Es wurde bereits erzählt, wer aus Österreich mit Palantir verbunden ist, mit einem Konzern, zu dem in medialen Berichten besonders das Wort „umstritten“ hervorsticht, und auch das Wort „Klage“ ist kein seltenes Wort in medialen Berichten zu diesem Konzern.
Es braucht nicht auf all die Berichte eingegangen werden, es kann auch nicht auf all die Berichte eingegangen werden, denn es sind zu viele, und es ist auch nicht notwendig, auf all die Berichte einzugehen, denn all diese vielen Berichte sind für jeden Menschen zugänglich, der sich über diesen Konzern aktuell informieren will.
So wichtig das Aktuelle auch ist, so unbedingt die neuesten Nachrichten zu beachten sind, so schnell gerät das für den Tag Berichtete in Vergessenheit, was aber je nicht vergessen werden darf, ist der Hintergrund von solchen Konzernen, wie ihn beispielsweise auch
Volker Weiss in „Katechon – Zur Wiederkehr der politischen Theologie in der Gegenwart“ zur unbedingten Berücksichtigung und Klarstellung beschreibt, veröffentlicht im Verlag Cotta in 2026:
Denn im selben Jahr, als er diese Warnung aussprach, ging die von Thiel mitgegründete Firma Palantir an die Börse. Sie war nach einem „sehenden Stein“ aus Tolkiens Fantasy-Abenteuer benannt und sollte Analysesoftware für gigantische Datenmengen entwickeln. Weltweit interessieren sich staatliche Sicherheitsbehörden für dieses Produkt. Die Parallelen zu Thiels dystopischen Visionen sind frappierend. Letztlich beschreiben seine Warnungen die eigene Tätigkeit, doch er schafft es, seine Unternehmungen darzustellen, als stünden sie im Kampf gegen das Böse. Andernorts prognostizierte er für die Zukunft ein enges Zusammenwirken von KI und Drohnentechnologie, warnte jedoch nicht vor dem Entfallen des „menschlichen Faktors“, sondern vor allem davor, „die KI zu verteufeln“. Der „Drang“ nach menschlicher Kontrolle führe seiner Ansicht nach „wieder zur Frage des Antichrists, zur Forderung nach weltweiter Regulierung. Das macht mir mehr Angst als das Risiko der neuen Technologie“.13 Seine Wortwahl verdeutlicht, dass Thiel demokratische Kontrolle von Hochtechnologie und das Beharren auf menschlicher Entscheidungsfähigkeit in ihrer Anwendung ernsthaft als teufliche Versuchung ansieht.
Mit solch biblisch aufgerüsteter Rhetorik lässt sich auch gegen andere „trügerische“ Sicherheiten moderner Gesellschaften zu Felde ziehen: gegen Alters- und Gesundheitsfürsorge, betriebliche Mitbestimmung und Gleichstellungsvorschriften, Umweltschutz und verbriefte Menschenrechte. Schmitt notierte schon 1949: „Der Katechon, das ist der Mangel, das ist Hunger, Not und Ohnmacht.“ 14 Längst bleibt es nicht mehr nur bei Thiels öffentlichkeitswirksamen Interviews, in Trumps Maga-Bewegung und ihren europäischen Bewundern konkretisiert sich diese Haltung in der Politik. In der von ihnen angestrebten Welt müssen derartige Sicherheiten fallen, beschränkten sie doch ein Unternehmertum in seiner freien Entfaltung, das sich in den Tech-Oligarchen im Maga-Umfeld vom Schlage Elon Musks, Mark Zuckerbergs, Layrre Ellisons, Jeff Bezos‘ oder eben Thiels personifiziert.
Ganz in diesem Sinne hat Thiel bereits 2009 sein „Glaubensbekenntnis“ für das radikal-libertaristische Cato Institute in Washington ausformuliert, das sich ebenfalls dem Kampf gegen jede gesellschaftliche Regulierung verschrieben hat, da es diese als Angriff auf die individuelle Freiheit wertet. Er halte es für möglich, schrieb Thiel, dass „das Schicksal der Welt von den Bemühungen einer einzelnen Person abhängen“ könne, die „die Maschinerie der Freiheit aufbaut oder propagiert“ und die Welt damit „für den Kapitalismus sicherer“ mache.15 In diesem Text lamentierte der Unternehmer auch die Folgen des Frauenwahlrechts und prägte die Maxime, dass Freiheit und Demokratie nicht mehr miteinander vereinbaren seien.
Wie Felix Schilk nachzeichnet, zeigt sich die Wirkung der „Diskursmacht“ solcher Deutungsangebote darin, dass „unter Rückgriff auf die katechontische Form der Apokalyptik heroische Subjekte auf den Plan gerufen werden, deren Regime sich die unheroische Masse unterwerfen soll“.16 Vor dem Hintergrund dieses cäsarischen Szenarios steht die in der Kreisen der Tech Bros gerne verwendete „römische“ Ästhetik in einem ganz anderen Licht.
Thiels Berufung auf die Paulus-Briefe hat eine regelrechte Welle kritischer Essays, mitunter auch aus fachtheologischer Perspektive, hervorgerufen, die von einer leichtfertigen Politisierung der Motive warnen.17 Auch der langjährige Leiter der katholischen Friedensorganisation Pax Christi, Wolfgang Palaver, warnt vor dieser Paulus-Auslegung. Als Dialogpartner des Unternehmers, den er an der Universität Stanford kennengelernt hatte, fasste der Theologe Thiels Weltsicht im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung nochmals zusammen. Sie bestehe aus uneingeschränktem Vertrauen in Technologie und eienr vehementen Ablehnung von „Regulierung und Sicherheitsdenken“ vor allem seitens Staaten und internationalen Organisationen. Hinweise „auf drohenden Klimakollaps oder eine atomare Katastrophe“ hinderten für Thiel nur die Entfaltung. Auch Palaver identifiziert die Bibel als eine Quelle dieses unternehmerischen Weltbildes. Thiel beziehe sich, neben der Johannes-Apokalypse, auf „eine Stelle bei Paulus, wonach der Antichrist mit Frieden und Sicherheit lockt, um die Menschen irrezuführen“. Um diesen Sieg des Antichristen zu verhindern, setze er auf Vance und Trump, da diese „die Globalisierung zurückdrehen, die Demokratie und staatliche Institutionen zerstören, um so für etwas Neues Platz machen.
Weniger Kontrolle und Regulierung und freie Hand für Unternehmer.“18 Ein steinreicher Hochtechnologie-Unternehmer mit exzellenten Verbindungen und apokalyptischer Erwartung, der seine politische Haltung mit biblischen Bezügen untermauert, das klingt nach dem Szenario eines James-Bond-Films, konnte aber im Tech-Kapitalismus Realität werden. Vor diesem Hintergrund schreibt Helmut Kellershohn, dass „Peter Thiels Aneignung der Lehre vom Katechon, Antichrist und Armageddon [als] politisch-theologische Selbstermächtigungsstrategie verstanden werden“ sollte.19 Das ist umso mehr zu bedenken, wenn dieser Mann dem Us-Vizepräsidenten J. D. Vance fördert, der im Gegensatz zu Donald Trump seine Zukunft noch vor sich hat.
Volker Weiss. Katechon. Zur Wiederkehr der politischen Theologie in der Gegenwart.
Cotta. 2026. Seite 25, 26, 27, 28.
Das also ist über den Hintergrund von Palantir auch durch das Buch von Volker Weiss zu erfahren, aber auch über die „Gefolgsleute“ in Europa im allgemeinen und in Österreich im besonderen, die sich für das Thielsche begeistern, wobei nicht erwartet wurde, daß die ehemalige Politikerin aus Österreich, die irgendwann zum Studieren auf der Universität Stanford nach den Vereinigten Staaten von Amerika aufbrach, zur führenden Mitarbeiterin von Palantir sich wandeln werde, wobei nicht gewußt wird und nicht gesagt werden kann, ob sie lediglich für diesen Konzern arbeitet, ohne jedoch von der geistigen Zugerichtetheit begeistert zu sein. Wer sich für das Thielsche in Europa im allgemeinen und in Österreich im besonderen begeistert, ist keine Überraschung, sondern das Erwartbare, und vielleicht wird in einem weiteren Kapitel noch von diesen erzählt werden, was Volker Weiss zu ihnen schreibt.


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