Lay down arms

Wehrpflicht
lässt sich immer damit rechtfertigen, dass sie einen Schutz gegen den Krieg darstellt, oder zumindest gegen eine Niederlage im Krieg.
Der wahre und unausgesprochene Grund für die Einberufung ist das allzu natürliche Bedürfnis eines mächtigen und zentralisierten Staats, seine Bürger zu reglementieren und zu kontrollieren, indem er sie dem realen und möglichen Kriegsrecht unterstellt und sich selbst das Recht zuspricht, sie wann immer nötig einzusetzen.

Der Erste und der Zweite Weltkrieg sowie zahlreiche weitere größere Kriege wurden großteils mit Wehrpflichtigen geführt.

Den Ausbruch der Wehrdienstdiskussion gibt es nun auch in Österreich, eine von einer sich noch nicht zur „Kriegsministerin“ umgetauften Verteidigungsministerin setzte eine Kommission ein, die nun, am 20. Jänner 2026, eine Verlängerung der Wehrpflicht empfehlen wird,

sie wird nicht die Abschaffung des Militärs empfehlen, sondern die Ausdehnung der Wehrpflicht, die Ausweitung des Waffendienstes.

Es wird auch empfohlen werden, ist den Berichten zu entnehmen, die Herabsetzung des stellungspflichtigen Alters auf 16 Jahre, kaum das Kindesalter hinter sich gelassen, sollen äußerst junge Menschen gemustert werden auf ihre Tauglichkeit, Wehrdienst zu leisten, das heißt nichts anderes als in Kampfzonen geschickt zu werden.

Eingestimmt auf das Militär sollen aber auch schon die Kinder werden, das Militär auch in Österreich stellt propagandistische Produkte zum Ködern der Kinder her: „Mit Adleraugen auf dem Heldenplatz“ …

Was Aldoux Huxley vor achtzig Jahren zur Wehrpflicht schrieb, ist achtzig Jahre später im Angesicht der Ausweitung des Kampfdienstes ein weiteres Mal zu zitieren, davor aber ist unbedingt zu erinnern:

Der Erste und der Zweite Weltkrieg sowie zahlreiche weitere größere Kriege wie der Vietnamkrieg wurden großteils mit Wehrpflichtigen geführt; der Einsatz Wehrpflichtiger im Ausland […] gang und gäbe.

Führt nicht gerade einer der boy gangsters, wie sie von Aldoux Huxley genannt werden, vor, wozu das Militär von ihnen gebraucht wird, sowohl im Inland als auch im Ausland.

Und was der ihm gesinnungsgemäß verwandte boy gangster aus einer Hauptstadt in Europa befehligt, sind

Wehrpflichtige zum Kriegsverbrechenseinsatz.

Wird nicht gerade Wehrpflichtigen vorgeworfen, sie würden beispielsweise in Österreich sich „verstecken“, um dem Morden und dem Ermordet-Werden zu entgehen? Auch von Österreich wird verlangt, verstärkt zu koopieren, die in Österreich sich aufhaltenden Menschen aufzuspüren, um sie auszuliefern, auszuliefern in den Kampf, auszuliefern zum Morden, auszuliefern selbst ermordet zu werden?

Wofür wurde die Wehrpflicht, der Dienst an der Waffe bisher gebraucht? Für vielfache Einsätze im Inneren …

Die zwei letzten Kriege mit Wehrpflichtigen, der eine vor 81 Jahren, der andere vor 108 Jahren beendet, an denen Österreich unmittelbar beteiligt war und von je einem Österreicher maßgebend verbrochen wurden,

kosten bis heute viel, sehr viel Steuergeld,

müssen doch nach wie vor für die Entsorgung des seit Jahrzehnten in Österreich herumliegenden hoch lebensgefährlichen Kriegsmaterials enorme Steuergeldsummen …

Wie viele Kommissionen werden doch stets eingesetzt, inflationär eingesetzt, auch für das Militär in Stellung gebracht, aber nach wie vor

keine einzige Kommission dafür — keine einzige Militärabschaffungskommission —, das Militär abzuschaffen,

und das nach so vielen Jahrhunderten des militärischen Mordens, nach so vielen Jahrhunderten der mörderischen Ressourcenverschwendung für das mordende Militär,

und dabei gab es einmal einen „Kriegsminister“, der die Einsicht hatte, der wußte, wie das Budget eines Staates auszugleichen ist, nicht durch Aufrüstung, nicht durch personelle Aufstockung des Heeres, also durch Verschwendung des Steuergelds in jedem Staat für das luxuriöse Morden, für den mordenden Luxus; dieser „Kriegsminister“ hatte wohl deshalb die Einsicht für die militärische Kürzung, weil er auch Finanzminister war, ein Finanzminister, von dem heute nur sein literarisches Werk im Vordergrund steht, auch seine Lyrik wird nach wie vor gerne rezitiert — Lyrik, es sind keine schönen Verse, die heutzutage zur Rechtfertigung des Militärs geschrieben und aufgesagt werden, aber es ist nichts anderes als Lyrik, was über die Notwendigkeit des Militärs verbreitet wird, freilich die schlechteste, die übelste …

Keine Lyrik ist, was Aldous Huxley vor achtzig Jahren zur Wehrpflicht schrieb, aber es ist immer wieder und immer wieder zu zitieren, gegen den Gesang der Militärlyrik

Jahrzehnte vor ihm schrieb Bertha Suttner nach der von Ludwig Wittgenstein seinem Traktat vorangestellten Devise von Ferdinand Kürnberger

Motto: … und alles, was man weiß, nicht bloß rauschen und brausen gehört hat, lässt sich in drei Worten sagen.

ebenfalls keine Lyrik, aber ebenso klar, unmißverständlich in drei Worten:

„Die Waffen nieder!“

Wenn wir über die Möglichkeit sprechen, den Krieg abzuschaffen, dürfen wir nicht vergessen, dass Kriegsvorbereitungen und manchmal auch Kriege selbst den hoch zentralisierten Staaten bei ihren totalitären Zwecken sehr entgegenkommen.

Die Einführung der Wehrpflicht in Friedenszeiten lässt sich immer damit rechtfertigen, dass sie einen Schutz gegen den Krieg darstellt, oder zumindest gegen eine Niederlage im Krieg. Tatsächlich haben Länder, die in Friedenszeiten die Wehrpflicht eingeführt haben, nachher genauso viele Kriege geführt wie vorher, und sie haben genauso viele Niederlagen erlitten. Der wahre und unausgesprochene Grund für die Einberufung in Friedenszeiten ist das allzu natürliche Bedürfnis eines mächtigen und zentralisierten Staats, seine Bürger zu reglementieren und zu kontrollieren, indem er sie dem realen und möglichen Kriegsrecht unterstellt und sich selbst das Recht zuspricht, sie wann immer nötig (zum Beispiel zur Niederschlagung eines unerwünschten Streiks) einzusetzen. In Zeiten der Atombombe könnten Massenarmeen unzeitgemäß erscheinen. Trotzdem zeigt kein Land, das in der Vergangenheit zu Friedenszeiten die Wehrpflicht eingeführt hat, eine Neigung, die Kontrolle über die breite Masse der Bevölkerung aus der Hand zu geben. Und in Ländern, die früher keine Wehrpflicht in Friedenszeiten kannten, fordern hochrangige Militärs und Beamte die Einführung eines allgemeinen Militärdienstes.

Auch in anderer Hinsicht sind Kriegsvorbereitungen für die Inhaber zentralisierter politischer Macht nützlich. Wenn zu Hause die Probleme zunehmen und der öffentliche Protest unangenehm laut wird, ist es in einer Welt, in der Kriege noch eine fast heilige Angewohnheit sind, immer möglich, die Aufmerksamkeit der Menschen weg von den heimischen und hin zu den ausländischen und militärischen Angelegenheiten zu lenken. Die staatlich kontrollierten Angelegenheiten Überzeugungsinstrumente entfesseln eine Flut fremdenfeindlicher oder imperialistischer Propaganda, man demonstriert eine „Politik der Stärke“ gegen eine ausländische Macht, und sofort ist es unpatriotisch, selbst noch so gerechtfertigte Beschwerden über Misswirtschaft oder Unterdrückung zu äußern. Das ist ein weiteres Argument für die Teilung und Dezentralisierung der Macht, die Deinstutionalisierung von Politik und Wirtschaft und wo immer möglich, die Beseitigung zentralisierter Massenproduktion und -distribution durch regionale genossenschaftliche Erzeugnisse und staatlicher Intervention und Kontrolle durch kooperative Selbstbestimmung.

Und schließlich müssen wir uns ansehen, welche Rolle der Militarismus bei der Beilegung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unsicherheit spielt, die, wie wir gesehen haben, der Fluch jeder technisch fortschrittlichen Gesellschaft ist. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre ging in allen Industrienationen mit Massenarbeitslosigkeit einher. Diese beängstigende gesellschaftliche Krankheit wurde auf unterschiedliche Weise behandelt. Großbritannien legte ein ambitioniertes Wohnungsbauprogramm auf, in den Vereinigten Staaten griff die Roosevelt-Regierung zu staatlichen Projekten, Konjunkturanreizen und der Drosselung der landwirtschaftlichen Produktion, um die Preise stabil zu halten. Diese Maßnahmen waren nur bedingt erfolgreich. Die Arbeitslosigkeit ging zwar zurück, wurde aber keineswegs beseitigt. Das gelang erst, als Hitler mit der massiven Aufrüstung begann. Wie von Zauberhand verschwand die Arbeitslosigkeit — erst in Deutschland und dann, als es andere Länder mit der Angst zu tun bekamen und sich dem Rüstungswettlauf anschlossen, auch in der übrigen industrialisierten Welt. Man hatte ein Heilmittel gefunden gegen die Unsicherheit, die der wissenschaftliche und technische Fortschritt mit sich bringt, wenn er im Dienst eines zentralisierten Finanzwesens steht. Doch der Preis für diese vorübergehende Heilung war Tod und Zerstörung und dieser Zustand war für alle betroffenen Nationen unvergleichlich schlimmer. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft die massive Aufrüstung erneut das Mittel der Wahl sein könnte, um die Symptome der Arbeitslosigkeit zu linden.

In diesem Zusammenhang sollte man anmerken, dass Waffen die einzigen Güter sind, die ohne Rücksicht auf Kosten oder Gewinne weggegeben werden. Der moderne Krieg ist unter anderem ein Wettlauf darin, welche Nation in der kürzesten Zeit die meisten Kapitalgüter verschenken kann. Diese Kapitalgüter sind bösartig und unproduktiv, doch man kommt nicht umhin zu denken, dass etwas Ähnliches wie der Wohlstand zu Kriegszeiten zu einer Dauereinrichtung werden könnte, wenn mehr Dinge zum Selbstkostenpreis oder umsonst abgegeben würden, und weniger mit Ertrag oder gegen Zins.

[…]

Es ist wie gesagt nicht unmöglich, aber man muss auch sagen, dass es hochgradig unwahrscheinlich ist, solange Nationen an ihren kriegerischen Gewohnheiten festhalten. Denn in einem modernen Krieg bestehen nur Nationen mit einer hoch entwickelten, um nicht zu sagen aufgeblähten Investitionsgüterindustrie sowie einer massenproduzierenden Konsumgüterindustrie, die sich rasch auf die Bedürfnisse der Kriegsproduktion umstellen lässt. Ein moderner Krieg lässt sich außerdem nur führen, wenn eine Nation in der Lage ist, die gesamte Bevölkerung in einer militärischen und industriellen Generalmobilmachung einzuberufen. Das ist nur möglich, wenn die Bevölkerung weitgehend aus Entwurzelten und Besitzlosen besteht, die für ihren Lebensunterhalt auf den Staat und große private Arbeitgeber angewiesen sind. Diese Menschen sind der Traum eines jeden militaristischen Diktators — eine „fließende Arbeitnehmerschaft“, die sich nach Belieben von einem Ort oder einem Hilfsarbeiterjob zum nächsten verschieben lässt.

[…]

Es ist bemerkenswert, dass Menschen gern von einem Krieg sprechen, der allen Kriegen ein Ende bereitet, oder von einem Krieg zum Erhalt der Demokratie; aber weniger gern sprechen sie von Frieden, der dem Krieg ein Ende bereitet, oder von demokratischer Selbstbestimmung (dem genauen Gegenteil des Militarismus) zum Erhalt der Demokratie.