Die Helfer der Organisierten Glauben – Teil 1

Die Helfer der Organisierten Glauben I

Berichte als Beispiele allein aus der Woche 8. bis 12. April 2013: Rußland, Israel …

Ab 15. April 2013 gibt es in Österreich die Möglichkeit, ein Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien zu unterschreiben, und, es ist wohl nicht unrichtig mit Blick auf die mediale Berichterstattung und Kommentare wenige Tage davor von dem Eindruck schreiben zu können, es werden die Reihen geschlossen, die Helfer der Organisierten Glauben abkommandiert und kommandieren sich selbst ab, für die Organisierten Glauben in die Tasten zu hauen, den Organisierten Glauben beizustehen, als wären Organisierte Glauben Bedrängte, der Schutzlosigkeit und der Willkür machtlos und ohnmächtig Ausgelieferte …

Jedoch die Helfer der Organisierten Glauben (da dies aber vorwiegend Männer sind, kann oder muß sogar darauf verzichtet werden, von Helferinnen zu schreiben) können ihren ihnen gegebenen und selbst befohlenen Auftrag zum Beistand der Organisierten Glauben nur erfüllen, indem sie in die Theorie ausweichen, von der rechtlich abgestützten Praxis aber schweigen, wobei ihnen allerdings auch die Theorie zum Irrtum gerinnt, sie können dabei darauf vertrauen, das werde ihnen nachgesehen werden, weil es eben um das sogenannte Höchste geht, um Transzendenz, um Spiritualität, deren Samen und Eizelle – ohne daß dies den Menschen in seiner paradoxalen Verfaßtheit stören würde – der Irrtum ist …

Jedoch die Helfer der Organisierten Glauben können ihre Mission des Beistandes der Organisierten Glauben vollends nur dann erfüllen, wenn sie nicht nur in die Theorie flüchten, sondern zusätzlich – eigentlich die Hauptvoraussetzung dafür – die rechtlich abgestützte Praxis der Organiserten Glauben in der Welt ausblenden …

Um aber nicht im allgemeinen zu verbleiben, sollen exemplarisch zwei Veröffentlichungen konkret angesprochen werden: einmal jene von Josef Christian Aigner vom 1. April 2013, einmal jene von Rudolf Langthaler vom 10. April 2013 …

Bereits mit seiner Überschrift „Wissenschaft statt oder als Religion?“ will Josef Christian Aigner nicht dazu beitragen, die Fronten aufzulösen, die Krieger arbeitslos zu machen, sondern ganz im Gegenteil, er will die blutige Fahne mit  der uralten Parole „Glaube oder Unglaube“ wieder kräftig wehen lassen, er will sie voran tragen, ohne dabei erkennen zu wollen, daß seine Fragestellung die falscheste ist, die es nur geben kann, ohne dabei sehen zu wollen, daß es in der Menschheitsgeschichte eine Entwicklung gab, die diese Gegenstellung längst schon obsolet machte …

Aber gegen wen trägt Josef Christian Aigner diese Fahne bereitwillig tatsächlich voran ins Feld? Es sind die Organisierten Glauben selbst. Denn alles, was er vermeint gegen die „Wissenschaft“ vorzubringen, bringt Josef Christian Aigner tatsächlich gegen die Organisierten Glauben vor … Im Vergleich von Wissenschaft und Religion in bezug auf Praxis, auf gesellschaftliche Gegegenheiten und rechtliche Bedingungen zeigt es sich, wie sehr die Kritik von Josef Christian Aigner in Wirklichkeit nicht eine an der Wissenschaft ist, sondern eine an den Organisierten Glauben selbst, für die er meint das helfende Wort …

… Die Meinung einer einzelnen Naturwissenschafterin dient Josef Christian Aigner für seine Kritik an der gesamten Wissenschaft, geradeso, als ob eine einzelne Naturwissenschafterin  die gesamte Wissenschaft zu vertreten befugt wäre, als ob eine einzelne Naturwissenschafterin Stimme wäre für die gesamte Wissenschaft, als wäre ihre Haltung zur Religion die Haltung der gesamten Wissenschaft zur Religion. Damit aber beschreibt Josef Christian Aigner tatsächlich nur die gängige Praxis von Angestellten der Organisierten Glauben.

… Es mag sein, daß diese eine Naturwissenschafterin, wie es ihr Josef Christian Aigner vorhält, ihren eigenen fachlichen Wahrheits- und Wirklichkeitszugang absolut setzt und andere Haltungen und Zugänge, die nicht auf ihrer Logik basieren einfach als Unsinn diffamiert. Das aber kann menschemäß erstens jedem Menschen unabhängig von seinem Beruf im Grunde vorgehalten werden, zweitens ist diese ihr unterstellte Absolutsetzung eine individuelle und nicht im Namen der gesamten Wissenschaft. Damit beschriebt Josef Christian Aigner aber tatsächlich nur die gängige Praxis von Angestellten der Organisierten Glauben.

… „Gebildeterweise“ möchte Josef Christian Aigner „eher mit Schaudern darüber nachdenken, wie oft auch die exakten Wissenschaften sich schon geirrt haben und was alles mit ihnen angerichtet werden kann, wenn sie sich als oberste Urteilsinstanz über Wert- und Normensysteme gerieren, die niemals verifizierbar oder messbar sein können.“ Damit beschreibt Josef Christian Aigner aber tatsächlich die Organisierten Glauben. Allerdings muß hier zur Verdeutlichung die aignerische Aussage ein wenig korrigiert werden. Mit Schaudern kann nachgelesen werden, nicht was mit Organisierten Glauben angerichtet werden kann, sondern was Organisierte Glauben aktiv angerichtet haben und anrichten. Im Gegensatz zu Organisierten Glauben prüfen und erkennen Wissenschaften selbst, wann sie sich geirrt haben, und berichtigen ihre Irrtümer, beharren nicht darauf im Irrtum zu bleiben.

… Schmähungen der Religion wie die der Naturwissenchafterin findet Josef Christian Aigner indiskutabel. Damit formuliert er tatsächlich eine Aufforderung an die Organisierten Glauben, deren gängige Praxis es nicht ist, apersonal und theoretisch zu schmähen, sondern praktisch ganz direkt und konkret Menschen, die nicht nach ihren Vorstellungen bereit sind das Leben zu führen, nicht dazu bereit sind, von ihnen sich ihr Leben führen zu lassen.

… Kaum eine Schrift von Freud ist für Josef Christian Aigner so von Brüchen und Widersprüchen getragen wie jene zur Religionskritik. Eine exakte Bescheibung – allerdings von allen Schriften der Organisierten Glauben.

… „Von exklusiven Wahrheitsansprüchen aber, die zudem von vielen Menschen als herabwürdigend empfunden werden, sollten Wissenschafter/-innen besser Abstand nehmen“, schreibt Josef Christian Aigner abschließend. Eine weitere Aufforderung an die Organisierten Glauben, eine weitere Beschreibung der gängigen Praxis der Organisierten Glauben.

Um den ersten Teil zusammenfassend abzuschließen:

… Während es für Wissenschaften gesetzliche Auflagen gibt, an die sie sich zu halten haben, die ihnen Beschränkungen auferlegen, gibt es zum Vorteil von Organisierten Glauben Sondergesetze, denen alle in einem Staat Lebenden unterworfen sind. Als ein Beispiel dafür können die Versanstaltungsgesetze genannt werden.

… Während Förderungen für wissenschaftliche Publikationen gestrichen werden, werden gleichzeitig Organisierte Glauben qua Steuerabsetzbarkeit massiv gefördert.

… Während von Wissenschaften keine Forderungen nach Gesetzen bekannt sind, etwa Kritik an ihnen unter Strafe zu stellen, oder das Leben gehorsam nach den „Werten, Normen“, die von Wissenschaften absolut als wahr und unumstößlich gesetzt werden, fordern Organisierte Glauben permanent ebensolche Gesetze ein.

… Während Wissenschaften weder mit einem demokratischen noch mit einem undemokratischen Staat einen Vertrag abgeschlossen haben, der den Staat verpflichtet, in seinen Schulen ihre Logos aufzuhängen, hat beispielsweise die demokratische Republik Österreich eben eine solche Vereinbarung mit dem absolutistisch regierten Kleinststaat in einem Grätzel von Rom.

Um einen Vorgriff auf den zweiten Teil zu machen, in dem es um die Verfügbarkeit von Zitaten anhand des Artikels von Rudolf Langthaler gehen wird, will schon einmal gefragt werden, welcher Wissenschafter oder welche Wissenschafterin verlangt, was ein „moderner Agitator“ verlangt, wie jener in „Gottes Eifer“ zitierte:

Der Gläubige soll schlaflos sein, solange er in einem nicht-islamischen politischen System lebt, sein Leben findet nur Sinn, wenn es der Abschaffung der fremden Vormacht geweiht ist. Wer in diesem Kampf fällt, hat seinen Platz im Paradies sicher; Ungläubie hingegen, die im ungerechten Streit mit Muslimen ums Leben kommen, fahren ohne Zwischenhalt in die Hölle.

Peter Sloterdijk zitiert dies nicht aus einer Schrift, die vor Jahrhunderten geschrieben wurde, sondern aus einem in Karlsruhe veröffentlichten Buch aus 1995: „Als Muslim leben“.

2 Gedanken zu „Die Helfer der Organisierten Glauben – Teil 1

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