Die ständische Verfassung Oesterreichs war ein Mittelding zwischen parlamentarischer Demokratie
und Fascismus. Sie gab dem werktätigen Volk die Möglichkeit der Mitbestimmung und sicherte
doch der autoritären Regierung, die im letzten Punkt des Dollfussprinzipes verlangt wird, die
Möglichkeit rascher und klarer Entscheidungen.
Nach wie vor gibt es die Diskussionen, wie soll der Staat Österreich der Zeit von Dollfuß und Schuschnigg genannt werden – „Kanzlerdiktatur“? „Ständestaat“? „Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur“? 85 Jahre nach dem Untergang dieses christlichen Regimes immer noch die Frage, war es Faschismus, war es eine besondere Form des Faschismus? Ein „Klerikalfaschismus“? Ein „Austrofaschismus“?

Das obige Zitat von Guido Zernatto aus seiner „Die Wahrheit über Österreich“, daß dem Staat Österreich von 1934 bis 1938 eine Verfasssung zugrundegelegt war, die „war ein Mittelding zwischen parlamentarischer Demokratie und Fascismus“, läßt dazu neigen, diese Zeit in Österreich als die Zeit des „Austrofaschismus“ zu bezeichnen, in dieser Uneindeutigkeit, in dieser Schlampigkeit, in diesem Grauen davor, eindeutig und unmißverständlich Stellung zu beziehen. Ein Staatssekretär, ein Minister, ein Generalsekretär der „Vaterländischen Front“, ein Präsident des „Katholischen Schriftstellerverbandes“, ein Bundeskulturrat, also Guido Zernatto, hat 1938 in seiner „Wahrheit“ vom „Faschismus“ seines Regimes geschrieben, als „Mittelding“ …

Guido Zernatto, Präsident des Katholischen Schriftstellerverbandes, Bundeskulturrat, und in den Jahren 1934-1938 Staatssekretär, dann kurzzeitig auch Minister, gab im März 1935 die Haltung des Ständestaates zu Fragen der Kultur deutlich wieder: „wenn es gelingt, auf kulturellem Gebiet die Konsequenzen aus den Grundgedanken des neuen Staates zu ziehen, wird alleiniger Kulturträger sein: der christlich-deutsche Ständestaat“ 134. Dieser, so Zernatto, werde „in viel größerem Maße als bisher die Herstellung und
Verbreitung bestimmter Bücher [zu] fördern, das Verbot bestimmter Bücher und Zeitschriften durch[zu]führen“ 135 Die Ablehnung des Gedankengutes anderer politischer Ausrichtung war damit klar, die Kulturlinie in allen Bereichen vorgegeben.
Diplomarbeit. Ideologie und Praxis der Übersetzungen in das Deutsche in Österreich
und Deutschland in den Jahren 1933-1945 im Kontext des zeitgenössischen Literaturbetriebs
Verfasser Dr. Manfred Götz. 2012.

Einerlei, welche Bezeichnung für dieses sein Regime zutreffen mag oder nicht zutreffen mag, es stellt sich viel mehr entschieden die Frage, wie ist die in der Gegenwart gültige Verfassung Österreichs zu bezeichnen, was für ein „Mittelding“ ist diese, ein „Mittelding zwischen parlamentarischer Demokratie und …

Was für ein „Mittelding zwischen parlamentarischer Demokratie und …“ wird es in Österreich werden,
wenn, wie nun öfters zu hören und zu lesen ist, als wäre es unabwendbar, ein kleiner Gebirsjäger habe vor,
eine „illiberale Demokratie“ zu errichten,
dieses Mittelding zwischen … und …
Eines ist gewiß, es wird ein Mann das Vorbild sein,
denn der kleinen Gebirgsjäger Idole ihrer erträumten Systeme sind stets Männer und keine Frauen …
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