Einmal noch Friedrich August von Hayek,
und einmal noch Andreas Tögel,
einmal noch Hayek-Institut, das von
Andreas Tögel veröffentlichte „Wer sind hier die wahren Barbaren?“,
dem „Ortner Online“ die Quelle —
Weil auf deren Frage „Hayeks Bastarde“ die Antwort ist.

Aus „Hayeks Bastarde“ zu zitieren, ist unvermeidlich.
Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir, dass wichtige Gruppierungen der neu entstehenden Rechten in Wirklichkeit Abwandlungen des Neoliberalismus sind. Schliesslich haben die als «rechtspopulistisch» titulierten Parteien – von den USA bis zu Grossbritannien, Österreich und der Schweiz – nie als Racheengel agiert, um die Globalisierung zu zerschlagen. Sie machten keine Vorschläge, wie man die Finanzwirtschaft zügeln, ein goldenes Zeitalter der Arbeitsplatzsicherheit wiederherstellen oder den Welthandel beenden könnte. Im Grossen und Ganzen kommen die Rufe der sogenannten Populistinnen nach Privatisierung, Deregulierung und Steuersenkungen direkt aus dem gemeinsamen Handbuch der Weltenlenker aus den letzten dreissig Jahren.
Sowohl Neoliberale als auch die neue Rechte verachten Egalitarismus, globale ökonomische Gleichheit und Solidarität über nationale Grenzen hinaus. Beide halten den Kapitalismus für unvermeidlich und beurteilen Bürgerinnen nach den Massstäben der Produktivität und der Leistungsfähigkeit. Dabei ist vielleicht am auffallendsten, dass beide sich aus der gleichen Ruhmeshalle der Helden bedienen. Ein Paradebeispiel ist Hayek selbst, der sowohl bei Neoliberalen als auch bei Populisten eine Ikone ist.
Als der selbst ernannte Populist Steve Bannon 2018 neben Marine Le Pen beim Parteikongress des französischen Front National sprach, verteufelte er das «Establishment» und die «Globalisten», er baute seine Rede jedoch um Hayeks Metapher des Weges in die Knechtschaft auf und berief sich damit auf die Autorität des Meisters.
In der Woche zuvor hatte Bannon in Zürich ebenfalls auf Hayek Bezug genommen. Er war dort zu Gast bei Roger Köppel, Zeitungsverleger, Politiker der rechten Schweizerischen Volkspartei und Mitglied der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft. Köppel überreichte Bannon die Erstausgabe seiner Zeitung, der «Weltwoche», während er flüsterte, sie sei «von 1933» – einer Zeit, als ebendiese Zeitung die Machtergreifung der Nazis befürwortet hatte.
«Sollen sie euch doch Rassisten nennen», sagte Bannon bei einer seiner Wahlkampfreden, «sollen sie euch Fremdenfeinde nennen. Sollen sie euch doch Nativisten (Anm. d. Red.: in etwa «Einwanderungsgegner») nennen. Tragt es als Auszeichnung.»
Das Ziel der Populisten, sagte er weiter, sei nicht, den Aktionärswert zu maximieren, sondern «den Wert der Staatsbürgerschaft zu maximieren». Das klang weniger wie eine Ablehnung des Neoliberalismus als wie ein Einbetten der ökonomischen Logik ins Herz der kollektiven Identität. Populistinnen verwerfen nicht die neoliberale Idee des Humankapitals, sondern kombinieren sie mit nationaler Identität: ein Diskurs des Volkskapitals.
Während er in Europa war, traf sich Bannon auch mit Alice Weidel, früher Beraterin bei Goldman Sachs, damals eine von zwei Vorsitzenden der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) sowie bis Anfang 2021 ebenfalls Mitglied der Hayek-Gesellschaft. Ein weiteres AfD-Mitglied, der frühere libertäre Blogger und Goldexperte Peter Boehringer, ist ebenfalls Mitglied der Hayek-Gesellschaft, momentan Bundestagsabgeordneter in Amberg in Bayern und Vorsitzender des Haushaltsausschusses.
Im September 2017 veröffentlichte Bannons früheres Portal «Breitbart» ein Interview mit Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der AfD und ebenfalls Mitglied der Hayek-Gesellschaft. Sie erklärte, wie Hayek sie zu ihrem Engagement für «die Wiederherstellung der Familie» inspiriert habe. Im benachbarten Österreich war Barbara Kolm die Vermittlerin der kurzen Koalition zwischen der rechten FPÖ und der ÖVP. Sie ist sowohl Leiterin des Friedrich A. von Hayek-Instituts in Wien, beteiligt an Honduras’ Versuch, spezielle deregulierte Zonen ausserhalb der formalen staatlichen Kontrolle aufzubauen, als auch Mitglied der Mont Pèlerin Society.
Was wir in den letzten Jahren erlebt haben, ist nicht so sehr das Aufeinanderprallen von Gegensätzen, sondern das öffentliche Aufflammen eines schon lange schwelenden Disputs im kapitalistischen Lager darüber, was notwendig ist, um den freien Markt am Leben zu erhalten. Ironischerweise brach der Konflikt, der die sogenannten Globalistinnen und die Populisten spaltete, zum ersten Mal in den Neunzigerjahren aus – in dem Moment, als viele meinten, dass neoliberale Ideen die Welt erobert hätten.

«Sollen sie euch doch Rassisten nennen», habe Bannon bei einer seiner Wahlkampfreden gesagt, «sollen sie euch Fremdenfeinde nennen. Sollen sie euch doch Nativisten nennen. Tragt es als Auszeichnung.» Das erinnert an eine Aussage eines kleinen Gebirgsjägers in den tälerischen Tiefen Österreichs im Jahr ’24:
[…] als rechtsextrem beschimpft werde, dann trage ich diese Beschimpfung wie einen Orden.
„FPÖ-Neujahrstreffen 2024“ am 13.1.2024. (Quelle: FPÖ-TV)
Und dieser kleine Gebirgsjäger trat u. r. v. a. (unter recht vielen anderen) in Linz einem Kongreß auf, in dessen Zusammenhang schon vor Jahren der Name Mises zu nennen war, für dessen Institut in Deutschland auch ein Andreas Tögel ein Schreibender, ein Interviewter ist — „Hayeks Bastarde“, noch einmal:
Nicht alle Neoliberalen haben die Wende zu ausgrenzenden Konzepten der Kultur und Ethnie mitgemacht. Manche mobilisieren gegen das, was sie als feindliche Übernahme von Hayeks und Mises kosmopolitischem Erbe durch intolerante Fremdenfeinde sehen. Doch die Vehemenz ihres Protests kann manchmal die Tatsache verschleiern, dass die angeblichen populistischen Barbaren an den Toren eigentlich aus dem Inneren der Festung genährt wurden.
„Europa 2030. Wie wir in zehn Jahren leben“: Zu diesem Buch wurde Andreas Tögel vom Mises-Institut interviewt, zu dem, so Tögel, Werner Reichel die Idee gehabt hätte, ein Buchtitel, der an die Rede des österreichischen Zurzeitigen aus ’23 erinnert, mit der diese versuchte, einfach wie kurz gesagt, bis 2030 zu denken, und dabei über den Tag der Rede doch nicht eine Minute hinauskam …

Wie oft mußte schon geschrieben werden, es ermüdet, und so manches Kapitel mußte schon, einfach wie kurz gesagt, plötzlich, vollkommen erschöpft, abgebrochen werden, mit dem Versprechen, es irgendwann weiterzuschreiben.
So ist es auch mit diesem Kapitel, es wird weitergeschrieben werden, also doch, einmal noch Hayek
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