Denkmalschutz in Österreich für Habsburgs schmutzigen Krieg

Wer je aus dem Süden kommend in Villach gezwungen ist, eine Pause einzulegen, bekommt sofort in diesem Volkskirchtrachtenhauptag Österreichs zu lesen:

„Den Söhnen der Stadt, die im großen Krieg 1914-1918 für Heimat und Deutschtum ruhmwürdigen Todes gestorben sind, zu Ehr und Dank und ewigem Gedächtnis. Und alle, die je dieser Stadt entstammen, / Wird euer leuchtendes Vorbild entflammen / Zu Opfersinn und zu Heldenmut / Für Heimat und Volk, unser höchstes Gut.“

Stadtpfarrkirche Villach Erster WeltkriegDas steht groß auf der Stadtpfarrkirche Sankt Jakob in Villach. Ein Denkmal von Karl Maria Kerndle, einem „aktiven NSDAP-Mitglied“, zur Propaganda auf die Kirche geschlagen in der Zeit zwischen 1918 und 1924, bis zum heutigen Tag, 20. August 2015. Es überrascht nicht, daß diese Geschichtslüge auf einer römisch-katholischen angeschlagen ist, zur propagandistischen Verbreitung und gottgleichen Verehrung der Habsburger bis zum heutigen Tag. Es ist nicht der einzige Anschlag auf geschichtliche Wahrheit in Österreich. In Wien auf der Stephanskirche gab es einen solchen ebenfalls, dieser wurde dann doch entfernt; aber es brauchte, wie nachgelesen werden kann, rund eineinhalb Jahre, bis die Tafel schließlich doch entfernt wurde. Das Anbeten der habsburgerischen Knochen ist aber damit nicht beendet, wie ebenfalls nachgelesen werden kann.

Es kann der Anschlag auf der Stadtpfarrkirche in Villach nicht anders genannt werden, als eine große Lüge. Denn. Den Krieg von 1914 bis 1918 als einen Krieg für „Deutschtum“ und „Heimat“ …. Diesen „Habsburgs schmutzigen Krieg“ derart verkaufen zu wollen, auch heute noch, ist … Aber es ist nicht nur die römisch-katholische Kirche, die weiter die Knochen der Habsburger anbetend küßt, es ist in Österreich insgesamt nach wie vor heilige Pflicht, vor den Habsburgern und Habsburgerinnen untertänig den Hofknicks zu machen. Wer erinnert sich nicht, wie das Buch von Christopher Clark über den Krieg von 1914 bis 1918 medial breitest aufgenommen wurde, wie er sofort zum Festredner der Salzburger Festspiele gemacht wurde? Erleichtert darüber, daß Christopher Clark die Schuld an diesem Krieg auf alle verteilte

Hingegen etwa das Buch „Habsburgs schmutziger Krieg – Ermittlungen zur österreichisch-ungarischen Kriegsführung 1914-1918“ … Welche „Ehre“ und „Dank“ wofür „zum ewigen Gedächtnis“? Das soll ein „leuchtendes Vorbild entflammen“? Das ist also „unser höchstes Gut“? Auch noch einhundert Jahre später? Festgeschlagen auf der villacherischen Kirche. Zur Vervollständigung dieser „Ehre“ und dieses „Dankes“ und dieses „Deutschtums“ nur ein Beispiel aus diesem Buch zu dem habsburgerischen Schmutzkrieg:

„27. September 1914 folgende Order: ‚Ausgiebigen Gebrauch von Kriegsnotwehrrechte machen, das heißt, jeden Verdächtigen niederschießen, aber nicht verhaften!! Weitgehendst verlautbaren! Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass weder das Vert. Bez. Kmdo. noch das Fstgs. Kmdo. Spione oder sonst Verhaftete übernimmt! Auch den Feldwachen verlautbaren.‘ Massenhinrichtungen. Welche Konsequenzen mit derartigen Anweisungen verbunden waren, wurde wenigstens ansatzweise drei Jahre später, mit der Wiedereröffnung des Reichsrates, des Parlaments in Wien, erkennbar. In einem Dringlichkeitsantrag ruthenischer Abgeordneter vom 5. Juni 1917 ging es etwa um Ereignisse, die sich 1914 in Przemyśl zugetragen hatten. Hier waren, bewacht von einer Militärpatrouille, 45 arretierte Personen aus dem Bezirk Dobromil angekommen. Von einer wütenden Menge, Zivilisten und Soldaten, empfangen und als ‚moskalophile Verräter‘ bedroht, wurden schließlich 42 von ihnen, so der Bericht wörtlich, ‚buchstäblich zerhackt‘. Ein Offizier war Augenzeuge. Seine Erlebnisse notierte Helena Jablonska, eine Bürgerin aus Przemyśl, am 14. September 1914 wie folgt: ‚Mit Säbeln, Beilen, Stöcken, Fäusten wurden sie niedergemacht. Schlägertypen mit Holzknüppel kamen dazu‘, und die Russophilen ‚wurden zerfleischt, dass Hirnmasse und Blut die Zuschauer und die Mauer bespritzten. Es blieben nur Klumpen zuckenden, dampfenden Fleisches übrig. Draußen sind Schüsse zu hören.‘ Frau Jablonska war ob dieser Vorkommnisse zwar schockiert, dennoch zweifelte sie nicht an der Hinwendung der Opfer zum Zarenreich. Dadurch unterschied sie sich von den ruthenischen Parlamentariern, die explizit darauf hinwiesen, dass die Getöteten, unter ihnen mehrere Frauen, ‚ukrainische Landleute‘, loyale Bürger der Donaumonarchie und keine ‚Freunde der Russen‘ gewesen waren. Gerade die oftmalige Missachtung dieses Unterschieds führte jedoch zu immer neuen Gewalttaten.“

Das wurde nicht wegen der Brutalität zitiert, sondern weil es eines der Beispiele ist, was bereits damals gewußt wurde. Und dennoch wurde das ganze Land mit Kriegerdenkmälern der größten Lüge gepflastert. Auch das „aktive NSDAP-Mitglied“ schuf nach diesem Kirchenanschlag noch weitere, und wie nachgelesen werden kann, unverhohlen „nationalsozialistischere“ … Ob diese Verse von Karl Maria Kerndle stammen, er sich selbst zum Dichter entflammte, wurde nicht recherchiert. Das ist auch unerheblich. Vielleicht war es ein anderer kärntnerische Reimer. Diese Reime werden in Kärnten nach wie vor ehrenreich hochgehalten, wie beispielsweise jene auf das Klagenfurter Landhaus geschlagenen

Aber nicht nur Reimen dieses Geistes werden weiter die Treue gehalten, auch den verantwortlichen Militärs des Krieges von 1914 bis 1918, beispielsweise dem Ehrenbürger von Klagenfurt

Und dieser Umgang mit Geschichte setzt sich fort. Wie anläßlich des Todes eines sehr bekannten Schlagersängers, sein Name war Udo Jürgens, zu berichten war, ein schäbiger Umgang, schäbig, weil so getan werden will, als würde Geschichte redlich … Künstler in Kärnten, aber nicht nur in Kärnten, pflegen ein ganz besonders Gedächtnis

Auf der villacherischen Kirche, wie die Bilder zeigen, sind noch andere Tafeln angeschlagen, angebracht nach 1945 … Die wollen gar nicht mehr besprochen werden. Diese sprechen für sich selbst. Zu erwähnen sind sie dennoch. Diese werden, ist zu hoffen, nicht denkmalgeschützt sein. Was aber auch die Tafeln und nicht nur diese zeigen, ist eines, wenn es in Österreich eine Tradition gibt, dann ist die der Verdrängung, der Geschichtsklitterung, bis zum heutigen Tag.

Stadtpfarrkirche St Jakob Villach Denkmalgeschützte GeschichtslügeGenug davon. Weil. Die wichtigsten Kapitel in dem Buch über den Schmutzkrieg der Habsburger und Habsburgerinnen wurden noch gar nicht angesprochen. Denn diese betreffen die bittere Gegenwart von Menschen, die heute flüchten müssen, vor Krieg und Elend und Not, heute flüchten müssen, auch nach Österreich – im Jahr 2015. Vielleicht sollten vor allem jene, die heute gegen flüchtende Menschen massiv und unmenschlich propagandieren, die Kapitel in diesem Buch über „Evakuierte und Flüchtlinge“ lesen, um aus der Geschichte zu erfahren, wie es den Menschen damals in der Donaumonarchie erging, im eigenen Land, in den Lagern, wie es ihren Vorfahren erging, ins Elend gestürzt von der eigenen Regierung, um zu begreifen, wie es Menschen heute geht, die heute flüchten müssen, auch nach Österreich … Vielleicht können diese Kapitel über die Elendsgeschichte der eigenen Vorfahren etwas dazu beitragen, zur Vernunft zurückzukehren, und das heißt vor allem, nicht weiter eine Partei zu wählen, die keine Lösungen hat, sondern nur unmenschliches Gechrähe …