Tom Neuwirth: „Ich mime eine Frau.“ – Nicht die Tussi an die Wand malen

„Wir sind unaufhaltbar.“ Sagt Conchita Wurst. Nach dem Sieg. Redet ergreifend schön von Toleranz … Wie die Frauen in einer Hollywoodkomödie nach dem Sieg einer Miss-Wahl vom Wunsch nach Weltfrieden … Da kann nur gefleht werden: Nicht die Tussi an die Wand malen!

Nicht die Tussi an die Wand malen … Eben erst sind die Frauen, die sich benehmen und sich geben wie Conchita Wurst, nicht mehr die straßenbilddominierenden Frauen, eben erst hat sich die Gesellschaft mühsamst ein wenig daran gewöhnt, daß Frauen sich nicht so geben und benehmen müssen, wie Conchita Wurst sich gibt und benimmt, mit all diesen Tussigesten – mit dem vielen Weinen und Näschen hinter den Händchen beim Weinen und Händchen vor dem Mündchen beim Lachen und so weiter und so fort, eben halt mit all diesen Tussigesten, die für so eine quälend lange Zeit der Frau diktiertes Auftreten war …

Andre Heller - Rise like a phoenixUnd nun tritt ein Mann auf und sagt: „Ich mime eine Frau.“

Er mimt also erfolgreich eine Frau, mit all diesen grauenvollen Tussigesten … Nicht die Tussi an die Wand malen … Erfolg steckt an, nicht mit Erfolg, sondern zum Nachahmen. Der Erfolg eines Menschen reizt zum Nachahmen, aber der Erfolg eines Menschen generiert in der Nachahmung durch einen anderen Menschen für den nachahmenden Menschen keinen Erfolg. Es ist zu hoffen, daß Frauen sich nicht anstecken lassen, sich so zu benehmen und sich so zu geben, als Frau sich so zu geben, wie ein Mann die Frau gibt, der nun damit großen Erfolg hat … Es könnte verlockend sein, Tussigesten eines Mannes nachzuahmen, dem Trug zu erliegen, das könnte für eine Frau auch ein Erfolgsrezept sein … Und was wird von Menschen nicht alles nachgeahmt …

Denn eben erst mit Erleichterung aufgenommen, daß die Tussigesten etwa aus dem Straßenbild und vom Fernsehschirm weitgehend verschwunden sind, mit Erleichterung aufgenommen, daß Frauen gesellschaftlich nicht mehr die Tussigesten als einzige öffentliche Gesten zugestanden werden.

Und nun sagt ein Mann: „Ich mime eine Frau.“

Ein Mann mimt also eine Frau, mit seinen männlichen Vorstellungen, wie eine Frau ist,  also mit diesen Tussigesten mimt ein Mann eine Frau, mit diesen Tussigesten, von denen so gehofft wurde, diese nie mehr auf diese gesellschaftsdominierende Weise sehen zu müssen: „Wir sind unaufhaltbar.“ – Nicht wieder, nicht zurück … Die Tussigesten sind menschgemäß die äußeren und sichtbares Zeichen eines Gesellschaftsbildes und einer Gesellschaft, die … Es ist durchaus nicht abwegig sich vorzustellen, daß ein Michael Spindelegger, ein Harald Vilimsky, ein Andreas Mölzer oder ein Ewald Stadler oder ein Vladimir Putin still für sich bereits wünschten, die Frauen, an deren Seiten sie als Ehemänner, als Freunde oder Lebensgefährten sind, würden sich, falls sie es nicht ohnehin tun, wieder benehmen und sich wieder geben wie …

PS Was ist das überhaupt für ein Liedtext – „Rise like a phoenix“? Als wäre er von André Heller inspiriert … Eine sonderliche Poesie, eine hellerische Poesie, also ein Poesiegerede … Aber in den Mittelpunkt hellerischen Redens, eben mit Erleichterung aufgenommen, scheinen die Millionen gerückt zu sein, scheint er von der Poesie, oder was er ganz speziell unter Poesie versteht, also blumiges Reden, abgerückt zu sein, denn nun redet er, wie gestern in der sonntäglichen Fernsehsendung, mit Bewunderung von den aberhundertmillionen Zusehern und Zuseherinnen und eine österreichische Umsonst zitiert ihn mit „zwei Millionen auf das Konto von Conchita Wurst“ …

PPS Wie er wohl ausgehen würde, dieser Wettbewerb? Und gäbe es dann auch diese breite zustimmende und wohlwollende Aufnahme für einen Mann, würde dieser beispielsweise, um einmal tief in der Mottenkiste der Vorurteile zu wühlen,  eine sogenannte „Kampflesbe“ mit Latzhose und kahlgeschorenem Kopf oder eine mit Kopftuch mimen …

PPPS Und zu dieser Aussage von André Heller muß nichts hinzugefügt werden; nicht wenigen wird ein anderes Wort als „Vorfall“ zu diesem hellerischen Gedankengang einfallen …

„Und dass Israel ihr knapp vor der Mauthausen-Befreiungsfeier 12 Punkte überreicht, ist ein denkwürdiger Vorfall.“

Nicht die Tussi an die Wand malen und einen Heller schreiben …

2 Gedanken zu „Tom Neuwirth: „Ich mime eine Frau.“ – Nicht die Tussi an die Wand malen

  1. Pingback: Leopold-Kunschak-Preise 2014 – Die Grenzen des Michael Spindelegger | Prono Ever

  2. Pingback: Andre Heller hinter der Wand von der Wurst-Abteilung | Prono Ever

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