Wie beruhigend zu lesen, daß in Österreich nach wie vor die Sprache Herrscherin und die Liebe zu ihr ungebrochen, sie diktiert, was und wie zu sehen ist —
Es sei kein Regierungsbildungsauftrag, es sei kein Auftrag, Sondierungsgespräche zu führen, sondern bloß die Aufforderung zu Gesprächen …
Wie wird die Aufforderung von Alexander Van der Bellen, die blauen, türkisen und roten Parteispitzen sollen bis Ende kommender Woche verläßlich klären, welche Zusammenarbeit möglich wäre, ankommen, als eben als Regierungsbildungsauftrag, und wer wird als die Regierungsbildungsbeauftragten identifiziert werden als eben die Spitzen der blauen Partei, werden es doch diese sein, die die Gesprächstermine mit dem Einverständnis der schwarzen und roten Partei an die türkise und rote Partei verschicken werden, soher die Anerkennung der blauen Partei, daß dieser als stimmenstärkste Partei das Heft der Regierungsbildung so ganz nach österreichischer Traditionsart in die Hand …
Was für eine Sprachverliebtheit — kein Regierungsbildungsauftrag, keine Sondierungsgespräche —, die Sprachverliebtheit in Österreich zeigt sich besonders dann als die größte, wenn es gilt, Sprache schlawinisierend einzusetzen.
Was ist denn die Aufforderung, Gespräche zu führen, anderes als ein Auftrag zur Regierungsbildung, als ein Auftrag, zu sondieren? Die Gespräche der drei stimmenstärksten Parteien sollen doch den Zweck haben, zu einer Regierung in Österreich zu kommen. Sonst haben diese Gespräche keinen Nutzen. Und so sprachlich verbogen wird das Gewissen Alexander Van der Bellen danken, nicht die stimmenstärkste blaue Partei mit dem Regierungsbildungsauftrag — ob es selbst bei dem Gewissen so ankommen wird, wie Alexander Van der Bellen es ihm antragt?
Es sei, deshalb die Gesprächsaufforderung an FPÖ, ÖVP und SPÖ, eine Pattsituation, so Alexander Van der Bellen, ja, es ist eine Pattsituation, aber nur dann, wenn in dem Österreich gelebt wird, als es in Österreich nur drei Parteien gab, nämlich SPÖ, ÖVP und FPÖ. Und nur diese Parteien etwas zu sagen haben, nur diese Parteien zu reden haben, auch miteinander.
Es gibt jedoch inzwischen ein anderes Österreich, eines mit fünf Parlamentsparteien.
Was hat Alexander Van der Bellen davon abgehalten, bereits Klarheit zu schaffen, bereits jetzt einen klaren Regierungsbildungsauftrag zu erteilen? Nicht an die FPÖ, nicht an die ÖVP, nicht an die SPÖ. Er hätte bereits jetzt an eine Parlamentspartei den Auftrag zur Regierungsbildung sogar erteilen können, die in der Nationalratswahl am 29. September 2024 ebenfalls Stimmengewinne erzielen konnte, darüber hinaus einer Partei, die klar ihre Bereitschaft zum Regieren bekundet, bereit ist, Partei einer Koalition zu sein. Ausgestattet mit einem klaren Regierungsbildungsauftrag hätten sich zwei der drei Parteien, die für den Bundespräsidenten nur zu existieren scheinen, Koalitionsgespräche zur Regierungsbildung nicht verschließen können, um zu versuchen, eine aus drei Parteien bestehende Regierung zu bilden. Und darüber hinaus und zusätzlich auch die fünfte Parlamentspartei ebenfalls klar ihre Bereitschaft zum Regieren signalisiert, bereit ist, eine Koalitionspartei zu sein.
Es feiert wohl wieder einmal die Visionslosigkeit ihren Triumph, wie schon, einfach wie kurz gesagt, vor ein paar Jahren, als es nur einen Einfall gab, es könne nur und müsse eine Regierung nur aus zwei Parteien … Wenn schon das Schachspiel bemüht wird, und nicht nur von Herrn Van der Bellen, dann kann von einem Schachmatt gesprochen werden, matt gesetzt ist die Vision, wieder einmal.
Diesmal aber ist in Österreich ein Fortschritt festzustellen, es wird doch sehr breit über eine Regierungskoalition gesprochen, nicht nur bestehend aus ÖVP und SPÖ, nicht nur aus ÖVP und FPÖ, sondern auch aus ÖVP, SPÖ und Neos, sondern auch aus ÖVP, SPÖ und Grüne, nur für Alexander Van der Bellen besteht Österreicht, also seine Welt, weiter nur aus diesen drei Parteien, denen er, ach keinen Regierungsauftrag, denen er, ach keinen Sondierungsauftrag, denen er, ach bloß einen Gesprächsauftrag …
Oh, Sprache, dir Österreich stets Heimat, wenn du willfährig —
PS Es sei, schreibt Michael Völker in der Tageszeitung des österreichischen Medienstandards, am 10. Oktober 2024, ein geschickter Schachzug des Bundespräsidenten, der niemanden die Schuld gibt, sich selbst aber vorerst aus der Verantwortung nimmt. Geschickt mag es sein, aber es ist kein geschickter Schachzug, sondern ein Österreichzug, von einem Zug zum nächsten Zug, von einem Tag zum nächsten Tag sich zu hanteln, es gibt dafür, wenn es richtig in Erinnerung ist, eine kürzere Formulierung, mit nur einem Wort: Weiterwursteln.
Es sei eine pragmatische und vernünftige Lösung, so Michael Völker gegen Ende hin, eine, die auf eine Regierung ohne K. hinausläuft.
Allerdings, so der letzte Satz des Michael Völker, schwindelt sich die Republik damit um die Frage herum, warum K. als K. nicht tragbar ist.
Nicht zuletzt haben auch die Wählenden eine klare Antwort gegeben, indem über 71 Prozent nicht die blaue Partei wählten, die für sie keine tragbare Regierungspartei und sie auch nicht als Regierungspartei weder ertragen noch aushalten wollen.



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