„Trotzdem, man muß schon sagen, es ist was Schönes – die Bildung“

Die letzten Wochen in diesem Jahr 2026 haben immer wieder an eine Szene des Films „Die Kinder des Olymps“ denken lassen, in der ein krimineller Handlanger zu seinem kriminellen Boß, dem Dichter und mit 33 Jahren guillotinierten Mörder sagt:

Avril: Trotzdem, man muß schon sagen, es ist was Schönes —

Pierre-François Lacenaire: Was?

Avril: die Bildung. Es ist doch so, Monsieur Lacenaire, ich frage mich, wo haben Sie das alles her.

Lacenaire: Ach, Schluss mit den Dummheiten! Kommen wir zu ernsteren Dingen! Hast du die Bestecke?

Und an das darauf unmittelbar folgende Gespräch zwischen Garance und Lacenaire:

Lacenaire: Schon dem Brunnen entstiegen?

Garance: Dem Brunnen? Reden wir nicht mehr davon. Das ist vorbei, und die Wahrheit auch.

Lacenaire: Schon vorbei?

Garance: Ja, die Leute waren zu anspruchsvoll. Die Wahrheit nur bis zu den Schultern, da waren sie enttäuscht.

Lacenaire: Natürlich, die biederen Leute wollten mehr sehen, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

Lacenaire: Ich bin nicht grausam, ich bin nur logisch. Ich, Pierre-François Lacenaire, habe der Gesellschaft schon vor langer Zeit den Krieg erklärt. Aber seien Sie beruhigt, Garance, ich bereite etwas ganz Außergewöhnliches vor. Sie sollten nicht lächeln, Garance, ich versichere Sie, ich bin kein Mensch wie die anderen. Schon als Kind habe ich klarer gesehen, war ich intelligenter als die anderen. Das haben sie mir nicht verziehen. Ich sollte sein wie sie, dasselbe sagen wie sie. Heb deinen Kopf, Pierre-François, sieh mich an, schlag die Augen nieder. Gewaltsam haben sie mir den Kopf vollgepfropft mit Büchern, mit alten Büchern! Sie haben Staub in den Kopf eines Kindes gehäuft. Eine schöne Jugend, wirklich! Mein Beichtvater predigte immer wieder: Du bist viel zu stolz, Pierre-Francois, du musst in dich gehen! So bin ich in mich gegangen. Nur habe ich nie wieder aus mir herausgekonnt! Wie unvorsichtig! Mich mir selbst zu überlassen — obschon den schlechten Umgang hatten sie mir verboten. Welche Inkonsequenz! Aber was für ein wunderbares Schicksal!

Nein, die letzten Wochen dieses Jahres haben nicht an Les Enfants du paradis denken lassen, an Lacenair in seinem Laden Ecrivan public auf dem Boulevard du Crime, das im Jahr 1827, also vor bald zweihundert Jahren, spielt, fällt dies doch seit Jahrzehnten ein, beinahe immer, wenn in Österreich von und um Bildung …

Daß dies aus Children of Paradise auch in diesen Tagen des Jahres 2026 einfällt, wieder unweigerlich einfällt, vielleicht auch deshalb, weil wieder seit langer Zeit schon gar viel von Widerstand gesprochen und geschrieben wird,

und dieser Film in einer Zeit der Kollaboration und des Widerstands hergestellt wurde,

aber viele an der Herstellung des Films Beteiligte hatten nicht kollaboriert

Aber auch zur Wahrheit fällt dies aus dem Film von Marcel Carné nach einem Drehbuch von Jacques Prévert mit der Musik von Joseph Kosmo, einem im damaligen österreichisch-ungarischen Budapest geborenen Komponisten jüdischer Herkunft, in einem Bühnenbild von Alexandre Trauner, einem im damaligen ungarisch-österreichischen Budapest geborenen Bühnenbildner jüdischer Herkunft, und Léon Barsacq, einem auf der damals vom russischen Kaiserreich annektierten Krim geborenen Filmarchitekten, ein, es ist nicht mehr ein Brunnen, in den geschaut wird, um die Wahrheit, die ganze Wahrheit —

und es ist doch nur wieder ein Brunnen, ein Brunnen aber vor dem sie nicht stehen, sondern einer, in den sie hineingezogen werden, in den sie sich tief hineinziehen lassen, einer Anspruchslosigkeit, während sie meinen, die Anspruchsvollsten zu sein, verfallen, denn

sie sehen wieder weiter nicht die ganze Wahrheit, jedoch, sie sind nicht enttäuscht, sie sind zufrieden mit dem, was ihnen …