„Es falle die Hülle!“

„Die Skulptur, erschaffen von Nicole Six und Paul Petritsch.“

In Wien wird es herrlich verstanden, zu feiern, aus jedem Wochentag, an dem eröffnet wird, einen Sonntag zu machen. Und es kann auch vorkommen, daß ein Sonntag einer Eröffnung tatsächlich auf einen Sonntag fällt.

Gestern war es wieder einmal soweit.

Zeitungen berichten über den „Huldigungsfestzuge“ ausführlich, allen voran die „Reichspost“, viele Seiten lang.

Es war ein wahrer Feiertag. Ganz Wien spürte seine Weihe. Dieselbe Ringstraße hinab, über die einst so oft der große Volksbürgermeister unter dem donnernden Jubel der Wiener gefahren war, zogen an diesem strahlenden Herbstmorgen unabsehbare Scharen, ein unaufhörlich quellender Strom der Menschen, Fahnen und Standarten, umrauscht von den Harmonien alter, ruhmreicher Märsche. Und wieder erfüllte der Name und Geist Luegers Herz und Sinnen, kein geisterhafter, ferner Schatten, sondern eine mächtige lebendige, von allen gefühlte Wirklichkeit. Das Denkmal ist schön, dem dieser Zug der Hunderttausende galt, aber schöner, herrlicher noch enthüllte sich gestern das unwandelbare treue Andenken, die Dankbarkeit und die Liebe des Wiener Volkes für den dahingegangen großen christlichen Führer und Bürger­meister. Und das waren nicht nur die Alten, jene, die ihn noch miterlebt und seine Kämpfe mitgerungen, das war Jugend, prachtvolle Jugend in unendlichen Scharen, aus allen Ständen, das kommende, das heranwachsende Wien — Zukunft, die aufs neue die alte Fahne Luegers hinaustragen will. Nicht eine Feier der Vergangenheit war es, die gestern Wien beging, sondern ein Fest zukunftssicheren Vertrauens in die Unbesiegbarkeit der Ideen, die einst Lueger verkündete, in Grundsätzen formte und zum geistigen Inhalt der christlichsozialen Bewegung machte. Hier offenbarte es sich: Das christliche Wien ist unabhängig von Tageskonjunktur und augenblicklichen Erscheinungen und Zufällen, es lebt mächtig in diesem Volke und es wird wieder hervortreten, sich gebieterisch auf dem ihm gebührenden Platze niederlassen, wenn seine Stunde gekommen ist. Diese Bekundung war erhebend, sie war auch lehrreich für manche Kleinmütige auf der einen und für viele Hochmütige auf der anderen Seite. Nach der wuchtigen, von tiefster Empfindung durchtonten Rede des Obmannes der Wiener Christlichsozialen […]

Das mag aus dem seitenlangen Bericht, um zu vermitteln, wie herrlich in Wien zu eröffnen verstanden wird, genügen.

Denn mehr von dem Manne, der an diesem Tag im Mittelpunkt steht, ist zu berichten, von einem Matador, dem die Feier auch und vor allem nicht eine der Vergangenheit ist, sondern ein Fest zukunftssicheren Vertrauens in die Unbesiegbarkeit der Ideen, die einst Lueger verkündete, in Grundsätzen formte und zum geistigen Inhalt der Bewegung machte, und hervortreten, sich gebieterisch auf dem ihm gebührenden Platze niederlassen, wenn seine Stunde gekommen, lehrreich

Die Zukunft, in die er sein Vertrauen propagandiert, die dann eine mit vielen, vielen, abervielen Matadorinnen, mit Hunderttausenden von Matadoren, die in keiner Arena mehr allein einen Stier töten, sondern mit ihrer einzigen Pflicht auf allen Plätzen, Menschen zu schlachten.

Ehe aber von diesem Mann, der auch ein Führer, berichtet wird, soll aus dem reichspostischen Huldigungsbericht noch eine Passage zitiert werden, die die Aufteilung in Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit auflöst, alles Gegenwart sein läßt.

Man braucht nur den Namen Breitner neben den Luegers stellen, um in die Abgrundtiefe zu schauen, welche die heutigen Fiskalisten und Zerstörer des Wohlstandes und des Erwerbes der Wiener Bevölkerung von demjenigen trennt, der diese Stadt aus der Ausbeutung landfremder und jüdischer Kapitalisten befreit und in Wien alle schaffenden Kräfte zu einem nie gesehenen Aufschwünge gesammelt hatte. Ein Bankdirektor, der mit Vorauszahlungen auf Gas- und Elektrizität bei sinkender Währung spekuliert, in Aktiengeschäften macht, eine Partei, die mit dem Ruin des Baugewerbes Handwerk und Industrie erschlägt, die Stadt mit dem Elend der Arbeitslosen anpropft, den Mittelstand mit erbarmungsloser Zielbewußtheit ausrottet, durch die steuerpolitische Erdrosselung des Kunstlebens selbst die Seele dieser schönheitsfreudigen Stadt in Fesseln legt […]

Nun aber zum Matador selbst, der, als das dieses Morden vorbei, wieder einen Sonntag seiner Erhebung erlebt, alle Übersetzungen für Matador überschrieben sind, überbleiben nur dürfen Stierkämpfer, allenfalls noch Schlüsselfigur

Nun trat Altbundeskanzler Dr. Seipel vor und wandte sich an die Versammelten: Wir gehen heute nicht von diesem Festplatze weg, ohne ein Wort des herzlichen Dankes unserem Freunde Kunschak gesagt zu haben. Ohne ihn, ohne seine treue Liebe zum Andenken Dr. Luegers, ohne seine Tatkraft, ohne seinen Mut, die Bevölkerung aufzurufen, hätten wir heute dieses Denkmal noch nicht vor uns gesehen. Er hat wackere Mitarbeiter aus den Reihen unserer Parteigenossen gefunden, aber sie alle sind einig mit mir, daß das eigentliche Verdienst an diesem Werke unserem Kunschak gebührt. (Zustimmung.) Wir begrüßen dankend unseren Kunschak, von dem wir zugleich alle Tage uns überzeugen, daß er es ist, der die Traditionen unserer Luegerzeit in Wien auch weiter aufrecht erhält. (Beifall.) Wir Christlichsoziale von Wien und von ganz Oesterreich werden ihm folgen und wenn er uns das Erbe Lueger auslegt und neu vor Augen stellt, dann werden wir wissen, wir handeln im Geiste des großen Mannes, der im Denkmal auf dich, lieber Kunschak und auf uns alle herabsieht. Stimmen Sie ein mit mir in den Ruf: „Kunschak der Erbe des Luegerqeistes, er lebe hoch! hoch! hoch! (Begeisterte Hochrufe.)

Und diesen Manne, den Matador des Denkmals, die Schlüsselfigur, deren Preis so vielen, vielen zu Bedeutung erhob, nicht einmal zu erwähnen, wenn es gilt, das Denkmal geschichtlich darzustellen, wie es etwa Andreas Nierhaus auf Wien Museum – das mit des Matadors Künstlers Wehrmann vor seinem Tore selbst so um Geschichte bemüht, auch auf unergründlichen Wegen – unternimmt, diesem dem Vergessen Anheimgegebenen muß erinnernde Gerechtigkeit widerfahren, ihn selbst sprechen zu lassen, ist nur billig und recht:

Als die letzten Töne verrauscht waren, trat der Obmann des Denkmalkomitees Leopold Kunschak an die Stufen des Standbildes und hielt folgende Festrede: Zwei Ereignisse sind tief eingegraben in die Geschichte der Stadt Wien. Der erste Amtsantritt des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger und der Tod dieses großen Mannes. Dazwischen eingebettet liegt ein 13jähriger, glanzvoller Ausschnitt der ruhmreichen Geschichte unserer Vaterstadt. Die Vereinigung der ehemaligen Vororte mit dem alten Wien hatte für die Entfaltung der Stadt zur Großstadt den breiten Rahmen geschaffen. Diesen Rahmen auszufüllen mit blühendem Leben und selbst strahlenden Glanz zu geben, das war die Aufgabe, die dem Bürgermeister Dr. Lueger von der Geschichte überantwortet worden war. Diese Aufgabe restlos erfüllt zu haben, das ist Lebenswirkung über das Grab, Glanz, der den Schatten des Todes tilgt, das ist die Unsterblichkeit des Namens Lueger, dessen Glanz und Preis. Wir stehen vor einem anderen, bedeutungsvollen Ereignis — der Enthüllung des Denkmals für Dr. Karl Lueger. Nicht will ich dieses Ereignis als bedeutungsvoll bezeichnen, nur im Hinblicke auf Lueger und dessen Wirken. Lueger bedarf keines Denkmales aus Erz und Stein, sein Name ruht in der sicheren Hut seiner Daten, deren Spuren erkenntlich sein werden, so lange noch in dieser Stadt ein Stein auf dem anderen liegt. Die Bedeutung des heutigen Ereignisses liegt an uns, in uns, liegt an Wien und den Wienern, an Oesterreich und den Oesterreichern, deren Schicksal glücklich zu gestalten, Lueger mit klugem Verstand und selbstverleugnender Hingebung stets sich mühte. Des Wieners und des Oesterreichers Seelenschmuck ist sein, ihm aus christlich-deutscher Geistes- und Gemütskultur erfließendes Verbindlichkeitsbewußtsein, sein Sinn für hohe Ritterlichkeit und edlen Dank. Krieg und Umsturz, Auflösung und Zusammenbruch, zermürbende Sorgen um das nackte Alltagsleben mögen als Erklärung, ja selbst als Entschuldigung dafür gelten, daß dieser Seelenschmuck im Schatten vielfach aufgezwungener, widerlichen Tatenlosigkeit verdüsterte. Die Besinnung ist wiedergekehrt; man hat sich wiedergefunden und aufgerafft zu christlich-deutschem Tugendbekenntnis. Der böse Schatten ist gebannt und in hellem Lichte ragt empor als Zeuge der Dankbarkeit eines Volkes, dem so viel gegeben ward — das Denkmal des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger! Das ist die eigentlich tiefste Bedeutung des heutigen Ereignisses. Glücklich der Mensch, der aus den Ereignissen zu lernen versteht! Unüberwindlich das Volk, dem die Ereignisse nicht blindes Walten, sondern Wege zur Erkenntnis sind! Möge das Ereignis von heute, möge der Aufblick zu Luegers Standbild im Bewußtsein unseres Volkes den Sinn, die Begeisterung, die feste Gebundenheit an Pflicht, die Liebe und Treue zu Volk und Vaterland, zu jenen Höhen tragen, auf welchen Dr. Luegers Lebensweg verlaufen. Ja, Lueger war der Mann der Pflicht, hart und unerbittlich, der Mann voll edler Begeisterung und siegender Tatkraft, in Liebe und Treue seinem Volke zugetan. Als Wiener durch und durch war Lueger der große Geist, der die Arbeit für Volk und Stadt an der Glut reinster, vaterländischer Gesinnung zu höchstem Weihedienst an Oesterreich gestaltet. Als stolzes Wahrzeichen Wiens, als ernste Mahnung zur Pflichterfüllung, als Ermunterung für die Zagenden und Wegweiser für die Tatfrohen möge dieses Denkmals Sprache hell bis in die fernsten Zeiten klingen. Des Denkmals Sprache künde auch das Lob, das auszusprechen die Pflicht als Obmann mir gebietet, das Lob, auf den Opferwillen der Bevölkerung, die gern und freudig Groschen um Groschen zum Baufonds häufte, das Lob des Künstlers, und das Lob der braven Arbeitshände, die des Künstlers genialen Geist aus Erz und Stein zu sprechender Wirklichkeit geformt. Es falle die Hülle!

In seiner Gegenwart, auf dem ersten gebieterisch eroberten Platze, wissen die Menschen um seine Bedeutung, ihm jubeln sie zu, zu ihm blicken sie auf, beim Demonstrationsdenkmal, gottergeben dankbar dafür, einem Denkmal aus Fleisch und Blut Treue zu schwören, ihm heilig zu versprechen, der Matadorinnen Zukunft zu bereiten, den Matadoren alle Plätze gebieterisch zu erobern, auf daß „wir diese schwierigste Aufgabe aus Liebe zu unserem eigenen Volk restlos“ —

Und dann geht es durch dreieinhalb Stunden weiter: Gruppe um Gruppe defiliert vor den Festgästen, Hunderte Fahnen, viele mit dem Luegerbild geschmückt, neigen sich grüßend vor dem erzenen Bild des unvergeßlichen Bürgermeisters. Ununterbrochen branden Rufe der Begeistsrung zu ihm empor. „Hoch Lueger!“ „Hoch der V o l k s b ü r g er m e i s t e r!“ ,,Hoch das christliche Wien!“ hallt es ohne Unterlaß. In diese Rufe mengen sich Kundgebungen für den Obmann des Luegerdenkmalkomitees Nationalrat Kunschak. „Hoch Lueger!“, „Hoch Kunschak!“, diese Rufe vereinen sich immer wieder, auch im gemütlichsten Wiener Dialekt Dann lauten sie ungefähr so: „Steig aber, Karl!“, „Servus Poldl!“ Auch den übrigen Festgästen, insbesondere Altbundeskanzler Dr. Seipel und Kardinal Erzbischof Dr. Pissl, jubeln die vorbeimarschierenden Gruppen zu. Immer wieder stimmen die Musikkapellen den Luegermarsch und das „O, du mein Oesterreich“ an, die sich fast symbolisch ergänzen. Einige Augenblicksbilder von der Defilierung: Die Pfadfinder ziehen mit zum Treueschwur erhobenen Fingern an dem Denkmal vorbei, die Turnerinnen grüßen es mit einem „Gut Heil!“ im Sprechchor. Stürmisch ist die Begeisterung der Frauen. Sie winken dem Denkmal zu, jauchzen und jubilieren und wollen gar nicht mehr weiterziehen. Die Ordner müssen sie fast mit Gewalt antreiben. Rührend der Aufmarsch der alten Garde, der Bürgervereinigung. Die graubärtigen Herren waren das treueste Gefolge des Mannes, dessen Erzbild sie nun huldigen. Es ist keine Schande, wenn da unwillkürlich die Erinnerung an verflossene glanzvolle Tage lebendig wird und sich in die Silberfäden des einen oder anderen Bartes eine Tränenperle hängt. Aus der Gruppe der Trachtenvereine treten zwölf Linzerinnen mit ihren glitzernden Goldhauben […]

So aber erklang zu Füßen des Luegerdenkmals aus dem Munde Doktor Seipels ein hundertmal verdientes Wort des Dankes und des Vertrauens zu Leopold Kunschak, dem einstigen Mitkämpfer Luegers und Führer der christlichsozialen Wiener Gemeinderatspartei. Hier ist der legitime Erbe Luegerischen Geistes. Dieser Feiertag wurde zum Gelöbnis. Es schwang nun auf in den begeisterten Kundgebungen am Ring, es klang aus der Rede Kunschaks, es brannte in den Augen und Herzen von Jungen und Alten, von Hunderttausenden, die gestern das christliche Wien verkörperten. Alten reinen Luegergeist zu pflegen und zu verbreiten, wird innere Aufgabe der christlichsozialen Bewegung sein, alten tapferen Luegermut, den Mut der Stürmer und Sieger der Neunziger Jahre, zu bewahren, die Aufgabe nach außen gegenüber einem Gegner, der unbekümmert um die Wohlfahrt des Volkes und des Staates, vor keinem Mittel zurückschreckt, seine tödliche Diktatur über das ganze Land aufzurichten. So wie gestern in allen Bezirken Wiens der alte befeuernde Klang des Luegermarsches ertönte und wiederum als Parole der alte Ruf „Hoch Lueger!“ erscholl, so soll auch in den kommenden Kämpfen unvergessen und gehalten sein Luegers Wort: „Kopf hoch, Nase zu und mittendurch!

Und Karl steigt herab, in Gestalt seines „legitimen Erben“, und ist unter ihnen, über ihnen, zu bleiben und zu bleiben

Es ist ihnen eine festliche Erweckung, wieder und wieder in Massen zu marschieren, wenn sie gerufen, zu diesem und jenem Platze, ins Rathaus, in sich aufzunehmen der Matadore Worte …

Zum Abschlusse doch noch ein wenig aus dem reichspostischen Bericht über diesen Sonntag, der kein Wochentag war, um zu zeigen, wie herrlich in Wien es verstanden wird, zu feiern, es keinen Menschen im Hause hält, von überall her Abordnungen deutschen Bekenntnisses strömen, aus Tirol, aus Bayern, aus Kärnten, aus Polen, aus der Tschechoslowakei und und und – sie alle werden angeführt, und menschgemäß namentlich alle „Ehrengäste“, so auch, um nur einen zu nennen, von dem erst vor kurzem die Rede war, Wilhelm Miklas, damals noch Präsident des Nationalrates …

150.000 Teilnehmer am Festzuge, über 300.000 Menschen bilden Spalier. Die Defilierung vor dem Denkmal dauert 3 1/2 Stunden. „Hoch Lueger!“ war die Losung des gestrigen Sonntages, an dem Wiens größter Bürgermeister sein Denkmal erhielt. Von den frühesten Morgenstunden bis in den Nachmittag hinein war das Stadtbild von einer Kundgebung beherrscht, wie eine gleich eindrucksvolle und mächtige schon seit Jahren nicht zu verzeichnen war. Eine Armee von über 400.000 Menschen war auf den Beinen, 150.000 marschierten im Festzug, dessen Defilierung vor dem Denkmal genau 3 1/2 Stunden dauerte; 300.000 standen einen halben Tag lang in dem dichten Spalier, das sich über den ganzen Ring zog. Frohe Marschweisen, begeisterter Jubel und unausgesetzte Hochrufe brausten zum Himmel empor, der sich wolkenlos und lachend über die Stadt spannte. Das christliche Wien, das christliche Oesterreich hat Dr. Karl Lueger gehuldigt und überwältigend dargetan, daß der Geist noch lebt, den der Gründer der christlichsozialen Partei geweckt hat … Morgens auf den Bahnen. Der Gedenktag des großen Volksführers sandte seine festlichen Strahlen weit über die Grenzen der Stadt. In der Umgebung Wiens, in den ländlichen Vororten an der Peripherie war trotz des strahlend schönen Sonntages ein viel stärkeres Zuströmen zur Stadt als umgekehrt zu bemerken. Auf der Südbahnstrecke sind die Züge, die in halbstündigen Pausen nach Wien abgelassen werden, mit Festgästen überfüllt. Aus Laxenburg, aus Perchtoldsdorf und aus Rodaun kamen Korporationen und Vereine, die Abzeichen und Fahnen mit reichem Blumenschmuck mit sich tragen. Weiß ist die Farbe des Tages. Eine Fülle von weißen Astern, Dahlien und Nelken sind dem großen Bürgermeister zu Ehren aus ländlichen Gärten mitgenommen worden. Unter den Fahrgästen gibt es eine Menge von alten Männern und Frauen, die sonst nicht so leicht die für ihre Begriffe mühselige und kostspielige Reise nach Wien unternehmen würden. Aber sie sind Altersgenossen des großen Verblichenen, sie haben den „Dr. Lueger“, oder „den Karl“ oder „den Bürgermeister“, wie sie ihn schlangweg nennen, gekannt, sie erzählen unterwegs den jüngeren Leuten von ihm und kramen allerlei Erinnerungszeichen aus, eine vertrocknete Blume, ein Abzeichen von einem Festzug bei dem „er“ mit dabei war. „So wollen wir halt dem Herrn Bürgermeister noch einmal auf der Erd‘ die Ehre erweisen, hevor wir ihn im Himmel wiedersehen“, sagt ein altes Mutterl, das mit ihrem weißhaarigen Ehegespons aus Wiener Neustadt zu der Wiener Festfeier gepilgert kommt.

Festlich die Eröffnung der Skulptur von Nicole Six und Paul Petritsch – über diese kann noch nicht aus seitenlangen Berichten erzählt werden, nur das kann schon gesagt werden, sie sind nicht auch noch der Mähr aufgesessen, das Denkmal des Leopold Kunschak sei „weit über zwanzig Meter“ hoch, und so haben sie ihre Skulptur nur so weit in die Höhe gesteckt, geschraubt, gezimmert, geleimt … nach dem tatsächlichen Maß der Skulptur des Leopold Kunschak eben; ein Verdienst, das sie sich hoch anrechnen —