Feministin hat zum Frauentag Wünsche an Männer

Es sollte vielleicht zuerst erzählt werden, niemals eine Zeile von Christine Nöstlinger gelesen zu haben, woran sie, wenn hierbei je von Schuld gesprochen werden kann, selbst …. es reichten vor Jahrzehnten ihre unfreiwillig – wobei es hier nichts zur Sache tut, weshalb es unfreiwillig war – gehörten Texte in einem niemals selbst zum Hören gewählten österreichischen Radiosender, morgendlich vorgetragen von einer krächzenden Stimme, die wohl Lustigkeit verbreiten sollte … die war wenigstens richtig zum oamen Gewäsch ausgewählt, diese nervende und das Gehör für immer schädigende Stimme.

Es reichten also vor Jahrzehnten ihre unfreiwillig gehörten Texte für eine Figur namens Wischer oder Wischerei, um niemals, ohne dafür je eine Entscheidung treffen zu müssen, ein Buch von ihr aufzuschlagen, schlimmer noch, gar ein Buch je von ihr zu lesen.

Jahrzehnte später muß wieder von ihr gehört werden, und wieder nicht freiwillig, aber wenigstens nicht täglich. Einmal im letzten Jahr

Nach Einschätzung von Christine Nöstlinger ist das Parlament der Ort der „denkfaulen“ Wählenden

und einmal schon in diesem Jahr, und es wird sehr aufzupassen sein, keine weiteren Interviews mehr in diesem Jahr mitbekommen zu müssen.

Sie, „die wohl bekannteste Feministin des Landes“, wurde befragt: zum Frauentag. Am Morgen des 8. März 2017. Die Wischerei vor Jahrzehnten wurde wohl ein wenig früher am Morgen ausgestrahlt, als das gestrige Interview kurz nach 7.00 Uhr.

Und was sagte sie?

„Zum Teil mache ich schon Frauen dafür verantwortlich. Ich erwarte mir ja nicht von der Supermarktkassiererin, daß sie sich rührt und auf die Barrikaden steigt, die ist in einer Situation, wo sie sich schlecht wehren kann, aber andere Frauen, denen es gut geht, halbwegs gut, die da irgendwo ihre Stelle in der Gesellschaft gefunden haben, die scheren sich ja auch nicht mehr darum.“

Wieder so treffsicher und so fundiert, wie im letzten Jahr beim Thema Wahlen.

Von der „Supermarktkasserierin“ erwarte sie sich nicht, daß … vor weit über einhundert Jahren hätte sie, Nöstlinger, wohl gesagt, als es noch keine Supermärkte gab, sie erwarte sich nicht beispielsweise von dem Dienstmädchen, von der Arbeiterin, wo sie sich schlecht wehren …

Wie gut, daß damals die Dienstmädchen, die Arbeiterinnen nicht darauf gewartet haben, bis sich die feinen Damen, denen es gut geht, die da irgendwo in der Gesellschaft ihre Stelle gefunden haben, sich wehren, auf die Barrikaden steigen, und vielleicht auch für sie, für die Dienstmädchen, die Arbeiterinnen … sie taten es damals selbst, und sie waren wohl in einer zur heutigen „Supermarktkassiererin“ unvergleichlich schwierigeren Situation, in einer für das Wehren enorm gefährlichen Zeit. Es müssen hierfür keine Beispiele aus anderen Ländern angeführt werden, es reicht Österreich, sogar Österreich.

Wie gut, um stellvertretend zwei Namen zu nennen, wie gut, daß etwa eine Rosa Jochmann oder eine Adelheid Popp nicht wie Nöstlinger dachte, als „Supermarktkassierin, wo ich mich schlecht wehren kann, warte ich auf die anderen Frauen, denen es geht gut, die da irgendwo ihre Stelle in der Gesellschaft gefunden haben, die scheren sich ja auch …“

Und sie, Nöstlinger, sagte auch:

„Ich höre jetzt seit 20 Jahren jeden Frauentag dasselbe, und es hat sich nichts verändert. Ich höre, daß der Unterschied in der Bezahlung …“

Ob Christine Nöstlinger vor zwanzig Jahren einen Hörapparat bekam? Denn. Sonst hätte sie es schon viele Jahrzehnte länger hören müssen können, etwa von der schlechteren Bezahlung der Frauen. Frauen hören das schon viel länger, Frauen fordern das schon viel länger, beispielsweise den gleichen Lohn für die gleiche Arbeitsleistung.

„Zentrale Forderungen waren Arbeitsschutzgesetze, Wahl- und Stimmrecht für Frauen, gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung, der Achtstundentag, ausreichender Mütter- und Kinderschutz und Straffreiheit von Abtreibungen. An den darauffolgenden Frauentagen marschierten Frauen auch gegen Imperialismus, insbesondere gegen den Ersten Weltkrieg.“

Diese Forderungen wurden erhoben am Frauentag 19. März 1911, in Österreich, in vielen Ländern. Vor 116 Jahren. Einhundertsechzehn Jahren sind die Forderungen alt, etwa nach einem gleichen Lohn bei gleicher Arbeitsleistung.

Und die bittere Wahrheit: die Forderungen sind noch älter:

„Die historischen Ursprünge des internationalen Frauentages liegen in den USA. Bereits 1857 protestierten in New York Arbeiterinnen gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und für bessere Löhne. Die Polizei zögerte nicht, in die Menge zu schießen. Am 20. Februar 1909 begingen Frauen im Norden einen ersten Frauentag für das allgemeine Wahlrecht. Im November streikten 20.000 New Yorker Näherinnen erfolgreich 13 Wochen lang. Eine Arbeiterin erzählte über den Streik: ‚Wir trugen billige Kleider, lebten in schäbigen Hütten, aßen billiges Essen. Es gab nichts, worauf man sich freuen konnte und nichts zu erwarten für den nächsten Tag!’“

„1893 organisierten Textilarbeiterinnen in Wien-Gumpendorf den ‚ersten Frauenstreik‘ in Österreich. Dieser Streik war umso bemerkenswerter, da das damals gültige Vereinsgesetz Frauen, Ausländern und Minderjährigen jede Form von politischer Betätigung untersagte. Die 17-jährige Amalie Ryba (später Seidel) führte diesen berühmten ‚Streik der 700′ an. Forderungen waren der 10-Stunden-Arbeitstag und die Erhöhung des Mindestlohnes. Der Streik war erfolgreich, die Forderungen wurden umgesetzt.“

Aber Christine Nöstlinger erwarte sich nicht von der „Supermarktkassierin, wo die …“

Niemals etwas von ihr gelesen zu haben, war, wie auch die Morgenminuten des 8. März 2017 bestätigten, kein Fehler, kein Versäumnis. Von der Werbung, wohl auch im Radio irgendwann gehört, wird gewußt, ein Buch von ihr habe den Titel: „Iba de gaunz oamen Leit“. Wie sie über die „ganz armen Leute“ spricht, wurde gestern um 7.12 Uhr gehört:

„Daß die Alleinerzieherinnen die armutsgefährdetste Sorte san.“

„Sorte“ – – Iba, ja, nur kein mit …

Ach ja, eines noch, abschließend wurde sie gefragt, was würde sie sich am Frauentag wünschen, wenn sie Wünsche hätte, und Christine Nöstlinger, die von der Gestalterin dieses Morgenbeitrages, von Cornelia Vospernik, als die „wohl bekannteste Feministin des Landes“ vorgestellt wurde, sagte, sagte die Feministin:

„Wünsche an Männer, daß sie Frauen bitte fördern und hochkommen lassen …“

Ein Gedanke zu „Feministin hat zum Frauentag Wünsche an Männer

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