„Teuer erkaufte Pensionen“

Irmgard Griss hat zu vielem eine Meinung, die lieb und teuer ist. Auch zu Pensionen. Anfang Juli 2026. In der „Kleinen Zeitung“.

Irmgard Griss legt im Juni 2026, worauf später noch zu sprechen kommen wird, in ebendieser Zeitung ein Bekenntnis als Forderung ab, durch „sachliche Information und ehrliche Diskussion Überzeugungsarbeit leisten“ … Wie sehr sie dies selbst beherzigt, erzählt auch dieser ihr Gastbeitrag „Teuer erkaufte Pensionen“ nicht einmal einen Monat später ebenfalls in dieser Zeitung.

Vorauszuschicken ist, daß es hier nicht um die Frage der Pensionen geht, denn es ist eine zu komplexe Materie, zu viel ist dabei zu berücksichtigen, zu viel zu bedenken, zu viel dabei einzubeziehen, daß es eine Anmaßung wäre, einem bestimmten Pensionsmodell das Wort zu reden, wie es eben Irmgard Griss auch tut, wenn sie schreibt:

Am wirksamsten ist, das sagen Fachleute, eine Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters. Doch das scheut die Politik wie der Teufel das Weihwasser.

Es geht hier ausschließlich um das, was sich Irmgard Griss herauspickt. So hebt sie an mit:

Haben wir das beste Pensionssystem? Politiker behaupten das. Und es stimmt ja auch, dass die Pensionen bei uns hoch sind. Die Nettoersatzrate, das Verhältnis zwischen Pensionen und Nettoarbeitseinkommen, liegt zwischen 80 und 90 Prozent. In Deutschland sind es etwas über 50 Prozent. Im OECD-Schnitt um die 63 Prozent. Doch die hohen Pensionen in Österreich sind teuer erkauft. Die Beiträge sind hoch, und der Zuschuss aus dem Budget steigt von Jahr zu Jahr. Dazu kommt die Alterung der Bevölkerung. Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer Pensionistinnen und Pensionisten aufkommen. Es ist daher offen, wie lange wir uns dieses System leisten können. Die Leidtragenden sind die jungen Leute. Sie finanzieren mit ihren Pensionsbeiträgen die heutigen Pensionen. Ob sie auch sie damit rechnen können, im Alter ähnlich gut finanziell versorgt zu sein, ist alles andere als sicher.

Ach, „die Pensionen bei uns hoch sind“, ja, wie wahr, dermaßen hoch, die durchschnittliche Alterspension für eine Frau betrug in Österreich gemäß PVA 1.705,26 Euro und für einen Mann 2.434,77 Euro. Was tatsächlich „hoch“ zu nennen ist, zum Beispiel die Pension von Irmgard Griss, nein, auch die ist nicht hoch, sondern eine normale Beamtenpension:

Irmgard Griss hat zuletzt selbst erklärt, sie beziehe eine „normale“ Beamtenpension von monatlich 9000 Euro als frühere Höchstgerichtspräsidentin.

Für Griss ist die Pension nicht zum ersten Mal Anlass für Ärger. In einem Brief im Dezember 2014 beklagte sie sich bei der Versicherungsanstalt öffentlicher Versicherter (BVA). Sie war bei der Pensionserhöhung 2015 in einem Schimmelbrief darüber informiert worden. Ihre Pension fiel aber niedriger aus. Des Rätsels Lösung: Sie fällt unter das verschärfte Sonderpensionsgesetz, mit dem hohe Pensionen begrenzt werden. So büßte sie mehr als 200 Euro ein.

Die Presse. 7. April 2016.

Irmgard Griss zieht die „Nettoersatzrate“ heran, aber nicht die „Bruttoersatzrate“. Denn nach der „Bruttoersatzrate“ sieht es auch in Österreich anders aus, da diese aufgrund geringere Abgabenleistungen deutlich geringer als die Nettoersatzrate ausfällt. Als Beispiel für die Nettoersatzrate pickt Irmgard Griss sich Deutschland mit etwas über 50 Prozent“ heraus, aber nicht zum Beispiel die Niederlande mit 96 Prozent …

Unausweichlich, daß Irmgard Griss auch die „Alterung“ ins Treffen führt. Ach, immer „weniger Erwerbstätige müssen …“ Tatsächlich, 2026 sind es mit rund 4,5 Millionen Erwerbstätige so viele weniger als zum Beispiel 1976 mit etwa knapp 3 Millionen Erwerbstätige, 1976 rund 1,5 Millionen Pensionisten und 2026 rund 2,5 Millionen Pensionistinnen inklusive der Beamten im Ruhegenuß, und 2026 erhielten rund 71 Prozent von ihnen die volle Inflationsabgeltung, da ihr Pensionseinkommen bis 2.500 Euro brutto hoch …

Ja, was Irmgard Griss schreibt, läßt an „Wer zahlt morgen die Renten“ denken, an einen Artikel, den die „Österreichische Neue Tageszeitung“ am 29. März 1959 veröffentlichte, also vor 67 Jahren —

Das muß tiefe Spuren hinterlassen, von jung an ständig zu hören und zu lesen, die Pensionen seien nicht sicher, ständig in dieser Sorge zu leben, im Alter finanziell nicht gut versorgt zu sein, dabei erzählt die gute finanzielle Versorgung der Irmgard Griss im Alter selbst das Gegenteil von dem, was seit Jahrzehnten über Pensionen in Österreich propagandiert wird.

Ja, was Irmgard Griss schreibt, läßt sogleich an die „Agenda Austria“ denken, von der bereits vieles, was Irmgard Griss schreibt, propagandiert, und diese seriöse Anstalt wird vielleicht stolz darauf sein, in Irmgard Griss eine geistesverwandte Nachschreiberin sehen zu dürfen …

Irmgard Griss meint, dass in erster Linie die Jungen die Leidtragendes des aktuellen Systems in Österreich seien.

Das ist eine beliebte Plattitüde. Denn die konkrete Ausführung, worin denn das Leidtragende bestünde, fehlt. Konkret hingegen, als Beispiel, betrifft junge Menschen, in diesem Fall junge Männer, die „Wehrdienstverlängerung“, für die Irmgard Griss „Überzeugungsarbeit“ fordert durch „sachliche Information und ehrliche Diskussion. Obwohl es die Jungen konkret betrifft, durften die Jungen in der Kommission zur Wehrdienstverlängerung diskutieren, aber ohne Stimmrecht.

Wie viele Milliarden werden Jahr für Jahr für das Bundesheer ohne Hinterfragung der Finanzierbarkeit ausgegeben, und

es sollen noch mehr Milliarden werden, für ein System, an dessen Verteidigungsfähigkeit berechtigt stark gezweifelt wird,

ein militärisches System, das endlich umfassend auf ihre Gesinnungszugerichtetheit zu durchleuchten ist.

Wie selbstverständlich ist die Geldverschwendung für das Militär, die durch Kriege noch zu unvorstellbaren Vernichtungen gesteigert wird, konkret betroffen davon stets physisch und wirtschaftlich jedwede Generation, und ein jeder beendeter Krieg für zukünftige Generationen belastend bleibend …

Für „sachliche Information und ehrliche Diskussion“ in bezug auf Pensionen können gar viele Quellen heranzogen werden, zu der die „Aussensicht“ von Irmgard Griss nicht gezählt werden kann, aber u. v. a. m. zum Beispiel diese:

Faktencheck (un)sichere Pensio­nen: Mythos und Wahrheit

OECD Data Explorer Pensions at a glance

Pensionsversicherung Österreich – Daten, Fakten, Zahlen

Diese Länder haben das beste Rentensystem weltweit