Der Schönblick auf Rudolf Hermann Eisenmenger von der Belvedere aus

Da wird einer wie Walter Rosenkranz zum Nationalratspräsidenten gewählt,

und das nicht allein von seiner identitären Partei, dazu fehlt ihr auch bei weitem die Mandatsstärke,

und es wird erwartet, daß es um einen Präsidenten aus dieser patriotischen Partei keine Aufregungen geben soll, als hätte die Erfahrung nicht oft genug gelehrt, mit Präsidentinnen aus dieser Partei kann es nur eines geben: Aufregungen.

Wie die Aufregungen um diese identitären Präsidenten fluten, so verebben diese Aufregungen, einfach wie kurz gesagt, auch wieder rasch.

Nicht anders wird es mit dieser Aufregung sein, bei der es nun in den Tagen Märzens 2025 um ein Wandbild von Rudolf Hermann Eisenmenger geht, der seit Jahrzehnten irgendwo im österreichischen Parlament hängende „Wappenschild“ des Rudolf Hermann Eisenmenger ist für den patriotischen Nationalratspräsidenten der rechte Hintergrund zum Posieren.

Ohne Aufregung gefragt, kann es nicht sein, daß Walter Rosenkranz einfach mit der Österreichischen Galerie Belvedere – Wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts“ den Schönblick auf Rudolf Hermann Eisenmenger teilt, die über ihn öffentlich zu berichten weiß,

wie am 12. März 2025 auf deren Website gelesen werden darf:

„1921–29 Studium an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei H. Tichy und R. Bacher. Studienreisen nach Holland, Deutschland, Frankreich, Rumänien und Italien. 1929 Rom-Preis. Ab 1930 Mitglied des Wiener Künstlerhauses (1939–45 Präsident). 1936 Auszeichnung mit der Silbermedaille für Malerei bei den Olympischen Spielen in Berlin. 1937–44 Teilnahme an den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München. 1951–72 Professur an der Technischen Hochschule Wien (Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur, Lehrstuhl für zeichnerische und malerische Darstellung).

Eisenmenger schuf vor allem große figurale Kompositionen und Portraits. Er widmete sich auch der Technik des Gobelins und der Wandmalerei.“

[aus: Reiter, Cornelia (Bearb.)/ Koja, Stephan (Bearb.)/ Márkus, Hella (Bearb.): Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 20. Jahrhunderts, Bd. 1: A–F, hrsg. v. d. Österreichischen Galerie Belvedere, Wien 1993, S. 195]

Kann es also von Walter Rosenkranz ungehörig sein, wenn eine „Wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Recht“ dermaßen hervorhebt, die Präsidentschaft, die Auszeichnung, die Teilnahme, die Professur des Rudolf Hermann Eisenmenger, muß nicht auch er, Walter Rosenkranz, annehmen, daß es sich bei diesem Künstler um einen großen Österreicher handelt, den Jahrzehnte vor ihm bereits ein Österreicher gesinnungsgemäß in ihm sah?

Der „Wappenschild“ dürfte allerdings für Rudolf Hermann Eisenmenger eine bloße Gelegenheitsarbeit gewesen sein, für die er nicht seinen Kunstsinn, höchstens seinen Patriotismussinn aufwandte. Wenn, wie am heutigen Tag, im Internet nach diesem gesucht wird, werden als Suchergebnisse nur Bilder des „Wappenschilds“ mit Walter Rosenkranz geliefert, keines, das nur den „Wappenschild“ zeigt. Und auch die Galerie Thule, die recht viele Werke von Rudolf Hermann Eisenmenger zeigt, auch am heutigen Tag, verzichtet darauf, den „Wappenschild“ herzuzeigen. Thule scheint der „Wappenschild“ kein herausragendes Werk von Rudolf Hermann Eisenmenger zu sein, hingegen sein „Selbstbildnis 1942, GDK, 1944“ recht wohl, und diese Einschätzung teilt Thule mit der Galerie Belvedere, die ihre Beschreibung mit diesem „Selbstbildnis“ krönt.

Die Abkürzung „GDK“ steht für „Große Deutsche Kunstausstellung“. Es muß 1944, als sein „Selbstbildnis“ ausgestellt wurde, eine friedliche Zeit gewesen sein, nicht nur das Jahr 1944 die größte friedliche Zeit aller Zeiten, sondern auch die elf Jahre davor und das darauffolgende Jahr bis zum Mai ebenso, die Menschen der zwölf Jahre mußten einfach Zeit und Muse gehabt haben für Selbstbildnisse

Belvedere hat noch weitere Werke von Rudolf Hermann Eisenmenger, jedoch alle mit dem Vermerk: „Derzeit nicht ausgestellt“ — Vielleicht kommt es jetzt zu einem gegenseitigen Motivieren von Belvedere und Nationalratspräsident, wenn dieser schon seinen Eisenmenger öffentlich herzeigt, kann doch Belvedere ihre Eisenmenger öffentlich herzeigen, und auch weitere aus ihrem Depot, etwa das Bildnis „Bundesminister Dr. Anton Rintelen“ von Franz Köck, das sie dem Nationalratspräsidenten als Leihgabe

Der staatlich recht ausgezeichnete grazerische Verlag hat vielleicht noch die von Franz Köck geschaffenen Postkarten als Andenken an die guten Jahre irgendwo in seinem Lager aufbewahrt, mit diesen etwas beisteuern, diese dem Nationalratspräsidenten großzügig überlassen könnte, so könnte der Nationalratspräsident die gesinnungsgemäß kunstvollen Postkarten zusätzlich zum „Wappenschild“ mit sich drapieren