Flüchtlinge der gescheiterten Revolution von 1848: Ahnherrin der FPÖ

Der FPÖ mit der Gegenwart zu kommen, ist wie Toten mit dem Leben kommen zu wollen. Aber den Wählerinnen und Wählern der FPÖ der Gegenwart kann einiges über die Vergangenheit der FPÖ erzählt werden. Vor allem darüber, was die FPÖ in ihrer Vergangenheit, die ihre Gegenwart ist, vergißt, verdrängt, nicht wahrhaben will …

Wahlen - Tausch Vergangenheit gegen GegenwartDie FPÖ läßt jetzt etwas plakatieren von der „Oktober-Revolution“. Aber sie bezieht sich dabei auf eine für sie falsche Revolution. Denn. Als Ahnherrin ihrer Gesinnung beruft sich die FPÖ sonst stets auf die Generation 1848. Freilich, die forty-eighters scheiterten mit ihrer Revolution. Beinahe verständlich, daß die FPÖ nicht an eine gescheiterte Revolution erinnern will, schon gar nicht in den Wahlkämpfen der Gegenwart.

Wie schäbig die FPÖ gegen Menschen, also auch gegen Flüchtlinge spricht und schreibt, ist hinlänglich weithin bekannt. Und die auf Geschichte so Versessene und die von der Geschichte so Besessene vergißt dabei, wie viele nach der gescheiterten Revolution von 1848 flüchten mußten …

Aberhunderttausende waren es. Sie fanden Aufnahme in anderen Ländern, vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika. Freilich auch damals begleitet von beschämenden Diskussionen und Ansichten über Flüchtlinge: „Auswurf Europas“. Beschämend daran aber ist, daß nicht nur die FPÖ einhundertsiebenundsechzig Jahre später nicht anders über Flüchtlinge sprechen kann, sondern im Grunde ganz Europa.

Die Gründe der Flüchtlinge von heute unterscheiden sich nicht groß von denen der Jahre 1848 und 1849: Kriege, Not, Elend, Verfolgung. Auch das beschämend, wie kaum die Welt der Menschen sich in einhundertsiebenundsechzig Jahren geändert, verändert hat: zum Besseren hin.

Beinahe ist es verständlich, daß sich die FPÖ nun nicht auf eine gescheiterte Revolution berufen will, sondern auf eine siegreiche Revolution, trotz der Tatsache, daß es von der Gesinnung und Weltanschauung her die siegreiche Revolution von Gegnern und Gegnerinnen war … Vielleicht gibt es noch einen Grund, weshalb sich die FPÖ im gegenwärtigen Wahlkampf nicht auf ihre Ahnherrin berufen will. Am 13. März erfolgte der offizielle Anschluß von Österreich an die nationalistische Massenmorddiktatur und ebenfalls an einem 13. März brach die Revolution von 1848 aus. Eine einzige Geschichte des Scheiterns. Aber immer dabei Burschenschaften …

Aber Wählerinnen und Wähler sollten sich zu Recht vor einer Partei fürchten, die „Revolution“ propagandiert. Denn. Auf eine siegreiche Revolution folgt stets ein Regime, wie immer es gesinnungsgemäß zugerichtet sein mag, des staatlichen und also gesetzlich abgedeckten mörderischen Terrors, eines Terrors gegen alle. Dafür ist gerade die „Oktober-Revolution“ ein exemplarisches Beispiel, was auf siegreiche Revolutionen folgt: Not, Elend, Verfolgung, Mord und schließlich endlich Untergang.

Zusammengefaßt kann abschließend also nur eines gesagt werden: Eine Partei, die mit „Revolution“ Wahlen gewinnen will, sollten Sie scheuen, nicht wie der Teufel das Weihwasser, sondern wie ein Mensch der Gegenwart die grausdunklen Ideen der schwarzen Vergangenheit.