Hurra! Hurra! Hurra!

Für unzensuriert.at ist die Übermittlung des Aktenpakets ein glatter Freispruch vom Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit. Nicht nur, dass es offensichtlich zu keinem Zeitpunkt eine Überwachung, Beobachtung oder Analyse unseres Wirkens gab, finden sich dazu auch keine Einträge in der Staatsschutzanalysedatenbank, wie vom BVT mitgeteilt wurde.

Immer wieder begründen Mainstream-Medien ihre negative Kritik an unzensuriert.at auf eine Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Die veröffentlichten Inhalte seien „zum Teil äußerst fremdenfeindlich“ und würden „antisemitische Tendenzen“ aufweisen. Auch „verschwörungstheoretische Ansätze und eine pro-russische Ideologie“ seien vertreten.

Müßig zu erwähnen, dass die Medienauskunft über die Nicht-Beobachtung und Nicht-Analyse nie in einem Medium aufschien. Dem anfragenden Journalisten passte das wohl nicht ins Konzept.

Wenn sonst kein Medium darüber berichtet, müssen eben selbst für den eigenen „Freispruch“ die Tasten angeschlagen werden. Getan am 06.06.18. Allerdings, ein „Freispruch“ ohne Anklage. Mag es für die FPÖ unzensuriert ungewöhnlich erscheinen, ihr gar gesinnungsgemäß irreal vorkommen, aber auch für einen „Freispruch“ ist in einem der Rechtsstaatlichkeit verpflichteten Land ein Gerichtsverfahren notwendig. Eine „Beobachtung“ ist noch kein Prozeß, eine Beobachtung selbst kann also weder zu einer Verurteilung noch zu einem Freispruch führen, höchstens zur Einleitung eines Gerichtsverfahrens, in dem dann über Schuldspruch und Freispruch zu urteilen ist.

FPÖ unzensuriert selbst beobachtet recht viel und versteht ihr Beobachten schon als Schuldspruch, ihre Beobachtungen sind ihr bereits Urteile. Wohl deshalb ihre Meinung, die „Nicht-Beobachtung“ durch das BVT sei für sie ein „glatter Freispruch“.

Was aus dieser Freispruchselbstausstellung nicht zu erfahren ist, und das wurde wohl auch nicht beim BVT angefragt, ob denn die Tastaturstaffel der FPÖ unzensuriert beobachtet werde … Denn. Würde die Tastaturstaffel vom BVT beobachtet werden, ergäbe das – nach der gesinnungsgemäßen Logik dieser Website, wonach Beobachtung gleich Urteilsspruch ist – eine glatte Verurteilung, keinen Freispruch.

Es könnten hierfür viele Schreiberinnen und Schreiber der Tastaturstaffel einzeln angeführt werden, aber stellvertretend für diese reicht ein Mann, der seit mehreren Jahren auf dieser Website sein gesinnungsgemäßes Wesen treibt, und gesinnungsgemäß auch zu diesem Freispruchkommentar der FPÖ unzensuriert seinen Kommentar weiß:

Da bin ich aber froh! Allerdings wüsste ich schon ein paar Leute, die man unter Beobachtung stellen sollte! Z.B. unter psychiatrische Beobachtung. Denn wenn Leute das grammatische Geschlecht nicht vom biologischen Geschlecht unterscheiden können oder dem läppischen „Klima“-Aberglauben anhängen, so stellen diese geistig Zurückgebliebenen eine ernste Gefahr für die Allgemeinheit und speziell für die Jugend dar. Also wäre die psychiatrische Beobachtung dieser Leute in einer umzäunten Einrichtung ratsam. Für das Wohl der Allgemeinheit!

Es muß nicht erwähnt werden, daß auch dieser Kommentar viel Zustimmung erfährt, wie auf dieser Website überhaupt alles, was gesinnungsgemäß recht und gut ist, Zustimmung erfährt …

Ebenfalls nicht zu erfahren ist aus dem Freispruchkommentar dieser Website, ob von ihr der „glatte Freispruch“ auch als „glatter Freispruch“ für ihre Tastaturstaffel verstanden wird. Das darf aber angenommen werden, wird berücksichtigt, daß Kommentare der Tastaturstaffel bei ihr nicht das Verlangen nach Löschungen steigert, ab und zwar wird es getan, zögerlich und oft erst nach …

Hierfür könnten unzählige Kommentare angeführt werden, aber einer aus dem Mai 18 reicht stellvertretend aus, eines Großbürgers Kommentar mit einer nicht unraffinierten Holocaustleugnung, wie in diesem Kapitel gelesen werden kann:

Zurzeitiger Vizekanzler in Österreich erneuert die Gültigkeit von „Ehre, Freiheit, Vaterland“

Es will jetzt gar nicht nachgeforscht werden, ob dieser Kommentar inzwischen … im Mai 18 jedenfalls, wie in einem weiteren Kapitel gelesen werden kann, war das Löschen, auch nach Tagen, keine von dieser Website als notwendig erachtete Handlung …

Vom hohen Roß des Eigenfreispruchs herunter auf Medien zu zeigen, die nicht sofort alles löschen, was tatsächlich nur zu löschen ist, das kann verstanden werden. Denn. Nur wer sich freispricht, kann gleich am nächsten Tag, am 07.06.18, schreiben: „Niederträchtiger geht’s wohl nimmer!“ Sich über die „Journaille“ beklagen und fragen, was denn los sei in den Redaktionsstuben. Vielleicht erfüllt das BVT der FPÖ unzensuriert einen Wunsch und schaut nach, was in den Redaktionsstuben … aber das wäre nur eine Fleißaufgabe, das Beobachten, also das Verurteilen hat ja ohnehin die Website vor langer Zeit bereits übernommen …

PS Noch mehr ausgelastet wird das BVT wohl sein, wenn der moserische Entwurf beschlossen werden sollte; da ist es schon eine Entlastung, wenn eine ohnehin gesinnungsgemäß zensurierte Website noch dazu von einer identitären Regierungspartei nicht …

BVT - FPÖ unzensuriert wird nicht beobachtet - 06-06-18

Zurzeitiger Vizekanzler in Österreich erneuert die Gültigkeit von „Ehre, Freiheit, Vaterland“

Holocaustleugnung - FPÖ unzensuriert 22-05-2018

Eine gar so harmlose Frage zu löschen, noch dazu gestellt von einem Grossbuerger, das kann doch nicht verlangt werden. Eine Frage noch dazu,

FPÖ unzensuriert: Des Grossbuergers raffinierte Holocaustleugnung

die Zustimmung um Zustimmung erfährt.

Und dann steht das auf einer Website, die ohnehin gesinnungsgemäß zensiert. Oder wie es ihre Verantwortlichen nennen würden: zensuriert. Also auf einer Website, auf der Parteikameraden schreiben, die über jeden Verdacht der Leugnung, der Relativierung erhaben sind, wie etwa die Kameradin

Harald Vilimsky, Recke Generalsekretär gegen Antisemitismus der österreichischen identitären Regierungspartei: „Merkel beklagt jetzt, was sie selbst verursacht hat.“

Gibt es doch keine zweite Partei in Österreich, die ihren Worten tatkräftige Worte folgen läßt, von oben bis hinunter zu ihrem zurzeitigen Vizekanzler … es werden, darf vermutet werden, alle begeistert ihm applaudiert haben, im größten Einverständnis mit ihm, als er im Jänner 18 auf dem Ball in der Hofburg sprach, für „Antisemiten“ würde es weder in der FPÖ noch am Akademikerball und wer sich nicht zu Verantwortung und Gedenken an Holocaust-Opfern bekenne, solle aufstehen und gehen … aufgestanden werden sie vielleicht sein, um ihm, dem zurzeitigen Vizekanzler, mit Standing Ovations dafür Respekt zu zollen …

Darin sind sich doch im Jahr 18 alle in Österreich schon einig, für „Antisemiten“ ist in Österreich kein Platz, und die Männer und Frauen am Hofburgball sind keine Antisemitinnen, sie sind doch in diesem Land geboren, sie reisen beispielsweise nicht aus Syrien zum Akademikerball an, sondern aus Oberösterreich, aus Südtirol, kurz gesagt, aus den Landen der Väter und Mütter, machen sich nach einem Vortrag aus der ehrenwerten Josefstadt auf den Weg in die Hofburg … wie also können sie etwas mit dem Antisemitismus, vor dem nun alle warnen, bis hinauf zum Parlamentspräsidenten, zu tun haben, diese ehrtreu alteingesessenen …

Entwicklung 18 in Österreich: FPÖ unzensuriert – Schreibplatz von Harald Vilimsky: „Dort [Mauthausen] befindet sich der geeignete Standort für seine [Soros] ‚Universität‘. Hunderttausende können sich dort inskribieren – aber niemand kommt dann wieder raus!“

Bravo-Rufe gab es während seiner Rede. Wie auch anders. Erneuerte doch der zurzeitige Vizekanzler auch die Gültigkeit von „Ehre, Freiheit, Vaterland“. Und mit Stolz darauf stellte er, der zurzeitige Vizekanzler in Österreich, seine Ballrede auf die Plattform des Unternehmens Facebook mit dem Hinweis: „wir als heimatliebende Patrioten“ …

Nun muß verstanden werden, Patriotismus ist diesem Gesinnungslager recht besonders

Wäre im Jänner 18 die Wahl in Italien bereits vorüber gewesen, wer weiß, vielleicht hätte es statt Bravo-Rufe schon Bravissimo-Rufe gegeben, dem Generalsekretär nachgerufen … aber ein Bravissimo konnte der Generalsekretär erst wenige Wochen später dem Anführer der Lega zurufen …

Während dieses Kapitel geschrieben wird, können weitere nur dieser gar so harmlosen und gesetzestreuen Frage zustimmen, ein Großbürger versteht es eben, die rechten Fragen zu stellen, und das muß doch honoriert werden, vielleicht mit Standing Ovations vor den Tastaturen, und das Zustimmungsklicken der Applaus …

Holocaustfrage - FPÖ unzensuriert - 22-05-2018

Und ebenso die Überlegungen von Meiers erfahren weitere Zustimmung, auch während des Schreibens an diesem Kapitel.

FPÖ unzensuriert - Holocaust - Genozid - Dreissigjährige Krieg - 22-05.2018

Welche Überlegungen sonst sollte M. Meiers anstellen, bei dieser Kommentarvorgabe der gesinnungsgemäß zensierten Website der identitären Regierungspartei?

Wird doch hier gar recht gewußt, welche Pläne es gegen wen gab, ach, allesamt Pläne gegen …

Heinz Christian Strache zurzeitiger Vizekanzler - Ehre Freiheit Vaterland - Jänner 2018

Menschsein, Motiv genug.

das ist eine frage die man  nur mit einiger übergriffigkeit jetzt sicher beantworten kann es ist ein bündel an gründen möglichen gründen hintergrundmotiven denkbar dazu wissen wir schlichtweg zu wenig wir wissen zu wenig wie es ihm zuvor ergangen ist ob da irgendwelche lebensereignisse waren die ihn geärgert haben die ihn gekränkt haben die ihn ja gegen die welt als ganzes eingenommen haben das ist bißchen eine pubertäre haltung alle ich bin gegen alle alle gegen mich ich gegen alle da ist einfach viel zu wenig bekannt welchen hintergrund hat der womit hat der sich in seiner freizeit beschäftigt welche was weiß ich welche internetaktivitäten hat der entfaltet da ist einfach sehr sehr wenig bekannt

soweit man es aus der distanz beurteilen kann wie gesagt mit vielen vorbehalten ist es eher eine pragmatische entscheidung gewesen das ist ein mensch zumindest stellt er sich so dar der reichlich empathiebefreit sein dürfte also der seine eigenen belange in den vordergrund rückt oder als einzige relevante bedenkenswerte erkennt und die waren einfach einmal der möchte sich an dem abreagieren dieses motiv ist nicht ganz so ungewöhnlich wie es vielleicht erscheinen mag denn es ist auch das motiv dass die meisten amokläufer und school shooter umtriebt und mit denen haben wir leider schon öfters bekanntschaft gemacht als uns das lieb ist also diese scheinbare motivlosigkeit die auf eine allgemeine abneigung gegen jeden fußt ist uns nicht so völlig fremd und da klingt es wieder eher wie eine pragmatische entscheidung sich jemanden auszusuchen den man leicht überwältigen kann der wenig widerstand vorhersehbar entgegensetzen wird der leichter auch zu überreden ich stelle es mir schwierig vor jemanden zu überreden einen wildfremden erwachsenen menschen von der straße der mich noch nie gesehen hat und der mich nicht kennt zu überreden ist in meiner eigenen wohnung in die duschtasse zu gehen

das ist wahrscheinlich ein unterfangen das einige schwierigkeitsgrade aufweist jemand der mir bekannt ist der ist auch leicht beherrschbar der ist leicht beeindruckbar der sich vielleicht leicht etwas anschaffen und sagen läßt und der mir traut ist natürlich viel leichter dort hinzubekommen wo ich ihn haben will das klingt für mich viel eher pragmatisch

nicht zwingend es gibt einige empathiebefreite menschen die herumlaufen ohne daß sie sonderlich auffallen wenn sie funktionieren und er dürfte ja einigermaßen gut funktioniert haben er dürfte nicht durch irgendwelche aggressionshandlungen aufgefallen sein in der schule ganz gut funktioniert haben und empathie ist kein unterrichtsfach also das ist nichts wo man irgendwie abgeprüft oder abgetestet wird und es nicht sicher ob das was er jetzt so sagt der weisheit letzter schluß ist deshalb habe ich gesagt es ist jetzt schwierig überhaupt an die motivsuche zu gehen dafür wissen wir zu wenig es gibt einige möglichkeiten was sich hinter diesen eher jetzt pauschal artikulierten haß verbergen kann aber selbst dieser wäre ganz nicht ganz singulär und noch nie dagewesen das ist halt ein narrativ mit dem wir ganz schlecht leben können das müssen wir schon sagen 

das bestreben muß auf jeden fall sein daß man diesen jungen mann so behandelt daß er gesellschaftstauglich wird oder daß er gesellschaftsfähig wird wie sehr man damit erfolgreich sein kann wird davon abhängen was jetzt wirklich die ursache für das singuläre oder nicht alltägliche verhalten ist oder diese nicht alltägliche position zur welt ist es gibt auch andere einige gründe es gibt auch psychische erkrankungen die so beginnen und zu beginn sich so äußern das muß man sich noch gründlicher anschauen und von den ursachen abhängig wird man die behandlung wählen müssen

schwierig schwierig das ist eher dann eine bilanz die der täter zieht die darauf hinausläuft wenn ich wieder so etwas mache widerfährt mir wieder ähnliches das heißt absehbarerweise werde ich wieder einen großen teil meines lebens  hinter gittern verbringen ich will mir das nicht antun das ist eine bilanz die man durchaus so zutreffend so ziehen kann und die dann der grund dafür sein kann daß man nicht mehr delinquiert

Das ist, kurz gesagt, die Analyse einer Psychiaterin, abgegeben im Fernsehen, in dieser Woche. Ihre Antworten auf die folgenden Fragen:

ein sechzehnjähriger völlig unauffälliger gymnasiast guter schüler sagt ich wollte einfach jemanden umbringen und dann bringt er ein siebenjähriges kind um mit dem er seit jahren spielt und das auch noch extrem brutal wie gibt es das 

es ist gottseidank in österreich und überhaupt sehr selten daß kleine kinder umgebracht werden und schon gar nicht außerhalb der familie ist das nicht extrem ungewöhnlich sich ein siebenjähriges kind als opfer zu suchen

alle menschen die diesen burschen kennen und bis jetzt mit journalisten geprochen haben sind völlig fassungslos das hätte man dem überhaupt nicht zugetraut und er zeigt laut polizei überhaupt keine reue er sagt das mädchen tue ihm überhaupt nicht leid jemand der so völlig empathiefrei ist offenbar hätte das nicht auffallen müssen

der täter ist geständig und er ist sechzehn jahre alt wenn er zur höchststrafe verurteilt wird sind das fünfzehn jahre maximal im gefängnis kann man da erfolgreich therapiert und resozialisiert werden oder was tut man mit so jemanden

sie haben ja sehr viel erfahrung gibt es menschen die solche bluttaten solche grausamen morde vollbracht haben die erfolgreich therapiert und geheilt wurden und die funktionierende mitglieder der gesellschaft geworden sind später

Das waren die Fragen des Nachrichtensprechers an die Psychiaterin.

Als wäre es ein Gutachten über die Welt, was sie sagte, und nicht Mutmaßungen über einen einzelnen Menschen.

Es tauchen während des Interviews augenblicklich Bilder des Täters auf, aber sie zeigen nicht den Sechzehnjährigen, sondern, um nur einen der Gegenwart stellvertretend für Vergangenheit und Zukunft zu nennen, den Giftgasmörder … Allerdings, wenn es um ihn geht, wird keine Psychiaterin eingeladen, um über ihn … Staatsspitzen werden befragt, allerdings nicht dazu, wie könne er therapiert, resozialisiert werden, im Gefängnis …

Es tauchen während des Interviews augenblicklich Bilder auf, die nicht den Sechzehnjährigen zeigen, sondern Menschen, die ihre Smartphones verwenden, um ihre Erschütterung über die Tat des Sechzehnjährigen kundzutun, Gehässigkeiten gegen die Familie des ermordeten siebenjährigen Kindes und gegen die Familie des mordenden Sechzehnjährigen sozusagen demokratisch gerecht teilen.

Das Interview erinnert augenblicklich an einen Film von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1947. Vor allem das Plädoyer von Monsieur Verdoux, angeklagt, Frauen ermordet zu haben.

Und ewig Appetit auf Motive. Dabei. Es wird schon lange gewußt, spätestens seit den Verliesen des Vatikans, es gibt die Tat ohne Motiv, den Mord ohne Motiv, den acte gratuit oder auch, wie von diesem Schriftsteller bereits im neunzehnten Jahrhundert bezeichnet, l′acte autochtone

Menschsein, Motiv genug.

Und singen nicht auf der ganzen Welt die Menschen gerne die eine Zeile von Johnny Cash, summen diese eine Zeile empathisch mit …

But I shot a man in Reno just to watch him die

Robert K im Dittes-Hof - Pragmatikhof der Welt

 

Merksatz des Medienpädagogen Norbert Steger zum Auswendiglernen: „Natürlich dürfen sie auch kritisch sein!“

Norbert Steger - Fernmedienunterricht - Radio 18-05-18 Morgenminute um sieben Uhr

Am Freitag, 18.05., gab Norbert Steger seinen ersten Radiounterricht im Gegenstand Medien, in der Sendung des österreichischen Rundfunks um sieben Uhr, also zu der Zeit, von der gewußt wird, morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung.

„es ist noch keine einschüchterung wenn ich einem kind erkläre du darfst nicht bei rot über die kreuzung gehen oder wenn ich sage du sollst nicht lügen und was passiert wenn trotzdem gelogen wird“

Die Kinder der Sendung, die Norbert Steger „nicht mit Journalisten vergleicht“, haben diese erste Fernstunde des Norbert Steger mit Rohrstockhintergrund wie folgt kurz zusammengefaßt:

„Seit gestern hat der ORF einen neuen Stiftungsratsvoristzenden. Der ehemalige FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger wurde mit neun Gegenstimmen und einer Enthaltung gewählt. Im Vorfeld war er mit Drohungen gegenüber ORF-Mitarbeitern über ‚unbotmäßige Interviews‘ und mögliche Entlassungen aufgefallen. Aussagen, die erzieherische Zwecke gehabt haben, erklärt Steger nach der Wahl.“

Als Aufgabe für Journalistinnen und Journalisten gab Norbert Steger seinen Merksatz zum Auswendiglernen auf:

„natürlich dürfen sie auch kritisch sein“

Damit gab Norbert Steger eine Lehrstunde ganz in der „würdigen“ Tradition des österreichischen Hintergrunds …

Merksatz von Norbert Steger - Medienpädagoge - Natürlich dürfen sie auch kritisch sein

Bankruptcy of Twitter

Es ist nun eine Weile her. Bald werden es zwei Monate sein, daß eine Figur dieses Romans die Nachricht erhielt:

„dein account wurde permanent gesperrt, da er mehrfach oder wiederholt gegen die Twitter Regeln verstoßen hat. Dieser Account wird nicht wiederhergestellt.“

Das ist die einzige je erhaltene Benachrichtigung. Kein Hinweis, gegen welche „Regeln“ denn … in dieser einzigen Nachricht heißt es: „wiederholt“ … nie aber davor eine Benachrichtigung, nie der geringste Hinweis, „wiederholt „gegen und gegen welche „Regeln“ …

Twitter bankrupt

Beinahe hätte ein Satz von Franz Kafka herhalten müssen,

„Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“

um mit diesem auf „your account has been banned“ … beinahe wäre also der Kafka-Satz mißbraucht worden, um einen etwa in der Art

„Denn ohne daß sie je das Geringste anders getan hätte als in den vielen Jahren zuvor, wurde sie eines Nachts ausgesperrt.“

zu formulieren. Aber es ist kein Prozeß. It is not a case. But as an electronic processing that gets worse and worse.

Es sind bloß Geschäftsbedingungen einer Firma. Von irgendeiner Firma unter Millionen und Millionen von Firmen. Only terms of rules of a Company. From any company among millions and millions of companies.

Company failure of Twitter

Eines aber wurde wegen der Aussperrung nie in Betracht gezogen. Zu fragen, warum. Oder gar zu bitten. Wieder eingesperrt zu werden. Es ist nur eine Firma. It is just a company.

Und wenn eine Firma nicht mehr will. Die nächste Firma wartet schon. And if a company no longer wants. The next company is already waiting.

Damit ist diese Firma in den Konkurs gegangen. Eine Pleitefirma. Twitter. Nur eine Pleitefirma mehr. Just another company that went bankrupt. Vorerst einmal nur für eine Figur. Aber. Der Prozeß des Niedergangs kann auf vielfältige Weise beginnen. Er kann angelegt sein, etwa in den Geschäftsbedingungen, auch schon in den Geschäftsbedingungen. In der herrschaftlichen Anwendung von Nutzungsbedingungen durch Firmen, die meinen, nichts erklären zu müssen, willkürlich aussperren zu können, als wären sie Burgen, gebaut für die Ewigkeit.

Aber Burgen sind heutzutage nur noch Ruinen, die als Steinhaufen Landschaften verschandeln. Auch Firmen ergeht es wie Burgen und Schlössern.

Irgendwann existieren sie nicht mehr. Nur noch in alten und also vergilbten Geschäftsbüchern, die niemand mehr freiwillig aufschlägt. Höchstens noch Wirtschaftshistorikerinnen, die von Berufs wegen gezwungen sind, alte und also zerfledderte Dokumente in die Hand zu nehmen, weil es eben der Brotberuf von Historikern ist, zu erforschen, was gab es einst für Firmen, die gar so wichtig erschienen.

Bei Twitter kann der Konkurs, die Pleite rasch kommen. Denn. Wie lange kann eine Firma bestehen, die seit ihrer Gründung vor zwölf Jahren nur Verluste macht. Obgleich sie für ihre Produkte keine Investitionskosten hat. Denn die Produkte stellen die Menschen für Twitter her und Twitter zur Verfügung, wie die vor bald zwei Monaten ausgesperrte Figur. Und das wird nicht die einzige Lieferantin sein, auf die Twitter meint verzichten zu können. Die Aussperrung erfolgte im ersten Quartal 2018.

Twitter muß in diesem Quartal sehr euphorisch sein. Wie zu hören ist, habe diese Firma in dem ersten Quartal 2018 zum ersten Mal seit ihrer Gründung einen Gewinn gemacht.

Wer aber kennt nicht die vielen Erzählungen über Menschen in ihrem Siechtum, wie sie plötzlich nach langem Kampf zwischen Leben und Tod gänzlich unerwartet euphorisch werden, als hätten sie den Tod besiegt, sie sich aufbäumen, von ihrem Krankenlager aufspringen und hinaus auf den Spitalsgang hüpfen, voll Leben erscheinen, aber schon in der Nacht nach eines langen Tages voller Hoffnung, mit großem Appetit und mit Zuversicht auf noch viele, viele Lebensjahre, wieder niedersinken, in das Highttechbed getragen werden im Wissen, wieder apathisch geworden, sie werden zu ihrer Aufbahrung getragen, und sterben. So ergeht es auch Firmen, die meinen, die Pleite, den Konkurs abgewendet zu haben, und dann doch dem Prozeß des Konkurses sich stellen zu müssen. Unabwendbar. Der Pleite ist doch nicht mehr zu entkommen. Und bald sind sie nichts mehr. Nur leere Firmennamen erinnern daran, daß es sie, die Firmen gab, und draußen vor dem Konkursgericht zwitschern die Vögel munter weiter, und machen daraus keinen Staat, daß sie zwitschern.

Firmennamen bleiben zurück. Die Historikerinnen dann lange danach ausgraben, um die Geschichte der Wirtschaft zu schreiben.

Es wird Twitter ein sehr gründlicher Historiker gewünscht, der auch diesen Firmennamen mit so vielen anderen Firmennamen ausgräbt, damit Twitter einst wenigstens in einem Geschichtsbuch wieder aufscheint, auch wenn Wirtschaftsgeschichtsbücher nicht die Bestseller …

Twitter broke

 

Weltweite Sonderangebote: Krieg, Hunger, Mord

Weltweite Rüstungsausgaben Kriegstote Unterernährte Kinder 01-01-2018-06-04-2018

Es gibt in einer Stadt eine Passage: mit Zahlenreihen in Spiegelwänden.

Passantinnen werden informiert, etwa über:

Rüstungsausgaben weltweit seit 1. Jänner: 401389567690 Euro

401389567690 Euro Rüstungsausgaben nicht seit Anbeginn von Rüstungsausgaben vor Jahrtausenden, sondern seit dem 1. Jänner 2018.

Passanten werden informiert, etwa über:

Kriegstote weltweit seit 1. Jänner: 139957

139957 Ermordete nicht seit Anbeginn der Kriege vor Jahrtausenden, sondern seit dem 1. Jänner 2018. Wie viele Mörderinnen in Pflichterfüllung im Dienste von Staaten waren es, die vom 1. Jänner 2018 bis zum 6. April 2018 139957 Menschen ermordeten? Und wie viele Mörder sind vom 1. Jänner bis zum 6. April 2018 selbst ermordet worden? Dafür gibt es keine in die Passagenspiegel eingelassene Zählwerke.

Passantinnen werden informiert, etwa über:

Unterernährte Kinder weltweit: 92122362

Das soll wohl das Herz rühren. Unterernährte Kinder. Aber Passanten gehen nicht mit ihren Herzen, sondern mit ihren Füßen, unterwegs zu Sonderangeboten. Die Zahlen, die sie interessieren, haben sie bereits im Kopf: die Beträge in ihren Brieftaschen, die Summen auf ihren Konten, die Prozente der Ausverkäufe …

Keine Zahlenreihen in den Spiegeln gibt es, wie viele Menschen weltweit hungern, verhungern, sterben, also durch ein weiteres toleriertes, gesegnetes Morden …

„Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Mangel- und Unterernährung. 815 Millionen Menschen hungern, 2 Milliarden leiden an Mangelernährung.“ 

Diese Spiegelzahlen gibt es nicht. Hingegen die Zahlen darüber, wie viele Menschen in dieser Stadt gerade verliebt seien, wie viele Schnitzel seit dem 1. Jänner verzehrt …

Es ist, so wird es genannt, ein Medienkunstwerk. Passantinnen sollen, ist das Bestreben, in den Informationsfluß involviert …

Die Passanten gehen nicht auf die Spiegelzahlen zu, sie gehen an diesen vorbei, die rechts oder links (abhängig von welcher Seite in die Passage gestiegen wird) die Uferwand sind. Passantinnen sehen nicht nach links, sehen nicht nach rechts, sie fließen mit nach vorne gerichtete Augen in einem grundgesenkten Kopf dem nächsten Ausgang entgegen, der ihnen verheißt ein Eingang zu den Sonderangeboten …

Mary Ann Evans, 61 Jahre, heiratet zwanzig Jahre jüngeren Mann

„Seine Familie heißt mich mit äußerster Zärtlichkeit willkommen. All dies ist eine wunderbare Gnade, die mir über meinen Anteil hinaus zugefallen ist, als ich schon dachte, daß das Leben zu Ende sei und daß mein Sarg sozusagen im nächsten Zimmer bereitstehe. Tief unter der Oberfläche fließt ein Strom von Trauer, aber das wird bei denen, die lange gelebt haben, immer so sein – und ich bin doch fähig, mich meines eben wieder anfangenden Lebens zu erfreuen. Ich werde ein besseres, ein liebevolleres Geschöpf sein als in der Einsamkeit. Für die Gabe einer vollkommenen Liebe beständig und liebevoll dankbar zu sein, ist unserem Geiste die beste Erleuchtung für alle die möglichen Formen des Guten, das dem Menschen auf diesen unruhigen kleinen Planeten beschieden sein kann.“

Es sind nicht die besten Zeiten, als Mary Ann Evans das zu ihrer Ehe mit einem zwanzig Jahre jüngeren Mann schreibt, weder in Großbritannien noch anderswo. In einer Hinsicht sind es aber die besten Zeiten, als Mary Ann Evans einen zwanzig Jahre jüngeren Mann ehelicht. Es gibt Österreich nicht.

Und es gibt auch alle anderen Umsonsten nicht, die als Zeitungen durchgehen. Weder in England noch sonst irgendwo. Es gibt nicht diese sonderlichen Fernsehanstalten, in denen Menschen tratschen, als hätten sie etwas zu sagen, auch dazu, ob es gehörig sei, wenn eine Frau einen um sechzehn Jahre jüngeren Mann zum … Und moderiert von Menschen, die Sportreportern aufmerksam zuhören, die zu diesem Thema sich irgend etwas aus den Fingern … Einzig hell in solchen Anstalten sind die eingeschalteten Lampen.

Von Umsonsten, von derartigen Sendungsanstalten ist nichts anderes zu erwarten. Aber von Medien, wie beispielsweise jene aus der Hanse, ist auch nur noch zu erwarten, was von den Umsonsten eben zu bekommen ist, mit ihren Redaktionen, denen offensichtlich die Zutat Aufklärung ausgegangen ist, und nun mit Gepökeltem (Suren, wie es in den Alpländern Österreich und Bayern genannt wird) ihre Buchstabenlaibchen … Heruntergemacht werden Frau und Mann. Der Vorwurf an die Frau, einen jüngeren Mann haben zu wollen. Dem Mann abgesprochen, ein Mann zu sein, nur ein „Bubi“, und diese Medien, die sich selbst als Hort des Geistes sehen, werden es sich wohl hoch anrechnen, großzügig dem jüngeren Mann nicht abgesprochen zu haben, überhaupt männlichen Geschlechts zu sein. Ach, wie aktuell … es gelesen werden kann, weil eine Frau von 44 Jahren mit einem Mann um sechzehn Jahre jüngeren Mann …

Es sind nun einhundertachtunddreißig Jahre her, daß Mary Ann Evans mit einem zwanzig Jahre jüngeren Mann die Ehe einging, im Mai 1880.

Es war ihre Zeit die beste Zeit, ohne Österreich, ohne die Zeit, die die Zeit nicht mehr ist.

Es ist die schlechteste Zeit, mit Österreich, mit allen Umsonsten, mit der Zeit, wie sie geworden ist.

Es ist die beste Zeit, für den Sarg im nächsten Zimmer, in dieser schlechtesten Zeit mit Österreich, mit allen Umsonsten, mit der Zeit, wie sie geworden ist, schon vor so langer Zeit von seinem Warten auf sie von Mary Ann Evans erlöst worden zu sein.

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