Es ist nicht das erste Mal, daß Parsifal am 20. April in der Wiener Staatsoper zu hören ist, aber in diesem Jahr ’25 ist es für den Österreicher ein besonders Geschenk zum Geburtstag in zeitlich unmittelbarer Nähe zu seinem achtzigsten Selbstmordtag.
Die Wiener Staatsoper weiß eben, wie des Österreichers recht wichtige Tage zu begehen sind, nicht nur der 20. April, auch der 8. Mai —
Lorenz’s interpretative move in identifying Hitler as Parsifal in his Parsifal book was not an original idea but an assimilation of propaganda in broader circulation, propaganda that Houston Stewart Chamberlain helped set into motion by hailing Hitler as a “god-sent benediction” to Germany nine years earlier. For Chamberlain, Hitler was a rare example of
a “luminous figure” (“Lichtgestalt”), and a
“w a h r e r V o l k s m e n s c h” (“true human being of the people”), [29]
symbolic qualities reflected in the poster in the form of the downward-streaming light and the massive community of brown-shirted followers bearing Nazi flags and placed in a landscape suggestive of the Rhine Valley.
William Kinderman
According to the controversial biography of Wagner by Robert W. Gutman1, Parsifal, more than the Ring, was the gospel of National Socialism
. Gutman interpreted this work in terms of Wagner’s later writings, the so-called regeneration essays. He writes, surveying the world from the heights of Monsalvat, the Grail community in Parsifal was alarmed to observe natural selection working against its distinctive Aryanism… The knights were confronted with an enemy gaining upon them every day. Here was the decisive racial crisis that grew into an uncompromising struggle for power….
Parsifal is an enactment of the Aryan’s plight, struggle and hope for redemption…
Derrick Everett
Für den 30. April 2025, am Selbstmordtag des Österreichers, das ein Gedenktag ist, da es doch der einzige Tag im Leben dieses nationalsozialistischen Österreichers war, an dem er eine gute, eine anständige Tat beging: seinen Selbstmord, kündigt die Wiener Staatsoper ein Solokonzert von Michael Volle, der, so die Wiener Staatsoper,
einer der führenden Interpreten des deutschen Fachs, zu seinen Paraderollen zählen die Titelpartie in »Fliegendem Holländer«, Wotan/Wanderer im »Ring des Nibelungen«, Hans Sachs (»Die Meistersinger von Nürnberg«) und Amfortas (»Parsifal«)
sowie die Strauss-Partien des Barak (»Die Frau ohne Schatten«), Johanaan (»Salome«), Orest (»Elektra«) und Mandryka (»Arabella«),
an … Was der „führende Interpret des deutschen Fachs“ an diesem Abend zum Besten geben wird, ist zum heutigen Tag, 12. Jänner 2025, noch nicht bekannt, sein Programm werde, so die Wiener Staatsoper, bald bekanntgegeben werden … Wird es ein besinnliches Potpourri der Partien werden, die den Österreicher am Geburtstag und am Selbstmordtag auch gefreut hätten?

Im April 2025 wird in der Wiener Staatsoper auch „Die Zauberflöte“ gegeben … Ob noch wer am Leben, der beim „Unternehmen Zauberflöte“ dabei war, im April 1943? Ob noch wer am Leben und ob noch wer imstande, im nächsten April in „Die „Zauberflöte“ in anständig seliger Erinnerung an die Zeit in Minsk … Vielleicht aber haben sie ihre Erinnerungen an die „Operation Zauberflöte“ weitergeben, an ihre Nachkommen, und diese gehen nun mit den Erinnerungen ihrer Väter, ihrer Großmütter in die „Zauberflöte“ wie in das „Unternehmen Zauberflöte“, als wären sie nicht die Nachkommen, sondern ihre eigenen Großväter, Mütter …
Gestern abend: ‚Salome‘ von Strauss … Abscheuliche romantische Musik, von einer Rhetorik des Orchesters, die Sehnsucht nach Bellini weckt. Ebenso die Meistersinger – gleiche Ursachen auch der Schwächen: Indiskretion der Mittel und Eintönigkeit der Effekte, aufdringliches Insistieren, offenbare Unaufrichtigkeit … Von Grund auf unkünstlerisch, so etwas.
Das Strauss-Urteil von André Gide, und ebenfalls in seinem Tagebuch zum 25. Jänner 1908 ist zu lesen:
Rundfrage des ‚Berliner Tageblatts‘
Es handelt sich darum, anläßlich des fünfundzwanzigsten Jahrestages von Wagners Tod die ‚führenden Künstler und Intellektuellen ganz Europas nach ihrer Meinung über den Einfluß Wagners, insbesondere in Frankreich‘ zu befragen.
Ich antworte: ‚Ich verabscheue die Person und das Werk Wagners, diese leidenschaftliche Abneigung ist seit meiner Kindheit nur noch gewachsen. Dieses erstaunliche Genie erhebt weniger als es vernichtet. Es hat zahllosen Snobs, Literaten und Dummköpfen erlaubt zu meinen, sie liebten die Musik, und einigen Künstlern zu glauben, Genie läßt sich erlernen. Deutschland hat vielleicht nie etwas gleichzeitig so Großes und Barbarisches hervorgebracht.‘
Am 25. Jänner vor 117 Jahren spricht André Gide, als er zu Richard Wagner befragt wird, bereits vom Barbarischen und damit auch von André Gide der Werkkern erkannt, Jahrzehnte vor der Realisierung des Barbarischen in der Wirklichkeit —

In „Eine schwere Entdeutschung“ von Bazon Brock ist 117 Jahre später wieder auch u. v. a. m. von „Rebarbarisierung, Parsifal“ zu lesen:
Als gegenwärtig bedeutendste Wagnerkenner und Regisseure im internationalen Format gaben sich Putin und sein Parteigänger Prigoschin im russisch-ukrainischen Krieg zu erkennen. Ganz dezidiert war die ideologische Ausrichtung der beiden in der Namensgebung ihrer Privatarmee als Wagner-Truppe zu erkennen. Sie inszenieren auf den ukrainischen Schlachtfeldern ein Wagnerfestival, das die Bedeutung von Bayreuth weit in den Schatten stellte.
Politik als große Opernregie wurde Markenzeichen deutscher Weltmission, in der sich jeder einen Platz an der Sonne sichern konnte, der bereit war, bedingungslos mitzuspielen. Der Gröwaz, der größte Wagnerkenner aller Zeiten, liefert bis heute die Rechtfertigung für Untergänge als imposante Götterdämmerungen – überzeugend verwirklicht von 1939 bis 1945 im Weltformat.
Hitler hatte schon mit dem „Unternehmen Walküre“ Wagner als größten Programmatiker für das Dritte Reich, ja schlechthin für Deutschland zu ehren gewusst. Wagners „Parsifal“ lieferte den nationalsozialistischen Rassengesetzen von 1935 das Konzept der Blutreinheit des Ariertums, an das heute noch z. B. von der AFD im Widerstand gegen die Durchmischung der Bevölkerung appelliert wird.
Auch zu Kaiser Wilhelms Zeiten lag schon der Gedanken nahe, Wagners Opern als reales Weltgeschehen mit dezenten Hinweisen auf die Ideologie des großen Musikmythologen zu etablieren – beispielsweise als Festungsanlage „Siegfriedlinie“ gegen die Kräfte des europäischen Westens im Ersten Weltkrieg.
Einen ganz eigentümlichen Typus heutige Wagnerbehuldigung […] Einerseits protestiert sie in Kassel vehement gegen antisemitische Äußerungen von Künstlern, um andererseits anschließend in festlicher Pelle nach Bayreuth zu pilgern und dort dem Radikalsten aller deutschen Antisemiten zu huldigen. Zu verstehen ist das nur, wenn man voraussetzt, dass […] jegliche historische Kenntnisse zum Werkschaffen von Wagner fehlen. Derartige Ahnungslosigkeit durch mangelnde Bildung kennzeichnet einen großen Teil heutige linker, grüner, roter und schwarzer Positionäre.
Die willentliche, intentionale Rebarbarisierung ist leider kein einzigartiger Unfall deutscher Geschichte. Wäre sie das, bräuchte man das Wissen um die Bedrohung nicht ständig wachzuhalten. Offenbar zwingt die innere Dynamik von Machtregimes, totalitär zu werden, alle Gesellschaften wenigstens einmal, hoffentlich nur einmal das Schicksal Deutschlands selber durchzustehen. Das ist ja bereits unübersehbar. Der deutschen Ideologie wird heute weltweit auch von kleineren Potentanten gehuldigt – in einem Ausmaß, dass demokratisch, liberal und rechtsstaatlich verfasste Gesellschaften weltweit nur noch eine rare Minderheit sind. Was tun? Wir Deutschen jedenfalls sollten das deutsche 20. Jahrhundert widerrufen und die von Nietzsche formulierte Aufgabe einer schweren Entdeutschung auf uns nehmen.
Es ist nicht verwunderlich, dies nur nebenher gesagt, daß das Attentat auf den Österreicher nicht gelang, lief es doch unter der wagnerisch-hitlerischen Parole „Unternehmen Walküre“, und ein Unternehmen mit einer übernommmenen Parole ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt, einem solchen Unternehmen fehlt von Anfang an der absolute Wille zum Erfolg.

Und das ist in Österreich letztlich die Aufgabe eines Hochkulturbetriebs wie eben auch der Wiener Staatsoper,
lange davor kommende Entwicklungen zu erahnen, zu erfüllen, was herrschaftlich gewünscht sein wird, und dementsprechend rechtzeitig zu programmieren, nicht nur zu erahnen, nicht nur zu erfühlen, sondern stets auch
seinen Teil beizutragen, es ständig wachzuhalten, es von Generation zu Generation weiterzutragen, und mit der Programmierung für 2025 hat die Wiener Staaatsoper wieder das Ihre rechtschaffen getan, so daß auch
um die Wiener Staatsoper herum und nicht nur in der Wiener Staatsoper „Weltverwandlung“ …
Die Wirtschaftsführer glaubten dafür Regieanweisungen bedeutender Musiker und Dichter im Format Bayreuths nutzen zu dürfen. Denn was nützen großartige Ideen der Weltverwandlung auf der Bühne, wenn die Kunden des Spektakels nicht auch mitspielen dürfen (fragte der von Heinrich Mann genauestens charakterisierte Untertan)?
Bazon Brock, Eine schwere Entdeutschung
Es gibt nun bereits viele Befürchtungen, was sich alles ändern wird, wenn es zu dieser identitärschwarzen Regierung denn kommen sollte, die Wiener Staatsoper braucht sich nicht zu fürchten, die Wiener Staatsoper wird nicht über Nacht ihr Programm ändern müssen, sie wird nicht gleich Körner in ihr Programm aufnehmen müssen, von einem Tag auf den anderen,
mit Richard Wagner hat die Wiener Staatsoper bereits und lange schon auch für solch eine Regierung das größte Programm aller Zeiten …


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