First

Nicht immer, aber hier gewiss, gilt der Zusammenhang von Botschaft und Medium: Wer gegen Slogans auf Slogans setzt, bleibt in der Arena, die der, den man bekämpfen will, gewählt hat. Das ist einer der Gründe, warum manche Gegenprogramme so hilflos wirken.

Jan Philipp Reemtsma hatte bei dem nicht den Slogan vor Augen, mit dem nun Andreas Schieder im sogenannten Wahlkampf unterwegs ist, aber es scheint doch auch auf diesen Slogan „Europe first statt Made in China!“ zutreffend zu sein, wenngleich Jan Philipp Reemtsma dies in seinem Nachwort in einem Buch, das in diesem Jahr 2024 erschien, zu einem anderen Thema schrieb, von dem noch zu erzählen sein wird.

Es stößt Andreas Schieder nicht auf, daß eine Umsonst bereits am 5. Mai zu diesem seinem Slogan schrieb, er mache „einen auf Trump“, denn er verwendet diesen weiter, wiederholt diesen beispielsweise am 9. Mai im Fernsehen in der Diskussion mit den anderen Kandidatinnen für das Europäische Parlament, in der nicht weit von ihm ein Kandidat steht, dessen Partei seit langem den Slogan „Austria first“ als ihre Schlachtparole einsetzt, und diese „Zuerst“-Slogans sind nicht ihre Erfindung, vor Jahrzehnten bereits hat einer mit einem „Zuerst“ das Blaue versprochen, und was dann kam, das totale Gegenteil vom „Zuerst“-Slogan …

Andreas Schieder mache nicht, wie eine der tageszeitungsähnelnden Umsonst in Österreich schreibt, „einen auf Trump“,

Trump hat diesen „Zuerst“-Slogan nicht erfunden, aber für diese Umsonst reicht es geschichtlich gerade noch bis zu Trump zurück, reichte es für die Umsonst geschichtlich weiter zurück, hätte sie schreiben müssen, Andreas Schieder mache einen auf Trump, der auf Ku-Klux-Klan mache; so weit reicht der trumpische „Zuerst“-Slogan zurück — mehr als einhundert Jahre …

Der sogenannte Wahlkampf zur EU-Wahl ist kein langer, so wird die Zeit zu kurz sein, um noch weitere Slogans aus dem trumpischen Dunst in guter Absicht zu hören und zu lesen zu bekommen, allen voran die „Make“-Slogans“

Andreas Schieder hätte statt aus einem Slogan aus dem trumpischen Dunst auch aus dem Slogan aus China „Alles unter dem Himmel“ einen seinen Slogan für den sogenannten Wahlkampf ziehen können, der aber wohl zu poetisch, der zwar poetisch, aber auf den ebenfalls das von Jan Philipp Reemtsma zutrifft, wenngleich es bei China wohl nicht darum geht, es zu bekämpfen, es ebenfalls so zu bekämpfen, wie die „Zuerst“-Parolen-Schreienden aus dem Dunst …

Es ist darüber hinaus auch ein falscher Slogan. Weil es ein Slogan ist, mit dem unterstellt wird, es wäre, obwohl es immer nur um „Europa first“ gegangen ist und geht, bisher nicht um „Europe first“ gegangen, als wäre Europa und damit auch Österreich bisher vollkommen selbstvergessen, vollkommen selbstlos gewesen, und hätte bisher Europa und damit auch Österreich aus reinster Selbstlosigkeit und aus reinster Selbstvergessenheit u. v. a. m. nur in China produzieren lassen, um auch über die Menschen in China u. a. derart hohe Löhne wie in Europa und somit auch in Österreich auszuschütten, als würden die Menschen in Europa und somit auch in Österreich nur deshalb in China massenhaft einkaufen, weil es ihnen ihre Herzensangelegenheit schlechthin ist, den Menschen u. a. in China einen ebenso so hohen Lebensstandard wie in Europa und somit auch in Österreich zu bescheren, aus diesen selbstlosen Antrieben heraus wurde gegen jedwede ökonomische Lehre alles, was nur möglich, u. a. nach China ausgelagert, und auch beispielsweise Gas importiert nach Österreich und somit auch nach Europa, aus einem Land, das in autokratischer Hinsicht China ebenbürtig …

Darüber hinaus ist es ein Slogan mit einer nicht passenden Gegenüberstellung. Zu „Made in China“ wäre, wenn schon ein derartiger Slogan, das passende Gegenüber ein „Made in Europe“ … Zum Nachdenken verbleibt immer weniger Zeit, es wird eben genommen, was irgendwo einmal gehört wurde, gleich von wem, und, das hat sich offensichtlich eingeprägt, mit „first“ werden Wahlen gewonnen, gleich wer diese Wahlen gewinnt. Wie rührend zu meinen, auch mit „first“ —

„Made in Europe“ wäre zuerst auch nur ein Slogan, aber konkret, handfest, einer, auf den aufgebaut werden kann, hingegen mit „first“ ist nicht aufzubauen, „first“ stellt nichts her, „first“ erzeugt nichts, „first“ beschreibt nichts, vor allem nicht die tatsächlichen wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten und Bedingungen, „first“ ist leer, „first“ ist Dunst, „first“ ist ein Versprechen, das nicht eingehalten werden muß und vor allem — die Versicherung der Versprechenden — nicht eingehalten werden kann, wie jene, die bisher mit „first“ Wahlen gewonnen haben, schon hinlänglich bewiesen haben.