Spät im Juni 1979 wurde in Klagenfurt das Gebäude in der Reitschulgasse 4 besetzt. Aufhänger war die sogenannte „Woche der Begegnung“ … Diese einwöchige kulturelle Abspeise, zu der die Menschen in Klagenfurt für eine einzige Woche im Jahr sich anstellen durften. Grund für die Besetzung war auch der damals in dieser Woche abgehaltene „Ingeborg-Bachmann-Preis“, der nicht gewollt wurde … Das Gehabe der eingeflogenen sogenannten Großkritiker … Das Angerührtsein und das nach Anerkenung und Liebe bettelnde Lesepersonal … Dieses unliterarische Verhalten …
Damals war klar, und so wurde auch die Forderung formuliert, daß das für die „Woche der Begegnung“ und für den „Ingeborg-Bachmann-Preis“ hinausgeworfene Geld besser angelegt wäre für die Schaffung und für das ganzjährige Bespielen eines Kommunikationszentrums, das Raum geben sollte der gesamten kulturellen, künstlerischen und literarischen Vielheit nicht nur Klagenfurts und Kärntens, sondern weit darüber hinaus. Im Frühling 1980 war es mit der Besetzung vorbei. Das Haus wurde von den Polit-Verantwortlichen zum Demolieren freigegeben, um eine neuerliche Besetzung zu verhindern.
Was bis heute blieb, ist der „Ingeborg-Bachmann-Preis“. Ein Preis, der für Kärnten nichts brachte. Wird daran gedacht, welche politischen Entwicklungen dann kamen, oder genauer, keine Entwicklungen, sondern der Siegeszug der Freiheitlichen mit ihren Stillständen und Rückgängen und bis zum Erbrechen bekannten Auswüchsen. Ein vom Land und von den Menschen in diesem Land abgekoppelte Literaturveranstaltung, eine unerhebliche, von Jahr zu Jahr lieblicher gewordene Veranstaltung, auf der Texte vorgelesen werden, uninteressant und dem Korrekten bis zur Eintönigkeit verpflichtet. Und um die Literaturkritik, die auf dieser Veranstaltung geboten wird, ist es um keinen Deut besser bestellt. Die Literaturkritik hat auf dieser Veranstaltung mit 2011 völlig abgedankt. Es bedurfte 2011 keiner Literaturkritik mehr, 2011 hätte es auch nicht einmal bedurft, den Text vorzulesen, der 2011 mit dem „Ingeborg-Bachmann-Preis“ ausgezeichnet wurde. Denn es war augenblicklich beim Lesen der Eingeladenen und den Inhaltsangaben ihrer Wett-Texte klar, wer diesen gewinnen wird. Es war lediglich eine kleine Rechnung anzustellen: ein kleines Jubiläum eines nach einer Frau aus Kärnten benannten Preises, dazu noch das Thema des Textes, um zu wissen, wer 2011 gewinnen wird. Und genau diese Nacherzählung wurde dann schließlich auch mit dem „Ingeborg-Bachmann-Preis 2011“ …
Wenn es einen „Ingeborg-Bachmann-Preis“ weiterhin geben soll, dann muß es ein anderer werden. Mit Schreibenden, deren Fadesse ihrer Texte nicht schon von ihrer Ausstrahung und ihrer Bekleidung abgelesen werden kann. Nicht weiter mit einer Jury, die es literaturkritisch nicht einmal mehr schafft, Meterware zu erzeugen, mit einer Jury, die in der Lage ist, mannigfaltige Verbindungen zu den besprochenen Texten herzustellen, die das Sprechen über Literatur spannend machen, das Zuhören zu einem geistigen Erlebnis … Menschgemäß werden dafür aber Texte benötigt, die ein derartiges Niveau fordern …
Die Zeit ist wohl auch wieder reif, nein, überreif, für eine neue Besetzung, aber eine im großen Stil. Der ORF ist besetzungsreif. Nicht das kleine Studio in Kärnten allein ist zu besetzen, sondern das große Gebäude, in dem Alexander Wrabetz sitzt, der überangepaßte Oberschüler der medialen Verflachung und Denovation. Nein, alle Studios sind zu besetzen. Denn, wenn es den ORF weitergeben soll, dann muß es ein anderer werden.
PS Sonderbar mutet es nun an, daß wohl nicht wenige, die damals gegen diese Literaturveranstaltung waren, heute für den Erhalt des „Ingeborg-Bachmann-Preises“ sich einsetzen, also für etwas Erstarrtes sich entscheiden, vielleicht auch deswegen, weil sie auch eine Sehnsucht nach einer Tradition haben, von der sie jedoch fälschlicherweise meinen, es sei eine andere, als jene, gegen die sie politisch korrekt auftreten. Wohl aber auch handfeste wirtschaftliche Gründe …Der eine oder die andere, die eine geschäftliche Verbindung zu dieser Veranstaltung haben, persönliche finanzielle Einbußen befürchten …
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