„776.167 Euro“ sind nun, wie zu lesen ist, veranschlagt für die Schiefstellung des Karl Lueger, das Säubern und
Herausputzen seines mit in den Stein geschlagenen Meißelmeisters Josef Müllner; ursprünglich seien „500.000 Euro“ dafür beschlossen worden, aber das sind bei weitem noch nicht alle Kosten;
die Kosten etwa für den temporär aufgestellten Bretterverschlag müssen doch hinzugezählt werden, das waren „100.000 Euro“, so sind es bereits 876.167 Euro,
die das Mal auf dem KL-Platz allein seit dem Jahr 2022 verschlingen wird, wenn es denn bei den nun veranschlagten hinzugekommenen Kosten …
Aber es ist wohl jeden Groschen wert, der für ein Jahr hingezimmerte Bretterverschlag und vor allem die zwar mit zeitlicher Verzögerung nun knapp drei Jahre nach dem Bretterverhauabbau realisierte Schiefstellung nach einer Schöpfung eines Künstlers, die dereinst wohl zu seinem Hauptwerk gezählt in die Annalen eingehen wird, ist er doch bereits jetzt Inspiration für die Besten im Land, etwa für Heinz Sichrovsky, der am 8. März 2026 in der Krone des österreichischen Journalismus einen Artikel veröffentlicht, der eine in Buchstaben geschlagene Schräge —
Er, Sichrovsky, schreibt zweimal, also kein Tippfehler, von „726.000 Euro“ — woher er diese seine Summen wohl hat? Vielleicht von seinem auf dem „Hietzinger Friedhof“ wohnenden Vater, der ihm ja gar viel Tolles diktierte, so sind eben auch schon etwas nur gute Väter, sie helfen ihren Söhnen immer und überall bei deren Aufgaben, wenn diese mit ihren Arbeiten allein nicht zurechtkommen …
kostet jetzt 726.000 statt 550.000 Euro.
Und jetzt stellen Sie sich vor: Ich habe die Sache auf dem Hietzinger Friedhof meinem 1994 verstorbenen, etwas jüdischen Vater erzählt,
Er meinte, die Aktion erinnere ihn an einen außer Kontrolle geratenen Maturastreich nach ein paar Jahren Wiederkehr’scher Bildungsreform. Als budgetschonende Alternative empfahl er den preisgekrönten Entwurf der Maturanten eines Wiener Privatgymnasiums, die dem Professor eine Stripperin bestellt haben (s. „Krone“ vom 2. März). Da hätten alle was davon.
„Da hätten alle was davon.“ Ob der Vater seinem Buben auch gesagt hat, er solle das unbedingt ihm zur Manneswehr am 8. März veröffentlichen, das wird wohl ein Geheimnis zwischen Vater und Sohn bleiben.
Die 726.000 Euro sollte man lieber der totgesprarten Kammeroper und den existenzbedrohend gekürzten Künstlerstipendien zukommen lassen.
Sein Vater dürfte nicht nur ein „ehrbare[r] Mathematikprofessor gewesen sein, sondern auch ein Schustermeister, oder er hat sich nach Pensionierung und Tod gänzlich der Schuhmacherei zugewandt …
Gern könne man aber die Stadträtin Kaup-Hasler mittels orthopädischen Schuhwerks um 3,5° neigen, um die Schieflage
Ein schon nur etwas guter Vater hat immer ein offenes Ohr für die Fragen des Sohnes …
Ja, aber, wandte ich ein, die Nazis haben dich doch böse drangsaliert? „Das stimmt schon“, erwiderte der alte Herr. „Aber lieber wäre mir, man würde statt eines 1910 verstorbenen Antisemiten, der auch Gutes getan, die heutigen Rechtsradikalen kontextualisieren. Und mit der Gummiwurst auch die arabischen Importnazis plus Spießgesellen, die dafür demonstrieren, sieben bis acht Millionen Juden ins Meer zu werfen.“
1994 ist sein Vater verstorben, zu einer Zeit also, in der in Österreich nicht oder noch nicht und vor allem nicht so viel vom Antisemitismus und besonders vom „Antisemitismus-Import“ geschrieben und gesprochen wurde … Zum Import gehört auch der Export, der meist dem Import vorangeht, nicht selten wird zur Bearbeitung und Fertigstellung zuerst exportiert und dann importiert. Ein Export in den arabischen Raum waren beispielswiese die „Protokolle von Zion“, deren erste arabische Übersetzung „christliche Priester in Kairo“ …
Einen florierenden gesinungsgemäßen Export-Import-Handel des Nationalsozialismus gab es, dem Vater wird da vielleicht der „Importnazi“ eingefallen sein …
Von wem hat sein Vater das gehört, also das: „ins Meer zu werfen“. Der dazugehörige Slogan ist ihm wohl entfallen: „From the river to the sea“ … Als einem „etwas jüdischen Vater“ wird ihm dieser Souveränitätsslogan etwa nur von der Hamas wohl im Ohr sein, den auch der Likud …
Den 1910 verstorbenen Antisemiten, der auch Gutes getan hat, nicht zu kontextualiseren, wäre dem Vater lieber, und statt ihm die heutigen Rechtsradikalen zu kontextualisieren. Für einen im Grab Liegenden ist das wohl leicht durchzuführen, aber im Diesseits ist das nicht so leicht durchzuführen: Lebenden eine Tafel umzuhängen und sie zu verpflichten, diese immer und überall zu tragen, denn den heutigen Rechtsradikalinnen sind weder Denkmäler errichtet noch sind sie tot. Ja, im horizontlosen Jenseits kann eben nicht weit, wenn überhaupt noch, gedacht werden.
Gutes wird er wohl getan haben, der Antisemit, aber bei einem Bürgermeister stellt sich doch unweigerlich die Frage, ob er auch Großes getan habe, ob er ein großer Bürgermeister gewesen sei, und das Urteil darüber fällt ganz und gar nicht einhellig aus, es ist auch die Rede davon, daß
groß an ihm nur das ihm betonierte Denkmal war, und das auch nicht,
um seine Größe hervorzuheben, sondern um eine Propagandafigur …


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