Es hat Magnus Angermeier nicht bedacht, daß er mit seiner Badenden auf der Mölker Bastei der Geschichte eine richtige Statue hinsetzte, und nicht bedacht hat seine Auftraggeberin, mag sie noch so sehr die Geschichte nach ihrer Gesinnung umzuschreiben bemüht sein wollen, in der Umschreibung der Geschichte offenbart sich die Geschichte doch immer wieder selbst, gegen ihre Umschreibenden … auch das Beispiel der Steinblöcke mit Badender auf der Mölker Bastei wieder einmal —
In diesem Kapitel soll es einmal noch um die Badende gehen, die die Geschichte selbst erzählt, gegen den Gesinnungstrieb der Auftraggeberin, deren Bemühen es stets ist, die Geschichte so zu erzählen, wie ihr die Geschichte gesinnungsgemäß scheinen soll.
Die Badende — ist sie aus Granit? — spricht selbstverständlich nicht, ein Stein spricht nicht, und spricht doch, der Badende darstellende Stein spricht davon, wie es war, damals, als so viele zum Baden gingen, den Trümmern ihre Rücken zuwandten, davon träumten, Opfer zu sein, und Jahrzehnte später erdichtete allen voran die Steinauftraggeberin, sie seien Opfer gewesen …
Das ist am 12. Juli 1945 in „Neues Österreich“ zu lesen, und das wird am 28. März 2025 auch vom „Standard“ zitiert, im Artikel: „Nachkriegsmythos – Wie zu Arbeit verpflichtete Ex-Nazis zum Narrativ der „Trümmerfrauen“ wurden – In Wien mussten ehemalige NSDAP-Mitglieder Arbeitsdienst leisten, um die Stadt wieder aufzubauen. Die stigmatisierte Arbeit wurde zum neuen Opfermythos gesponnen“. Am Ende des Artikels „Arbeit und Essen“ in „Neues Österreich“ vom 12. Juli 1945 wird Franz Grillparzer zitiert, auf diesen offenbar aus dem Gedächtnis zitierten Vers wird noch zu sprechen zu kommen sein.
Davor aber noch ein wenig was zur Badenden auf der Mölker Bastei. Die Badende auf der Mölker Bastei ist in Stein gehauene Bestätigung, ohne es bestätigen zu wollen, wie es tatsächlich …
In der Lüge selbst ist die Wahrheit stets enthalten, ist die Wahrheit der Lüge immer eingeschrieben, in diesem Fall die geschichtliche Wahrheit in der geschichtlichen Lüge zu erkennen, ist die Wahrheit in der Umschreibung, in der gesinnungsgemäß bemühten Umdeutung der Geschichte zu lesen.
Magnus Angermeier mag, sieben Jahre später, wohl selbst nicht mehr daran erinnert werden, was er auf der Mölker Bastei schuf, jedenfalls fehlt in seiner peniblen Auflistung seiner Werke, wie heute am 28. März 2025 auf seiner Website, für die der Zeitraum „2003 – 2025“ angegeben ist, zu lesen ist, die mölkerische Badende. Und das sollen zukünftige Generationen unbedingt erinnern, damit sie nicht wieder mit einem „Denkmal“ sich herumschlagen müssen, das, kurz wie einfach gesagt, bloß für eine technische Frage tauglich ist, wie kann es endlich kostengünstig entsorgt werden.
Aus einem Interview, Oktober ’18:
SZ: Herr Angermeier, stimmt es, dass Ihre „Trümmerfrau“ ursprünglich mal als „Badende“ gedacht war?Magnus Angermeier: Das macht doch nichts. Wieso sollte man nicht bereits existierende Entwürfe verwenden? Das machen alle. Auch die Musiker.
SZ:Trotzdem klingt das jetzt schon ein bisschen nach Recycling.
Sehen Sie: Wenn Sie die „Trümmerfrau“ mit meinem Entwurf für die „Badende“ aus den 1990er-Jahren vergleichen, so werden Sie feststellen, dass der Kopf jetzt eine leichte Drehung hat. Ich habe die Figur also weiterentwickelt. Ihr Blick auf das Siegesdenkmal gegenüber stellt uns die Frage nach dem Sinn von Krieg, Sieg und Niederlage. Eine Skulptur definiert sich auch immer aus ihrem Umfeld: Wasser ergibt eine Badende, Gesteinsbrocken eine Trümmerfrau.
SZ: War es für Sie da nicht befremdlich, dass ein Bläserquintett der Bundesheergarde bei der Enthüllung spielte?
Das ist die Sache der Veranstalter. Zwei Kirchenvertreter und eine Zeitzeugin waren ja auch anwesend.
SZ: Die Festrede hat Herr Strache von der FPÖ gehalten. Eine Parteifreundin von ihm hatte Sie als Gestalter des Denkmals vorgeschlagen.
Die kenne ich schon seit vielen Jahren. Aber über Politik reden wir nicht hauptsächlich. Eher über Kunst und Kultur. Ich bin Künstler. Aus der Politik halte ich mich raus.
SZ: Geht das denn so einfach? Mit dem Mahnmal scheinen Sie ja nicht schlecht verdient zu haben. Von 60 000 Euro ist die Rede.
Zieht man das Material ab, bleibt mir nicht viel.
SZ: Eigentlich war die „Badende“ ja für einen Brunnen vor dem Altenheim in Leonding gedacht. War der Entwurf dem dortigen Bürgermeister denn zu nackt oder zu teuer?
Beides nicht. Der Bürgermeister war einfach chaotisch. Für mich ist aber eh das Entscheidende, dass diese in Wien aufgestellte Figur für das Weibliche insgesamt steht. Auch meine Mutter wurde nach dem Krieg als Kontrolleurin bei der Straßenbahn verpflichtet, obwohl sie Abitur hatte und gerne was anderes gemacht hätte. Und mein Vater hat es während des Russlandfeldzugs nur wegen einer Verletzung gerade noch rechtzeitig lebendig nach Hause geschafft. Meine Skulptur, schreiben Sie das, ist ein Mahnmal gegen alle Kriege. Und immer sind es Frauen, welche nach Katastrophen das Leben wieder in geordnete Bahnen leiten.
Ein Opfer, auch seine „Mutter wurde nach dem Krieg als Kontrolleurin bei der Straßenbahn verpflichtet, obwohl sie Abitur hatte und gerne was anderes gemacht hätte“ Das weiter, was immer das war, war sie im Krieg machte? Das jedoch ist nicht von Belang, was er von seiner Mutter in diesem Interview erzählt, interessant ist das von ihm Gesagte über die Weiterentwicklung der Badenden … Dieser Weiterentwicklung hat ein noch nicht auch wieder berühmt gewordener, also in Österreich wieder berühmt gewordener Künstler gefrönt,
Und es gibt die „Volkslied“, die zur „Badenden einfällt, von dem nun wieder Berühmtgemachten,
seine „Volkslied“ aus 1943, als wäre sie eben aus einem Waldsee herausgesprungen, und säße sie zum Trocknen in der Sonne,
wie die „Badende“ auf der Mölker Bastei, die, so ist es ihr beigegeben, auch 1943 — Eisenmengers Volkslied auf der Mölker Bastei in der Steingestalt der Badenden …
Es ist richtig, wir bekommen für unsere Arbeit verflucht wenig zu essen. Aber wenn wir nicht mehr arbeiten als bisher, wenn nicht mehr Leute sich an der Arbeit beteiligen, werden wir noch weniger zu essen bekommen. Und wenn wir alle zusammen dasselbe tun wie die Sommerfrischler an der Donaulände, dann werden wir alle zusammen vor die Hunde gehen., Grillparzer sagt in seinem ironischen Vers über das Wienertum: „Erschlaffend wirkt dein Sommerhauch, du Capua der Geister.“ Daß unsere Stadt nicht auch ein Capua der Körper werde, dem soll jetzt vorgebeugt werden. Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.
So endet „Arbeit und Essen“ vom 12. Juli 1945, mit dem Vers von Franz Grillparzer, der in „Abschied von Wien“ ein wenig anders lautet:
Schön bist du, doch gefährlich auch,
Dem Schüler wie dem Meister,
Entnervend weht dein Sommerhauch,
Du Capua der Geister!
Im März 1848
Sei mir gegrüßt, mein Österreich,
Auf deinen neuen Wegen,
Es schlägt mein Herz, wie immer gleich,
Auch heute dir entgegen.
Was dir gefehlt zu deiner Zier,
Du hast es dir errungen,
Halb kindlich fromm erbeten dir
Und halb durch Mut erzwungen.
Die Freiheit strahlt ob deinem Haupt,
Wie längst in deinem Herzen,
Denn freier warst du, als man glaubt,
Es zeigten’s deine Schmerzen.
Nun aber, Östreich, sieh dich vor,
Es gilt die höchsten Güter,
Leih nicht dem Schmeichellaut dein Ohr
Und sei dein eigner Hüter!
Geh nicht zur Schule da und dort,
Wo laute Redner lärmen,
Wo der Gedanke nur im Wort,
Zu leuchten statt zu wärmen;
Wo längst die Wege abgebracht,
Die Kopf und Herz vereinen,
Und, statt der Überzeugung Macht,
Der Mensch ein grübelnd Meinen;
Wo Falsch und Wahr und Schlimm und Gut
Sie längst auf Formeln brachten,
Rasch wechselnd die erlogne Glut
Gleich bunten Kleidertrachten;
Wo selbst die Freiheit, die zur Zeit
Hinjauchzt in tausend Stimmen,
Halb großgesäugt von Eitelkeit
Und von der Lust am Schlimmen.
Bleib du das Land, das stets du warst,
Nur Morgen wie sonst Abend,
Die Unschuld, die du noch bewahrst,
An heiterm Sinn erlabend.
Denn was der Mensch erdacht, erfand,
Als Höchstes wird er finden:
Gesund natürlichen Verstand
Und richtiges Empfinden.





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