Heinz Mayer bestätigt die Notwendigkeit der Binnen-I-Schreibung – Teil 2 der Komödie in Fortsetzung

Von der Gegenwart aus, im Rückblick, gewinnt die Überzeugung, es war eine Komödie geplant. Eine Komödie, für die aber keine Geschichte erfunden wurde. Auch keine Handlung. All das interessierte nicht. Eine Handlung wurde, eine Geschichte wurde nicht einmal ansatzweise entworfen. Die Sprache war es, die interessierte, die Sprache der Ungleichheit. Ihre Herrschaft zu brechen, das Regime des Verschweigens abzusetzen, der Sprache eine Verfassung zu schreiben, die garantiert, daß Frau und Mann in ihr ein gleichberechtigtes Leben führen können, die Teilung der Wirklichkeit in zwei Wirklichkeiten aufzuheben …

Irgendwann wurden die Notizen entsorgt – zu großes Wort. Bei einem Wohnungswechsel wurde einfach vergessen, diese ebenfalls mitzunehmen. Oder die Notizen wurden beim Ausmalen einer Wohnung zum Abdecken des Bodens verwendet. Und dann, vollgespritzt mit Farbe, weggeworfen, wie eben Abdeckplanen nach getaner Malarbeit … Notizen ist dafür nicht das passende Wort. Es war ein vollständig ausgearbeitetes Regelwerk. Auch auf große Plakate übertragen, vollständig ausgezeichnet, gleich einem Plan für eine Stadt, die in ihrer Gesamtheit umzubauen ist …

Heinz Mayer bestätigt Gender Mainstreaming - Eine Komödie Teil 2

Fortsetzung folgt.

Es kann auch so gewesen sein, daß diese großen Plakate mit dem Regelwerk in einer der Wohnungen als Tapeten Verwendung fanden, und diese dann, unansehnlich geworden, vergilbt auch durch Zigarrenrauch, eine Entscheidung verlangten, neu zu tapezieren, oder – die Wohnung wurde gewechselt, und die Nachmieterin riß, darf angenommen werden, verständlicherweise das Regelwerk von den Wänden, um die Wohnung menschgemäß nach ihrem Geschmack …

Heinz Mayer bestätigt die Notwendigkeit der Binnen-I-Schreibung – Eine Komödie in Fortsetzung

Vor Jahren, genauer, vor über – so genau Erinnerung halt je sein kann – zwei Jahrzehnten wurde ein Roman geplant, für den zuerst ein umfassendes Sprachregelwerk zu erstellen war, als unbedingte Voraussetzung dafür, mit dem Schreiben des Romans überhaupt, mehr noch, ohne dieses gegen die anerkannte Grammatik und gegen die angeordnete Rechtschreibung erstellte Sprachregelwerk hätte absolut nicht mit dem Schreiben des Romans je begonnen werden können, wie es offen gesagt heißt, nicht einmal der erste Satz, von dem nach wie vor behauptet wird, aus dem Anfangssatz gebiert ein Roman sich von selbst, nicht einmal der erste Satz hätte ohne das eigens dafür geschaffene Sprachregelwerk geschrieben werden können, das Vorhaben, einen Roman zu schreiben, hätte ohne das Sprachregelwerk also sofort aufgegeben werden müssen …

Heinz Mayer bestätigt Gender Mainstreaming - Fortsetzungskomödie Teil 1

Fortsetzung folgt.

Der Plan aber, den Roman zu schreiben, wurde dennoch fallengelassen.

Nun, Jahrzehnte später, inmitten der Debatte um die Binnen-I-Schreibung, will dieses aufgegebene Werk, daß seiner erinnert wird.

War das aufgegebene Werk überhaupt als Roman geplant? Es bestehen Zweifel. Es könnte auch als Komödie geplant gewesen sein.

War es ein Roman? Ist es eine Komödie?