Fünfundsiebzig Jahre alt wäre Jörg Haider an diesem 11. Oktober 2025, aber er wurde nur achtundfünfzig Jahre alt, genauso alt wie Thomas Bernhard, der vor fünfzig Jahren einen Satz sagte, der auf den, wie heutzutage gewöhnlicherweise gesagt wird, jungen Erwachsenen Jörg Haider, der zu diesem Zeitpunkt fünfundzwanzig Jahre alt war, einen enormen Eindruck gemacht haben mußte, daß er gar nicht anders scheinte zu können, als diesen sich einzuverleiben, dermaßen einzuverleiben, daß dieser zu seinem Satz wurde, zu dem Satz, der von ihm blieb, als wäre es ein Satz von ihm:
Jedoch, diesen Satz sagte zum ersten Mal Thomas Bernhard, und zwar 1975, in einem Fernsehinterview mit Dr. Rudolf Bayr, dem ORF-Landesintendanten Salzburg: „Thomas Bernhard und Salzburg“:
[H] hat er [Josef Kaut, Präsident der Salzburger Festspiele] gesagt: Wunderbar, wir machen das wieder so wie es immer war. Und plötzlich sagt er: Naja, er will das Stück [Die Berühmten] zum ersten Mal sehen, denn in Salzburg hat nie jemand auch nur ein Wort von mir vorher gesehen, bevor das publik war und mit den Proben haben die erst überhaupt jemals das Stück gesehen. Und das kann man natürlich nicht zweimal machen und das dritte Mal sagen, aber jetzt wollen wir sehen. Und wenn Sie das sagen, jetzt wollen sie es sehen und lassen sich von mir nicht überzeugen, dass man das dritte Mal nicht machen kann, da bin ich weg und ich bin jetzt weg und bin endgültig verschwunden von hier.
[E]in Jahr später der Herr Kaut will plötzlich, weil die Berühmten und so weiter, mißtrauisch geworden, von Zeitungen Einflüsterungen, will diesen Text sehen. Ich sag, der Vorgang muß der gleiche sein wie vorher, es muß eine hundertprozentige Geschichte sein. Ich merke, der fallt um, nicht, fängt halt zum Wackeln an. Und ich bin schon weg. Schluß.
An ihr „Ich bin schon weg“ halten sie sich nie.
Und dann gibt es noch ein Wort, das durch Thomas Bernhard es zu einiger Berühmtheit gebracht hat, in Österreich: „Lebensmensch“. Wie „Ich bin schon weg“ seinen Weg zu Jörg Haider gefunden hat, wie „Lebensmensch“ seinen Weg zu Stefan Petzner gefunden hat, ob direkt oder indirekt, kann nicht nachvollzogen werden, es könnte aber festgestellt werden, Literatur findet ihre Wege des Einflusses, und nicht selten auf die seltsamste Weise. Und es kann passieren, allmählich oder plötzlich nichts mehr davon wissen zu wollen, so wie Stefan Petzner nichts mehr von „Lebensmensch“ …
In einem vor zehn Jahren veröffentlichten Interview sagt er:
Ich kann das Wort Lebensmensch nicht mehr hören, weil es mir so viel Unglück gebracht hat. Das Buch ist für mich weder eine Abrechnung, noch wollte ich ein Haider-Jubel-Buch schreiben, sondern ein ehrliches und authentisches Buch.
Ich hasse das Wort Lebensmensch, weil es mich vieles, eigentlich fast alles, an Reputation gekostet hat. Die Partei hat mich angefeindet, ich wurde attackiert. Das war eine sehr harte Zeit für mich, die ich nicht nochmals erleben möchte.
Mit trivial meine ich, dass Haider über 30 Jahre lang die gleichen Themen, die gleichen politischen Instrumente an den Mann gebracht hat. Und alle sind 30 Jahre lang darauf eingestiegen. Trivial ist daher eher auf seine Gegner gemünzt, weil sie seine Art der Politik nie gecheckt haben.
Sie beschreiben Haider als eine politisch triviale Figur, als Verschwender, als korrupt. Das ist mehr als eine nüchterne Auseinandersetzung. Haben Sie eine „Lebensmensch“-Weglegung vollzogen?
Kurier. 13. September 2015.
NS An diesem 11. Oktober ’25 wird einer nach Kärnten auf Besuch zu einem fahren, von denen nicht bekannt ist, ob sie sich je als Lebensmenschen füreinander bezeichneten, und der


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