Am 10. Mai 2025 veröffentlicht „The Guardian“ die Aussagen von Joseph Borell zu dem, was in Gaza passiert, und ebenfalls am 10. Mai 2025 veröffentlicht zur Mittagszeit der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs das Interview mit Oskar Deutsch —
Der gesamte Artikel
„Israel committing genocide in Gaza, says EU’s former top diplomat“
zum Lesen; von Oskar Deutsch ist es nicht notwendig, das gesamte Interview zu transkribieren, er wird zu vielem befragt, zu dem er seine Meinungen hat, etwa zum eben von 133 Männern zu ihrem Übermann gemachten Mann, aber das ist hier von keinem Belang, von Bedeutung sind seine Meinungen zu Gaza und seiner zurzeitigen Regierung in Israel im Abgleich mit dem, was Joseph Borell sagt, —
Ö 1: Es fanden und finden zahlreiche Gedenkfeiern statt, morgen etwa in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Dem Gedenken im Parlament ist die Israelitische Kultusgemeinde diese Woche ferngeblieben, weil Nationalratspräsident Walter Rosenkranz von der FPÖ dazu geladen hatte. Den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch haben wir zum ausführlichen Interview gebeten, gestern, weil heute Schabbat ist. Katja Arthofer hat mit ihm über die Kritik von Altbundespräsidenten Heinz Fischer an Israels Vorgehen im Gaza-Streifen gesprochen, über muslimischen Antisemitismus in Österreich und die Erwartungen der Kultusgemeinde an den neuen Papst.
Oskar Deutsch: Das Verhältnis ist gut geworden, und daß er leider, daß er dann verstorben ist, indem er dann vielleicht schon bemerkt, daß es da im Krieg zwischen Israel und einer Terrororganisation geht, und daß das dementsprechend auch zu bewerten sein sollte.
Katja Arthofer: Im Zusammenhang mit dem Gaza-Streifen, Herr Deutsch, hat für große Irritationen diese Woche ein Interview von Altpräsident Heinz Fischer geführt. Fischer habe in diesem Interview kritisiert, wie Israel mit der Bevölkerung im Gaza-Streifen umgehe, er sieht Menschen- und Völkerrechtsverletzungen, er macht das aber mit einer Art Holocaust-Vergleich und Heinz Fischer sagt auch folgendes: „Ich fürchte, daß der größte Förderer des Antisemitimsus der Herr Netanjahu ist, derzeit, das ist ein bissel hart formuliert, aber diese Politik, die da gemacht wird, mit diesem, das sogenannte ‚Kriegskabinett‘, wie sie das selber nennen, die selber nicht wissen, was es bedeutet, wenn vierzigtausend Zivilisten getötet werden, wenn bei einem Terroranschlag oder auch durch einen Unfall zwei kleine Kinder ums Leben kommen, ist zumindest für einige Tage das ganze Land aufgeregt, und dort kommen Tag für Tag Dutzende, an manchen Tagen noch mehr Menschen, Frauen und Kinder ums Leben.“ Die israelische Botschaft in Österreich kritisiert Heinz Fischer dafür scharf, was sagen Sie dazu?
Oskar Deutsch: Also, ich verstehe es nicht, ich verstehe es nicht, wie er überhaupt zu diesen sämtlichen Punkten kommt. Hier wird eine Täter-Opfer-Umkehr gemacht. Ja. Hier wird überhaupt vergessen, was am 7. Oktober 2023 passiert ist. Da sind Hamas-Terroristen, sind, haben Israel überfallen, haben eintausendzweihundert Menschen getötet, Babys getötet, Kinder getötet, ältere Leute getötet, und Geiseln genommen, heute noch sind neunundfünfzig Geiseln in den Händen der Hamas. Aber es sind nicht nur 59 Geiseln. Die Hamas, und das muß man dem Altbundespräsidenten vielleicht auch erklären, hat nicht nur Geiseln aus Israel, sondern hält die gesamte Bevölkerung Gazas als Geiseln fest, als menschliche Schutzschilder, und die israelische Regierung – und manche mögen sie, manche mögen sie nicht – Israel ist eine Demokratie und da wird, wenn so Gott will, nächstes Jahr wiedergewählt. Ja. Tut das, was jede Regierung machen würde, nämlich ihre Leute beschützen, damit so etwas wie am 7. Oktober nicht mehr passiert.
Katja Arthofer: Anlaß für Heinz Fischers Aussagen ist ja der neue Vorstoß der Regierung Netanjahu, die Anfang der Woche einen Plan vorgelegt hat, der die Eroberung des Gaza-Streifens vorsieht, seine dauerhafte Besetzung und eine Umsiedelung der Bevölkerung nach Süden, wie es darin heißt, etwa nach Ägypten oder Jordanien. Erobern, besetzen, umsiedeln, hilft dieser Plan aus Ihrer Sicht die Region zu befrieden?
Oskar Deutsch: Also, ich weiß nicht, was der Herr Fischer weiß oder was er nicht weiß. Es gibt viele Pläne. Die Pläne, die bis jetzten waren eineinhalb Jahre, haben nicht dazugebracht, daß die israelische Bevölkerung geschützt ist. Also das ist die Aufgabe eines Regierungschefs oder Regierung, alles zu tun, damit die eigene Bevölkerung geschützt wird. Und es wäre doch so einfach, so einfach, das sofort zu beenden. Ja. Nämlich die Terrorherrschaft der Hamas im Gaza-Streifen muß beendet werden, das heißt, die Terroristen müssen die Waffen zurücklegen und die Geiseln müssen befreit werden. Wenn das passiert, ist der Krieg dort sofort beendet.
Katja Arthofer: Das ist aber was anderes als eben eine Eroberung, eine dauerhafte Besetzung und eine Umsiedlung der ganzen Palästinenserinnen und Palästinenser, die dort leben.
Oskar Deutsch: Richtig. Aber das müßte man der Hamas sagen. Ihr könnts der Bevölkerung in Gaza sofort einen Frieden schenken, indem ihr eure Waffen zurücklegt und indem ihr die Geiseln befreit.
Katja Arthofer: Aber auch Angehörige von Hamas-Geiseln kritisieren diesen Plan in Israel, und die sagen, er zeige, daß es der israelischen Regierung wichtiger sei, Land zu erobern, als die Geiseln zu befreien. Teilen Sie diese Sicht der Angehörigen der Hamas-Geiseln?
Oskar Deutsch: Also was, was, was ich, was ich gut finde, ist in Israel, ist eine freie Meinungsäußerung möglich. Und ich verstehe natürlich Verwandte von Geiseln, stellen Sie sich vor, Gott behüte, jemand von uns würde einen Sohn oder eine Tochter oder einen Ehemann als Geisel in Gaza sein, eineinhalb Jahren haben, ein Tag ist furchtbar, aber eineinhalb Jahre, an die sechshundert Tage sind die Leute in Tunnels oder was, unter furchtbaren Bedingungen, also ich verstehe natürlich Angehörige von Geiseln, die sagen, daß man alles tun soll, damit die Geiseln wieder freikommen, aber das wird ja auch getan. Nur, es geht nicht.
The former EU foreign policy chief Josep Borrell has launched a blistering attack on Israel, accusing its government of committing genocide in Gaza and “carrying out the largest ethnic-cleansing operation since the end of the second world war in order to create a splendid holiday destination”.
Katja Arthofer: Von furchtbaren Umständen und Zuständen hört man halt auch sehr viele Berichte aus dem Gaza-Streifen. Jetzt ist klar, es gibt keine unabhängigen Berichte, vor Ort sind nur mehr palästinensische Journalistinnen und Journalisten, aber Vertreter von Hilfsorganisationen, auch österreichische, sprechen jetzt ganz aktuell eben von einer humanitären Katastrophe, von großem Hunger, und vorgesten im Mittagsjournal von Ärzte ohne Grenzen ein Österreicher, Zitat: „Von der Hölle im Gaza-Streifen“. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?
Oskar Deutsch: Ja, sicherlich furchtbar und auch da gehen die Vorwürfe an die Hamas, die sie alle als Geiseln halten. Die tun wir leid. Es tut mir auch jedes einzelne Opfer, egal, ob es ein Baby, ein Kind oder ein Mensch ist. Das sind ja alles Menschen. Das ist furchtbar. Aber man muß Israel verstehen, daß sie alles tun, ihre eigene Bevölkerung zu schützen.
Katja Arthofer: Aber muß man auch diese Regierung verstehen, in der Rechtsextremisten sitzen?
Oskar Deutsch: Ja, man muß überhaupt nichts verstehen. Ich beschäftige mich mit Politik in Österreich, ich beschäftige mich mit Politik in der ganzen Welt, und ich habe zu allem eine Meinung, aber vielleicht ist es so, daß ich doch ein bißchem mehr Wissen habe, über was sich in Israel abspielt, als ein Altpolitiker. Und so ist die Situation. Wie gesagt, das Ganze kann, hätte am Tag eins nach dem 7. Oktober bereits beendet werden können, indem die Hamas die Geiseln zurückgegeben hätte und ihre Waffen abgegeben hätte. Das tun sie nicht. Also sollte die ganze Kritik in diese Richtung gehen.




Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.