Schon nach dem zweiten Satz — „So steht er da, der Dr. Karl Lueger, und schaut aus 20 Metern Höhe auf Wien.“ — gedacht, nicht weiterlesen. Das Müllner-Kunschak-Mal ist keine zwanzig Meter hoch, das Mal bringt es gerade einmal auf etwas mehr die Hälfte von den wintererischen zwanzig Metern.
Die zwanzig Meter von Matthias Winterer im „Falter“, Ausgabe 25/26, vom 16. Juni 2026 überbietet Annette Gantner am 23. Juni 2026 in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ ebenfalls bereits im zweiten Satz: „Die 27 Meter hohe Bronzefigur, die Wiens Ex-Bürgermeister Karl Lueger zeigt, wurde gereinigt, der Sockel um 3,5 Grad geneigt.“
Die Bronzefigur von KL selbst ist um die 4,5 Meter klein.
Der Artikel in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ wurde nach den „27 Metern“ nicht weitergelesen, der Artikel im „Falter“ hingegen doch.
Zu dem von Matthias Winterer verwendeten „Standbild“ fällt unweigerlich der Essay „Denkmale“ von Robert Musil ein, in dem es u. v. a. m. heißt:
Es geht vielen Menschen selbst mit überlebensgroßen Standbildern so. Man muß ihnen täglich ausweichen oder kann ihren Sockel als Schutzinsel benutzen, man bedient sich ihrer als Kompaß oder Distanzmesser, wenn man ihrem wohlbekannten Platz zustrebt, man empfindet sie gleich einem Baum als Teil der Straßenkulisse und würde augenblicklich verwirrt stehen bleiben, wenn sie eines Morgens fehlen sollten: aber man sieht sie nie an und besitzt gewöhnlich nicht die leiseste Ahnung davon, wen sie darstellen, außer daß man vielleicht weiß, ob es ein Mann oder eine Frau ist.
Und ehe erzählt wird, was Matthias Winterer noch so dazu schreibt, nur nichts zu Leopold Kunschak, der Hauptfigur schlechthin des Debacles, ist doch noch einmal hervorzuheben, um was für ein recht besonderes Geschichtsgrätzel es sich bei diesem KL-Grätzel vom Ignaz-Seipel-Platz bis zur Weiskirchnerstraße mit dem Karl-Lueger-Platz in seiner Mitte handelt, von dem bereits erzählt wurde.
Dafür, daß Matthias Winterer nichts zum „österreichischen Streicher“ zu schreiben weiß, weiß er, Winterer, nur zu genau, unter welchem Bürgermeister das Mal aufgestellt wurde:
Das Denkmal wurde 1926 unter dem roten Bürgermeister Karl Seitz aufgestellt.
Matthias Winterer ist mit diesem Hinweis auf den „roten Bürgermeister“ genauer als Oliver Rathkolb, der auf die nun etwas informativere Zusatztafel als zur vorherigen schreiben ließ, das Mal sei erst 1926 zur Zeit der sozialdemokratischen Alleinregierung aufgestellt worden.
Denke sich, wer kann, warum die Sozialdemokratie im Zusammenhang mit diesem Mal derart betont wird, aber beispielsweise nicht die Hauptbetreibenden, die sich mit diesem Mal ein Demonstrationsdenkmal schufen.
Wenn es eines Tages in etlichen Jahren oder in Jahrzehnten zu einer Auseinandersetzung kommen sollte, ob das Trümmerfrauenmal auf der Mölker Bastei entfernt oder mit einer Zusatztafel versehen werden soll, wird es wohl wieder eine Zusatztafel werden, und vielleicht auch zu einer winzigen künstlerischen Gestaltung, etwa durch eine in den Schoß der Trümmerfrau gelegte Badeente …
Was das Mal im KL-Grätzel und das Mal auf der Mölker Bastei verbindet, eint, sie als Zwillingsmale ausweist, ist, daß es Parteiendenkmale sind, beide aber nicht von der und für die sozialdemokratische Partei … Und was könnte dann auf der Zusatztafel zur mit einer Badeente künstlerisch beschenkten Trümmerfrau geschrieben sein, in etlichen Jahren oder gar Jahrzehnten?
Vielleicht:
… Das Denkmal wurde 2018 unter dem roten Bürgermeister Michael Ludwig aufgestellt …
Gemacht hat es der Bildhauer Magnus Angermeier …

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