorkommen, nur österreichische Künstlerinnen, Schriftsteller und österreichische Denker vor, die vor langer, langer Zeit lebten.

Aber Christian Kern ist nicht der erste Mann der SPÖ, dem zu „Kunst“nur eines einfällt: Schluß mit …

Das Regierungsprogramm von Rot-Blau im Burgenland zu „Kultur und Kunst“ – Eine Aufgabe

Womöglich schaffen aber gerade dadurch die Sozialdemokraten Kern und Niessl die besten Voraussetzungen, das notwendige Klima – also die gegen sie gerichteten, sie tabuisierenden Gegebenheiten –  für die Kunst in allen ihren Ausdrucksformen, um wieder das Niveau zu erreichen, das sie vor …

Der „Plan A“ bleibt altbacken. Daran ändert auch nicht das viele Male verwendete Wort „Digitalisierung“. Wieviel Platz wird dem aktuellen Phänomen „Hass“eingeräumt. Das mag gar heutig klingen, und ist doch nur ein Reflex auf die hysterische breite Diskussion darüber. Strenge Gesetze sollen her, sogar „digitale Zivilcourage-Messengers“ … in einem Jahr vielleicht schon wird das keine breite Diskussion mehr sein, abgelöst durch ein anderes Phänomen, das breit öffentlich … und was wird dann der „Plan A“ nicht nur in diesem Bereich sein – Altpapier … Christian Kern will also mit Kafka Schluß machen, aber „Messengers“, also „Büroboten, „Amtsbotinnen“ sollen „Zivilcourage“ … Beinahe könnte der Verlockung erlegen werden, zu fragen, geht es noch … aber zutreffender ist wohl: geht es noch grotesker? Der Amtsbote soll „Zivilcourage“ frei Haus …

Es wollte eigentlich über den „Plan A“ nur im Zusammenhang mit „Kunst“ etwas notiert werden. Je länger aber der „Plan A“ geöffnet ist, desto mehr … Beim Arbeitmarktthema nennt Christian Kern fünf Hauptgründe für Arbeitslosigkeit. Einen nennt er gar nicht: Robotisierung. Dafür können vier der fünf von ihm genannten Hauptgründe dem Einzelnen angelastet werden: „Ausbildungsmankos, Vermittlungshandicaps, Alter, Zuzug aus dem Ausland“. Aber in Wels erzählt er von einer Frau, die an ihrer Arbeitslosigkeit nicht … und er möchte, daß sie eine Arbeit bekommt. In einem Jahr oder vielleicht schon viel früher, wird diese Frau von Christian Kern enttäuscht sein, weil sie immer noch keine Arbeit … Ist das seine Schuld? Ja. Er wird nicht schuld sein, daß sie keine Arbeit gefunden haben wird, aber daran, die Hoffnung genährt zu haben, mit dem Gerede von der „Vollbeschäftigung“, mit diesem Wort, das vor Jahrzehnten in Österreich Neuigkeitswert hatte. Seit Jahrzehnten wiederholt und wiederholt wird, während Arbeitsplätze weniger und weniger …

In seiner welserischen Rede spricht Christian Kern auch davon, durch „Arbeit“ den Menschen „ihre Würde zurückgeben“ zu wollen … Das wäre doch eine interessante philosophische Abhandlung, wie einer anderen Menschen die „Würde“ … aber es soll der Imperativ aus dem kern’schen Plan befolgt werden: „keine philosophischen Abhandlungen“ …

„Keine philosophischen Abhandlungen“ – als ob es in Österreich je ein Zuviel von diesen gegeben …

Was noch an dem „Plan A“ auffällt. Es fehlen auffällig Begriffe wie Populismus, Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus. Einmal kommt „hetzerische Nationalisten“ vor: im Abschnitt zu Integration, Asyl. Damit kann also nicht die identitäre Parlamentspartei gemeint sein. Es darf mit Spannung der „Kriterienkatalog“ der SPÖ erwartet werden, mit dem eine Hinbiegung zu einer Koalition mit der …

Genug.

Soll noch etwas Abschließendes geschrieben werden? Der Plan, auch etwas zu dem Wort „Kultur“ zu schreiben, wie es von Christian Kern hauptsächlich verwendet wird, ist längst schon aufgegeben.

„Kultur des Scheiterns“ wird mehr als einmal im „Plan A“ formuliert. Wenn auch nicht im Hinblick auf diesen geschrieben, wird es einst eine brauchbare Schlagzeile sein, wenn der Plan A…

Wie, Manfred Bockelmann, war das mit Onkel Erwin, Eurotank und der NS-Zwangsarbeit?

In „Der Auschwitz-Kitsch des Manfred Bockelmann“ wurde bemängelt, Manfred Bockelmann hätte sich zu allgemein der NS-Zeit mit seinen Kinder-Zeichnungen genähert, wo er doch mit seinem familiären Umfeld …

Erwin Bockelmann - Onkel von Manfred Bockelmann und seinem Bruder der ein Sänger warVielleicht wußte Manfred Bockelmann einfach nicht, wo konkret beginnen, mit den Nachforschungen – mit dem Vater? Vielleicht einmal mit dem Onkel. Nein, nicht mit dem Onkel Werner, der 1957 Oberbürgermeister von Frankfurt am Main wurde, wie sein Bruder, der Schlagersänger war, in seinem „Steckbrief“ stolz vermerkt und so viele Medien in Österreich es nun abschrieben, sondern mit Onkel Erwin, den der Bruder in seinem „Steckbrief“ nicht erwähnt und auch die Medien erwähnten ihn nicht in ihren Todesnachrichten mit „Steckbrief“, diesen so erfolgreichen Mann der Öl-Industrie 

Mit Erwin Bockelmann also könnte der Neffe einen neuen Versuch der Auseinandersetzung unternehmen, also konkreter und nicht gar so allgemein und fern … Mit Onkel Erwin, über den „Der Spiegel“ in seiner Nr. 21/1963 berichtet:

„Nach dem Studium des Allgemeinen Maschinenbaus an den Technischen Hochschulen in Hannover, Berlin-Charlottenburg und München trat Erwin Bockeimann 1934 in die Dienste der Europäischen Tanklager- und Transport-AG, die ihn mit dem Aufbau ihrer Eurotank-Raffinerie in Hamburg-Finkenwerder beauftragte. Bereits 1935 wurde er Vorstandsmitglied.“

In „Der Mann mit dem Fagott“ nimmt Onkel Erwin aber eine enorm wichtige Rolle ein, dem Bruder des Malers war es doch sehr wichtig, daß Onkel Erwin seine Leistungen als Schlagersänger schließlich doch noch anerkennt, daß das doch etwas Solides ist, die Schlagersängerei, kurz um, eine Leistung zum Anerkennen auch durch einen Mann der Öl-Wirtschaft … Ein Hinweis auf diesen gar so erfolgreichen Onkel im „Steckbrief“ jedoch hätte vielleicht Erinnerungen wachgerufen, die so gar nicht …

Holocaust - Manfred BockelmannWie war das mit den Leistungen und der Rolle des Onkel Erwin in der NS-Zeit? Immerhin ab „1935 Vorstandsmitglied“ und beauftragt mit dem „Aufbau ihrer Eurotank-Raffinierie in Hamburg-Finkenwerder? Vielleicht findet es Manfred Bockelmann heraus, und malt es, dann aber in Öl … Im Film-Trailer „Zeichnen gegen das Vergessen“ sagt Manfred Bockelmann einen Satz, den er als Leitsatz für den nächsten Versuch nehmen kann: „Aber es gibt immer noch eine Schuld, und das ist die Schuld, wenn ich das leugne, dieses Verbrechen.“

Es soll Manfred Bockelmann, der sich mit dieser Zeit schon gar so künstlerisch auseinandersetzte, der Vortritt gelassen werden. Das jedoch ist keine großzügige Geste. Denn. Die Zeit vor 1945 will hier nicht behandelt werden. Nur, eine kleine Hilfe, wenn er nicht wissen sollte, wo beginnen:

„Die gleichen Zwangsarbeitergruppen und zusätzlich männliche KZ-Insassen waren auch bei seiner ursprünglichen Arbeitsstelle bei Euro-Tank, Finkenwerder, beschäftigt. ‚Grauenvoll war, daß sich die KZ-Häftlinge abends, bevor sie auf Schuten ins Lager zuriickgefahren wurden, bei uns Zementtüten geholt haben und sie sich um den Leib gewickelt haben, um es ein bißchen warm zu haben.'“

PS Zwei Neffen, ach so bemüht darum, Anteil daran zu haben, Licht in eine dunkle Vergangenheit zu bringen, und vergessen dann einfach, beispielsweise auf Onkel Erwin … Es wird gehofft, das verärgert Manfred Bockelmann nicht, aber wer selbst einen Scheinwerfer einschaltet, nur um sich selbst zu bestrahlen, darf sich nicht wundern, daß weitere einfach eingeschaltet werden müssen, um noch besser zu sehen, was im …