Das darf einer Initiative, die die Diskussion forciert über Organisierte Glauben und deren nach wie vor existierenden gesellschaftlichen und politischen Überstellungen mit verbrieften Sonderrechten, nicht passieren, selber wie ein Organisierter Glaube zu reagieren – auf die Meinung eines einzelnen … Also gleich davon zu schreiben, der Kommentar eines einzelnen beleidige 17.000 Wienerinnen … Weshalb aber dieser Kommentar in der Wochenzeitung „Falter“ für die Initiative gegen Kirchenprivilegien lediglich die beleidigt, die in Wien das Volksbegehren unterschrieben, mag einer noch sympathischen Bescheidenheit geschuldet sein, oder, was wahrscheinlicher ist, der ihrer Sichtweise, daß ein regionales Medium nur regional beleidigen kann …
Und noch etwas darf einer solchen Initiative nicht passieren, gleich der unseligen Art der Organisierten Glauben wegen der Meinung eines einzelnen sofort alle in Sippenhaftung zu nehmen, im konkreten Fall also die gesamte Zeitung für die Meinung eines einzelnen …
Damit ist auch schon das Wichtigste zu diesem Kommentar im „Falter“ geschrieben, genauer, zur Reaktion auf diesen Kommentar, der selber aber nicht …
Oder nur mit äußersten Vorbehalten ringt der Kommentar von Joseph Gepp selbst eine Notiz …
Auffällig ist auch an der Meinung von Joseph Gepp, daß die Beiknieer (da es mehrheitlich Männer sind, kann auf das Anführen der weiblichen Form verzichtet werden) der Organisierten Glauben stets auf Formuliertes zurückgreifen müssen, das vor einer Ewigkeit geschrieben wurde, um heutzutage noch Prediger der Organisierten Glauben sein zu können … In dieser Hinsicht ist Joseph Gepp, beispielsweise im Vergleich zu Rudolf Langthaler, nahezu ein Moderner, denn er braucht nur einhundert Jahre in die Vergangenheit zurückzugehen, um den Organisierten Glauben das Brot zu brechen …
Wenn es eine „verdiente Niederlage“ war, ist Joseph Gepp zu fragen, wer hat dann einen Sieg errungen? Wer nach wie vor bei Max Weber nachschlägt (welche Seiten und vor allem wie werden diese gelesen?), ist nicht nur demokratiepolitisch nicht unbedingt ganz im Heute, auch wenn er meint, vom Heute aus sich zu äußern … Was ist aber tatsächlich passiert? Es konnten 100.000 Menschen nicht überzeugt werden, dieses Volksbegehren zu unterschreiben … Was wäre aber geschehen, hätten tatsächlich 100.000 Menschen es unterschrieben? Nichts, oder das Übliche in Österreich: das Ignorieren eines demokratischen Instruments, also eine neuerliche Niederlage der Demokratie ….
Genug, oder zusammenfassend: Würde Joseph Gepp diesen seinen Kommentar in einem Wirtshaus mündlich von sich geben, wäre die Reaktion wohl, schon noch den ersten paar seiner Sätze, sich zu einem anderen Stammtisch zu setzen, um nicht unhöflich aber unvermeidbar zu gähnen …
Statt zu schreiben, Joseph Gepp habe mit seinem Kommentar 17.000 Wiener beleidigt, hätte es gereicht, diesen Kommentar für das Wirtshaus unerwähnt zu lassen, oder, eine andere Möglichkeit, schlicht anzumerken, wer beleidigen will, muß dafür auch etwas Profundes vorbringen …