Es hat seine Richtigkeit, daß Josef Müllner gesäubert und herausgeputzt bereits auf dem KL wieder steht, auf seiner Wirkungsstätte, also lange vor dem von ihm hier einbetonierten Bürgermeister, der dann irgendwann in den nächsten Wochen erst wieder gesäubert und herausgeputzt auf den KL verbracht werden wird —, hat doch der Bürgermeister keine Bedeutung, bloße Figur der Propaganda.
Es war zuerst nicht der Bürgermeister,
zuerst war Josef Müllner, der die Figur der Propaganda auf dem KL schuf —
und dieser seiner Gesinnung treu in höchsten Ämtern Bleibende, nicht der Bürgermeister und nicht der Bildhauer waren zuerst, war tatsächlich zuerst,
der das Denkmal ausbrütete …
Es hat auch von der Zeit her seine Richtigkeit, daß Josef Müllner gerade zu Ostern im April ’26 schon auf den KL zurückgebracht wurde, und nicht erst später zusammen mit seiner Propagandafigur, sind doch die österlichen Tage die Putztage im Jahr schlechthin.
Geputzt und gesäubert aber werden mußte nicht —
was für eine Ersparnis in Zeiten des allen auferlegten Sparens —
die ordentlich geputzt und sauber wirkende Tafel vor oder hinter (je nachdem von welcher Seite das Gelände betreten wird) dem nun wieder strahlenden Bildhauer auf dem KL für eines christlichen Mannes gar rechte Tat.
Weggeputzt aber mit dem nun auf dem KL strahlenden Josef Müllner ist ein Museum, das kein Debakel von Anfang wäre,
wie eben das, was nun von seinem Beginn an ein Debacle auf dem KL …
NS Es wird dann wohl eine große Feier mit vielen Persönlichkeiten geben, wenn das jetzt noch eingezäunte und abgeschlossene Gelände keine Baustelle mehr sein wird, der Bürgermeister zu seinem Bildhauer zurückgebracht werden wird, das, so ist es angekündigt, bis zum Sommer 2026 der Fall sein wird, und dann alles so schön sauber und geputzt sein wird, wie bereits jetzt im Frühling der Bildhauer.
Auf dem KL-Gelände zu feiern, darauf wurde in dieser Stadt es immer schon verstanden, bis zum heutigen Tag herauf, beispielsweise so auch vor etwas mehr als neunzig Jahren, als der 25. Todestag gefeiert ward. Von dieser Todesfeier gibt es ein kurzes Filmdokument. Im Film ist eine Fahne zu sehen, auf der geschrieben steht:
Wenn alle untreu werden
wir bleiben dennoch treu
heil dir
Da es ein Stummfilm ist, kann nicht gesagt werden, ob in dieser Todesfeier am KL-Gelände auch gesungen wurde, zum Beispiel das Lied der Untreue,
wie es vor nicht einmal zwei Jahren einem am Grabe gesungen ward.
Wenn alle untreu werden,
so bleib‘ ich dir doch treu,
dass Dankbarkeit auf Erden
nicht ausgestorben sei.
Für mich umfing dich Leiden,
vergingst für mich in Schmerz,
drum geb‘ ich dir mit Freuden
auf ewig dieses Herz.
Oft muß ich bitter weinen,
dass du gestorben bist,
und mancher von den Deinen
Dich lebenslang vergisst.
Von Liebe nur durchdrungen
hast du so viel getan,
und doch bist du verklungen,
und keiner denkt daran.
Du stehst voll treuer Liebe
noch immer jedem bei,
und wenn dir keiner bliebe,
so bleibst du dennoch treu.
Die treuste Liebe sieget,
am Ende fühlt man sie,
weint bitterlich und schmieget
sich kindlich an dein Knie.
Ich habe dich empfunden,
O! lasse nicht von mir,
lass innig mich verbunden
auf ewig sein mit dir.
Einst schauen meine Brüder
auch wieder himmelwärts,
und sinken liebend nieder,
und fallen dir ans Herz.
Aber sie haben nicht dieses Lied der Treue von Novalis gesungen, um einen ihnen lieben verstorbenen Menschen der Lauterkeit und Menschlichkeit zu beweinen, sondern das von Max von Schenkendorf, der das Gedicht von Novalis mißbrauchte, für seinen „erneuerte[n] Schwur, Junius 1814, an Friedrich Ludwig Jahn“, jedoch ebenfalls nicht aus Anlaß seines Todes, denn Jahn starb 1852 …
Mit Novalis freilich lassen sich keine Jahn-Turnhallen, keine Jahn-Denkmäler errichten, das weiß etwa der Grabredner und der Schenkendorfsänger auf dem Hernalser Friedrich recht genau,
dessen Verdienst eine Jahn-Turnhalle und ein Jahn-Denkmal in St. Jakob im Rosental …



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