Vier Jahre einer Entwicklung eines Polizisten: Vom Selbstportrait „Mann mit Gewehr im Anschlag“ zum Straßenauftritt mit Waffe in Gesinnungsuniform

Gestern wurde fragend darüber geschrieben, anhand von Beispielen aus dem Jahr 2014, wohin entwickelt sich die Polizei, werden sich polizeiliche Vorgehensweisen zu Strukturen verhärten und ausbreiten, die einer demokratischen Gesellschaft ganz und gar abträglich sind …

Vier Jahre der Entwicklung vom Porträt zum Gang auf die Straße mit Waffe

Vier Jahre einer Entwicklung: Vom Selbstportrait „Mann mit Gewehr im Anschlag“ zum bewaffneten Straßenauftritt.

Vor beinahe vier Jahren wurde über einen Polizisten geschrieben, der sich für seinen Autritt auf der Plattform des Unternehmens Facebook mit einem Gewehr im Anschlag portraitierte, und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß werde wohl nicht der Polizist sein, der auf Demonstrationen seine Kollegen und seine Kolleginnen mit Getränken und Broten versorgt.

Menschgemäß ist die Versorgung der Kollegen und Kolleginnen mit einer Jause eine harmlose Angelegenheit, aber keine unpolitsche; denn die Essensversorgung durch eine gewerkschaftliche Fraktion ist zugleich eine parteipolitische Werbung, die der Kollegenschaft signalisieren soll „Wir sind für Euch“. Und: „Wir kümmern uns um Euch, wir versorgen Euch.“ Speckbrot und Most gegen Wahlstimme …

Harmlos kann es aber nicht mehr genannt werden, wenn ein Polizist, der offensichtlich nicht im Dienst ist, bei einer Räumung bewaffnet auftritt. Und dieser Auftritt am 28. Juli 2014 in der Leopoldstadt, bei der Räumung der „Pizzeria“ ist aber gesondert zu erwähnen, auch wenn das Vorgehen der Polizei aus anderen Gründen bereits gestern in die „Reihe 2014“ aufgenommen wurde.

Im Nachhinein wird oft – wie eben erst in Salzburg von einem Historiker vor den sogenannten hohen und höchsten Spitzen des Staates – die „Urplötzlichkeit“ eines Ereignisses bemüht. Aber jedwedes Ereignis hat seinen Vorlauf. Jedwedem Ereignis gehen Entwicklungen voraus, die zu oft Jahre oder sogar Jahrzehnte vorher bereits in Gang gesetzt wurden, leider zu oft unbemerkt, schlimmer, zwar bemerkt aber unbeachtet bleiben, ignoriert werden.

Und dieser Polizist, der sich vor Jahren selbst als der Mann mit dem Gewehr im Anschlag portraitierte, steht exemplarisch für eine Entwicklung, die nun beängstigend zu nennen ist. Begnügte er sich im November 2010 noch damit, sich mit einem Gewehr im Anschlag zu portraitieren, ist ihm das im Juli 2014 nicht mehr genug. Er ist nicht als Polizist im Dienst. Aber im Juli 2014 muß er bewaffnet hinaus auf die Straße …

In knapp vier Jahren entwickelte sich dieser Polizist von einem Mann, der sich mit einem Gewehr im Anschlag zwar harmlos aber für einen Polizisten auf fragwürdige Art portraitiert, zu einem Mann, den es mit einer Waffe auf die Straße drängt und, wie es die Bilder zeigen, dabei geschäftig und rege offensichtlich wieder einmal bei der Betreuung seiner Kollegen und Kolleginnen. Die Bilder zeigen aber auch, wie selbstverständlich, wie normal es für seine Kollegen und Kolleginnen im Dienst zu sein scheint, daß er bewaffnet in salopper Freizeitkleidung unter ihnen sich bewegen kann. Aber in einem gewissen Sinn ist er dennoch uniformiert, nicht in der staatsverordneten Uniform, sondern in einer gesinnungsgemäßen Uniform, die für einen Polizisten des demokratischen Staates Österreich nicht mehr bloß fragwürdig zu nennen ist, sondern …

Welche Entwicklungen wird dieser Polizist noch durchmachen? Wie lange wird den Entwickungen, die in der österreichischen Polizei vor sich gehen, noch keine Beachtung geschenkt werden, vor allem von den sogenannten hohen und höchsten politisch Verantwortlichen in diesem Staat? Ein nicht im Dienst seiender bewaffneter Beamter in dieser Gesinnungsuniform – kann eine Alarmglocke lauter noch schrillen?

Besonders das Jahr 2014 zeigt die Polizei auf einem Weg, der für die kommenden Jahre nichts Gutes verheißt, wenn dem nicht von der gesamten demokratischen Gesellschaft Einhalt geboten wird.

PS „Heimat ohne Hass“ erwähnt in „Der Polizist mit dem Eisernen Kreuz“ u.a. auch Hannes Stiehl, auch ein Polizist, der … Aber zu ihm und seinen Kameraden wurde schon mehr als genug geschrieben

3 Gedanken zu „Vier Jahre einer Entwicklung eines Polizisten: Vom Selbstportrait „Mann mit Gewehr im Anschlag“ zum Straßenauftritt mit Waffe in Gesinnungsuniform

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