Frage auf dem Genfer Bahnsteig nach dem Rückkehrsinn nach Österreich

Dem Herrn muß es in der Sekunde klar gewesen sein, daß seine gegen den Strom der zu den Zügen Drängelnden gestellte Frage, ob es Sinn habe, oder gar: Sinn mache, nach Österreich zurückzukehren, nicht verstanden wird, denn er bittet augenblicklich um ein wenig Zeit, damit er seine Frage verständlich machen, sich politisch bekennen könne, auch wenn er zugleich eingestehen müsse, nicht in der Lage zu sein, nach Österreich zurückkehren zu können, jedoch, auch wenn er es selbst nicht ganz verstünde, es interessiere ihn einfach, ob sich die Wirklichkeit in Österreich seit seinem Weggang derart verändert habe, daß eine Rückkehr durchaus wieder in den Bereich des Möglichen … Er bitte um Geduld und Nachsicht, denn er neige zur Ausführlichkeit, aber er wolle sich bemühen, fragmentarisch, also kurz und bündig zu berichten, in was für einer Welt er lebte, damals, nicht einmal ein Jahr sei es noch hin gewesen zum Krieg von 1914 … Er erinnere ein Wort Goethes, das mich vor Jahren absonderlich ergriffen hat. Es sagt: man könne nur über solche Fragen schreiben, von denen man nicht zuviel wüßte. – Das tiefe Glück und Unglück dieses Geständnisses werden nicht viele Menschen verstehn. Es spricht eine schlichte seelische Tatsache aus: Daß die Phantasie nur in der Dämmerung arbeitet. Es gibt ein Denken, das Wahrheit schafft; klar wie eine Nähmaschine setzt es Stich neben Stich. Und so gibt ein Denken, das glücklich macht. Das ungeduldig in dich hineinfährt, so daß deine Beine zittern; das im Flug und Sturm Erkenntnisse vor dir auftürmt, an die zu glauben dein Seelenleben in den nächsten Jahren ausfüllen wird, und: von denen du doch nie wissen wirst, ob sie richtig sind. Seien wir ehrlich: es reißt dich plötzlich einen Berg hinauf, von wo du deine innere Zukunft mit seliger Weite und Gewißheit siehst wie – seien wir ehrlich, wie ein zirkulärer Irrer, ein Manisch-Depressiver im Vorstadium der Manie. Du schreist nicht und du machst keinen Unsinn, aber du denkst locker und gigantisch wie mit Wolken, während das gesunde Denken Fug auf Fug wie in Ziegelsteinen denkt und wie äußerstes Bedürfnis hat, jeden einzelnen Griff immer wieder an den Tatsachen zu prüfen. Es verarmt dich, Einzelnen, indem es dich nicht über die Antworten auf ein paar Fragen hinausläßt, von denen deine Seele selbstverständlich nicht leben kann. Es macht dich unfruchtbar. Aber du mußt dein Denken von Zeit zu Zeit immer wieder auf dieses zurückschrauben, mußt es daran prüfen, mußt es ihm unterwerfen, darfst dich nie zu weit davon entfernen, wenn du nicht ins Maßlose und das ist zugleich ins Bedeutungslose geraten willst. Wer nicht mit einer heimlichen Scham und doch mit brennendem Entschluß die Wissenschaft meidet, versteht Goethes Geständnis nicht. Möge es entschuldigen, was ich in diesen Wochen … Ich habe mich nie früher für Politik interessiert. Der politisierende Mensch, Abgeordneter oder Minister, erschien mir wie ein Dienstbote in meinem Haus, der für die gleichgültigen Dinge des Lebens zu sorgen hat; daß der Staub nicht zu hoch liegt und daß das Essen zur Zeit fertig sei. Er erfüllt seine Pflicht natürlich so schlecht wie alle Dienstboten, aber solange es angeht, mischt man sich nicht ein. Las ich zuweilen das Programm einer politischen Partei oder die Reden des Parlaments, so wurde ich in der Ansicht nur bestärkt, daß es sich hier um eine ganz untergeordnete menschliche Tätigkeit handle, der nicht im geringsten erlaubt werden dürfe uns innerlich zu bewegen. Ganz zugrunde lang alledem dem aber ein altes Vorurteil, das ich hatte. Ich weiß nicht, wann ich es erwarb und welchen Namen ich ihm geben soll. Mir gefiel unsre Welt. Die Armen leiden; in tausend Schatten bilden sie eine Kette von mir abwärts zum Tier. Und eigentlich am Tier vorbei noch weiter abwärts, denn keine Tierart lebt unter so untierischen Bedingungen wie manche Menschen unmenschlich leben. Und die Reichen gefielen mir wegen ihrer Unfähigkeit ihren Reichtum seelisch bedeutsam auszunützen, wodurch sie so komisch sind wie jene Insekten, die in der Luft schillern und in der Nähe betrachtet, ein haariges, blödes Säckchen von Leib haben und ein dünnes, armes Stengelchen von Nerv darin. Und die Könige gefielen mir in ihrer Majestät wie gutmütige Menschen mit einer kleinen Absonderlichkeit, auf die alle Welt mit einem Augenzwinkern eingeht. Und die Religion gefiel mir, weil wir längst ungläubig sind und ganz ernsthaft weiter in christlichen Staaten leben. Und vieles in dieser Weise. Das war nicht nur Freude an der Vielheit der Erscheinung und nicht nur die nahebei philosophische Erschütterung über die außerordentlich zähe, zerdehnbare, unzerquetschbare Natur des Menschen, die diesem würdelosen Affen zur Herrschaft über die Erde verhalf, sondern es war vor allem die Wertschätzung der großen inneren Unordnung selbst, die darin liegt, daß wir den Nächsten mißbrauchen, aber bedauern, uns ihm unterordnen, aber das nicht ernst nehmen oder von einem Mord mit Scheu, von tausenden aber mit Ruhe sprechen. Denn, so schien mir, eine derart logikloser Unordnung des Lebens, eine solche Auflockerung ehemals bindender Kräfte und Ideale müßte ein guter Boden für einen großen Logiker der seelischen Werte sein. Da dieses Dasein in seiner Kupplung widersprechender Elemente außerordentlich kühn, wenn auch aus Inkonsequenz und Feigheit ist, bleibt nur der Schritt zu tun, noch kühner aus Bewußtheit zu werden. Und hier, wo jedes Gefühl nach Richtungen äugt, alles treibt, nichts gehalten wird und seine Kombinationsfähigkeit verliert, müßte es gelingen, alle inneren Möglichkeiten noch einmal zu prüfen, neu zu erfinden und die Vorzüge einer vorurteilslosen Laboratoriumstechnik endlich aus den Naturwissenschaften auch auf die Moral zu übertragen. Und daß wir damit aus der durch Rückschläge so langsamen Entwicklung vom Höhlenmenschen bis heute mit einem Sprung hinaus in eine neue Weltepoche kämen, glaube ich noch heute. Um einen Namen zu geben. ein konservativer Anarchist war ich.

Den Gedanken, durch den sich das änderte, wird man vielleicht lächerlich finden. er ist kurz und einfach. Du selbst bist schon – sagte er mir – in dem, was du willst, ein Geschöpf der Demokratie und die Zukunft ist nur durch eine gesteigerte und reinere Demokratie erreichbar.

Ich hielt, daß alle Menschen im Grunde gleich und Brüder seien, immer für eine sentimentale Übertreibung und tue es noch heute, denn mein Gefühl wurde von dem der anderen stets mehr abgestoßen als angezogen. Aber ich glaube mit Klarheit zu sehen, daß die Wissenschaft ein Ergebnis der Demokratie ist. Nicht nur daß hier der Große mit dem Geringen arbeitet und der Größte den Durchschnitt der nächsten Generation kaum überschreitet. Vielmehr ist das Entscheidende, daß durch die Demokratisierung der Gesellschaft, die in den letzten zweihundert Jahren stattgefunden hat, eine größere Zahl Menschen als je zur Mitarbeit gelangt ist und daß unter dieser größeren Zahl – entgegen dem aristokratischen Vorurteil – die Auslese an Begabung größer ausfiel. Ich verkenne nicht die Verflachung, die zuweilen bei zu großer Ameisenhaftigkeit des wissenschaftlichen Betriebes zur Gefahr wird, aber ich glaube, daß die Zahl der großen Leistungen im Verhältnis zu der der mittleren steht, denn das Genie macht nie etwas neu, sondern stets nur etwas anders und die durchschnittlichen Talente liefern ihm die Möglichkeit, in der es sich zu Leistungen verdichtet. der vehemente Aufschwung, den die Kenntnis und Beherrschung der Natur seit dieser Zeit genommen haben, ist nur so zu erklären. – Es ist undankbar diesen Leistungen des Verstandes immer nur entgegenzuhalten, daß sie der Seele nichts genützt haben, ja daß seit ihrer Zeit das Seelische einen Prozeß der Verkümmerung erleidet. Sie haben alle, auch die im guten Sinn einfältigen Seligkeiten zerstört, gewiß, indem sie einen Boden für kompliziertere schufen; aber es ist nicht ihre Aufgabe gewesen, auch noch diese selbst zu schaffen. Sondern unsre. Der naturwissenschaftliche Verstand mit seinem strengen Gewissen, seine Vorurteilslosigkeit und Entschlossenheit, jedes Ergebnis von neuem in Frage zu stellen, sobald der geringste geistige Vorteil dadurch möglich ist, tut auf einem Interessensgebiet zweiten Ranges das, was wir in den Fragen des Lebens tun sollten.

Allein gewiß geht auch das, was wir durch ihn erlitten haben, auf seine demokratische Herkunft zurück. Es ist die Verarmung des inneren Ganzen zum Vorteil einzelner Teile. Die Existenz gewaltiger Spezialgehirne in Kinderseelen. Nicht nur ist es meistens betrüblich, Männer der Wissenschaft über andre als wissenschaftliche Fragen urteilen zu hören, sondern auch der Mathematiker versteht Kulturhistoriker nicht: und der Nationalökonom nicht das Leben des Botanikers. Diese Divergenz des Geschmacks ist nicht nur eine Frage der Unübersichtlichkeit und deshalb der Größe der Wissenschaft. Denn wären die Gelehrten Söhne und Glieder einer einheitlichen Gesellschaft, so wäre die Wissenschaft eine allseitige, ausgeglichene und durch den ganzen Geschmack beschränkte Ausbildung des Geistes geworden, eine gesellschaftliche Übung und verhielte sich zu der unsren wie das körperliche Können des Renaissancegentiluomo zu den Rekordleistungen des modernen Sports. So aber kommen sie als junge Leute aus den verschiedenen Gegenden der menschlichen Gesellschaft daher, ausgestattet mit den verschiedensten Lebensgewohnheiten, -ansprüchen und -hoffnungen, bohren sich mit dem Kopf an der Stelle in die Wissenschaft ein, wo sie angelangt sind, und leben frugal, voneinander verschieden und in Unkenntnis jeder anderen Kultur das Leben jenes seelischen Dorfs weiter, aus dem sie gerade stammen.

Und nicht nur in der Wissenschaft, auch in der Kunst finden wir den gleichen Gewinn und das gleiche Leid. Denn was haben wir, frage ich mich, in der Kunst heute Köstlicheres als jene Freizügigkeit des Gefühles, die wir einer Auflockerung der moralischen Satzungen und der Geschlossenheit des Geschmacks, im letzten Grunde also auch hier der zu großen Zahl der Menschen verdanken? Sie ermöglicht uns jene außerordentliche Beweglichkeit des Standpunkts durch die wir das Gute im Bösen und das Häßliche im Schönen erkennen. Die starren Schätzungen (welche wir vorgefunden haben) auflösen und ihre Elemente zusammensetzen. Aber auch, daß wir mit diesen Leistungen nicht durchdringen, rührt daher, und darum der künstlerische Partikularismus, die ohnmächtige Vielheit kleiner Gemeinden, die Hemmungslosigkeit im Umsturz und Erfinden von Neuem, mit der sich die Künste maßlos steigern, weil sie kein Publikum beschwert. Das Mißtrauen, mit dem jedes Neue wie eine Narrheit empfunden wird, und nicht zuletzt, daß trotzdem dieser sinnlose, täuschende allgemeine Hunger nach einer künstlerischen Erlösung bleibt, nach einer homerischen Einfalt, in die wir verschiedenen alle einmal vereint zurücksinken könnten. – Trotzdem ist es für mich ohne Frage, daß wir die so errungenen Vorteile niemals wieder preisgeben werden und daß wir die Schädigungen überwinden können. Und daß wir gewinnen werden, wenn wir die Entwicklung, die bisher geführt hat, noch übertreiben.

So – angedeutet – der Gedanke. Und meine Überzeugung zwingt mich seither zu etwas, wovon mein Gefühl nichts wissen will. Ich mache die theoretischen Vorstudien, die mir ermöglichen sollen, meinen Willen einzusetzen. Ich suche ein wirtschaftliches Programm, das die Durchführung einer reinen, beschwingenden Demokratie gewährleisten soll, das noch größere Massen heraufzieht. Gewiß, ich werde bis dahin sozialdemokratisch oder liberal, je nachdem es die Umstände fordern, wählen, aber es ist klar, daß wir etwas brauchen, das uns aus der Flachheit der heutigen Parteien hinausführt, und zu jeder solchen Idee gehört ein wirtschaftliches Programm als Durchführungsvorschrift. Und ich frage mich ganz naiv: wer wird meine Schuhe putzen, meine Exkremente fortkarren, nachts für mich in ein Bergwerk kriechen? Der Bruder Mensch? Wer wird jene Griffe tun, zu deren vollendeter Durchführung man ein ganzes Leben lang an der gleichen Maschine stehn und das Gleiche tun muß. Ich kann mir vieles denken, das heute gering geschätzt wird und doch einen Zauber hat, sobald man es freiwillig tut. Aber wer wird jenen vielen andren Arbeiten sich unterziehen, zu denen nur die Not zwingt? Und ich will bessere Richter, bessere Wohnungen haben. Ich will besser essen. Ich will mich nicht über den Polizeimann ärgern. Zum Teufel, ich, Mensch, bewohne die Erde und sollte es in diesem meinem Haus nicht zu einer besseren Bequemlichkeit bringen können als diese erbärmlichen von heute?! Einstweilen treiben wir Politik, weil wir nichts wissen. Es zeigt sich deutlich darin, wie wir es tun. Unsre Parteien existieren durch die Angst vor der Theorie. Gegen die Idee, fürchtet der Wähler, läßt sich stets eine andre Idee einwenden. Darum schützen sich die Parteien gegenseitig vor den paar alten Ideen, die sie ererbt haben. Sie leben nicht von dem, was sie versprechen, sondern davon, die Versprechen der anderen zu vereiteln. Das ist ihre stillschweigende Interessensgemeinschaft. Sie nennen diese gegenseitige Behinderung, die nur kleine praktische Ziele erreichen läßt, Realpolitik. Keine von ihnen weiß wirklich, wohin es führen würde, wenn man den Agrariern folgte, oder den Forderungen der Großindustriellen oder denen der Sozialdemokratie. Sie wollen gar keine Politik machen, sondern Stände vertreten und für bescheidene Wünsche das Ohr der Regierung haben. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie darum die Politik andren überließen, so aber konservieren sie durch die Legierung mit wirtschaftlichen Tagesvorteilen auch noch entwertete Ideologien, wie die des Christentums, der Könige, des Liberalismus, der Sozialdemokratie. Und indem sie sie niemals ausführen, geben sie ihnen einen Schein von Bedeutung und Heiligtum, was neben allem andren auch noch eine Sünde wider den Geist ist.

Ich bin überzeugt, daß das wirtschaftliche Programm keiner einzigen von ihnen durchführbar ist und daß man auch gar nicht daran denken soll, eines zu verbessern. Sie werden weggeblasen, sobald der Wind sich erhebt, wie allerhand Mist, der sich auf stillem Boden angehäuft hat, sie werden falsch gestellte Fragen sein, auf die es kein Ja und Nein mehr geben soll, sobald eine Sehnsucht durch die Welt fährt. Ich habe keine Beweise dafür, aber ich weiß, so wie ich warten viele.

Noch aber ist es still und wir sitzen wie in einem Glaskäfig und trauen uns keinen Schlag zu tun, weil dabei gleich das Ganze zersplittern könnte. Wir sind mit unsren besten Dingen verfangen in der Geldwirtschaft, mit der Kunst, den Erfindungen … ja wir lieben das Geld wie eine Art Gott, eine Art Zufall, eine unverantwortliche Instanz der Entscheidung. Trauen wir wirklich irgendeiner sozialen Organisation zu, die guten Künstler zu fördern und die schlechten zu unterdrücken? Den Wert von Erfindungen oder anderen Ideen zu erkennen, der sich erst nach Jahren manifestieren wird? Wir sind im Grunde durchdrungen davon, daß der Staat der entsetzlichste Tölpel ist. Auch das Geld verteilt sich nicht nach Gerechtigkeit, aber es verteilt sich doch wenigstens nach Glück und Zufall und es ist nicht die stabilisierte Hoffnungslosigkeit, die der allmächtige Staat wäre.

So kommen diese Tage der Depression. Ich war zu Besuch im römischen Irrenhaus und dann in der Kirche. Damit es nicht wie eine Pointe erscheint, sage ich es gleich jetzt: so erschien mir alles, wie unsre Situation. Sieben Mann, der Arzt, ich und fünf große Wärter traten wir in jedes Zimmer der Unruhigenabteilung. In einer Einzelzelle tobte ein nackter Mann; wir hörten schon von weitem ihn schreien. Blond war er und muskulös und sein Bart stak voll dicken Speichels. Immer die eine Bewegung machte er, ein Herumwerfen des Oberkörpers mit einem Ruck aller Muskeln und dazu immer den gleichen Griff mit der einen Hand, als wollte er jemanden etwas erklären. Und schrie etwas, das keiner verstand, immer das gleiche. Für ihn war wohl jenes Bedeutungsvolle, das er deutlich zu machen, der Welt ins Ohr zu hämmern hatte, für uns war es ein zerstoßener unförmiger Schrei. Und danach saß ich beim Gesang der französischen Nonnen. Ein Stimmchen ging zagend dahin, man wußte nicht, war es ein altes oder junges Stimmchen und die Stimmen der Schwestern holten es ein und wärmten es in der kalten Ungewißheit des Weltraums. Und drei Schritte vor mir sang einer selig mit und zerstörte alles. Es war einer von jenen Alten, die den Betstuhldrang dreimal täglich nicht zurückhalten können und die der Gott der Katholiken angeblich so lieben soll. Das bäurisch Altjungfernhafte, schlecht Gelüftete des Katholizismus senkte sich muffig auf mich. Sind so böse Umwege nötig, um zu diesem Augenblick des Gesangs zu kommen? Sind Umwege nötig? Rucke, Zuckungen, Planloses, Andersgeplantes? Ist es ein Unsinn, ein Teil zu nehmen und einen Weg zu brechen? Wird alles von selbst, irgendwann, nebenbei? Und nie durch Erkenntnis und geradlinigem Willen? Mir fiel der Giardino zoologico ein, nicht weit von der Kirche, so erschien mir alles. Ein Tier geht dort auf und ab, auf und ab. Ohne Gitter eingeschlossen. Ich habe es gesehn. Ist es nicht wirklich so, der Mensch -: ein Tier, aus dem Weltraum hier verfangen? Eingeschlossen ohne Gitter. Auf und ab. Auf und ab. Versteht nicht, warum es nicht hinaus kann? Ohne Sentimentalität und in voller Kühle: er ist es. – Ich bin trotzdem verstimmt über diesen literarischen Einfall. Es drückt die alte Lust auf mir, alles vergeblich zu finden. Ich bin zurückgeschlagen. Aber ich habe den Willen! An der Stelle muß der Herr, dessen Ausführungen ohnehin beendet zu sein scheinen, nach seinem auskunfterwartenden Umherschauen zu schließen, auf der Stelle aber müssen alle anderen am Bahnsteig auch verlassen werden, denn der Zug zum Flughafen ist nun eilig zu besteigen, schon werden die Waggontüren automatisch geschlossen, auf eine Antwort kann nicht weiter gewartet werden … die Tür ist bereits mehr als zur Hälfte geschlossen, und außerdem worauf, eine Antwort hätte ihm ohnehin nicht … was noch ginge, die Frage hinauszuschreien, wird mehr geahnt als überlegt, weshalb überhaupt noch, durch die nun gänzlich geschlossene Tür des schon anfahrenden Zuges, noch irgend wohin – –

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s