„Das sollte uns natürlich mahnen!“

„… Es gibt durchaus orientalische Brauchtümer, die nicht immer angenehm auffallen. In Wien gibt es viele so türkische Hochzeiten. Da wird gedudelt, da gibt es einen Krawall. Im öffentlichen Raum ist das etwas anderes. Das gefällt nicht jedem. Passiert oft auf der Straße solche Umzüge, mit Janitscharenmusik usw. und Gedudel …“

„Wo?“ Auf diese Frage der Moderatorin, der bekannt ist, daß Hochzeiten in Festsälen stattfinden, weiß der Mann die konkreteste Antwort zu geben, die nur solch ein Mann zu geben je nur weiß:

„Auf der Straße.“

„Ist ein keltisches Fest, Halloween, also durchaus europäisch sozusagen.“ 

Sagt ebenfalls dieser Mann.

„Die Heimat des Nikolaus wurde ja von den Türken erobert, also Byzanz wurde ja vernichtet im Türkensturm. Das sollte uns natürlich mahnen. Das Kreuz sollte man schon auch verteidigen, besser gesagt, das Abendland.“ 

„Das sollte uns natürlich mahnen.“

Sagt dieser Mann.

„Das sollte uns natürlich mahnen.“

Was sollte mahnen?

Diese Selbstverständlichkeit, mit der in Österreich, Männer mit solch einem Gesinnungshaarschnitt zu Diskussionen in das Fernsehen eingeladen werden.

Nicht der Umstand, daß solche Männer eingeladen werden, und nicht nur in diese Fernsehanstalt oe, ist das Mahnenswerte, sondern, daß solche Männer nichts beitragen können zu einer Diskussion, zu einem Diskurs, zu einer Debatte, gleich zu welchem Thema, sondern solchen Männern Möglichkeiten geboten werden, ihre Gesinnung zu verbreiten, ihnen jede Diskussion nur dazu dient, Propaganda für ihre Gesinnung zu betreiben, jede Diskussion dafür zu mißbrauchen, jedweder Diskussion das notwendige Niveau zu vernichten.

Wozu generell zu sagen ist, daß das Niveau ohnehin von Fernsehdiskussionen in Österreich nicht unbedingt ein hohes zu nennen ist. Mit der forcierten Einladung von solchen Männern, und es sind vor allem Männer mit solchen Gesinnunghaarschnitten, wird das Niveau weiter und weiter in die Tiefe getrieben.

„Das sollte uns natürlich mahnen.“

Und gerade dieser Mann, von dem oben ein paar Zitate aus dieser Fernsehdiskussion gebracht wurden, steht exemplarisch in Österreich für die Anspruchslosigkeit der Fernsehanstalten, hochwertige Diskussionen zu bieten, steht exemplarisch für die Geringschätzung ihres Publikums, indem sie ihren Zuseherinnen inhaltslose Diskussionen anbieten, ihre Zusehern mit Gesinnungspropaganda von solchen Männern …

Sie werden vielleicht einwenden, ja, aber die Demokratie, es müsse doch ein jeder Mensch gehört werden, ein jeder Mensch die Möglichkeit zum Sprechen haben. Selbstverständlich. Und auch dieser Mann hat zur Genüge Gelegenheit dazu, und er nützt diese auch recht. Wozu also noch im Fernsehen? Zumal er inhaltlich nichts beizutragen hat. Wozu im Fernsehen auch noch seine Gesinnung hören, die er ohnehin auf der Straße singen kann und singt. Im Gegensatz zu ihm kann konkret geantwortet werden, wo das ist, auf welcher Straße. Und nicht nur wo, sondern auch wann. Und nicht nur auf der Straße, sondern es stehen ihm auch Medien seiner Gesinnung dafür zur Verfügung.

Und was ist seine Gesinnung? Seine Gesinnung kann in einem Wort kurz zusammengefaßt werden: „Deutschlandlied“. Gesungen am Michaelerplatz am Nationalfeiertag im Oktober 18 …

Auch Peter Wurstelsepp aus Favoriten hat seine Gelegenheiten, muß also seine Gesinnung nicht durch das Fernsehen geadelt werden … Auch seine gemeinsamen Auftritte auf der Straße mit diesem Mann können konkret genannt werden, wann und wo, beispielsweise am Albertinaplatz …

Auf der Straße. Wo? Wann? Im September 18 vor dem Bundeskanzleramt, auf einem Denkmal stehend …

I. Nagel gegen Regierung in Kurzens Land eingeschlagen: „Der blaue Fetzen muss verschwinden“

FPÖ Identitäre Parlamentspartei Michael Schnedlitz  Gedankengut nichts verloren - Werbung dafür nicht tragbar

Übrigens, Schnedlitz war auch dabei, also nicht vor dem Bundeskanzleramt, sondern im Fernsehen, und sein Beitrag zur Diskussion über den Krampus so reich wie der von dem Deutschlandliedsänger, also inhaltsleer.

Aber auch Schnedlitz hat seinen demokratischen Rednerplatz. Wo? Auf der Straße. Und den nützt er. Im Gegensatz zu dem oben zitierten Mann kann konkret geantwortet werden, wo und wann. Zum Beispiel im Februar 16.

„Dieses Gedankengut hat“ für FPÖ-Sozialstadtrat Michael Schnedlitz „bei uns nichts verloren.“

Mit der „identitären Bewegung“, und es sprachen zu ihr Landbauer, Rosenkranz und eben Schnedlitz mit dem bemerkenswerten Satz:

„Dieses Gedankengut hat bei uns nichts verloren. Werbung dafür ist untragbar.“

Soweit wie diese Männer mit diesem Gesinnungshaarschnitt will nicht gegangen werden, es will nicht ihr Demokratieverständnis übernommen werden, das dieser schnedlitzische Satz ausdrückt: „Dieses Gedankengut hat bei uns nichts verloren.“

Nur, diese Männer kostenlos für ihre Gesinnung in Diskussion werben zu lassen, muß nicht sein, es wird auch nicht verstanden, daß Fernsehanstalten in Österreich sich diese Gesinnungswerbung nicht teuer bezahlen lassen. Würden diese Männer ihre Gesinnungswerbung teuer bezahlen müssen, könnten Fernsehanstalten die hohen Einnahmen aus dieser Gesinnungswerbung dafür verwenden, Diskussionen höchster inhaltlicher Qualität zu bieten, Menschen zu Diskussionen einzuladen, die auch etwas Profundes zu sagen, Menschen mit höchstem Wissen, und es müßten nicht mehr Männer mit tiefster Gesinnung, keine Diskussionsvergewaltigerinnen mehr eingeladen werden.

Die Einnahmen aus solcher Gesinnungswerbung würden wohl äußerst spärlich sein, denn es sind Männer und Frauen dieser Gesinnungstracht nicht dafür recht bekannt, etwas aus eigener Tasche zahlen zu wollen.

Es werden doch andere Wege gesucht werden müssen, um in Österreich zu Diskussionen zu kommen, die, kurz zusammengefaßt, berechtigtersweise Diskussionen genannt werden können.

Österreich - Krampus

 

Ein Gedanke zu „„Das sollte uns natürlich mahnen!“

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