Christa Zöchling auf dem Viktor-Adler-Markt

Das Formular wird niemals zu finden sein. Denn Christa Zöchling hat ihren Eintritt in die FPÖ mit einem Artikel in der Wochenzeitung „Profil“ vom 6. September 2015 erklärt und mit einer dieser

„Es sind die hässlichsten Menschen Wiens, ungestalte, unförmige Leiber, strohige, stumpfe Haare, ohne Schnitt, ungepflegt, Glitzer-T-Shirts, die spannen, Trainingshosen, Leggins. Pickelhaut. Schlechte Zähne, ausgeleierte Schuhe. Die Flüchtlinge aus dem nahen Osten sind ein schönerer Menschenschlag. Und jünger. Und irgendwie schwant ihnen das, den abgearbeiteten, älteren Österreichern. Und sie werden sehr böse und würden die Flüchtlinge gern übers Meer zurück jagen. Aber das kann man ja nicht laut sagen. Sagen sie.“

sehr langen Unterschrift bestätigt.

Dieses zöchlingsche Vokabular, wie bitter bekannt ist es beispielsweise aus den Kommentaren der Schreibstaffel der gesinnungsgemäß zensierten Website der FPÖ, um politisch anders gesinnte Menschen herabzuwürdigen … Eine nationalistische Anhängerin des Arischen, oder kurz und bündig, eine Rassistin fände auch keine andere Formulierung: „schönerer Menschenschlag“ … freilich würde sie damit nicht „Menschen aus dem nahen Osten“ beschreiben, sondern dem germanischen Menschen schmeicheln. „Es sind die hässlichsten Menschen“ würde der Rassistin auch einfallen … freilich würde sie damit nicht die Menschen in Wien meinen, sondern beispielsweise die „aus dem nahen Osten“.

Daß die FPÖ sich nun darüber aufregt, allen voran Herbert Kickl, ist soher gar nicht verständlich. Bei dieser zöchlingschen Diktion müßte doch die FPÖ jubelnd ausrufen: „Wieder eine wie wir, wieder eine, die zu uns findet.“ Und noch ein Wort verwendet Christa Zöchling in dieser ihrer „Reportage“: „Völkerwanderung“. Ein Hauptwort der FPÖ. Aber mit dieser Übernahme eines freiheitlichen Hauptwortes ist Christa Zöchling in diesem Land nicht allein. Auch andere Journalisten und Journalistinnen von österreichischen Medien haben dieses freiheitliche Hauptwort schon leicht und unbekümmert und unreflektiert übernommen. Wie lange wird es noch dauern, bis alle auch ein anderes Hauptwort der FPÖ … „Umvolkung“. Und kaum tritt Christa Zöchling … teilt sie mit Freiheitlichen auch schon solidarisch die Rechtschreibschwäche. Im nahen Osten von Mödling ist Wiener Neudorf, aber fern von Döbling ist der Nahe Osten. Die Rechtschreibschwäche allerdings ist ebenfalls keine originäre Leistung der FPÖ. Viele in diesem Land leiden stolz unter dieser Schwäche, vor allem Journalisten und Journalistinnen …

Oh, was wird viel gegrübelt in diesem Land, warum nur, ach, warum nur wählen so viele die FPÖ. Darüber muß gar nicht viel gegrübelt werden. Es ist halt ein Land mit einem freiheitlichen Niveau – falscher Begriff. Denn der Begriff freiheitlich ist ein durch die FPÖ genug geschändeter und für diese Gemein-Schaft ein vollkommen unpassender Teil ihres Parteinamens. Nachdem sich, wie nachgelesen werden kann, die FPÖ selbst „als identitäre Partei“ versteht, muß es richtig heißen: Es ist ein Land mit einem identitären Niveau, auf dem halt auch jene agieren, die meinen, längst schon ein höheres Niveau erklommen zu haben … Soher ist der Zuspruch zur FPÖ nicht verwunderlich. Erst vor wenigen Tagen haben Seberg, Franzobel und Nowak gezeigt, was dabei herauskommt, wenn vom identitären Niveau zum höheren Niveau geblickt wird, selber aber meint, bereits vom höheren Niveau aus …

der ganze markt zirka halbl - b kChrista Zöchling stellt der Wahlkampfveranstaltung auf dem Viktor-Adler-Markt, der sie am 4. September 2015 beiwohnte, ihre nachfolgende Reise nach Ungarn  gegenüber …

„Ein paar Stunden später, wie zur Reinwaschung und zur Sühne, fahre ich mit meiner Kollegin Anna Giulia Fink nach Ungarn. Aus journalistischer Neugier, doch insgeheim würden wir schon auch gern eine Gruppe von Flüchtlingen aus den Fängen der bösen Ungarn retten. Ich fahre mit meinem Mann, der leicht fiebert, es aber auch nicht lassen kann.“

„Wie zur Reinwaschung und Sühne“ also sieht Christa Zöchling ihre Reise nach Ungarn … und sie meint tatsächlich, den Viktor-Adler-Markt in Richtung Ungarn verlassen zu haben, während sie in Wahrheit auf dem Viktor-Adler-Markt geblieben ist, so wie ihre Reportage geschrieben ist. Schlagerselige Bosheiten auf der Bühne und vor der Bühne: genauso eben wie es auf dem Viktor-Adler-Markt zuging an diesem Freitag. Eine Reportage und …

„Auch mir steigen die Tränen in die Augen, wenn ich sehe wie die Wiener bei jedem einfahrenden Zug, der aus Budapest am Westbahnhof ankommt …“ – „Sing i dieses Liad/hob i Tränen in meim Gsicht/es san Tränen volla Stoiz/und ich schäm mich ihrer nicht.“

… ein identitäres Liedl. Wäre es nicht veröffentlicht, wer was schrieb, dann wäre es schwer zu sagen, wer schrieb die Reportage, wer das Liedl …. Unweigerlich kämen Fragen auf. Versuchte sich John Otti in Prosa? Versuchte sich Christa Zöchling in der Reimerei?

„Wie zur Reinwaschung und Sühne“ … Was für ein neues Anforderungsprofil. Journalistische Arbeit als Vergehen mit sofortiger anschließender familiärer Pilger- und Pilgerinnenreise …

Am 8. September 2015 ist Christa Zöchling aus der FPÖ wieder ausgetreten. Auch dafür hat sie kein Formular ausgefüllt, sondern den Austritt mit einem Zusatzkommentar erklärt. Wohin in diesem Land auch geblickt wird, überall Tradition … Wie gut ist das in Österreich bekannt, seit Jahrzehnten, das eine soll das andere überdecken, wird gehofft, es sei ja ganz anders gemeint gewesen, idealistisch halt, nichts Schlechtes wollte … im Gegenteil, Verständnis für …  Ach, was sind das für arme Menschen mit ihrer „Angst vor Zuwanderern und Flüchtlingen“ – beispielsweise die vom Akademikerverband …

„‚An die Kritiker und Kritikerinnen
Bei meinem Online-Beitrag „Meine Freundin weint“, den ich am Wochenende für profil.at verfasst habe, handelt es sich ausdrücklich und ersichtlich um eine Reportage, das heißt, ich spreche subjektiv und in der Ich-Form. Ich habe unter anderem aufgeschrieben, was ich am Viktor-Adler-Markt gehört und gesehen habe. Ich habe die Menschen geschildert, wie sie auf den ersten Blick wahrgenommen werden, also auch und vor allem äußerlich – und in ihren kulturellen Codes. Wer wenig Geld hat, kauft in Billigläden, trägt Polyester-Jacken und kann sich keine teuren Zahnimplantate leisten. Die sozialen Milieus der Parteien unterscheiden sich voneinander. Es muss erlaubt sein, das zu beschreiben.
Keineswegs will ich jene Menschen, die nicht zu den Privilegierten in unserer Gesellschaft gehören und wohl auch deshalb Angst vor Zuwanderern und Flüchtlingen haben, verunglimpfen und herabwürdigen. Doch die von mir beschriebene Hässlichkeit ist keine ästhetische Kategorie, sondern eine moralische. Ich empfinde es als kalkulierte Niedertracht, Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens über das Meer flüchten, „Asylbetrüger“ und „Sozialschmarotzer“ zu nennen, und jeder, der hier mitkrakeelt, ist hässlich in diesem Sinn. Die führenden Funktionäre der FPÖ, die übrigens zu den Bessergestellten gehören und selbst mit Verachtung auf ihr Fußvolk schauen, empören sich jetzt und sagen, ich würde ihre Anhänger pauschal herabwürdigen. Doch Hass macht hässlich. Und dieser Hass wird von Heinz-Christian Strache, Johann Gudenus und Herbert Kickl geschürt. Ich möchte noch ein kleines Erlebnis für die Stimmung auf dem Platz nachtragen: Als ich vergangenen Freitag mit einem Block in der Hand am Viktor-Adler-Markt in der Menge stand, pöbelte mich ein älterer Herr an, ich sei doch Ausländerin, was ich hier täte. Ich antwortete nicht. Er ließ nicht locker: „Du nix Deutsch?!“ Ein paar andere fielen ein und höhnten: „Schau‘, die versteht nix.“ Ich wechselte meinen Beobachterposten und stellte mich woanders hin. Für mich war das einfach, weil es mich im Grunde nicht betraf.'“