Nun hat der zurzeitige Präsident des österreichischen Parlaments
den Kauf von Skulpturen für das Parlament rückabgewickelt. „Ich danke der Parlamentsdirektion für die äußerst sachlich und professionelll geführten Verhandlungen sowie dem Künstler für sein Einverständnis für die Rückabwicklung angesichts der erforderlichen Sparmaßnahmen im Budget“, erklärte Rosenkranz.
Sobotka hatte die Skulpturen im Namen des Parlaments geordert, ohne einen Kurator beizuziehen und ohne damit die Präsidiale zu befassen, was einiges an Kritik hervorrief.
Das höchst staatsmännische Vorgehen Sobotkas ruft in Erinnerung, wie vor siebzig Jahren Julius Raab mit seiner höchst künstlerischen Expertise „Fahrts ab mit dem Dreck!“ —
1955 erteilte ihm die Bundesregierung den Auftrag, die feierliche Unterzeichnung des Staatsvertrages im Oberen Belvedere in einem Gemälde festzuhalten. Die erste Fassung wurde abgelehnt, aber dennoch vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst angekauft (heute Artothek des Bundes). Anschließend, über einen Auftrag sowohl der Stadt Wien als auch des Niederösterreichischen Landesmuseums, schuf Pauser eine zweite und dritte Fassung seiner an Ort und Stelle entstandenen Ölskizze in Form von Pastellskizzen. Das für die zeitgenössischen Regierungsmitglieder viel zu impressionistisch gestaltete Werk wurde von Bundeskanzler Julius Raab mit den höchst unstaatsmännischen Worten „Fahrts ab mit dem Dreck!“ abgelehnt. Den Auftrag für das Staatsvertragsgemälde erhielt schließlich Raabs „Leibmaler“ Robert Fuchs.
Was für Kunstsinnige an der höchsten Staatsspitze in Österreich, und das seit Jahrzehnten. Die kunstsinnige Höchststaatsspitze bedarf keiner Gremien, keiner Kuratorien, sie weiß selbst alles über Kunst,
Raab: „Faahrts aa mit dem Dreck – des moit da Fuchs“
sie weiß allein, wie zu entscheiden ist, was anzuschaffen ist, wer zu beauftragen ist, Ausschreibungen wären doch bloße Beleidigungen ihres Kunstverstands.
Achtzig Jahre später kann die Skulpturengruppe nicht mehr dem Künstler zurückgegeben werden, da er tot ist, und er doch lebt, als Skulptur, die nun in 2025 mit einem Jahr Verspätung herausgeputzt werden wird. Seine erbberechtigte Verwandschaft würde die Skulpturengruppe nicht zurücknehmen, dafür fehlen nicht nur die Rückabwickelnden, sondern sie wohl auch zu stolz darauf, daß ihrem Erblasser inmitten von Wien ein selbstgeschaffenes Denkmal huldigt, nicht nur ihr Erbe, sondern Erbe für Österreich, daß dieses auch antritt.
Es ist nicht so, daß in Österreich ständig auf Ausschreibungen verzichtet wird, es ist nicht so, daß in Österreich ständig auf Gremien, auf Kuratorien verzichtet wird,
so gab es etwa für das Herausputzen des Künstlers inmitten von Wien eine Ausschreibung. Schlagend dabei wohl auch wieder einmal das Motto:
Der Zeit ihre Ausschreibung, der Ausschreibung ihre Freiheit
dafür gibt es ja die Jurymitglieder, die einspringen: Jeder Zeit ihre Ausschreibung —
Der zurzeitige Präsident des österreichischen Parlaments hat den Kauf des Wappenschilds nicht rückabgewickelt. Gerade „angesichts der erforderlichen Sparmaßnahmen im Budget“ wäre das ein weiterer wesentlicher Betrag für das militärische Budget …
Aber der zurzeitige Präsident, ein Mann der österreichischen Tradition, weiß um seine Pflicht, weiß, wo er zu stehen hat, vor dem Wappenschild, so wie vor ihm beispielsweise 2017 ein zweiter Nationalratspräsident stand, oder saß, wie 2011 ein zweiter Nationalratspräsident …
Und einer, der nun auf dem Land zur höchsten Bundeslandspitze erhoben ward, wird, ohne den Kunstverstand und ohne den Kultursinn etwa eines Raab, alle Entscheidungen, jede Auswahl in bezug auf Kunst und Kultur seinem Kuratorium überlassen,
und es wird recht sein, sitzen doch in diesem Kuratorium Männer wie Koiner, wie Gabalier, die wissen, wofür und für wen aufsteh’n —
Jetzt wird doch ein weiteres Kapitel noch zu schreiben sein, mit Pauser und Fuchs …



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