Am 20. August 2024 wieder einmal im falschesten Moment oder zum rechtesten Zeitpunkt den Fernsehapparat eingeschaltet, um folgende Geschichtsvorstellung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs zu hören, in der Sendung „Erbe Österreich“ mit Karl Hohenlohe, der diesmal zum idyllischen Besuch bei der Familie Piatti, in ihrem Schloß, in dem die Mutter der Astrologie zugetan, die Tochter Menschen mit ihrem „Heilssingen“ beglückt:
Berichtsstimme aus dem Off: Als sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die russischen Soldaten durch das von der deutschen Armee verwüstete Osteuropa Loosdorf näherten, um auch Österreich vom Nationalsozialismus zu befreien, versuchte der Großvater des heutigen Besitzers, Ferdinand Piatti, die Sammlung zu verstecken, wie sich sein Sohn in einer Willkommen-Österreich-Sendung 1996 erinnert:
Manfred Piatti: Man kann sich vorstellen, daß hier im Frontgebiet einiges passiert ist. Die Rote Armee hat hier sofort die Wehrmacht vertrieben und ein Divisionsstab hat sich hier eingenistet. Mein Vater hat, bevor er weg ist, durch belgische Kriegsgefangene im Keller das Porzellan in Kisten verpacken lassen, diese Kisten vergraben lassen. Die Russen haben das nach einiger Zeit gefunden und aus Wut und Zorn, daß der Besitzer nicht zu finden war, haben sie die Porzellansammlung, das was man hier sieht, ist der Rest davon, eben zu Scherben zertrümmert.
Karl Hohenlohe: Wer hat das dann ins Leben gerufen?
Verena Piatti: Das war der Großvater von Alfons, Ferdinand Piatti. Er hat nach dem Krieg das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses Museum eingerichtet.
Karl Hohenlohe: Das ist er?
Alfons Piatti: Das ist er zum Beispiel ja. Auf dem Bild sieht man, er hat ja auch schon mit Afrika zu tun gehabt.
Karl Hohenlohe: Wer ist das?
Alfons Piatti: Das war irgendein Häuptling oder König, den er empfangen hat, weil mein Großvater war sehr politisch tätig, gesellschaftlich tätig […]
Karl Hohenlohe: Warum hat dein Großvater mitten im Weinviertel plötzlich, er macht ein Museum? Das ist ja ein Entschluß, du mußt quasi dein privates Haus aufmachen, du mußt Leute herlocken. Wieso, war das auch eine finanzielle Überlegung, warum hat er das gemacht?
Alfons Piatti: Eine finanzielle Überlegung war es ganz sicher nicht, ist es auch bis heute gar nicht wirklich. Aber er hat es gemacht, er war Soldat, also Offizier im Ersten Weltkrieg und im Zweiten Weltkrieg. Und wie er zurückgekommen ist, nach dem oder während des Zweiten Weltriegs, war Loosdorf verwüstet, zerstört, kaputt, er hat ein Zimmer so belassen, wie er es vorgefunden hat, da wurde nichts restauriert, alles was kaputt war, Boden, Decke, und alles so gelassen. Und das war so die Grundidee, das zu transportieren, an Leute, die das sehen wollen, wie hat das ausgeschaut damals, damit das nicht vergessen wird.
Karl Hohenlohe: Das heißt, das ist wie ein bissel eingefrorene Zeit.
Alfons Piatti: Ja. Das hast du schön gesagt, genau. Eingefrorene Zeit. So kann man das sagen.
„Belgische Kriegsgefangene“ haben also für den „sehr politisch“ und „gesellschaftlich“ tätigen Großvater sein Familienporzellan verpackt und vergraben. „Damit das nicht vergessen wird“, wie das Enkelkind des Offiziers in zwei Weltkriegen sagt, also die Verwüstung, Zerstörung, die Familienporzellanscherben, Wut und Zorn von den Eingenisteten … „Damit das nicht vergessen wird.“ Das „Scherbenzimmer“ der …
Auf der Website der Piatti ist am 22. August 2024 hierzu zu lesen:
Die Familie musste im 2. Weltkrieg vor den Russen fliehen. Vorher wurde das wertvolle Porzellan im Keller von Schloss Loosdorf als Versteck eingemauert. Das Versteck wurde an die russischen Besatzer verraten und daraufhin mit unvorstellbarer Zerstörungswut in tausende Scherben zerschlagen. Alle Scherben wurden nach Rückkehr der Familie eingesammelt und in dem sog. „Scherbenzimmer” im Museum aufgelegt.
Wie recht doch das Enkelkind des Ferdinand Piatti hat, damit das nicht vergessen wird, etwa das, auf das auf der Website vergessen wird, daß „belgische Kriegsgefangene“ …

Damit auch das nicht vergessen wird, von dem in dieser hohenloheischen Idylle nicht erzählt wird, soll es hier erzählt sein, mit Zitaten aus „Österreichs Adel: Heimwehren, Widerstand gegen das NS-Regime Rudolf Graf Hoyos, Ferdinand Graf Piatti, Georg Graf Thurn-Valsassina“ von Manfred Stadler:

Ferdinand Piatti schrieb einen Brief an seinen Freund, den Staatssekretär der „Vaterländischen Front“, Guido Zernatto, in welchem er vorschlug, die Idee des Heimatschutzes wieder entstehen zu lassen: „In den Wehrformationen lag echte Begeisterung, ein wesentlicher Teil der Jugend von 17-30 Jahren stand in ihnen und schließlich habe der Hasch. (Anm.: Heimatschutz) alle politischen Schattierungen angezogen. Ich halte die heutige Form der V.F. (Anm.: „Vaterländische Front“) mit ihren 3,000.000 Mitgliedern für die Durchführung absolut ungeeignet, es sei denn es würde sich aus dieser unförmigen, unbeweglichen & unzuverlässigen Masse, ein Kern von verhältnismässig wenigen Männern herausschälen lassen, welche die Eigenschaften der alten Wehrformation aufweisen. Nicht das ich für das Wort Wehrformation eintrete (die Zeit ist für Waffen ausserhalb des Militärs auf jedenfall ungeeignet) nur auf den Geist, die Idee, den Elan lege ich Wert. War es nicht ganz etwas einzigartiges um diese prachtvolle Gesinnung dieser Männer? Alles hätten diese Leute hergegeben für die Idee & diese Menschen sind zum überwiegenden Teil noch immer zu haben, die Verbindung hat man ja noch immer mit ihnen … Es ist jammerschade, dass diese Bewegung nicht in vollster Blüte ist. Ich glaube, dass wenn sich dieser Geist voll erhalten hätte, würde der Naz. Sozialismus nicht annähernd diese Rolle spielen, diesen Anhang haben. So wie in Italien der Faschio, in Deutschland der Naz. Soz., wäre hier der Heimatschutz & es würden die meisten keine Veranlassung haben einer neuen Form des „Neuen“ nachzulaufen, respektive der Nachbar (Anm.: Italien, Deutschland) sich nicht verpflichtet fühlen uns eine für unser Land niemals passende Art der autoritären Führung aufoktruieren zu sollen. Gibt es die Möglichkeit noch einmal von Frischen diese 3 notwendigen Voraussetzungen zu schaffen?
Ob das Wort Heimatschutz das Richtige ist, weiss ich nicht, vorallem dürfte aber das Wort Faschismus nicht hervor gehoben werden, da letzterer Begriff der Arbeiterschaft durch Jahre als ihr grösster Feind (zwar sehr zu Unrecht) & als Inbegriff der Unterdrückung aufgezeigt wurde.


Wie heutig schlägt Ferdinand Piatti „Heimatschutz“ und nicht „Faschismus“ vor, will dem „Faschismus“ die Maske „Heimatschutz“ überziehen, „Heimatschutz“, für das weiter und wieder ein Wort des „Richtigen“ gesucht wird, und manche scheinen es wieder gefunden zu haben: „sichere Heimat“ etwa … Heimatsicherheit ist dem Großvater nicht eingefallen, oder Heimatsicherung, vielleicht, weil Sicherungen durchbrennen können und zu viele doch, die Befürchtung, wissen, was dann passiert, wenn Sicherungen durchgebrannt sind — Dunkelheit, Finsternis …
Rudolf Hoyos, Ferdinand Piatti und Georg Thurn-Valsassina waren miteinander durch viele Netzwerke, die eng geknüpft waren, verbunden: Verwandtschaft, Freunde, Heimwehren, „Vereinigung katholischer Edelleute in Österreich“, „Vaterländische Front“ und „Österreichische Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“. Hoyos und Piatti waren Mitglieder im Malteser-Ritter-Orden. Rudolf Hoyos hatte noch Mitgliedschaften im „Jockey-Club für Österreich“, in der „Viribus unitis“, im „Reit- und Polo-Klub“ und in der „Leo-Gesellschaft“. Ende der 1920er Jahre waren die drei Grafen als Kommandanten in den Heimwehren, Hoyos und Piatti in Niederösterreich, Thurn-Valsassinain Kärnten, zu finden und schließlich an den Februarkämpfen und an der Niederschlagung des NS-Putsches 1934 beteiligt. Nach dem Ersten Weltkrieg waren sie christlichsozial, ab ihrem Eintritt in die Heimwehren faschistisch orientiert. In der „Österreichischen Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“ fanden Rudolf Hoyos und Ferdinand Piatti ein reiches Betätigungsfeld. In dieser Gesellschaft bekleideten sie mehrere Funktionen und veröffentlichten in den„Mitteilungen der Land- und Forstwirtschaftsgesellschaft in Wien“zahlreiche Artikel. Politische Aufgabengebiete bekamen Hoyos, Piatti und Thurn-Valsassinac innerhalb der „Vaterländischen Front“: Rudolf Hoyos hatte hier die höchsten Funktionen als Vorsitzender des Staatsrates und Präsident des Bundestages inne. Ferdinand Piatti war Bundeswirtschaftsrat in der Sektion Land-und Forstwirtschaft, Mitglied des Bundestages, des Budget-und Finanzausschusses und des Sozialpolitischen Ausschusses. Georg Thurn-Valsassina war Staatsrat, im Außenpolitischen Ausschuss und Bundesjugendführer von „Jung-Vaterland“. In dieser Funktion veröffentlichte er auch zahlreiche Artikel in den Organen der Arbeitsgemeinschaften der österreichischen Jugendverbände. Rudolf Hoyos war Legitimist. Piatti und Thurn-Valsassina standen den legitimistischen Organisationen nahe. Beim „Anschluss“ sprachen sich Hoyos und Piatti für die Vereinigung mit dem Deutschen Reich aus. Rudolf Hoyos und Georg Thurn-Valsassina wurden mehrmals von der Gestapo verhaftet. Ferdinand Piatti wurde nicht verhaftet, da er politisch im „Ständestaat“ nicht so exponiert gewesen war. Piatti nahm als Offizier der Deutschen Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil (bis Sommer 1943). Auch Rudolf Hoyos wurde zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und war für die Assentierung von Pferden zuständig (bis Juli 1944). Hoyos und Piatti hatten im Krieg den Tod ihrer Söhne zu beklagen (Hoyoseinen, Piatti zwei Söhne). Im adeligen Widerstandsnetzwerk fanden sich Ferdinand Piatti und seine Frau Anna („Widerstandsgruppe Helfenberg“ von Peter Revertera).
Stellvertretend für den österreichischen Adel gaben die Grafen Rudolf Abensperg und Traun, Rudolf Hoyos, Max Coreth, Ferdinand Piatti und Peter Revertera folgende Erklärung ab: „Bewegten Herzens sind wir alle Zeugen grössten geschichtlichen Geschehens gewesen. Freudig begrüssen wir die glückliche Beendigung des unseligen Bruderstreites und das durch des Führers Tat geschaffene grosse einige deutsche Vaterland. Seit unvordenklichen Zeiten war der deutsche Adel Österreichs gewohnt, seine Pflicht gegenüber Volk und Vaterland restlos zu erfüllen. Er stand in vorderster Front, hat auf fast allen Schlachtfeldern geblutet … in allen Zweigen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft seinen Mann gestellt. Eingedenk dieser grossen, heiligen Tradition erklären wir es als unsere selbstverständliche Pflicht, als deutsche Edelmänner … zu Volk und Reich zu stehen und damit seinem grossen Einiger und Führer Adolf Hitler volksverbunden und bodenverwurzelt die Treue zu halten. In diesem Sinn ergeht unsere Aufforderung an den gesamten österreichischen Adel, sich nicht nur am 10. April zu Volk, Reich und Führer zu bekennen, sondern auch … alle Kräfte in den Dienst des Aufbaues des erneuerten Deutsch-Österreich als Glied des nationalsozialistischen deutschen Reiches und seiner segensreichen Zukunftsgestaltung zu stellen.“ „Fünf Vertreter des Oesterreichischen Adels erschienen gestern bei Gauleiter Bürckelund brachten in einer Erklärung (Anm.: die eben zitierte) die Bereitwilligkeit zum Ausdruck, Seite an Seite mit Bürgern, Bauern und Arbeitern in neubesiegelter Volksgemeinschaft ihre Pflicht zu tun, in einer Stunde, die nach tausendjährigem Hader den heissen Wunsch aller Deutschen verwirklicht und erfüllt: Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ Unterschrift (unleserlich) Rudolf Graf Abensperg und Traun Max Graf Coreth Rudolf Graf Hoyos Ferdinand Graf Piatti Peter Graf Revertera
Am gleichen Tag (24. März 1938) wendete sich Rudolf Hoyos in einer Rede zu den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Hoyos`schen Gutsbetriebe:„Im Einvernehmen mit unserem Gutsherrn, meinem Vater, und über dessen Auftrag richte ich heute in ernster schicksalshafter Stunde die folgenden Worte an Euch: „Bewegten Herzens … (Anm.: siehe die ersten zwei Sätze der vorher zitierten „Erklärung“). Im Sinne des Führers und seiner Bewegung … gilt es nun nach alter Gewohnheit ganze Arbeit zu leisten … Wir haben einen schweren oft verkannten Kampf gegen demokratische Korruption, gegen Eigennutz, gegen antinationales marxistisches Denken, gegen Wirtschaftsverderbnis, gegen Zerreissung des Volksganzen in Klassen und Parteien geführt … Wir freuen uns, dass nun nach dem historischen Umbruche auch unsere ursprünglichen Kampfziele im jungen nationalsozialistischen Deutschösterreich glückliche Erfüllung finden sollen. Unter den neuen Fahnen wollen wir in wohlgeordneter sozialer Zusammenarbeit opfermutige treue Mitkämpfer und Mitarbeiter sein. Unser Bekenntnis zu Volk, Reich und Führer, unser ganzes starkes Wollen werden wir Schulter an Schulter am 10. April, am Tag der Abstimmung des deutschen Volkes durch ein klares und offenes Ja besiegeln. H e i l H i t le r ! ” Wien, am 24. März 1938 (Unterschrift) Rudolf Graf Hoyos
Angesichts der Weltwirtschaftskrise und den daraus resultierenden Problemen, wäre eine Zusammenarbeit der beiden Großparteien von größter Wichtigkeit gewesen. Mit den Arbeitslosen stiegen die Zahl der Unzufriedenen und das soziale Elend. Wirtschaft und Industrie drängten auf Lösungen. Die von der österreichischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen (Großbauprojekte und Stützung der Preise für landwirtschaftliche Produkte) zur Bewältigung der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit blieben wirkungslos, da man an der Hartwährungs-und Sparpolitik festhielt. Dass es durchaus auch anders gegangen wäre, haben Länder, wie Großbritannien, Schweden und die USA vorgezeigt. Mussolini hatte mit dem italienischen Faschismus einen politischen „Erfolgsweg“ (Vernichtung des politischen Gegners, Wirtschaftsaufschwung) eingeschlagen, der vielen Staaten Europas mit instabilen politischen Verhältnissen und wirtschaftlichen Problemen nachahmenswert schien, so auch Österreich. Der „Duce“ hatte, seine politischen und wirtschaftlichen Interessen verfolgend, zunehmend in der österreichischen Innenpolitik mitgemischt und Dollfuß gedrängt, sein Erfolgsmodell auch in Österreich zu installieren, damit die Demokratie zu beenden und die Sozialdemokratie zu zerschlagen. Die Auflösung des Parlaments und die Februarkämpfe hatten Dollfuß dabei in die Hände gespielt. Die Heimwehren waren, zusammen mit Einheiten des Bundesheeres und der Exekutive, an der Niederschlagung des Aufstandes beteiligt. Sie (die Heimwehren) und die in ihnen wirkenden Adeligen vertraten einen faschistischen Kurs („Korneuburger Eid“). Dieser wurde nun auch eingeschlagen.
An den adeligen Netzen wird, kann einfach wie kurz gesagt werden, weiter gesponnen, wie es auch die Lostorffer Sommergespräche 2024 nahelegen. Wenn auch die Zitate zu Ferdinand Piatti den Eindruck erwecken, es ginge um ihn und seine Familie,
es ginge um die Vergangenheit, es ginge um den Adel,
so nur höchstens in einer Hinsicht, daß es nicht vergessen wird, damit es nicht vergessen ist, womit die Forderung seines Enkelkindes erfüllt sein sollte.
Worum es aber tatsächlich geht, ist die Gegenwart, für die Männer der Wirtschaftswissenschaft stehen, die in diesem Buch von Manfred Stadler über den österreichischen Adel auch genannt werden, die damals einen großen und also katastrophalen Einfluß auf die kanzlerdiktatorische Regierung in Österreich hatten, und eine Anbeterin dieser ökonomischen Zugerichtetheit könnte bald schon — dazu aber, weil es wesentlich für Gegenwart und Zukunft, ist ein eigenes Kapitel vonnöten …





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