Bozkurt işareti

Der Erste: Pessimistisch. Weißt, er hat gesagt, in der Türkei is ein kranker Mann, dann kommen wir dran, du also wieso?

Der Patriot: Sie meinen Friedjung. Aber Friedjung konträr schloß doch mit einem dreifachen Hoch und Eljen auf den Ausbau des Bündnisses der beiden Mittelmächte mit der Türkei!

Vor bald einhundertzehn Jahren begann Karl Kraus an den letzten Tagen der Menschheit zu schreiben, an diesem einem Marstheater zugedachten Stück, das fällt zuerst ein beim Lesen des Namens Merih Demiral, und dann gleich, was kann ein Mensch mit dem Vornamen Mars anderes werden als Fußballer, als dem Geschäft des Fußballs nachzugehen, diesem als menschenverbindendes und friedensförderndes verkauftes Spiel, für das stets Armeen an Polizei aufgeboten werden muß, für das Spiel, das sagt: Nennt mich Mars. Der Ausschreitung. Der Gewalt. Des Krieges.

So gewiß der Mars rotiert, so gewiß rotieren die Aufregungen um einen Gruß, genauer,

um den Wolfsgruß, mit dem Merih Derimal auf seiner patriotischen Fußballfeldbahn rotiert, und mit ihm dann Hunderte, Tausende, Abertausende vielleicht sogar auf ihrer Fußballstraßenbahn rotierend um ihren —

Gerade einmal ein Jahr ist es her, vor rund einem Jahr die Aufregung um den Wolfsgruß und nun die Wiederkehr der Aufregung auf dem Fußballmars … Vor einem Jahr köpfelte die Spitze des österreichischen Staates dem Wolfsgrußpräsidenten einen Gratulationsgruß, und nun, rund ein Jahr später, und das ist nur eine Stimme der Aufgeregten, fordert Florian Klenk auf der Konzernplattform X, in der Nacht des 7. Juli 2024:

Man sollte eine Mannschaft, deren Spieler und Fans demonstrativ den rechtsextremen Wolfsgruß machen einfach von der nächsten EM ausschließen.

Ein für kurz gewesener Bundeskanzler, ein Bild, das in Erinnerung bleibt, in trauter Umarmung mit Wolfsgrußbuben … Aber diese eine Stimme unter vielen Stimmen erköpfelt sich, ja, was, als wäre damit irgend etwas … Den Wolfsgrußpräsidenten würde es, hörte er je diese Stimme, beruhigen, ihn träfe ein klenkischer Ausschluß nicht …

Aus der klenkischen Forderung strömt doch auch militärischer Geist. Das Unvermögen oder das Vergehen eines Spielers der gesamten Mannschaft als Strafe aufzuerlegen, das Nachmachen, das Mitlaufen oder das Benehmen von Zuschauern allen Zuschauerinnen und ihrer Mannschaft als Strafe aufzuerlegen. Und die Frage stellt sich nach der politischen Wirkung eines Spielers, der mit einem solchen Handzeichen sich einmal daneben benimmt, von „Fans“, die ein solches Handzeichen mitläuferisch einmal nachmachen, im Gegensatz etwa zu einem Präsidenten, dessen gesamtes politisches Wirken dieses Handzeichen, daß er zusätzlich auch noch dann und wann zeigt, ist, und dies nicht davon abhält, ihm weiter und mit ihm weiter …

Der für die derzeitige und rund noch drei Monate im Amte befindliche österreichische Regierung Daten zu einem Jugendbericht zusammentragende Mann wirbt für eine steinalte Kapelle, von der ein Bild in Erinnerung bleibt, jenes mit dem Wolfsgruß — aber Florian Klenk …

Eine Säkularisierung des Fußballs ist überfällig. Eine Entnationalisierung. Eine Entpatriotisierung. Eine selbstauferlegte Verbannung weltanschaulicher Zeichen vom Fußballplatz, dazu gehören u. a. m. das Sich-Bekreuzigen, der Tauhīd-Finger, das Tore-Gott-Widmen, der Wolfsgruß …